Donnerstag, 16. November 2017

Würdelos


Im Massenstall ein Vegetieren.
Ein Schattendasein. Würdelos.
Wo Qual und Leid und Schmerz regieren,
wo Schreie sich im Nichts verlieren,
legt Gott die Hände in den Schoß.

Ihm wird der Zutritt strikt verboten.
Der Massenstall ist Teufels Reich.
Dort harren die lebendig Toten
der Todesfahrt durch Metzgerboten,
die grausam sind, statt herzensweich.

Die Hölle ist 's in Massenställen.
Ein Lager ohne Sonnenschein.
Derweil sich Fleischesser gesellen,
um Leichenteile zu bestellen
beim fröhlichen Beisammensein.

In Massenställen fließen Tränen.
Den Fleischessern ist das egal.
Sie witzeln drüber oder gähnen,
wenn einer kommt, um zu erwähnen
den Fakt der Kreaturenqual.

Ein feiges Volk, die Fleischgenießer,
genau wie Milch- und Eierfreaks.
Sie schimpfen die Veganer "Spießer",
doch diese Sünder werden Büßer
im miesen Spiel des Nahrungskriegs.

Im Massenstall kein Recht auf Leben!
Fürs liebe Wort ist dort kein Platz.
Dort gilt das einzige Bestreben
der schnellen Mast, da ist dann eben
das Schwein ein Nichts. Kein Kuschelschatz.

Dort streicheln keine netten Hände
das blasse Fell, das Federkleid.
Dort geht die Freundlichkeit zu Ende.
Und nach der Mast die harte Wende:
der Mord nach karger Lebenszeit.

Dann werden sie hinausgeprügelt
und angebrüllt mit derbem Wort.
Ihr Schicksal ist schon längst besiegelt.
Der Fleischesser diniert beflügelt,
und denkt nicht an den Schlachttransport.

Ein letzter Blick ins Himmelblaue.
Die frische Brise riecht so fremd.
Es singt der Fleischesser: "Ich kaue
so gern auf einem Steak und schaue
aufs Bratenstück ganz ungehemmt."

Der Metzger wetzt die scharfen Messer.
Er gibt der Kuh den Bolzenschuss.
Geliebtes Tier, nun geht 's dir besser ....
Die Qual vorbei!!! Die Tiere-Fresser
erwartet Gottes bittrer Schluss!

Nun hat der Teufel nichts zu sagen,
nun ist 's der Herrgott, der regiert.
Er gibt dem fleischgefüllten Magen
nach all den fleischgefüllten Tagen,
gerecht und treu wie 's ihm gebührt.

Nun leiden Menschen. Massenweise.
Und quälen sich und schreien auf.
Und Gottes Hand, sie waltet leise
und rächt die Tiere. Rächt die Speise,
die tierisch war. Und zwar zuhauf.

Die Ärzteschaft verordnet Pillen.
Im Krankenhaus, da tropft der Tropf.
Und ginge es nach meinem Willen,
ich packte diese Körperhüllen
gern schadenfroh am wirren Kopf.

Vom Massenstall ins Wartezimmer.
Vom Schlachthof ab ins kühle Grab.
Mein Mitleid kriegen jene nimmer,
die Fleisch gespeist. Auf ihr Gewimmer
schwing ich des Metzgers Prügelstab ...


(c) Bettina Lichtner



Montag, 6. November 2017

Gespinste


Die Zeitungsente lacht sich scheckig!
Sie fälscht sich durch das Druckpapier.
Der Leser mag es blutig, dreckig,
und öffnet jedem Fake die Tür.
Er frisst der Lüge aus der Hand ---
(Dem Leser fehlt es an Verstand ....)

Die ganze Welt scheint mir verlogen!
In jedem Apfel steckt ein Wurm.
Wir trügen selbst und sind betrogen.
Es weht ein starker Lügensturm,
wo immer Mensch auf Menschen trifft.
Wir mischen allerorten Gift.

Allmählich schwindet das Vertrauen!
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ...
Was wir auf Unwahrheiten bauen,
steht wackelig, bis es zerbricht.
Es singt die Lüge ihren Ton
mit siegender Faszination ...

Wir schimpfen über Journalisten,
und lügen selber wie gedruckt.
Wenn andre unsre Lügen wüssten,
wir hätten wohl beschämt geguckt.
Doch auch die andren - das steht fest -
bestehen keinen Lügentest.

Des Teufels Waffe ist die Lüge!
Mit ihr erobert er sein Reich.
Doch all die zweifelhaften Siege,
sie kommen dem Verderben gleich.
Wer lügt, der pfeift aufs Gott-Gebot.
Drum ist, wer lügt, ein Idiot.


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 4. November 2017

Ich hab 's probiert ...


Ich hab 's probiert ....
Was ich probiert hab', wollt Ihr wissen?
Ich hab 's probiert ---- das Frösche-Küssen,
doch erst bei Nummer fünfund......dings,
da schmeckte es ganz leicht nach Prinz.
Schon dachte ich, es wär' der Rechte
(es wäre gut, wenn ich nicht dächte ...).
Mein Anspruch war bescheiden wenig
an den Erwählten, denn ein König,
der mich mit Diademen schmückt,
hätt' mich nur minimal entzückt.
Verrückt ....,
denn eigentlich sind Diademe,
ja eine schöne, angenehme,
doch unnötige Liebelei,
mit Neid und Eitelkeit dabei ...
Drum: kein Bedarf an Diadem!
Dem Prinzen war es nur genehm,
denn Gelder waren eng bemessen,
er hat auch gar kein Schloss besessen,
auch eine Krone trug er nicht,
er war eher einfach, Typus schlicht.
Sehr schlicht ...
Kein märchenhafter stolzer Retter,
mehr so ein Mann fürs schlechte Wetter,
der sich, sobald der Regen fällt,
zu Kerzenschein und Wein gesellt,
und am Piano sitzt und singt,
dass es die Seele zart durchdringt.
Ein Prinz mehr für die Innenwelten,
wo Diademe wenig gelten.
So schien er mir ein guter Fang.
Zumindest sieben Tage lang,
zu lang ...
Am achten Tag ist er verschwunden.
Ich hab' ihn nirgendwo gefunden,
er hat sich aus dem Staub gemacht.
Verfluchter Tag, Tag Nummer acht ...
Ein Zettelchen ließ er zurück:
er sein kein Typ fürs Eheglück
und wollte seine Freiheit wieder,
"auf ewig dein" sei ihm zu bieder.
Ich saß mit Wein beim Kerzenschein,
lud Selbstmitleid und Tränen ein,
allein ...,
und wollte niemals mehr was wissen
von irgendwelchem Frösche-Küssen.
Ein Prinz ist nicht mehr, was er war!
Dornröschen-Träume sind nicht wahr,
und Märchen sind nur Lug und Trug.
Von Prinzen hab' ich jetzt genug
und vom Piano-Rumgeklimper!!!
Mir fließt die Schminke von der Wimper,
ich heule mir die Augen raus,
denn ach, der Traum vom Prinz im Haus
ist aus ...


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 22. Oktober 2017

sie & er & er & sie



Da steht ein Mann und hält sich stramm
die Augen zu mit festem Druck.
Man schert ihn übern Einheitskamm
im heutigen Sexismus-Ruck.

Drum gibt er sich jetzt frauenblind,
und fremdelt mit der Weiblichkeit,
versteckt sich wie ein kleines Kind,
naht sich ein holdes Damenkleid.

Von Busen will er nichts mehr sehn,
noch weniger von Bauch und Po.
Zwar ist die Welt jetzt halb so schön,
doch ist er auch kein Gigolo.

Kein Schmeicheln mehr, kein Kompliment.
Kein Pfiff mehr hinter jedem Rock,
weil sonst die Frau zur nächsten rennt
und ihn verpfeift als geilen Bock.

Ist eine dick, die andre dünn ---
kein Wort mehr übers äußre Bild.
Auch sieht er fortan nicht mehr hin,
wie sich die Frau von heut' verhüllt.

Betont sie ihre Reize gar,
betört ihn auch mit keckem Blick,
so gibt der Mann sich totenstarr,
und sendet kein Signal zurück.

Er stählt die Muskeln wie gehabt,
formt seinen Bauch, formt auch den Po,
bis dass die Weiblichkeit sich labt
an seinem Anblick, doch ..... oh-ho ...

was Mann nicht darf, das darf die Frau???
Sie pfeift ihm nach, kneift ins Gesäß ....
Welch ein Sexismus-Supergau ...
So ganz und gar nicht zeitgemäß ...

Darüber aber schweigt die Welt.
Denn Schuld ist immer nur der Mann.
Er steht wie blöde da und hält
die Augen zu, so fest er kann ....



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 13. Oktober 2017

Was wir sind



Wir sind das Volk und doch die Narren.
Wir wählen brav und schlucken viel.
Man spannt uns vor den Ochsenkarren,
wo wir mit trägem Blick verharren,
g'rad wie in einem Trauerspiel.

Wir sind das Volk, doch unser Wille
wird allzu gerne ignoriert.
Wir kämpfen nicht, wir halten stille.
Wir schlucken artig jede Pille,
die uns die Politik serviert.

Wir sind das Volk, sind Stammtisch-Gröler.
Parolenschlacht bei Bier und Wein.
Wir suchen nach dem kleinsten Fehler
der Kandidaten - wie Pennäler,
und würden selbst die Besten sein.

Wir sind das Volk, sind müde Krieger.
Nicht Demonstranten von Format.
Wir wählen kreuzchenweise Sieger,
bisweilen manchen Überflieger,
und folgen blindlings ihrem Pfad.

Wir sind  e i n  Volk! Sind wir auch Brüder?
Wir sind im Herzen längst entzweit.
Es kriecht der Hass durch unsre Glieder
der Egoismus dichtet Lieder ----
ein armes Volk im Narrenkleid.


(c) Bettina Lichtner