Freitag, 30. November 2012

Sonnenbahn

Nach der langen Autoreise -
welchen Lohne mir Gott schickt!
Dass in wunderbarer Weise
mir die Morgensonne blickt.

Mich ummantelt tiefste Stille,
als das Spiel mein Auge weckt.
Welche kostenlose Fülle
doch in diesem Aufgang steckt.

Eine Kraft fließt durch die Venen,
und der Stress fliegt just hinaus.
Diese Kraft wünsch' ich all denen,
die noch schlafend sind zu Haus'.

Ich fahr' in die Morgenröte
wie hypnotisiert hinein.
Und ich höre, wie ich bete,
alles möge friedlich sein.

Kriege, Waffen, böse Zungen,
alles schlingt das Sonnenlicht.
Wär' der Zaubertrick gelungen -
lächelnd wär' der Welt Gesicht.

Doch vom Auf- zum Untergehen
liegt ein Tag, der völlig fremd.
Was wird heute noch geschehen?
Was nur birgt der Stunde Hemd?

Der Moment des Sonnengrußes
morgens auf der Autobahn,
stoppt den Tempodruck des Fußes.
Und aus meiner Seele Hahn

fließt die lang vermisste Freude,
diese Freude übers Sein.
Wenn ich heute sterbend scheide -
diese Stund' bleibt ewig mein ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 29. November 2012

Coming soon

Weihnachtlich schaut 's im November.
Allerorten wird geschmückt.
Denn es ist ja der Dezember
schon recht nah heran gerückt.

Kerzen strahlen - ohne Feuer -
(man trägt heute Strom-Design)
hinter dem Gardinenschleier
und verführ'n mit sachtem Schein.

Glühwürmchen an langen Ketten
hängen meterweise aus.
Na, du Christkind, ich will wetten,
dich packt ganz bestimmt der Graus!

Deine Stirn wirft eine Runzel
wegen der Geburtstagsnacht,
die dir einst bei Kerzenfunzel
deinen ersten Schrei gebracht.

Futsch der Stall und fort die Krippe!
Esel, Schaf und Stroh und Stern???
Alles nur Geschichts-Gerippe.
Heute lebt man neumodern!

Früher war es herzerwärmend
(als die Mittel einfach war'n).
Ich bin übertrieben schwärmend
für den Glanz von fernen Jahr'n.

Aber, tja, Erfindungsgeister
warten auf mit Neuigkeit.
Wäre ich ein Zaubermeister,
strahlte jetzt die alte Zeit!

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 28. November 2012

Der Falke und ich

In des Falken Argusblicke
spiegeln sich die Beutestücke,
die im ahnungslosen Spiel,
wiegend gar im Wohlgefühl,
in dem letzten Szenenstücke
ganz vertieft sind in ihr Glücke.

Doch es naht die Todesstunde!
Einer aus der Mäuse-Runde
ist dem Lebensende nah,
aber keins der Mäuschen sah,
dass der Abschiedsgruß im Grunde
lauernd war im Vogelmunde.

Unbeschwertes Wiesentreiben.
Wahrlich, so kann 's immer bleiben.
Es vergeht dabei die Zeit
gar mit Selbstverständlichkeit
(sie mit Gleichmut zu betäuben,
heißt, sie achtlos abzuschreiben ...).

Aus dem heitren Himmel plötzlich
(ach, die Zeit ist so verletzlich),
stürzte sich der Falkentod
auf die Maus vom Auenod.
Jene schrie noch ganz entsetzlich
und bleibt ewig unersetzlich.

Und ich bin der letzte Zeuge!
Als ich diesen Mord beäuge,
kommt mir schmerzlich in den Sinn,
dass ich selbst das Mäuschen bin:
während ich zum Spiel mich neige,
spielt der Tod zu Kopf die Geige ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 27. November 2012

Gunst der Stunde

Komm, nimm Platz, gestresste Seele.
Freie dich von Schmerz und Pein.
Lös' den Pfropfen in der Kehle
und lass Tränen Tränen sein.

Lass dich in die Sonne fallen,
die dir ihre Strahlen schickt.
Nichts soll an dein Herz dir prallen,
was dich nicht zutiefst beglückt.

Deck' dir deine Augenweide
mit der schönsten Lebensstund'.
Du, die Stunde - nur ihr beide
mit dem Morgen im Verbund.

Nicht soll dich das Böse drücken,
das dir gar zu bitter schmeckt.
Du sollst dir erinnernd pflücken,
was die Seele nicht befleckt.

Nutz' die Gunst des stillen Friedens,
eh der Tag zur Pflicht ermahnt.
Bleibe fern des Pläneschmiedens,
wenn die Ruh' den Weg sich bahnt.

Falle in dich selbst zusammen.
Lass das Außen außen vor.
Kräfte, die vom Himmel stammen,
gehen dir durch Aug' und Ohr.

Fühle dich so ganz geborgen
in der unsichtbaren Macht.
Heut' ist heut'. Wer weiß, ob morgen
uns nochmal die Sonne lacht ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 26. November 2012

Es lebe das geschriebene Wort!

Du verdammter Wörter-Henker!
Ich bin ein Poet und Denker,
und du schlägst mit deinem Beile
meinen Vers in tausend Teile?
Wehe dir, du Bösewicht!
Sehr viel Müh' steckt im Gedicht.

Pack' die strickgedrehten Maschen
ja nur wieder in die Taschen,
denn das Wort will fröhlich balgen,
und nicht sterbend sein am Galgen.
Du zwängst mich nicht in die Knie!
Meine Welt ist Poesie.

Brauchst auch deine Schießpistolen
gar nicht aus dem Schrank zu holen.
Schussgesichert sind die Zeilen,
die durch die Gedanken eilen.
Sie sind schneller auf dem Blatt,
als die Kugel Tempo hat.

Und auch der Elektrosessel,
oder Knebel oder Fessel -
nichts ist meinem Reim zum Schrecken!
Lass' die ganzen Waffen stecken,
und dann nutze den Verstand,
und nimm dir ein Buch zur Hand.

Lies, was Wörter zaubern können!
Vielleicht wird das Herz dir brennen ...
Sinnlos ist 's, das Wort zu töten.
Stünden Bücher auf Tapeten,
würd' die Erde tapezier'n
und so manches Herz sanier'n ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 25. November 2012

Er klebt so fest

Auf, auf, so spann das Leben an.
Die Zeit geht unentwegt voran.
Wenn du die Tage schleifen lässt,
als gäb' es hundert Jahre Rest -
dann täusche dich mal nicht,
denn schnell erlischt das Licht!

Glaub' nicht, dass es dir sicher ist,
dass du des Todes ferne bist.
Er legt schon längst den Arm um dich.
Sein Uhrwerk lässt ihn nie im Stich.
In deiner größten Freud'
nimmt er sich für dich Zeit.

Verstecker spielen mag er nicht.
Zu gut ja kennt er dein Gesicht,
als dass du ihm entkommen kannst.
Selbst, wenn du fluchend ihn verbannst,
er findet dich ja eh.
Egal, wie ich es dreh.

Er ist der Überraschungsgast,
der nicht in den Kalender passt,
der ungeladen klingeln wird,
und jeden Plan und Traum verwirrt.
Sein Freundeskreis ist klein
(ich möcht' der Tod nicht sein).

Er bringt des Lebens Ernte heim,
und klebt an uns wie zäher Schleim.
Wir werden ihn ja niemals los.
Er legt die Hand uns in den Schoß.
Drum sollten wir probier'n,
den Tod zu akzeptier'n ...

(c) Bettina Lichtner

Fliegende Jugend

Flogen mir davon wie Raben,
sitzen nun im Herbstgestrüpp,
all die jugendlichen Gaben,
die durch die Gedanken traben
als verträumter Seelentrip.

Sehnsucht frisst sich durchs Gelände
ob der Jugend, die so weit.
Frisst sich durch die geist'gen Wände,
durch die alt geword'nen Hände.
Frisst sich bis zum Frühlingskleid.

Herz geht auf Entdeckungsflüge.
Reist zurück zum jungen Lenz.
Kaum entfloh ich meiner Wiege,
trank die Jugend vollste Züge
und vergnügte sich immens.

... und die Haut! Welch zarte Frische!
Ohne einen Altersfleck.
Ach, nun deckt der Herbst die Tische,
schlug die Jugend in die Büsche,
und nahm alles Schöne weg.

Die Erinnerung der Wege
ruht sich aus im Herbstgeäst.
Lauter Vögel im Gehege,
die ich fütter', die ich pflege
in dem warmen Seelennest.

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 23. November 2012

Bergung aus der Tiefe

Brunnen, Brunnen, gib sie frei,
all die Wünsche, die versanken,
als die Herzen jung und scheu,
sich an ihrer Glut betranken.

Deine Tiefe riss sie 'nab,
und nun liegen sie und warten,
dort in ihrem nassen Grab,
auf die vielen Vogelarten,

dass sie schnäbelnd sie befrei'n,
und auf ihren Schwingen tragen,
hoch hinauf zum Mondenschein,
wo sie sich zu zeigen wagen.

Aber auf des Brunnens Stein
landet niemals ein Gefieder.
All die Wünsche hör' ich schrei'n,
jemand fände sie doch wieder.

Herzchen, ach, so melde dich.
Wenn dein Wunsch nun sehnend riefe?!?!?
Sieh, er windet dürstend sich
in des Brunnens kühler Tiefe.

Hast ihn doch dereinst ersehnt!!!
Bist du gar des Wortes feige?
Hast so säuselnd ihn verschönt ...
Mond und Sterne sind dein Zeuge!

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 22. November 2012

Und ewig lockt das Licht




Welch ein Schwirren, welch ein Surren,
gerade will ich mürrisch murren,
doch da seh' ich diese Motte
vorm Elektrolicht-Schafotte,
und eh sie darin verbrannte,
nutzt sie meines Bettes Kante
noch für einen letzten Plausch,
und ich sitze dort und lausch:

"Ach, wie schnell sich alles ändert!
Eben durch die Zeit geschlendert,
und schon ist der Kreis geschlossen,
und die Stund', die du begossen,
liegt betrunken in der Ecke,
und dich deckt des Todes Decke,
und des Lebens Kelch liegt leer,
und es füllt ihn keiner mehr.

Magisch lockt mich (wie die Sterne)
diese himmlische Laterne
hier in deinem Schlafgemache,
und sie spricht des Todes Sprache,
denn, wenn ich sie gleich berühre,
schließt sich meines Lebens Türe.
Nur ein kleiner heißer Zisch
und mein Leib liegt auf dem Tisch.

Doch ich wusste ja schon immer,
dass ich einst im Lichtgeflimmer
meinen Lebensflug beende.
Und die Zeit, die ich dir spende,
ist uns beiden unbenommen.
Ach, nun schau nicht so beklommen.
Sieh, es muss ja einmal sein ....
Und nun fliege ich hinein ..."

Fort das Surren, fort das Schwirren.
Muss Gefühle mir entwirren,
will die Tränen laufen lassen
und muss dennoch geistig fassen:
Ich lauf selbst auf meinen Wegen
diesem hellen Licht entgegen.
Mottenkindchen macht es vor.
Und der Mensch ist so ein Tor ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 21. November 2012

Zügig, zügig

Jäh wird er vom Lärm zerschnitten,
der Natur so zarter Flug.
Und sie kommen angeritten,
pferdestark mit Donnerschritten -
die Waggons vom Eisenzug.

Flieh'n so schnell vor meinen Blicken,
g'rad so wie die Lebenszeit.
Will den Augenblick mir pflücken,
und ihn auf das Foto schicken.
Schon ist er Vergangenheit.

Wie ich sie doch rasen spüre,
diese rasend schnelle Uhr.
Gott gab uns die Passpapiere.
Und wir sind die Passagiere
einer Abenteuer-Tour.

Und der Zug trägt unsre Güter
und schleppt sie von A nach B.
Wir - die ewigen Behüter!
Doch da oben, der Gebieter,
stoppt den Lebens-ICE.

Und dann heißt 's: Auf Wiedersehen!
Ziel erreicht, wenn ' gar nicht passt.
Mittendrin im Taggeschehen
bleibt der Notgebremste stehen.
Leerer Platz ..... und nächster Gast.


(c) Bettina Lichtner

Todesangst

Der Mensch ist wirklich sonderbar!
Er sorgt sich ums verlor'ne Jahr,
er sorgt sich um des Lebens' End'
(dem er pro Tag entgegen rennt ...).

Wie ängstlich zittert sein Gebein!
Er will ja nimmer sterblich sein!
Und wenn 's denn doch geschehen muss,
dann hofft er auf den schnellen Schluss.

Er will nicht leiden - wochenlang,
nicht hilflos sein im Klinikgang.
Er will nicht, dass ihn irgendwer
noch füttert, badet, pflegt und mehr.

Derweil er über jenes sinnt
und seine Mittagsstund' beginnt,
bestellt er artig ein Kotelett,
ein Steak dazu, dann ist 's komplett.

Sich selbst wünscht er den Tode fern,
doch Fleisch und Wurst isst er zu gern.
Den Schlachthof aber sah er nie.
Dort starb für ihn das liebe Vieh.

Das Kalb, das Lamm, die Kuh, das Schwein -
sie wollten gern unsterblich sein.
Doch weil der Mensch der Fleischlust frönt,
ward ihre Zeit nicht weit gedehnt ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 20. November 2012

Kopf hoch

Mag die Stunde schwierig scheinen,
steck' den Kopf nicht in den Sand.
Sollst auch nicht verzweifelt weinen!
Jemand reicht dir seine Hand ...

Zieht dich raus aus deinen Nöten,
hört dir zu und schenkt dir Trost.
Eng verknüpft mit Gottes Drähten,
schaut er lieb dir statt erbost ...

Gib dich hin in seine Hände,
und vertrau ein einzig' Mal.
Bald schon hat dein Leid ein Ende,
und verschwinden wird die Qual ...

Nimmer sollst du einsam grübeln,
wenn da einer helfend ist.
Er wird dir den Schmerz entzwiebeln,
Schicht für Schicht bis aufs Gerüst ...

Schick' nicht fort den edlen Retter.
Könnte gar ein Engel sein.
Denke dran, nach schlechtem Wetter
folgt auch wieder Sonnenschein ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 19. November 2012

Der Tannenbaum

Ach, wie traurig schaut er drein!
Abgeholzt und ganz allein
liegt er da im Lampenwald,
um schon bald als Leuchtgestalt
neuer Mittelpunkt zu sein.

Von dem Freundeskreis getrennt,
und vom Wurzelwerk gesägt,
wird er - wo er keinen kennt -
jener sein, den man benennt
als den Baum, der 's Städtchen prägt.

Neuer Held der Weihnachtszeit!
Oh wie strahlend wird er steh'n.
Er schreibt etwas Sinnlichkeit
mir auf die Kalenderseit',
und schaut ach so fotogen.

Doch er weint im tiefsten sein,
denn im Grunde ist er tot.
Ohne Wurzeln geht er ein,
und es reißt das Herz mir ein
ob der hoffnungslosen Not.

Kurz sein Glanz. Schon bald, schon bald
geh'n die Weihnachtslichter aus.
Nie mehr kehrt er in den Wald,
der ihm Heimat war und Halt.
Endstation als Augenschmaus ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 18. November 2012

Strom der Zeit

Wenn des Tages Licht erlischt,
und die Nacht sich leis'
mit dem letzten Stück vermischt,
das die Uhr ihr aufgetischt,
wird es glühend heiß.

Mit dem späten Glockenschlag
geht die Sonne auf.
Alles, was so finster lag,
macht sie abermals zum Tag
mittels Stromkreislauf.

Und sie taucht die Dunkelheit
ins Elektromeer.
Bunt erstrahlt ihr teures Kleid
weit bis in die Morgenzeit
über Dach und Teer.

Leuchtet mir den Straßenzug,
täuscht das Auge mir.
Ich verfall' dem hellen Trug,
saufe aus dem Stundenkrug
rein aus Lebensgier.

Will den Tag nicht scheiden seh'n,
klammer' mich ans Licht,
bis die Euro-Scheine fleh'n:
"Jetzt musst du den Schalter dreh'n.
Grund: die Stromsparpflicht!!"

Ach, du bunte Lampenflut
dieser Abendstund',
kostspieliges Lichtergut,
nun erhellt die Kerzenglut
meines Tages Schwund ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 17. November 2012

Plastikfest

Der Weihnachtsmann - welch schwerer Stand -
wird alsbald überhäuft
mit Wünschen aus dem Plastikland,
bis er darin ersäuft.

Ein Kunststoffheer aus PET
marschiert zum Tannenbaum
(denselbigen schmückt LED
und weißer Flockenschaum).

Der anfängliche Freudensturm
wälzt sich in Ironie,
denn bald zieht der Geschenketurm
als Müll zur Deponie.

Es ärgert ja den Weihnachtsmann
die Wegwerf-Prozedur.
Schon dreht der gute Kerl sodann
an seiner großen Uhr.

Und stellt die Jahre weit zurück,
als in der Weihnachtsstub'
ein Holzpferd und ein Seifenstück
sich in die Freude grub.

Als man ja noch so dankbar war
sogar fürs warme Hemd.
Heut' wird das weichgemachte Haar
der Plastikfrau gekämmt.

Als fern von allem Plastikwahn
die Weihnachtsstunde schlug,
und Puppe oder Eisenbahn,
vielleicht ein Schlafanzug,

den Glanz in all die Augen trieb,
das hätt' ich gern geseh'n.
Doch alles, was ich hier beschrieb,
wird nie mehr so gescheh'n ...

(c) Bettina Lichtner

Die Träne des Schmetterlings

Und ist das Herz dir erst entflammt,
dass es dir brennend in der Brust,
und fühlst du dich so insgesamt,
als packte dich die Liebeslust,
dann zöger' nicht, ihr nachzugehn,
eh sich die Winde wieder drehn.

Doch wo Gefühle wallend sind,
da werde nicht des Auges blind,
denn siehst du plötzlich wieder klar,
dann merkst du, dass da gar nichts war.
Der süße Trunk hat dich betäubt,
so dass nur kalte Asche bleibt.

Es schmolz das Wort wie Nougat-Creme,
das eben noch so angenehm
durch Ohr und Innenwelten flog,
und mit dem Sturm von dannen zog,
bis es im Nirgendwo erlischt,
und eine Träne dir entwischt.

Der Kuss klebt an der Lippe dir
als letztes Liebes-Souvenir.
Die Hand, die just die deine hielt,
hat sich so eisig angefühlt.
Jetzt läufst du auf der Scherbenflut,
wie es der Fakirmeister tut.

Der Schmetterling ist abgehau'n.
Nun fliegt er überm Mauerzaun
und friert und flattert ganz allein.
Er wollte liebesbindend sein,
doch schlug der Hass ihn in die Flucht
mit einer nie gekannten Wucht.

Jetzt weint der kleine Flügelzwerg.
Zu hoch ist ihm der fremde Berg.
Da plötzlich geht der Himmel auf,
und Gott schreibt auf das Blaue drauf:
"Verzweifle nicht, es wartet wer,
der ohne dich verloren wär' ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 16. November 2012

Es könnte schön sein

Frau Flora und Frau Fauna sind
im Einklang so wie Chöre.
Und Sonne, Regen, Frost und Wind,
der Mond und selbst das Sternenkind
sind ihre Regisseure.

Sie alle gehen mit der Zeit,
und fügen sich dem Reigen.
Mal hier und da ein Futterneid,
ein Rudel- und Reviere-Streit,
doch überwiegend Schweigen.

Kein Tier, das eine Waffe baut,
die Erde schröpft und schändet.
Kein Blümelein, das neidisch schaut.
Kein Baum, der einen andren haut.
Nicht viel, was trügend blendet.

Ein internationales Flair.
Kein Hass auf fremde Häute.
Das Spiel ist ehrlich, hart und fair,
und zieht mich als Bewunderer
alsbald auf seine Seite.

Schau ich jedoch zur Menschenwelt,
dann läuft es kalt den Rücken.
Denn hier regieren Gier und Geld
samt Macht, die sich dazu gesellt,
um andre zu erdrücken.

Hier mordet man sich tausendfach
mit ungezählten Waffen.
Man duldet unterm Heimatdach
den Fremden nicht und will mit Krach
ihn gleich ins Jenseits schaffen.

Die Vielfalt scheint ein Hindernis.
Welch bitterböse Spiele ...
Ach, wär' den Menschen doch gewiss,
dass jeder einst ins Grase biss!
Nur eins, nicht viele Ziele!!

Frau Flora und Frau Fauna, sie
sinnier'n beim Innehalten,
es hätte doch die Menschen nie
gegeben - ach, welch Utopie,
denn alles bleibt beim Alten.

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. November 2012

Taufrisch

Kühl zieht der Novemberhauch
in der Früh wie seichter Rauch
schweigsam über Berg und Tal,
und ein zarter Sonnenstrahl
zeichnet eine sanfte Spur
in die morgendliche Flur.

Leis' erwacht der neue Tag,
den ich zu begrüßen wag'
wie den fremden alten Freund,
der mir undurchschaubar scheint,
doch ich gebe mich ihm hin,
weil ich seiner dankend bin.

Dass er abermals sich schenkt,
und mir Stund' und Schritte lenkt,
dass mich Gott noch bei ihm ließ
und mich nicht ins Grabe wies,
dass ich nochmal kosten kann,
nehm ich voller Demut an.

Und mein Blick ergreift die Welt,
die sich schichtenweise pellt,
und mir ihre Wunder zeigt.
Und der Nebelschleier steigt
aus den Gräsern, aus dem Fluss,
meiner Seele zum Genuss.

Ist es nicht bedauernswert,
dass der Zeitdruck Tempo fährt,
der Termin dich engt und zwängt,
das Kalenderblatt dich drängt?
Sähst du doch den Morgentau
der novemberschönen Au ...

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 14. November 2012

Geheim bleibt geheim

Es ruht ein Geheimnis tief drinnen,
und fürchtet nichts mehr als das Licht.
Doch will es zu reden beginnen,
dann löst sich die Zunge ja nicht.

Der Mund hält sich eisern verschlossen,
lässt weder hinein noch hinaus.
Der Mut hat sich einsam erschossen,
er hielt dieses Schweigen nicht aus.

Das Wort suchte Wege ins Freie,
da stellte die Angst sich davor.
Es droht das Geheimnis: "ICH SCHREIE!!!"
Da drückten die Hände aufs Ohr.

Im Geist tobten mächtige Kriege:
"Nur ja kein Geheimnisverrat!"
Stattdessen versuchte die Lüge
verlogen den Wörterspagat.

Die Nerven war'n teils zerrissen
und teils zum Bersten gespannt.
"Die Welt soll die Wahrheiten wissen!"
"Die Welt gibt der Lüge die Hand!"

So liegen geheimnisumwittert
gar viele auf ewig im Grab.
Wie oft ein Geheimnis erschüttert?
Wer bräche darüber den Stab ...

Es bleibt ja so vieles verdunkelt,
und fürchtet nichts mehr als das Licht.
So wird ums Geheimnis gemunkelt.
Die Zunge, die löst sich ja nicht ...

(c) Bettina Lichtner

Eine Frage

Klammernd sind die Menschenhände
bis zum stillen Grabesnest.
Aug' in Aug' mit allem Ende,
ketten sie auf dem Gelände
selbst noch Plastikkannen fest.

Aufgereihte Schloss-Soldaten
wachen übers Kunststoff-Heer.
Bis die Herrn der Kannen nahten,
weil die Friedhofspflanzen baten,
jemand brächte Wasser her.

Und die Kanne packt Erregung:
"Endlich frei sein wie der Fink.
Endlich eine Gieß-Bewegung
auf die frische Kranzdarlegung.
Wie ich diese Stunde trink'!"

Und sie fragte sich indessen
angesichts der Grabeswelt:
"Hat der Mensch denn wohl vergessen,
dass die Zeit begrenzt bemessen,
dass er mich gefangen hält?

Dass er bis zum letzten Schlage
kettet, klammert und vertaut?
Abgesichert durch die Tage ...
Bleibt nur noch die eine Frage,
wann er Gottes Plan durchschaut ..."

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 13. November 2012

Zusammenhang


Es gibt rein gar nichts - nie und nimmer,
das nicht verknüpft einander nah.
Es braucht das A das B ja immer.
Es gäb' kein leeres Seelenzimmer,
wär' vorher nicht die Fülle da.

Es kann ja keine Stille geben,
wär' uns das Laute unbekannt.
Gäb 's keinen Tod, dann gäb 's kein Leben.
Es muss was fallen vor dem Heben.
Die rechte braucht die linke Hand.

Wir würden nie vom Hunger wissen,
wenn wir die Sattheit nicht gespürt.
Die Liebe würden wir vermissen,
es gäbe kein Versöhnungsküssen,
hätt' uns noch nie die Wut berührt.

Die Wärme lernen wir zu schätzen,
wenn uns das Eisige bedroht.
Wir wollen uns zur Ruhe setzen,
und an der Stille uns ergötzen,
färbt uns der Stress die Wangen rot.

Der Regen braucht die Sonnenstrahlen,
die Blume braucht den schwarzen Dreck.
Kein Innres ohne äußre Schalen.
Und wollte ich es düster malen,
dann gäb 's die Angst nicht ohne Schreck.

So braucht es immer zwei der Seiten.
Es existiert nichts ganz allein.
Das Neue braucht die alten Zeiten,
die Zukunft die Vergangenheiten,
und ich kann ohne dich nicht sein ...

(c) Bettina Lichtner

Schau runter


Die Nase hoch, die Brust geschwellt,
so geht ein Jemand durch die Welt,
und rühmt sich seines Hab und Guts
und seines Zocker-Wagemuts.

Er spielt mit Geld und spielt mit Macht,
und hat 's zu Ruhm und was gebracht,
und protzt mit Haus und Fuhrpark auch,
und einem wohlgenährten Bauch.

Der Teller voll, das Glas gefüllt,
und jeden Wunsch sofort gestillt.
In jedem Land, das ihm gefiel,
ein Prachtpalast im Villenstil.

Die Haut gebräunt, das Lid gestrafft.
Noch ein paar Pillen für die Kraft,
und immer ein Champagnerglas.
Ja, ja - das alles hebt die Nas'.

Und Neid und Missgunst schimpfen ihm,
doch er ruft nur: "I live my dream!"
Und eines Tages klopft mit Spott
ihm an die Zeit der liebe Gott:

"Den Dream, na, den vergiss mal flugs.
Ich bin der Herr des Atemzugs.
Hast du gar nur an dich gedacht,
und keine gute Tat vollbracht?

Hätt'st du die Nase mal gesenkt,
der Armut deinen Blick geschenkt,
das Elend hinterm Tellerrand
ein einzig Mal doch nur erkannt!

Dein Geld, die Macht - du Egoist!
Bald endet deine Erdenfrist.
Vielleicht - so überleg' es dir -
schaust du nicht ständig hoch zu mir.

Schau runter, wo die Not sich wiegt,
wo nur der leere Teller liegt!
Ein gutes Werk erfüllt dich mehr
als Müllgeweihtes ringsumher ..."


(c) Bettina Lichtner

Montag, 12. November 2012

Wohlfühlort

Wo 's die Seel' zum Baumeln lockt,
und das Herz geborgen weilet,
wo die Freude brütend hockt,
und das Wohlgefühl sich teilet,

wo die Haut nicht frierend flieht,
(weil die Wärme aller Seiten
nicht mehr durch die Leiber zieht -
eisig wären solche Zeiten!),

wo der Blick gleich ruhend schweift
ob der Schönheit außen, innen,
wo das Wort zum Schweigen greift,
und die Uhren Zeit gewinnen,

wo das Ohr genüsslich lauscht,
wenn die Vögel dirigieren,
und das Blut so wallend rauscht
wie im lüsternen Begieren,

wo die Hand sich gerne streckt
zu den himmelweiten Sternen,
wo die Sorge sich versteckt,
wo wir Stille kennenlernen,

wo der Fuß sich leiten lässt,
und ich nimmer suchend renne,
da allein nur ist das Nest,
das ich einfach HEIMAT nenne ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 11. November 2012

Wunder über Wunder

Das Leben ist ein kurzes Ding.
Kaum, dass ich mich darin verfing,
schon spüre ich, wie sie verging -
die Zeit, an der ich ach so hing.

Der Zweifel frisst, der Zweifel nagt:
Hast du den Wundern gar entsagt,
die Gott dir täglich ungefragt
und überall zu zeigen wagt?

Hast du die Augen aufgemacht?
Bist du tatsächlich aufgewacht?
Wie oft hast du 'nur so' gelacht?
Wie oft die Wut in dir entfacht?

Die Stimme will nicht ruhend sein.
In mir erhebt sich gar ein Schrei'n:
ERWACHT? GELACHT? ENTFACHT? OH NEIN!!!
Ich lebte wie im Nebelschein.

Ich sah die Blume nicht am Rand,
weil ich die Eile wichtig fand.
Ich sah nicht, dass der Sanduhr-Sand
nicht ein Sekündchen stille stand.

Ich hörte nicht der Amsel Ton.
Ich roch nicht an dem roten Mohn.
Der Wert der Zeit war mir ein Hohn,
erst recht das Wort von Gottes Sohn.

Ich sah die kleinen Schätze nicht,
und wendete mein Angesicht
gar ab vom Tod und seinem Licht,
bis dieser schließlich mahnend spricht:

"Dass ich dich hole, bleibt besteh'n.
Drum übe dich im Wunder-Seh'n.
Statt eiligst durch die Welt zu geh'n,
lass' deine Uhr sich achtsam dreh'n.

Vergiss die Selbstverständlichkeit!
Du hast nun mal nicht ewig Zeit.
Das einzig sich're weit und breit
ist deines Lebens Endlichkeit ..."

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 10. November 2012

So nicht

Bunte Träume, schwerelos,
gleiten dort im Abendschoß,
ankern in des Himmels' Nest,
und der Herrgott hält sie fest.

Jeder Traum, der ihm geschickt,
ist so bilderreich bestückt
und so auf den Punkt benannt ...
Und Gott sprach: "Wie amüsant.

Träumt nur weiter, wenn Ihr meint,
dass die Stund' dann sichrer scheint.
Wenn es Eure Herzen freut,
nun, dann träumt von Zeit zu Zeit.

Wollt Ihr aus dem Grauen flieh'n,
mögen Eure Träume zieh'n
hin zu mir, wenn Ihr denn denkt,
dass es Euch Erfüllung schenkt.

Rettet Euch mit Wunsch und Traum
aus dem engen Lebensraum.
Denn es bleibet ja dabei:
die Gedanken sind Euch frei.

Doch verfallt nur nicht dem Wahn!
Seid gewiss: in meinem Plan
ist ein Traum nicht vorgeseh'n.
Ich werd' alles anders dreh'n.

Lachend höre ich Euch zu.
Aber Du und Du und Du,
ach, Ihr könnt Euch sicher sein:
Plan ist Plan und Traum ist Schein ..."

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 9. November 2012

Der Glanz versinkt nie

Im schweigenden Fluss liegt das Schwere am Grund
und deckt sich mit schlammigen Häuten.
Und fließt er so seicht in der dämmernden Stund',
dann spiegeln sich leuchtende Zeiten.

Der Mond steigt vom Himmel zum nächtlichen Bad
und treibt ganz entspannt auf dem Nassen.
Ich seh' mich gerührt an dem Stillleben satt,
und möchte ..... doch kann es nicht fassen.

Die Sterne fall'n leise dem Fluss in den Schoß
und leisten dem Mondschein Gesellschaft.
Ich setz' meine Blicke aufs himmlische Floß,
befreit von der irdischen Schwerkraft.

Die künstlichen Lichter der nächtlichen Stadt
woll'n gleichfalls ins Wasser sich stürzen,
wo 's Ruhe und wenig Gedränge nur hat,
und Stunden nicht eilend sich kürzen.

Der Fluss scheint mir g'rad wie der Fluss unsrer Zeit:
wenn Stürme und Wellen sich stillen,
versinkt alles Schwere im schlammigen Kleid,
derweil die Gedanken sich füllen

mit strahlenden Lichtern, die Wege erhell'n,
die wir in den Stürmen nicht ahnen.
Ich werde nun achtsam ans Ufer mich stell'n,
und folge den leuchtenden Bahnen.

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 8. November 2012

Knappes Kleid

Ach, wie kurz ist doch dein Kleide.
Lockst den Blick verführerisch.
Eine hauchdünne zarte Seide
deckt mir gleich den Freudentisch.

Wie du säuselst, wie du bittest,
dass ich deiner doch umarm'.
Wie du reich dich mir verschüttest ....
(Wie der Kavalier den Charme!)

Kann dir kaum noch widerstehen.
Dein Frohlocken ist so süß.
Kann den Blick nicht von dir drehen,
dass ich mich gar fangen ließ

von den vielen Kostbarkeiten,
die du schenkend mir vermachst.
Einzigartig schöne Zeiten ...
Und du lachst und lachst und lachst.

Ach, du heiß geliebte Stunde!
Kurz dein Kleid, doch voll des Glücks.
Gib mir deinen sanften Munde
für den Kuss des Augenblicks ...

(c) Bettina Lichtner

Adebars' Irrtum

Hätte mich der Storch vor eine andre Tür gelegt,
alles Leid wär' mir erspart geblieben.
Alles, was so schmerzlich heute mir zu Buche schlägt,
stünde nimmer mir ins Herz geschrieben.

"Warst du, Meister Adebar, auf beiden Augen blind?
Hast du nicht die böse Macht gesehen?
Ich ertrug so vieles, was zu viel ist für ein Kind,
und die Zeit kann 's niemals mehr verwehen.

Warum musste meine Seele so geschunden sein?
Diese Antwort bist du mir noch schuldig.
Und wo bleibt die Strafe für die Schaffer meiner Pein?
Sag es mir, ich warte so geduldig.

Alles war so falsch, der falsche Ort, die falsche Zeit.
Eine Chance! Du hast sie mir vermasselt.
Gott und seine Engel standen einzig mir zur Seit',
betend hab' ich Stund' um Stund' verquasselt.

Sage mir, wie oft hast du die falsche Tür gewählt,
dass da Kinder in der Hölle schmoren?
Hättest du mir vorher von dem Teufelswerk erzählt,
wünschte ich, ich wäre nie geboren ..."

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 7. November 2012

Der warme Leib

Die Kälte nimmt Besitz vom Land.
Nun warten Schal und Mützen.
Die rechte und die linke Hand
verschwinden im verstrickten Band
des Handschuhs (bis sie schwitzen).

Sogar der graue Lampenmast
wird fürsorglich umwickelt,
dass ja sogleich der Herbst verblasst,
der stürmisch Baum und Strauch umfasst
und Ast um Ast zerstückelt.

Wohl dem, der wärmend eingepackt
die kühle Zeit durchschreitet.
Er wandert mit dem Frost im Takt,
nur seine Nase liegt ihm nackt,
als sich der Eiswind breitet.

Derweil dort unterm Brückendach
der Obdachlose zittert.
Er liegt in seinem Pappbett wach.
Der Hunger macht den Leib ihm schwach,
und ach, er denkt verbittert:

"Warum strickt man die Ampel bunt?
Ach, wär' ich doch wie jene ...
Dann strickte man ein Kleid mir, und
ich fröre nimmer wie ein Hund.
Wie ich mich danach sehne ...

Ich möchte eine Ampel sein!
So kommt, Ihr Strick-Gesellen!
Und hüllt mich warm mit Wolle ein.
Die Kälte kriecht durch Mark und Bein,
und will mich grabwärts stellen.

Wärmt nicht den grauen Straßenzug
bei diesen Minus-Graden.
Es wäre wahrlich gut und klug
(und Wolle habt Ihr ja genug),
Ihr gäbet mir den Faden ..."

(c) Bettina Lichtner

Sie wartet und wartet

Ein Wort der Liebe schlängelt sich,
dem Regenwürmchen gleich,
von mühselig bis jämmerlich
durchs hassverseuchte Reich.

Ein Kampf, der oft verloren scheint,
die Zungen sprechen roh.
Das Wort, das sonst so lieb gemeint,
verbrennt nun lichterloh.

Der Teufel formt die Satzgestalt
sich so, dass sie verletzt.
Er füllt die Sprache mit Gewalt,
bis sie das Glück verätzt.

Es speit der Mund gar Pfeile aus,
die spitzer sind als spitz.
Sie reißen all die Blüten raus
mitsamt dem Wurzelsitz.

Da hat die liebe Liebe Müh',
doch schaut sie tapfer drein.
"Dass ich dem Wort den Hass entzieh',
soll Traum und Ziel mir sein!"

So schlängelt sie sich nimmermüd'
seit Anbeginn der Zeit
uns durch das schlafende Gemüt,
bis wir für sie bereit ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 6. November 2012

Wie im Flug

Scheinbar hast du dich verflogen,
deine Zeit lag sommerwärts.
Was hat dich dazu bewogen,
dass du in den Herbst gezogen?
Schwächlich schlägt dir nun das Herz.

Deine Kräfte, ach, sie schwinden.
Deine Flügel liegen müd'.
Wolltest wohl das Goldne finden
in den welken Blättergründen.
Nun klingt bald dein Abschiedslied.

Kann dich geradewegs durchschauen,
denn dein Leben währt nicht lang.
Doch des Herbstes kühle Klauen
kann selbst meiner schwer verdauen
und um dich wird es mir bang.

Denn du kannst dich nicht vermummen,
so wie ich es gottlob kann.
Allzu bald wird es verstummen,
dein bedrohlich schönes Summen,
doch du gehst mir nur voran ...

Eines Tages tut auch meiner
seinen letzten Flügelschlag.
Dieser Stund' entkommt ja keiner.
Und in Demut werd' ich kleiner,
Aug' in Aug' mit jenem Tag.

(c) Bettina Lichtner

In eigener Sache

Ab sofort betreibe ich einen zweiten Blog, der da lautet:



           trauerverse.blogspot.com



Montag, 5. November 2012

Grüß mir den Mond

Meine Blicke will ich tauchen
in das Meer der dunklen Nacht,
Grüße in den Himmel hauchen,
wo der Mond erhaben wacht,

Wünsche zu den Sternen schicken,
zu den Lieben hoch hinauf.
Könnt' ich ihre Seelen pflücken,
kletterte ich eiligst rauf.

Alle holte ich sie wieder,
dass sie wieder bei mir wär'n.
Doch ich hör' die zarten Lieder,
die mir singen aus der Fern':

"Lass' sie los, die Liebsten deine.
Wisse, dass sie immer da.
Wenn du weinen musst, so weine!
Denk' an sie, dann sind sie nah.

Lass' sie selig heimwärts fliegen.
Gott hat diese Reis' gebucht.
Wenn sie dir im Herzen liegen,
fand es ja, was es gesucht."

Und so lass ich 's göttlich walten,
weil ich nichts mehr ändern kann.
Werd' sie immer bei mir halten ...
Und die Träne rann und rann.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 4. November 2012

Hand aufs Herz

Die Finger sind mir gar so klamm,
denn kühl zieht 's über Länder.
Es bläst ein Wind so eisig stramm,
und des Novembers' junger Stamm
schlägt Wurzeln im Kalender.

Der Leib wird wärmend eingehüllt,
dass er nur nicht erfrieret.
Der Geist hat Farben angespült,
dass man des Sommers' Atem fühlt
und seiner in sich spüret.

Bald schickt die Wolke ihren Schnee,
den Kleinsten ja zur Freude.
Das Jahr haucht leise ein Adé.
Das Winterkind küsst die Allee
und tanzt im weiße Kleide.

Der Herbst lädt Fräulein Frost zu sich
zum Spiel der kalten Lüste.
So wird es bald recht winterlich,
doch heiße Wünsche innerlich
zieh'n glühend durch die Brüste.

So dass die kühle Jahreszeit
mit Streichhölzern mir zündelt,
und feurige Begehrlichkeit
samt lauschiger Behaglichkeit
in meinem Herzen bündelt.

Und liegt die Hand auch frierend mir
im Schlund des Eisgeheuers,
ich öffne flugs die eine Tür
der Flammengöttin und ich spür'
die Hitze ihres Feuers.

Des Feuers, das mich liebend nährt,
auch wenn der Winter lauert.
Die Glut hab' ich ins Herz gesperrt,
wo sie Jahrzehnte ungestört
die Kälte überdauert ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 3. November 2012

Trick oder Herz

(nach der Melodie "Hänsel & Gretel")


Oh, welch ein Lächeln strahlt mir da in den Blick.
Kommt 's aus dem Herz oder ist 's ein böser Trick,
um mich zu irritieren, um mich zu hintergeh'n?
Könnt' ich doch hinter das fremde Lächeln seh'n.

Will es mich fesseln mit liebevollem Charme?
Nimmt es betrügend mein Seelchen auf den Arm?
Was will es mir nur sagen mit seinem stummen Schwung?
Schaut so gehetzt, so als sei es auf dem Sprung.

Wird es mich kränken, dass ich gar bitter wein'?
Ist seine Süße nur säuerlicher Schein?
Ich komme nicht dahinter, was es wohl von mir will.
Es wirkt gefroren, geheimnisvoll und still.

Es ist so selten, dass ich dem Lächeln schau,
dass ich nicht weiß, ob ich seiner wirklich trau.
Vielleicht will 's mich erinnern an eine schöne Zeit.
Mich treibt die Sehnsucht in die Vergangenheit.

Kann es nicht halten, ich werde es verlier'n.
Würd' ja so gerne den Mund dazu berühr'n.
Schon wandert es von dannen und ich steh' hier allein.
Wer mag der Herr wohl von diesem Lächeln sein?

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 2. November 2012

Die letzte Blüte

Mitten im Sturm und in frostiger Kälte,
zeigt eine Rose ihr liebstes Gesicht,
dass ich mich ihrer gleich vis-à-vis stellte,
und sie unsterblich verflocht im Gedicht:

"Welch eine Farbe, so wohltuend linde.
Blühender Duft in erkalteter Welt.
Lehnst dich so zärtlich dem Baum an die Rinde,
der dich behutsam und liebevoll hält.

Magst wohl nicht welken ...... ich kann dich verstehen,
denn ach wie herrlich das Leben doch ist.
Immerzu will man im Reigen sich drehen,
und sie vergessen, die irdische Frist.

Du bist ein Tupfer am graudunklen Morgen,
scheinst mir ein Gruß von den Engeln zu sein.
Möchte den rosigen Frieden mir borgen,
und mir die Kraft der Gelassenheit leih'n.

Reckst dich so mutig, dem kühlen Wind trotzend,
stolz und so aufrecht zum Himmel empor.
Bist vor lebendigem Willen so strotzend,
dass ich mein Herz an das deine verlor.

Zeigst ja so tapfer dem Herbst deine Blüte,
willst dich nicht trennen, und doch kommt der Tag.
Schreibend bewahr' ich dich samt einer Güte,
die mir ein Mensch nie zu zeigen vermag ..."

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 1. November 2012

Teurer Stoff

So spinnt mir den Faden, wie Gott es gewollt,
du Tag und du Nacht! Spinnt, Ihr beiden!
Und zieht Eure Spule den Faden zu Gold,
so bleibt mir das Glück für den Augenblick hold,
und ach, mein Gemüt muss nicht leiden.

Doch spinnt Ihr den Faden zu pechschwarzem Garn,
so webt mir gleich Trost in die Stunde.
Denn, wenn die Gefühle erst Achterbahn fahr'n,
dann werde ich nicht an der Tränenzahl spar'n
solang', bis zum Heilen der Wunde.

Ich hab' keinen Einfluss auf Muster und Schnitt,
und muss allen Plänen vertrauen.
So lauf' ich im Takte des Spindelklangs mit,
und folge den Spuren, die Gott vorher tritt,
und die mir so liebevoll schauen.

Sogar auf die Länge hab' ich keinen Griff.
Ich weiß nicht, wie lang' ich 's Hemd trage.
Ich bin nur ein Gast auf dem treibenden Schiff,
das irgendwann ankert; wer weiß, welches Riff ...
Gewiss nur ist 's End' aller Tage.

Ein fleißiger Schneider, das ist mir die Zeit.
Strickt langsam, auch wenn ich sie scheuche.
Und täglich liegt andere Wolle bereit.
Seit Jahren tagtäglich ein anderes Kleid,
und nie trag' ich zweimal das Gleiche ....

(c) Bettina Lichtner