Montag, 2. März 2015

C-A-F-F-E-E



Die Kaffeebohne aus Peru
sieht ihren Artgenossen zu
und leidet stille Qualen.
"Kein Weg der Flucht. Gleich wirst auch du
zu feinem Staub gemahlen."

Die Angst ergreift das Böhnchen, und
noch eh es rinnt durch Mund und Schlund,
da spricht es ein paar Worte:
"Bald bin ich Teil vom halben Pfund
der besten Kaffeesorte.

Ich werde kochend aufgebrüht,
und wenn mein Duft durchs Zimmer zieht,
sorg' ich für Wohlbehagen.
Doch, dass mir das Zermalmen blüht,
ist eher ein Unbehagen.

Es ist mir gleichsam angedacht,
dass man aus mir den Schwarztrunk macht,
der müde Geister kitzelt,
dass gleich die Energie erwacht
und mit dem Leben witzelt.

Sobald der Tag zur Türe tritt,
werd' ich gleich zwischen Schritt und Tritt
in aller Hast getrunken.
Doch wenn ich zum Gebäckstück bitt',
dann bin ich zeitversunken.

Man trinkt mich stark, man trinkt mich schwach.
Ich mach' erschöpfte Menschen wach,
und bin wohl zur Vergnügung.
Das Mahlen und das Brühen, ach,
ist meines Schicksals Fügung.

Ich durft' ein Kaffeeböhnchen sein ...
Auf, Mahlwerk, mahl' ich pulverfein,
die Stunde ist gekommen."
Sprach 's aus und fiel ins Messer rein,
und ist drin umgekommen ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 28. Februar 2015

Die Schalterfrau



Die Frau am Schalter lächelt müde.
Von tausend Menschen tausend Fragen.
Am liebsten würd' sie ihnen sagen,
dass sie es bleiben lassen sollen
das "bis-ins-Kleinste-wissen-wollen".
Sie sagt es nicht. So siegt der Friede.

Ihr Job ist "freundlich Auskunft geben".
Acht Stunden lang. Acht lange Stunden.
Sie hat auch ein Ventil gefunden,
falls ihr der Kragen platzen möchte:
dann malt sie senk- und waagerechte
ganz zarte Striche, die sich weben.

Wohl an die hundert Webfiguren
aus Kugel- oder Bleistiftmienen
sind 's täglich, die dem Ziele dienen,
nicht aus der müden Haut zu fahren.
Da sammelt sich was mit den Jahren ...
Die Nerven liessen ihre Spuren.

Am Anfang der Berufskarriere,
da war die Frau noch voller Eifer.
Die Zeit verging, sie wurde reifer,
allein der Eifer kam abhanden.
Wo gestern Nettigkeiten standen,
ist heute eine Lust-Barriere.

Und die ist kaum mehr zu erklimmen.
Denn immerzu auf gleiche Fragen
das immer gleiche Wort zu sagen,
das ist der Schalterfrau zuwider.
Die Auskunftslust verlässt die Glieder.
Tagein, tagaus nur Menschenstimmen ....

Jedoch, jedoch ... was soll sie machen?
Sie muss noch zwanzig Jahre schaffen.
Noch zwanzig Jahre Kräfte raffen.
Und dann von karger Rente leben.
Noch zwanzig Jahre Auskunft geben.
Sie spielt gekonnt mit müdem Lachen ...



(c) Bettina Lichtner


Freitag, 27. Februar 2015

Wem 's gebührt



"Deine Ruhe möcht' ich haben!",
schreit das aufgeregte Huhn
hin zur Kuh (die sieht man traben,
denn sie hat sonst nichts zu tun).

Und das Huhn, es schnatt- und schnattert,
und die Kuh malmt still ihr Heu.
Bauers' Trecker dröhnt und rattert
und trennt Weizen von der Spreu.

"Bist du stumm, du Weißgefleckte?",
kreischt das Huhn in schrillem Ton.
Doch die Kuh genoss und leckte
sich das Maul vom roten Mohn.

Langsam wurd' das Hühnchen böse.
Und sein Herz kam außer Takt.
Doch das brausende Getöse
hat das Rindvieh nicht gepackt.

Kaut auf rechter, linker Seite,
hin und her und umgekehrt,
sieht bedächtig in die Weite
und genießt ganz ungestört.

Diese ungestörte Haltung
bringt die Weißglut in das Spiel.
Zwischen beiden kommt 's zur Spaltung,
doch das schert die Kuh nicht viel.

Und das Huhn, das flattert wilde.
Und die Federn fliegen raus.
"Kuh, was führst du nur im Schilde???",
schallt 's aus seinem Kropf heraus.

Doch die Kuh bleibt ganz gelassen.
Und das Huhn sieht hilflos zu.
Nun, ich will 's zusammenfassen:
Huhn macht Stress und Kuh liebt Ruh'.

Übertragen auf das Leben,
das der Mensch auf Erden führt,
kann sich folgendes ergeben:
Ruhe dem, dem sie gebührt!

Denkt ans Motto: Säen - Ernten.
Säe Stille, ernte Ruh'.
Was wir aus dem Reim nun lernten:
Sei das Huhn nicht! Sei die Kuh!!


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 26. Februar 2015

Neubeginn am Meer



Ich habe deine tausendfachen
verliebten Schwüre ja so satt.
Und dieses kalte Liebe-machen,
wo 's keine Leidenschaft mehr hat.
Ja, ja, nun fällt mir Blatt um Blatt
vom Mund und dir gefriert das Lachen ...

Es ist das endlose Enttäuschen,
das mir die Lust am Lieben nimmt.
Dein "fremder Frauen Blicke heischen"
hat mich schon tausendmal verstimmt.
Ach, wie dein Wort jetzt hilflos schwimmt ...
Ich könnte dich komplett zerfleischen!

Ich hab' es viel zu lang' ertragen!
Hab' dir geglaubt. Mein Gott, wie dumm ...
Dass Lügen in den Räumen lagen,
ertrug ich gleichfalls taub wie stumm.
Nun ist die Zeit des Truges um!
Ich hab' dir weiter nichts zu sagen.

Doch halt, noch dieses: Du sollst wissen,
dass - wenn die Tür sich nach dir schließt -
ich glücklich bin. Und .... dich vermissen???
Die Hoffnung sei dir nun vermiest.
Es ist die Freiheit, die mich grüßt.
DU hast uns beide weggeschmissen.

DU konntest deine Hand nicht lassen
vom andren Weibsbild. DU! NUR DU!
Die Wut ist groß. Doch hassen? Hassen?
Zu meinem Wohl lass ich 's nicht zu!
Hau endlich ab. Lass mich in Ruh'.
Dein Blick soll nicht den meinen fassen.

Dein Mund, auf dem sich fremde Lippen
ergötzten, weckt mir Übelkeit.
Wie schnell doch "froh und selig" kippen ...
Hast du denn nie dein Spiel bereut?
Vielleicht begreifst du mit der Zeit:
Du stößt was Großes von den Klippen!

Ich könnt' mich selber dafür prügeln,
dass ich ein solcher Blindfisch war!?!
Ich fahr' ans Meer, die Sinne zügeln.
Am Meer krümmt keiner mir das Haar.
Am Meer sieht meine Seele klar.
Ich lass' mich wieder neu beflügeln ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 25. Februar 2015

Neuer Blog





Ab sofort veröffentliche ich meine Fotografien auf





www.lichtner-fotografie.blogspot.de