Samstag, 28. März 2015

Mulmige Gefühle



Oh, du all verborgne Psyche!
Deine stillen bösen Flüche
sind ein rätselhafter Keim.
Gut versteckt und streng geheim.
Wehe denen, die ihn wecken!
Denen bringt er Angst und Schrecken ...

Bis zur Stirnfront kann man schauen,
doch dahinter, ach, da bauen
Phantasien der Gewalt
längst am Schicksal. Und schon bald
kommt die heile Welt ins Trudeln
und man sieht die Tränen sprudeln.

Und die dunkle Psyche waltet
wie der Teufel und gestaltet
eine Welt der Hölle gleich.
Ja fürwahr, ein Höllenreich
bahnt sich plötzlich seine Pfade
und vergrößert Härtegerade.

Es scheint kaum mehr zu ertragen,
dass dort solche Schatten lagen
in dem Menschen, der so brav
jede Bravheit übertraf.
Der so nett schien, so gediegen.
Wie uns doch die Augen trügen ...

Niemand weiß ums innre Wesen.
Niemand kann Gedanken lesen.
Niemand kennt des Teufels' Spiel.
Nur das mulmige Gefühl,
dass da was nicht stimmen könnte,
das beschleicht uns für Momente.

Bricht das Monster dann zutage,
bleibt "WARUM?" die stete Frage.
Und die Antwort macht sich rar.
Auf die psychische Gefahr,
die sich sicher angedeutet,
war man gar nicht vorbereitet ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 26. März 2015

Alles ist vorbestimmt



Zeigt das Schicksal seine Härte,
und der Tag wird dir zur Nacht,
und das Leid schlägt seine Gerte
dir mit nie gekannter Macht
in die Seele, dann sei stille,
denn es waltet Gottes Wille.

Nichts vermagst du dran zu ändern.
Vorbestimmt sind Raum und Zeit.
In den irdischen Gewändern
lauert auch die Ewigkeit.
Und wir müssen akzeptieren,
unser Dasein zu verlieren.

Manchmal reißt des Todes Stunde
jäh, brutal und unverhofft
eine gar so tiefe Wunde,
die nie heilen wird. Und oft
kommt der Tod wie ein Befreier,
wie ein liebender Getreuer ...

Ach, was kann man schon erahnen
von dem Ende, das uns blüht?
Ja, es wirft uns aus den Bahnen,
sei es spät oder verfrüht.
Doch es blüht uns! Wann auch immer.
Und es zerrt uns aus dem Zimmer ...

Alles liegt in unseren Händen,
nur der Tod ist Übermacht.
Er hängt längst an unsren Wänden,
und er lacht uns. Ja, er lacht ...
Lacht uns aus mit unsren Träumen,
lacht uns aus, wie wir uns bäumen,

und ihm zu entkommen suchen.
Und derweil wir Tag um Tag
Zeit- und Lebensreisen buchen,
spielt der Tod, wie er es mag.
Wo wir gehen oder stehen,
lässt sich der Gevatter sehen.

"Du? Schon hier?" Wir sind erschüttert,
wenn er an die Türe klopft.
Sind verzweifelt und verbittert,
und die Träne tropft und tropft,
dachten wir doch all' die Jahre
keinen Hauch lang an die Bahre ....


(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 24. März 2015

wie du mir



'nem Schaf hat man das Fell geklaut.
Jetzt ist es Knochen nur und Haut,
und schämt sich in den Boden.
Es hat so traurig ausgeschaut,
wie 's da am grünen Halme kaut,
so gänzlich ohne Loden ...

Ein Rind der Rasse Galloway
fand 's Schafgejammer nicht okay:
"Es wird schon wieder wachsen!!
But all you have to do is pray,
and then your grief will go away ..."
Das Rind beliebt zu flachsen.

"Bin nicht zum Scherzen aufgelegt."
Das Schaf, das seine Trauer pflegt,
dreht prompt dem Rind den Rücken.
Es hat sich furchtbar aufgeregt,
weil 's Rindvieh wohl die Absicht hegt,
ihm Witz und Scherz zu schicken.

Das Galloway indes verharrt.
Das Schaf hat geradeaus gestarrt
und will vom Rind nichts wissen.
Das Galloway (im Wort nicht zart)
ruft laut hinaus: "ICH BIN BEHAART !!!
Ich könnt' mich selber küssen!!"

Das tat dem Schaf so richtig weh.
Es schwenkt herum mit einem Dreh
und schickt nun böse Blicke.
"Wenn ich in deine Augen seh',
ist es wohl besser, wenn ich geh'.",
sagt 's Rind. "Dein Blick birgt Tücke!"

Jetzt schnauft das Schaf, so wie ein Stier.
Sein Huf gräbt Furchen ins Revier
und seine Augen glühen.
"Ich warne dich! Geh weg von mir,
bevor ich die Geduld verlier'!"
Das Rind muss sich verziehen ...

Doch zieht 's nicht ohne einen Streich:
Es läuft stolzierend übern Deich
und schüttelt seine Haare.
Das Schaf wird bleicher noch als bleich.
Jetzt brennt die Luft im grünen Reich.
(Ich spar' mir Kommentare ...).

Da plötzlich steht die Fee im Tal
mit einer Schere und befahl
dem Galloway: "Knie nieder!!!"
Und schnipp und schnapp und noch einmal,
schon war das arme Rindvieh kahl.
Das Schaf: "Jetzt sind wir Brüder!!"

Und die Moral von dem Gedicht?
Verlache ja den andren nicht,
schlüpf' erst in seine Schuhe!
Das ändert meistens Sinn und Sicht,
und sorgt zudem ganz leis' und schlicht
für Frieden und für Ruhe ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 19. März 2015

Der Schock



Ein Täuberich im Monat März
legt sein verliebtes kleines Herz
der Taubenfrau zu Krallen
(wohl, um ihr zu gefallen).
Das war dem Fräulein gar nicht recht
(sie stand aufs weibliche Geschlecht ...).

Der Täuberich, der glaubte nun,
es gäbe turtelnd viel zu tun,
die Maid zu überzeugen.
Die schwieg auf kahlen Zweigen,
und war genervt vom Balzgesang
(das zog sich manchmal stundenlang ...).

Sie schaute still dem Werben zu.
Es ließ der Herr ihr keine Ruh
und gurrte wie besessen.
Auf Eichen, in Zypressen,
und auch auf sonstigem Gehölz
umwarb er sie mit seinem Schmelz.

Er schwang die Flügel hin und her.
Sie hatte Angst. Er wollte mehr.
Ein Drama ging vonstatten.
Er wollte sie begatten,
sie floh nach hier und auch nach dort,
er folgte ihr und flog nicht fort.

"Ich möchte gar kein Kind von dir!
Ich bitte dich, lass ab von mir!!",
so schrie sie zu dem Grauen.
"Ich stehe nur auf Frauen!!!"
Da hat der Täuberich schockiert
so einen tiefen Schmerz gespürt.

Die Lesben-Taube lachte laut.
"Jetzt such' dir eine andre Braut.
Es gibt genug, die warten
in irgendeinem Garten,
auf irgendeinem andren Baum.
Was mich betrifft, heißt 's: AUS DER TRAUM."

Dem Täuberich sank 's Herz hinab,
als ob 's kein andres Glück mehr gab.
So hat er sich verkrochen,
und brauchte viele Wochen
um wieder auf die Balz zu gehn.
Man hat ihn niemals mehr gesehn ...



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 17. März 2015

still & treu



Ein altes Haus. Zerklirrtes Glas.
Die Wände allsamt farbverschmiert.
Die Menschen fort. Der Schimmel saß
im Mauerwerk und fraß und fraß,
und hat an der Substanz gerührt.

Hier nimmt ein Unheil seinen Lauf.
Die Uhr tickt ohne Unterlass.
Es steht das Grundstück zum Verkauf.
Das kommt dem alten Haus darauf
so ganz und gar nicht gut zupass.

Es denkt zurück, sehr weit zurück.
Denkt an die leuchtend schöne Stund'.
Denkt an das groß- und kleine Glück,
den schweren und den leichten Blick,
und an den frohen Kindermund.

Denkt an die muntre Gästeschar,
das laute und das leise Wort,
an all die Feste übers Jahr ....
Und seufzt, weil 's gar so köstlich war.
Und weint, weil 's nun für immer fort.

Das Haus war treu. Die Menschen nicht.
Bei Tag und Nacht hat 's sie beschützt.
Dann kehrten sie ihm das Gesicht,
und dass es ihm das Herz zerbricht,
das hat ihm auch nicht mehr genützt.

Und wie es da so traurig stand,
da kam ein Mann und mustert 's sehr.
Er klopfte an die alte Wand,
und murmelte ein "allerhand ...",
und tat sich in Gedanken schwer.

Ein andrer Mann (mit Schlips und Frack)
trat nun hinzu. "Was sagen Sie?
Das Grundstück TOP. Das Haus ein Wrack.
Ich sag nur Abriss, und das Zack!!
Erspart viel Zeit und Geld und Müh'."

Jedoch, jedoch (das Häuschen bebt),
der Mann, der es gemustert hat,
sagt klipp und klar: "Das Haus hier lebt!
Ein Abriss wird nicht angestrebt.
Das Schmuckstück macht mir keiner platt."

So kriegt das Haus ein frisches Kleid.
Da blüht es auf, da strahlt es neu.
Nun wartet eine schöne Zeit
nach langer, langer Einsamkeit.
Und wieder dient es still und treu.



(c) Bettina Lichtner