Dienstag, 18. Juni 2013

Alte Tage

Klassentreffen!  Rätselraten:
"Bist du nicht Sabine??"
Kratze mit dem Uhrenspaten
Jahre von der Miene.

Und darunter tritt zutage,
wen ich einstmals kannte.
Ach, es ist schon eine Klage,
dass die Zeit so rannte ...

Man bestaunt Veränderungen,
und erkennt Vertrautes.
Ist ins Alte vorgedrungen,
pflückt es und zerkaut es.

Ja, die alten Schulgeschichten ....
Intressant zu wissen.
Wie sich all die Stunden lichten ...
Wehmut will mich küssen.

Alte Zeiten zu vermissen,
häuft sich wie besessen.
Sind nicht über Bord geschmissen!
Und auch nicht vergessen!


(c) Bettina Lichtner




Montag, 17. Juni 2013

Tränen lügen nicht

Sie sind mir sympathisch, verehrter Herr Steinbrück.
Ein Mann mit Gefühl, der die Tränen nicht scheut.
Sie gaben der Welt einen winzigen Einblick
ins innere Reich und Ihr Herz ward so weit ....

Ich wünsch' Ihnen Kraft für die kommenden Wochen.
Die Seele wird oft auf die Probe gestellt.
Und wenn auch Gewisse ein Giftsüppchen kochen,
da ist Ihre Frau, die Sie fängt, die Sie hält ...

Sie haben Visionen und Ziele und Wege,
und Menschen im Rücken, die mit Ihnen gehn.
Und drängen sich Lügen ins traute Gehege,
dann werden sie sicher im Winde verwehn.

Es soll die Gesundheit nicht darben und leiden,
doch hart ist das Spiel um die oberste Macht.
Ich wünsch' Ihrer Frau und auch Ihnen, wünsch' beiden,
dass immer die Sonne im Innersten lacht ...


(c) Bettina Lichtner

Erdbeerreise

Ach, du süße Erdbeer-Rote!
Endlich bist du reif.
Komm nur her, ich greif
dich mit meiner nackten Pfote -
reiche Ernte! Gute Quote!

Hängst so saftig unterm Grünen,
g'rad wie im Versteck.
Aber ich entdeck'
dich ja doch (noch vor den Bienen,
die genauso hungrig schienen ...)

Schon zergeht dein zarter Leibe
köstlich mir im Mund.
Bist so lecker und
findest, wenn ich dich zerreibe,
im Gedärm die letzte Bleibe.

Wirst du alsdann ausgeschieden,
(tja, das ist dein Los,
- klingt ja nicht famos -)
reist du Richtung Körpersüden,
bis zum Klärwerk, da herrscht Frieden.

Kleine süße Erdbeerige
hängst nur kurz am Strauch,
liegst nur kurz im Bauch.
Wenn ich dich zu fassen kriege,
reihst du dich in Gottes Riege ...



(c) Bettina Lichtner


Sonntag, 16. Juni 2013

In freudiger Erwartung

Draußen vor der Tür steht eine Hitze und begehrt
baldigst einen Einlass - nun, er sei ihr nicht verwehrt.
Hab' sie ja geladen in Gedanken manchesmal.
Möge sie nur kommen! Tag und Stunde sind egal.

Hab' die leichten Kleider schon in Griffweite gelegt.
Hab' mich lang genug in Schal und Wollmantel bewegt.
Doch für diesen heißen Gast genügt ein Seidentuch.
Denn die Schwitzerei ist jeder Gastfreundschaft ein Fluch.

Köstliche Getränke stehen schon seit Tagen kalt.
Ach, ich bin nervös! Die Hitze kommt ... kommt schnell und bald.
Will auch ja nicht jammern, dass sie viel zu hitzig ist.
Werde ihr wohl sagen: "Schön, dass du gekommen bist!"

Weiß ja ganz genau, sie bleibt nicht lange in der Stadt.
Will sie drum genießen und ich seh mich an ihr satt!
"Liebe, liebe Hitze, meine Tür steht angelweit!
Tritt herein und bring uns eine schöne Sommerzeit."


(c) Bettina Lichtner


Samstag, 15. Juni 2013

Cybermobber

Eh man sich versieht, ist man ein Link im Internet.
Einer ist der Held, der andre macht sich zum Gespött.
Schneller als ein Düsenjet umfliegt man so die Welt -
und die User klicken eifrig, ob der Spot gefällt.

Hinter ihren Nicknames fühlen sie sich stark genug.
Und es wird gemobbt, gelobt - in einem Atemzug.
Manchmal bricht ein Shitstorm aus und wehe, wen er trifft!
Denn des Wortes Wirkung ist dem Psychischen ein Gift ...

Anonymes Lästern wird in Foren gar zum Sport!
Hast du schwache Nerven, bleib den Foren lieber fort.
An den Tastaturen wird gelyncht und drangsaliert.
Manchen so Gemobbten hat es in den Tod geführt ...

Heutzutage gibt man besser wenig von sich preis,
weil es sonst in zwei Sekunden jeder Erdteil weiß.
Glaube nicht, dass deine Story Mitgefühl erregt!
Cybermobber haben dich detailgenau zerlegt.

Zigmal durch den Dreck gezogen - alles nur im Netz!
Klapp den Laptop zu und schon verstummt das Web-Geschwätz.
Menschen zu zerstören, kann nicht Sinn der Technik sein.
Und mich holt der Wunsch nach guten, alten Zeiten ein ...


(c) Bettina Lichtner