Montag, 31. Dezember 2012

Adieu 2012

Aufgeregt wie junge Pferde
steht die neue Monatsherde
in den Startlöchern der Zeit.
Heute Nacht nun ist 's soweit.

Der Dezember wird uns weichen,
und mit lautstarken Gebräuchen
wird das neue Jahr begrüßt,
das sich wie ein Rätsel liest.

All die Tage zu entdecken,
die so scheu sich noch verstecken,
wird mir eine Freude sein.
Möge Tag um Tag gedeih'n.

Will das alte Jahr nun scheiden,
samt dem Glück und samt dem Leiden,
wird der Bogen neu gespannt,
und verkürzt das Lebensband.

Lebewohl, du gutes Treues!
Sei gegrüßt, du fremdes Neues!
Wo was anfängt, hört was auf.
Und ich folge diesem Lauf ....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 30. Dezember 2012

Etwas lief falsch

Vergewaltigt und misshandelt
starb die schöne junge Frau.
Ob sich das Gesetz nun wandelt,
weiß wohl niemand so genau.

Und ich frage mich betroffen,
was verkehrt lief im Gehirn.
Doch die Fragen bleiben offen.
Wer will schon die Antwort hör'n?

Denn dann müsste man gestehen:
die Gesellschaft hat 's verbockt.
Irgendwo ist was geschehen,
was das Böse rausgelockt ...

Niemand wird von Gott erkoren,
sich als Mörder zu versteh'n.
Friedlich wird der Mensch geboren,
bis die Winde feindlich weh'n.

Irgendwo ab Zeitpunkt Wiege
lief was falsch bis hin zur Tat.
Und das Leben ward zur Lüge,
und der Seele platzt die Naht ...

Niemand will gesehen haben,
dass der Teufel Schicksal spielt.
Saßen blind in ihren Waben,
während wer die Uhr anhielt ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 29. Dezember 2012

Frühzünder

Durch die Ferne peitschen dumpfe Geräusche,
wie Gewehre! Oder ob ich mich täusche?
Oder sind es unbelehrbare Wesen,
die zu dumm sind, den Kalender zu lesen?

Ja, fürwahr! Es sind Silvesterraketen,
die (zu früh entflammt) die Ruhe mir töten.
Und die Tiere packen Ängste im Nacken.
Würd' zu gern mir diese Frühzünder packen ....

Ist 's so schwer, noch ein, zwei Tage zu warten?
Warum jetzt schon mit dem Jahresschluss starten?
Ohne Rücksicht wird gen Himmel geschossen
noch bevor die letzten Stunden verflossen.

Viel zu schnell ist all der Frieden verflogen,
der zur Weihnacht durch die Herzen gezogen.
Schon zerreissen Explosionen die Stille.
Gebt den Knallfröschen Kalender und Brille!!!


(c) Bettina Lichtner

Auf zu neuen Ufern

Der Countdown läuft,
und langsam reift
das neue Jahr heran.
Die Stund' ersäuft,
die Neugier häuft
so sehnsuchtsvoll sich an.

Was birgt die Zeit?
Wie schaut das Kleid,
das 'Zwanzig Dreizehn' trägt?
Ich schwör' den Eid
der Tapferkeit,
ganz gleich, was mich bewegt.

Ein neues Spiel.
Ein fremdes Ziel.
Die Schritte unbekannt.
Ich säe viel
vom Herzgefühl
ins unberührte Land.

Dass es erblüht
und weiterzieht
und reiche Früchte bringt.
Ich hoff' verfrüht,
dass (froh bemüht)
die Ernte auch gelingt.

Ich lad' dich ein,
mir Freund zu sein,
du neuer Jahreskreis.
Sei 's süßer Schein,
sei 's finstrer Hain -
ich folge deiner Weis' .....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 28. Dezember 2012

Guter Vorsatz

Der Dezember packt die Taschen,
denn sein Abschied steht bevor.
Seine Herrlichkeit zu naschen,
Glanz und Freude zu erhaschen,
lockte tiefstes Glück empor.

Doch nun schleicht aus dem Gewissen
mancher Vorsatz an das Licht.
Manchen lasterhaften Bissen
werden wir entbehren müssen,
weil der Geist uns mahnend spricht!

Jeder Jahreswechsel wieder
soll der Weg ein andrer sein.
Doch der Willen kennt die Lieder,
und sie sind ihm so zuwider -
diese Vorsatzheuchelei'n.

Nicht mehr rauchen, nicht mehr trinken,
und die tausendste Diät.
Jedes Jahr die alten Schinken!
Doch in Bälde schon, da winken
welke Floskeln aus dem Beet.

Und so ist 's ein stetes Kommen,
immer zur Silvesterzeit.
Mutig einst zum Ziel genommen,
wird bald aus dem Munde kommen:
"Morgen, morgen, nur nicht heut' ....."



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Gefühlsecht

Wenn der Krokus im Dezember aus der Erde schaut,
weil im Winter schon der Frühlingsduft frohlockt,
und die Meisenmutter gar ein warmes Nestchen baut,
hat die Wetterfee sich offenbar verzockt.

Schal und Mantel hängen wartend im Gard'robenschrank,
denn vom strengen Frost fehlt weiter jede Spur.
Ein verliebtes Paar sitzt turtelnd auf der Stadtparkbank.
Welche Jahreszeit erleben wir denn nur?

Statt das Eis die Straßen, Häuser und die Bäume deckt,
liegt es rosarot im waffeligen Kleid.
Und die süßverwöhnte Zunge, die 's genüsslich schleckt,
hängt gedanklich in der letzten Sommerzeit.

Vor Jahrzehnten noch versank das Land in weißer Pracht,
doch der Klimawandel schmolz den ganzen Schnee.
Weil uns nun die warme, frühlingshafte Sonne lacht,
springt so manches Herz im flirtenden Karree.

Selbst die Knospen woll'n sich zeigen auf dem nackten Ast.
Und die Gänse sparen sich den weiten Flug.
Und weil Tag und Wetter nicht mehr zum Kalender passt,
ruft Herr Petrus hoch im Himmel laut: "BETRUG!!!"

Alles ist so durcheinander, die Natur verwirrt.
Und der Mensch alleine trägt daran die Schuld.
"Ach, Ihr Tiere ...... Pflanzen, alles hat der Mensch zerstört.
Und mir flieht vor lauter Ärger die Geduld ...."



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Die letzten Stunden

Groß war die Mühe, der Weihnacht zur Ehre!
Und allzu hurtig ging alles vorbei ....
Doch, was ich ewig und nachhallend höre
ist dieses Lachen, das ehrlich und frei.

Lang wird der Abend den Geist mir bereichern
mit seinen Bildern, die sicher verwahrt.
Werde die glücklichen Stunden mir speichern
und sie betrachten, wenn 's Leben zu hart.

Schnell, viel zu schnell lief der Zeiger der Uhren,
kaum dass der Christbaum so glänzend mir schien.
Schon bleiben nur noch gedankliche Spuren,
die gar so wärmend durchs Herze mir zieh'n.

Einmal noch will ich den Frieden genießen,
eh dieses Fest seinen Abschiedshut hebt.
Eh wir die Jahre verlier'n und begrüßen.
So sei die Stunde vollkommen gelebt!

Morgen ist alles vorüber, denn leider
drängt sich der Alltag zurück in die Welt.
Dann legt die Weihnacht die festlichen Kleider
eiligst hinfort und der Zauber zerfällt .....


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 25. Dezember 2012

Happy Birthday!

Herzlichen Glückwunsch, du Jesuskind, du!
Schau' dir nun jährlich beim Jubeltag zu,
frag' mich seitdessen, wie du es wohl machst,
dass du so ewiglich jugendlich lachst.

Jährlich erweckt dich das Krippenspiel neu.
Liegst dort im Stroh noch so lieblich und scheu,
dass er mich sticht, dieser neidische Dorn,
denn ich begänne ja auch gern von vorn.

Wäre ich du und von allen bestaunt,
reichlich beschenkt und dazu noch der Sound
friedlicher Lieder - wie schön ich das fänd'.
Jedes Jahr wieder der fromme Moment!

Wie sie dich ehren, du glücklicher Fall!
Plötzlich genügt da ein kärglicher Stall,
um diesen Glanz in den Augen zu seh'n,
während sie sonst durch Palasträume geh'n!

Du, kleiner Bengel, hast magische Kraft!
Du nur allein bist 's, der 's immerzu schafft,
dass die zerrissene, schwankende Welt
in eine friedliche Stimmung verfällt ....



(c) Bettina Lichtner

Montag, 24. Dezember 2012

Gesegnete Weihnacht!

So sei mein Gast, Herr Jesu Christ.
Beehre mich und bleibe.
Dass du zur Erd' gekommen bist
und alle Sorgen fort mir küsst,
ist 's, was ich dankend schreibe.

Die Nacht der Nächte - lang ersehnt!
Ich fühle tiefsten Frieden.
Dass mein Herz sich an deines lehnt,
du Christuskind, sei hier erwähnt.
So ist uns Freud' beschieden.

Der Christbaum wird lebendig heut'
und lacht mit allen Zweigen.
Ich liebe dich, du Weihnachtszeit.
Die Seele atmet ganz befreit
und alle Lasten schweigen.

Des letzten Türchens süßer Gruß
zergeht, zerfließt auf Zungen.
Ich spür' von Kopf bis hin zum Fuß
die Ungeduld des Kinderschuh's
der Zeit, die längst verklungen.

Oh Weihnachtszeit, du schöne Stund'!
Ich reiche dir die Hände
und danke dir, dass ich gesund
und mit den Liebsten im Verbund
mit dir das Jahr beende .....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 23. Dezember 2012

4. Advent

Ach, zu Recht seh' ich Euch zittern,
weil Ihr gleich erlöschen müsst.
Ihr und ich, wir können wittern,
dass bald Heiligabend ist.

Was ein einzelner begonnen,
ward zum Du-, Terz- und Quartett.
Gleich jedoch seid Ihr zerronnen,
was ich gern verhindert hätt'.

Doch, Ihr wisst, man kann nichts halten.
Alles schmilzt und alles fließt.
Bald wird Euer Docht erkalten,
denn das Fest der Feste grüßt.

Habt Ihr gerade Euch gefunden
und Euch auf dem Kranz vereint,
naht das Ende unumwunden,
und es hat sich ausgescheint.

Lieblichste Adventsgenossen!
Wie ich Euch vermissen werd'.
Just zum Viererbund geschlossen,
wird das Kleeblatt gleich zerstört.

Drum Adieu, Ihr Kerzenlinge!
Viermal traft Ihr mein Gemüt!
Morgen aber, morgen singe
ich dem Tannenbaum ein Lied .....


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 22. Dezember 2012

Volle Körbe

Es kommt ein Korb geladen
bis an den höchsten Rand.
Von Supermarktnomaden
bis obenhin beladen
steht er vorm Kassenband.

Derweil am Erden-Ende
der Hunger um sich greift,
wird im Discount-Gelände
durch nimmersatte Hände
die Ware angehäuft.

In weihnachtlichen Zeiten
wird Vorrat angelegt.
Wenn dann die Glocken läuten,
und sie zu Tische schreiten,
ist dieser reich belegt.

Ein Festschmaus für den Gaumen
(da staunt das arme Kind).
Man leckt sich gern die Daumen
nach Gänsebrust mit Pflaumen
und ist vor Sattheit blind.

Blind für des Hungers Leiden,
das nah ist und auch fern.
Die vielen Tafelfreuden,
um die sie uns beneiden -
wir könnten sie entbehr'n ......



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 21. Dezember 2012

Web-Legasthenie

Ein Dichter durch den Web-Wald ging,
nach Schreibweisen zu suchen.
Sein Blick, der sich im Netz verfing,
fand 's gute Wort als Kürzelding.
(Auch Dichter können fluchen!)

Die Rechtschreibung - einst höchstes Gut -
lag winselnd in der Ecke.
Ach, was für eine Fehlerflut.
Dem Dichter wallte gleich das Blut.
Das Wort blieb auf der Strecke!

Verhunzt, entstellt und sowieso
dem Sinn bedenklich ferne.
Gesunken ist das Schreibniveau.
Dass jenes in den Abgrund floh,
sah 's Dichterherz nicht gerne.

Die Rechtschreibregeln außer Acht
wird 's frei nach Schnauz' geschrieben.
Es wird ums Wort nicht nachgedacht.
Das Web hat es kaputt gemacht.
Nichts ist von ihm geblieben.

Der Dichter fragt, warum 's so ist.
Wer lehrt das rechte Schreiben?
Vervielfältigter Wörtermist,
der arg am kund'gen Auge frisst.
Wohin wird uns das treiben???



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Frosch im Hals

Es ist ein Frosch entsprungen
dem räusperhaften Schlund.
Der Schleim hielt ihn umschlungen,
sein Quaken hat geklungen
wie das Gebell vom Hund.

Ein tagelanger Husten
lag drückend auf der Brust.
Das qualgefüllte Prusten
klang runter bis nach Houston
und stahl die Lebenslust.

Gerötet war die Gegend,
in der das Fröschlein hing.
Die Stimme krächzte sägend
und mitleidvoll bewegend.
Herrje, das arme Ding ....

Bakterien und Viren
in Angriffsposition,
die wollten Kriege führen,
doch werden sie verlieren
dank Dampfinhalation.

Zudem noch Halspastillen
und Hustensaft dazu
und wärmend sich verhüllen -
schon steigt der Lebenswillen.
Der Körper lechzt nach Ruh.

Der Arzt verordnet Schonung.
Und bald - hurra, hurra -
die freudige Belohnung:
die frische Stimmvertonung
ist glockenhell und klar ...


(c) Bettina Lichtner


Mittwoch, 19. Dezember 2012

Inside

Lasset uns lauschen auf Stimmen von innen,
dass wir daraus neue Kräfte gewinnen,
dass sie uns leiten und nimmer uns flieh'n.
Lasst uns beizeiten ins Innere zieh'n.

Bringet die Ruhe in Eure Gemüter.
Seid den Gedanken ein strenger Behüter.
Nicht sei der Herzschlag ein rasender Zug.
Habt Ihr doch nur einen einzigen Flug.

Und Euer Atem sei sachte und leise.
Welch ein Genuss birgt die innere Reise.
Das, was wir brauchen, war immer schon da.
Tief in der Seele ist Kostbarkeit nah.

Selige Stille inmitten des Lauten!
Ach, dass wir deiner nicht oft genug schauten,
ist zwar sehr schade, doch niemals zu spät.
Froh ist der Blick, der nach innen gedreht ....


(c) Bettina Lichtner

Haltet ein

Still, still, still .....
Lasst das Kriegsgebrüll!
Legt die Waffen aus den Händen,
um die Schlachten zu beenden.

Haltet ein .....
Friedlich soll es sein!
Nimmer sollen Menschen sterben,
nicht die Erde rot sich färben.

Werdet klug .....
Ach, es ist genug
mit dem Kampf um Ruhm und Ehre!
Schmeißt hinfort all die Gewehre.

Seid nicht blind ......
Schießt nicht auf das Kind,
nicht auf Männer, nicht auf Frauen.
Feige ist des Mordens Grauen.

Öffnet weit
Eure Herzlichkeit,
die als Kind Euch angeboren.
Wo nur habt Ihr sie verloren?


(c) Bettina Lichtner

Montag, 17. Dezember 2012

Seekrank

Oh, du fröhliches Glühwein-Gelage!
Mir ist so schwummrig der Blick.
Noch ein Glas und ich ahne schon vage,
mich bringt ein Taxi zurück.

Heißer Trunk aus erhitzten Prozenten
färbt mir die Wangen so rot.
Werd' ergriffen von Schwindel-Momenten
wie auf 'nem schwankenden Boot.

Wärmend fließt es den Schlund mir hinunter,
brodelt durchs Adergeflecht.
Und die Zunge, sie plaudert so munter.
Aber dem Magen wird schlecht.

Plötzlich mehren sich Häuser und Leute.
Doppeltes Lottchen - au wei!
Ach, ich denke, es reicht wohl für heute.
Ich sag der Runde 'Bye, Bye'.

Wie nur bin ich nach Hause geraten?
Oh, ich erinner mich kaum.
Alles Quatsch, denn ich will Euch verraten:
dieses hier war nur ein Traum .....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 16. Dezember 2012

3. Advent

So schön das dritte Licht auch schaut,
die Freude mag nicht recht mir blühen,
weil auf der Welt das Leid sich braut
und Tränen in den Himmel ziehen.

Es werden Leben ausgelöscht
durch fehlgesteuerte Gehirne.
Die Hand, die mit dem Blut sich wäscht,
ist Schuld, dass ich ob ihrer zürne.

Kein Tag vergeht auf dieser Welt,
wo Schmerzen nicht das Spiel regieren.
Mein Blick, der aufs Adventslicht fällt,
will sich nicht wärmen, spür' ihn frieren.

Dem Mensch kann man nicht wirklich trau'n.
Das Äußere kann ja so trügen.
Man kann nur bis zur Stirn ihm schau'n.
Was mag denn nur dahinter liegen?

Es sind zu viele Teufel hier,
die mit dem Tode im Verbunde.
Als Mörder steh'n sie in der Tür
und töten Leib samt froher Stunde.

Im Kerzenflackern ahne ich
das Leid und hätt' es gern vertrieben.
Es denke niemand nur an sich!
Ach, nur wer mitfühlt, weiß ums lieben ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 15. Dezember 2012

Weiße Träume

Schneeflöckchen, sei pünktlich, bald ist es soweit.
Es wäre so schön, wenn es Weihnachten schneit.
Das würd' mir gefallen, drum breite dich aus,
und decke die Wiesen, die Straßen, das Haus.

Vertreib mir den Regen, er schaut mir so trüb.
Und sag der Frau Holle, ich habe sie lieb.
Sie soll ihre Kissen mal alle entleer'n.
Ich hoff', sie lässt baldigst recht viel von sich hör'n.

Ach, läge erst Schnee, würd' ich wieder zum Kind
(doch nur in Gedanken, die frei wie der Wind ....).
Ich sauste im Schlitten vom Berg in das Tal.
Ich jauchzte und lachte ....... wie früher einmal.

Ich drückte den Schnee mir zur Eisglätte platt
und rutschte darauf, bis die Kräfte mir matt.
Die Schneebälle flögen zum Himmel hinauf
(die eiskalten Hände, die nähm' ich in Kauf).

Ich würde noch einmal den Schneemann erbau'n.
Noch einmal zu tanzenden Schneeflocken schau'n.
Dann ginge ich völlig durchfroren hinein
und ließe ein wohliges Bade mir ein.

Ein heißer Kakao mit 'nem sahnigen Hut,
der täte dem frierenden Leibe so gut.
Ja, ja, so könnt 's sein, wenn ein Kindlein ich wär'.
Doch .... alles vorbei! Denn ich bin 's ja nicht mehr.


(c) Bettina Lichtner

Falsche Zeit, falscher Ort

Anlässlich des furchtbaren Massakers an einer amerikanischen Grundschule am gestrigen Tage, möchte ich versuchen, meine Traurigkeit darüber in folgende Zeilen zu weben:


Lieber Gott! Wo warst du nur,
als ein Mörder seine Spur
durch die Grundschulgänge zog
und den Frieden dort verbog?

Als er Kugeln um sich schmiss,
Menschen aus dem Leben riss?
Als er all die Kinder traf?
Bist du nicht für "Peace and Love"?

Panik und die Angst vorm Tod
warf die Welt dort aus dem Lot.
Warum lässt du sowas zu????
Sag mir, Gott, wo warst denn du?

Als sie schrien und als sie floh'n,
hast du da auf deinem Thron
taub und blind dich weggedreht?
Herr, erhöre mein Gebet:

Wenn es dich tatsächlich gibt,
mach doch, dass der Mensch sich liebt,
dass er nicht ein Leben stiehlt,
was noch gar nicht durchgespielt!!

Dass die Hand nicht Blut vergießt,
sondern wärmend herzt und grüßt.
Mach die Hirne frei von Hass.
Pflanz stattdessen Freud und Spaß!

Aber, ach, ich ahne schon,
mein Gebet ist nur Vision.
Manches Herz kennt nur Gewalt
und das macht die Wärme kalt ....


(c) Bettina Lichtner

Lösungsweg

Was soll es bedeuten, dass alles vergeht?
Das Schöne, das Böse, das Gute, das Schlechte ...
Rein gar nichts will bleiben, denn früh oder spät
verschwinden die Tage im Dunkel der Nächte.

Und will ich 's auch halten, es scheitert ja eh.
Denn alles auf Erden ist nurmehr geliehen.
Selbst ich bin vergänglich vom Kopf bis zum Zeh.
Ach, alles was knospend, wird wieder verblühen.

Ich kann es nicht fesseln, nicht binden an mich.
Die Zeit liebt die Freiheit, sie fliegt mit den Wolken.
Und wenn auch die Stunde für immer mir wich,
so hab' ich sie saugend in Gänze gemolken.

Ich trink aus dem Glas, das sie reicht, trink es leer.
Und selbst dieser Schluck wird auf ewig verschwinden.
Ich ahne, am Schluss bleibt mir nichts, gar nichts mehr.
Hab nur den Moment, um das Sein zu ergründen.

Und weil es so ist, dass mir alles vergeht,
und jede Sekunde mit Gold so beladen,
drum koste ich jene, von früh hin bis spät.
Ich weiß ja, die Zeit hängt am seidenen Faden .....



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 14. Dezember 2012

Süßer Ton

Süßer werden sie nie klingen
und so viel Gewinn einbringen,
diese weihnachtlichen Glocken
(die uns wie hypnotisch locken),
als in den Dezembertagen,
wenn die Euros Flügel tragen.

Und sie flattern in die Kassen,
denn die Menschheit kann 's nicht lassen:
massenhaft Präsente kaufen,
bis zum Schluss durch Läden laufen,
um ans Jesuskind zu denken,
und es reichlich zu beschenken (?)

Denn das Fest der Liebe wartet ....
(leider etwas ausgeartet).
Liebe kann man wenig sehen.
Unterm Weihnachtsbaume stehen
bar bezahlte kalte Küsse
eingerahmt durch Haselnüsse.

Liebe Worte hört man selten!
Liebe kann wohl nur was gelten,
wenn sie als Konsum verkleidet
an erfüllter Gier sich weidet.
Liebe unter Tannenästen
gibt sich bunt verpackt zum Besten.

Würde man die Liebesmächte
dieser einen Nacht der Nächte
in die Herzen fließen lassen
(statt in die gekauften Massen),
Jesuskind würd' endlich stranden,
denn die Botschaft wär' verstanden ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Vertraute Klänge

Alle Jahre fall' ich wieder
in die Sehnsucht alter Zeit.
Durch die müd' geword'nen Glieder
krabbelt die Vergangenheit.

Liedgut will sich in mir breiten,
das ich einst so gerne sang.
In den neumodernen Zeiten
misse ich den schönen Klang.

Ob die World-Wide-Web-Vernetzten
(die von jüngerer Statur)
sich wohl noch zusammensetzten
für die Weihnachtspartitur?

Mit den altbewährten Texten?
Die ...... von anno dazumal?
Ach, die Zeit zerschlug mit Äxten,
was der Opa einst empfahl.

"Weihnachtslied, dir droht das Ende,
bist du nicht im Hip-Hop-Sound!"
Wie bedenklich ist die Wende!
Wütend bin ich ....... und erstaunt.

Lehrt denn niemand mehr zu singen,
was uns früher so gefiel,
als wir noch zur Schule gingen?
Scheint es gar der Müh' zu viel?

Rettet mir die Weihnachtsklänge!
Lasst sie wieder lebend sein!
Dass die Uhr sie nicht verdränge,
ladet sie ins Herz Euch ein ....



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Einmal glücklich sein

Haltet Eure Augen offen.
Überall ist Not und Leid.
Habt Ihr schon mal wen getroffen,
der in größter Einsamkeit?

Den 's verlangt nach einem Bissen?
Den 's verlangt nach Liebe gar?
Plagen soll mich das Gewissen,
dass ich oft nicht sehend war.

Ach, die Welt ist voll der Armen,
die der Weihnacht fürchtend sind.
Denn sie liegen nicht in warmen
Armen, wie 's geliebte Kind.

Sie sind einsam Heiligabend.
Niemand da, der sie beschenkt.
Sich in Traurigkeit vergrabend
fragen sie, wer an sie denkt.

Schauen in die hellen Stuben,
wo das Christkind Einzug hielt.
Froh die Mädchen, froh die Buben,
und es hat das Herz zerwühlt ...

Einmal in die Leiber schlüpfen,
glücklich und zufrieden sein.
Um die Tannenzweige hüpfen,
und sich an dem Glanz erfreu'n.

Doch wenn sie nach Hause kehren,
ist die Stube bitterkalt.
Könnt' man Tränen sprechen hören,
dann erfrören wir alsbald ...


(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 11. Dezember 2012

Wintermorgen

Still umwob die Winternacht
die Natur mit frost'gem Faden.
Hauchte auf die Bäume sacht
ihre zarte Eisespracht
und hat sie mit Reif beladen.

Silbern schimmert das Gewand,
das mein Aug' am Morgen blicket.
Welch ein Schauspiel ward gesandt!
War 's die göttlich holde Hand,
die das Herz mir so erquicket?

Glutrot steht das Sonnenlicht.
Lohnet mir das frühe Schauen.
Welche Freude aus mir bricht!
Und mir lächelt das Gesicht
in den kühlen Morgenauen.

Schicke meinen Atem weit,
bis er mit dem Wind verschwindet.
Eine tiefe Seligkeit
bindet sich in meine Zeit,
dass sie gleich ins Herz mir mündet.

Niemand nimmt den Reichtum mir,
den der Morgen mir gegeben.
Stille Winternacht, nur dir
gilt mein Dank (auch wenn ich frier').
Du bringst Wärme mir ins Leben ...



(c) Bettina Lichtner

Montag, 10. Dezember 2012

Im Arm des Windes

Der Möwe will der Schrei ersticken,
als sie des Menschen Treiben schaut.
Welch Lasten doch die Schultern drücken!
So viele gramgebeugte Rücken!
Und noch dazu ist 's viel zu laut.

Terminversklavte Junge, Alte,
die kaum an freier Zeit sich freu'n.
Die botoxlahme Sorgenfalte,
die Gottgewolltes übermalte,
braucht den Termin zum Glücklichsein.

Ein stetes Wechseln der Gewänder.
Ein Blick des Neids zur Konkurrenz.
In tausend Kleidern tausend Blender.
Und lauter dünne Lebensbänder.
Wer fühlt die Schönheit des Moments?

Sie rennen so, als sei 's ein Flüchten.
Es jagt die Uhr, die Uhr, die Uhr.
Im Würgegriff von lauter Pflichten,
will sich die Fröhlichkeit nicht lichten.
Gefangene der Prozedur.

Wer sieht schon noch die Möwe fliegen?
Wen interessiert das Drumherum?
Die Möwe scheut das Selbstbelügen.
Sie darf im Arm des Windes liegen
und hält uns Menschen wohl für dumm.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 9. Dezember 2012

2. Advent

Kein Monat flieht so schnell mir wie der Zwölfte.
Alsbald verschlang die Sanduhr ihn zur Hälfte.
Von Sonn- zu Sonntag mehren sich die Kerzenlichter.
Die Aufgeregtheit malt sich auf die Kinds-Gesichter.

Durch Kassenzonen schlängeln sich die Schlangen.
Die Weihnachtszeit hält uns in ihren Zangen.
Das Geld rinnt durch die Finger mir wie fließend' Wasser.
Sein Schwinden färbt die winterkalten Wangen blasser.

Es drängeln sich die Körper durch die Städte.
Die Hände füll'n sich an mit Eisesröte.
Ein Glühwein treibt das Blut zurück in seine Bahnen.
Der kleine Schwipps will mich ans rechte Maß ermahnen.

Von Ferne klingt das "Alle Jahre wieder".
Das alte Herz vermisst die Weihnachtslieder.
Von allen Seiten blinkt es aus den Fensterscheiben.
Ich will dem Weihnachtsmann noch meine Wünsche schreiben.

Und heute steht der zweite Docht in Flammen,
die Liebsten kommen allesamt zusammen,
und feiern den Advent in einer heitren Runde.
Die dritte Kerze sehnt sich schon nach ihrer Stunde ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 8. Dezember 2012

Zarter Schmelz

Das winterliche Flockenspiel
trägt Wehmut im Gepäck.
Mit jedem zarten Schmelz, der fiel,
wagt sich das kindliche Gefühl
aus seinem Herz-Versteck.

Der Geist betrinkt sich gar dabei
am Klang der alten Zeit.
Die schöne Weihnachtsmelodei,
der ich erneut die Stimme leih,
hüllt mich in Sehnlichkeit.

Es fühlt sich wie ein Zauber an,
der einmal noch erwacht.
Noch einmal fühle ich den Bann,
den nur der Winter bringen kann
mit seiner weißen Pracht.

Der Schneemann, den die Kinderhand
mit Freude einst gebaut,
der ach so stolz im Garten stand
in seinem kalten Schneegewand,
ist lange schon getaut.

So vieles tritt zur Tür herein,
was lange schon verging.
Nie mehr werd' ich das Mädchen sein,
das spielerisch den zarten Schein
der Winterfreud' umfing ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 7. Dezember 2012

Rohlings' Reise

Es war einmal ein Teigrohling,
der floh aus der Fabrik.
Denn weil sein Herz am Brauchtum hing,
da dachte sich das rohe Ding:
"Jetzt geht es um den Sieg!"

Er ging auf eine Wanderschaft,
der Bäckerzunft zur Ehr'!
Befreit aus seiner Massenhaft,
entkam er der Maschinenkraft
und zog im Land umher.

Er suchte eine Bäckerei,
die noch ihr Werk verstand,
mit handgeformter Leckerei
aus guter Butter, Mehl und Ei -
gedreht von Meisterhand.

Doch ach, was sieht des Rohlings' Blick?
Es kam ein LKW
und brachte an die tausend Stück
ihm Ähnliche aus der Fabrik -
wie tat das Herz ihm weh.

Kein Bäckermeister nahm die Fracht
begrüßend in Empfang.
Stattdessen kam in Alltagstracht
ein Fräulein und hat müd' gelacht -
dem Rohling wurde bang.

Das Fräulein war Verkäuferin
und fern des Backversteh'ns.
Sie schob die Ladung innendrin
zum strombeheizten Ofen hin
und übte sich des Dreh'ns.

Des Dreh'ns der Ofenarmatur.
Schon quell'n die Brötchen auf.
Bald schellt die eingestellte Uhr.
Der Kunde drängelt sich im Flur.
Sein Hunger ruft ihm: "KAUF!!!"

Es duftet nicht nach frischem Brot
wie 's einst beim Bäcker war.
Fabrikbrot ist des Bäckers Tod.
Der Rohling schreit: "FABRIKVERBOT!
DIE BÄCKER WERDEN RAR!!!"

Doch weil der Kunde sparen will,
regiert der Massenfraß.
Der Rohling wandert traurig still
zum Sterben auf den Nahrungsmüll,
wo man ihn bald vergaß ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Bis(s) zum Platzen

Oh, du kalorienreiche Stunde,
füllst mir wieder unentwegt den Leib.
Monat Nummer 12 bringt mir die Pfunde.
Köstlich ist der süße Zeitvertreib!

Du verführst mit allerlei Genüssen.
Ach, ich kann dir gar nicht widersteh'n.
Leise aber flüstert mein Gewissen:
"Deine Waage wird die Sünde seh'n."

Ich erklimm' den Berg aus Schokolade,
schlag mich tapfer in der Plätzchenschlacht.
Noch gebrannte Mandeln, aber .... schade,
überladen ist des Magens Fracht.

Doch ein Stückchen Stollen wird noch gehen!
Und vielleicht noch eine Pfeffernuss.
Marzipan muss ich jedoch verschmähen.
Wenn 's am schönsten ist, dann macht man Schluss.

Später noch die ganzen Festtagsgänge:
Suppe, deftig und noch ein Dessert.
Oh la la, ich spür' die Kleiderenge.
Du, Dezember, machst Diäten schwer.

Nächstes Jahr tret' ich in die Pedalen,
jogge, schwimme (habt Ihr das geglaubt?).
Ach, vergesst 's, ich scheue mich vor Qualen!
Lieber ess ich, bis der Tod mich raubt.

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. Dezember 2012

grau und bunt

An den grauen Straßenwächter
schmiegen sich die Kerzentöchter,
um ihn glänzend aufzuwerten,
ihren leuchtenden Gefährten.

Jedes Jahr erwarten seiner
und die andren Weganrainer
diese strahlend schönen Damen,
die so festlich sie umrahmen.

Wenn sich früh die Tage neigen,
stehen sie in hellem Schweigen,
all die Kerzen, all die Sterne
an der Straßenrandlaterne.

Wärmen zwischen All und Erde
die gestresste Menschenherde,
dass ein wenig Ruhe kehre,
und das Herz sich nicht beschwere.

Jenen Seelen, die sie fangen,
denen sie ins Auge sprangen,
werden sie bis innen leuchten,
während andre stressvoll keuchten.

An geschmückten Lampenmasten
will mein Blick noch lange rasten,
könnt' ja schnell zu Ende gehen
mit dem Schöne-Dinge-Sehen ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 4. Dezember 2012

It's December

Der Dezember lässt mich kosten,
dass der Wind von ostwärts schwenkt.
Auf den seetangwelken Pfosten
stehen Möwen dicht gedrängt.

Nass und kalt zieht 's um die Häuser.
Oben tönt der Gänseschrei.
Auf der Erde wird es leiser,
denn die Weihnacht' naht herbei.

Sterne spiegeln ihre Lichter
in den Scheiben unsrer Stadt,
zaubern Lächeln in Gesichter,
auch, wenn man es eilig hat.

Glühweinduft und Zimtgerüche
ziehen einen magisch an.
Erste frohe Festtagssprüche
wechseln die Wortumlaufbahn.

In der Nacht - auf glatten Sohlen -
kam Gevatter Frost ins Land,
wo er gleich ganz unverhohlen
mächtig mir im Wege stand.

Doch ich lass mich nicht erschüttern.
Kleide mich flugs zwiebelgleich.
So muss mir der Leib nicht zittern,
wenn ich durch die Gegend streich'.

Bald wird 's wieder friedlich werden.
Nächstes Jahr beginnt 's aufs Neu.
Der Dezember weilt auf Erden,
und blüht noch so jung und scheu ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 3. Dezember 2012

Good luck

Pechverfolgt und griesgegrämt,
und das Herz vor Frust gelähmt,
zieht ein Menschlein durch die Landen.
Ach, das Glück kam ihm abhanden.

Seinen Blick zur Erd' gesenkt,
und die Füße fehlgelenkt,
sucht er auf den Asphaltsteinen,
sich mit neuem Glück zu einen.

Flüsternd schickt er ein Gebet,
dass es doch wohl nie zu spät,
froh und glücklich sich zu schätzen,
eh die Zellen sich zersetzen.

Seine Hände hoch gestreckt,
flehend in die Nacht gereckt,
fallen Tränen leise nieder,
und die Kräfte werden müder.

Lauschend sperrt das Ohr sich weit.
Gierig saugt die Einsamkeit
lieb gemeinte Wortpräsente,
sich zu füll'n die Leidmomente.

Doch im Zungenwörterwald
weht ein Wind, so bitterkalt.
Zwar wird Wort um Wort gesprochen,
doch das Glück hat sich verkrochen.

Oberflächliches Gebräu!
Trocken wie das Winterheu.
Wörter, die die Herzen brauchen,
sieht man in den Abgrund tauchen.

Wärme, Liebe, Nähe ....... futsch.
Flohen mit der Zeitenkutsch'
und auf schnelllebigen Fersen
vor der Macht der Währungsbörsen.

Geld frisst Glück. Und irgendwer
läuft nun in der Welt umher,
und versucht, dem Glücksbestreben
nochmal eine Chance zu geben ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 2. Dezember 2012

1. Advent

G'rade lag ich sonnenbadend
in des Sommers' Mittagsglut,
schon winkt der Advent, mich ladend,
mit dem ersten Kerzenhut.

Des Kalenders' Tagesläufer
hält das Feuer hoch empor,
und mir kommt sein Feuereifer
irgendwie olympisch vor.

Hält die Flamme mir entgegen,
dass die Stimmung mich ergreift,
doch die will sich noch nicht regen.
Es braucht Zeit, bis sie mir reift.

Ging mir alles viel zu eilig.
Wo ist nur des Jahres Zeit?
Plötzlich wird der Monat heilig,
und ich bin noch nicht soweit.

Mich treibt gar ein leises Grausen
vor den Tagen bis zum Fest.
Seh' im Geist die Menschen sausen.
(Wunschreich ruft das Weihnachtsnest.)

Und nun brennt die erste Kerze
die mir wie ein Startschuss schaut.
Bald vergehen mir die Scherze,
und der Stress nagt an der Haut.

Auf die Plätze, fertig ....... warte!
Ist ja erst der erste heut'.
Dass ich weihnachtshastend starte,
hat noch ein paar Tage Zeit.

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 1. Dezember 2012

Selige Stunde

Ich warte auf die stille Nacht
wie alle Jahre wieder,
und lausche fromm und mit Bedacht
dem Klang der Weihnachtslieder.

Schneeflöckchens' Weg ist ach so weit.
Wann wird der Schnee leis' rieseln?
Ich hoffe, zur Bescherungszeit
wird 's nicht vom Himmel nieseln.

Ihr Kinderlein, so kommet her,
und kommet auch, Ihr Hirten.
Ihr kündet mir die neue Mär'
und ich werd' Euch bewirten.

Die Weihnachtsbäckerei bei mir
verzaubert Eure Zungen.
Kommt nur, ich mach' sie weit die Tür,
noch eh das Ros' entsprungen.

Kling Glöckchen, hör' ich aus der Fern.
Bratapfelduft lockt Münder.
Bald lässt ein leuchtend heller Stern
froh-munter sein die Kinder.

Oh fröhlich, selig, schöne Stund',
die Herzen sollen springen.
Oh Tannebaum, ich schmück dich bunt
und werd' dich dann besingen.

Die Glocken klangen nie so süß
wie just in diesen Tagen.
Vom Himmel hoch kommt er, ich grüß'
mit zartem Wohlbehagen.

Bald steh' ich an der Krippe hier
im Kirchenhaus und bete.
Wenn Weihnacht' ist, dann wünsch' ich mir,
mehr Liebe statt Pakete.

Was soll 's bedeuten? Ich werd' still,
g'rad so, als würd' ich schweben.
Ihr Kinder, was ich sagen will,
ist, morgen wird 's was geben ...


(c) Bettina Lichtner

Mit leeren Händen

Liebes Glück! Du bist bestohlen
um die Liebe und so fort.
Ob in großen Metropolen,
ob im kleinsten Erdenort:
werbewirksame Parolen
trieben dich von hier nach dort.

Und nun irrst du durch die Gänge.
Und du ahnst ja, was dir droht.
Denn im menschlichen Gedränge
breitet sich die Liebesnot.
Welch ein Hungern in der Menge!
Die Konsumgier ist dein Tod.

Kaum wer geht noch eng umschlungen,
reich an Liebe, satt an Glück,
durch die Straßengabelungen.
Außenrum zwar teuer chic,
doch von ihren stummen Zungen
wagt die Liebe keinen Blick.

Durch die Hände wandern Taler,
Scheine, Münzen, wie 's auch sei.
Und der Lebenspfad wird schmaler,
und das Geld kauft sie nicht frei.
Ihre Zeit (ihr Bühnenmaler)
bricht ja nach und nach entzwei.

Würden sich die Hände fassen
und die Münder küssend sein,
durch die vollgestopften Gassen
ginge nicht mehr Stein an Stein,
gingen Herzen, die gelassen
sich an ihrem Glück erfreu'n ...

(c) Bettina Lichtner

ICH

Mit dem Schiff hinaus, hinaus,
doch wohin, wohin?
Meine Seele treibt es raus!
Suche, wer ich bin.

Reise durch die Welt, die Welt,
die so klein, so klein.
Bis der letzte Vorhang fällt,
möcht' ich suchend sein.

Reise führt ins Ich, ins Ich,
das so nah, so nah.
Finde so befremdlich mich.
Sah, was ich nie sah.

Fremd ist mir die Haut, die Haut,
ist mein Kleid, mein Kleid.
Und wenn man darunter schaut,
hört man, wie es schreit.

Laut ruft es hinaus, hinaus,
doch wohin, wohin?
Meine Seele treibt es raus.
Suche ...... finde ....... bin!

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 30. November 2012

Sonnenbahn

Nach der langen Autoreise -
welchen Lohne mir Gott schickt!
Dass in wunderbarer Weise
mir die Morgensonne blickt.

Mich ummantelt tiefste Stille,
als das Spiel mein Auge weckt.
Welche kostenlose Fülle
doch in diesem Aufgang steckt.

Eine Kraft fließt durch die Venen,
und der Stress fliegt just hinaus.
Diese Kraft wünsch' ich all denen,
die noch schlafend sind zu Haus'.

Ich fahr' in die Morgenröte
wie hypnotisiert hinein.
Und ich höre, wie ich bete,
alles möge friedlich sein.

Kriege, Waffen, böse Zungen,
alles schlingt das Sonnenlicht.
Wär' der Zaubertrick gelungen -
lächelnd wär' der Welt Gesicht.

Doch vom Auf- zum Untergehen
liegt ein Tag, der völlig fremd.
Was wird heute noch geschehen?
Was nur birgt der Stunde Hemd?

Der Moment des Sonnengrußes
morgens auf der Autobahn,
stoppt den Tempodruck des Fußes.
Und aus meiner Seele Hahn

fließt die lang vermisste Freude,
diese Freude übers Sein.
Wenn ich heute sterbend scheide -
diese Stund' bleibt ewig mein ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 29. November 2012

Coming soon

Weihnachtlich schaut 's im November.
Allerorten wird geschmückt.
Denn es ist ja der Dezember
schon recht nah heran gerückt.

Kerzen strahlen - ohne Feuer -
(man trägt heute Strom-Design)
hinter dem Gardinenschleier
und verführ'n mit sachtem Schein.

Glühwürmchen an langen Ketten
hängen meterweise aus.
Na, du Christkind, ich will wetten,
dich packt ganz bestimmt der Graus!

Deine Stirn wirft eine Runzel
wegen der Geburtstagsnacht,
die dir einst bei Kerzenfunzel
deinen ersten Schrei gebracht.

Futsch der Stall und fort die Krippe!
Esel, Schaf und Stroh und Stern???
Alles nur Geschichts-Gerippe.
Heute lebt man neumodern!

Früher war es herzerwärmend
(als die Mittel einfach war'n).
Ich bin übertrieben schwärmend
für den Glanz von fernen Jahr'n.

Aber, tja, Erfindungsgeister
warten auf mit Neuigkeit.
Wäre ich ein Zaubermeister,
strahlte jetzt die alte Zeit!

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 28. November 2012

Der Falke und ich

In des Falken Argusblicke
spiegeln sich die Beutestücke,
die im ahnungslosen Spiel,
wiegend gar im Wohlgefühl,
in dem letzten Szenenstücke
ganz vertieft sind in ihr Glücke.

Doch es naht die Todesstunde!
Einer aus der Mäuse-Runde
ist dem Lebensende nah,
aber keins der Mäuschen sah,
dass der Abschiedsgruß im Grunde
lauernd war im Vogelmunde.

Unbeschwertes Wiesentreiben.
Wahrlich, so kann 's immer bleiben.
Es vergeht dabei die Zeit
gar mit Selbstverständlichkeit
(sie mit Gleichmut zu betäuben,
heißt, sie achtlos abzuschreiben ...).

Aus dem heitren Himmel plötzlich
(ach, die Zeit ist so verletzlich),
stürzte sich der Falkentod
auf die Maus vom Auenod.
Jene schrie noch ganz entsetzlich
und bleibt ewig unersetzlich.

Und ich bin der letzte Zeuge!
Als ich diesen Mord beäuge,
kommt mir schmerzlich in den Sinn,
dass ich selbst das Mäuschen bin:
während ich zum Spiel mich neige,
spielt der Tod zu Kopf die Geige ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 27. November 2012

Gunst der Stunde

Komm, nimm Platz, gestresste Seele.
Freie dich von Schmerz und Pein.
Lös' den Pfropfen in der Kehle
und lass Tränen Tränen sein.

Lass dich in die Sonne fallen,
die dir ihre Strahlen schickt.
Nichts soll an dein Herz dir prallen,
was dich nicht zutiefst beglückt.

Deck' dir deine Augenweide
mit der schönsten Lebensstund'.
Du, die Stunde - nur ihr beide
mit dem Morgen im Verbund.

Nicht soll dich das Böse drücken,
das dir gar zu bitter schmeckt.
Du sollst dir erinnernd pflücken,
was die Seele nicht befleckt.

Nutz' die Gunst des stillen Friedens,
eh der Tag zur Pflicht ermahnt.
Bleibe fern des Pläneschmiedens,
wenn die Ruh' den Weg sich bahnt.

Falle in dich selbst zusammen.
Lass das Außen außen vor.
Kräfte, die vom Himmel stammen,
gehen dir durch Aug' und Ohr.

Fühle dich so ganz geborgen
in der unsichtbaren Macht.
Heut' ist heut'. Wer weiß, ob morgen
uns nochmal die Sonne lacht ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 26. November 2012

Es lebe das geschriebene Wort!

Du verdammter Wörter-Henker!
Ich bin ein Poet und Denker,
und du schlägst mit deinem Beile
meinen Vers in tausend Teile?
Wehe dir, du Bösewicht!
Sehr viel Müh' steckt im Gedicht.

Pack' die strickgedrehten Maschen
ja nur wieder in die Taschen,
denn das Wort will fröhlich balgen,
und nicht sterbend sein am Galgen.
Du zwängst mich nicht in die Knie!
Meine Welt ist Poesie.

Brauchst auch deine Schießpistolen
gar nicht aus dem Schrank zu holen.
Schussgesichert sind die Zeilen,
die durch die Gedanken eilen.
Sie sind schneller auf dem Blatt,
als die Kugel Tempo hat.

Und auch der Elektrosessel,
oder Knebel oder Fessel -
nichts ist meinem Reim zum Schrecken!
Lass' die ganzen Waffen stecken,
und dann nutze den Verstand,
und nimm dir ein Buch zur Hand.

Lies, was Wörter zaubern können!
Vielleicht wird das Herz dir brennen ...
Sinnlos ist 's, das Wort zu töten.
Stünden Bücher auf Tapeten,
würd' die Erde tapezier'n
und so manches Herz sanier'n ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 25. November 2012

Er klebt so fest

Auf, auf, so spann das Leben an.
Die Zeit geht unentwegt voran.
Wenn du die Tage schleifen lässt,
als gäb' es hundert Jahre Rest -
dann täusche dich mal nicht,
denn schnell erlischt das Licht!

Glaub' nicht, dass es dir sicher ist,
dass du des Todes ferne bist.
Er legt schon längst den Arm um dich.
Sein Uhrwerk lässt ihn nie im Stich.
In deiner größten Freud'
nimmt er sich für dich Zeit.

Verstecker spielen mag er nicht.
Zu gut ja kennt er dein Gesicht,
als dass du ihm entkommen kannst.
Selbst, wenn du fluchend ihn verbannst,
er findet dich ja eh.
Egal, wie ich es dreh.

Er ist der Überraschungsgast,
der nicht in den Kalender passt,
der ungeladen klingeln wird,
und jeden Plan und Traum verwirrt.
Sein Freundeskreis ist klein
(ich möcht' der Tod nicht sein).

Er bringt des Lebens Ernte heim,
und klebt an uns wie zäher Schleim.
Wir werden ihn ja niemals los.
Er legt die Hand uns in den Schoß.
Drum sollten wir probier'n,
den Tod zu akzeptier'n ...

(c) Bettina Lichtner

Fliegende Jugend

Flogen mir davon wie Raben,
sitzen nun im Herbstgestrüpp,
all die jugendlichen Gaben,
die durch die Gedanken traben
als verträumter Seelentrip.

Sehnsucht frisst sich durchs Gelände
ob der Jugend, die so weit.
Frisst sich durch die geist'gen Wände,
durch die alt geword'nen Hände.
Frisst sich bis zum Frühlingskleid.

Herz geht auf Entdeckungsflüge.
Reist zurück zum jungen Lenz.
Kaum entfloh ich meiner Wiege,
trank die Jugend vollste Züge
und vergnügte sich immens.

... und die Haut! Welch zarte Frische!
Ohne einen Altersfleck.
Ach, nun deckt der Herbst die Tische,
schlug die Jugend in die Büsche,
und nahm alles Schöne weg.

Die Erinnerung der Wege
ruht sich aus im Herbstgeäst.
Lauter Vögel im Gehege,
die ich fütter', die ich pflege
in dem warmen Seelennest.

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 23. November 2012

Bergung aus der Tiefe

Brunnen, Brunnen, gib sie frei,
all die Wünsche, die versanken,
als die Herzen jung und scheu,
sich an ihrer Glut betranken.

Deine Tiefe riss sie 'nab,
und nun liegen sie und warten,
dort in ihrem nassen Grab,
auf die vielen Vogelarten,

dass sie schnäbelnd sie befrei'n,
und auf ihren Schwingen tragen,
hoch hinauf zum Mondenschein,
wo sie sich zu zeigen wagen.

Aber auf des Brunnens Stein
landet niemals ein Gefieder.
All die Wünsche hör' ich schrei'n,
jemand fände sie doch wieder.

Herzchen, ach, so melde dich.
Wenn dein Wunsch nun sehnend riefe?!?!?
Sieh, er windet dürstend sich
in des Brunnens kühler Tiefe.

Hast ihn doch dereinst ersehnt!!!
Bist du gar des Wortes feige?
Hast so säuselnd ihn verschönt ...
Mond und Sterne sind dein Zeuge!

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 22. November 2012

Und ewig lockt das Licht




Welch ein Schwirren, welch ein Surren,
gerade will ich mürrisch murren,
doch da seh' ich diese Motte
vorm Elektrolicht-Schafotte,
und eh sie darin verbrannte,
nutzt sie meines Bettes Kante
noch für einen letzten Plausch,
und ich sitze dort und lausch:

"Ach, wie schnell sich alles ändert!
Eben durch die Zeit geschlendert,
und schon ist der Kreis geschlossen,
und die Stund', die du begossen,
liegt betrunken in der Ecke,
und dich deckt des Todes Decke,
und des Lebens Kelch liegt leer,
und es füllt ihn keiner mehr.

Magisch lockt mich (wie die Sterne)
diese himmlische Laterne
hier in deinem Schlafgemache,
und sie spricht des Todes Sprache,
denn, wenn ich sie gleich berühre,
schließt sich meines Lebens Türe.
Nur ein kleiner heißer Zisch
und mein Leib liegt auf dem Tisch.

Doch ich wusste ja schon immer,
dass ich einst im Lichtgeflimmer
meinen Lebensflug beende.
Und die Zeit, die ich dir spende,
ist uns beiden unbenommen.
Ach, nun schau nicht so beklommen.
Sieh, es muss ja einmal sein ....
Und nun fliege ich hinein ..."

Fort das Surren, fort das Schwirren.
Muss Gefühle mir entwirren,
will die Tränen laufen lassen
und muss dennoch geistig fassen:
Ich lauf selbst auf meinen Wegen
diesem hellen Licht entgegen.
Mottenkindchen macht es vor.
Und der Mensch ist so ein Tor ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 21. November 2012

Zügig, zügig

Jäh wird er vom Lärm zerschnitten,
der Natur so zarter Flug.
Und sie kommen angeritten,
pferdestark mit Donnerschritten -
die Waggons vom Eisenzug.

Flieh'n so schnell vor meinen Blicken,
g'rad so wie die Lebenszeit.
Will den Augenblick mir pflücken,
und ihn auf das Foto schicken.
Schon ist er Vergangenheit.

Wie ich sie doch rasen spüre,
diese rasend schnelle Uhr.
Gott gab uns die Passpapiere.
Und wir sind die Passagiere
einer Abenteuer-Tour.

Und der Zug trägt unsre Güter
und schleppt sie von A nach B.
Wir - die ewigen Behüter!
Doch da oben, der Gebieter,
stoppt den Lebens-ICE.

Und dann heißt 's: Auf Wiedersehen!
Ziel erreicht, wenn ' gar nicht passt.
Mittendrin im Taggeschehen
bleibt der Notgebremste stehen.
Leerer Platz ..... und nächster Gast.


(c) Bettina Lichtner

Todesangst

Der Mensch ist wirklich sonderbar!
Er sorgt sich ums verlor'ne Jahr,
er sorgt sich um des Lebens' End'
(dem er pro Tag entgegen rennt ...).

Wie ängstlich zittert sein Gebein!
Er will ja nimmer sterblich sein!
Und wenn 's denn doch geschehen muss,
dann hofft er auf den schnellen Schluss.

Er will nicht leiden - wochenlang,
nicht hilflos sein im Klinikgang.
Er will nicht, dass ihn irgendwer
noch füttert, badet, pflegt und mehr.

Derweil er über jenes sinnt
und seine Mittagsstund' beginnt,
bestellt er artig ein Kotelett,
ein Steak dazu, dann ist 's komplett.

Sich selbst wünscht er den Tode fern,
doch Fleisch und Wurst isst er zu gern.
Den Schlachthof aber sah er nie.
Dort starb für ihn das liebe Vieh.

Das Kalb, das Lamm, die Kuh, das Schwein -
sie wollten gern unsterblich sein.
Doch weil der Mensch der Fleischlust frönt,
ward ihre Zeit nicht weit gedehnt ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 20. November 2012

Kopf hoch

Mag die Stunde schwierig scheinen,
steck' den Kopf nicht in den Sand.
Sollst auch nicht verzweifelt weinen!
Jemand reicht dir seine Hand ...

Zieht dich raus aus deinen Nöten,
hört dir zu und schenkt dir Trost.
Eng verknüpft mit Gottes Drähten,
schaut er lieb dir statt erbost ...

Gib dich hin in seine Hände,
und vertrau ein einzig' Mal.
Bald schon hat dein Leid ein Ende,
und verschwinden wird die Qual ...

Nimmer sollst du einsam grübeln,
wenn da einer helfend ist.
Er wird dir den Schmerz entzwiebeln,
Schicht für Schicht bis aufs Gerüst ...

Schick' nicht fort den edlen Retter.
Könnte gar ein Engel sein.
Denke dran, nach schlechtem Wetter
folgt auch wieder Sonnenschein ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 19. November 2012

Der Tannenbaum

Ach, wie traurig schaut er drein!
Abgeholzt und ganz allein
liegt er da im Lampenwald,
um schon bald als Leuchtgestalt
neuer Mittelpunkt zu sein.

Von dem Freundeskreis getrennt,
und vom Wurzelwerk gesägt,
wird er - wo er keinen kennt -
jener sein, den man benennt
als den Baum, der 's Städtchen prägt.

Neuer Held der Weihnachtszeit!
Oh wie strahlend wird er steh'n.
Er schreibt etwas Sinnlichkeit
mir auf die Kalenderseit',
und schaut ach so fotogen.

Doch er weint im tiefsten sein,
denn im Grunde ist er tot.
Ohne Wurzeln geht er ein,
und es reißt das Herz mir ein
ob der hoffnungslosen Not.

Kurz sein Glanz. Schon bald, schon bald
geh'n die Weihnachtslichter aus.
Nie mehr kehrt er in den Wald,
der ihm Heimat war und Halt.
Endstation als Augenschmaus ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 18. November 2012

Strom der Zeit

Wenn des Tages Licht erlischt,
und die Nacht sich leis'
mit dem letzten Stück vermischt,
das die Uhr ihr aufgetischt,
wird es glühend heiß.

Mit dem späten Glockenschlag
geht die Sonne auf.
Alles, was so finster lag,
macht sie abermals zum Tag
mittels Stromkreislauf.

Und sie taucht die Dunkelheit
ins Elektromeer.
Bunt erstrahlt ihr teures Kleid
weit bis in die Morgenzeit
über Dach und Teer.

Leuchtet mir den Straßenzug,
täuscht das Auge mir.
Ich verfall' dem hellen Trug,
saufe aus dem Stundenkrug
rein aus Lebensgier.

Will den Tag nicht scheiden seh'n,
klammer' mich ans Licht,
bis die Euro-Scheine fleh'n:
"Jetzt musst du den Schalter dreh'n.
Grund: die Stromsparpflicht!!"

Ach, du bunte Lampenflut
dieser Abendstund',
kostspieliges Lichtergut,
nun erhellt die Kerzenglut
meines Tages Schwund ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 17. November 2012

Plastikfest

Der Weihnachtsmann - welch schwerer Stand -
wird alsbald überhäuft
mit Wünschen aus dem Plastikland,
bis er darin ersäuft.

Ein Kunststoffheer aus PET
marschiert zum Tannenbaum
(denselbigen schmückt LED
und weißer Flockenschaum).

Der anfängliche Freudensturm
wälzt sich in Ironie,
denn bald zieht der Geschenketurm
als Müll zur Deponie.

Es ärgert ja den Weihnachtsmann
die Wegwerf-Prozedur.
Schon dreht der gute Kerl sodann
an seiner großen Uhr.

Und stellt die Jahre weit zurück,
als in der Weihnachtsstub'
ein Holzpferd und ein Seifenstück
sich in die Freude grub.

Als man ja noch so dankbar war
sogar fürs warme Hemd.
Heut' wird das weichgemachte Haar
der Plastikfrau gekämmt.

Als fern von allem Plastikwahn
die Weihnachtsstunde schlug,
und Puppe oder Eisenbahn,
vielleicht ein Schlafanzug,

den Glanz in all die Augen trieb,
das hätt' ich gern geseh'n.
Doch alles, was ich hier beschrieb,
wird nie mehr so gescheh'n ...

(c) Bettina Lichtner

Die Träne des Schmetterlings

Und ist das Herz dir erst entflammt,
dass es dir brennend in der Brust,
und fühlst du dich so insgesamt,
als packte dich die Liebeslust,
dann zöger' nicht, ihr nachzugehn,
eh sich die Winde wieder drehn.

Doch wo Gefühle wallend sind,
da werde nicht des Auges blind,
denn siehst du plötzlich wieder klar,
dann merkst du, dass da gar nichts war.
Der süße Trunk hat dich betäubt,
so dass nur kalte Asche bleibt.

Es schmolz das Wort wie Nougat-Creme,
das eben noch so angenehm
durch Ohr und Innenwelten flog,
und mit dem Sturm von dannen zog,
bis es im Nirgendwo erlischt,
und eine Träne dir entwischt.

Der Kuss klebt an der Lippe dir
als letztes Liebes-Souvenir.
Die Hand, die just die deine hielt,
hat sich so eisig angefühlt.
Jetzt läufst du auf der Scherbenflut,
wie es der Fakirmeister tut.

Der Schmetterling ist abgehau'n.
Nun fliegt er überm Mauerzaun
und friert und flattert ganz allein.
Er wollte liebesbindend sein,
doch schlug der Hass ihn in die Flucht
mit einer nie gekannten Wucht.

Jetzt weint der kleine Flügelzwerg.
Zu hoch ist ihm der fremde Berg.
Da plötzlich geht der Himmel auf,
und Gott schreibt auf das Blaue drauf:
"Verzweifle nicht, es wartet wer,
der ohne dich verloren wär' ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 16. November 2012

Es könnte schön sein

Frau Flora und Frau Fauna sind
im Einklang so wie Chöre.
Und Sonne, Regen, Frost und Wind,
der Mond und selbst das Sternenkind
sind ihre Regisseure.

Sie alle gehen mit der Zeit,
und fügen sich dem Reigen.
Mal hier und da ein Futterneid,
ein Rudel- und Reviere-Streit,
doch überwiegend Schweigen.

Kein Tier, das eine Waffe baut,
die Erde schröpft und schändet.
Kein Blümelein, das neidisch schaut.
Kein Baum, der einen andren haut.
Nicht viel, was trügend blendet.

Ein internationales Flair.
Kein Hass auf fremde Häute.
Das Spiel ist ehrlich, hart und fair,
und zieht mich als Bewunderer
alsbald auf seine Seite.

Schau ich jedoch zur Menschenwelt,
dann läuft es kalt den Rücken.
Denn hier regieren Gier und Geld
samt Macht, die sich dazu gesellt,
um andre zu erdrücken.

Hier mordet man sich tausendfach
mit ungezählten Waffen.
Man duldet unterm Heimatdach
den Fremden nicht und will mit Krach
ihn gleich ins Jenseits schaffen.

Die Vielfalt scheint ein Hindernis.
Welch bitterböse Spiele ...
Ach, wär' den Menschen doch gewiss,
dass jeder einst ins Grase biss!
Nur eins, nicht viele Ziele!!

Frau Flora und Frau Fauna, sie
sinnier'n beim Innehalten,
es hätte doch die Menschen nie
gegeben - ach, welch Utopie,
denn alles bleibt beim Alten.

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. November 2012

Taufrisch

Kühl zieht der Novemberhauch
in der Früh wie seichter Rauch
schweigsam über Berg und Tal,
und ein zarter Sonnenstrahl
zeichnet eine sanfte Spur
in die morgendliche Flur.

Leis' erwacht der neue Tag,
den ich zu begrüßen wag'
wie den fremden alten Freund,
der mir undurchschaubar scheint,
doch ich gebe mich ihm hin,
weil ich seiner dankend bin.

Dass er abermals sich schenkt,
und mir Stund' und Schritte lenkt,
dass mich Gott noch bei ihm ließ
und mich nicht ins Grabe wies,
dass ich nochmal kosten kann,
nehm ich voller Demut an.

Und mein Blick ergreift die Welt,
die sich schichtenweise pellt,
und mir ihre Wunder zeigt.
Und der Nebelschleier steigt
aus den Gräsern, aus dem Fluss,
meiner Seele zum Genuss.

Ist es nicht bedauernswert,
dass der Zeitdruck Tempo fährt,
der Termin dich engt und zwängt,
das Kalenderblatt dich drängt?
Sähst du doch den Morgentau
der novemberschönen Au ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 14. November 2012

Geheim bleibt geheim

Es ruht ein Geheimnis tief drinnen,
und fürchtet nichts mehr als das Licht.
Doch will es zu reden beginnen,
dann löst sich die Zunge ja nicht.

Der Mund hält sich eisern verschlossen,
lässt weder hinein noch hinaus.
Der Mut hat sich einsam erschossen,
er hielt dieses Schweigen nicht aus.

Das Wort suchte Wege ins Freie,
da stellte die Angst sich davor.
Es droht das Geheimnis: "ICH SCHREIE!!!"
Da drückten die Hände aufs Ohr.

Im Geist tobten mächtige Kriege:
"Nur ja kein Geheimnisverrat!"
Stattdessen versuchte die Lüge
verlogen den Wörterspagat.

Die Nerven war'n teils zerrissen
und teils zum Bersten gespannt.
"Die Welt soll die Wahrheiten wissen!"
"Die Welt gibt der Lüge die Hand!"

So liegen geheimnisumwittert
gar viele auf ewig im Grab.
Wie oft ein Geheimnis erschüttert?
Wer bräche darüber den Stab ...

Es bleibt ja so vieles verdunkelt,
und fürchtet nichts mehr als das Licht.
So wird ums Geheimnis gemunkelt.
Die Zunge, die löst sich ja nicht ...

(c) Bettina Lichtner

Eine Frage

Klammernd sind die Menschenhände
bis zum stillen Grabesnest.
Aug' in Aug' mit allem Ende,
ketten sie auf dem Gelände
selbst noch Plastikkannen fest.

Aufgereihte Schloss-Soldaten
wachen übers Kunststoff-Heer.
Bis die Herrn der Kannen nahten,
weil die Friedhofspflanzen baten,
jemand brächte Wasser her.

Und die Kanne packt Erregung:
"Endlich frei sein wie der Fink.
Endlich eine Gieß-Bewegung
auf die frische Kranzdarlegung.
Wie ich diese Stunde trink'!"

Und sie fragte sich indessen
angesichts der Grabeswelt:
"Hat der Mensch denn wohl vergessen,
dass die Zeit begrenzt bemessen,
dass er mich gefangen hält?

Dass er bis zum letzten Schlage
kettet, klammert und vertaut?
Abgesichert durch die Tage ...
Bleibt nur noch die eine Frage,
wann er Gottes Plan durchschaut ..."

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 13. November 2012

Zusammenhang


Es gibt rein gar nichts - nie und nimmer,
das nicht verknüpft einander nah.
Es braucht das A das B ja immer.
Es gäb' kein leeres Seelenzimmer,
wär' vorher nicht die Fülle da.

Es kann ja keine Stille geben,
wär' uns das Laute unbekannt.
Gäb 's keinen Tod, dann gäb 's kein Leben.
Es muss was fallen vor dem Heben.
Die rechte braucht die linke Hand.

Wir würden nie vom Hunger wissen,
wenn wir die Sattheit nicht gespürt.
Die Liebe würden wir vermissen,
es gäbe kein Versöhnungsküssen,
hätt' uns noch nie die Wut berührt.

Die Wärme lernen wir zu schätzen,
wenn uns das Eisige bedroht.
Wir wollen uns zur Ruhe setzen,
und an der Stille uns ergötzen,
färbt uns der Stress die Wangen rot.

Der Regen braucht die Sonnenstrahlen,
die Blume braucht den schwarzen Dreck.
Kein Innres ohne äußre Schalen.
Und wollte ich es düster malen,
dann gäb 's die Angst nicht ohne Schreck.

So braucht es immer zwei der Seiten.
Es existiert nichts ganz allein.
Das Neue braucht die alten Zeiten,
die Zukunft die Vergangenheiten,
und ich kann ohne dich nicht sein ...

(c) Bettina Lichtner

Schau runter


Die Nase hoch, die Brust geschwellt,
so geht ein Jemand durch die Welt,
und rühmt sich seines Hab und Guts
und seines Zocker-Wagemuts.

Er spielt mit Geld und spielt mit Macht,
und hat 's zu Ruhm und was gebracht,
und protzt mit Haus und Fuhrpark auch,
und einem wohlgenährten Bauch.

Der Teller voll, das Glas gefüllt,
und jeden Wunsch sofort gestillt.
In jedem Land, das ihm gefiel,
ein Prachtpalast im Villenstil.

Die Haut gebräunt, das Lid gestrafft.
Noch ein paar Pillen für die Kraft,
und immer ein Champagnerglas.
Ja, ja - das alles hebt die Nas'.

Und Neid und Missgunst schimpfen ihm,
doch er ruft nur: "I live my dream!"
Und eines Tages klopft mit Spott
ihm an die Zeit der liebe Gott:

"Den Dream, na, den vergiss mal flugs.
Ich bin der Herr des Atemzugs.
Hast du gar nur an dich gedacht,
und keine gute Tat vollbracht?

Hätt'st du die Nase mal gesenkt,
der Armut deinen Blick geschenkt,
das Elend hinterm Tellerrand
ein einzig Mal doch nur erkannt!

Dein Geld, die Macht - du Egoist!
Bald endet deine Erdenfrist.
Vielleicht - so überleg' es dir -
schaust du nicht ständig hoch zu mir.

Schau runter, wo die Not sich wiegt,
wo nur der leere Teller liegt!
Ein gutes Werk erfüllt dich mehr
als Müllgeweihtes ringsumher ..."


(c) Bettina Lichtner

Montag, 12. November 2012

Wohlfühlort

Wo 's die Seel' zum Baumeln lockt,
und das Herz geborgen weilet,
wo die Freude brütend hockt,
und das Wohlgefühl sich teilet,

wo die Haut nicht frierend flieht,
(weil die Wärme aller Seiten
nicht mehr durch die Leiber zieht -
eisig wären solche Zeiten!),

wo der Blick gleich ruhend schweift
ob der Schönheit außen, innen,
wo das Wort zum Schweigen greift,
und die Uhren Zeit gewinnen,

wo das Ohr genüsslich lauscht,
wenn die Vögel dirigieren,
und das Blut so wallend rauscht
wie im lüsternen Begieren,

wo die Hand sich gerne streckt
zu den himmelweiten Sternen,
wo die Sorge sich versteckt,
wo wir Stille kennenlernen,

wo der Fuß sich leiten lässt,
und ich nimmer suchend renne,
da allein nur ist das Nest,
das ich einfach HEIMAT nenne ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 11. November 2012

Wunder über Wunder

Das Leben ist ein kurzes Ding.
Kaum, dass ich mich darin verfing,
schon spüre ich, wie sie verging -
die Zeit, an der ich ach so hing.

Der Zweifel frisst, der Zweifel nagt:
Hast du den Wundern gar entsagt,
die Gott dir täglich ungefragt
und überall zu zeigen wagt?

Hast du die Augen aufgemacht?
Bist du tatsächlich aufgewacht?
Wie oft hast du 'nur so' gelacht?
Wie oft die Wut in dir entfacht?

Die Stimme will nicht ruhend sein.
In mir erhebt sich gar ein Schrei'n:
ERWACHT? GELACHT? ENTFACHT? OH NEIN!!!
Ich lebte wie im Nebelschein.

Ich sah die Blume nicht am Rand,
weil ich die Eile wichtig fand.
Ich sah nicht, dass der Sanduhr-Sand
nicht ein Sekündchen stille stand.

Ich hörte nicht der Amsel Ton.
Ich roch nicht an dem roten Mohn.
Der Wert der Zeit war mir ein Hohn,
erst recht das Wort von Gottes Sohn.

Ich sah die kleinen Schätze nicht,
und wendete mein Angesicht
gar ab vom Tod und seinem Licht,
bis dieser schließlich mahnend spricht:

"Dass ich dich hole, bleibt besteh'n.
Drum übe dich im Wunder-Seh'n.
Statt eiligst durch die Welt zu geh'n,
lass' deine Uhr sich achtsam dreh'n.

Vergiss die Selbstverständlichkeit!
Du hast nun mal nicht ewig Zeit.
Das einzig sich're weit und breit
ist deines Lebens Endlichkeit ..."

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 10. November 2012

So nicht

Bunte Träume, schwerelos,
gleiten dort im Abendschoß,
ankern in des Himmels' Nest,
und der Herrgott hält sie fest.

Jeder Traum, der ihm geschickt,
ist so bilderreich bestückt
und so auf den Punkt benannt ...
Und Gott sprach: "Wie amüsant.

Träumt nur weiter, wenn Ihr meint,
dass die Stund' dann sichrer scheint.
Wenn es Eure Herzen freut,
nun, dann träumt von Zeit zu Zeit.

Wollt Ihr aus dem Grauen flieh'n,
mögen Eure Träume zieh'n
hin zu mir, wenn Ihr denn denkt,
dass es Euch Erfüllung schenkt.

Rettet Euch mit Wunsch und Traum
aus dem engen Lebensraum.
Denn es bleibet ja dabei:
die Gedanken sind Euch frei.

Doch verfallt nur nicht dem Wahn!
Seid gewiss: in meinem Plan
ist ein Traum nicht vorgeseh'n.
Ich werd' alles anders dreh'n.

Lachend höre ich Euch zu.
Aber Du und Du und Du,
ach, Ihr könnt Euch sicher sein:
Plan ist Plan und Traum ist Schein ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 9. November 2012

Der Glanz versinkt nie

Im schweigenden Fluss liegt das Schwere am Grund
und deckt sich mit schlammigen Häuten.
Und fließt er so seicht in der dämmernden Stund',
dann spiegeln sich leuchtende Zeiten.

Der Mond steigt vom Himmel zum nächtlichen Bad
und treibt ganz entspannt auf dem Nassen.
Ich seh' mich gerührt an dem Stillleben satt,
und möchte ..... doch kann es nicht fassen.

Die Sterne fall'n leise dem Fluss in den Schoß
und leisten dem Mondschein Gesellschaft.
Ich setz' meine Blicke aufs himmlische Floß,
befreit von der irdischen Schwerkraft.

Die künstlichen Lichter der nächtlichen Stadt
woll'n gleichfalls ins Wasser sich stürzen,
wo 's Ruhe und wenig Gedränge nur hat,
und Stunden nicht eilend sich kürzen.

Der Fluss scheint mir g'rad wie der Fluss unsrer Zeit:
wenn Stürme und Wellen sich stillen,
versinkt alles Schwere im schlammigen Kleid,
derweil die Gedanken sich füllen

mit strahlenden Lichtern, die Wege erhell'n,
die wir in den Stürmen nicht ahnen.
Ich werde nun achtsam ans Ufer mich stell'n,
und folge den leuchtenden Bahnen.

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 8. November 2012

Knappes Kleid

Ach, wie kurz ist doch dein Kleide.
Lockst den Blick verführerisch.
Eine hauchdünne zarte Seide
deckt mir gleich den Freudentisch.

Wie du säuselst, wie du bittest,
dass ich deiner doch umarm'.
Wie du reich dich mir verschüttest ....
(Wie der Kavalier den Charme!)

Kann dir kaum noch widerstehen.
Dein Frohlocken ist so süß.
Kann den Blick nicht von dir drehen,
dass ich mich gar fangen ließ

von den vielen Kostbarkeiten,
die du schenkend mir vermachst.
Einzigartig schöne Zeiten ...
Und du lachst und lachst und lachst.

Ach, du heiß geliebte Stunde!
Kurz dein Kleid, doch voll des Glücks.
Gib mir deinen sanften Munde
für den Kuss des Augenblicks ...

(c) Bettina Lichtner

Adebars' Irrtum

Hätte mich der Storch vor eine andre Tür gelegt,
alles Leid wär' mir erspart geblieben.
Alles, was so schmerzlich heute mir zu Buche schlägt,
stünde nimmer mir ins Herz geschrieben.

"Warst du, Meister Adebar, auf beiden Augen blind?
Hast du nicht die böse Macht gesehen?
Ich ertrug so vieles, was zu viel ist für ein Kind,
und die Zeit kann 's niemals mehr verwehen.

Warum musste meine Seele so geschunden sein?
Diese Antwort bist du mir noch schuldig.
Und wo bleibt die Strafe für die Schaffer meiner Pein?
Sag es mir, ich warte so geduldig.

Alles war so falsch, der falsche Ort, die falsche Zeit.
Eine Chance! Du hast sie mir vermasselt.
Gott und seine Engel standen einzig mir zur Seit',
betend hab' ich Stund' um Stund' verquasselt.

Sage mir, wie oft hast du die falsche Tür gewählt,
dass da Kinder in der Hölle schmoren?
Hättest du mir vorher von dem Teufelswerk erzählt,
wünschte ich, ich wäre nie geboren ..."

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 7. November 2012

Der warme Leib

Die Kälte nimmt Besitz vom Land.
Nun warten Schal und Mützen.
Die rechte und die linke Hand
verschwinden im verstrickten Band
des Handschuhs (bis sie schwitzen).

Sogar der graue Lampenmast
wird fürsorglich umwickelt,
dass ja sogleich der Herbst verblasst,
der stürmisch Baum und Strauch umfasst
und Ast um Ast zerstückelt.

Wohl dem, der wärmend eingepackt
die kühle Zeit durchschreitet.
Er wandert mit dem Frost im Takt,
nur seine Nase liegt ihm nackt,
als sich der Eiswind breitet.

Derweil dort unterm Brückendach
der Obdachlose zittert.
Er liegt in seinem Pappbett wach.
Der Hunger macht den Leib ihm schwach,
und ach, er denkt verbittert:

"Warum strickt man die Ampel bunt?
Ach, wär' ich doch wie jene ...
Dann strickte man ein Kleid mir, und
ich fröre nimmer wie ein Hund.
Wie ich mich danach sehne ...

Ich möchte eine Ampel sein!
So kommt, Ihr Strick-Gesellen!
Und hüllt mich warm mit Wolle ein.
Die Kälte kriecht durch Mark und Bein,
und will mich grabwärts stellen.

Wärmt nicht den grauen Straßenzug
bei diesen Minus-Graden.
Es wäre wahrlich gut und klug
(und Wolle habt Ihr ja genug),
Ihr gäbet mir den Faden ..."

(c) Bettina Lichtner

Sie wartet und wartet

Ein Wort der Liebe schlängelt sich,
dem Regenwürmchen gleich,
von mühselig bis jämmerlich
durchs hassverseuchte Reich.

Ein Kampf, der oft verloren scheint,
die Zungen sprechen roh.
Das Wort, das sonst so lieb gemeint,
verbrennt nun lichterloh.

Der Teufel formt die Satzgestalt
sich so, dass sie verletzt.
Er füllt die Sprache mit Gewalt,
bis sie das Glück verätzt.

Es speit der Mund gar Pfeile aus,
die spitzer sind als spitz.
Sie reißen all die Blüten raus
mitsamt dem Wurzelsitz.

Da hat die liebe Liebe Müh',
doch schaut sie tapfer drein.
"Dass ich dem Wort den Hass entzieh',
soll Traum und Ziel mir sein!"

So schlängelt sie sich nimmermüd'
seit Anbeginn der Zeit
uns durch das schlafende Gemüt,
bis wir für sie bereit ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 6. November 2012

Wie im Flug

Scheinbar hast du dich verflogen,
deine Zeit lag sommerwärts.
Was hat dich dazu bewogen,
dass du in den Herbst gezogen?
Schwächlich schlägt dir nun das Herz.

Deine Kräfte, ach, sie schwinden.
Deine Flügel liegen müd'.
Wolltest wohl das Goldne finden
in den welken Blättergründen.
Nun klingt bald dein Abschiedslied.

Kann dich geradewegs durchschauen,
denn dein Leben währt nicht lang.
Doch des Herbstes kühle Klauen
kann selbst meiner schwer verdauen
und um dich wird es mir bang.

Denn du kannst dich nicht vermummen,
so wie ich es gottlob kann.
Allzu bald wird es verstummen,
dein bedrohlich schönes Summen,
doch du gehst mir nur voran ...

Eines Tages tut auch meiner
seinen letzten Flügelschlag.
Dieser Stund' entkommt ja keiner.
Und in Demut werd' ich kleiner,
Aug' in Aug' mit jenem Tag.

(c) Bettina Lichtner

In eigener Sache

Ab sofort betreibe ich einen zweiten Blog, der da lautet:



           trauerverse.blogspot.com



Montag, 5. November 2012

Grüß mir den Mond

Meine Blicke will ich tauchen
in das Meer der dunklen Nacht,
Grüße in den Himmel hauchen,
wo der Mond erhaben wacht,

Wünsche zu den Sternen schicken,
zu den Lieben hoch hinauf.
Könnt' ich ihre Seelen pflücken,
kletterte ich eiligst rauf.

Alle holte ich sie wieder,
dass sie wieder bei mir wär'n.
Doch ich hör' die zarten Lieder,
die mir singen aus der Fern':

"Lass' sie los, die Liebsten deine.
Wisse, dass sie immer da.
Wenn du weinen musst, so weine!
Denk' an sie, dann sind sie nah.

Lass' sie selig heimwärts fliegen.
Gott hat diese Reis' gebucht.
Wenn sie dir im Herzen liegen,
fand es ja, was es gesucht."

Und so lass ich 's göttlich walten,
weil ich nichts mehr ändern kann.
Werd' sie immer bei mir halten ...
Und die Träne rann und rann.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 4. November 2012

Hand aufs Herz

Die Finger sind mir gar so klamm,
denn kühl zieht 's über Länder.
Es bläst ein Wind so eisig stramm,
und des Novembers' junger Stamm
schlägt Wurzeln im Kalender.

Der Leib wird wärmend eingehüllt,
dass er nur nicht erfrieret.
Der Geist hat Farben angespült,
dass man des Sommers' Atem fühlt
und seiner in sich spüret.

Bald schickt die Wolke ihren Schnee,
den Kleinsten ja zur Freude.
Das Jahr haucht leise ein Adé.
Das Winterkind küsst die Allee
und tanzt im weiße Kleide.

Der Herbst lädt Fräulein Frost zu sich
zum Spiel der kalten Lüste.
So wird es bald recht winterlich,
doch heiße Wünsche innerlich
zieh'n glühend durch die Brüste.

So dass die kühle Jahreszeit
mit Streichhölzern mir zündelt,
und feurige Begehrlichkeit
samt lauschiger Behaglichkeit
in meinem Herzen bündelt.

Und liegt die Hand auch frierend mir
im Schlund des Eisgeheuers,
ich öffne flugs die eine Tür
der Flammengöttin und ich spür'
die Hitze ihres Feuers.

Des Feuers, das mich liebend nährt,
auch wenn der Winter lauert.
Die Glut hab' ich ins Herz gesperrt,
wo sie Jahrzehnte ungestört
die Kälte überdauert ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 3. November 2012

Trick oder Herz

(nach der Melodie "Hänsel & Gretel")


Oh, welch ein Lächeln strahlt mir da in den Blick.
Kommt 's aus dem Herz oder ist 's ein böser Trick,
um mich zu irritieren, um mich zu hintergeh'n?
Könnt' ich doch hinter das fremde Lächeln seh'n.

Will es mich fesseln mit liebevollem Charme?
Nimmt es betrügend mein Seelchen auf den Arm?
Was will es mir nur sagen mit seinem stummen Schwung?
Schaut so gehetzt, so als sei es auf dem Sprung.

Wird es mich kränken, dass ich gar bitter wein'?
Ist seine Süße nur säuerlicher Schein?
Ich komme nicht dahinter, was es wohl von mir will.
Es wirkt gefroren, geheimnisvoll und still.

Es ist so selten, dass ich dem Lächeln schau,
dass ich nicht weiß, ob ich seiner wirklich trau.
Vielleicht will 's mich erinnern an eine schöne Zeit.
Mich treibt die Sehnsucht in die Vergangenheit.

Kann es nicht halten, ich werde es verlier'n.
Würd' ja so gerne den Mund dazu berühr'n.
Schon wandert es von dannen und ich steh' hier allein.
Wer mag der Herr wohl von diesem Lächeln sein?

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 2. November 2012

Die letzte Blüte

Mitten im Sturm und in frostiger Kälte,
zeigt eine Rose ihr liebstes Gesicht,
dass ich mich ihrer gleich vis-à-vis stellte,
und sie unsterblich verflocht im Gedicht:

"Welch eine Farbe, so wohltuend linde.
Blühender Duft in erkalteter Welt.
Lehnst dich so zärtlich dem Baum an die Rinde,
der dich behutsam und liebevoll hält.

Magst wohl nicht welken ...... ich kann dich verstehen,
denn ach wie herrlich das Leben doch ist.
Immerzu will man im Reigen sich drehen,
und sie vergessen, die irdische Frist.

Du bist ein Tupfer am graudunklen Morgen,
scheinst mir ein Gruß von den Engeln zu sein.
Möchte den rosigen Frieden mir borgen,
und mir die Kraft der Gelassenheit leih'n.

Reckst dich so mutig, dem kühlen Wind trotzend,
stolz und so aufrecht zum Himmel empor.
Bist vor lebendigem Willen so strotzend,
dass ich mein Herz an das deine verlor.

Zeigst ja so tapfer dem Herbst deine Blüte,
willst dich nicht trennen, und doch kommt der Tag.
Schreibend bewahr' ich dich samt einer Güte,
die mir ein Mensch nie zu zeigen vermag ..."

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 1. November 2012

Teurer Stoff

So spinnt mir den Faden, wie Gott es gewollt,
du Tag und du Nacht! Spinnt, Ihr beiden!
Und zieht Eure Spule den Faden zu Gold,
so bleibt mir das Glück für den Augenblick hold,
und ach, mein Gemüt muss nicht leiden.

Doch spinnt Ihr den Faden zu pechschwarzem Garn,
so webt mir gleich Trost in die Stunde.
Denn, wenn die Gefühle erst Achterbahn fahr'n,
dann werde ich nicht an der Tränenzahl spar'n
solang', bis zum Heilen der Wunde.

Ich hab' keinen Einfluss auf Muster und Schnitt,
und muss allen Plänen vertrauen.
So lauf' ich im Takte des Spindelklangs mit,
und folge den Spuren, die Gott vorher tritt,
und die mir so liebevoll schauen.

Sogar auf die Länge hab' ich keinen Griff.
Ich weiß nicht, wie lang' ich 's Hemd trage.
Ich bin nur ein Gast auf dem treibenden Schiff,
das irgendwann ankert; wer weiß, welches Riff ...
Gewiss nur ist 's End' aller Tage.

Ein fleißiger Schneider, das ist mir die Zeit.
Strickt langsam, auch wenn ich sie scheuche.
Und täglich liegt andere Wolle bereit.
Seit Jahren tagtäglich ein anderes Kleid,
und nie trag' ich zweimal das Gleiche ....

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Mutterherz

Da saß sie, die Greise, im Raum dieses Heims.
Vergessen. Vereinsamt. Alleine.
Und sprach: "Ja, ich weiß, dass sie kommen. Ich träum 's!"
(Ich drücke sie fest und ich weine ...)

Sie senkt ihre Stimme zum flüsternden Ton:
"Mir ist vor der Wahrheit so bange!
Fünf Kinder erzogen, doch was ist der Lohn?
Ich warte auf sie schon so lange.

Das Altersheim scheint wohl mein sicheres Ziel.
Hier wird sich mein Leben vollenden.
Ach, ahntest du nur, was ich innerlich fühl' ...."
(Da nahm ich die Frau bei den Händen ...).

"Die Kinder in Eile, im Leben verstrickt.
Einst füllt' ich die hungernden Mägen.
Ich habe sie liebend ins Leben geschickt.
Mir scheint, dass sie meiner nicht mögen.

Ich lehrte sie laufen, ich war für sie da,
wann immer der Hilferuf schallte.
Und bin bis zur jetzigen Stund' ihnen nah,
auch wenn dieser Schmerz in mir wallte.

Nun bin ich zu alt und gebrechlich dazu,
und nichts ist an Dank mir geblieben.
Bald legt mich der Herrgott zur ewigen Ruh',
denn ich bin dem Tode verschrieben.

Ich bin eine Last, nur das Erbe hat Wert.
Mein Körper ist nicht mehr vonnöten ...."
(Sie schloss ihre Augen und starb ganz verstört,
und mir bleibt nur, leise zu beten:

'Sie war eine Mutter, die aufopfernd gab,
die großzog, versorgte und liebte.
Nun geht sie vereinsamt ins finstere Grab;
kein Kind da, das dieses betrübte.
Ich bitte Euch, Engel, so bringt sie nach Haus',
und gebt ihr zurück, was sie misste.'

Sodann schlich ich still aus dem Zimmer hinaus
und sah, wie ein Engel sie küsste ...)

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 30. Oktober 2012

Unter Haut & Knochen

Den Leib da im Spiegel, ich will ihn entblättern
bis hin auf das Knochengerüst!
Vielleicht will ich nagende Zweifel zerschmettern.
Vielleicht will ich dringen zu schlummernden Lettern.
Vielleicht will ich seh'n, wer da ist.

Ich möchte sie finden, die niemals gesagten,
verschluckten Gefühle in mir.
Wo sind sie nur hin, diese ewig vertagten,
verschwiegnen, erdrückten und niemals erfragten
Empfindungen hinter der Tür?

Wo sind all die Worte in schweigender Masse,
die ich nie zu sagen getraut?
Was, wenn ich nun Hülle und Seele verlasse?
Sag, schreit 's dann heraus, dass ich sprachlos erblasse?
Was hat sich nur um mich gebaut?

Wo wohnt sie, die Wut, und wo nächtigt die Trauer?
Wo hält sich die Freude versteckt?
Ein Kran soll mir kommen, zu reißen die Mauer!
Seh' in mich hinein und ich kauer' und kauer'
und sehe ein Kind, das mich neckt!

Es ist dieses Kind, das ich einstmals gewesen.
Da hockt es und lächelt mich an.
Ich kann in den wärmenden Augen ihm lesen,
wie all meine schweigenden Fragen sich lösen,
und fühl', wie mein Fragen begann.

Ich blätter' und blätter' in meiner Geschichte
bis hin auf das Knochengerüst.
Das Kind holt die Antworten rauf mir ins Lichte.
Und ich weiß nun endlich ums wahre Gesichte.
Du bist, der du bist, der du bist ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 29. Oktober 2012

Preisträgerin (Danke, Oda ...)

Mit großer Freude und ebensolchem Stolz darf ich hiermit verlautbaren lassen, dass ich soeben auf der Seite literatwo.wordpress.com als Gewinnerin des Poesie-Projekts für die großartige Lyrikerin Oda Schaefer bekanntgegeben wurde. Ich bin zutiefst ergriffen und möchte der Jury von ganzem Herzen danken sowie mit den nachfolgenden Zeilen die Leser dieses Blogs an meinem Glück teilhaben lassen:


Ach, liebe Oda, ich bin so gerührt,
bin so ergriffen tief drinnen.
Du hast die lyrische Feder geführt,
hast meines Blattes Gewande berührt,
ließest mich Wörter verspinnen.

Du warst ein Teil meiner denkenden Welt.
Ging neben dir eine Weile.
Hast mir von deinen Gedichten erzählt,
mich in getragene Schuhe gestellt,
dass ich dich fühl' .... jede Zeile.

War deinen Stunden, dem Atem dein nah,
auch über himmlische Grenzen.
Als ich dein Leben im Filme besah
war ich betroffen, ob dem was geschah.
Fand mich in trauernden Tänzen.

Was ich auch immer wohl über dich las,
ließ mich zur Freundin dir werden.
Dass ich die lyrischen Kräfte besaß
deiner zu ehren, war lohnender Spaß.
Neige mich dankbar zur Erden.

Oda, du liebste, mein Herz schlägt wie keins!
Denk nur, die Widmung im Reime,
die ich dir schenkte, bescherte Platz eins!
Konnte es wahr sein? Mein Werk ist es? Meins?
Manchmal erfüllen sich Träume ....


(c) Bettina Lichtner

Geliebtes Fleckchen

Es legt sich der Frost auf die bräunlichen Äcker
und malt einen silbernen Glanz.
Und Frühling und Sommer, sie spielen Verstecker,
denn bald lockt der Winter zum Tanz.

Die Hände sind frierend im Mantel verkrochen.
Ihr Rot gleicht dem Rot in der Früh.
Nun hausen sie dort wohl die kommenden Wochen,
und ich hab' die wärmende Müh'.

Die Gänse schau'n lachend den menschlichen Wichten,
sie fliegen der Kälte davon.
Ach, hätte ich Federn .... doch hab' sie mitnichten.
Im Herbststurm fährt auch kein Ballon.

So wink' ich vom Boden den reisenden Tieren
und wünsch' einen glücklichen Flug.
Und als mich die Füße durchs Fröstelnde führen,
da zeigt sich der quillende Krug.

Da zeigt sich der Schatz dieser kalten Oase
und wärmt mir sogleich das Gemüt.
Und bläst mir der Wind auch so rau um die Nase:
mein Herz hängt am Heimatgebiet ...

(c) Bettina Lichtner

Netzhaut

Könnte ich ein Netz dir spinnen,
das dich fängt, wenn du zerbrichst,
wenn du flehend, hoffend sprichst,
ach, sofort würd' ich beginnen ...

Feste Maschen würd' ich weben
für den sichren Seelenfall.
Und dem wilden Wörterschwall
würd' ich meine Ohren geben.

Die gestrickten Seilschaften
hielten deine Tränen fest,
wenn du sie denn fließen lässt,
um das Herz dir zu entsaften.

Könntest dich geborgen fühlen,
denn den Kummer frisst die Zeit.
Und die Flut der Traurigkeit
würd' nicht mehr die Augen spülen.

Sieh doch nur, was plötzlich möglich:
Sieh, das Netz, von dem ich schreib,
schlingt sich längst um deinen Leib,
und es hält dich gar tagtäglich!

Konnt 's mir selbst auch nicht gelingen,
hat dafür die Himmelskraft
dieses Wunderwerk geschafft,
und ich will vor Glück zerspringen.

Frei' dich aus der Seelenfalle,
denn sie landet butterweich.
Irgendwer im Himmelreich
spinnt ein Netzwerk für uns alle ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 28. Oktober 2012

Der Kuss

Ein Kuss, der von der Hand gehaucht
durch Wind und Wetter trieb,
ist endlich in ein Herz getaucht
und sprach: "Ich hab' dich lieb!

Du bist der langen Reise Lohn.
Ich war ja so allein ...
Dass ich nun länger bei dir wohn,
soll dir zur Freude sein.

Ich küss' nicht nur den Munde dir,
ich küsse dich auch wach.
Ich öffne küssend eine Tür
fernab vom Lebenskrach.

Dort zeig' ich dir ein Rosenbeet,
und bette wärmend dich.
Ich decke Haut und Haar und wär'
dir gerne ewiglich.

Ich bin es, der die Stund' entführt,
und will dich glücklich seh'n.
Wohl dem, der küssend meiner spürt,
den lass ich taumelnd dreh'n.

Ich möcht' ja nie 'was andres sein
als stets ein Kuss, ein Kuss.
Lieg' ich erst auf den Lippen dein,
schmeck' ich wie Zuckerguss.

Die ganze Welt ist mir bekannt.
Ich hab' mich durchgeküsst
im nahen und im fernen Land.
...
Die Liebe? ...... Oft vermisst!"

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 27. Oktober 2012

Fantastisch phantastisch

Oh, einfallslose Stunde, du
sollst dich im Geist nicht breiten!
Ich stehe träg' im müden Schuh',
und schau mir selbst befremdlich zu
beim Spiel der Faulheiten.

Du wagst es, meiner Herr zu sein?
Hinfort, Ideenfresser!
Du liegst im Hirn mir wie ein Stein.
Es könnte kreativer sein,
denn ohne dich ging 's besser!

Was fällt dir ein, mich zu blockier'n?
Gedanke um Gedanke ...
Gehst mit dem Schweinehund spazier'n,
als würde er die Leine führ'n,
derweil ich zögernd schwanke,

ob ich die Zellen im Gehirn
noch arbeitswütig treibe.
Es liegt ein reißfest dicker Zwirn
um Wort und Taten und ich zürn',
weil ich so zögernd bleibe!

Und weil du nicht willkommen bist,
du einfallsloser Flegel,
verscheuch' ich dich mit einer List
und ruf zum Schein den Polizist' -
da streichst du deine Segel.

Schon kommt die Phantasie hervor,
die lange sich nicht traute.
Und flüstert Wort um Wort ins Ohr,
und schon steigt die Idee empor
und singt vergess'ne Laute.

Nie wieder sollst du wiederkehr'n!
Die Phantasie - sie lebe!
Auf sie allein nur will ich hör'n,
sie darf mich tags und nächtens stör'n.
Und du jedoch: entschwebe ...

(c) Bettina Lichtner

Atmendes Herz

Die zärtlichen Hände von Mutter Natur
verhüllen dem herbstlichen Kind
mit goldenen Lagen die junge Figur,
weil bald schon der Frost es umspinnt.

Sie breitet die Decke der laubvollen Pracht
auf Wege, einst strahlend und schön.
Auf Schritte, die schwer an erinnernder Fracht
nun still durch die Herzgassen geh'n.

Ein Teppich zu Füßen der irdischen Haut,
aus Blättern so lieblich gewebt,
der mir so vergänglich und hoffnungsvoll schaut,
und der mir bewahrt, was gelebt.

Ich schreite bedächtig auf dem, was vorbei,
und fühl' in dem knisternden Klang,
dass niemals mir floh, was im Sommer noch frei
und lebensbereichernd mir sang.

Denn unter der herbstlich gekleideten Welt
schlägt ewig dein atmendes Herz,
weil Mutter Natur es so liebevoll hält,
zu lindern den trennenden Schmerz.

Die Erde wahrt alles, wahrt jegliches Ding.
Wir ändern ja nur das Gesicht.
Und während ich froh auf dem Herbstboden spring,
da spür ich: "Du starbest ja nicht ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 26. Oktober 2012

Ein Bild

Das Blaue breitet mir sein Tuch
und lädt mich zum Bestaunen.
Ein Bild, das ich zu fangen such',
ein Bild aus weißen Daunen.

Ein Bild, das nicht von Dauer ist.
Ein Bild, das bleibt und schwindet.
Ein Bild, das flüstert: "Mensch, dich frisst
das Leid, das sich da windet."

Ein Bild, das meine Tränen raubt.
Ein Bild, das sich verwandelt.
Ein Bild, das an der Seele schraubt.
Ein Bild, das friedvoll handelt.

Ein Bild, das mich entführen will.
Ein Bild, um zu vergessen.
Ein Bild, so unwahrscheinlich still.
Ein Bild, den Wert zu messen.

Ein Bild, von Gottes Hand gemalt.
Ein Bild von Engelsgüte.
Ein Bild, das mich mit Glück bezahlt.
Ein Bild, das ich behüte!

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Spät gibt 's nicht

Nehmen Sie doch Platz, Verehrte!
Freudig ist mir Ihr Besuch!
Alles, was Ihr Wort mich lehrte,
was ich über Sie einst hörte,
schrieb ich mir ins Seelenbuch.

Sehnlichst wünscht' ich mir seit dessen,
dass Sie meiner fündig sei'n.
Lange stand Ihr Stuhl vergessen.
Und der Staub hat ihn gefressen,
doch nun putzen Sie ihn rein,

diesen leeren Platz tief drinnen
in des Herzens fromme Stub',
eh die Spinnen ihn umspinnen.
Endlich kann nun neu beginnen,
was sich jahrelang vergrub.

Ach, Frau Liebe, als Sie kamen,
als Sie an mein Herz geklopft,
als Sie Platz und Zeit sich nahmen
(nach den ungezählten Dramen),
sind die Tränen mir getropft.

Dass Sie meiner noch gedachten,
hätt' ich nie im Traum geseh'n.
Oh, wie glücklich Sie mich machten.
Dankbar will ich Sie betrachten.
Dank der Wunder, die gescheh'n.

Nimmer soll Ihr Stuhl verwaisen.
Bleiben Sie! Solang' es geht!
Liebgefüllt durchs Sein zu reisen,
Sie mit Worten zu lobpreisen -
dafür ist es nie zu spät ...

(c) Bettina Lichtner