Freitag, 31. August 2012

Weckruf

"Alter Kampfgeist! Hörst du mich?
Wecke meine Glieder!
Meister Mut lässt mich im Stich,
selbst die Kraft verflüchtigt sich
und der Kopf wird müder.

Ach, mir ist das Haus so schwer,
das ich mit mir schleppe.
Tragen kann ich 's nimmermehr,
doch ich bin kein Zauderer
vor der steilen Treppe.

Ich will mich der ganzen Last
nicht mehr länger beugen.
Dieser schlammige Morast
macht sich meinen Herz-Palast
seelenruhig zu eigen.

Wär' das Haus doch leichter nur,
das mich so behindert,
ja, dann wäre mein Parcours
weich wie eine Schneckenspur
und die Last gelindert."

(c) Bettina Lichtner

Blütezeit

Ein Blumenkind im zarten Kleid,
das sprach zu mir: "Ich bin die Zeit!
Sieh, mein Gewand ist nur ein Hauch,
in welches ich dein Leben tauch'.

Behutsam geb' ich dir Geleit,
und pflegst du meiner recht gescheit,
ist dir mein schönster Wuchs gewiss
(das Dasein ist kein Schnellimbiss).

Lebst du jedoch dem Sturme gleich,
dann bist du schnell im Totenreich,
denn starkem Wind halt ich nicht Stand.
Uns bindet nur ein Seidenband!

Ich lieb' den kostbaren Moment,
wenn jemand meinen Wert erkennt.
Da ich mich niemals wiederhol',
sei ich dein steter Ruhepol.

Wer mich nicht schätzt, dem dörre ich.
Dem unbeherrschten Wüterich
verwelke ich, denn ohne Lieb'
versiegt mir jeder Lebenstrieb.

Dem Hetzer flieg' ich weg. Und weh',
wenn ich den Zeitverschwender seh',
der meint, ich blühte immerfort,
dem flieh' ich ohne Widerwort.

Dem, der mit Macht mich halten will,
entkomme ich, denn dieser Drill
zerstört mein schönes zartes Kleid."
Ein Hauch, ein Wind ..... Wo bist du, Zeit?

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 30. August 2012

Ewig guter Mond

Staunend, flehend, träumend gar
eilt mein Blick zu dir.
Welch ein scheues Exemplar
ich in deinem Glanze war,
du mein Nachtsaphir.

Du polierst die Sinne mein,
die der Tag verschmutzt.
Du schaust ja wie Elfenbein,
bist der Waage Züngelein,
die den Geist mir stutzt.

Was mir aus dem Lot geriet,
bringt dein stilles Licht
wieder mir ins Kerngebiet,
und ich spüre ja, es flieht
meine Nebelschicht.

Oh, wie wohlig ist es mir,
wenn du voll und prall,
wie ein weiser Großwesir
öffnest mir die weite Tür
in das finstre All ...

(c) Bettina Lichtner

Naturschönheit, letzter Akt

Und das Feld liegt kahl geschoren
unterm satten Himmelblau.
Jede Frucht, die dort geboren,
diente nur dem Ackerbau.

Alle wurden sie geschreddert
und vom gelben Korn getrennt.
Ihre Häute sind zerfleddert,
und ihr Wert liegt überm Cent.

Has' und Käfer sind in Trauer.
Still legt sich das Abendkleid
auf die Wurzeln, die der Bauer
ließ vom Wuchs der Sommerzeit.

Manches Korn wird bald gefressen
von der Kuh im Massenstall.
And'res wird vom Kind gegessen
nach dem heißen Popcornknall.

Allesamt geh'n sie durch Mägen
der diversen Kreatur.
Wandern auf Verdauungswegen
Richtung ...? Ach, wer weiß das nur.

Vielleicht wird aus ihnen Dünger,
und es wächst daraus ein Klee.
All die vielen Nahrungsbringer
sind auf kreisender Tournee ...

(c) Bettina Lichtner

Naturschönheit, 3. Teil

"Du geliebte rote Sünde,
schau nur her, uns fraß die Zeit.
Unsre einst so junge Rinde
ist schon längst Vergangenheit.

Nur des Sommers kurzes Spiele
war uns zwei'n zur Lieb' vergönnt.
Doch seit jeher war das Ziele,
dass man uns vom Leben trennt.

Oh, du rötlich Sonnengleiche,
unsre Tage sind gezählt.
Dass ich alsbald von dir weiche,
ist es, was mich innen quält."

"Pst, sei still!", haucht die Betörte,
"halt die Träne lieber ein.
Sieh doch nur den großen Werte
allerletzter Schwärmerei'n.

Wort und Blicke - saug dir beides
tief ins letzte Korn und dann
bist du fern des harten Leides."
(ach, wie ihm die Träne rann ...)

Einmal noch das Feuer spüren,
einmal noch dem andern nah.
Und beim nächsten Tirilieren
war'n die Ähren nicht mehr da ...

(c) Bettina Lichtner

Rund um die Uhr

Ein Sternenkind packt 's Köfferlein,
um auf die Erd' zu reisen.
Es ließ den guten Mond allein,
und wollt' im hellen Schnuppenschein
sich selber Mut beweisen.

Die Sternenkinder leuchten sacht
dem Freund den Weg nach unten.
Und eine sternenklare Nacht
hat ihm den Abschied schwer gemacht,
doch schließlich lag er drunten.

Die Landung war recht unbequem
(die Wolken war'n viel weicher).
Nun macht der Stern in Bethlehem,
als frommer Wunsch von irgendwem,
die Welt geschichtlich reicher.

"Oh Stern, oh Stern, du Optimist!
Schau mal auf den Kalender!
Da du zu früh gekommen bist,
weil ja noch kein Dezember ist,
scheint 's mir, du bist ein Blender!"

"Wie sprichst du mir, du Menschenkind?
Lass die verbalen Hiebe!
Mich dünkt, du bist genau so blind!
Ich komme früher, weil ich find,
die Welt braucht dringend Liebe ..."

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 29. August 2012

Farewell

Ein kleiner Krebs, an Kräften schwach,
bat Gott ums leise Ende:
"Ach, lieber Herr, mein Puls ist flach.
Nimm mich in deine Hände.

Es ist genug, mein Sein war süß.
Ich dank' dir für die Stunden.
Nun trage mich ins Paradies,
und lass es mich erkunden.

Ich lege meinen Panzer ab,
der mich so lang beschützte,
der Antlitz mir und Wesen gab,
und mir nun nichts mehr nützte.

Ein letzter Blick zurück zum Fluss,
der Heimat mir gewesen.
Ich gehe, weil man gehen muss -
ganz ohne Federlesen.

Adé, Adé, du mein Planet!
Ich lass dir die Gebeine ..."
Und als das kleine Krebslein geht,
verharr' ich still und weine.

(c) Bettina Lichtner

Naturschönheit, 2. Teil

... und der rot gelockte Engel
sah den Herrn sich näher an
in dem Maisfeldwuchsgedrängel.
"Welch ein intressanter Mann!"

Und er stellt sich recht in Pose,
zeigt den ach so langen Bart,
zeigt die grüne Blätterhose
und ihr Blut gerät in Fahrt.

Sie erwidert sein Begehren,
klappt die Äuglein auf und zu.
Und es schmunzeln alle Ähren
übers süße Rendezvous.

Bald schon sind sie wie verwachsen,
rotes Weib und ihr Pirat.
Und sie kichern und sie flachsen,
so als sei'n sie ganz privat.

Doch so sehr sie sich auch mühten:
sie stand dort und er weit weg.
Oh, wie doch die Funken sprühten
auf der Haut und unter Deck.

Ahnend flog derweil der Häher
übers reife Feld und rief:
"Passt nur auf! Bald kommt der Mäher
und dann hängt der Segen schief!

Drum genießt die kurze Stunde
eurer kleinen Liebelei,
denn sie geht ja schnell zugrunde.
Alles, alles geht vorbei ..."

(c) Bettina Lichtner

Einklangsstille

Wahrlich, ja, die Uhren schleichen!
Nur der Mensch ist schnellen Schritt's.
Stellt sich selbst die Lebensweichen
(trotz der warnend roten Zeichen)
auf das Ziel des flotten Ritt's.

Rundherum in Flur und Wäldern
herrscht gelassen stilles Tun.
Keine Jagd nach Ruhm und Geldern.
Alles gibt sich auf den Feldern
hin dem sinnerfüllten Ruh'n.

Nirgendwo ein Stau, ein Schreien.
Fremd ist der Natur die Hatz.
Sie braucht keine Herz-Arzneien,
niemals wird sie sich kasteien,
nirgendwo gibt es Rabatz.

Friedlich lebt die Welt der Tiere
neben Pflanz- und Baumgestalt.
Keine Flut der Amtspapiere.
Keine Kriege um Reviere
und kein trister Grau-Asphalt.

Nur wir Menschen, wir vergaßen
mit den Dingen eins zu sein.
Welche Schätze wir besaßen,
eh uns Stundenschläge fraßen -
fällt 's uns jemals wieder ein?

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 28. August 2012

Naturschönheit, 1. Teil

Eine rot gelockte Dame
mit natürlich schöner Haut
(ach, wie war nur noch ihr Name?)
hat so lieblich ihm geschaut.

Und er sprach zum fremden Weibe:
"Mir gefällt dein roter Teint.
Drückte gerne deinen Leibe
auf dem heimischen Terrain.

Doch du wirkst so erdverbunden,
zwar verwegen, doch auch kühl.
Ließ' mir deinen Kuss gern munden,
wenn es dir doch auch gefiel.

Deine feurig wilde Mähne
raubt mir glühend den Verstand.
Komm, du unbekannte Schöne,
reich mir deine zarte Hand.

Ich bin wie vom Blitz getroffen,
er fuhr mir durch Mark und Bein.
Sag, du Holde, darf ich hoffen?
Wann wirst du die meine sein?"

Doch die Rote hat geschwiegen,
bis sie plötzlich ihm ganz leis'
und zum innigen Vergnügen
säuselnd spricht: "Ich bin Frau Mais."

(c) Bettina Lichtner

Durchtränkte Erde

Seit jeher fließen Tränen auf der Welt.
Ich hätt' gern jede einzelne gezählt.
Ich hätt' von jeder gern den Grund gewusst.
"Ach, Kindchen, weine, wenn du weinen musst."

Die Erde ist vom Tränenstrom durchnässt.
Ich hätt' wie einen Schwamm sie gern gepresst.
Wie groß dann wohl das ausgewrung'ne Meer
der ungezählten Seelenperlen wär' ...

Ein stummer Fluss, der nie vertrocknen wird.
Der tausendfach die Welt umrunden würd'.
Ich frage mich noch sinnend hier am Schluss:
Wie groß wär 's Meer vom lieberfüllten Kuss?

(c) Bettina Lichtner

Glasklarer Blick

In deinem Augen-Kugelrund,
da seh ich bis zum tiefsten Grund.
Ich sehe das, was du nicht siehst,
auch, wenn du dich zu tarnen mühst.

Ich seh geheime Phantasien
im Bergkristall vorüberzieh'n.
Ich sehe auch, was du g'rad denkst,
wenn du dich in mein Herz verfängst.

Ich sehe zu, wie du dich sträubst,
wenn du im Meer der Lügen treibst.
Ich seh das Wort, das nie gesagt,
und das 'Warum', das nie gefragt.

Ich sehe Pläne, die verschmor'n,
und Wünsche, die noch nicht gebor'n.
Es gleicht mir wie ein Märchenwald,
in dem sich eine Traumgestalt

mit Wolf und Hex und Fee vereint,
mit Zwergen um die Wette weint,
weil dort im kleinen Sarg aus Glas
sein eignes Ich verloren saß ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 27. August 2012

Süßes Leben

Ich suchte den süßlichen Schimmer,
den man sich vom Leben verspricht.
Ich glaubte, ich fände ihn nimmer,
da schien mir aus innerstem Zimmer,
aus hinterster Ecke, ein Licht.

Ich folgte gebannt seinem Leuchten.
Nun ratet mal, was ich dann fand!?!
Es tat meine Blicke befeuchten:
Die Dinge, die 's Auge erreichten,
sind mir schon seit langem bekannt!

Das Süße lag in den Insekten,
im Blatt und im flüchtigen Gruß.
Es lag in den kleinen Projekten
gefiederter Nest-Architekten.
Bei dir gar vom Kopf bis zum Fuß.

Es lag rechts und links meiner Schritte.
Es lag unterm menschlichen Lack.
Im ehrlichen Danke und Bitte,
sogar in der einsamsten Hütte,
da fand ich den süßen Geschmack.

Ach, hätt' ich 's doch früher begriffen,
worin mir das Süßliche lag.
Ich hätt' Diamanten geschliffen,
und hätt' auf das Äußre gepfiffen.
Oh, wie ich das Süße doch mag ...

(c) Bettina Lichtner

Hinterm Tellerrand

Haltet ein, Ihr satten Mäuler!
Sperrt die Ohren auf und schweigt!
(Wie der Tische unterm Keiler,
dem gegrillten, sich doch neigt ...)

Eure Tafel ist zum Bersten
ja gefüllt, dass sie sich biegt,
jedesmal wenn Ihr zum Ersten
den verdienten Taler kriegt ...

Schmatzend leckt Ihr Eure Finger
und trinkt nur den besten Wein.
Und verharrt in Eurem Zwinger
zwischen Mond- und Sonnenschein.

Doch zu gerne wird vergessen,
dass ein Magen nebenan
knurrend schmerzt, weil er kein Essen
sich jetzt einverleiben kann ...

Und der Bauch, der ungefüllte,
sieht Euch schmachtend aufs Gedeck.
Dass sich jeder Hunger stillte,
sei normal .... doch Ihr schaut weg!

(c) Bettina Lichtner

Tanzstunde

Das Sommerkind schaukelt auf blühenden Zweigen.
Bald wird sich der stürmische Herbstbursche zeigen
und will es bezirzen mit güldenen Blättern,
und mit ihm auf farbfrohe Baumwipfel klettern.

Die Sonnenverwöhnte erwidert sein Lauern
mit freudiger Lust und ein wenig Bedauern,
denn ach sein Besuch ist ein sicheres Zeichen,
dass all ihre Freunde und Klangspiele weichen.

Sie blickt auf die bunten und tragenden Felder.
Sie ahnt schon das Gold in den Tiefen der Wälder,
und weiß ja sehr wohl um den Lauf aller Dinge,
den Wert all der kurzweilig freudigen Sprünge.

Ihr Kleid wird verblassen im herbstlichen Tanze.
Ein letztes Mal schwelgt sie in heißer Romanze,
dann legt sie sich nieder und lässt in Gedanken
uns all ihre schöne Erinnerung ranken ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 26. August 2012

Sekundentraum

Ich schließe meine Lider
und ziehe träumend fort.
Des Lebens werd' ich müder.
Im Schlafe seh' ich wieder
den so vermissten Ort.

Die Bilder sind mir Brücken,
die ich ins Gestern bau'.
Ein Hauch von Lebensstücken,
die nochmals mich beglücken
im wachen Alltagsgrau.

Der Sehnsucht wachsen Flügel.
Im Traum gelingt die Flucht.
Ich fliege über Hügel ...,
doch dann zerbricht der Spiegel
der alten Stund' mit Wucht.

Ich öffne meine Lider
und lande ach so hart
und ohne ein Gefieder
- mir ist es so zuwider -
im Knast der Gegenwart ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 25. August 2012

Treibgut

Treibe mich, du Fluss des Lebens!
Keine Stunde sei vergebens,
kein Moment sei je bereut.
Alles sei dem Sinn geweiht.

Trage mich auf deinen Wogen.
Tag und Nacht sei'n aufgesogen.
Jede Welle atme ich
ein und wieg' sie innerlich.

Führe mich auf deinen Strömen.
Lass' mich für das eine schämen
und mich für das andre freu'n.
Lass mich einfach schweigend sein.

Halte mich auf deinen Strudeln.
Ich will innigst mich besudeln
mit dem Bann des kurzen Seins,
wohlwissend: ich hab' nur eins.

Treibe mich, mein Fluss, und wisse,
ich bewahre die Genüsse,
die ich auf dem Grunde find',
dort, wo all die Schätze sind ...

(c) Bettina Lichtner

Bergwanderung

Auch wenn man der Seele die Freude entriss,
es geht wieder aufwärts, da sei dir gewiss.
Auch mir lag ein Schatten auf kindlicher Brust,
doch niemals entriss er die lachende Lust.

Mag 's Tal noch so tief sein und mühsam der Pfad,
vertrau' auf die innere heilende Saat.
Es wird wieder blüh'n, was zum Welken verdammt,
die glimmende Glut wird erneut dir entflammt.

Kein Berg kann zu hoch sein, es nicht zu probier'n,
ihn doch zu besteigen und oben zu spür'n,
wie leicht doch des Atems so friedlicher Zug
uns ohne zu Zögern ins Sonnenlicht trug.

Die Schritte, die du ganz alleine geschafft,
aus kämpfender, wollender, eigener Kraft,
sie tragen dich weiter, kann kommen was will,
und geht 's wieder abwärts, halt' ein und sei still.

Und lausche nach innen, den Berg im Visier.
Erklimm' ihn und schließe und öffne die Tür.
Es ist ja des Lebens nie ändernde Lauf:
Mal geht es bergab, doch zum Glück auch bergauf.

(c) Bettina Lichtner

Lebenslänglich

Ich will das Eisen zerschmelzen,
will durch die Stäbe ins Freie entweichen,
mich in der Lebenslust wälzen,
doch die verschlossenen Tage verstreichen ...

Ich will mehr Raum zum Entfalten,
will keine Runden im Käfig mehr drehen,
will auch darin nicht veralten,
sondern die Welt mir dahinter besehen ...

Ich will dem Herrgott erzählen,
dass meinen Weg keine Träume begleiten,
will einen anderen wählen,
ach, wenn es ginge, was würd 's mir bedeuten ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 24. August 2012

Zimmernachbar

Kleine bunte Seelenfreuden,
Euch kann ich so gerne leiden,
will mit Euch den Blick bekleiden,
ach, wer würd' mir jenes neiden ...

Euer ach so zartes Wesen,
lässt die Trübsal mir genesen,
und im Geiste fegt der Besen
fort verstaubte Hypothesen.

Wie Ihr mir so lieblich schauet,
dass es mir vor nichts mehr grauet,
dass es mich sogleich erbauet
und vereiste Sinne tauet.

So zerbrechlich, Euer Leben.
Will Euch in Gedanken weben,
will Euch in die Träume kleben,
lass' Euch träumend weiter schweben.

Ach, Ihr Blümchen, Ihr verehrten,
farbig schöne, so begehrten,
kurzzeitige Weggefährten,
in der Vase eingesperrten,

duftend scheue Zeitgenossen!
Hab' Euch fürsorglich begossen,
doch weil alle Zeiten flossen,
habt Ihr 's Äugelein geschlossen.

(c) Bettina Lichtner

Vater des Gedankens

In einer lauen Mondscheinnacht
der jugendlichen Stunde,
da ward ein Wunsch hervorgebracht
in bunter und gedachter Pracht
und löste sich vom Munde.

Es zog ihn fort vom Areal
der vagen Illusionen.
Bald sah er im verwunschnen Tal:
der Wunsch ist in der Überzahl,
dort, wo auch Herzen wohnen.

Der Wunsch zog weiter, Jahr um Jahr.
Es drängte ihn zum Leben.
Doch weil er ein Gespinst nur war
als Kind vom jungen Mondscheinpaar,
war 's schwer mit dem Bestreben.

Er gab nicht auf und wurde alt
und kam dem Ende näher.
"Ich armer Wunsch, bin ohne Halt,
denn die mich wünschende Gestalt
ist längst ein Gottesspäher."

So wurde er museumsreif
fern jeglicher Erfüllung.
Ach, wenn ich nach den Sternen greif',
dann ist mein Wunsch ja nur ein Schweif
gedanklicher Enthüllung ...

(c) Bettina Lichtner

Verborgene Welten

Hebt Euch, Ihr Dächer, von allen Gemäuern!
Zeigt, was Ihr täglich und nächtlich versteckt.
Sollt ja nicht länger das Treiben verschleiern,
das sich mit Steinen und Mörtel bedeckt.

Decket sie auf, all die Menschengelüste,
all ihre Schatten im trügenden Licht.
Zeigt, wie die Zeit die Vergänglichkeit küsste,
und wie die Liebe am Hasse zerbricht.

Ich will sie seh'n, all die schneeweißen Westen.
Zeiget mir den, der noch keinerlei Fleck!
Möchte so gern seine Ehrlichkeit testen.
Holte die Lüge aus ihrem Versteck.

Machet sie laut, all die lautlosen Schläge,
die hinter Wänden die Seelen zerstör'n.
Öffnet die lieblosen Eheverträge
derer, die ewige Treue sich schwör'n.

Lasst sie heraus, die verbitterten Tränen,
dass sie sich sammeln im offenen Meer.
Lasst mich belauschen das Schmieden von Plänen
(wenn ich doch nimmer ein Schmiedender wär' ...).

Hebet Euch hoch, dass das lauernde Schöne
sich aus beengten Gewändern befreit,
dass es die Leiber und Leben verwöhne,
und sie erlöse vom heimlichen Leid.

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 23. August 2012

Freundin fürs Leben

Die ungestüme Heimatlust
schlägt nimmer rastend in der Brust,
trägt fort mein Herz durch Wald und Flur,
und bleibt getreu in meiner Spur.

Sie ruhet nicht, solang ich leb'.
Ob ich nun vorwärts, rückwärts streb',
sie schenkt mir stets ihr Wohlgefühl
in diesem unbekannten Spiel.

Ermahnend ruft ihr wildes Blut:
"Wenn einer eine Reise tut,
dann lasse ich ihn nie im Stich,
ob er nun hetzte oder schlich,

ob er in goldnen Talern schwimmt,
sich eine Alltagsauszeit nimmt,
ob er als arme Kirchenmaus
sich sehnt nach einem warmen Haus,

ob etwas an der Seele frisst -
wo immer auch dein Atem ist,
da bin auch ich mit dir vereint.
Ich bin die Heimat dir, mein Freund."

(c) Bettina Lichtner

Schattenlicht

Ein rabenschwarzes Federvieh
kam urplötzlich ums Eck,
versetzte einen Schreck,
dass ich sogleich um Hilfe schrie.

Der Vogel stört die Harmonie.
"So flieg doch endlich weg,
du dunkler Schattenfleck!"
Da bat er, dass ich's Ohr ihm lieh:

"Jetzt lausche doch, was ich dir sag:
Ich bin der Seele Glück,
auch wenn man meiner schimpfen mag,

doch ich verschärf' den Blick.
Ich bin dein rabenschwarzer Tag
und folge dir ein Stück ..."

(c) Bettina Lichtner

Der Freund in der Mitte

Liegt erst die sterbliche Hülle im Schrein,
ist es zu spät für ein lieblich' Gebaren.
Denn der die Grabesstätt' schmückende Stein,
kann keine wärmende Schulter mehr sein,
kann nicht mal Stimme und Anblick bewahren.

Dieser Granit, den ein Namenszug ziert,
bleibt ja so kalt, wenn die Hände drauf gleiten.
Wenn eine Träne den Felsblock berührt,
ist da kein Herz, das die Zärtlichkeit spürt,
nicht so wie einst zu lebendigen Zeiten.

Wenn ich ihn küsse, verharrt er ganz stumm.
Und meine Lippen ertrinken in Trauer.
Einzig der Biene so muntres Gesumm,
dreht meine welkende Freude herum,
und zeigt das Blühen mir hinter der Mauer.

Und in Gedanken erwachen ganz scheu
all die verloren gegangenen Rosen.
Und die versteinerte Seele kommt frei,
dass sie kein lastender Klumpen mehr sei,
der es mir nähme, den Tod zu liebkosen ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 22. August 2012

Erdmännchens' Traum

Wenn doch der Himmel mir Flügel vermachte,
wenn mich kein Wächter der Zeiten bewachte,
ich gäb' die Freiheit ja nimmermehr her,
wenn ich beflügelt und zeitenlos wär'.

Niemals mehr ließ ich mich fesseln und pferchen,
ich säng' Duette mit Drosseln und Lerchen,
mich zög' es irgendwo, nirgendwo hin,
wenn ich entfesselt und vogelfrei bin.

Raus aus dem Käfig und rein in die Träume,
nie mehr zurück in gemauerte Heime,
werd' meiner Hoffnung noch lange nicht müd',
dass es mich träumend der Heimat entzieht.

Schau' in die Weiten der blauen Oase,
blicke hinauf und es schnuppert die Nase
kurz an der Freiheit, die über mir strahlt,
bis sie mir blauäugig Traumbilder malt ...

(c) Bettina Lichtner

Himmlischer Gast

Einen Engel sah ich treiben
auf des Flusses Wellengang,
und ich will ihm Zeilen schreiben,
dass ich ihn mit Worten fang.

Sein Gefieder ist so reinlich,
wie 's der Mensch ja nimmer trägt.
Und sein Herz ist augenscheinlich
nur von Leichtigkeit geprägt.

In den Tiefen seines Blickes
sehe ich, was ich gern hätt':
einen Tropfen reinen Glückes
für ein himmlisches Duett.

Seine anmutige Würde
und sein würdevoller Stolz,
sind so fern von jeder Bürde,
dass mir gleich das Schwere schmolz.

Ach, ich möchte mich verneigen
vor dem stillen Federkleid.
Selbst der Fluss verharrt in Schweigen
in dem lauten Strom der Zeit ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 21. August 2012

Kleines großes Leben

Du mein Kinde, sei nicht bange!
Stets werd' ich dein Anker sein.
Ich begleite dich so lange,
bis der Tod küsst meine Wange,
dann erst lass' ich dich allein.

Auch wenn du auf eig'nen Wegen
deine Welt erkunden wirst,
irgendwo bin ich zugegen,
um den Arm um dich zu legen,
dass du meine Nähe spürst.

Denk' dich mir in allen Dingen,
die auf deinen Pfaden sind.
Sei 's in Glocken, die erklingen,
in dem Hauch der Vogelschwingen -
ich bin da, geliebtes Kind.

Selbst wenn ich zum Herrgott müsste,
wenn er holte mich an Bord,
ich bleib' deine Seelenküste.
Auch wenn ich dich sehr vermisste,
ging ich dir ja nimmer fort ...

(c) Bettina Lichtner

Kinderglück

Einstmals trugst du mich zur Höhe,
weit hinauf zum Himmelsdach.
Wenn ich dich so vor mir sehe,
wird die Kindheit wieder wach ...

Und ich hör' mich herzhaft lachen,
fühl' den Brust- und Rückenwind.
Ach, und abermals entfachen
Zeiten, die vorüber sind ...

Wie sich meine Sinne weiden
an dem fernen Schaukelritt.
Aber alles musste scheiden,
weil ich alternd vorwärts schritt ...

(c) Bettina Lichtner

One apple a day



Der Apfel sieht mir purpurrot
verführerisch entgegen.
Er kommt mir sehr gelegen
und krönt mir heut' das Abendbrot.

Was für ein süßes Bild er bot.
Gleich werd' ich ihn bewegen,
mir in den Kiefer legen -
mein Hunger ist des Apfels' Tod.

"Du kugelrunder Obst-Geselle,
ich werde dich verspeisen,
und zwar gleich hier und auf der Stelle.

Du wirst ins Innre reisen,
und die zermalmte Apfelzelle
wird durch den Kreislauf kreisen."


(c) Bettina Lichtner

Montag, 20. August 2012

Zaunkönig

Auf, Natur! So blühe, lebe!
Wachse durch die Gitterstäbe!
Zeig den Zäunen deine Mächte!
Nutze deine Wachstumsrechte!
Schlängel dich um Eisenstangen!
Löse dich aus Vorhang-Zangen!
Du bist frei, nichts kann dich halten.
Zäune stammen von Gestalten,
die ihr Habgut fest umklammern
und am Schluss des Daseins jammern,
weil ihr kleines, kleines Leben
- eingeengt von Gitterstäben -
unerwartet ging zur Neige.
Wachs, Natur, durch Eisenzweige ...

(c) Bettina Lichtner

Glühwürmchen

PUH, welch eine Sommerhitze!
Gut, dass ich im Planschbad sitze
und mich vor dem Kollaps schütze,
der mir drohte, denn ich schwitze.
Doch die kühle Wasserspritze,
die ist spitze.

Sonne brennt mir rote Stellen.
Ach, sie wird die Haut mir pellen.
Träume von karibisch' Wellen
und beneide die Forellen.
Möchte meine Körperzellen
schattig stellen.

Gradzahl steigt im Thermometer.
Freut den Sonnenstrahlanbeter.
Bräunt gar jeden Zentimeter.
Anderswo hört man Gezeter
von dem Regenfreundvertreter.
Manometer.

Schön die Sonnencreme verschmieren,
statt die Haut zu ruinieren.
Sonnenbade gut dosieren.
Braungebrannt herumstolzieren,
sich im Eiscafé platzieren
und dinieren.

Sonnenbrille nicht vergessen.
Shorts und Shirts sind angemessen.
Zwischendurch was Leichtes essen.
Für den Saft Orangen pressen,
und von Bayern bis nach Hessen:
Kühlkompressen.

Nach der kalten Winterphase
nun die schwülen Treibhausgase.
Oh, welch hitzige Ekstase.
Sommerluft in meiner Nase.
Bald schon platzt die heiße Phrase
wie 'ne Blase.

Darum den Moment genießen,
eh die Regengüsse fließen.
Ach, wenn Stunden mich verließen,
werde ich die schönen süßen
immerfort im Geiste gießen,
dass sie sprießen ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 19. August 2012

Zu viel des Guten

Ach, du reife Pomme de terre!
Wenn ich doch ein Zaubrer wär',
schickte ich dich kurzerhand
in ein nahrungsarmes Land.

Auch den ganzen Überschuss
und den Wohlstandsüberfluss,
der sich durch den Reichtum zwängt,
hätte ich dorthin gelenkt.

Wie es mir das Herz entzweit,
dass ein Kind vor Hunger schreit,
dass ihm eine Träne läuft
und man hier im Gold ersäuft.

Diese Wegwerf-Prozedur
in der feinen Esskultur,
dieser halb geleerte Krug,
sind mir wahrlich jetzt genug!

Erst, wenn 's Weihnachtsfeste naht
läuft der Spendenapparat.
Und ansonsten? Suff und Fraß
wie gehabt im Übermaß.

"Armes Kind, wärst auch gern satt.
Hier, wo 's volle Tische hat,
hier regiert die bloße Gier.
Armes Kind, verzeihe mir ....

Dass ich nichts zu ändern weiß.
Dass die ganze gute Speis',
die das Leben dir erhielt',
faulend jetzt das Leben stiehlt."

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 18. August 2012

Schalentier

Hinter der zarten zerbrechlichen Wand
äugelt ein Wunder dem Leben entgegen.
Und meine Neugier erwartet gebannt,
wer wohl alsbald seine Flügelein spannt,
um seine Zeit in die Waage zu legen.

Sacht wächst heran, was noch keiner erahnt.
Wann wird sie sein, die gebärende Stunde?
Wer mag es sein, der die Schritte sich bahnt?
Muss mich gedulden, jedoch, ach, mir schwant,
niemand erwartet wie ich diese Kunde.

Bin so erpicht, was die Schale verbirgt.
Mal' die Figur mir in tausenden Farben.
Wird sie vom Lasso des Alltags erwürgt?
Hat sie am Ende auch Freude erwirkt?
Bleiben der Seele gar hässliche Narben?

Keiner vermag ja im Umfeld zu seh'n,
wie sich das Wunder der Schale entwickelt.
Sicher ist nur, es wird alles vergeh'n.
Sicher ist auch, es bleibt gar nichts besteh'n.
Und die Erinnerung wird uns zerstückelt.

(c) Bettina Lichtner

In vollen Zügen

Ein Zuggespann fährt durch die Welt,
und jedesmal, wenn jenes hält,
sagt es Adieu, sagt es Hallo,
und fährt dann weiter durchs Plateau.

Mal bummelt es durchs Talgebiet,
mal scheint es so, als ob es flieht,
derweil die Gästeliste litt
und sich um beste Plätze stritt.

Der eine will den Fensterblick,
dem nächsten zieht es im Genick,
weil irgendeine Tür nicht schließt
und das hat ihm die Fahrt vermiest.

Der dritte will nicht lange steh'n,
der vierte übt das Augendreh'n,
weil Nummer fünf sich g'rad beschwert,
da Sechs zu laut Musike hört.

Kaum wer, der seine Tour bewusst,
mit inbrünstiger Reiselust
genießt, bis plötzlich - welche List -
die Lebensfahrt zu Ende ist ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 17. August 2012

Sommerfunkeln

Ein blütenreiner Diamant,
geboren aus dem Muttersand,
ein Kind des seichten Bodendrecks,
so zeigt sich mir das Erdgewächs.

Ein Antlitz ohne Maskenspiel,
ein Angesicht auf zartem Stiel,
ein Anblick, der dem Bösen fern,
erblühte aus dem Samenkern.

Dass er so wundervoll gedieh,
lag an der Wolkenmelodie,
die tränkend in das Erdreich drang,
so dass der holde Wuchs gelang.

Lag an der Sonnensinfonie,
die wärmend schon in aller Früh
dem Trieb den Weg ins Leben wies,
so dass ihn seine Scheu verließ.

Du Blümelein, dir gilt mein Dank!
Wie oft ich schwelgend doch versank
in deinem wahren, reinen Schein.
Kein Mensch kann je dir eben sein ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 16. August 2012

Jungfernflug

Die Schwingen sind kräftig genug,
nun kann sie das Loslassen wagen.
Nach all den behüteten Tagen:
der jungfräulich-mutige Flug.

Zurück bleibt das kindliche Nest,
es hat seine Dienste erwiesen,
und wird noch Jahrzehnte gepriesen,
jetzt hängt es im Stammbaum-Geäst.

Die flügge gewordene Brut
zieht 's raus in die lauernden Stürme,
zieht 's heim unter rettende Schirme
bei allzu bedrohlicher Flut.

Der Freiheit so süßer Geruch
lockt fort von gefüllten Gedecken.
(Die Fluglahmen lassen sich wecken
mit einem beflügelten Spruch!)

Bald flattern sie überall hin.
So geht es seit Menschengedenken.
Wir alle, wir fliegen und lenken
uns täglich zu neuem Beginn.

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 15. August 2012

Übergepäck

Das Glück haust in winzigen Zellen,
es braucht keinen goldnen Palast.
Mal seh' ich 's im Flug der Libellen,
mal schmeck' ich 's in süßen Kamellen,
und ahne es unterm Ballast.

Ich musste es schöpfen und sieben
aus schlammigem stinkenden Geist.
Nach etlichem mühsamen Üben
ist endlich ein Funkeln geblieben
und hat meinen Frohsinn gespeist.

Wie nichtig das sinnlose Horten
gekaufter Momente doch ist.
Der Wert von beglückenden Worten,
die Schönheit von wildfremden Orten,
das ist 's, was die Seele mir küsst.

Fernab aller Kletten und Ketten
vermag ich das Leben zu seh'n,
vermag ich mich selber zu retten,
und staune an blühnenden Stätten,
wie langsam die Zeiger sich dreh'n.

Es ist mir das sehnlichste Ziele,
zu reisen mit wenig Gepäck.
Mal raus aus der quetschenden Mühle ...
Und wenn meine Maske noch fiele,
wer käme wohl aus dem Versteck???

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 14. August 2012

Kuss des Morgens

Morgenröte, oh du Schöne,
wie du mir den Tag servierst!
Wie du die Natur kreierst!
Wie ich mich nach dir so sehne ...

Diese unbefleckten Löhne,
die du um mein Sein drapierst
und so wohlwollend dosierst,
sind mir eine Seelenlehne.

Göttlich holdes Bild,
das des morgens mich berührte,
bis das Herz mir quillt.

Dem mein ganzer Dank gebührte,
weil 's in Ruh mich hüllt
und mein Innres umformierte.

(c) Bettina Lichtner

Montag, 13. August 2012

Heiße Luft

Mit Wünschen und Träumen gefüllte Ballons
fliegen hinauf zu den Sternen.
Schauen wie tausende süße Bonbons,
die sich allmählich entfernen.

Schweben zum Mond in das Dunkel der Nacht,
folg' ihren Bahnen noch lange.
Und in dem Schwarzen verschwinden sie sacht,
lautlos. Kein einziger Klange.

Kehren ja nimmer zur Erde zurück,
waren nur kurzes Vergnügen.
Mit einem letzten verbleibenden Blick
muss sich die Seele begnügen.

Wünsche und Träume im Milchstraßenfeld -
ob sie sich jemals erfüllen?
Kann wohl das himmlische finstere Zelt
all die Begehrlichkeit stillen?

Oder zerplatzen die ganzen Bonbons,
die in Gedanken entstanden?
Würde nur einer von tausend Ballons
in deinem Herzgebiet landen ...

(c) Bettina Lichtner

Treibender



Da sitzt ein Wer

im Menschenmeer

und wirkt so leer,

nichts hängt ihm quer.

Kein Sorgenheer,

kein Angstverkehr.

Ich lob ihn sehr,

und ach, ich wär'

so gern wie er ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 12. August 2012

Netzfalle

Bei Tische entdecke ich Dinge,
die mir der Computer verwehrt.
Ich habe gespürt und gehört,
was mir durch das Netzwerk entginge.

Ich lache und rede und singe.
Gefühle gleich vielfach vermehrt!
Dein Händedruck hat mich betört,
dass ich rosa-wolkengleich schwinge.

Leibhaftiger Freund!
Kein Internet kann dich ersetzen,
weil 's trügerisch scheint.

Man kann keine Seele vernetzen.
Weh dem, der es meint!
Der wird eben jene verletzen.

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 11. August 2012

Schattenbild

Irgendwer hält meine Zügel.
Irgendwer lenkt meinen Fuß.
Irgendwer trägt meine Flügel.
Schickte gerne einen Gruß.

Irgendwer schenkt meinem Blicke
all die Schönheit der Natur,
und wacht über mein Geschicke
und dreht leise an der Uhr.

Irgendwer verleiht mir Kräfte,
um gestärkt ins Feld zu zieh'n.
Tränkt die müden Lebenssäfte
mir mit neuen Energien.

Irgendwer kennt meine Wege,
kennt den Start und auch das Ziel.
Wo ich mich auch hinbewege,
irgendwer regiert mein Spiel.

Irgendwer entzündet Lichter,
wenn die Nacht nicht weichen will.
Meine anderen Gesichter
duldet irgendwer ganz still.

Irgendwer in meiner Nähe
führt mich sicher an der Hand.
Wenn ich doch nur einmal sähe,
wer mir Hafen ist und Strand ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 10. August 2012

Sturzflug

Das Gläschen in Ehren,
es will mich bekehren
und mahnt mich zu achtvollen Zügen.
Ich will nicht drauf hören
und möchte es leeren,
und mich in Glückseligkeit wiegen.

Der güldene Tropfen
aus flüssigem Hopfen
rinnt kühl durch die durstige Kehle.
Er ist mir ein Stopfen,
willkommener Pfropfen
für meine durchlöcherte Seele.

In dunkler Spelunke
genieß ich den Trunke
und will von den Folgen nichts wissen.
Der innre Halunke
quakt wie eine Unke:
"Am Morgen, da geht 's dir besch....!"

Bald singe ich Lieder,
doch ach, meine Glieder,
sie tanzen verrückt aus der Reihe.
Schon falle ich nieder
und fange mich wieder
und sehe die Menschen mal dreie.

Es dreht sich mein Geiste,
und während er kreiste,
da kam mir mein Magen entgegen.
Das, was ich verspeiste,
was rückwärts nun reiste,
liegt nicht definierbar auf Wegen.

Ich möchte noch plauschen,
doch Buchstaben tauschen
die Stellung in Worten und Sätzen.
Verfluchtes Berauschen!
Mir selber zu lauschen,
ist wahrlich das blanke Entsetzen.

Da hör ich 's von innen:
"Kannst du dich entsinnen?
Ich warnte dich vor den Gelagen!
Nun torkel von hinnen,
und draußen wie drinnen
musst du dich nun selber ertragen."

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 9. August 2012

Blühende Tränen

Blühende Tränen mit Wurzeln und Trieben
tränken im Sommer die Gräber der Lieben,
wachsen hinunter zur leblosen Hand,
knüpfen zur Sonne ein lebendes Band.

Wenn ich sie fasse, dann kann ich dich spüren,
kann dich in sämtliche Sinne entführen.
Süßlicher Blüte so lieblicher Duft
gleicht einem Kuss aus der finsteren Gruft.

Bunt ist die Farbe erinnernder Stunden.
Hab' dich in jedweder Knospe gefunden.
Pflücke dich ab und verpflanz' dich ins Herz,
dass er verblüht, der erkeimende Schmerz.

Kurz ist der Sommer, bald werden sie welken,
all diese weinenden, blühenden Nelken.
Pflanze sie ein in mein geistiges Beet,
dass deine Nähe mir nimmer vergeht.

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 8. August 2012

Gestern wie heut'

Wen zeigt mir nur mein Spiegelbild?
Wer ist es, dem ich schau?
Wer hat das Kind in mir verhüllt?
Wer ist die alte Frau?

Wo ist er hin, der junge Witz?
Wer stahl die glatte Haut?
Mir scheint, die Zeit war nur ein Blitz
und schon bin ich ergraut.

Da flüstert mir der Spiegelschalk:
"Sieh doch genauer hin!
Schon sind die Falten und der Kalk
dein zeitlicher Gewinn.

Die Jugend ging, das Alter kam -
es trifft die ganze Welt.
Was gestern flott, ist morgen lahm.
Weh dem, der sich verstellt!

Was wird, vergeht und blühet fort
in Wort, in Bild und Tat.
Wir wechseln irgendwann den Ort,
doch niemals welkt die Saat.

Das Kind in dir, das du vermisst,
es wartet nur auf dich.
Wer du einst warst und wer du bist,
sieh doch: das spiegel ich ..."

(c) Bettina Lichtner


Montag, 6. August 2012

Ruf der Freiheit

Die Freiheit ging flöten.
Jetzt ruft sie in Nöten:
"Zu Hilfe! Wer kann mich befreien?
Die Haft droht mein Herz zu entzweien.

Gesetze und Pflichten
und Alltagsgeschichten,
sie brachten mich leis' hinter Gittern,
und ließen mich langsam verbittern.

Die rasenden Jahre,
das Jagen nach Ware -
aus all diesen geißelnden Ketten,
vermag ich mich nicht mehr zu retten.

Die Gier frisst die Seelen.
Schau, wie sie sich quälen!
Wir haben einander verloren.
Nun brennen die Herzen und schmoren.

In stählernen Streben
verkümmert mein Leben.
Ach, schmissen sie all die Moneten
doch endlich von diesem Planeten.

Dann käme ich wieder
und risse ihn nieder,
den Käfig, der mich so beengte,
auf dass er mich nimmermehr kränkte."

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 5. August 2012

Ein einziger Flug

Die Wurzeln verlassen, die Flügel gespreizt,
von Winden auf Händen getragen,
von Neugier und Wagnis im tiefsten gereizt,
so will ich ins Leben mich wagen.

Ein Schweben, ein Gleiten, ein sinnlicher Flug,
ein schauendes, staunendes Reisen.
Ein hungriger Biss und ein kräftiger Zug
von lauten Momenten und leisen.

Vorbei an den Jahren, der Stunde, dem Tag,
an einzelnen kurzen Sekunden.
Was beidseitig neben der Zeitenbahn lag,
hat Körper und Seele verbunden.

Mal Himmel, mal Erde, mal Sonne, mal Mond,
mal Ebbe und dann in den Fluten.
Ein Flug, der zu starten und landen sich lohnt,
ein ständiges Schleichen und Sputen ...

(c) Bettina Lichtner

Zeit ist alles

Wenn ich mich zur Schnecke
recke,
dann entdecke
ich den wahren Lebenszwecke.

Es ist diese leise
Reise.
Schaut so weise
in der hektikfreien Schneise.

Keine schweren Fuhren-
Touren.
Ihre Spuren
sind so fern von allen Uhren.

Als ich ihre Meile
teile
(eine Weile)
ist die Seele mein so heile.

Würd' die Ruh' sich fassen
lassen,
in den Gassen
schlichen auch die Menschenmassen.

Zügel meine Gänge.
Zwänge,
Lärm und Enge
tausch' ich gegen stille Klänge ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 3. August 2012

Kam ein Lächeln geflogen

Denkt nur, ich habe ein Lächeln geseh'n,
weiß nicht mal, wem es gehörte.
Trieb mir die Röte von Kopf zu den Zeh'n,
ach und mein Herz liegt in flehenden Weh'n,
wüsste gern, wer mich betörte.

's war so ein süßlicher zärtlicher Mund,
der mich von weitem verführte.
Ich war getroffen im innersten Grund,
und es erschien mir für eine Sekund',
dass ich den Himmel berührte.

Magischer Traum, der kein Ende mehr kennt,
ewiglich wird er mir bleiben;
der mich verglühte und immer noch brennt.
Wer da den lächelnden Absender kennt,
möge den Namen mir schreiben ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 2. August 2012

Nachtleben

Gütiger Himmel, dein nächtlicher Schein
lädt mich zum Träumen und Stillhalten ein,
lässt mich geborgen und sorgenfrei sein,
und trägt ein Licht in die Seele hinein.

Selige Ruhe umgibt mein Gemüt.
Alles, was welkend schien, keimt und erblüht.
In mir erklingt trautes kindliches Lied,
während das Gestern dem Auge entflieht.

All meine Tagträume kriechen hervor,
schweben zum zärtlichen Mondlicht empor.
Und der Libellen so wohliger Chor
schmeichelt in lauschiger Stunde dem Ohr.

Leuchtende Sterne - ihr funkelndes Gold,
die ihr ja niemals verglühen mir sollt,
immer und immer erstrahlt ihr so hold,
euch zu umarmen ..... hätt's gerne gewollt.

Schimmernde Lichter auf finsterem Feld
haben das Herze mir friedlich gestellt,
haben die düsteren Ecken erhellt.
Wie mir das himmlische Nachtspiel gefällt ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 1. August 2012

Zwischenraum

Zwischen den Zeilen der Blättergeschichten
spiegelt das Leben die wahren Facetten.
Dort, wo sich Äste und Sträucher verdichten,
lässt sich mitunter Verborgenes sichten
und mit dem Auge harmonisch verketten.

Unter den Häuten der blühenden Prachten
lädt ein pulsierender Schatten zum Staunen.
Das, was die meisten nur selten beachten,
will ich in gänzlicher Fülle betrachten,
sehr zur Verzückung verworrener Launen.

Tief in den kühlen und finsteren Gründen
treffen sich Wesen vergessener Arten.
Lassen sich nurmehr mit Achtsamkeit finden,
doch weil die Menschen für Schatten erblinden,
werden sie lang' auf die Lichtblicke warten.

Innig verbunden sind sämtliche Leben,
nichts trennt einander vom glücklichen Weilen.
Alle begehren ein heiteres Streben.
Schatten und Licht woll'n sich zärtlich verweben.
Ach, diese Dinge steh'n zwischen den Zeilen ...

(c) Bettina Lichtner

Alles oder nichts

Der Überfluss fließt durch die Welt,
in ihm ertrinkt das liebe Geld,
in ihm ersäuft die schöne Zeit
und letztlich die Zufriedenheit.

Ein Strom, der reissend vorwärts treibt,
der Gier und Neid sich einverleibt,
der tausendfach die Liebe frisst,
bis man in ihm verloren ist.

Die Wellen ziehen uns hinein
in einen trügerischen Schein,
in eine wilde Flusslaufbahn
und nagen noch am Zeitenzahn.

Wir schwimmen im Konsümerboot
im Gütersee in schwerer Not.
Wir gehen unter, tauchen auf
und schreien hilferufend "KAUF!".

Nichts andres scheint uns mehr im Sinn.
Kein Glück, kein Lächeln. Nur Gewinn.
Der Überfluss reisst uns ins Meer
und zieht das Leid gleich hinterher.

Uns dürstet es nach heiler Welt,
doch unser Hunger gilt dem Geld;
nur ... das alleine macht nicht satt.
Und dann verdursten wir im Watt ...

(c) Bettina Lichtner