Montag, 31. Dezember 2012

Adieu 2012

Aufgeregt wie junge Pferde
steht die neue Monatsherde
in den Startlöchern der Zeit.
Heute Nacht nun ist 's soweit.

Der Dezember wird uns weichen,
und mit lautstarken Gebräuchen
wird das neue Jahr begrüßt,
das sich wie ein Rätsel liest.

All die Tage zu entdecken,
die so scheu sich noch verstecken,
wird mir eine Freude sein.
Möge Tag um Tag gedeih'n.

Will das alte Jahr nun scheiden,
samt dem Glück und samt dem Leiden,
wird der Bogen neu gespannt,
und verkürzt das Lebensband.

Lebewohl, du gutes Treues!
Sei gegrüßt, du fremdes Neues!
Wo was anfängt, hört was auf.
Und ich folge diesem Lauf ....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 30. Dezember 2012

Etwas lief falsch

Vergewaltigt und misshandelt
starb die schöne junge Frau.
Ob sich das Gesetz nun wandelt,
weiß wohl niemand so genau.

Und ich frage mich betroffen,
was verkehrt lief im Gehirn.
Doch die Fragen bleiben offen.
Wer will schon die Antwort hör'n?

Denn dann müsste man gestehen:
die Gesellschaft hat 's verbockt.
Irgendwo ist was geschehen,
was das Böse rausgelockt ...

Niemand wird von Gott erkoren,
sich als Mörder zu versteh'n.
Friedlich wird der Mensch geboren,
bis die Winde feindlich weh'n.

Irgendwo ab Zeitpunkt Wiege
lief was falsch bis hin zur Tat.
Und das Leben ward zur Lüge,
und der Seele platzt die Naht ...

Niemand will gesehen haben,
dass der Teufel Schicksal spielt.
Saßen blind in ihren Waben,
während wer die Uhr anhielt ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 29. Dezember 2012

Frühzünder

Durch die Ferne peitschen dumpfe Geräusche,
wie Gewehre! Oder ob ich mich täusche?
Oder sind es unbelehrbare Wesen,
die zu dumm sind, den Kalender zu lesen?

Ja, fürwahr! Es sind Silvesterraketen,
die (zu früh entflammt) die Ruhe mir töten.
Und die Tiere packen Ängste im Nacken.
Würd' zu gern mir diese Frühzünder packen ....

Ist 's so schwer, noch ein, zwei Tage zu warten?
Warum jetzt schon mit dem Jahresschluss starten?
Ohne Rücksicht wird gen Himmel geschossen
noch bevor die letzten Stunden verflossen.

Viel zu schnell ist all der Frieden verflogen,
der zur Weihnacht durch die Herzen gezogen.
Schon zerreissen Explosionen die Stille.
Gebt den Knallfröschen Kalender und Brille!!!


(c) Bettina Lichtner

Auf zu neuen Ufern

Der Countdown läuft,
und langsam reift
das neue Jahr heran.
Die Stund' ersäuft,
die Neugier häuft
so sehnsuchtsvoll sich an.

Was birgt die Zeit?
Wie schaut das Kleid,
das 'Zwanzig Dreizehn' trägt?
Ich schwör' den Eid
der Tapferkeit,
ganz gleich, was mich bewegt.

Ein neues Spiel.
Ein fremdes Ziel.
Die Schritte unbekannt.
Ich säe viel
vom Herzgefühl
ins unberührte Land.

Dass es erblüht
und weiterzieht
und reiche Früchte bringt.
Ich hoff' verfrüht,
dass (froh bemüht)
die Ernte auch gelingt.

Ich lad' dich ein,
mir Freund zu sein,
du neuer Jahreskreis.
Sei 's süßer Schein,
sei 's finstrer Hain -
ich folge deiner Weis' .....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 28. Dezember 2012

Guter Vorsatz

Der Dezember packt die Taschen,
denn sein Abschied steht bevor.
Seine Herrlichkeit zu naschen,
Glanz und Freude zu erhaschen,
lockte tiefstes Glück empor.

Doch nun schleicht aus dem Gewissen
mancher Vorsatz an das Licht.
Manchen lasterhaften Bissen
werden wir entbehren müssen,
weil der Geist uns mahnend spricht!

Jeder Jahreswechsel wieder
soll der Weg ein andrer sein.
Doch der Willen kennt die Lieder,
und sie sind ihm so zuwider -
diese Vorsatzheuchelei'n.

Nicht mehr rauchen, nicht mehr trinken,
und die tausendste Diät.
Jedes Jahr die alten Schinken!
Doch in Bälde schon, da winken
welke Floskeln aus dem Beet.

Und so ist 's ein stetes Kommen,
immer zur Silvesterzeit.
Mutig einst zum Ziel genommen,
wird bald aus dem Munde kommen:
"Morgen, morgen, nur nicht heut' ....."



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Gefühlsecht

Wenn der Krokus im Dezember aus der Erde schaut,
weil im Winter schon der Frühlingsduft frohlockt,
und die Meisenmutter gar ein warmes Nestchen baut,
hat die Wetterfee sich offenbar verzockt.

Schal und Mantel hängen wartend im Gard'robenschrank,
denn vom strengen Frost fehlt weiter jede Spur.
Ein verliebtes Paar sitzt turtelnd auf der Stadtparkbank.
Welche Jahreszeit erleben wir denn nur?

Statt das Eis die Straßen, Häuser und die Bäume deckt,
liegt es rosarot im waffeligen Kleid.
Und die süßverwöhnte Zunge, die 's genüsslich schleckt,
hängt gedanklich in der letzten Sommerzeit.

Vor Jahrzehnten noch versank das Land in weißer Pracht,
doch der Klimawandel schmolz den ganzen Schnee.
Weil uns nun die warme, frühlingshafte Sonne lacht,
springt so manches Herz im flirtenden Karree.

Selbst die Knospen woll'n sich zeigen auf dem nackten Ast.
Und die Gänse sparen sich den weiten Flug.
Und weil Tag und Wetter nicht mehr zum Kalender passt,
ruft Herr Petrus hoch im Himmel laut: "BETRUG!!!"

Alles ist so durcheinander, die Natur verwirrt.
Und der Mensch alleine trägt daran die Schuld.
"Ach, Ihr Tiere ...... Pflanzen, alles hat der Mensch zerstört.
Und mir flieht vor lauter Ärger die Geduld ...."



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Die letzten Stunden

Groß war die Mühe, der Weihnacht zur Ehre!
Und allzu hurtig ging alles vorbei ....
Doch, was ich ewig und nachhallend höre
ist dieses Lachen, das ehrlich und frei.

Lang wird der Abend den Geist mir bereichern
mit seinen Bildern, die sicher verwahrt.
Werde die glücklichen Stunden mir speichern
und sie betrachten, wenn 's Leben zu hart.

Schnell, viel zu schnell lief der Zeiger der Uhren,
kaum dass der Christbaum so glänzend mir schien.
Schon bleiben nur noch gedankliche Spuren,
die gar so wärmend durchs Herze mir zieh'n.

Einmal noch will ich den Frieden genießen,
eh dieses Fest seinen Abschiedshut hebt.
Eh wir die Jahre verlier'n und begrüßen.
So sei die Stunde vollkommen gelebt!

Morgen ist alles vorüber, denn leider
drängt sich der Alltag zurück in die Welt.
Dann legt die Weihnacht die festlichen Kleider
eiligst hinfort und der Zauber zerfällt .....


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 25. Dezember 2012

Happy Birthday!

Herzlichen Glückwunsch, du Jesuskind, du!
Schau' dir nun jährlich beim Jubeltag zu,
frag' mich seitdessen, wie du es wohl machst,
dass du so ewiglich jugendlich lachst.

Jährlich erweckt dich das Krippenspiel neu.
Liegst dort im Stroh noch so lieblich und scheu,
dass er mich sticht, dieser neidische Dorn,
denn ich begänne ja auch gern von vorn.

Wäre ich du und von allen bestaunt,
reichlich beschenkt und dazu noch der Sound
friedlicher Lieder - wie schön ich das fänd'.
Jedes Jahr wieder der fromme Moment!

Wie sie dich ehren, du glücklicher Fall!
Plötzlich genügt da ein kärglicher Stall,
um diesen Glanz in den Augen zu seh'n,
während sie sonst durch Palasträume geh'n!

Du, kleiner Bengel, hast magische Kraft!
Du nur allein bist 's, der 's immerzu schafft,
dass die zerrissene, schwankende Welt
in eine friedliche Stimmung verfällt ....



(c) Bettina Lichtner

Montag, 24. Dezember 2012

Gesegnete Weihnacht!

So sei mein Gast, Herr Jesu Christ.
Beehre mich und bleibe.
Dass du zur Erd' gekommen bist
und alle Sorgen fort mir küsst,
ist 's, was ich dankend schreibe.

Die Nacht der Nächte - lang ersehnt!
Ich fühle tiefsten Frieden.
Dass mein Herz sich an deines lehnt,
du Christuskind, sei hier erwähnt.
So ist uns Freud' beschieden.

Der Christbaum wird lebendig heut'
und lacht mit allen Zweigen.
Ich liebe dich, du Weihnachtszeit.
Die Seele atmet ganz befreit
und alle Lasten schweigen.

Des letzten Türchens süßer Gruß
zergeht, zerfließt auf Zungen.
Ich spür' von Kopf bis hin zum Fuß
die Ungeduld des Kinderschuh's
der Zeit, die längst verklungen.

Oh Weihnachtszeit, du schöne Stund'!
Ich reiche dir die Hände
und danke dir, dass ich gesund
und mit den Liebsten im Verbund
mit dir das Jahr beende .....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 23. Dezember 2012

4. Advent

Ach, zu Recht seh' ich Euch zittern,
weil Ihr gleich erlöschen müsst.
Ihr und ich, wir können wittern,
dass bald Heiligabend ist.

Was ein einzelner begonnen,
ward zum Du-, Terz- und Quartett.
Gleich jedoch seid Ihr zerronnen,
was ich gern verhindert hätt'.

Doch, Ihr wisst, man kann nichts halten.
Alles schmilzt und alles fließt.
Bald wird Euer Docht erkalten,
denn das Fest der Feste grüßt.

Habt Ihr gerade Euch gefunden
und Euch auf dem Kranz vereint,
naht das Ende unumwunden,
und es hat sich ausgescheint.

Lieblichste Adventsgenossen!
Wie ich Euch vermissen werd'.
Just zum Viererbund geschlossen,
wird das Kleeblatt gleich zerstört.

Drum Adieu, Ihr Kerzenlinge!
Viermal traft Ihr mein Gemüt!
Morgen aber, morgen singe
ich dem Tannenbaum ein Lied .....


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 22. Dezember 2012

Volle Körbe

Es kommt ein Korb geladen
bis an den höchsten Rand.
Von Supermarktnomaden
bis obenhin beladen
steht er vorm Kassenband.

Derweil am Erden-Ende
der Hunger um sich greift,
wird im Discount-Gelände
durch nimmersatte Hände
die Ware angehäuft.

In weihnachtlichen Zeiten
wird Vorrat angelegt.
Wenn dann die Glocken läuten,
und sie zu Tische schreiten,
ist dieser reich belegt.

Ein Festschmaus für den Gaumen
(da staunt das arme Kind).
Man leckt sich gern die Daumen
nach Gänsebrust mit Pflaumen
und ist vor Sattheit blind.

Blind für des Hungers Leiden,
das nah ist und auch fern.
Die vielen Tafelfreuden,
um die sie uns beneiden -
wir könnten sie entbehr'n ......



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 21. Dezember 2012

Web-Legasthenie

Ein Dichter durch den Web-Wald ging,
nach Schreibweisen zu suchen.
Sein Blick, der sich im Netz verfing,
fand 's gute Wort als Kürzelding.
(Auch Dichter können fluchen!)

Die Rechtschreibung - einst höchstes Gut -
lag winselnd in der Ecke.
Ach, was für eine Fehlerflut.
Dem Dichter wallte gleich das Blut.
Das Wort blieb auf der Strecke!

Verhunzt, entstellt und sowieso
dem Sinn bedenklich ferne.
Gesunken ist das Schreibniveau.
Dass jenes in den Abgrund floh,
sah 's Dichterherz nicht gerne.

Die Rechtschreibregeln außer Acht
wird 's frei nach Schnauz' geschrieben.
Es wird ums Wort nicht nachgedacht.
Das Web hat es kaputt gemacht.
Nichts ist von ihm geblieben.

Der Dichter fragt, warum 's so ist.
Wer lehrt das rechte Schreiben?
Vervielfältigter Wörtermist,
der arg am kund'gen Auge frisst.
Wohin wird uns das treiben???



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Frosch im Hals

Es ist ein Frosch entsprungen
dem räusperhaften Schlund.
Der Schleim hielt ihn umschlungen,
sein Quaken hat geklungen
wie das Gebell vom Hund.

Ein tagelanger Husten
lag drückend auf der Brust.
Das qualgefüllte Prusten
klang runter bis nach Houston
und stahl die Lebenslust.

Gerötet war die Gegend,
in der das Fröschlein hing.
Die Stimme krächzte sägend
und mitleidvoll bewegend.
Herrje, das arme Ding ....

Bakterien und Viren
in Angriffsposition,
die wollten Kriege führen,
doch werden sie verlieren
dank Dampfinhalation.

Zudem noch Halspastillen
und Hustensaft dazu
und wärmend sich verhüllen -
schon steigt der Lebenswillen.
Der Körper lechzt nach Ruh.

Der Arzt verordnet Schonung.
Und bald - hurra, hurra -
die freudige Belohnung:
die frische Stimmvertonung
ist glockenhell und klar ...


(c) Bettina Lichtner


Mittwoch, 19. Dezember 2012

Inside

Lasset uns lauschen auf Stimmen von innen,
dass wir daraus neue Kräfte gewinnen,
dass sie uns leiten und nimmer uns flieh'n.
Lasst uns beizeiten ins Innere zieh'n.

Bringet die Ruhe in Eure Gemüter.
Seid den Gedanken ein strenger Behüter.
Nicht sei der Herzschlag ein rasender Zug.
Habt Ihr doch nur einen einzigen Flug.

Und Euer Atem sei sachte und leise.
Welch ein Genuss birgt die innere Reise.
Das, was wir brauchen, war immer schon da.
Tief in der Seele ist Kostbarkeit nah.

Selige Stille inmitten des Lauten!
Ach, dass wir deiner nicht oft genug schauten,
ist zwar sehr schade, doch niemals zu spät.
Froh ist der Blick, der nach innen gedreht ....


(c) Bettina Lichtner

Haltet ein

Still, still, still .....
Lasst das Kriegsgebrüll!
Legt die Waffen aus den Händen,
um die Schlachten zu beenden.

Haltet ein .....
Friedlich soll es sein!
Nimmer sollen Menschen sterben,
nicht die Erde rot sich färben.

Werdet klug .....
Ach, es ist genug
mit dem Kampf um Ruhm und Ehre!
Schmeißt hinfort all die Gewehre.

Seid nicht blind ......
Schießt nicht auf das Kind,
nicht auf Männer, nicht auf Frauen.
Feige ist des Mordens Grauen.

Öffnet weit
Eure Herzlichkeit,
die als Kind Euch angeboren.
Wo nur habt Ihr sie verloren?


(c) Bettina Lichtner

Montag, 17. Dezember 2012

Seekrank

Oh, du fröhliches Glühwein-Gelage!
Mir ist so schwummrig der Blick.
Noch ein Glas und ich ahne schon vage,
mich bringt ein Taxi zurück.

Heißer Trunk aus erhitzten Prozenten
färbt mir die Wangen so rot.
Werd' ergriffen von Schwindel-Momenten
wie auf 'nem schwankenden Boot.

Wärmend fließt es den Schlund mir hinunter,
brodelt durchs Adergeflecht.
Und die Zunge, sie plaudert so munter.
Aber dem Magen wird schlecht.

Plötzlich mehren sich Häuser und Leute.
Doppeltes Lottchen - au wei!
Ach, ich denke, es reicht wohl für heute.
Ich sag der Runde 'Bye, Bye'.

Wie nur bin ich nach Hause geraten?
Oh, ich erinner mich kaum.
Alles Quatsch, denn ich will Euch verraten:
dieses hier war nur ein Traum .....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 16. Dezember 2012

3. Advent

So schön das dritte Licht auch schaut,
die Freude mag nicht recht mir blühen,
weil auf der Welt das Leid sich braut
und Tränen in den Himmel ziehen.

Es werden Leben ausgelöscht
durch fehlgesteuerte Gehirne.
Die Hand, die mit dem Blut sich wäscht,
ist Schuld, dass ich ob ihrer zürne.

Kein Tag vergeht auf dieser Welt,
wo Schmerzen nicht das Spiel regieren.
Mein Blick, der aufs Adventslicht fällt,
will sich nicht wärmen, spür' ihn frieren.

Dem Mensch kann man nicht wirklich trau'n.
Das Äußere kann ja so trügen.
Man kann nur bis zur Stirn ihm schau'n.
Was mag denn nur dahinter liegen?

Es sind zu viele Teufel hier,
die mit dem Tode im Verbunde.
Als Mörder steh'n sie in der Tür
und töten Leib samt froher Stunde.

Im Kerzenflackern ahne ich
das Leid und hätt' es gern vertrieben.
Es denke niemand nur an sich!
Ach, nur wer mitfühlt, weiß ums lieben ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 15. Dezember 2012

Weiße Träume

Schneeflöckchen, sei pünktlich, bald ist es soweit.
Es wäre so schön, wenn es Weihnachten schneit.
Das würd' mir gefallen, drum breite dich aus,
und decke die Wiesen, die Straßen, das Haus.

Vertreib mir den Regen, er schaut mir so trüb.
Und sag der Frau Holle, ich habe sie lieb.
Sie soll ihre Kissen mal alle entleer'n.
Ich hoff', sie lässt baldigst recht viel von sich hör'n.

Ach, läge erst Schnee, würd' ich wieder zum Kind
(doch nur in Gedanken, die frei wie der Wind ....).
Ich sauste im Schlitten vom Berg in das Tal.
Ich jauchzte und lachte ....... wie früher einmal.

Ich drückte den Schnee mir zur Eisglätte platt
und rutschte darauf, bis die Kräfte mir matt.
Die Schneebälle flögen zum Himmel hinauf
(die eiskalten Hände, die nähm' ich in Kauf).

Ich würde noch einmal den Schneemann erbau'n.
Noch einmal zu tanzenden Schneeflocken schau'n.
Dann ginge ich völlig durchfroren hinein
und ließe ein wohliges Bade mir ein.

Ein heißer Kakao mit 'nem sahnigen Hut,
der täte dem frierenden Leibe so gut.
Ja, ja, so könnt 's sein, wenn ein Kindlein ich wär'.
Doch .... alles vorbei! Denn ich bin 's ja nicht mehr.


(c) Bettina Lichtner

Falsche Zeit, falscher Ort

Anlässlich des furchtbaren Massakers an einer amerikanischen Grundschule am gestrigen Tage, möchte ich versuchen, meine Traurigkeit darüber in folgende Zeilen zu weben:


Lieber Gott! Wo warst du nur,
als ein Mörder seine Spur
durch die Grundschulgänge zog
und den Frieden dort verbog?

Als er Kugeln um sich schmiss,
Menschen aus dem Leben riss?
Als er all die Kinder traf?
Bist du nicht für "Peace and Love"?

Panik und die Angst vorm Tod
warf die Welt dort aus dem Lot.
Warum lässt du sowas zu????
Sag mir, Gott, wo warst denn du?

Als sie schrien und als sie floh'n,
hast du da auf deinem Thron
taub und blind dich weggedreht?
Herr, erhöre mein Gebet:

Wenn es dich tatsächlich gibt,
mach doch, dass der Mensch sich liebt,
dass er nicht ein Leben stiehlt,
was noch gar nicht durchgespielt!!

Dass die Hand nicht Blut vergießt,
sondern wärmend herzt und grüßt.
Mach die Hirne frei von Hass.
Pflanz stattdessen Freud und Spaß!

Aber, ach, ich ahne schon,
mein Gebet ist nur Vision.
Manches Herz kennt nur Gewalt
und das macht die Wärme kalt ....


(c) Bettina Lichtner

Lösungsweg

Was soll es bedeuten, dass alles vergeht?
Das Schöne, das Böse, das Gute, das Schlechte ...
Rein gar nichts will bleiben, denn früh oder spät
verschwinden die Tage im Dunkel der Nächte.

Und will ich 's auch halten, es scheitert ja eh.
Denn alles auf Erden ist nurmehr geliehen.
Selbst ich bin vergänglich vom Kopf bis zum Zeh.
Ach, alles was knospend, wird wieder verblühen.

Ich kann es nicht fesseln, nicht binden an mich.
Die Zeit liebt die Freiheit, sie fliegt mit den Wolken.
Und wenn auch die Stunde für immer mir wich,
so hab' ich sie saugend in Gänze gemolken.

Ich trink aus dem Glas, das sie reicht, trink es leer.
Und selbst dieser Schluck wird auf ewig verschwinden.
Ich ahne, am Schluss bleibt mir nichts, gar nichts mehr.
Hab nur den Moment, um das Sein zu ergründen.

Und weil es so ist, dass mir alles vergeht,
und jede Sekunde mit Gold so beladen,
drum koste ich jene, von früh hin bis spät.
Ich weiß ja, die Zeit hängt am seidenen Faden .....



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 14. Dezember 2012

Süßer Ton

Süßer werden sie nie klingen
und so viel Gewinn einbringen,
diese weihnachtlichen Glocken
(die uns wie hypnotisch locken),
als in den Dezembertagen,
wenn die Euros Flügel tragen.

Und sie flattern in die Kassen,
denn die Menschheit kann 's nicht lassen:
massenhaft Präsente kaufen,
bis zum Schluss durch Läden laufen,
um ans Jesuskind zu denken,
und es reichlich zu beschenken (?)

Denn das Fest der Liebe wartet ....
(leider etwas ausgeartet).
Liebe kann man wenig sehen.
Unterm Weihnachtsbaume stehen
bar bezahlte kalte Küsse
eingerahmt durch Haselnüsse.

Liebe Worte hört man selten!
Liebe kann wohl nur was gelten,
wenn sie als Konsum verkleidet
an erfüllter Gier sich weidet.
Liebe unter Tannenästen
gibt sich bunt verpackt zum Besten.

Würde man die Liebesmächte
dieser einen Nacht der Nächte
in die Herzen fließen lassen
(statt in die gekauften Massen),
Jesuskind würd' endlich stranden,
denn die Botschaft wär' verstanden ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Vertraute Klänge

Alle Jahre fall' ich wieder
in die Sehnsucht alter Zeit.
Durch die müd' geword'nen Glieder
krabbelt die Vergangenheit.

Liedgut will sich in mir breiten,
das ich einst so gerne sang.
In den neumodernen Zeiten
misse ich den schönen Klang.

Ob die World-Wide-Web-Vernetzten
(die von jüngerer Statur)
sich wohl noch zusammensetzten
für die Weihnachtspartitur?

Mit den altbewährten Texten?
Die ...... von anno dazumal?
Ach, die Zeit zerschlug mit Äxten,
was der Opa einst empfahl.

"Weihnachtslied, dir droht das Ende,
bist du nicht im Hip-Hop-Sound!"
Wie bedenklich ist die Wende!
Wütend bin ich ....... und erstaunt.

Lehrt denn niemand mehr zu singen,
was uns früher so gefiel,
als wir noch zur Schule gingen?
Scheint es gar der Müh' zu viel?

Rettet mir die Weihnachtsklänge!
Lasst sie wieder lebend sein!
Dass die Uhr sie nicht verdränge,
ladet sie ins Herz Euch ein ....



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Einmal glücklich sein

Haltet Eure Augen offen.
Überall ist Not und Leid.
Habt Ihr schon mal wen getroffen,
der in größter Einsamkeit?

Den 's verlangt nach einem Bissen?
Den 's verlangt nach Liebe gar?
Plagen soll mich das Gewissen,
dass ich oft nicht sehend war.

Ach, die Welt ist voll der Armen,
die der Weihnacht fürchtend sind.
Denn sie liegen nicht in warmen
Armen, wie 's geliebte Kind.

Sie sind einsam Heiligabend.
Niemand da, der sie beschenkt.
Sich in Traurigkeit vergrabend
fragen sie, wer an sie denkt.

Schauen in die hellen Stuben,
wo das Christkind Einzug hielt.
Froh die Mädchen, froh die Buben,
und es hat das Herz zerwühlt ...

Einmal in die Leiber schlüpfen,
glücklich und zufrieden sein.
Um die Tannenzweige hüpfen,
und sich an dem Glanz erfreu'n.

Doch wenn sie nach Hause kehren,
ist die Stube bitterkalt.
Könnt' man Tränen sprechen hören,
dann erfrören wir alsbald ...


(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 11. Dezember 2012

Wintermorgen

Still umwob die Winternacht
die Natur mit frost'gem Faden.
Hauchte auf die Bäume sacht
ihre zarte Eisespracht
und hat sie mit Reif beladen.

Silbern schimmert das Gewand,
das mein Aug' am Morgen blicket.
Welch ein Schauspiel ward gesandt!
War 's die göttlich holde Hand,
die das Herz mir so erquicket?

Glutrot steht das Sonnenlicht.
Lohnet mir das frühe Schauen.
Welche Freude aus mir bricht!
Und mir lächelt das Gesicht
in den kühlen Morgenauen.

Schicke meinen Atem weit,
bis er mit dem Wind verschwindet.
Eine tiefe Seligkeit
bindet sich in meine Zeit,
dass sie gleich ins Herz mir mündet.

Niemand nimmt den Reichtum mir,
den der Morgen mir gegeben.
Stille Winternacht, nur dir
gilt mein Dank (auch wenn ich frier').
Du bringst Wärme mir ins Leben ...



(c) Bettina Lichtner

Montag, 10. Dezember 2012

Im Arm des Windes

Der Möwe will der Schrei ersticken,
als sie des Menschen Treiben schaut.
Welch Lasten doch die Schultern drücken!
So viele gramgebeugte Rücken!
Und noch dazu ist 's viel zu laut.

Terminversklavte Junge, Alte,
die kaum an freier Zeit sich freu'n.
Die botoxlahme Sorgenfalte,
die Gottgewolltes übermalte,
braucht den Termin zum Glücklichsein.

Ein stetes Wechseln der Gewänder.
Ein Blick des Neids zur Konkurrenz.
In tausend Kleidern tausend Blender.
Und lauter dünne Lebensbänder.
Wer fühlt die Schönheit des Moments?

Sie rennen so, als sei 's ein Flüchten.
Es jagt die Uhr, die Uhr, die Uhr.
Im Würgegriff von lauter Pflichten,
will sich die Fröhlichkeit nicht lichten.
Gefangene der Prozedur.

Wer sieht schon noch die Möwe fliegen?
Wen interessiert das Drumherum?
Die Möwe scheut das Selbstbelügen.
Sie darf im Arm des Windes liegen
und hält uns Menschen wohl für dumm.

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 9. Dezember 2012

2. Advent

Kein Monat flieht so schnell mir wie der Zwölfte.
Alsbald verschlang die Sanduhr ihn zur Hälfte.
Von Sonn- zu Sonntag mehren sich die Kerzenlichter.
Die Aufgeregtheit malt sich auf die Kinds-Gesichter.

Durch Kassenzonen schlängeln sich die Schlangen.
Die Weihnachtszeit hält uns in ihren Zangen.
Das Geld rinnt durch die Finger mir wie fließend' Wasser.
Sein Schwinden färbt die winterkalten Wangen blasser.

Es drängeln sich die Körper durch die Städte.
Die Hände füll'n sich an mit Eisesröte.
Ein Glühwein treibt das Blut zurück in seine Bahnen.
Der kleine Schwipps will mich ans rechte Maß ermahnen.

Von Ferne klingt das "Alle Jahre wieder".
Das alte Herz vermisst die Weihnachtslieder.
Von allen Seiten blinkt es aus den Fensterscheiben.
Ich will dem Weihnachtsmann noch meine Wünsche schreiben.

Und heute steht der zweite Docht in Flammen,
die Liebsten kommen allesamt zusammen,
und feiern den Advent in einer heitren Runde.
Die dritte Kerze sehnt sich schon nach ihrer Stunde ...

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 8. Dezember 2012

Zarter Schmelz

Das winterliche Flockenspiel
trägt Wehmut im Gepäck.
Mit jedem zarten Schmelz, der fiel,
wagt sich das kindliche Gefühl
aus seinem Herz-Versteck.

Der Geist betrinkt sich gar dabei
am Klang der alten Zeit.
Die schöne Weihnachtsmelodei,
der ich erneut die Stimme leih,
hüllt mich in Sehnlichkeit.

Es fühlt sich wie ein Zauber an,
der einmal noch erwacht.
Noch einmal fühle ich den Bann,
den nur der Winter bringen kann
mit seiner weißen Pracht.

Der Schneemann, den die Kinderhand
mit Freude einst gebaut,
der ach so stolz im Garten stand
in seinem kalten Schneegewand,
ist lange schon getaut.

So vieles tritt zur Tür herein,
was lange schon verging.
Nie mehr werd' ich das Mädchen sein,
das spielerisch den zarten Schein
der Winterfreud' umfing ...

(c) Bettina Lichtner

Freitag, 7. Dezember 2012

Rohlings' Reise

Es war einmal ein Teigrohling,
der floh aus der Fabrik.
Denn weil sein Herz am Brauchtum hing,
da dachte sich das rohe Ding:
"Jetzt geht es um den Sieg!"

Er ging auf eine Wanderschaft,
der Bäckerzunft zur Ehr'!
Befreit aus seiner Massenhaft,
entkam er der Maschinenkraft
und zog im Land umher.

Er suchte eine Bäckerei,
die noch ihr Werk verstand,
mit handgeformter Leckerei
aus guter Butter, Mehl und Ei -
gedreht von Meisterhand.

Doch ach, was sieht des Rohlings' Blick?
Es kam ein LKW
und brachte an die tausend Stück
ihm Ähnliche aus der Fabrik -
wie tat das Herz ihm weh.

Kein Bäckermeister nahm die Fracht
begrüßend in Empfang.
Stattdessen kam in Alltagstracht
ein Fräulein und hat müd' gelacht -
dem Rohling wurde bang.

Das Fräulein war Verkäuferin
und fern des Backversteh'ns.
Sie schob die Ladung innendrin
zum strombeheizten Ofen hin
und übte sich des Dreh'ns.

Des Dreh'ns der Ofenarmatur.
Schon quell'n die Brötchen auf.
Bald schellt die eingestellte Uhr.
Der Kunde drängelt sich im Flur.
Sein Hunger ruft ihm: "KAUF!!!"

Es duftet nicht nach frischem Brot
wie 's einst beim Bäcker war.
Fabrikbrot ist des Bäckers Tod.
Der Rohling schreit: "FABRIKVERBOT!
DIE BÄCKER WERDEN RAR!!!"

Doch weil der Kunde sparen will,
regiert der Massenfraß.
Der Rohling wandert traurig still
zum Sterben auf den Nahrungsmüll,
wo man ihn bald vergaß ...

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Bis(s) zum Platzen

Oh, du kalorienreiche Stunde,
füllst mir wieder unentwegt den Leib.
Monat Nummer 12 bringt mir die Pfunde.
Köstlich ist der süße Zeitvertreib!

Du verführst mit allerlei Genüssen.
Ach, ich kann dir gar nicht widersteh'n.
Leise aber flüstert mein Gewissen:
"Deine Waage wird die Sünde seh'n."

Ich erklimm' den Berg aus Schokolade,
schlag mich tapfer in der Plätzchenschlacht.
Noch gebrannte Mandeln, aber .... schade,
überladen ist des Magens Fracht.

Doch ein Stückchen Stollen wird noch gehen!
Und vielleicht noch eine Pfeffernuss.
Marzipan muss ich jedoch verschmähen.
Wenn 's am schönsten ist, dann macht man Schluss.

Später noch die ganzen Festtagsgänge:
Suppe, deftig und noch ein Dessert.
Oh la la, ich spür' die Kleiderenge.
Du, Dezember, machst Diäten schwer.

Nächstes Jahr tret' ich in die Pedalen,
jogge, schwimme (habt Ihr das geglaubt?).
Ach, vergesst 's, ich scheue mich vor Qualen!
Lieber ess ich, bis der Tod mich raubt.

(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. Dezember 2012

grau und bunt

An den grauen Straßenwächter
schmiegen sich die Kerzentöchter,
um ihn glänzend aufzuwerten,
ihren leuchtenden Gefährten.

Jedes Jahr erwarten seiner
und die andren Weganrainer
diese strahlend schönen Damen,
die so festlich sie umrahmen.

Wenn sich früh die Tage neigen,
stehen sie in hellem Schweigen,
all die Kerzen, all die Sterne
an der Straßenrandlaterne.

Wärmen zwischen All und Erde
die gestresste Menschenherde,
dass ein wenig Ruhe kehre,
und das Herz sich nicht beschwere.

Jenen Seelen, die sie fangen,
denen sie ins Auge sprangen,
werden sie bis innen leuchten,
während andre stressvoll keuchten.

An geschmückten Lampenmasten
will mein Blick noch lange rasten,
könnt' ja schnell zu Ende gehen
mit dem Schöne-Dinge-Sehen ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 4. Dezember 2012

It's December

Der Dezember lässt mich kosten,
dass der Wind von ostwärts schwenkt.
Auf den seetangwelken Pfosten
stehen Möwen dicht gedrängt.

Nass und kalt zieht 's um die Häuser.
Oben tönt der Gänseschrei.
Auf der Erde wird es leiser,
denn die Weihnacht' naht herbei.

Sterne spiegeln ihre Lichter
in den Scheiben unsrer Stadt,
zaubern Lächeln in Gesichter,
auch, wenn man es eilig hat.

Glühweinduft und Zimtgerüche
ziehen einen magisch an.
Erste frohe Festtagssprüche
wechseln die Wortumlaufbahn.

In der Nacht - auf glatten Sohlen -
kam Gevatter Frost ins Land,
wo er gleich ganz unverhohlen
mächtig mir im Wege stand.

Doch ich lass mich nicht erschüttern.
Kleide mich flugs zwiebelgleich.
So muss mir der Leib nicht zittern,
wenn ich durch die Gegend streich'.

Bald wird 's wieder friedlich werden.
Nächstes Jahr beginnt 's aufs Neu.
Der Dezember weilt auf Erden,
und blüht noch so jung und scheu ...

(c) Bettina Lichtner

Montag, 3. Dezember 2012

Good luck

Pechverfolgt und griesgegrämt,
und das Herz vor Frust gelähmt,
zieht ein Menschlein durch die Landen.
Ach, das Glück kam ihm abhanden.

Seinen Blick zur Erd' gesenkt,
und die Füße fehlgelenkt,
sucht er auf den Asphaltsteinen,
sich mit neuem Glück zu einen.

Flüsternd schickt er ein Gebet,
dass es doch wohl nie zu spät,
froh und glücklich sich zu schätzen,
eh die Zellen sich zersetzen.

Seine Hände hoch gestreckt,
flehend in die Nacht gereckt,
fallen Tränen leise nieder,
und die Kräfte werden müder.

Lauschend sperrt das Ohr sich weit.
Gierig saugt die Einsamkeit
lieb gemeinte Wortpräsente,
sich zu füll'n die Leidmomente.

Doch im Zungenwörterwald
weht ein Wind, so bitterkalt.
Zwar wird Wort um Wort gesprochen,
doch das Glück hat sich verkrochen.

Oberflächliches Gebräu!
Trocken wie das Winterheu.
Wörter, die die Herzen brauchen,
sieht man in den Abgrund tauchen.

Wärme, Liebe, Nähe ....... futsch.
Flohen mit der Zeitenkutsch'
und auf schnelllebigen Fersen
vor der Macht der Währungsbörsen.

Geld frisst Glück. Und irgendwer
läuft nun in der Welt umher,
und versucht, dem Glücksbestreben
nochmal eine Chance zu geben ...

(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 2. Dezember 2012

1. Advent

G'rade lag ich sonnenbadend
in des Sommers' Mittagsglut,
schon winkt der Advent, mich ladend,
mit dem ersten Kerzenhut.

Des Kalenders' Tagesläufer
hält das Feuer hoch empor,
und mir kommt sein Feuereifer
irgendwie olympisch vor.

Hält die Flamme mir entgegen,
dass die Stimmung mich ergreift,
doch die will sich noch nicht regen.
Es braucht Zeit, bis sie mir reift.

Ging mir alles viel zu eilig.
Wo ist nur des Jahres Zeit?
Plötzlich wird der Monat heilig,
und ich bin noch nicht soweit.

Mich treibt gar ein leises Grausen
vor den Tagen bis zum Fest.
Seh' im Geist die Menschen sausen.
(Wunschreich ruft das Weihnachtsnest.)

Und nun brennt die erste Kerze
die mir wie ein Startschuss schaut.
Bald vergehen mir die Scherze,
und der Stress nagt an der Haut.

Auf die Plätze, fertig ....... warte!
Ist ja erst der erste heut'.
Dass ich weihnachtshastend starte,
hat noch ein paar Tage Zeit.

(c) Bettina Lichtner

Samstag, 1. Dezember 2012

Selige Stunde

Ich warte auf die stille Nacht
wie alle Jahre wieder,
und lausche fromm und mit Bedacht
dem Klang der Weihnachtslieder.

Schneeflöckchens' Weg ist ach so weit.
Wann wird der Schnee leis' rieseln?
Ich hoffe, zur Bescherungszeit
wird 's nicht vom Himmel nieseln.

Ihr Kinderlein, so kommet her,
und kommet auch, Ihr Hirten.
Ihr kündet mir die neue Mär'
und ich werd' Euch bewirten.

Die Weihnachtsbäckerei bei mir
verzaubert Eure Zungen.
Kommt nur, ich mach' sie weit die Tür,
noch eh das Ros' entsprungen.

Kling Glöckchen, hör' ich aus der Fern.
Bratapfelduft lockt Münder.
Bald lässt ein leuchtend heller Stern
froh-munter sein die Kinder.

Oh fröhlich, selig, schöne Stund',
die Herzen sollen springen.
Oh Tannebaum, ich schmück dich bunt
und werd' dich dann besingen.

Die Glocken klangen nie so süß
wie just in diesen Tagen.
Vom Himmel hoch kommt er, ich grüß'
mit zartem Wohlbehagen.

Bald steh' ich an der Krippe hier
im Kirchenhaus und bete.
Wenn Weihnacht' ist, dann wünsch' ich mir,
mehr Liebe statt Pakete.

Was soll 's bedeuten? Ich werd' still,
g'rad so, als würd' ich schweben.
Ihr Kinder, was ich sagen will,
ist, morgen wird 's was geben ...


(c) Bettina Lichtner

Mit leeren Händen

Liebes Glück! Du bist bestohlen
um die Liebe und so fort.
Ob in großen Metropolen,
ob im kleinsten Erdenort:
werbewirksame Parolen
trieben dich von hier nach dort.

Und nun irrst du durch die Gänge.
Und du ahnst ja, was dir droht.
Denn im menschlichen Gedränge
breitet sich die Liebesnot.
Welch ein Hungern in der Menge!
Die Konsumgier ist dein Tod.

Kaum wer geht noch eng umschlungen,
reich an Liebe, satt an Glück,
durch die Straßengabelungen.
Außenrum zwar teuer chic,
doch von ihren stummen Zungen
wagt die Liebe keinen Blick.

Durch die Hände wandern Taler,
Scheine, Münzen, wie 's auch sei.
Und der Lebenspfad wird schmaler,
und das Geld kauft sie nicht frei.
Ihre Zeit (ihr Bühnenmaler)
bricht ja nach und nach entzwei.

Würden sich die Hände fassen
und die Münder küssend sein,
durch die vollgestopften Gassen
ginge nicht mehr Stein an Stein,
gingen Herzen, die gelassen
sich an ihrem Glück erfreu'n ...

(c) Bettina Lichtner

ICH

Mit dem Schiff hinaus, hinaus,
doch wohin, wohin?
Meine Seele treibt es raus!
Suche, wer ich bin.

Reise durch die Welt, die Welt,
die so klein, so klein.
Bis der letzte Vorhang fällt,
möcht' ich suchend sein.

Reise führt ins Ich, ins Ich,
das so nah, so nah.
Finde so befremdlich mich.
Sah, was ich nie sah.

Fremd ist mir die Haut, die Haut,
ist mein Kleid, mein Kleid.
Und wenn man darunter schaut,
hört man, wie es schreit.

Laut ruft es hinaus, hinaus,
doch wohin, wohin?
Meine Seele treibt es raus.
Suche ...... finde ....... bin!

(c) Bettina Lichtner