Samstag, 19. April 2014

Überhörter Pfiff

Eine Drossel singt mit Power
und mit langer Atemdauer
mir des Abends - so um acht -
stolz ihr Lied zur guten Nacht.

Ihr zu lauschen bringt mir Freude.
Eine wahre Ohrenweide.
Und das Tagesende klingt
durch den Vogel so beschwingt …

Ach, der Kleine. So versunken
in sich selber. Hab' gewunken,
doch er hatte keine Zeit
für ein Rendezvous zu zweit.

Er blieb brav bei seinen Klängen,
und schlug meine noch um Längen.
Bei dem Vogel-Lenz-Konzert
hab' ich gerne zugehört.

Und ich wollt' ihm imponieren
und im Pfeifen mich probieren,
doch er reagierte nicht
auf den Pfiff im Dämmerlicht.

Bin ja bloß ein Menschenwesen,
kann wohl rechnen, schreiben lesen,
aber tirilieren? Nein.
Da ist Schluss mit dem Latein …



© Bettina Lichtner
Halleluja


Freitag, 18. April 2014

Fanfaren der Liebe

Trunken vor Glück setzt der Sperling sich nieder,
flüstert der Linde: "Ich bin so verliebt …".
Und es pulsiert unterm jungen Gefieder,
weil dort ein Falter den Liebestanz gibt.

Und 's kleine Herzchen pocht wild ihm im Leibe,
wenn er nur denkt an die Dame der Wahl.
Ob ich 's mit Worten auch richtig beschreibe?
Heiß muss es klingen, nicht trostlos und schal …

Aufgeregt zittert dem Kleinen der Schnabel,
trällert er lauthals ein liebliches Lied.
Jemand klatscht Beifall und ruft: "RESPEKTABEL",
dass sich der Sperling gleich weiter bemüht.

Endlich erhört die Erwählte sein Singen,
flattert herbei und rückt näher heran.
"Freundlich von dir, mir ein Ständchen zu bringen.
Scheinbar bist du ein romantischer Mann."

Seht nur, wie rot ihm sein Köpfchen da funkelt.
Schweigen im Walde. Verlegenheit pur.
Meisen und Drosseln, die haben gemunkelt:
"Bald gibt es Kinder! Wir stellen die Uhr!!"

Zwischen den Blättern der blühenden Linde
turtelt die Liebe und baut sich ein Nest.
Ich aber steh an der knorrigen Rinde,
träumend …… und halte den Augenblick fest.

Wahrlich, im Frühling, wenn Tiere sich paaren,
und wenn aus Knospen ein Blütenmeer wird,
spielen sie auf, all die Liebesfanfaren,
und sind Gedanken vom Glück ganz verwirrt …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 17. April 2014

heiß & kalt

Und ich lausche all den Zügen
deines Odems in der Nacht.
Seit' an Seit' mit dir zu liegen,
nichts kann mehr als dieses wiegen.
Oh, wie mir die Lust erwacht …

Meine Hände wollen gleiten
übers gottgemachte Land.
Wollen über Grenzen schreiten,
dir den ganzen Leib enthäuten,
wie 's noch nie geschrieben stand …

Meine Küsse, wild und glühend,
wollen gern erwidert sein.
Und vom Kopf zum Fuße ziehend
hüllen sie, Verlangen sprühend,
dich in die Begierde ein.

Alle Zügel lass ich fallen.
"Auf, Gedanken, Ihr seid frei."
Wie mir die Gefühle wallen …
Und als trüg' ich Katzenkrallen
kratz' ich dich mit Lustgeschrei …

Du jedoch liegst schnarchend stille.
Und ich mühe mich hier ab.
Da erkaltet mir der Wille.
Und ich greif mir Buch und Brille,
weil es sonst kein Lustspiel gab.

Und am Morgen liest du gähnend
deine Zeitung wie sonst auch,
übers schlechte Wetter stöhnend,
deinen Kopfschmerz noch erwähnend -
und von Liebeslust kein Hauch …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 15. April 2014

Treu ist nur einer

Honigsüße Wörter schleichen
mir zu Ohren ohnegleichen.
Doch das Herz gibt zu bedenken,
sich nicht blindlings zu verschenken.

Wittert hinter Schmacht und Süße
bitterböse Abschiedsgrüße.
Und dann schwindet die Amore
bei der Frau und dem Signore.

Nach dem stürmischen Liebkosen
bleibt der Dorn nur von den Rosen,
und hört nimmer auf zu stechen.
Und die Treueschwüre brechen …

Porzellan fliegt durch die Kammer.
Und die Wut schlägt wie ein Hammer
kurz und klein die Luftschlosswände.
Hässlich, hässlich ist das Ende.

Doch die Honigschmeicheleien,
die sich ihrer Süße freuen,
wollen nichts von derlei wissen.
Und sie küssen mich und küssen.

"Denk doch nicht an übermorgen!
Denn die Zukunft bleibt verborgen.",
säuseln sie und sind nicht stille.
Schwaches Fleisch, doch ach der Wille …

Ach, der Wille will sich sträuben,
denn was ihm die Zweifel schreiben,
scheint nicht von der Hand zu weisen.
Oh, wie die Gedanken kreisen …

Heute Honig, morgen bitter!
Morgen glanzlos, heute Glitter …
Lieber bleib' ich Gott ergeben,
er ist ehrlich im Bestreben …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 14. April 2014

Zeit frisst Kuss

Eine viel zu kurze Weile
liegt dein Kuss auf meinem Mund.
Wieder mal bist du in Eile,
so als ritten tausend Gäule
deine eine kleine Stund'.

Kann ihn kaum mehr richtig schmecken,
diesen schnell gehauchten Kuss.
Kann kein Feuer mehr entdecken.
Wollte seine Lust erwecken,
doch da war schon wieder Schluss.

Der mich einst zum Schmelzen brachte,
lockt mir keinerlei Gefühl.
Früher war er zart und sachte.
Doch der Lauf der Jahre machte
ihn zum Fremden mir und kühl.

Früher war mein Leib sein eigen.
Und er nahm sich und ich gab.
Seit sich aber Spuren zeigen,
die vom Älterwerden zeugen,
schweigt der Kuss so wie ein Grab.

Das Begehren ist verschwunden.
Und von Liebe keine Spur.
Hab' ihn einst so schön gefunden.
Doch er will mir nicht mehr munden,
dieser Kuss. Ein Kuss ja nur …


© Bettina Lichtner
Halleluja