Donnerstag, 18. Dezember 2014

Der eilige Abend



Wochenlanges Vorbereiten
für das Fest der Herrlichkeiten.
Endlich sitzt man vor dem Teller.
Kindchen fragt: "Geht es nicht schneller???"
Mutter sagt: "Mein Kind, bedenke:
nur wer lieb ist, kriegt Geschenke!"

Kindchen aber hat es eilig.
Mutter sagt: "Das Fest ist heilig.
Halte ein, mein Kind, und bete."
Kindchen aber holt die Flöte,
spielt - obgleich die andren essen -
Weihnachtslieder (angemessen).

Vater duldet keine Klänge,
wenn er isst, und auch Gesänge
sind bei Tische nicht gestattet.
Vaters' Machtwort überschattet
kurzerhand die Weihnachtsfreude,
und sie steht auf Messers Schneide.

Kindchen ist zwar mäuschenstille,
doch der unbändige Wille,
endlich zum Geschenk zu laufen,
bringt den Vater jetzt zum Schnaufen:
"Wenn der Weihnachtsmann das wüsste,
striche er dich von der Liste!!!"

Ei der Daus. Das hat gesessen!
Kindchen sitzt jetzt brav beim Essen.
Mutter lobt nun sein Betragen.
Kindchen hat den Mund voll' Fragen,
lässt das Fragen aber bleiben
(will 's ja auch nicht übertreiben).

Bald sind alle voll bis oben.
"Lasst uns noch die Mutter loben,
die so fürstlich für uns kochte.
Hand hoch, wer die Speise mochte."
Doch die Mutter - ganz bescheiden -
mag sich nicht mit Ruhm bekleiden.

Kindchen nimmt das Recht zur Störung:
"Ist dann endlich mal Bescherung?
Da wir nun gegessen haben,
will ich jetzt auch meine Gaben!"
Vater - blau von roten Reben -
hat ihm grünes Licht gegeben.

Binnen weniger Sekunden
ist der Zauber dann verschwunden.
Die Geschenke .... aufgerissen.
Längst verdaute Festtagsbissen.
Weihnachtsbaum wirft Nadeln nieder -
so geht 's alle Jahre wieder.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Sweet home




Die weite Welt ist mir zu groß.
Der Menschen sind 's zu viele.
Ja, ich verweigre rigoros
die ganzen Reisespiele.

Der liebste Fleck ist "my sweet home"
statt Urlaub in der Masse,
weshalb ich nicht für Prag noch Rom
den trauten Raum verlasse.

Was sollt' ich auch im fernen Land?
Mich am Buffettisch streiten,
wo Gier und Fressneid meine Hand
bei jedem Griff begleiten?

Ich liebe den gewohnten Gang,
ich brauche meine Ruhe,
statt dass ich tage-, wochenlang
nichts sinnerfülltes tue.

Schon An- und Abfahrt sind ein Graus.
Da lob' ich die vier Wände.
Oh, wie so schön ist es zuhaus!
Erholung ohne Ende ....



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 16. Dezember 2014

Diebstahl ist Sekundensache



Männlicher Charme trifft auf weiblichen Reiz.
Schon sind die Herzen gebrochen.
Schon wird sich Liebe versprochen.
Aber die Vorsicht hat andererseits
auch die Enttäuschung gerochen.

Zwischen dem Kuss hin zum nächtlichen Spaß
lagen nur wenige Stunden.
Ist man nun ewig verbunden,
nur weil das Hirn mal das Denken vergaß?
Oh, ich erahne die Wunden ...

Tanz unter Sternen und Traum unterm Mond.
Mitten ins Schwarze getroffen.
Aber das Ende ist offen ...
Haben sich Blindheit und Taumel gelohnt?
War man zu liebesbesoffen?

Bald greift der Alltag das zarte Gefühl.
Zweifeln, Besorgnis und Fragen.
Kälte nach hitzigen Tagen.
War nicht gemeinsames Altern das Ziel?
Amor kann 's gar nicht ertragen ...

Sind seine Pfeile denn allesamt stumpf,
dass sie die Wirkung verfehlen?
Ach, diese bösen Querelen ...
Erst ist die Liebe der größte Triumph,
aber die Hassflammen schwelen ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 13. Dezember 2014

Brüderlich gegen die Angst



Es steckt die Angst mir in den Knochen.
Sie will die Seele breiig kochen.
Sie greift sogar nach meinem Leben,
doch wer will schon sein Leben geben?

Sie klammert sich an meine Stunden,
und hat es wohl für gut befunden,
mit ihrem Rundum-Bangemachen
mich tags und nächtens zu bewachen.

Sie nimmt mich ständig mit auf Reisen
mit haltlosem Gedankenkreisen
und wirren Phantasiegeschichten,
die allerlei zusammendichten.

Ein Meister gar im finstren Sehen!
Der Atem bleibt mir stockend stehen,
sobald die Angst den Bär' aufbindet
und somit meine Seele schindet.

Dann hat sie ihre helle Freude.
Sie liebt es, wenn ich ängstlich leide.
Wenn sich die Augen bange weiten,
und Glocken zum Alarme läuten.

Sie bringt das Herz zum Galoppieren,
und lässt mich nur zu gerne spüren,
dass mir die eigne Kraft entgleitet
(was ihr Genugtuung bereitet).

"Oh, Ihr Gedanken! Zeigt mir Treue!
Stellt Euch geordnet in die Reihe
und schickt in brüderlicher Weise
die Angst auf ihre letzte Reise.

Seid einig, mutig und beflissen.
Erkämpft das angstfreie Gewissen,
dann kehrt die Seelenruhe wieder.
Drum auf, ringt mir die Ängste nieder!!!"



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Lyrisch gegen Rassismus



Man sieht nur mit dem Herzen gut!?!
Ein altes Wort mit wahrem Kern,
und doch von allem Guten fern,
denn weiterhin sorgt fremdes Blut
für tödlichen Disput.

Es ist das Farbspiel auf der Haut,
dass unentwegt Verfolgung bringt.
Bedenklich, dass es nicht gelingt,
dass - ganz egal, wie einer schaut -
man feste Brücken baut.

Es fehlt ein Martin Luther King,
der aufsteht, kämpft und Hoffnung macht.
Wir brauchen keine Straßenschlacht.
Wir brauchen einen Freundschaftsring,
und keinen Widerling.

Rassisten sind hier fehl am Platz.
Es gibt nicht dieses schwarz und weiß.
Es gibt nur einen bunten Kreis
und einen innren großen Schatz.
Der Rest ist für die Katz ...

I have a dream! Dass alle Welt
sich friedlich in den Armen liegt.
Und dass die Nächstenliebe siegt.
Und dass man fest zusammenhält,
und aller Hass zerfällt.

Das Gute mit dem Herzen seh'n.
Ein Blick, der sich erlernen lässt.
Ich glaube daran, steif und fest.
Denn aufeinander zuzugeh'n
macht alles Leben schön.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja