Mittwoch, 23. Juli 2014

Zum Teufel

Der Teufel reißt wohl nach und nach
die Weltherrschaft an sich.
Die Liebe ruft "Gemach, Gemach!
Du Teufel, schere dich …"

Der Teufel aber hört nicht hin
und zündet Krieg um Krieg.
"Weil ich ja gar so mächtig bin,
gebührt auch mir der Sieg!!

Ich niste mich in Herzen ein
mit Hass und Wut und Zorn.
Und will ein Kampf zu Ende sein,
beginne ich von vorn.

Der Mensch ist für die Schlacht gemacht.
Ich schärfe ihm das Schwert.
Und wehe dem, der da gedacht,
der Mensch sei liebenswert.

Es dürstet ihn nach Tod und Blut
seit Anbeginn der Zeit.
Der Mensch ist böse und nicht gut.
Er trägt des Teufels Kleid.

Ein Frieden ist nur Illusion,
und hält nicht ewig an.
Drum habe ich nur Spott und Hohn
für jeden Friedensplan.

Ich bin der Teufel. Herr der Welt!
Vernichtung ist mein Ziel.
Und wer sich in den Weg mir stellt,
den achte ich nicht viel …"



© Bettina Lichtner
Halleluja



Dienstag, 22. Juli 2014

Gib Senf dazu

Morgens um zehn bei fantastischem Wetter
sitzen die Menschen im Freien beim Tee.
Jene vom Lande besuchen die Städter
auf einen Plausch in dem Marktplatz-Café.

Welch ein Geschwätz über gestern und morgen.
Altes wird nochmals nach oben gekehrt.
Neues wird gerne verbunden mit Sorgen.
Einzig dem Jetzt bleibt Beachtung verwehrt.

Selten, zu selten, sind Informationen,
die da bei Tisch um die Mäuler geschmiert,
solche von Wert, die zu hören sich lohnen.
Oft hat der Unsinn den Taktstock geführt.

Mancherlei Wort wird schon baldigst vergessen.
Manches geht unter und taucht nicht mehr auf.
Kaum wer genießt mit Bewusstheit sein Essen.
Aber der Senf, der kommt überall drauf …

Und dann beim Abschied: "Wie schön ist 's gewesen!
Nett war 's und lustig. Bis hoffentlich bald."
Könnte man jetzt doch Gedanken nur lesen
von der so schmeichelnden Frühstücksgestalt.


© Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 21. Juli 2014

Erst denken, dann reden

"Ach, Schatz, du bist die Welt für mich.",
so flüstert lieb der Manne
der Frau ins Ohr. Die wundert sich,
und spricht zu ihm: "Ich bitte dich.
Ein Wort von großer Spanne!!

Bin ich die Welt, so sage mir:
Warum um Güter scheren?
Ein Auto da, ein Häuschen hier,
und Urlaubsreisen, doch wofür?
Wofür Konsum vermehren?

Bin ich als Welt dir nicht genug?
Bist du von Gier besessen?
Ich glaube gar mit Recht und Fug,
dein großes Wort ist nichts als Spuk
und drum nicht angemessen.

Ein gut gemeintes Kompliment,
doch ohne festen Boden.
Wer will, dass meine Lust entbrennt,
und dass mein Herz zu seinem rennt,
braucht bessere Methoden.

Geh achtsam um mit deinem Wort,
erst recht, wenn du verliebt bist.
Wie schnell fliegt uns die Liebe fort.
Und ach, die Welt verkommt zum Ort,
der ewiglich betrübt ist …

Sei einfach still und küsse mich.
Lass uns die Welt vergessen.
Sag einfach nur "Ich liebe dich."
Und lass mich spüren, du und ich
sind augenblicksbesessen …"



© Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 20. Juli 2014

Auferstanden aus der Tiefe

Ich schlenderte des nachts beschwingt
durch meines Städtchens Straßen.
Als plötzlich leis' ein Ton erklingt,
den alle längst vergaßen.

Sogleich durchsucht mein müder Blick
die Winkel und die Gosse.
Ich rufe rein, es ruft zurück:
"Na, hier bin ich, Genosse!

"Hier unten unterm Straßenteer,
noch tiefer als die Tiefe."
Ich glaubte, mich veräppelt wer
und wünschte, dass ich schliefe.

Das Wort liegt nun bei mir: "Hallo?
Wer bist du denn? So sage!
Du klingst nicht gerade lebensfroh.
Warum die schwere Klage?"

Die Antwort folgt: "Es hat die Welt
mich fortgekehrt wie Stäube.
Ich bin der Anstand, einst ein Held.
Nun such' ich eine Bleibe.

Die Menschheit braucht mich mehr denn je.
Doch trampeln sie mich nieder.
Ihr Wort, ihr Tun - au weh, au weh,
drum kehrte ich gern wieder.

Dass Schluss ist mit der Unmoral,
dem Fehltritt im Benehmen.
Das Volk muss sich in großer Zahl
fürs letztere arg schämen …"

Ich nahm ihn mit, den Anstand, und
versprach ihm, ihn zu ehren.
Nun macht er mir das Leben bunt.
Und du? Kannst du ihn hören?


© Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 19. Juli 2014

Wo kein Feind, da keine Schlacht

Schweißdurchtränkte Kleider kleben
fest an trägen Sommerleibern,
die zur Hitzschlacht sich begeben.
Fest an Männern, fest an Weibern.

Eine Schlacht? Wo sind die Waffen?
Wo die Front? Wo die Geschütze?
Welcher Feind macht uns zu schaffen?
Etwa diese Sommerhitze?

Aber ach, das würd' bedeuten,
dass die Sonne uns bedrohte.
Aber ihre Gradeinheiten 
sind des Sommers froher Bote.

Die verwöhnten Wohlstandsleute
stöhnen ob der heißen Stunden.
Jene aber, die es freute,
haben ihren Spaß gefunden.

Dieses Erste-Welt-Gejammer -
ach, ich kann es nicht mehr hören.
In der gut gekühlten Kammer
sitzen sie, sich zum empören.

Zwischendrin ganz selbstverständlich
klares Wasser, frisch und kühlend
aus dem Hahn - und zwar unendlich
(wer ist noch des Reichtums fühlend?).

Schattenplätze ohne Ende,
Eis an jeder Straßenecke.
Überall Getränkestände.
"Sag', Genosse, bist du jecke???

Stöhnst da übers Sommerwetter
vor dem Ventilator-Surren?
Du erzürnst die großen Götter
nur mit deinem Hitzemurren.

Keine Schlacht gilt es zu schlagen.
Keinen Feind gilt es zu morden.
Ist das Glück von Sommertagen
dir denn schon so fremd geworden?"


© Bettina Lichtner
Halleluja