Sonntag, 19. April 2015

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                          B L O G P A U S E

Montag, 13. April 2015

Trag uns weiter



Aus dem Kreißsaal gellt ein Schrei.
Der verblichne Ahnentross
eilet geisterhaft herbei
und begrüßt den neuen Spross.

"Seht doch nur! Wir leben fort!",
flüstern sie und sind berührt.
"Kind, du bist das Bindewort,
das uns all zusammenführt.

Unser Blut fließt wieder neu.
Unser Herz schlägt wieder frisch.
Und die Zeit liegt frank und frei
auf dem langen Ahnen-Tisch.

Alte Gene, neues Kleid.
Neue Schritte, alter Pfad.
Zukunft und Vergangenheit -
dies' verbündet sich hier g'rad.

Unsre Augen, unser Mund,
unsre Hände, unsre Haut
trägt der junge Ahnenspund,
der hier voller Neugier schaut.

Neugier, die auch uns ergreift.
Kind, du bist seit Ur-Ur-Zeit
allmählich herangereift,
nun steht DIR die Welt bereit.

Mach was draus! Die Zeit ist dein.
Möge das geerbte Gut
nützlich dir und wertvoll sein.
Möge Wag- und Edelmut

dir der Schlüssel sein zur Tür,
hinter der die Freude haust.
Lass' es friedlich sein in dir,
wenn dir vor dem Leben graust.

Trag' uns weiter, froh und stolz.
Mach' uns Ehre, liebes Kind.
Bist doch aus dem gleichen Holz,
wie 's die stolzen Ahnen sind ..."



(c) Bettina Lichtner


Samstag, 11. April 2015

Wenn die Orgel pfeift



Lieber Leierkastenmann,
dreh' noch einmal an dem Rädchen,
denn ich höre dir nur allzu gerne zu.
Wenn die Spule läuft, ach dann .....
dann erwacht in mir das Mädchen,
und ich tanz' vergnügt im alten Kinderschuh.

Der Moment der Nostalgie
wiegt mein Herz in seinen Klängen
und die Sorgen in der Seele fliegen fort.
Eine Stunde voll Magie!
Und die Welt mit ihren Zwängen
ist vergessen, denn die Freude führt das Wort.

Wie so wohlig ich mich fühl',
wie so leicht und so ergriffen
bei den Tönen, die die Straßenorgel spielt.
Und hat eben noch so kühl
mir der Sturm der Zeit gepfiffen,
hat auf einmal mich ein Lebensmut durchwühlt.

Und ich will nicht starr und stumm
nur im Finsteren verweilen,
will die Seelenfenster öffnen für das Licht,
für das schöne Drumherum,
das die Kraft hat, mich zu heilen,
wenn das Kartenhäuschen wieder mal zerbricht.

Die Musik hat eine Macht,
die auf wundersame Weise
mich verzaubert und auch ebenso beglückt.
Und nach jeder harten Schlacht,
jeder noch so schweren Reise
hat Musik, und nur Musik mir Trost geschickt.

Lieber Leierkastenmann,
hör' nicht auf, das Rad zu drehen.
Ich will nimmermehr zurück ins wilde Meer.
Will nur sein in deinem Bann,
will vom Rest der Welt nichts sehen,
will nur tanzen. Ach, was brauche ich noch mehr?



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 9. April 2015

Eng ist der Pfad



Zwischen den Menschen sind Gräben und Mauern.
Weit- oder Hochsprung beherrschen wir nicht.
Nein, wir verharren und warten und kauern,
bis eine Welle am Schweigefels bricht.

Hochmut und Stolz sind die Feinde der Liebe.
Sie sind die Gräben und Mauern der Welt.
Wenn einer käm' und die Bösen vertriebe,
wäre es gut um die Menschheit bestellt.

Aber die Menschen sind blind für das Gute.
Täglicher Streit ist das Zeugnis dafür.
Nächtens und tags schlägt die blutige Rute
vor und besonders auch hinter der Tür.

Klein ist der Tropfen, das Fass zu zerstören.
Trüg man ein Messer, es brächte den Tod.
Möchte mich all dieser Tropfen erwehren,
die sich bedienen am friedlichen Brot.

Überall liegen verlorene Nerven.
Täter und Opfer. Ein täglicher Krieg.
Hochmut verhindert, den Ton zu entschärfen.
Stolz liebt die Macht, die Macht liebt den Sieg.

Höher und höher und tiefer und tiefer
wachsen die Mauern und Gräben der Zeit.
Ach, und der Segen hängt schiefer und schiefer.
Täter und Opfer. Und keiner verzeiht.

"Klügeres Herz! Gibst du nach, bist du weise!",
möchte man rufen, der Eintracht zulieb'.
Eng ist der friedliche Pfad, und die Schneise
jedweden Stolzes und Hochmuts ist trüb ...



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 7. April 2015

Ohne Ziel und Richtung



So bist du, Tag, mir eine Frucht,
in die ich voller Freude beiße.
Ein Tag, in den ich voller Wucht
mich ohne Ziel und Richtung schmeiße.

Und haust vielleicht ein Wurm darin,
bestrebt, mir den Geschmack zu trüben,
so bleib' ich dennoch froh im Sinn,
und übe mich, den Wurm zu lieben.

Auch faule Stellen in der Stund'
vermögen nicht, mir je zu schaden.
Ich bleib' in Herz und Geist gesund,
ganz gleich, was mir die Stunden laden ...

Und schlägt des Schicksals Härte zu,
ich folg' in Demut Gottes Willen.
Nicht dies noch das stiehlt mir die Ruh'.
Ich lasse mich vom Tag erfüllen.

Und wenn die Welt zusammenbricht,
und auch die trauten Mauern fallen -
's ist Gottes Wort, das mahnend spricht
und dessen Silben widerhallen.

Wie könnt' ich jemals zweifelnd sein?
Ich nehm' den Tag mit allen Ecken,
mit Hürden und mit Stock und Stein,
und will darin den Sinn entdecken.

Es steht geschrieben, was passiert,
in Büchern, die wir nimmer lesen.
Gott ist 's, der unsre Stunde führt.
So ist es immer schon gewesen.

Ich nehm' die Tage als Geschenk.
Ich nehm' sie gar als Gottes Güte.
Nicht ein Sekündchen, da ich denk',
dass ich dem HERRN die Stirne biete.

Ich lass geschehen, was geschieht.
Es lebt sich leichter auf der Erde,
wenn man vorm Bitteren nicht flieht,
auf dass man endlich sehend werde ...



(c) Bettina Lichtner