Sonntag, 27. Juli 2014

Ich spüre was

Kein schöner Land in dieser Zeit?
Nun ja, das unsre weit und breit
ist - rein von der Natur betrachtet -
ein Land, des Schönheit kaum beachtet.

Naturschönheiten hin und her -
die Menschheit tut sich doppelt schwer,
die Innenwerte wohl zu pflegen
und wie das Äußere zu hegen.

Die Rose gibt ein schönres Bild,
als wenn ein Damenmund sich hüllt
in Lippenstifte aller Farben.
Auch jegliche Getreidegarben,

die so gebündelt golden stehn,
sind zigmal schöner anzusehn,
als irgendwelche Haarfrisuren
in allen möglichen Strukturen.

Im Blatt des Baumes les' ich mehr
als in dem Buch von dem und der.
Sogar der Wind kann mehr erzählen,
als Menschenwörter (die mich quälen …).

Der Frühtau lockt mich mehr hinaus
als manches ehrenwerte Haus
und seinem Imponiergetue.
Nein! Die Natur lässt mich in Ruhe.

Sie fleht nicht um Bewunderung.
Sie reckt an jedem Tage jung,
ja geradezu wie neu geboren,
sich auf zu höheren Emporen.

Derweil der Mensch zum Spiegel schaut
und an den Außenwänden baut
mit Mittelchen und List und Tücke.
Die Uhr, die lacht: "Hör zu! Ich ticke …"

Fürwahr, fürwahr. Und weit und breit
zeigt die Natur ihr schönstes Kleid.
Kein schöner Land als nur das ihre,
wo ich den Atem Gottes spüre …



© Bettina Lichtner
Halleluja


Samstag, 26. Juli 2014

Das falsche Pferd

Der Baum spannt seinen Sonnenschirm,
doch ist das menschliche Gewürm
im Schweiße seines Angesichts
ein Anbeter des Sonnenlichts.

Die Bräune - möglichst ohne Naht -
ist dennoch eine Missetat,
denn übertriebnes Sonnenbad
führt schnell zum Brand, der 's in sich hat …

Dann wird, was knusprig braun gedacht,
zur feuerroten Körperpracht,
die schnurstracks hin zum Doktor führt,
auf dass er ein Rezept diktiert.

Worauf 's zur Apotheke geht,
weil schwarz auf weiß geschrieben steht,
dass diese Haut gesalbt gehört,
damit sie Linderung erfährt.

Das AU erblüht zum Wort der Stund'.
Gesicht und Arme - alles wund.
Wer Glut und Hitze unterschätzt,
der hat aufs falsche Pferd gesetzt.

Und die Genesung lässt sich Zeit.
Was lernen wir aus diesem Leid?
Es ist der Schattenplatz im Wald
ein sinnvollerer Aufenthalt.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 25. Juli 2014

Auf zur sündigen Meile

Den Knaben lockt die Sündenmeile.
Doch auch das Mädchen ist entzückt.
Und beiderseits sind sie beglückt
vom Anblick all der süßen Teile.

Erotisch ohne Rotlichtflimmern,
so wirkt der Gang durchs Sündenland.
Es läuft der Speichel. Und die Hand
muss sich ums Glück des Wohles kümmern.

Behutsam tastet nun die Rechte
begierig das Objekt der Wahl.
Der Kopf indessen leidet Qual,
weil er es nicht entscheiden möchte.

Es reiht sich Sünd- an Sündenhülle.
Die eine schöner noch als die.
Es fällt die Seele auf die Knie
beim Anblick dieser Lust und Fülle.

Ein Knistern bricht durch Stimmgewirre.
Die Zunge lechzt, das Herz entbrennt.
Wer jetzt kein Ja und Amen kennt,
der ist eventuell ja irre …

"Nun, junge Dame? Was gefunden?
Und, junger Mann? Ist nichts dabei?
Vielleicht ein Überraschungs-Ei?
Ein Gummibär für trübe Stunden?"

Die Frau da hinterm Kundentresen
weiß um den Reiz des Sündengangs,
weiß um den Schatz des süßen Fangs
(sie ist ja selbst mal dort gewesen).

Sie kennt die vielen süßen Sünden,
die alle Welt von Herzen liebt.
Wie schön, dass es das Süße gibt,
um uns das Salz des Seins zu binden.

Ein Schokotraum von mild bis bitter,
dazu Bonbons in rot und blau.
Es weiß der Herrgott ganz genau:
die süße Macht vertreibt Gewitter ….




© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 24. Juli 2014

Nieder mit den Unmenschen

Lieber Gott, es ist beschwerlich
auf der Welt. Du siehst es ja.
Bomben fliegen unaufhörlich,
in der Ferne und auch nah.

Irgendwas läuft voll daneben.
Irgendetwas läuft verkehrt.
Ein von dir geschöpftes Leben
ist ja keinen Cent mehr wert.

Nicht nur, dass sich Menschen morden,
auch das Tier wird bös' gequält.
Diese Welt ist fremd geworden,
seit die Würde nichts mehr zählt.

Nur der Mensch, der Mensch alleine
trägt am Unheilvollen Schuld.
Ach, du weißt ja, was ich meine.
Reizt es dir nicht die Geduld?

Deine Erde geht zugrunde,
wenn der Mensch so weitermacht.
Jede einzelne Sekunde
schändet er die schöne Pracht.

Seinesgleichen lässt er hungern.
Seinesgleichen tötet er.
Arme Menschen gehen lungern
für ein Stückchen Brot und mehr.

Kinder werden ausgebeutet,
alle Tiere leiden Not.
Wo der Hass zu Tate schreitet,
folgt nicht selten auch der Tod.

Oh, ich schäme mich der bösen,
unmenschlichen Kreatur.
Kannst du, HERR, uns nicht erlösen?
Lass die guten Menschen nur ….

Wenn ich auf das Ende sehe,
wächst in mir die Traurigkeit.
Denn die Welt, durch die ich gehe,
wird beherrscht von Blut und Leid.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 23. Juli 2014

Zum Teufel

Der Teufel reißt wohl nach und nach
die Weltherrschaft an sich.
Die Liebe ruft "Gemach, Gemach!
Du Teufel, schere dich …"

Der Teufel aber hört nicht hin
und zündet Krieg um Krieg.
"Weil ich ja gar so mächtig bin,
gebührt auch mir der Sieg!!

Ich niste mich in Herzen ein
mit Hass und Wut und Zorn.
Und will ein Kampf zu Ende sein,
beginne ich von vorn.

Der Mensch ist für die Schlacht gemacht.
Ich schärfe ihm das Schwert.
Und wehe dem, der da gedacht,
der Mensch sei liebenswert.

Es dürstet ihn nach Tod und Blut
seit Anbeginn der Zeit.
Der Mensch ist böse und nicht gut.
Er trägt des Teufels Kleid.

Ein Frieden ist nur Illusion,
und hält nicht ewig an.
Drum habe ich nur Spott und Hohn
für jeden Friedensplan.

Ich bin der Teufel. Herr der Welt!
Vernichtung ist mein Ziel.
Und wer sich in den Weg mir stellt,
den achte ich nicht viel …"



© Bettina Lichtner
Halleluja