Dienstag, 31. Juli 2012

Liebe ist seltsam

Da ist keine Liebe mehr.
Sie lief satt hinaus.
Selbst der Vorratsraum ist leer,
und der Abschied fällt so schwer
vom vertrauten Haus.

Doch es fliegt kein Schmetterling
mehr von Herz zu Herz.
Leise schwand das Gold vom Ring,
und als auch das Kribbeln ging,
blieb ein großer Schmerz.

Alles Feuer, alle Glut,
nichts, was da noch brennt.
Aus der Asche quillt die Wut,
und ganz schwacher Lebensmut,
der ein Licht erkennt.

Niemals mehr der süße Schmacht.
Überall nur Eis.
Doch nach jeder dunklen Nacht
ist ein heller Tag erwacht
und dreht sich im Kreis.

Viele Wege zeigt die Lieb'.
Warte .... wein nicht, such!
Dem, der eingeschlossen blieb
und nicht mit dem Flusse trieb,
folgt des Kummers Fluch.

(c) Bettina Lichtner

Ableger

Glaubst du wirklich, du bist du?
Irgendwann gezeugt?
Irgendwann entbunden?
Du trägst deiner Ahnen Schuh'!
Hast du 's schon beäugt
und dich dort gefunden?

Fernes Ur-, Ur-, Ur-Gesicht
war dem deinen nah.
Du trägst seine Züge!
Auch, was deine Zunge spricht,
war schon einmal da
in der frühen Wiege.

Wenn du in den Spiegel blickst,
sieht die Zeit dich an.
Vorfahr'n lassen grüßen.
Und wenn du den Blick verrückst,
ahnst du dann und wann,
wessen Wurzeln sprießen.

Dieses alte Hautgewand
trugst du nicht allein,
trägst es immer weiter.
Körper ist kein Festbestand,
doch in Ahnenreih'n
lebt, bleibt und gedeiht er.

(c) Bettina Lichtner

Könntest du mich hören ...

Es mahnt die Uhr mich pro Sekunde:
"Entschleunige die Tagesrunde.
Halt inne und entsinne dich:
ich schlage dir nicht ewiglich.

Du rennst ja schneller als ich gehe,
und wenn ich auf das Ende sehe,
dann hast du mich bald überholt,
der Stress hat dir den Schuh besohlt.

Du strebst auf deinen Atemwegen
dem Stillstand allzu früh entgegen,
wenn du nicht in der Ruhe weilst
und ständig hetzend weiter eilst.

Ich forder' dich zum leisen Tanze
und lade dich zur Zeitromanze,
doch du erkennst nicht mein Bemüh'n,
ich seh' dich blindlings vorwärts flieh'n.

Denn leider kannst du mich nicht hören.
Vergeblich ist all mein Belehren.
Mein Ticken .... ach, das war einmal.
Heut' geh' ich lautlos digital."


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 25. Juli 2012

Wellenklang

Der Fluss spielt seine Melodie
und ich kenn' jede Note.
Ich summe seine Sinfonie,
und träume in der Fantasie,
er wär' mein Götterbote.

Er singt mir den vertrauten Klang,
ich folge seinen Tönen.
Und stimme ein in den Gesang,
mal stunden-, mal minutenlang,
und könnt' mich dran gewöhnen.

Es ist sein immer gleicher Takt,
dem ich gefesselt lausche,
der mich im tiefsten Grunde packt
und mich entblättert, bis ich nackt
mich innerlich berausche.

Ich lab' mich an dem Wellenspiel
und dreh mein Hemd nach außen.
Es traut das schüchterne Gefühl
sich in das lebhafte Gewühl
und rettet sich nach draußen.

Der Fluss umspült ein Hindernis
der inneren Blockade.
Und flüstert leis': "Sei dir gewiss,
ich kenne keinen Szenenriss!
Ich fließe immer gerade."

So schlängelt sich die Wellenschar
von allen Flussgestalten
mal strömend, reissend bei Gefahr,
mal still, doch stetig wandelbar
und niemals je zu halten.

(c) Bettina Lichtner

Lauf ohne Halt

Wenn die Seele Frieden braucht,
geht der Blick zum Himmelblau,
und der ganze Sorgenstau
ist wie weggehaucht.

Eingewebt ins Wolkenkleid
zieh'n die Tränen dieser Welt
schweigend durch das Himmelszelt,
schweigsam durch die Zeit.

Wie ein großer Luftballon
schwebt die Stunde, treibt der Tag,
flieht, was mir am Herzen lag,
ohne Halt davon.

Und der Wind vertreibt das Glück,
jagt das Pech ins Nirgendwo.
Nichts von all dem Pipapo
findet je zurück.

Selbst das Lachen löst sich auf
in dem weiten Himmelblau.
Sonne, Regen, blau und grau ...
ewig gleicher Lauf.

(c) Bettina Lichtner

Montag, 23. Juli 2012

Brenn, Nessel, brenn

Brennend dein Kuss mir und feurig die Haut,
dass meine Hand dich nur zögerlich streichelt.
Hab' es mich fast nicht zu wagen getraut,
aber dein Blick hat so süß mich umschmeichelt.

Wünschte mir manchmal in sehnender Stund',
käm' dir so nah wie die schleichende Schnecke,
die dich liebkost auf dem nesselnden Grund,
ohne dass sie sich verbrennend erschrecke.

Wär' ich ein Kriechtier, dann wär' ich dir nah,
labte mich hungrig an all deinen Gluten.
Will ich dich fassen, dann scheint es beinah,
mir schickt dein Flammenmeer hitzige Fluten.

So sind wir beide einander getrennt,
lodernde Sehnsucht umspült das Begehren.
Weil ich nicht will, dass dein Blatt mich verbrennt,
darf ich dich nur mit den Augen verzehren.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 22. Juli 2012

Harte Schale, weicher Kern

Die Erde ist eine Languste,
sie trägt eine Haut aus Asphalt.
Jedoch durch die steinerne Kruste
bricht 's Leben mit sanfter Gewalt.

Ein Saatenkorn hat sich verwurzelt
tief unter dem kalten Beton.
Ist lautlos ins Taglicht gepurzelt
und niemand bemerkte davon.

Es schob alle Lasten beiseite
und lugte zum wärmenden Licht.
Ihm malte die himmlische Weite
ein dankbares Wort ins Gesicht.

So wuchs durch die härteste Krume
von jeglichem Ding ignoriert
die feine bescheidene Blume
und hat sich doch recht amüsiert.

Ein Lächeln umhuschte die Triebe:
"Der Panzer der Menschen ist dick!
Darunter bemüht sich die Liebe
um einen erfrischenden Blick ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 20. Juli 2012

Räuber Nimmersatt

Gefräßige Zeit,
du knabberst mir Löcher ins irdische Kleid.
Und Seite um Seit'
verschlingst du das Buch meiner Einmaligkeit.

Du hungriges Weib,
bedienst dich tagtäglich am kostbaren Leib.
Ich frag' dich und schreib,
was ist nur so schmackhaft an meinem Verbleib?

Mit fordernder Gier
ergötzt du dich schmachtend am Körperrevier.
Der Tod steht Spalier
und ich bete still überm Bibelpapier.

Wann bist du mal satt?
Du frisst bis zum Ende vom Lebensbuchblatt.
Dann bin ich schachmatt
und ruhe im Sarg aus der Tischlerwerkstatt.


Donnerstag, 19. Juli 2012

Forscherdrang



Als mir das Herz noch zum Hosenbund glitt,
hauchzarte Küsse die Lippen benetzten,
ich die Gefühle der Jugend durchschritt,
und wir die Träume wie Windsegel setzten,

als ich den Kinderschuh'n langsam entfloh,
sich auf der Haut alt und Neues verbanden,
brannten die Lust und die Gier lichterloh.
Doch mit der Zeit kam mir alles abhanden.

Als ich noch süß durch die Tagträume flog,
all meine schwelgenden Wünsche erwachten,
ich reich an Kraft meinen Lebenskreis zog,
und mir noch sämtliche Hoffnungen lachten,

als ich an Zielen und Plänen mich rieb,
und tausend Farben die Wände mir schmückten,
ahnte ich nicht, dass mir nichts von dem blieb,
wenn mich im Alter die Jahre erdrückten.

Als sich der Mut mit der Sehnsucht verflocht,
und keine Uhren den Weg mir versperrten,
und mich die Funken vom lodernden Docht
wild in das glühende Lebensspiel zerrten,

als ich die Jugend erforschte und sah,
dass sie so reich war an taufrischen Schätzen,
wünschte ich mir, ich wär' einmal noch da,
um mit dem Wind meine Segel zu setzen ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 18. Juli 2012

Mit Gefühl

Ein Wort sucht, vom Hunger getrieben,
in fliehenden Hüllen nach Halt.
Doch jedweder Menschengestalt
begannen die Sichten zu trüben.

Das Wort hat an Herzen gerieben,
doch dort wuchs ein finsterer Wald.
Es ist an die Stämme geprallt,
da hat es in jene geschrieben:

"Welch eiskaltes Spiel!
Mich fröstelt bei dem, was ich sehe.
Die Hoffnung zerfiel.

Ich wünsche, der Wind, ach, er wehe
ein Hauch Mitgefühl,
dann strahlte ein Licht in der Höhe."

(c) Bettina Lichtner

Mauerblümchen

Ich wachse durch die Fugenritzen,
doch jenseits dieser Mauer sitzen
die halb verwelkten Seelenpflanzen,
die hinter Steinen sich verschanzen.

Verdorrte Wurzeln lechzen leise
nach einer kleinen Liebesspeise,
nach Zärtlichkeit und warmen Händen,
um das Vertrocknen zu beenden.

Da schleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer
sich in die blütenlosen Zimmer
und treibt mit einem Fegefeuer
die Kälte aus dem Eisgemäuer.

Auf einmal strömen süße Düfte
und längst vergess'ne zarte Lüfte
durch all die kleinen Seelenrisse
und plötzlich blüht die Herz-Narzisse ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 17. Juli 2012

Ton um Ton

Eine Welt der vielen Fratzen
spukt aus dem TV-Gerät,
dass sich mir der Blick verdreht,
sich ein Dorn ins Herze dreht.
Ach, mir droht das Hirn zu platzen.

Für die wahren Filmgeschichten
sind die Sinne taub und blind.
Doch das spielversunk'ne Kind
zeigt, wie kostbar Blicke sind,
die nach rechts und links sich richten.

Schöner als auf Drehbuchseiten,
liegt die Au zu Füßen mir.
Nicht auf EINEM Blatt Papier
fühlte ich die grüne Zier
so wie in den Wirklichkeiten.

Und ich atme all das Schöne
tief in meine Seele ein.
Würde es mir nie verzeih'n,
nur ein Fern-Seher zu sein.
Danke Welt, für deine Töne ...

(c) Bettina Lichtner

Flügelhauch

Dein Flügelschlag, ein zarter Hauch,
ich merke ihn ja kaum.
Momente sind nur Schaum,
die Zeit mit dir verweht wie Rauch.

Der Flug gelassen, frei von Bang,
so gleitest du dahin.
Wenn ich statt deiner bin,
ich flög und flöge stundenlang.

Ich folge deinem Himmelstanz
und ahne deinen Takt.
Ich fühle mich so nackt.
Dich kleidet eine Eleganz.

Du saugst am prallen Blütenblatt
und es ist dir genug.
Du scheinst so lebensklug.
Das Leben macht dich reich und satt.

Und wie ich hungrig vor dir steh'
und dir bewundernd schau
hier in der stillen Au,
da sagst du leise mir ..... Adé.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 15. Juli 2012

Zeitansprache

Ich treibe
die Leibe
durch Stunden und Wochen und Jahre.
Ich bleibe
dem Weibe
und Manne getreu bis zur Bahre.

Ich jage
und plage
die Wesen, dass sie sich entsinnen:
Die Tage
sind vage.
Der Tod wird den Faden verspinnen.

Ich hetze,
verletze,
und raube und schenke mein Eigen.
Die Plätze
der Schätze
versuch' ich in Kürze zu zeigen.

Ich dehne
das Schöne,
sofern es die Herzen begreifen.
Ich kröne
die Töne
der Liebe und lasse sie reifen.

Doch wehe,
ich stehe,
dann platzen ja Pläne und Träume.
Ich sehe
die Nähe
des Todes, er schleicht durch die Räume.

Ich gebe.
Drum lebe
und lerne, mich wohl zu genießen.
Umwebe
die Stäbe
der Enge mit Blüten, die sprießen ...

(c) Bettina Lichtner

Spielmacher

"Wohlan", so spricht die Zeit zu ihr,
"dein Leben geht zur Neige.
Lös' dich von aller Lebensgier
und komm' mit mir durch Gottes Tür,
dass ich die Ruh' dir zeige."

Und schweigend lacht die alte Frau,
denn ihre Zeit bleibt stehen.
Und draußen glänzt der Morgentau
wie Tränen unterm Himmelsblau,
und zarte Winde wehen.

Die Zeit spricht sachte, flüstert gar
zur todgeweihten Alten:
"So kostbar es mit uns auch war,
ich bin und bleibe eingrenzbar.
Kein Wesen kann mich halten.

Ich ging mit dir durch dick und dünn
im Takte deiner Schritte.
Nun trag' ich dich zum Grabe hin,
denn das allein nur ist mein Sinn."
Und ach die Frau sagt: "Bitte."

Und so erreicht im Lebensspiel
nach einmaligen Runden
die Zeit ihr einzig wahres Ziel,
und als der letzte Vorhang fiel,
hat sie die Ruh' gefunden ...

(c) Bettina Lichtner

Momentaufnahme

Halte die Zeit an für einen Moment.
Alles, was rennt,
jagt und verfliegt,
wird auf der Stelle mit Stille besiegt.

Halte die Zeit an im Hier und im Jetzt.
Jeder, der hetzt,
hastet und eilt,
hat sich im Zeiger der Uhren verkeilt.

Halte die Zeit an und öffne den Blick.
Inneres Glück
(lange ersehnt)
hat sich zu anderem Herzen gedehnt.

Halte die Zeit an und höre die Welt.
Ruhm, Macht und Geld,
äußerer Schein,
ließen mich taub für die Hörspiele sein.

Halte die Zeit an und schmecke die Lust.
Zeitdruck war Frust.
Fühl' mich befreit.
Hab' mich noch niemals so innig betreut.

Halte die Zeit an und finde zu mir.
Fremdes Revier.
Stress ist stibitzt,
seit mir die Zeit nicht im Nacken mehr sitzt.

Halte die Zeit an - nur einen Moment.
Seele erkennt
Stunde des Glücks,
Reichtum des zeitlosen Sein-Augenblicks ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 14. Juli 2012

Verhandlungspartner



"STILLGESTANDEN! Nicht bewegen!
Ich will Sie an Ketten legen!
Endlich hab' ich sie gefunden -
all die fliehenden Sekunden.

Name? Anschrift? Los jetzt! Rede!"
"Ist ja gut, bin ja nicht blöde!
Nun, ich werde ZEIT gerufen,
und ich gebe Leben Hufen.

Eine Frage, Euer Ehren
(kann mich ihrer nicht erwehren):
Ach, was ist denn mein Verbrechen,
dass Sie mir so böse sprechen?"

"ICH, Frau Zeit, stell hier die Fragen!
Doch ich will wohl gerne sagen:
Sie gehören zu den Dieben!
DAS wird Ihnen zugeschrieben!"

"ICH? EIN DIEB? Pardon, mitnichten!
Wer erzählt derlei Geschichten?
Ich hab' keinem was gestohlen,
und das schwör ich unverhohlen!

Gibt es überhaupt Beweise?"
"Selbstverständlich! Junge, Greise,
männlich, weiblich, einfach alle
liefen in die Diebesfalle.

Denn Sie stahlen diesen Leuten
allesamt die Lebenszeiten!
Heimlich, lautlos, ohne Spuren
drehten Sie an deren Uhren!

Stund' um Stund' ging so abhanden,
und die Augenblicke schwanden,
flogen fort wie wilde Vögel.
Wahrlich, Zeit, Sie sind ein Flegel!

Diebeszug durch jede Hütte!"
"Einspruch, Einspruch! Also bitte.
Sie verdrehen ja die Fakten!
(Wie Sie mich am Halse packten!)

Also, erstens: Ich bin ehrlich!
Ich bin niemandem gefährlich.
Bin kein Dieb und auch kein Blender,
doch die Menschen sind Verschwender!

Denn ich schenke ja im Guten
kostbar wertvolle Minuten.
Doch die Wesen hierzulande
sind zur Einsicht nicht imstande.

Denn statt mir die Hand zu reichen,
lassen sie mich glatt verstreichen.
Da sie mich nicht sinnvoll füllen,
beuge ich mich ihrem Willen.

Und sie schimpfen mich dann Räuber!
Ach, die ganzen Menschenleiber:
Würden sie mich doch nur lieben.
Ich bin ihnen treu geblieben!

Treu bleib ich bis hin zum Ende.
Falten sie erst ihre Hände,
um ins Himmelreich zu gehen,
dann, erst dann, bleibe ich stehen.

Euer Ehren, ich plädiere
drum auf Freispruch und moniere,
dass die Menschen, die Verwirrten,
sich im Diebesvorwurf irrten.

Wenn sie Achtsamkeit mir böten,
ginge ich nicht achtlos flöten.
Sie sind ihre eig'nen Diebe!
Ich verdiene keine Hiebe!"

"Nun, Frau Zeit, genug gesprochen.
Mir ist fast das Herz gebrochen,
denn ich musste klar erkennen,
Sie darf man nicht Räuber nennen.

In der Tat, der Mensch alleine
(all die sterbenden Gebeine)
ist sein eig'ner Zeitdieb, leider.
Somit sind Sie aus dem Schneider.

Freispruch also stattgegeben!
Auf! Genießen Sie Ihr Leben!
Zeit, Sie dürfen weitergehen!
Warum bleiben Sie denn stehen?"

"Euer Ehren! Ihre Runde
endet just in der Sekunde.
Der da oben hat 's entschieden:
Ich steh' still zu Ihrem Frieden ..."


(c) Bettina Lichtner

Am Tropf der Natur

Der Regen hängt schwer in den Bäumen,
da schüttelt ein Windstoß ihn ab.
Ich will den Moment nicht versäumen.
Die Nässe verfehlt mich nur knapp.

Die Tropfen fall'n leise hernieder
aufs Gras und den grauen Asphalt.
Im Pfützenteich spiegelt sich wider
die himmlische Wolkengestalt.

Es ist die Natur ja in Fülle
mit wässrigen Perlen geschmückt.
Welch eine erfrischende Stille
sogleich meine Seele erquickt.

Sie schauen wie menschliche Tränen.
Ob sie von Verblichenen sind,
die mitten aus irdischen Plänen
verschwanden mit Engeln im Wind?

Ich staune und wäg' mich in Träumen.
Wie ist doch das Leben so knapp.
Der Regen hängt leicht an den Bäumen,
da trägt ihn ein Windstoß hinab.

(c) Bettina Lichtner

Stichwunde

Ein Stachel bohrt ins Herz sich rein
und droht, sich zu entzünden.
Kann die Arznei nicht finden.
Mir ist, als läge ich im Schrein.

Die ungezählten Stichelei'n,
die sich verletzend winden
und im Gemüt verschwinden,
sind schwerer ja als jeder Stein.

Der Dorn sitzt ach so tief,
und DU hast mich gestochen,
als ich im Glücke schlief.

Du hast mein Herz gebrochen.
Als ich um Hilfe rief,
da hast du dich verkrochen ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 13. Juli 2012

Hinterrücks

Der lästernde Mund
tut Unwahrheit kund
und schneidet sich selbst in die Haut.
Gelogenem Pfund
entbehrt es an Grund.
Wehdem, der dem Trugwort vertraut.

Die Wahrheit verletzt,
mit Lüge benetzt.
Das Plappermaul steht ja nicht still.
Es mordet, es hetzt,
und ach es verletzt
die Liebe mit lautem Gebrüll.

Ein wortreiches Meer,
doch innen ganz leer.
Den Buchstaben fehlt es an Luft.
Das Atmen fällt schwer.
Im Silbenverkehr
hängt bleiern ein bitterer Duft.

Die Zunge .... verbrannt.
Einst friedliches Land
ist waffenbesetzt und vermint.
Gesprochene Schand'
gleicht schlagender Hand
und hat ein Gehör nicht verdient.

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 12. Juli 2012

Kehricht

Augenblicke, die verschwiegen
im verbrauchten Gestern liegen,
sind mir in den Kopf gestiegen,
um sich selber zu belügen.

Sie verwickeln sich in Stricke.
Es vergrößert sich die Lücke
des Erinnerns, welche Tücke.
Trügerische Bilderstücke.

Alles schien mir wie erfunden.
Doch zum Glück ließ ich mir munden
die geflohenen Sekunden
und hab' sie ins Herz gebunden.

Doch den Kopf, den will ich leeren,
weil die Bilder, die sich mehren,
meine Achtsamkeit erschweren
und an meinen Kräften zehren.

Alles, was die Zeiten weben,
wird es nur sekündlich geben.
Darum ist es mein Bestreben,
ganz bewusst im Jetzt zu leben.


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 11. Juli 2012

Jagdfieber

Blaue Weiten, weite Höhen
nehmen mich gefangen.
Bin hinein gegangen
in das tiefste Seelenflehen.

Kann mein zartes Innres sehen
und die vielen Zangen
und die Würgeschlangen,
die sich um Gefühle drehen.

Und das Kind in mir will klagen:
"Hast du mich vergessen?"
Ach, was soll ich ihm nur sagen?

"Ich hab' dich gefressen,
denn vom Jagen nach den Tagen
war ich wie besessen ..."

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 10. Juli 2012

Richtungswechsel

Es lebt sich am besten
auf Lebensbaumästen
mit achtsamen, wachsamen Augen,
die nicht für die Schläfrigkeit taugen.

Hing g'rad noch am Nabel,
schon zweigt sich die Gabel,
und Wege lebendiger Fülle
erblüh'n mit bedächtiger Stille.

Vom Lärm nicht besudelt,
kein Kummer, der sprudelt,
doch dann ließ die Macht der Gedanken
die Schattengewächse wild ranken.

Der Blickwinkel dunkel,
die Geistesfurunkel
bedroht meinen inneren Frieden.
Hätt' ich doch das Denken vermieden ...

Ich halte kurz inne,
beruhige die Sinne,
schon schwinden die Wolkengebilde,
und stimmen die Seelenwelt milde.

Der Weg wieder strahlend
und Farben mir malend.
Der Lebensbaum zeigt mir gelassen
die wechselnden Lebensgrimassen.

(c) Bettina Lichtner

Montag, 9. Juli 2012

Kriechraum

Einfach mal durchs Leben kriechen,
und am Duft der Freiheit riechen,
und den Geist von allem Bösen
sanft erlösen.

Einfach durch die Stunden gleiten,
und dabei die wunden Seiten,
die mir auf die Seele drücken,
heimwärts schicken.

Nicht nach rechts und links sich drehen,
immer nur nach vorne sehen,
und was hinten liegt indessen
still vergessen.

Stets gelassen sein im Einen,
keine Trauerträne weinen,
sich das Nichtstun zu versüßen
und genießen.

Zwischen Erd' und Himmel ruhen,
und aus den gestressten Schuhen
den gehetzten Schritt entlassen.
Treiben lassen.

Herrlich fänd' ich diese Sachen.
Möcht' sie mir zu eigen machen.
Träumt' es in der Sommerbrise
auf der Wiese ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 8. Juli 2012

Wir wandern ...

Ich stehe inmitten von hüpfenden Kröten
und wage nicht, vorwärts zu geh'n.
Und ringsherum hör' ich die Vogelwelt flöten.
Wie ist doch der Morgen so schön.

Die Frösche umringen die wartenden Füße.
Ein Schritt, und ich brächte viel Leid.
Sie schicken mir herzliche, angstfreie Grüße.
Ich staun' übers glitschige Kleid.

Wie zart und wie zärtlich die Kleinen doch schauen,
ihr Leben ist gar noch so jung.
Sie scheinen mir vollends und gänzlich zu trauen.
Wie würdevoll ist doch ihr Sprung.

Die hauchdünnen Beine verharren im Beugen,
die Äuglein betrachten die Welt.
Ich ziehe es vor, ganz bedächtig zu schweigen,
was jedweder Seite gefällt.

Ich fühl' mich, als wär' ich auf Gullivers' Spuren
und doch ist der Unterschied klein.
Es ticken für alle dieselbigen Uhren,
das ahnt nicht das Krötenkindlein.

Ich schleiche mich fort aus den Unkenprovinzen,
mit Vorsicht und Achtung zugleich.
Vielleicht sind die Kleinen verzauberte Prinzen ...
Natur, ach wie bist du so reich.


(c) Bettina Lichtner