Dienstag, 20. Februar 2018

Sinn, wandle dich



Wie kann die Zukunft düster sein,
wenn 's sie doch gar nicht gibt?
Wir malen uns Phantasterei'n,
weil 's der Verstand so liebt.

Doch alles bloß ein Hirngespinst.
Gedankenspinnerei.
Wenn du das JETZT zum Freund gewinnst,
bist du von allem frei !!!

Vergangenheiten? Zeig mir wo ...
Das Morgen? Illusion ...
Es fährt ein Zug nach nirgendwo,
im gestern war er schon.

Verstrickst du dich in alter Zeit,
befällt dich Traurigkeit.
Und träumst du weit voraus ..... so weit,
macht Ängstlichkeit sich breit.

Die Zukunft läuft verführerisch
und rückwärts vor dir her,
und ist ja doch betrügerisch,
drum glaube ihr nicht mehr.

Sie malt dir bessre Zeiten aus,
und du fällst drauf herein.
Die Zukunft scheint ein Blumenstrauß
aus Wunsch und Traum zu sein.

So rennst du Jahr um Jahr um Jahr
ihr nach bis in das Grab.
Das Jetzt indes, das deines war,
ging stets am Hungerstab.

Das Jetzt, das hast du ignoriert.
Es war nie gut genug.
Wohin hat dieser Trug geführt?
In einen Eilzug.

Dann saßt du da und dachtest dir,
wie schön 's doch früher war.
Das Jetzt indes, das kleine Hier,
das nahmst du gar nicht wahr.

So liefst du zwischen Stühlen her,
und setztest dich nicht hin.
Der Stuhl des Jetzt blieb immer leer.
Du schmähtest den Gewinn.

Denn hättest du das Jetzt geseh'n
voll Dankbarkeit und Freud',
dann ließest du die Uhren steh'n,
und wärst in deiner Zeit.

Das Leben spielt im Jetzt und Hier,
das mache dir bewusst,
dann wartet hinter dieser Tür
das Glück der Lebenslust.


(c) Bettina Lichtner

Montag, 19. Februar 2018

Das Geld ist des Teufels


Es steht die Welt am Scheideweg:
zum Krieg geht 's dort, zum Frieden da.
Sie wandelt auf des Messers Steg.
Es scheint, als sei ein Unheil nah.

Die sogenannte Doomsday-Clock
ward wieder einmal vorgestellt.
Die Suche nach dem Sündenbock
beschäftigt jeden Tag die Welt.

Man(n) rüstet auf. Das Schlimmste droht.
Wir rasen auf den Abgrund zu.
Die Liebe kämpft, jedoch der Tod
gibt weder auf, noch gibt er Ruh.

Wer hält die Fäden in der Hand?
Wer spielt mit Menschen Katz und Maus?
Wer setzt den Frieden in den Sand?
Wer richtet uns auf Feindschaft aus?

Gewiss ja nicht das Militär.
Die Staatsmänner? Nein, nein. Oh nein.
Ganz oben steht manch Milliardär -
DEM fallen Not und Elend ein.

Wer das noch nicht begriffen hat,
dass wir nur Marionetten sind,
der ist ein Dummkopf. Dumm und satt,
und für die Weltenlenker blind.

Die Milliardäre - deren Geld
nur eines kennt, und das ist MACHT -,
regiert schon lange diese Welt,
und hat schon manchen Krieg entfacht.

Ob Nahrung, Rüstung, Pharmazie -
die Lenker stecken überall.
Sie spielen mit uns ohne Müh',
und bringen diese Welt zu Fall.

Ihr Geld zerstört, ihr Geld leckt Blut.
Seht an, wo unsre Erde steht.
Wer glaubt, am End' wird alles gut,
der hat die Tatsachen verdreht.

Ich bete, dass die Liebe bald
das Geld als Teufelsbrut vertreibt.
Doch sind die Herzen ja so kalt,
dass kaum ein Fünkchen Hoffnung bleibt.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. Februar 2018

Übersetzungsversuche


Auf dem Schornstein thronen sieben schwarze Raben,
über weltliche Belange ganz erhaben.
Und sie krächzen um die Wette !
Wenn ich doch verstanden hätte,
an welch' Dingen sich die Rabenseelen laben.

Doch ich weiß es nicht, drum muss ich phantasieren,
über was die Federschwarzen diskutieren:
Ob sie hoch auf den Gemäuern
ihre Beutezüge feiern?
Oder ob sie einen Schlager komponieren?

Vielleicht planen sie vom Ausblick der Kamine
ganz begeistert einen neuen Flug ins Grüne?
Sie besprechen ihre Route
bis ins kleinste der Minute,
unter Anbetracht der sonstigen Termine.

Kann auch sein, dass sie den Gruppenzwang benutzen,
um verbal das Nest der Taube zu beschmutzen,
die im Laubbaum um die Ecke,
zwischen Brom- und Lorbeerhecke,
vier, fünf Stunden braucht, die Brutstätte zu putzen.

Vielleicht sind sie allsamt Re-Inkarnationen,
deren Seelen nun in Rabenkörpern wohnen!?!
Kann doch sein, sie waren Leute
mit dämonenhafter Seite,
die nun Raben sind als strafende Lektionen!?

Oder sind sie die berühmten Sieben Weisen,
deren Worte um den Stein der Weisen kreisen?
Sind sie schlaue Professoren?
Sind sie Herrscher? Diktatoren?
Gar Schmarotzer, die von Überflüssen speisen?

Sind es Herren? Sind es Damen? Schwer zu sagen ...
Zwei Parteien, die sich einfach nicht vertragen?
Sind 's Geschlechter-Rangeleien?
Oder Gruppen-Liebeleien?
Sind es Mütter in Gesprächen ob der Blagen?

Oder höre ich die Raben etwa lachen,
weil die Menschen sich 's so schwer im Leben machen?
Ach, ich würde gern' verstehen,
wie die Raben Menschen sehen.
Vielleicht seh'n sie uns als habgierige Drachen?

Tausend Möglichkeiten könnte ich erdichten
über sieben Raben und die Krächz-Geschichten.
Könnte dieses, jenes schreiben,
doch ich lasse es nun bleiben,
denn schlussendlich ist 's ein Haufen von Gerüchten.


(c) Bettina Lichtner

Tausche Sein gegen Nichtsein



Es strandet am Ufer das todmüde Leben
und sehnt sich zur anderen Seite.
Es möchte sich selbst keine Stunde mehr geben,
und lechzt nach unendlicher Weite.

Sein Streben und Trachten nach köstlicher Fülle -
es ward ihm zum treibenden Jagen.
Es tauschte so gerne den Lärm gegen Stille,
die Leichtigkeit gegen 's Ertragen.

Die Ruh' über Wipfeln erträumt es als Wiege,
zu betten den Körper in Frieden.
Der Atem geht sachte noch einige Züge,
dann ist er aus allem geschieden.

Erwachen im Drüben. Ein Lachen. Ein Freuen.
Ein Tanzen nach kindlicher Weise.
Die Seele umjubelt ihr eignes Befreien
nach irdisch beschwerlicher Reise.

Von Schmerzen verlassen. Von Sorgen entbunden.
Ein Mitleid mit denen, die blieben.
Am ewigen Ufer sich selber gefunden.
Kein Blatt mehr mit Tränen geschrieben.

Von Ahnen empfangen. Ein Festmahl gehalten
inmitten der schmerzlich Vermissten.
Vorbei alles Schalten. Vorüber das Walten.
Vergessen das einsame Fristen.

Die Engel posaunen. Die Chöre erklingen.
Die Liebe darf laut triumphieren.
Auf Erden ein Jammern. Im Himmel ein Singen.
Das Wahre entflieht dem Maskieren.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 9. Februar 2018

Kein Ende in Sicht


Es lugt durchs harte Winterfeld
ein Krokus in die kalte Welt
und hält sein zartes Angesicht
ins aufgehende Sonnenlicht,
und zagt und zaudert nicht.

Ein Dackel sucht ein Pissoir,
und denkt sich: "Ei, wie wunderbar,
die Blume dort, die soll es sein!!"
Er stellt sich hin. Er hebt das Bein,
drauf geht die kleine Pflanze ein,

und denkt beim letzten Atemzug:
"Ich sah das Licht. Das sei genug.
Das trage ich ins Himmelszelt
als Souvenir von dieser Welt.
Wohlan, mein Leben fällt ...."

Dem Dackel ist es einerlei
(und auch den Menschen nebenbei).
Ein Blümchen tot? Naja. Na und?
Das Zwiebelchen im Untergrund
treibt bald schon wieder bunt.

Dann geht der Kreis von vorne los:
der Krokus blüht im Erdenschoß,
der Dackel sucht ein Pissoir,
er hebt sein Bein wie jedes Jahr
im Monat Februar.

Und die Moral aus dem Gedicht?
Ein Ende ist ein Ende nicht.
Es scheint ja gar wie Hexerei:
just schien die schöne Zeit vorbei,
da ward sie wieder neu.


(c) Bettina Lichtner