Sonntag, 30. September 2012

Falsch geguckt

Die Seele ist ein Baugebiet
mit Löchern und mit Rissen.
An jedem Tag bin ich bemüht,
das Fahnenweiß zu hissen.

Doch kaum hab' ich ein Leck gestopft,
da zeigt sich mir ein Neues.
Aus baufälligem Herzen tropft
ein Liebesglück, ein scheues.

Ein Sorgenberg und eine Kluft,
in der das Böse lauert.
Ich ringe schweißgetränkt nach Luft
und fühl' mich eingemauert.

Das Seelenhaus ist ruinös.
Es braucht erfahr'ne Hände.
Schon wird der gute Geist nervös.
Er fürchtet eine Wende.

"Sei deines Glückes eigner Schmied!
Du selber bist dein Meister!
Das ist ein wohlbekanntes Lied.
Sein Ton ein Seelenkleister!

Ein Leck, ein Riss - so ist es halt.
Die Zeit wird alles flicken.
Es ist der Preis, den man bezahlt
für Blicke, die verrücken.

Die Außensicht ist oft verstellt
durch zu viel graue Wände,
dann lodern in der Innenwelt
bald unlöschbare Brände.

Es brechen alte Krusten auf
und warten auf Sanierung.
Der weit verzweigte Lebenslauf
birgt manche Renovierung.

Doch nur, wer in die Hände spuckt
besiegt die vielen Hügel.
Wer sich dagegen stetig duckt,
dem wachsen niemals Flügel."

(c) Bettina Lichtner

Die Zeit in meinen Händen

Der starke Sturm lockt 's innre Kind
hinaus ins Tal der Zeiten.
Auch die Gedanken, die da sind,
holt sich der herbstlich wilde Wind
und lässt sie himmlisch gleiten.

Er setzt sie auf die Drachenhaut
und wirbelt sie nach oben.
Schon ist das Herz mir aufgetaut,
und kindlich hab ich mir beschaut,
wie Sturm und Drachen toben.

Ich halt das Band in meiner Hand
und lache so wie früher.
Doch Gott ruft mir aus seinem Land:
"Genieß es nur! Dir ist bekannt:
ICH bin der Strippenzieher!"

"Ich weiß es ja!", entgegne ich,
"lass mich noch einmal spielen.
Ein einzig Mal nur drängt es mich
(eh alles Leben von mir wich),
mich wie ein Kind zu fühlen!"

Ich halte an der Drachenschnur
das Gestern in den Händen.
Ich halte meine Lebensuhr.
Ich halt' die alte Kinderspur
in stürmischen Geländen.

"Komm her, du Sturm! Mein Drachen will
noch einmal mit dir schweben."
Es braust und weht wie im April.
Dann reißt das Band und es wird still
und Gott nimmt sich mein Leben ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 29. September 2012

Wechselkurs

Leise färben sich die Blätter,
und das Laub löst sich vom Ast.
Langsam ändert sich das Wetter
und des Sommers Glanz verblasst.

Alles scheint mir gar so gülden,
wenn der Herbst die Welt berührt,
und mit seinen ach so milden
Farben jeden Baum verziert.

Was im Frühling noch ganz schüchtern
und so zart in Blüte stand,
strahlet bald in goldnen Lichtern,
wie ich 's nur im Schlosse fand.

Herbstwind lässt die Blätter tanzen.
Himmel malt ein fades Grau,
möchte mir ein Abbild stanzen
von der wandelbaren Schau.

Dunkelheit nagt an den Stunden,
frisst das Taglicht sachte auf.
Jahreszeit nimmt unumwunden
ihren immer steten Lauf.

Morgentau ruht auf den Feldern,
und ich spür den kühlen Hauch.
Bronzezeit herrscht in den Wäldern,
und es färbt sich jeder Strauch.

Was ich pflegte, was ich säte,
reift heran und nähret mich.
Oh, welch kostbare, so späte
Gabe, seit der Sommer wich.

Doch ihm hab ich 's zu verdanken,
dass die Speisen mir gedieh'n.
Nun seh' ich die vollen Ranken,
und den Sommer seh' ich flieh'n.

Die Natur deckt uns die Tische,
reife Frucht lockt zum Genuss.
Herrlich mundet ja die frische
Ernte mir im Überfluss.

Schick' ein Dankwort, schicke Grüße
für die Zeit, die bald vorbei.
Es war eine schöne süße
und verliebte Turtelei.

Vielleicht sehen wir uns wieder,
wenn der Herrgott es erlaubt,
wenn er bis zum nächsten Flieder-
wuchs mir nicht das Leben raubt.

Und so lockt der Herbst mich kecke
in sein stürmisches Revier.
Und ich staune und ich recke
mich nach seiner bunten Zier.

"Nimm mich mit auf deine Reise,
Herbst, dass mir gleich bebt die Brust.
Zeige mir auf deine Weise
Schönheit später Lebenslust.

Ich will von den Früchten naschen,
die du mir so reichlich gibst.
Stopf' die bunte Welt in Taschen,
dass du bis zum Frühling bliebst.

Zeig' mir deine ganzen Seiten,
will sie unverhüllet seh'n.
Ach, ihr treuen Jahreszeiten -
welch ein Kommen, welch ein Geh'n ..."

(c) Bettina Lichtner

Geliebt zu sein

Wirst du geliebt, ach wie bist du beschenkt!
Wenn da ein anderer lieb an dich denkt.
Wenn da ein Jemand im Herzen dich hält
und dich beschützt vor dem Unheil der Welt.
Welch Rendezvous!
Glücklicher, du!

Wenn dich wer trägt mit dem ganzen Ballast.
Wenn du nur einen dich Liebenden hast,
kleidet dich wahrlich des Königs' Gewand!
Krone und Zepter hältst du in der Hand
auf deinem Thron.
Reich ist der Lohn.

Öffnet ein Herz seine Tür nur für dich,
zeigt sich der Liebe so zärtlicher Strich.
Nichts kann da sein, was beglückender ist!
Dass du für einen so unschätzbar bist ...
Kostbares Gut!
Zieh' meinen Hut ...

Ist es ein Mensch oder ist es ein Tier?
Oder ist Gott gar der Herzkavalier?
Herzallerliebst ist für wen deine Haut.
Hast du ihm erst in die Augen geschaut,
wirst du versteh'n,
wem du so schön ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 28. September 2012

Ansichtssache

Die Sinne sind dem Schönen hold
und halten es für pures Gold,
doch ist der Glanz nur äußerlich.
Und Außen .... ist veränderlich!
Doch innen liegt das schöne Bild,
das keiner sieht, weil gut verhüllt.
Das keiner kennt, weil 's keiner sucht.
Man schaut nur, wie der Leib betucht.

Es nagt das Jahr am schönen Kleid
und nimmt ihm seine Herrlichkeit,
und stiehlt ihm Seide und Brokat
nach Glanz-und-Gloria-Spagat.
Doch, ob Ihr 's glaubet oder nicht:
voll Schönheit ist das Angesicht
der so vergänglichen Figur.
Doch ach .... das sieht ein Herz ja nur.

Das Auge liebt den Lug und Trug.
Es nährt sich aus dem schönen Krug,
den ihm der äußre Mantel reicht,
der Honig ihm ums Maul streicht.
Das Herz jedoch sieht in die Haut.
Es sieht auf das, was keiner schaut.
Es sieht die schöne Innenwelt,
die nicht der Zeit zum Opfer fällt.

Was ist schon schön? Es bleibt uns nicht.
Es flieht so schnell wie's Sonnenlicht.
Es ist ein Nebel. Nur ein Hauch,
in den ich meine Blicke tauch'.
Vergänglich ist die schöne Lust,
doch liegt mir Freude auf der Brust,
denn sie genoss das Schöne ja
und ist im Herzen ihm so nah ...

(c) Bettina Lichtner

Angekommen

Küss mich, mein Leben, ich flehe dich an!
Hab' dich gequält und vergessen.
Keinen Sekundenhauch dachte ich dran,
welch einen Schatz ich besessen ...

Oh du Geliebtes, verzeihe mir doch,
dass ich dich trat und verletzte.
Wie doch die Wehmut ins Herze mir kroch,
weil ich dich jagte und hetzte ...

Dass ich dich blindlings ins Nirgendwo schoss,
lässt mich so schamvoll versinken.
War mir zu stolz auf dem eilenden Ross,
von deinem Nektar zu trinken.

Du gabst die Hand mir an jedem Tag neu.
Ich ging dir feig' aus dem Wege.
Trotz alledem warst du immerzu treu,
ich ignorierte die Pflege.

Ach du mein Leben, nun hab' ich erkannt,
nun, da das Alter mich drängelt:
du warst die einzige ehrliche Hand
und hast mich nimmer gegängelt.

Halte mich fest in den Armen der Zeit.
Niemand erahnt ja, wie lange.
Dass du mir Freund bist, ich weiß es seit heut'.
Fort mit der geißelnden Zange ...

(c) Bettina Lichtner

Drehwurm

Extrarunde ...
Eine Fahrt im Karussell.
Wie ein kleines Kind sich fühlen.
Sich erinnern an die vielen
Tage, die ja doch so schnell
flohen Stund' um Stunde.

Extrarunde ...
Wenn bei süßem Mandelschmaus
und beim Zuckerwatteschlemmen,
dich Gedanken überschwemmen
an der Kindheit altes Haus
samt erlebter Stunde.

Extrarunde ...
Immer wieder Lose zieh'n.
Sich den Hauptgewinn erträumen.
Nicht nochmal das Glück versäumen.
Möge sie doch rasch entflieh'n,
nietenreiche Stunde.

Extrarunde ...
Einmal noch am Kirmesflair
und den Lebensspielereien
unbefangen sich erfreuen
und erhoffen, dass noch mehr
Leben füllt die Stunde.

Extrarunde?
Ach, im Lebenskarussell
hast du ja nur eine Reise.
Zeit dreht sich im Lebenskreise
immerfort und stets zu schnell.
Trostpreis oder Hauptgewinn?
Wird das Lebensspiel gelingen?
Jedoch eines soll es bringen:
Jeder finde seinen Sinn
im Genuss der Stunde ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 27. September 2012

Der Krieger in uns

Kleine Kriege allerorten!
Und sie kämpfen hart mit Worten.
Und im Geiste morden sie -
blutig ist die Fantasie ...

Und der gute Ton geht baden.
Langsam fall'n die Maskeraden.
Wie der Hass die Zunge lenkt ...
Dass der Geist nicht friedlich denkt ...

Bös' gewählte Einzelwörter!
Und die Fronten werden härter,
bis die faustgeballte Hand
drohend in der Gegend stand.

Zähne fletschen, Stimmen grollen.
Keinerlei Respekt mehr zollen.
Und die Gründe? Nichtig klein.
Was soll daran wichtig sein?

Aggressives Miteinander
bringt die Herzen auseinander,
bis ein Stein im Körper liegt,
und die Wut sich siegend wiegt.

Kriegsgebiete wo ich sehe.
Jeden Tag in nächster Nähe!
Wenn doch einer nur vergibt ...
Wenn das Herz doch endlich liebt ...

(c) Bettina Lichtner

( ) Ja ( ) Nein ( ) Vielleicht

Ein Opti- und ein Pessimist,
die saßen mir im Leibe.
Derweil der eine Kummer frisst,
hat mich der andre lieb geküsst.
Und jeder sprach: "Ich bleibe!"

Der eine malte schwarz und grau
und ließ mich zweifelnd grübeln.
Der andere - bunt wie ein Pfau -
schickt meinen Blick zum Himmelblau
und reißt mich aus den Übeln.

Der eine sagte immer NEIN,
wenn ich was wagen wollte.
Er ließ mich ängstlich, fragend sein,
und zog in Geist und Seele ein,
wo er verbittert schmollte.

Der andre sagte stetig JA,
wenn mich die Neugier lockte.
Er flüsterte: "Das Glück ist nah!"
Und eh die Seele sich versah,
griff sie die Chance und zockte.

"Wer gar nichts wagt, der nichts gewinnt!
Auf, auf! Die Stunden fliehen!
Wer sich auch auf das End' besinnt,
wer für das rechts und links nicht blind,
der wird ein Glückslos ziehen!"

Da fiel der andre schimpfend ein:
"Es lauern nur Gefahren!
Verstecke dich im Kämmerlein,
und lass die Neugier nicht hinein.
Das wird dir Angst ersparen!"

Ein Ja, ein Nein und ein Vielleicht.
Und meine Uhr schlägt Haken.
Die Zeit jedoch, die mir verstreicht,
und irgendwann ihr End' erreicht,
verweist aufs Todeslaken:

"Bedenke, dass ich dir vergeh'.
Drum lern', dich zu entscheiden.
Befrei' dich aus der Odysee,
und nimm das vierte Blatt vom Klee,
um dich damit zu kleiden.

So wage, was der Sinn dir schickt!
Was kannst du schon verlieren?
Der Tod ist 's, der ins Bein dir zwickt.
Ich bin es, die dir eilend tickt.
Du solltest dich nicht zieren.

Es ist ein Ja ja, was es ist.
Und auch das Nein hat Gründe.
Doch ein Vielleicht bringt dir nur Zwist.
Sei Opti- und sei Pessimist,
um deinen Weg zu finden ..."

(c) Bettina Lichtner

Nur wegen dir



Ich äugelte mit deiner Liebe
und hoffte auf den Augenblick,
der mich in deine Arme triebe.
In meiner Seele sprang das Glück
sogleich drei Meter in die Höhe
und viere in die Breite gar.
Wenn ich in deine Augen sehe,
macht sich die Einsamkeit prompt rar,
denn du bist da.

Ich bändelte mit deinem Herzen
sofort und ungeniert gleich an.
Ein Flammenmeer von tausend Kerzen
durchrauschte mich wie ein Orkan.
Der Liebe so geheimer Zauber,
er wickelte mich in den Bann.
Ich sang ein Liebeslied - ganz sauber,
so gut, wie ich 's nur singen kann.
Und mit Elan.

Ich will die Liebe dir erklären,
liebkose in Gedanken dich.
Wie sich die Liebesworte mehren ....
Liebreizend ist es gar für mich.
Ich bin vollkommen liebestrunken.
Verwirrt, verirrt und voller Glück.
So oft hab' ich dir zugewunken.
Und einmal winktest du zurück.
Ich war entzückt.

Roman der Liebe neu geschrieben.
Ein Abenteuer frisch und jung.
Und reich an kribbeligen Schüben.
Gewinne wieder Lebensschwung.
Die Schmetterlinge spür' ich fliegen,
der Liebesgott meint 's gut mit mir.
Und mir ist gar zu Kopf gestiegen
das ganze Liebeselixier.
Nur wegen dir.

Möcht' in der Schwärmerei verweilen.
Ich werde noch ganz liebestoll.
Und möchte dir mit diesen Zeilen
gestehen, dass mein Herz so voll
und so erfüllt ist von der Liebe.
Gedanken dreh'n sich nur um dich.
Ach, wenn 's doch nur der Himmel schriebe,
dann stünde dort: "ICH LIEBE DICH
GANZ FÜRCHTERLICH!!!"

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 26. September 2012

Stiller Fall

Jeden Baumstamm hört man krachen,
wenn der letzte Hieb ihn fällt.
Von dem ach so Altersschwachen
wird man sich ein Feuer machen,
wo man wärmend sich gesellt.

Niemand weint um diesen Riesen,
der einst Schutz und Heimat war,
der uns seinen Dienst erwiesen,
den wir im Gedicht gepriesen,
bester Freund der Vogelschar.

Er hat alles überdauert,
was an Zeiten kam und ging.
Seinen Fall hab' ich betrauert,
doch im Herzen  fest vermauert
hab' ich diesen Urzeitling.

Viele, die da vor mir waren,
haben sich an ihm ergötzt.
Und von den verliebten Paaren
war die Rinde schon seit Jahren
mit geschnitztem Kuss besetzt.

Vogelkindern half er weise
bei dem ersten Lebensflug.
Hier begann die Federreise
von der Amsel, von der Meise,
deren Nestwerke er trug.

Ungezählte Lebewesen
hat der Baumstamm überlebt.
Doch vom alternden Verwesen
tat er nimmermehr genesen,
nun ist er davon geschwebt.

Vielleicht springt aus Wurzelresten
irgendwann ein neuer Ast,
wächst zu himmlischen Podesten,
wird der Hort von Vogelgästen,
und der Ruhepol der Hast.

Und derweil der Baum verendet
mit dem letzten lauten Krach,
hat ein Leben sich vollendet,
hat ein Blatt sich leis' gewendet
unterm weiten Himmelsdach ...

Ließ ein Mensch die Wurzeln seine
ohne lauten Krach zurück.
Er starb einsam und alleine,
und die welkenden Gebeine
ruhen auf dem Friedhofsstück.

Niemand hier auf dem Planeten
ahnte seinen stillen Schluss.
Und ich gebe mich betreten,
möchte hier für jenen beten,
der da einsam sterben muss ...


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 25. September 2012

S.O.S

Ein Plan. Ein Ziel. Ein Traum. Ein Tod.
Ein Weg, der stetig Neues bot,
doch nicht, wie ich 's mir dachte.
Ein Weg, der 's anders machte,
als ich es gerne hätte.
Ich lebe eine Wette ...

Ich male mir mein Leben schön,
und kann g'rad in Gedanken seh'n,
wie 's weitergehen sollte.
Doch nie kam 's, wie ich wollte.
Ein Igel und ein Hase.
Pinocchio's lange Nase ...

Im Kopf fehlt gänzlich jedes Leid.
Ich zeichne eine bunte Zeit,
in der ich gerne lebte.
Doch, als der Herrgott bebte
und schrie, ich würde spinnen,
begab ich mich nach innen:

Kein Plan, kein Ziel, kein Traum. Ein Tod.
Ein weites Meer, ein kleines Boot
auf Wellen, die sich ändern,
fernab von Uferrändern.
Der Tod sagt leis': Ich wette,
dass ich dich seekrank rette ...

(c) Bettina Lichtner

Zartes Pflänzchen



Alles, was der Geist mir stiftet,
hab' ich Wort für Wort gelüftet
und sogleich als Poesie,
als gereimte Melodie
Euch in Euer Herz gelegt,
dass es Euch zur Freude trägt.

Alles, was ans Ufer spülte
(je nachdem, wie 's Herz sich fühlte),
habe ich an Land geholt
und die Buchstaben besohlt,
dass sie in die Seelen geh'n,
und an innren Knöpfen dreh'n.

Und das Wort wuchs ohne Zügel,
bis es schließlich seine Flügel
spannte, um zu Euch zu zieh'n.
Lohnend war des Denkens Müh'n,
wenn es auswärts Wurzeln schlug.
Ja, dann war 's ein schöner Flug.

Möge meine zarte Lyrik,
die mein Geist mir reimbegierig
allenthalben präsentiert
und mir aufs Papier diktiert,
Euch ein kleiner Lichtblick sein
und ein wenig Euch erfreu'n ...

(c) Bettina Lichtner

3, 2, 1 ...

Auf die Plätze, fertig, START,
und das Leben kann beginnen.
Langsam wird dir auf der Fahrt
alle Lebenszeit entrinnen.
Halte an, wenn es von Sinn.
Lache, weine, bleib dir treue.
Alles fliegt nur so dahin.
Was verbraucht ist, gibt 's nicht neue.
Sei mal sanft und mal Rebell.
Nutz' all die geschenkten Tage.
Lebe gut, doch nicht zu schnell.
Füll' dir deine Lebenswaage.
Achte auf dein Gleichgewicht.
Lebenslage wird sonst schräge.
Schau ins Spiegelangesicht:
siehst du deine Zeiterträge?
Wisse um die eine Chance.
Jeder von uns ist entbehrlich.
Halt' dein Dasein in Balance,
sonst wird 's Leben schnell gefährlich.
Intressier' dich, halt dich fit,
und hör' niemals auf zu träumen.
Zeitenbank gibt nie Kredit.
Keine Stund' sollst du versäumen.
Bist du angelangt im Ziel,
früher, später, wie auch immer,
ach, dann weine nicht so viel,
denn zurückkehr'n kannst du nimmer.
Aber jeder Gast der Tour,
jeder kleine Erdenwandrer,
hinterlässt doch eine Spur
in dem Herz' und Geiste andrer ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 24. September 2012

Auf der Bühne des Lebens

Vorhang auf! Das Spiel beginne!
Lampenfieber kommt und geht.
Wer kennt meines Drehbuchs Sinne?
Denn die durst'ge Seelenrinne
ist 's, die wild um jenen fleht.

Bühne frei! Ich möchte spielen!
Richtet aus das Rampenlicht.
Ruhm und Ehr' will ich erzielen.
Füll' die Rollen mit Gefühlen,
bis, ach, bis das Aug' mir bricht.

Maske auf! Will mich verstellen.
Will ein anderer mal sein.
Mich in fremde Haut gesellen,
Stamm- und Lebensbäume fällen
und am neuen Ort gedeih'n.

Das Kostüm! Es sei das meine!
Täglich eine neu' Figur.
Heute Hex' und morgen eine
Königin (im Herz alleine).
Wes Verkleidung bin ich nur?

Und der Text! Kann ihn nicht finden!
Niemand flüstert ihn ins Ohr.
Muss ihn stündlich neu ergründen,
achtsam mich im Wortmeer winden.
Ob ich manchen Satz verlor?

Bühnenbild! Sei die Kulisse,
die dem Auftritt mein gebührt!
Du bist 's Leben, darum wisse,
dass ich deine Farben misse,
wenn der Tode mich entführt.

Nur MEIN Stück! So reich an Themen!
Ständig neue Szenerie.
Wenn 's nicht rund läuft, warum schämen?
Spiele nicht nur die bequemen
Rollen der Maschinerie ...

Vorhang fällt! Will mich verneigen!
Hab' mein Schauspiel aufgetischt.
Will noch Beifalle abzweigen.
Lob, Kritik - gar nichts soll schweigen,
bis der Scheinwerfer ...... erlischt.

(c) Bettina Lichtner

Herbststurm

Himmel, welch ein Sturm aufbraust,
an mir zerrt, mein Haar zerzaust,
Wolken durch die Lüfte treibet.
Was am Ende übrig bleibet?
Was dann bleibet, willst du wissen?
Nun, die Sonne wird dich küssen,
und auf die Sekunden
sind Sorgen verschwunden.

Stell mir vor, das Wolkenmeer
wär' mein Kopf - von Kummer schwer.
Seh', wie sich Gedanken jagen,
in den Nächten, an den Tagen.
Wie sie wie im Sturme fliegen,
wie sie auf der Seele liegen.
In solchen Sekunden
verfluch' ich die Stunden.

Und der Sturm bläst stark von vorn,
Kummer, Sorgen, Ängste, Zorn -
alles will mich niederringen,
mich von meinem Weg abbringen
und am Boden liegen sehen.
Kann nur schwer im Sturme stehen.
Und diese Sekunden
verursachen Wunden.

Gottverdammter Seelensturm!
Fühl' mich schwächlich wie ein Wurm.
Möchte mich ins Erdreich graben,
will nur meine Ruhe haben,
will von Sorgen mich befreien.
Könnt' der Sturm sie doch zerstreuen ...
Dann würd' in Sekunden
die Seele gesunden.

Aber dann am Horizont:
Lichtblick in der Wolkenfront.
Sorgen seh' ich sorglos fliehen,
Ängste aus dem Herz ausziehen.
Seh' die Sonne in mir strahlen
und die Hoffnung Bilder malen.
Und diese Sekunden,
die lass ich mir munden.

So ist 's mit der Wolkenwelt -
innen, außen, wie man 's hält:
Nach dem größten Sturmgebrause
schenkt uns manche Alltagspause
neuen Auftrieb, neue Träume,
wirft ein Licht auf neue Räume,
und schenkt uns Sekunden,
die wir nie gefunden ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 23. September 2012

Kehrtwende

Die Träne folgt dem Schicksalsschlag,
der ungefragt und jeden Tag
dir alles nimmt, dir alles raubt,
was du als ewig dein geglaubt.

Er lauert im Sekundenlicht,
und ändert urplötzlich die Sicht,
von der du dachtest, sie sei klar.
Ein Schicksalsschlag ist unsichtbar ...

Er wählt sich wen, den er verschlingt,
wohlwissend, dass er Trauer bringt.
Doch er ist hart und kalt und bös',
sein Herz ist löchern und porös.

Es ist ihm gleich, was er zerstört.
Für ihn hat 's Leben keinen Wert.
Er nimmt sich jung, er nimmt sich alt,
und macht vor keinem Glücke halt.

Und weil der Mensch der Meinung ist,
unendlich sei die Lebensfrist
und selbstverständlich sei die Stund',
hat er zum Trauern einen Grund.

Sekündlich ist das Leben nur.
Sekündlich bleibt mir die Figur,
die ich in meiner Nähe weiß.
Der Tod ist unsres Lebens Preis.

Was jetzt noch hier, ist gleich hinfort.
Kein Platz mehr für ein Abschiedswort.
Zum Abschied und zur Lebensfreud'
war ja sekündlich reichlich Zeit ...

(Bettina Lichtner)

Teuflisch gut

Der Teufel trägt ein rotes Hemd,
genauso wie die Liebe.
Du glaubst, der Dämon sei dir fremd?
Er hat sich längst ans Herz geklemmt
und bringt dir heiße Schübe.

Er quält das Wort, bis es dich kränkt.
Er sticht mit Glut und Sichel.
Er hat das Glück dir ausgerenkt,
und teuflisch deine Zeit gelenkt,
mit übelstem Gestichel.

Er will die Liebe ruinier'n,
in Schutt und Asche legen.
Wenn Seelen in der Hölle frier'n,
kann ihn das köstlich amüsier'n -
er lebt von Umkehr-Wegen.

Wenn erstens alles anders läuft,
als man sich 's zweitens dachte,
dann ist des Teufels' Zeit gereift,
dass er sich Herz um  Herze greift,
eh der Verstand erwachte.

So schmort die Liebe vor sich hin
in Teufels' heißer Küche.
Mich rot zu kleiden, ist mein Sinn,
mich zieht 's zum heißen Teufel hin,
dass er ins Herz sich schliche.

"Oh Teufel, du Begehrter mein,
ich geb dir meine Liebe!
Heiz mir mit deinem Feuer ein,
damit mein roter Liebesschein
bald Funkenknospen triebe ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 21. September 2012

Schattensprünge

Auf den grauen Pflastersteinen
tummelt sich die Schattenwelt.
Wie sie friedvoll sich vereinen,
ganz vertraulich, möcht' man meinen.
Welch ein lebhaft dunkles Feld ...

Steh'n wie Brüder beieinander,
und wie Schwestern Seit' an Seit'.
Schattenhaftes Miteinander,
Über-, Bei- und Auseinander,
aber nur für kurze Zeit ...

Immer, wenn die Lichterstrahlen
treffen auf die Erdlaufbahn,
sieht man Schatten Bilder malen,
die zerbrechlich sind wie Schalen,
gleich dem Wert von Porzellan ...

Und dann wagen sie, zu leben.
Ohne Herz und Aug' und Geist.
Für Sekunden alles geben,
einmal übers Pflaster schweben,
eh das Band des Lebens reißt ...

Finster seh'n sie aus, sie alle.
Scherenschnitte auf Asphalt.
Nirgends eine Stolperfalle,
kein Verlangen auf Krawalle -
anders als die Leibgestalt ...

Jene, die die Schatten schmeißen,
sind nur Schatten ihrer selbst,
die in den Kalender beißen
und an Gottes Fäden reißen,
bis der Himmel spricht: "Du fällst ..."

(c) Bettina Lichtner

Woll-Lust

Passt auf, Ihr Unbeständigen
und hört auf mein Gebrüll:
Ich lass mich selten bändigen!
ICH WILL. ICH WILL. ICH WILL.

Ich will des Geistes Herrscher sein,
mein Wort sei Euch Befehl.
Und Ihr sollt mir zu Diensten sein,
das ist 's, worauf ich zähl'.

Ich will mit Macht und mit Gewalt,
auch wenn es töricht ist.
Ich bin nur freundlich an Gestalt,
solang' mein Schnabel frisst.

Will dies, will das und jenes da,
bin dennoch niemals satt.
Zufriedenheit ist nur BlaBla,
ein Wort nur auf dem Blatt.

Ich bin die Gier, die in Euch wohnt,
und Ihr macht mich so groß.
Erst wenn Ihr wunschlos mich verschont,
erst dann lass' ich Euch los ...

(c) Bettina Lichtner

Wem die Stunde schlägt

Lasst die Stunde köstlich sein,
bis der Tod uns trägt.
Schmiert sie Euch mit Honig ein
und genießt den Sonnenschein,
bis die Nacht sich legt.

Eint Euch mit dem Uhrentakt
gleich in größter Freud'.
Seht, das Füllhorn ist gepackt.
Die Sekunde wartet nackt
auf ein neues Kleid.

Holt das Licht in Euch hervor,
eh es dunkel wird.
Macht das Leben zum Labor,
findet Euren Glücksfaktor,
seid des Durstes Wirt!

Lasst die Schmetterlinge frei
für den Liebesflug.
Wagemut sei auch dabei
für den frischen Lebensschrei.
Nie sei 's Euch genug!

"Stunde, sei die meinige!
Schenk dein Lächeln mir.
Bist wie eine Heilige.
Wahrlich, ich vereinige
meine Lust mit dir!"


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 20. September 2012

Sprich, Wort!



Was soll ich dir sagen?
Es winden sich Fragen,
es suchen sich Worte
verständlicher Sorte.

Die schweigenden Stunden
und leeren Sekunden -
für immer verloren
und ständig geboren.

Wie zögernde Lippen
an Buchstaben nippen.
Hab' Wörter gewrungen
aus sprachfaulen Zungen.

Die Münder geschlossen.
Verwelkende Sprossen
erblühender Sätze
einst wortreicher Plätze.

Die silbernen Reden
war'n seidene Fäden.
Das goldene Schweigen
treibt Knospen an Zweigen ...

(c) Bettina Lichtner

Letzte Bitte

Lass mir was, bevor du gehst,
irgendwas von dir,
eh du deinen Rücken drehst,
und ich dich verlier.

Lass mir deine Gänsehaut.
Lass den Herzschlag da.
War denn nur auf Sand gebaut,
was uns wichtig war?

Lass von deiner sanften Hand
mir noch einen Hauch.
Was uns jahrelang verband
fliegt nun mit dem Rauch.

Lass den Blick, der mich begehrt',
als es feurig war.
Dass er nicht mehr mir gehört,
find ich sonderbar ...

Lass ein wenig Wärme mir,
auch wenn 's eisig ist.
Wenn ich einmal einsam frier,
weiß ich, wo du bist.

Sag ein letztes Wort zu mir,
geh nicht taub und stumm.
Unser letztes Stück Papier
liegt bald gilbend rum ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 19. September 2012

Fliehender Freund



Wer krabbelt so früh durch Tag und Sturm?
Ein lebenshungriger Menschenwurm.
"Oh Tag, oh Tag, mein fliehender Freund,
ich habe mich just mit dir vereint,
da gleitest du aus Hand und Blick,
und kehrst auch nimmermehr zurück."

"Oh Menschenkind, wann lernst du dazu?
Nicht ich bin 's, der flieht, du bist es, du.
Klammernde Hand, verlorener Blick,
gieriges Greifen in Richtung Glück.
Jammerndes Wort. Leben verträumt.
Schönste Momente jäh versäumt."

"Oh Tag, oh Tag, du ehrliche Haut,
du hast mein Wesen scheinbar durchschaut.
Kein Lug, kein Trug, den du nicht entdeckst.
Kein Ja, kein Nein, das du nicht erweckst.
Du sagst es mit treffender Wucht:
Ich bin wohl auf ständiger Flucht."

"Oh Menschenkind, nun hast du 's erkannt.
Öffne den Blick und löse die Hand.
Schau aller Schönheit, die ich dir geb'.
Treibe mit mir und lebe, so leb'!!
Nutz mich, benutz mich. Hier und jetzt.
Hab 's ja so gern, wenn man mich schätzt."

"Oh Tag, oh Tag, wie klug du doch bist.
Langsam zerfällt mein Klage-Gerüst.
Öffne die Augen, sehe so klar.
Alles ist wunder- und sonderbar.
Alles ist gut. Alles so neu.
Wie ich mich aufs Tagewerk freu!!"

"Oh Menschenkind, so bist du befreit
und endlich reich an Gelassenheit.
Keiner muss fliehen. Ich nicht. Nicht du.
Gleich was auch kommt, bewahre die Ruh'!
Ich bin dir gut, sei es auch mir."
"Das, lieber Tag, versprech' ich dir ...."


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 18. September 2012

Das gefallene Wort

An den Wörtern nagt der Rost,
gleichfalls an Gefühlen.
Der gestrenge Seelenfrost
füttert sie mit kalter Kost,
dass sie sich verkühlen.

Aus dem frühen Silben-See
lieblicher Momente,
hört man leise ein Adé
von dem Sprachenkomitee,
als der Satz sich trennte.

Und es fliegt kein Wort ins Herz
von den stummen Lippen.
Ach, es tobt ein Liebesschmerz
heftigst .... doch nur innenwärts,
hinter ihren Rippen.

Und des And'ren schöne Seit'
war nicht mehr zu sehen.
Mit des Windes Wechselkleid,
sah man ihre Zweisamkeit
auseinandergehen.

Sprachlos ging die Liebe fort,
und das Wort trug Trauer.
Bindend war dereinst das Wort,
hat sich zwar ins Herz gebohrt,
doch war  nicht von Dauer ...

(c) Bettina Lichtner

Einer wie keiner



Einen brauchst du, wenn der Mut dir flieht,
der mit dir durch all die Stürme zieht,
der dich hält und dir die Schulter leiht,
wenn in dir die Angst zum Himmel schreit.

Der dich wärmt, wenn dich das Eis gefriert,
der ganz ohne lange Worte spürt,
wo es gerade auf der Seele drückt,
der dir hoffnungsvoll ein Lichtlein schickt.

Der dir bleibt, auch in der trüben Stund',
einen Partner mit getreuem Mund,
der die Lüge dir vom Leibe hält,
einen brauchst du, der das Grau erhellt.

Der an deinem Angesicht erkennt,
was dich vom Gefühl des Glückes trennt,
der da weiß, wer unter deiner Haut
wirklich aus den scheuen Augen schaut.

Dem dein Innres wie das seine ist,
einen, der dir deine Tränen küsst,
einen, der mit dir zusammen weint,
einen wahren und geliebten Freund.

Der sich vor dem Schatten nicht versteckt,
und dir lindernd deine Narben deckt,
einen brauchst du, wenn der Mut dir flieht,
der mit dir durch alle Stürme zieht ...

(c) Bettina Lichtner

Zeit im Fluss

Das Wasser fließt ...
und ich kann es nicht greifen,
es rutscht hinfort wie Seifen,
es gleitet durch die Hände,
kein Anfang und kein Ende,
derweil das Leben sprießt.

Das Wasser läuft ...
und immerzu nach vorne,
stets friedlich, nie im Zorne.
Der Klang der nassen Rinne
ist Wohltat für die Sinne,
wo Lebenslärm ersäuft.

Das Wasser glänzt ...
und zeichnet Silberschimmer
im zarten Morgendimmer.
Der aufgewachte Weiher
wird durch den Nebelschleier
so wundervoll ergänzt.

Das Wasser schleicht ...
und zieht in stillen Spuren
im Takt der Umweltuhren
gar sanft durch alle Tage.
Kein Kummer, keine Klage
hat je sein Herz erreicht.

Die Zeit, sie fließt ...
und ich kann sie nicht fassen,
wird schwinden und verblassen.
Sie gleitet durch die Hände,
samt Anfang und samt Ende,
derweil das Leben sprießt.

(c) Bettina Lichtner

Montag, 17. September 2012

Rettungsanker

Als die Großeltern mich drückten,
mich mit süßem Schmaus beglückten,
Äpfel mir von Bäumen pflückten,
war die Kindheit, die verfluchte,
plötzlich das, wonach ich suchte.

War mir Liebe und Vertrauen,
Nähe, Zuflucht, Träume bauen,
Unbeschwertheit ohne Grauen,
wie ich es daheim vermisste,
wo mich nur der Kummer küsste.

Endlich konnt' ich sorglos lachen,
mir das Glück zu eigen machen,
aus dem bösen Schlaf erwachen,
und ich wollte nie ermüden
in dem herzerfüllten Frieden.

Meine Seele (so geschunden)
hat zurück ins Licht gefunden
in den Oma-/Opa-Stunden.
Und ich lebte wie auf Watten
vor der Rückkehr in den Schatten.

Wo sonst hinter dicken Mauern
im Zuhaus' Gefahren lauern
(und bis heut' im Herzen kauern
wie in einem Dauer-Koma)
schwanden sie bei Opa, Oma.

Keiner wusste von den Klagen,
die mir auf der Seele lagen,
von dem ganzen Unbehagen,
das ich all die ganzen Jahre
fest verwahrte und verwahre.

"Oma, Opa - will Euch danken
für das unentwegte Tanken
mir mit Liebe ohne Zanken.
Hab' mich daran satt gegessen!
Nimmer werd' ich Euch vergessen ...."

(c) Bettina Lichtner

Säbelrasseln

Seit dem Tag der Geburt liegt die Zeit in der Hand.
Wird sie mehr oder wird sie geringer?
Und ich geb' ihr derweil meinen Körper als Pfand,
und sie rieselt mir leis' durch die Finger.

Atme ein, atme aus, jeder atmende Zug
ist das einzige greifbare Leben.
Was da morgen noch kommt  und mich gestern noch trug
ist vergänglich wie süßsaure Reben.

Sie ist laut wie der Tag und so still wie die Nacht,
und verheimlicht die nächsten Momente.
Lässt mich frei, sperrt mich ein, und entfernt sich ganz sacht,
und setzt schrittweise kleine Akzente,

die mich spiegelnd beseh'n und doch unnahbar sind,
wie ein Traum in den dunklen Gefilden.
Wie sie schleicht, wie sie ruht, und ich eile geschwind,
um aus ihr einen Weg mir zu bilden.

Immer ist sie zur Seit', doch ihr schlüpfriges Kleid
ist ein Hauch nur, ein fliehender Nebel.
Sie ist mein und auch nicht - die geliehene Zeit,
und hängt schwebend wie Damokles' Säbel ...

(c) Bettina Lichtner

Leinen los!

Der Sinn steht mir nach freiem Walten,
den eignen Weg höchstselbst gestalten,
doch Fesseln, Ketten und Befehle
steh'n sperrend vor der dunklen Höhle.

Ich möchte meine Zeit erklimmen.
Ich bin es leid, das Fremdbestimmen!
Ich will vom Lebensnektar kosten,
eh mir die Knochen alternd rosten.

Der Tag verfliegt mir wie in Trance.
Ach, hätte ich doch eine Chance,
die Lebensschritte so zu setzen,
dass sie mit Freude mich benetzen ...

Das stets devote Niederlegen
vor Füßen, die sich frei bewegen,
ist mir zuwider. Ich will springen
und meine eignen Töne singen.

Ich will mich lösen von der Leine.
Der Herrgott gab mir meine Beine,
damit ich seine Welt erkunde,
stattdessen geh' ich vor die Hunde.

Ich frage mich in stillem Schweigen,
wieso die Menschen dazu neigen,
sich für die ganze Welt zu halten
und sich vom Umkreis abzuspalten.

Sind wir nicht alle EINE Sippe?
Der Tod sitzt mit uns auf der Wippe
und mahnt uns, unsre Zeit zu nutzen.
Auch ich will 's Glück mir glänzend putzen!

Doch, wenn ich nur gegängelt werde,
gefällt 's mir nicht mehr auf der Erde.
Mich will der Mensch in Ketten legen,
und geht doch selbst auf Kettenwegen ..

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 16. September 2012

Kleiderwechsel

Du umflatterst meinen Leibe,
scheinst mir ja nicht unbekannt.
Setz' dich in mein Herz und bleibe
und erzähl' von deinem Land.

Aber ach .... so schweige lieber,
denn ich ahne dein Gesicht:
deine Seele flog hinüber
in das ewigliche Licht.

Glaubte ich dich gar verloren,
als ich in der Trauer hing,
trägst du nunmehr, neu geboren,
das Gewand vom Schmetterling.

Zauberst mir ein scheues Lachen
in den tränenreichen Blick.
Langsam will der Mut erwachen
und die Hoffnung kehrt zurück.

Bist als Mensch du mir verschwunden,
hab' ich doch die Nähe dein
just in deinem Flug gefunden,
und bin nimmermehr allein.

Irgendwie kehrt alles wieder,
wenn man es erinnernd wahrt.
Trost erfüllt die tristen Glieder,
doch .... der Abschied war so hart.

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 15. September 2012

Schrittfolge

Da sitzt ein Dieb und trägt so schwer
am Päckchen seiner Schuld.
Er findet seinen Weg nicht mehr,
und fühlt sich wie ein Irrender
im weltlichen Tumult.

Er sehnte sich zurück nach Haus,
an seiner Eltern Seit'.
Da ging sein Weg noch geradeaus,
behütet ohne Schreck und Graus -
er misste diese Zeit.

Im jugendlichen wilden Drang
versteckte sich der Schritt
zum unrühmlichen Werdegang,
versteckte sich der böse Klang
vom Glück, das ihm entglitt.

Der elterliche fromme Pfad
geriet zur schiefen Bahn.
Es folgte manche Unrechtstat,
es folgten Lüge und Verrat ...
"WAS HAST DU NUR GETAN?"

Nun steht er vor Justitia
mit reuigem Gemüt.
"Mir ist befremdlich, was geschah.
So glaub' mir: ich bedaure ja
und bin ums Wohl bemüht."

Und weil die Schuldenlast ihn plagt
und er sich gar so schämt,
hat niemand mehr ihn angeklagt.
Die Demut hat an ihm genagt,
bis er sich nur noch grämt.

"Drum hör, du Dieb, bleib stets getreu
und ehrlich auf dem Pfad.
Das macht dir Geist und Seele frei,
doch eine Lebensmogelei
führt dich zum Advokat."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 14. September 2012

Glasklar

Das Leben klopft ans Fensterglas
und zeigt mir seine Seiten,
derweil die Zeit im Nacken saß
und langsam an der Stunde fraß,
um mahnend mir zu läuten.

Sekündlich huscht die Welt vorbei,
wenn ich am Fenster sitze.
Ich seh' ins Aug' der Hasterei.
Ich leih' mein Ohr dem Vogelschrei,
und alles sind 's nur Blitze.

Sie flammen auf und ruckizuck
sind wie (wohin?) verschwunden.
So ist 's, wenn ich durchs Fenster guck',
und wieder ist da dieser Druck
der mahnenden Sekunden.

Der Fensterblick zeigt unentwegt:
ich kann die Zeit nicht fassen.
Was sich von rechts nach links bewegt,
was gerade eine Spur belegt -
schon hat es mich verlassen.

Es sind Momente wie im Traum,
als wären es Gespenster.
Am End' erinner' ich mich kaum.
So zart gar wie ein Gänseflaum
ist mir das Spiel vorm Fenster.

Ein einzig' Mal nur wird 's so sein.
Nichts wird sich wiederholen!
Das Leben huscht zum Fenster rein,
und hat mit seinem kurzen Schein
beschenkt mich und bestohlen ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. September 2012

Unerschöpflich

Wenn die großen Komponisten
Mozart, Schubert und Chopin
und die andern alle wüssten,
dass mein geistiges Terrain
sich von ihren Klängen nährte,
wenn 's poetisch quillt und tobt -
ob es sie vielleicht betörte?
Vielleicht hätten sie 's gelobt.

Meine lyrisch volle Vene
sprudelt ohne Unterlass,
und die klassisch alten Töne
mischen sich ins Tintenfass,
tränken mir die durst'ge Feder,
bis die Strophe musiziert.
Jeder Vers, fürwahr, ein jeder
ist persönlich komponiert.

Mich berauscht das Geigenspiele
im barocken Festtagskleid.
Es umarmt mir die Gefühle
mit dem Hauch der alten Zeit.
Allesamt sind 's meine Musen,
die mich zärtlich inspirier'n,
die mit den Gedanken schmusen,
bis sie mir das Blatt verzier'n ...

(c) Bettina Lichtner

Drunter & drüber

Wenn aus mir auch Tränen sprechen,
niemals werd' ich dran zerbrechen,
immer zeigten sich mir Brücken,
die mich trugen samt Bedrücken.

Unter ihnen flossen Bäche,
angefüllt mit meiner Schwäche,
angefüllt mit dem Erflehen,
alles möge leichter gehen.

Tosend schwoll der Bach zum Strome,
und im Herzen rissen Gnome
mir den letzten Mut entzwei.
Das trieb mir den Hilfeschrei.

Sollte ich ins Wasser springen,
und mich um die Ecke bringen?
Oder sollte ich es wagen,
ob die Brücken wirklich tragen?

Schon vernahm ich Teufels' Stimme:
"Schwer ist 's Leben! Springe! Schwimme!
Stelle dich der Episode.
Gehst du unter, ist 's der Tode!"

Doch der Engel gegenüber
sagt zu mir: "So lass es lieber!
Geh den Weg der Brücke weiter,
das ist tausendmal gescheiter!"

Teufel, Engel .... wer von beiden
wird sich mit dem Siege kleiden?
Ich bezieh' die Innenwelten
und lass mich vom Geiste schelten:

"Zeig' im Kampfe dich nicht feige!"
(Englein zischelt wütend: 'SCHWEIGE!')
Doch der Geist - in Worten clever,
gibt zurück: "Ich schweige never!!!

Manchmal muss man eben kämpfen.
Vielleicht wird 's die Stimmung dämpfen,
doch der Lohn erkämpfter Werke
ist die neu erreichte Stärke!

Auch die Brücken sind vonnöten.
Willst du selbige betreten,
wirst du vielleicht Freunde finden,
die dich in ihr Herz einbinden."

Teufel, Engel ... beide lachen.
Denn die Mischung wird es machen.
Etwas süßlich, etwas sauer,
Schwimmer und auch Brückenbauer ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 12. September 2012

Wo bleibt der Dank?

Der Dank irrt durch die Wörtermacht
und sucht nach braven Zungen.
Doch niemand hat an ihn gedacht,
das hat in ihm die Wut entfacht,
und leis' hat er gesungen:

"Als ich noch von Bedeutung war,
zur Zeit der guten Sitte,
da war ich auch noch aussprechbar,
doch heut' mach' ich mich sprachlich rar,
genauso wie das 'Bitte'.

Einst zierte mich ein zarter Ton.
Ich lag der Welt zu Füßen.
Ein 'Danke' war der Bitte Lohn.
Wir waren Zwillinge, doch schon
will man uns nicht mehr grüßen.

Die Welt ist schnell, der Satz ist kurz,
die Wörter sind erneuert.
Mir drohte gar ein tiefer Sturz,
und es mir so gar nicht schnurz,
wenn man mich derart feuert!

Man trieb mich aus dem Sprachgebrauch,
erst recht aus Herzgeländen.
Ich war mal so ein Säuselhauch,
nun häng' ich welk am Knigge-Strauch
und flieh' vor Flächenbränden.

Die Sprache wird zur Feuerstätt'
und frisst das einst Bewährte.
Wo ist das feine Etikett?
Jetzt liege ich im Krankenbett
und miss' die alten Werte ..."

(c) Bettina Lichtner

Summertime

Ich hole mir den Sommer in die Kammer,
wenn 's Flocken schneit und eisig Winde weh'n.
Dann ist es aus mit all dem Katzenjammer.
(Ich dachte schon, ich würd' ihn nie mehr seh'n.)

Ich gehe zum Floristen um die Ecke,
und kauf' mir einen bunten Blumenstrauß,
den ich zuhause in die Vase stecke,
schon sieht der Raum viel sommerlicher aus.

Will draußen mir das Beet im Schnee versinken,
dann trübt es nicht mehr länger mein Gemüt.
Ich lass' die Rosen aus dem Kruge trinken,
auf dass die Kraft durch ihre Stengel zieht.

So strömen süße Düfte durch die Stuben,
und zeichnen mir die Sonne an die Wand.
Schon kriecht die Freude aus den Seelengruben,
und hat die trübe Stunde mir verbannt.

Doch ist es ja ein Werden und Vergehen,
ein stetes Kommen und Auf Wiederseh'n.
Bald wird der Duft der Zimmerros' verwehen,
und ich werd' wieder beim Floristen steh'n ...

(c) Bettina Lichtner

Anders betrachtet

Bedrohlich hängt die Wolkendecke
überm weiten Land,
und dunkelt selbst die kleinste Ecke
mir noch vom Verstand.

Wo 's Hirn sich just im Guten aalte,
biss die Angst sich fest,
die finstrer noch als Wolken malte
(wenn man sie denn lässt).

Ihr Sinnen war, die Furcht zu mehren
im Gedankengang.
Sie wollte mich das Bangen lehren,
notfalls auch mit Zwang.

Doch Wolkenbilder, schwarz und graue,
waren mir kein Schreck.
Denn weil ich ihrer staunend schaue,
ging die Angst bald weg.

(c) Bettina Lichtner

Bis zum letzten Blatt

Stürme der Götter!
Das windige Wetter
wirbelt das Laub von den Ästen.
Aber die Blätter
sind lachende Spötter,
geben sich sterbend zum Besten.

Seht, wie sie tanzen,
in Teilen, im Ganzen.
Ach, welch ein freudiges Fallen.
Nieder auf Pflanzen,
auf Schneisen und Schanzen -
bald wird ihr Rauschen verhallen.

Schattige Spenden
bei hitzigen Ständen,
und ein bedächtiges Schweben.
Doch dann beenden
die zeitlichen Wenden
leise des Laubblattes Leben.

Ihre Gesänge
und blättrigen Klänge
war'n so vertrauliche Küsse.
Und ihr Gedränge,
die innige Enge
waren des Baumes Genüsse.

Stolz geh'n sie nieder
und herbstliche Lieder
sind ihre letzten Begleiter.
Alles kommt wieder!
"Ich danke Euch, Brüder!"
Aber das Leben geht weiter ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 11. September 2012

Scheiden tut weh

Vom warmen Tag noch einmal trinken,
dann wird die Sommerstund' versinken,
dann wird das Abendrot erlöschen,
und herbstlich werden Winde preschen.

Die Wolken werden sich verdunkeln.
Die Wipfel werden stürmisch schunkeln.
Die Flügelschläge werden leise.
Es war so eine schöne Reise ...

Noch einmal durch die Felder streifen,
den sonnigen Moment ergreifen,
und barfüßig die Erde küssen.
Mein Sommer, du, ich werd' dich missen!

Die Abende mit lauem Hauche,
in die ich bald gedanklich tauche,
sie zeigen mir des Mondes Güte.
Oh, wie ich alles sorgsam hüte.

Naturgetreue Impressionen,
die ganzjährig den Anblick lohnen,
verlieren bald die Sommerfrische,
dann deckt der Herbst die Auen-Tische.

Ein letztes Mal vom Sommer naschen,
noch einen Blick von ihm erhaschen,
vom warmen Tag noch einmal trinken,
und ihm zum Abschied dankend winken ...

(c) Bettina Lichtner

Unkraut vergeht nicht

Ein Unkraut wächst im Seelenbeet
und wuchert wie von Sinnen.
Die Rose, die inmitten steht,
hat ganz verwirrt den Blick verdreht,
derweil ihr Tränen rinnen.

Sie wird von tiefster Angst gepackt,
das Unkraut schaut verächtlich.
Bald steht die Rose völlig nackt
und in der Schönheit grob zerhackt -
der Schaden ist beträchtlich.

"Was hab' ich denn verbrochen, Kraut?
Ich war die Liebe selber!
Ich habe manches Eis getaut
und immer nach dem Glück geschaut,
jetzt werd ich welk und gelber!"

"Ach, sei doch still, du Dornenkind!
Der Trug geht mit dir schwanger!
Dich machte deine Liebe blind,
das ist der Liebe größte Sünd'!
Und nun stehst du am Pranger!

Schau in den Spiegel alter Zeit:
du hast dich blenden lassen
vom Scheine aller Lieblichkeit,
doch dann zog die Vergänglichkeit
durch bunt geschmückte Gassen.

Und nagte am vertrauten Heim
und ließ Fassaden fallen.
Darunter lag ein böser Keim,
der zäher war als Hustenschleim,
und fraß die Herz-Korallen.

Ich deck' die falsche Liebe auf,
ihr unehrliches Tosen!
Und derlei "Lieben" gibt 's zuhauf.
Darum, Verehrte, achte drauf:
nur kurz erblüh'n die Rosen!

Und dann beginnt das Spiel von vorn,
so wie im Paradiese.
Fällt erst das Blatt, dann folgt der Zorn.
Von dir bleibt nur der spitze Dorn,
der Rest fliegt mit der Brise."

Das Röslein hat den Kopf gesenkt,
es schaute in den Spiegel.
War gestern ihm noch Lieb' geschenkt,
hat selbige es heut' gekränkt
mit wortgefüllter Prügel.

So ist es scheinbar unentwegt:
das Schöne weicht dem Leide.
Wer nicht den Wuchs der Rose pflegt,
und sich im sich'ren Hafen wägt,
dem zeigt sich Messers Schneide.

(c) Bettina Lichtner

Wie immer

Manche fliegen durch die Stunden,
andre segeln leis' dahin.
Jeder drehet seine Runden,
an das seidne Band gebunden,
wie die Spinnenweberin.

Und die Uhr bleibt ganz gelassen,
sie geht immerzu im Kreis.
Ihre Zeit lässt sich nicht fassen,
aber, wenn wir sie verprassen,
wird es eine kurze Reis'.

Auch die Sonne scheint wie üblich,
und das Mondlicht löst sie ab.
Und der Löwenzahn schaut lieblich,
doch der Mensch schaut so betrüblich
auf den Löwigen hinab.

Der Lavendel blüht am Rande
und sein Duft fliegt mit dem Wind.
Aber ach, welch eine Schande:
kaum ein Jemand scheint imstande,
noch zu seh'n, wie reich wir sind.

Denn sie fliegen durch die Stunden
oder segeln leis' dahin.
Jeder drehet seine Runden,
an das seidne Band gebunden,
wie die Spinnenweberin.

(c) Bettina Lichtner

Montag, 10. September 2012

Nur ein wenig

Glücke ist ja dem beschieden,
der bescheiden selig ist.
Wahrlich - jener ist zufrieden,
der so gar nichts mehr vermisst.

Einzig nur ein kleines Fleckchen,
ohne goldverzierte Wand.
Nur ein kleines Ruhe-Eckchen -
wie ein Spatz in warmer Hand.

Sich mit wenig zu begnügen -
eine Kunst, die ach so rar.
Einfach in sich selbst zu liegen,
scheint mir ja so wunderbar.

Nicht vom Strome fortgerissen,
bleibt er stetig achtsam fromm.
Frei von Schmutz ist sein Gewissen.
Wie er siegreich sich erklomm ...

Dass die Brust doch froh mir quillet -
mehr der Wünsche hab' ich nicht.
Ob das Frohe mir enthüllet,
wie das wahre Leben spricht?

(c) Bettina Lichtner

Kein guter Anfang

Welch ein klägliches Gewimmer
wagt sich aus dem Geist heraus!
Drinnen liegt ihr Kinderzimmer.
Nie war eine Zeit ihr schlimmer,
als die Stund' im Elternhaus.

Zwei Jahrzehnte Qual und Schrecken,
wie man es nicht haben will.
Zwei Jahrzehnte nur verstecken
hinter Mauern, unter Decken.
"REDE JA NICHT! SCHWEIGE STILL!"

Was ein Kind nicht spüren sollte,
spürte sie bei Tag und Nacht.
Wenn sie nicht mehr leben wollte,
bat sie Gott, dass er sie holte,
doch .... er hat es nicht gemacht.

Nur gespielte Heucheleien.
Totgeschwieg'nes Kinderleid.
Kein Bedauern, kein Bereuen
all der Seelenschändereien.
Keiner hört es, wenn sie schreit.

In den Brunnen tat sie schicken
Mut und Freud' und Wutgeschwür.
Um im Frust nicht zu ersticken,
übt sie sich im Wörterstricken,
ja wohl wahr: ich schrieb von mir ...

(c) Bettina Lichtner

Ergebt Euch!

All die Kanonen und all die Gewehre
sollen ja niemals mehr Schusswunden reißen!
Gebt in die Hände von jedwedem Heere
Tulpen und Rosen - wie friedlich es wäre!
Wandelt die Waffen zu blühenden Sträußen!

Stellt Euch nur vor, ach wie lieblich es röche.
Denkt an das Lachen, das gleich sich vermehrte!
All die versiegenden blutigen Bäche!
Farbige Blüten statt Kampf auf der Fläche!
Wie mich der Traum doch gleich bannend verzehrte!

Aus all den Minen, da kämen Narzissen.
Und jede Kugel wär' schwarzer Holunder.
Seh' sie schon alle das Friedensweiß hissen,
seh' sie umarmend sich herzen und küssen.
Wahrlich, wir hätten ein blühendes Wunder!

Nie wieder Kriege, kein sinnloses Sterben.
Niemals mehr würde man Leben vernichten.
Denn ohne Waffen, da gäb 's kein Verderben.
Nirgendwo Bomben und Trümmer und Scherben.
Überall wüchsen nur Blumen und Fichten.

Einzig der Mensch macht die Waffen zu solchen,
weil er das Böse nicht gütig verwandelt.
Drum wird aus Säbeln, Pistolen und Dolchen,
die in der Hand sind von mordenden Strolchen,
bald ein Relikt, das die Liebe verschandelt.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 9. September 2012

Tag & Nacht

Ein Blick schweift übers karge Land,
wo gestern noch die Freude stand,
wo eben noch der Frohmut süß
und leuchtend Richtung Sonne wies.

Nun fand er unbewohntes Feld,
auf dem der Schatten Einzug hält,
auf welchem sich die Saat verkriecht
und wo 's nach welken Zeiten riecht.

Es fließen Tränen ihm hinab
und tränken das betrübte Grab.
Die Nacht hat sich dazu gesellt.
Gar finster liegt das Sorgenfeld.

Jetzt wuchern Zweifel, Wut und Leid
mit wachsender Beharrlichkeit,
und nähren den versumpften Grund
mit falschem Wort aus bösem Mund.

"Oh weh", denkt sich der klare Blick,
"nun braucht es eine Prise Glück,
sonst kreist der Geier überm Tal
und bringt das letzte Henkersmahl!"

Er fleht den Himmel an und spricht:
"Oh Herr, oh Herr, schick' etwas Licht,
damit die Hoffnung Wurzeln schlägt
und alsbald bunte Blüten trägt!"

Da schien 's dem Herz', das so bedrückt,
als hätte es den Tag erblickt,
der langsam durch die Wolken kroch
und es vertrieb - das dunkle Loch.

Von irgendwo zog irgendwer
den Kummer raus aus dem Verkehr,
und pflanzte ein Vergissmeinnicht,
und siehe da - es wurde Licht ...

(c) Bettina Lichtner

Anders als andere

Ich misse dich, Freiheit, wo bist du nur hin?
Gesetze und Pflichten - sie wollen mich binden!
Ob ich wohl der eigene Herr mir noch bin?
Mir wird gar der Odem des Lebens zu dünn.
Ich will mich nicht länger in Vorschriften winden!

Nicht länger mehr will ich ein Herdentier sein.
Will nicht in die Stapfen der anderen treten.
Der Starke ist jener, der mutig allein
sich abhebt vom folgsamen Massenverein,
um selber sein Leben zu formen, zu kneten.

Der nicht mit dem Chor der Gehorsamen singt.
Der eigene Lieder aus voller Brust trällert.
Der jede Kontrolle von außen bezwingt,
und nicht mit dem Für- oder Widerwort ringt,
und nicht seine traumhaften Pläne einkellert.

Hinfort mit dem Mieder aus engendem Draht!
Der Atem soll frei aus der Lunge mir weichen!
Ich richte mich nicht nach Befehl und Diktat,
und niemand verdreht mir mein Seelenformat.
In dreihundert Jahren sind 's eh alle Leichen!

Bevor mich der ewige göttliche Schlaf
entreisst aus den irdischen blühenden Tagen,
genieß ich mein Leben viel weniger brav,
denn ich bin so gerne ein tiefschwarzes Schaf,
und will aus geordneten Bahnen mich wagen ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 8. September 2012

Auf leisen Sohlen

Leise schleicht er um die Mauern,
hüllt den Baum in stilles Braun.
Nicht mehr lange wird es dauern
und ich darf ihm staunend schau'n.

Er schickt eine erste Kühle
und den frischen Morgentau.
Stürmisch werden seine Spiele
und den Himmel färbt er grau.

Bunt hingegen hängt an Zweigen
bald das sommerwelke Laub.
Etwas Schönes geht zur Neige
und bedeckt sich still mit Staub.

Früh legt er die Abendstunde
übers ernteschwere Land.
Schon verbreitet sich die Kunde
von der Macht der güldnen Hand.

Eine ungewohnte Stille
lauert über Wald und Flur,
und die herbstliche Idylle
bringt sich sacht in Positur.

"Komm nur Herbst, ich warte süchtig
auf dein schönes Bronzekleid.
Ach, das Leben ist so flüchtig
wie der Lauf der Jahreszeit ..."

(c) Bettina Lichtner

Der Ton macht die Musik

Auf, Ihr Töne! Ihr sollt klingen.
Sollt mein Bein zum Tanzen bringen.
Malt mir einen bunten Reigen,
dass die Knie sich taktvoll beugen!

Zeigt Euch mir in ganzer Breite,
wenn ich durch den Walzer schreite.
Gebt mir Flammen, gebt mir Feuer
für das Tango-Abenteuer!

Bringt durch Flöten und Schalmeien
mir ein blühendes Gedeihen.
Ihr sollt mich an Euren Schnüren
durch die Welt der Klänge führen.

Krabbelt mir durch alle Poren
und umschmeichelt meine Ohren!
Meine Stimme will sich heben
und mich Euch im Einklang schweben.

Meiner Brust entflieht das Schwere,
wenn ich Eure Süße höre.
Meine Seele ist so fliegend,
nimmer sprecht Ihr mir betrügend.

Frisch und rein ist Euer Sinnen.
Ihr seid mir gar Retterinnen
einer inneren Verkrümmung
und bringt mich in rechte Stimmung.

Und so dreh' ich Pirouetten
zum Gesang der Klarinetten.
Ach, in endlos langer Schleife
tanzt die Welt nach Eurer Pfeife.

(Bettina Lichtner)

Rückreiseverkehr

Kutscher, spann den Wagen ein,
ich möcht' mit dir verreisen!
Führ' mich zeitlich querfeldein
und zeige mir die Ahnenreih'n
der längst verblich'nen Greisen.

Jag dein Pferdchen weit hinaus
in mittelalte Zeiten.
Hufe klappernd mit Gebraus
ergötze ich mich an dem Schmaus
der nebeligen Weiten.

Will den Stammbaum blühen seh'n
der mir so Unbekannten.
Ach, mir würd' das Herz aufgeh'n,
könnt' ich mal durch Fenster späh'n
der ganzen Blutsverwandten.

Nur durch sie bin ich heut' hier,
sie sind die Wurzelsprossen.
Diese Fahrt vom lauten Hier
zurück durch diese ferne Tür -
ich hätt' sie so genossen.

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 7. September 2012

Und Gott sprach ...

Gott sah durch ein Fernrohr auf die Welt, die er erschuf.
Grollend tönt darauf durchs All sein bitterböser Ruf:
"Was muss ich erblicken? Ach, was habt Ihr nur getan?
Alles, was ich gab, war scheinbar für den hohlen Zahn!

Wo sind meine Wälder, wo ist ihre grüne Pracht?
Sie war'n Eure Lungen, ja, so hatt' ich 's mir gedacht.
Wieso gibt 's dort Hunger und dahinten Überfluss?
Warum stirbt das kleine Kind durch den Pistolenschuss?

Lauter kleine Kriege überall, ich glaub es kaum:
im Verkehr, im Laden und sogar im trauten Raum.
Keiner gönnt dem andern. Nur sich selbst der nächste sein ...
Einer ist der Abel und der andre ist der Kain.

Habt Ihr nicht begriffen, was man mit dem Herzen tut?
Fühlt Ihr Euch bei allem, was Ihr macht, noch wirklich gut?
Ihr verschmutzt die Meere und vernichtet die Natur.
Damit dreht Ihr selbst an Eurer kurzen Lebensuhr.

Wie Ihr die geliebte Mutter Erde doch zerstört.
Ich bin traurig einerseits und andrerseits empört.
All die Tiere, all die Pflanzen hätten 's nie gemacht.
Ihr vertreibt die Schönheit meiner Welt durch Gier und Macht.

Wie Ihr Euch doch klammert an den fliehenden Besitz!
Wahrlich, dieses Fesseln ist für mich der größte Witz!
Lernt doch zu verstehen, dass Ihr gar nichts halten könnt,
denn das ew'ge Leben ist Euch allen nicht vergönnt ..."

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 6. September 2012

Dornen im Boot

Leis' hör' ich die Herzen klagen,
weil ein Dorn ins Fleische sticht.
Und die Antwort flieht vor Fragen.
Und die Liebe flieht dem Magen,
der nur Wortsalat erbricht.

Eben noch ein Herz am Bande
in verliebter schöner Bucht,
schon wächst dort am Uferrande
stachelig im Sanduhrsande
eine kaktusgleiche Frucht.

Und sie nährt die Zweifeleien,
und sie färbt das Rosarot.
Durchgekaute Sätze speien
Angestautes und entzweien
das vertraute kleine Boot.

Es gerät in schwere Nöte
in verbal geführter Schlacht.
Wie es mahnte, wie es flehte -
jede Menge Stoßgebete,
dann versank es in der Nacht ...


(c) Bettina Lichtner

Du kommst hier nicht rein!

Dass ich hier auf dem Zaune thron',
das hat so seine Gründe.
Ich bin dem Menschenreich entfloh'n,
wo Spott mich traf gepaart mit Hohn
und ich den Tod nur finde.

Der Mensch ist mir der größte Feind.
Ich komme stets im Frieden.
Mein Ansinnen ist wohlgemeint,
doch sieht er mich, oh je, dann scheint
mir bald das End' beschieden.

Ich tu ihm nichts, doch Goliath
lässt gleich die Klatsche knallen.
Welch eine böse Gräueltat.
Ich bin ein Todeskandidat
in seinen heil'gen Hallen.

Ich nasch' so gern vom Zuckerzeug,
man mag es mir doch gönnen.
Doch wenn ich mich im Fluge neig'
und ihm auf seine Torte steig',
seh' ich ihn wütend brennen.

Er flattert wild mit Arm und Hand,
dass ich nur seltsam staune.
Auch ich such 's Glück in diesem Land,
doch weil ich 's bei dem Mensch nicht fand,
hock' ich hier auf dem Zaune ...

(c) Bettina Lichtner

Du spinnst. Ich spinn.

Zwischen Halm und Blütenkelch
glitzert es so seiden.
Und ich flüster' staunend: "Welch
Anblick! Zum Beneiden!"

Hätt' das Kleidchen mir zu gern
um den Leib gewickelt.
Dem mit mir vermählten Herrn
hätt' die Haut geprickelt!

Wenn ich doch ein Spinnrad hätt',
hätt' ich 's mir gesponnen,
hätte damit ganz kokett
Blick um Blick gewonnen.

Doch wie heißt der schöne Satz:
"Bleib bei deinen Leisten!"
Drum mach ich der Spinne Platz,
denn sie kann 's am meisten.

Sie spinnt 's Netz und ich das Wort.
Jeder tut das seine.
Denn für ihren Kraftakkord
bräuchte ich acht Beine ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. September 2012

Was der Sperling fing

Ich bin der Herrscher deiner Stadt.
Ich werd' in deinem Reichtum satt,
ich nähr' mich von dem Krümel dein
und möchte nie ein andrer sein.

Du wirfst mir Brot und Kuchen hin,
wie dankbar ich dir dafür bin.
Ich sing' dir schnell ein schönes Lied
für deinen Abfall im Gebiet.

Dir geht es gut, du schmeisst den Speck
und reichlich Nahrung reichlich weg.
Oh, welch ein Glück, so leid' ich nie
an einer Hungerhysterie.

Hier auf den Straßen liegt der Fraß
in einem rechten Übermaß.
Was brauch' ich Wurm und Blumenkern,
wenn sich die Krumen so vermehr'n.

Ich fress' mich wahrlich kugelrund,
zu köstlich ist der Bodengrund,
zu lecker ist der Menschenmüll.
Ich fresse, bis ich nicht mehr will.

Ich flatter' auch auf Tisch und Stuhl,
wo ich um eine Spende buhl'.
Ich bin der Innenstadt-Husar,
und so viel schlauer als der Star.

Wohl wahr, ich bin ein süßer Fratz.
Ein frecher Kopfsteinpflaster-Spatz.
Ach, mir gehört der ganze Dreck,
doch kommt ein Hund .... dann flieg' ich weg!

(c) Bettina Lichtner

Handliches

Die menschlichen Pfoten
sind seltsame Boten,
sind grausam und zärtlich zugleich.
G'rad eben noch drohten
sie mir wie Kojoten,
schon werden sie wachsähnlich weich.

Sie schlugen auf Wangen,
und kämpferisch rangen
sie wütend um Sieg und um Macht.
Und schüttelnd empfangen
sie Freunde und fangen
die Küsse der lieblichen Nacht.

Sie können sich ballen
zu Fäusten und prallen
mit Wucht in des Feindes Gesicht.
Im Beifalle schallen
sie jubelnd in Hallen
und sind auf das Lob ganz erpicht.

Sie streicheln die Haare;
vergleichen die Ware
und schreiben der Liebsten ein Wort.
Im Laufe der Jahre
(im Sichtfeld der Bahre),
da flieht ihre Jugend hinfort.

Sie schälen Bananen,
und in den Romanen,
da blättern sie Seite um Seit'.
Sie schwenken die Fahnen,
und, ach, schon seit Ahnen
da schlichten sie Ärger und Streit.

Sie tragen die Ringe
und lösen die Schlinge,
die täglich das Leben uns schnürt.
Sie führen die Klinge,
und haben die Dinge
mal freundlich, mal boshaft berührt.

Sie können sich falten,
mich töten und halten.
Flexibel in Gut und in Schlecht.
Wie immer sie walten:
der Geist der Gestalten,
er formt sie zu Zar oder Knecht ...

(c) Bettina Lichtner

Jeden Tag neue Gäste

Die Seele noch so weiß wie Schnee.
Das Herz noch frei von Ach und Weh.
Der Blick noch voller Traum und Plan.
Der Geist noch frei von Last und Wahn.

Ein kleines Wunder Tag für Tag
ist die Geburt, und ich vermag
dem Staunen nicht zu widersteh'n,
wenn sich da neue Uhren dreh'n.

Juwele sind 's, noch ohne Schliff,
die reisend sind auf Gottes Schiff,
die noch mit reinstem Urvertrau'n
und scheu auf ihre Wege schau'n.

Da treiben sie im Sog der Zeit
hinein in die Lebendigkeit,
hinein ins unbekannte Meer,
doch bald schon liegen Hürden quer ...

Kein Leben, das nicht frei vom Schmerz -
jedoch, das neugebor'ne Herz
erahnt ja nichts vom Schattenfeld,
wenn es die Stund' in Händen hält.

Willkommen, all ihr Wunder, ihr!
Ob Menschenkind, ob Pflanz', ob Tier,
so gehet denn den einen Gang
und seid des Weges niemals bang ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 4. September 2012

Federschwer

Irgendwer ließ Farb' und Pinsel
auf dem Fluss verbunden sein,
malte eine Seeleninsel
mit gekonntem Spiegelschein.

Und ich schicke Komplimente
für das stille Morgenbild,
das mir schaut wie eine Ente,
die das Nass mit Leben füllt.

Welch ein schönes Tiergemälde!
Welch ein zarter Borstenstrich!
Da quakt 's Wesen: "Ach, in Bälde
findet ja der Jäger mich.

Seine Flinte kann ich riechen
durch den herbstlich milden Wind.
Dann werd' ich zu Kreuze kriechen -
oh, wie mir das Blut gerinnt.

Ein Stück Wild, ein Knusperbraten -
so sieht mich des Menschen Gier,
angerichtet an Tomaten
und dazu ein Gläschen Bier."

Traurig treibt sie auf dem Wasser,
und ich senk beschämt das Haupt,
und mein Teint wird blass und blasser,
mir ist gar die Freud' geraubt.

Doch da nahen Farb' und Pinsel,
zieh'n das Entlein in die Höh'.
Und es flattert und ich winsel,
dass es doch dem Schuss entflöh' ...

(c) Bettina Lichtner

Der Tag ist mein!

In aller Herrgottsfrühe
hat 's an der Tür geschellt.
Ganz schlafestrunken fliehe
ich aus geträumter Brühe
und bin empor geschnellt.

Wer wagt es, mich zu stören?
Schon hebt sich meine Klag',
da kann ich leise hören:
"So lass dir doch erklären!
Ich bin 's - dein neuer Tag!"

Ich öffnete betreten
dem jungfräulichen Gast,
hab ihn herein gebeten,
mit schmeichelndem Erröten
ihm einen Kuss verpasst.

"Willkommen hier auf Erden
und in dem Leben mein.
Bringst du mir heut' Beschwerden?
Lässt du mich glücklich werden?
Sag JA mir oder NEIN."

Er sprach: "Wer kann 's schon ahnen!?
Gott hat 's mir nicht gepetzt ...
Ich kann dich nur ermahnen:
bleib du in deinen Bahnen
gedanklich stets im JETZT.

Geh nicht die alten Schritte!
Was morgen wird - wer weiß ...
Und folge meiner Bitte:
besuche deine Mitte,
sonst droht der Teufelskreis.

Was ich dir heut' vermache,
kriegst du ja nimmermehr.
Drum achte es! Bewache
selbst die geringste Sache,
und setz' dich nicht zur Wehr.

Denn unschöne Sekunden,
auch wenn du sie verdrängst,
sind da, sie zu erkunden,
sind eng mit uns verbunden,
selbst, wenn du es nicht denkst.

Ich komme dir im Guten,
doch was noch aus mir wird,
das kann ich nicht vermuten.
Auf! Stürz' dich in die Fluten
und schau nicht so verwirrt!"

Da nahm der Tag mich leise
an seine junge Hand.
Noch nie befahr'ne Gleise!
Noch nie getane Reise!
Noch nie geseh'nes Land!

(c) Bettina Lichtner

Montag, 3. September 2012

Das Schweigen der Zukunft

Oh, du jugendliche Stunde,
deiner durfte ich nur nippen.
Einst hing ich an deinem Munde
wie ein Kuss an süßen Lippen.

Und dein Arm hat mich umschlungen
wie des Liebsten schönste Blicke.
Ich verlor mich in dem jungen
und so unberührten Glücke.

Frisch schlug 's Herz mir wie ein wilder,
ungestümer Wasserfalle.
All die knospend bunten Bilder
waren leuchtend wie Kristalle.

Wie die Neugier sich doch schickte,
mich ins Leben rauszutreiben.
Wie ich froh die Tage pflückte,
um sie nährend zu bestäuben.

Dass die Zukunftstöne spielten,
ließ ich taub vorüberklingen.
Dass je Narben mich zerwühlten,
ließ ich nicht zur Seele dringen.

Ich sprang raus aus all den Schatten,
immer rein ins heiße Glühen.
Doch es lauerten die Ratten,
um die Sonne fortzuziehen.

Doch die Zukunft ließ ich schweigen,
hold war mir das Unbeschwerte.
Auf den welk geword'nen Zweigen
blüht das Glück der jungen Fährte ...

(c) Bettina Lichtner

Herz aus Eis

Es tanzt ein kleiner Minusgrad
im Menschenherz herum.
Es baut sich dort als Reservat
fürs sprachgekühlte Aggregat
ein Frost-Imperium.

Es gründete eine Armee
aus Gier und Neid und Hass.
Im Geist befiehlt ein Komitee:
"So richtet Euren Speer aus Schnee
auf Liebe, Glut und Spaß!"

Und das einst warme Herz erfriert
und wird zum Bösewicht.
Denn seit der Eisfürst dort regiert,
der "Rot" und "Blau" manipuliert,
verfinstert sich das Licht.

Der Eisberg in dem Brustgebiet
hat 's Lächeln schockgefror'n.
Und wenn der Winter nicht bald flieht,
dann wird das süße Liebeslied
nie wieder neu gebor'n ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 2. September 2012

Kurze Liaison

Als mein Blick am Wetter hing
und sich an ihm erfreute,
flatterte ein Schmetterling
rechts, links an meiner Seite.

War so heiter im Gemüt,
was mich sogleich erfasste,
was auch, als das Taglicht schied,
mir nicht im Geist verblasste.

Ging mit ihm auf du und du
und schweigend eine Weile.
Er sah mir und ich ihm zu,
dann sprach ich leis': "Nun eile ...

Mach' dich auf, du buntes Ding,
denn kurz nur blüht der Flieder."
Da verschwand der Schmetterling,
wir sahen uns nie wieder.

(c) Bettina Lichtner

Spurlos am Himmel

Ohne Spuren zu verwischen,
ohne Zeichen seines Ichs,
gleitet er durch all die frischen
Stunden fern von Strauch und Büschen
mit der Kraft des Flügelstrichs.

Seine Schwingen möcht' ich leihen
für das Wagnis eines Flugs,
um aus angestauten Reihen
mich erhaben zu befreien,
denn mir ist 's genug des Spuks.

Seinem einfachen Bestreben
gäb' ich mich so gerne hin.
Nicht am Boden festzukleben,
und die Stimme zu erheben
für ein Lied - welch ein Gewinn!

Jede Grenze überwinden.
Auf die Kerker 'nab zu seh'n ...
Würd' ich ein paar Federn finden,
würd' ich sie zusammenbinden
und mich hoch am Himmel dreh'n.

Darfst dich wahrlich glücklich schätzen,
mein gefiederter Charmeur.
Sich gelöst von Fang und Netzen
ganz in Gottes Hand zu setzen -
wenn ich doch beflügelt wär' ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 1. September 2012

Fliegende Schafe

Wölklein, Wölklein an dem Blauen!
Liege hier in grünen Auen
in dem letzten Sommergras,
und verlier mich in dem Spaß,
dir beim Schweben zuzuschauen.

Schon gerate ich ins Grübeln
(niemand wird es mir verübeln),
wer du nun wohl wieder bist,
eh dich die Sekunde frisst
fern von allen Häusergiebeln.

Mich belagern die Gefühle,
als ich sinnend über Ziele
deiner leisen Reise bin.
Treibt 's dich her? Wo treibst du hin?
Wie ich nach der Antwort wühle ...

Oh, wie drängt es mich, zu wissen,
ob dein flauschig weißes Kissen
Zimmer hat zur Seelenrast.
Ach, dann wär' ich gern dein Gast.
Werd' mich wohl gedulden müssen.

Eine Frage ist geblieben.
Hab' sie dir hier aufgeschrieben
(falls du es mir sagen kannst,
wirst du in mein Herz gepflanzt!):
Wo ist Wolke Nummer sieben???

(c) Bettina Lichtner

Land in Sicht

Durch die Weite, durch die Enge
wiegt das Schiff sich auf dem Meer,
ganz im Takt der Wellengänge
und der Möwen Leidgesänge,
wie ein frommer Wanderer.

Es ergibt sich den Gewalten
der Natur so gar und ganz.
Und der Wind hat es gehalten.
Und als tosend Wogen knallten,
forderte der Sturm zum Tanz.

Hoch schlug 's schäumend in den Nächten.
Neptuns' Zorn trieb 's ach so wild.
Ein Gebrüll von Wassermächten ...
Doch nach brausenden Gefechten
hat der Tag die Wut gestillt.

Und der Frieden kam und küsste
sanft das Schiff am kalten Bug.
Und es nahte eine Küste,
die die Seele so vermisste
nach dem harten Wellenflug ...

(c) Bettina Lichtner

Hemd auf links

Schau mir in die Augen, denn der Rest ist Illusion.
Lass dich von den Kleidern doch nicht blenden.
Meine wahre Größe ist die innere Region.
Daran darfst du gern den Blick verschwenden.

Seide, Gold und Silber sind ja nur ein Zaubertrick,
dir die Sinne magisch zu verdrehen.
Innen aber liegt das einzig wahre Edelstück;
nur dein Herz kann diesen Reichtum sehen.

Jedwede Verkleidung tarnend wie beim Karneval.
Maßgeschneidert. Maßlos übertrieben.
All diese Grimassen laden dich zum Maskenball,
haben sich dem Täuschungsspiel verschrieben.

Hör' nicht auf die Zunge, die im Wörterschwall ertrinkt,
denn sie zischelt würgend wie die Schlange.
Lausche auf das Wort, das im Gesagten leis' versinkt.
Zwischen Zeilen wartet es schon lange.

Gib nichts auf die Häute, denn so trügend ist ihr Schein.
Operierte und perfekte Schnitte.
Wahre Schönheit kann nur ohne Schneidemesser sein
und erblüht direkt in unsrer Mitte.

Lass dich nicht beirren vom vermeintlich feinen Zwirn.
Erst wenn die gekauften Nähte platzen,
siehst du in die Seele und den Wesen ins Gehirn,
siehst du in die wahre Welt der Fratzen.

(c) Bettina Lichtner