Mittwoch, 23. April 2014

Shakespeares' Werke

Vorhang auf. Das Spiel beginne.
Romeo küsst Julia.
Hamlet hat den Tod im Sinne.
Was Ihr wollt, bekommt Ihr ja …

Seht, der Sturm fegt auf der Bühne,
bis Othello niederfällt.
Und Mcbeth - vor Hexen kühne -
wird tyrannenhaft entstellt …

Wie es euch gefällt, Ihr Lieben,
spricht das Wort Euch Maß für Maß.
Ist bis heute treu geblieben,
und bis heute bringt es Spaß.

Widerspenstige Pennäler
lernen Cäsar, Julius.
Sonst ja eher Parolen-Gröler.
Shakespeare aber ist ein Muss.

Nicht verlorne Liebesmühe!
Ich zieh' gerne meinen Hut.
Heut' wie damals, spät bis frühe:
Ende gut gleich alles gut …

Dank, Herr Shakespeare, für Ihr Werken.
Für die weise Wortgewalt.
Ob Sie wohl im Himmel merken,
wie Ihr Schaffen wallt und schallt?



© Bettina Lichtner
Halleluja


Dienstag, 22. April 2014

Kleine Geschenke

Das junge Fräulein wirkt nervös,
den Blick zur Uhr gewandt.
Wie ich an ihren Augen les',
scheint sie recht angespannt …

Was hat sie nur, was drückt sie so?
Behält sie Contenance?
Sie wirkt besorgt, als dass sie froh,
und scheint nicht in Balance …

Mal läuft sie hin, dann wieder her.
Man wird nicht richtig schlau.
Ich glaube, etwas lastet schwer
auf dieser jungen Frau.

Kein Lachen spielt ihr im Gesicht,
der Ausdruck ist verhärmt.
Und wenn sie auch kein Wörtchen spricht,
ihr Herz, es schreit und lärmt …

Die Uhr schlägt drei, die Uhr schlägt vier.
Da hetzt ein junger Mann
(ich glaub', es ist ein Kavalier)
heran, so schnell er kann.

Sie hebt die Hand und droht und brüllt.
Der Mann hat 's wohl gewusst.
Hat eiligst einen Strauß enthüllt
und tut ganz schuldbewusst.

Dann zückt er aus dem Jackenkleid
ein Ringlein - pures Gold -.
Er kniet sich hin und spricht zur Maid:
"Das hab' ich nicht gewollt!"

Der Blumenstrauß, der Ring und er,
wie er so reuig schaut -
die Frau ist nicht von ungefähr
seither des Mannes Braut …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 19. April 2014

Überhörter Pfiff

Eine Drossel singt mit Power
und mit langer Atemdauer
mir des Abends - so um acht -
stolz ihr Lied zur guten Nacht.

Ihr zu lauschen bringt mir Freude.
Eine wahre Ohrenweide.
Und das Tagesende klingt
durch den Vogel so beschwingt …

Ach, der Kleine. So versunken
in sich selber. Hab' gewunken,
doch er hatte keine Zeit
für ein Rendezvous zu zweit.

Er blieb brav bei seinen Klängen,
und schlug meine noch um Längen.
Bei dem Vogel-Lenz-Konzert
hab' ich gerne zugehört.

Und ich wollt' ihm imponieren
und im Pfeifen mich probieren,
doch er reagierte nicht
auf den Pfiff im Dämmerlicht.

Bin ja bloß ein Menschenwesen,
kann wohl rechnen, schreiben lesen,
aber tirilieren? Nein.
Da ist Schluss mit dem Latein …



© Bettina Lichtner
Halleluja


Freitag, 18. April 2014

Fanfaren der Liebe

Trunken vor Glück setzt der Sperling sich nieder,
flüstert der Linde: "Ich bin so verliebt …".
Und es pulsiert unterm jungen Gefieder,
weil dort ein Falter den Liebestanz gibt.

Und 's kleine Herzchen pocht wild ihm im Leibe,
wenn er nur denkt an die Dame der Wahl.
Ob ich 's mit Worten auch richtig beschreibe?
Heiß muss es klingen, nicht trostlos und schal …

Aufgeregt zittert dem Kleinen der Schnabel,
trällert er lauthals ein liebliches Lied.
Jemand klatscht Beifall und ruft: "RESPEKTABEL",
dass sich der Sperling gleich weiter bemüht.

Endlich erhört die Erwählte sein Singen,
flattert herbei und rückt näher heran.
"Freundlich von dir, mir ein Ständchen zu bringen.
Scheinbar bist du ein romantischer Mann."

Seht nur, wie rot ihm sein Köpfchen da funkelt.
Schweigen im Walde. Verlegenheit pur.
Meisen und Drosseln, die haben gemunkelt:
"Bald gibt es Kinder! Wir stellen die Uhr!!"

Zwischen den Blättern der blühenden Linde
turtelt die Liebe und baut sich ein Nest.
Ich aber steh an der knorrigen Rinde,
träumend …… und halte den Augenblick fest.

Wahrlich, im Frühling, wenn Tiere sich paaren,
und wenn aus Knospen ein Blütenmeer wird,
spielen sie auf, all die Liebesfanfaren,
und sind Gedanken vom Glück ganz verwirrt …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 17. April 2014

heiß & kalt

Und ich lausche all den Zügen
deines Odems in der Nacht.
Seit' an Seit' mit dir zu liegen,
nichts kann mehr als dieses wiegen.
Oh, wie mir die Lust erwacht …

Meine Hände wollen gleiten
übers gottgemachte Land.
Wollen über Grenzen schreiten,
dir den ganzen Leib enthäuten,
wie 's noch nie geschrieben stand …

Meine Küsse, wild und glühend,
wollen gern erwidert sein.
Und vom Kopf zum Fuße ziehend
hüllen sie, Verlangen sprühend,
dich in die Begierde ein.

Alle Zügel lass ich fallen.
"Auf, Gedanken, Ihr seid frei."
Wie mir die Gefühle wallen …
Und als trüg' ich Katzenkrallen
kratz' ich dich mit Lustgeschrei …

Du jedoch liegst schnarchend stille.
Und ich mühe mich hier ab.
Da erkaltet mir der Wille.
Und ich greif mir Buch und Brille,
weil es sonst kein Lustspiel gab.

Und am Morgen liest du gähnend
deine Zeitung wie sonst auch,
übers schlechte Wetter stöhnend,
deinen Kopfschmerz noch erwähnend -
und von Liebeslust kein Hauch …



© Bettina Lichtner
Halleluja