Dienstag, 31. Dezember 2013

So geht 's fort

Morgen zieren Gehweg-Platten
Knallbonbons und Feuermatten
und zerbrochnes Glas
und verhallter Spaß.
Und die Tage, die wir hatten,
sind nichts mehr als welke Schatten.

Heute heißt es Abschied feiern,
und zugleich die Zeit erneuern.
Und um Mitternacht
wird Rabatz gemacht,
und dann heißt es Floskeln leiern
und die gute Tat beteuern.

Manche werden rückwärts schauen,
einen Blick nach vorne trauen.
Was steht vor der Tür?
Bleibt das Glück auch hier?
Lasst uns neue Träume bauen,
und was war, im Herz verstauen.

Lasst das Jahr im Frieden enden.
Legt die Waffen aus den Händen.
Einen guten Rutsch!
Streit und Hass sind futsch …
Neue Bilder an den Wänden
halten nichts von Flächenbränden.

Altes schwindet - unvergessen -,
doch es wartet ja indessen
schon ein neues Spiel.
Herrliches Gefühl …
Alles, was wir je besessen,
hat die gute Zeit gefressen.

So geht 's fort und immer weiter,
wie auf einer Sprossenleiter.
Unentwegt voran,
bis man nicht mehr kann.
Bleibt gesund und gleichwohl heiter.
Lebt die Stunde wie kein Zweiter …


© Bettina Lichtner

Montag, 30. Dezember 2013

Countdown

Was kümmert die letzte Sekunde
des Jahres ihr eigener Wert?
Sie wechselt ja bloß ihre Stunde.
Mehr ist 's nicht, worum sie sich schert.

Wann immer die Jahre verschwinden
- Silvester, Geburtstag (zur Freud'?) -,
es lässt sich nicht fesseln und binden,
das letzte Sekündchen der Zeit.

Ein taktvolles Kommen und Gehen,
ganz ohne Klimbim und Trara.
Und eh sich die Menschen versehen,
sind Jahre und Glück nicht mehr da.

Historisch wird jene beschrieben,
die eine, die letzte Sekund'.
Ein Countdown, dann ist sie vertrieben,
und sinkt in den ewigen Grund.

Die übrigen Jahressekunden,
die ziehen belanglos vorbei.
Für sie ist kein Festakt gefunden.
Kein Jubel, kein Dank ist dabei.

Wie schade, denn all diese vielen
Verkannten der täglichen Uhr,
sie lassen uns atmen und spielen.
"Ach, Mensch. Wann begreifst du das nur?"


© Bettina Lichtner

Sonntag, 29. Dezember 2013

5. Advent 2013

Och, nun sind die Kerzen aus.
Allesamt verglüht.
Aufbruchstimmung zieht durchs Haus.
Der Dezember flieht.

Der Adventskranz leidet Qual,
dass er Mitleid weckt.
Hab' ihm drum ein fünftes Mal
's Kerzlein angesteckt.

Und sein Herz, so grün und klein,
schlägt ihm ganz beschwingt,
weil der letzte Flammenschein
nochmals Freude bringt.

Und er sagt ganz leis' zu mir:
"Danke und Adé.
Mir tut ja - genau wie dir -
dieser Abschied weh.

Bald schon zieht der Januar
in die Zimmer ein.
Und es wird dir schmerzlich klar:
Nichts ist ewig dein."

Ohne ein Brimborium
ging das Lichtlein aus.
Und dann zog ganz still und stumm
Weihnachten hinaus …



© Bettina Lichtner

Samstag, 28. Dezember 2013

Dieses Mal bestimmt

Vorsatz, Vorsatz, komm' geflogen.
Denn Silvester brauch' ich dich.
Letztes Jahr hast du gelogen -
kein Gebot erfüllte sich.

Was dereinst so fest beschlossen,
war im März schon längst vorbei.
Bist am Ziel vorbeigeschossen.
Doch nun fasse ich dich neu.

Vielleicht wird es diesmal klappen
(über März, April hinaus).
Muss den Willen nur berappen,
dann - vielleicht - wird Gold daraus.

Doch der Schweinehund - der Böse -,
der trägt eine Menge Schuld,
dass ich scheinbar nie genese
von dem Fluch der Ungeduld.

Kann ich nicht sofort bekommen,
was in der Silvesternacht
so energisch vorgenommen,
wird die Seele aufgebracht.

Und dann folgt das Wechselbade.
Und es kämpfen Soll und Muss.
Und in Bälde schon - wie schade -
ist 's vorbei mit dem Entschluss.

Dieses Mal muss es gelingen!
Vorsatz, mach' dich startbereit.
Macht die Uhr das Neujahrsspringen,
dann beginnt auch unsre Zeit.


© Bettina Lichtner

Freitag, 27. Dezember 2013

Das ist der Knaller

Meine Güte! Fest auf Fest.
Kaum das eine überstanden,
hängen im so trauten Nest
für Silvester die Girlanden.

Wieder klirrt dann Glas an Glas,
und die Gabeln in den Händen
finden nicht das rechte Maß.
Es wird im Desaster enden …

Diesmal aber immerhin
geben festliche Orchester
sich beschwingten Tönen hin.
Und ich tanze zu Silvester.

Tanze mir die Pfunde weg,
dass die Kleider wieder passen.
Denn es ist ein großer Schreck,
wenn die Feste Spuren lassen …

Ach und erst die Knallerei,
und die Ungeduld der Leute.
Gibt der Markt die Knaller frei,
fliegt das Bunte in die Weite.

Und dann zischen viel zu früh
schon die heulenden Raketen
durch die stille Harmonie,
und Besinnlichkeit geht flöten.

Morgen ist Verkaufsbeginn!
Morgen also Ohren schließen!
Morgen wird man ohne Sinn
Lautes in den Himmel schießen.

Da verpufft das schöne Geld,
und woanders flehen Hände
irgendwo auf dieser Welt,
um als Brot geback'ne Spende …



© Bettina Lichtner




Mittwoch, 25. Dezember 2013

Ein Tag Frieden

Morgen, Kinder, nur noch morgen
lädt das Fest zum Feiern ein.
Freitag wollen Stress und Sorgen
wieder die Begleiter sein.

Wieder rasen die Gebeine
durch die Straßen dieser Stadt.
In der Hand Geschenkgutscheine
mit der Hoffnung auf Rabatt.

Auch zum Tauschen wird geblasen,
weil die Gabe wem missfiel.
Diese unzufriednen Nasen ….
Jedes Jahr dasselbe Spiel.

Noch jedoch ein Tag in Frieden,
eh auch dieser rasch verfliegt.
Dass die Freuden flugs ermüden,
hab' ich tausendmal gerügt.

Doch genützt hat es nur wenig.
Trotzdem blieb das Schöne nicht.
Und ich ahne: der ist König,
der nicht mit der Sehnsucht ficht.



© Bettina Lichtner

Man muss nur wollen

Oh, oh, oh, die Waage stöhnt:
"Wenn dein Leib sich weiter dehnt,
springt die Nadel übers Ziel.
Iss beizeiten nicht so viel.

Diese Festtagsschlemmerei
reisst dir noch das Kleid entzwei.
Nächstes Frühjahr wieder Sport -
und so geht es immerfort.

Süßig- und auch Deftigkeit
trägst du eine lange Zeit.
Hüfte, Leber, Herz und Co.
wären mit der Hälfte froh.

Aber, ach, du hörst ja nicht.
Und so steigt dir das Gewicht.
Und dann schimpfst du mich gar aus,
schmeißt mich hochkant aus dem Haus.

Dabei zeige ich ja nur
eine schlemmende Figur,
welche auseinander quillt
(unterstützt vom Spiegelbild).

Nimm dir meinen Rat zur Brust:
iss doch mal figurbewusst,
Weniger ist manchmal mehr,
und das Wollen nicht so schwer …"



© Bettina Lichtner

Dienstag, 24. Dezember 2013

Das einzig wahre Geschenk

Herzlichen Glückwunsch! Ein Junge! Ein Junge!
Putzig und munter und Jesus genannt.
Schon liegt ein Dank auf der singenden Zunge.
Festlich geschmückt ist der Erde Gewand.

Lauter Geschenke, dem Kleinen zu Ehren,
wechseln die Hände und hellen den Blick.
Schon will ein Flüstern im Herzen belehren:
nicht im Verpackten liegt füllendes Glück.

Seelischer Frieden - in Form von Präsenten?
Welch einem Irrtum die Seele obliegt.
Wenn doch die Menschen nur wahrhaben könnten,
dass EIN Gefühl nur dem Glücke genügt.

Ach, dieses eine - mit nichts zu bezahlen.
Ach, dieses eine so süßliche Wort.
Nur dieses eine bringt Herzen zum Strahlen.
Wird es vergessen, dann wandert es fort.

Sagt mir, wie oft man zum Heiligen Abend
einfach nur ehrliche Liebe verschenkt.
Einzig nur das ist erquickend und labend,
wenn man einander in Liebe gedenkt.



© Bettina Lichtner



Montag, 23. Dezember 2013

Friedensmüh

Zaghaft taucht der Weihnachtsfrieden
in das Meer der Seelen ein.
Osten, Westen, Norden, Süden -
allerorts soll Frieden sein.

Mancherorts jedoch vernichtet
Hass die Liebe, Stress die Ruh'.
Wo der Krieg sein Werk verrichtet,
sieht der Frieden machtlos zu.

Sind Gewehre erst in Händen
einer blutrünstigen Haut,
werden unnütz Leben enden,
die so hoffnungsvoll geschaut.

Vor der Weihnacht wird geschossen,
nach der Weihnacht ebenso.
Blut und Tränen sind geflossen.
Und im Raume steht: WIESO???

Auch mit Wörtern wird getötet.
Streiterei zum schönsten Fest.
Und der Frieden hat gebetet,
dass man ihn erscheinen lässt.

An des Friedens schwere Stelle,
möchte ich fürwahr nicht sein.
"Ach, du tüchtiger Geselle -
oft genug bist du nur Schein."


© Bettina Lichtner

Sonntag, 22. Dezember 2013

Stilles Fest

Wisset es nur hoch zu schätzen,
dass sich die, die Euch vertraut,
um den bunten Christbaum setzen,
und das Glück zum Fenster schaut.

Andre haben schwer zu beißen
an der stillen Einsamkeit.
Wie hat es noch gleich geheißen?
Oh du schöne Weihnachtszeit?

Nicht für jenen, der alleine.
Nicht für den, der wen vermisst.
Diesen einen, diese eine,
den die Welt zum Fest vergisst.

Der so gerne schenken möchte,
doch es fehlt die Hand, die nimmt.
Keiner da, der an ihn dächte
und die Seele fröhlich stimmt.

Auch die Hand, ihm was zu geben,
klingelt nicht an seiner Tür.
Ist es nicht ein armes Leben?
Gibt es nicht zu wenig WIR?

"Frohes Fest und schöne Tage",
wünscht man jetzo hin und her.
Von des andren stille Klage
wissen wir heut' gar nichts mehr.


© Bettina Lichtner

4. Advent 2013

Übermorgen. Ach herrje …
Frühlingsluft statt Eis und Schnee.
Backen, packen, Bäumchen krönen.
Und die Zeit will sich nicht dehnen.

Zweimal werden wir noch wach.
Meine Beine werden schwach …
Eilen, weilen, letztes Planen.
Schon will die Gesundheit mahnen.

Der Dezember macht mir Dampf!
Morgen noch mal Endspurtkampf.
Drängeln, quengeln, Ruhe suchen.
Und Erholungsurlaub buchen …

Menschen schauen so gestresst
vor dem nahen Weihnachtsfest.
Hecheln, lächeln, Geld ausgeben.
Noch ein Glühwein auf das Leben.

Äußeres wird hochpoliert.
Inneres wird ignoriert.
Strahlen, prahlen, Frust verstecken.
Gut gespielt die Tafel decken.

Friedlichkeit ist Weihnachtspflicht.
Streit bekommt der Krippe nicht.
Geben, nehmen, lieblich schauen.
Und die fette Gans verdauen …


© Bettina Lichtner

Freitag, 20. Dezember 2013

Eine Mütze voll Schlaf

Ein voller Mond - die dritte Nacht.
Kein Auge hab' ich zugemacht.
Der Schlaf hängt mir im Kleide,
dass ich den Spiegel meide.

Es gähnt der Mund mir unentwegt.
Wie gern hätt' ich mich hingelegt.
Die Augenlider sinken …
Doch die Termine winken.

Von morgens fünf bis abends zehn
kein Stündchen frei, ins Bett zu geh'n
Wenn sich der Mond halbierte,
ob das zum Schlafe führte??

Doch den Gefallen macht er nicht.
Sein taglichthelles Angesicht
grinst frech durch die Gardine.
Ach, dieser Himmelshüne ...

Was bin ich schon! Ein Menschlein nur.
Im Großen eine Randfigur.
Ein Untertan im Ganzen.
Vergänglich wie die Pflanzen.

Der Mond verrichtet nur sein Werk.
Und ich? Ich bin ein armer Zwerg,
der hundemüde kauert
und sich höchstselbst bedauert.


© Bettina Lichtner

Mittwoch, 18. Dezember 2013

So grün und treu

Um dich, du grüner Tannenbaum,
ist 's gar nicht gut bestellt.
Denn eh du glänzt im Weihnachtsraum,
da wirst du ja gefällt.

Die Axt trifft dich ein Dutzend Mal
ins Mark so scharf und tief.
Und jeder Hieb ist eine Qual.
Schon neigst du dich ganz schief.

Getrennt von deiner Wurzel zart,
so sinkst du in den Schnee.
Gibt keinen neuen Lebensstart.
Für dich heißt es Adé.

Einmal noch geht der Blick zurück
zum Frühling hin zum Herbst.
Die Weihnacht bricht dir das Genick,
bis du dich bräunlich färbst.

Noch stehst du bunt und reich verziert
als Schmuckstück in dem Saal.
Dein Ast jedoch, ach der verliert
sein Grün in großer Zahl.

Die Nadeln könnten Tränen sein,
die du in Stille weinst.
Es schleicht der Tod dir durchs Gebein,
noch während du uns scheinst.

Wie traurig stehst du nach dem Fest,
wenn aller Schmuck gepflückt.
Dann bist du nur ein Pflanzenrest,
den man zur Halde schickt.

O Tannebaum, wie grün und treu
hast du im Wald geblüht.
Den Menschen ist es einerlei,
was dir, mein Freund, geschieht …


© Bettina Lichtner

Montag, 16. Dezember 2013

Der Blick täuscht

Sieh an, sieh an. Die Weihnachtsmänner
sind jetzt schon da - ein starkes Ding!
Da freut sich wohl der Werbekenner,
denn Santa dient dem Marketing.

Gewaltig wird er angekündigt
und hat ja auch 's Geschenk dabei.
Die Fragerei "Hast du gesündigt?"
ist manchem Kinde einerlei.

Es schüttelt heftigst mit dem Schopfe
(und wenn es nun gelogen ist?),
und reckt in Neugier seinen Kopfe
zum Säcklein hin mit süßer List.

Der Weihnachtsmann im falschen Roten
greift unterm strengen Kinderblick
ins Säcklein und befüllt die Pfoten
der Kinderschar (zu ihrem Glück).

Die Eltern stehen gern daneben
und achten drauf, dass jeder kriegt.
Doch ein Gedicht zum Besten geben?
Warum, wenn schon ein Blick genügt!?

Der Weihnachtsmann, der uns bekannte,
versteht die Gier und Tücke nicht.
Ob ihm wohl eine Wut entbrannte
beim Blick ins falsche Bartgesicht?



© Bettina Lichtner

Sonntag, 15. Dezember 2013

Spiel mit

Wir tragen ja alle ein Nervenkostüm
verschiedener Stärke und manchmal intim.
Dem einen, dem flattert 's beim Kleinsten hinfort.
Der nächste hingegen bleibt Käpt'n an Bord.

Beim einen, da nisten sich Ängste mit ein
und machen ihn bange tagaus und tagein.
Der andre dagegen ist mutig und kühn.
Dem haben die Götter wohl Kräfte verlieh'n.

Wo einer sich sorgt, bleibt der andre gechillt.
Bleibt mucksmäuschenstill, wo der Sorgende brüllt.
Den werfen nicht Sturm und nicht Takt aus der Bahn.
Der hat seiner Seele was Gutes getan.

Will einer sich streiten, der findet auch wen,
der gegen ihn antritt - dann lässt er sich geh'n.
Die Worte wie Fäuste und treffpunktgenau.
Der stellt gern die unterste Schiene zur Schau.

Der andre hingegen geht Streit aus dem Weg.
Der schreitet so gern auf dem friedlichen Steg.
Er gibt sich gelassen und hört sich gern zu,
wenn 's innendrin flüstert: "Bewahre die Ruh'."

Ja, ja, diese Nerven. Egal, wo man schaut …
Ein Spiel der Gefühle gleich unter der Haut.
Wer Herr seiner selbst bleibt, der hat es wohl gut.
Der hat für das Spiel stets den passenden Hut ….


© Bettina Lichtner 

3. Advent 2013

Langsam wird die Seele friedlich,
eine Ruhe macht sich breit.
Und im Herzen wird 's gemütlich
Tage vor der Weihnachtszeit.

Alles wartet auf die Stunde,
da das Jesuskind erscheint.
Wartet auf die frohe Kunde,
die selbst Freund und Feind vereint.

Alle Kekse sind gebacken,
und die Stube glänzt und strahlt.
Die Geschenke noch verpacken,
die mit so viel Zeit bezahlt.

Auch die Sehnsucht zuzulassen
nach dem Menschen, der uns fehlt,
darf in diese Stunde passen,
eh der Schmerz die Seele höhlt …

Sich auf Freud und Leid besinnen,
wie 's nur der Dezember kennt -
damit lasst uns heut beginnen,
heut' am vorletzten Advent.


© Bettina Lichtner 

Samstag, 14. Dezember 2013

Freie Fahrt

Heute stand ich lang' im Stau,
und die Nerven wollten flattern.
Und die Worte wurden rau.
Wollt' ein' Hauch Geduld ergattern.

Meilenweise stop and go,
dort wo sonst der Fluss so flüssig.
Wär' ich doch im Nirgendwo.
Langsam wird die Ruhe rissig.

Langsam sickert Wut heraus,
und ein Feuer wird gezündet.
Bricht es erst in Gänze aus,
wie dann der Benimm verschwindet.

Hab' den Geist mobilisiert,
dass er diesen Zorn mir bändigt,
der mich sonst ins Unheil führt.
Selbst das Herz hab' ich verständigt.

"Atme leise!", ruft da wer.
"Nicht so hektisch - ganz besonnen!"
Wo kommt diese Stimme her?
Hat jetzt gar der Wahn begonnen?

Plötzlich geht mein Atem sacht.
Und der Stau in den Gedanken
hat sich aus dem Staub gemacht.
Und der Fluss fließt ohne Schranken.


© Bettina Lichtner

Freitag, 13. Dezember 2013

Hey Mister Postman

Ihr Paket-, und Päckchenboten!
Dieser Vers sei Euch zur Ehr'.
Euren hohen Leistungsquoten
zoll' ich meinen Dank und mehr …

Gerade vor den Feiertagen
schleppt Ihr schwer und schleppt Ihr viel.
Welch ein mühevolles Plagen!
Euch gehört mein Mitgefühl.

Seit das Web das Licht erblickte,
wird auch online eingekauft,
und was uns der Laden schickte,
müsst Ihr schleppen! Wie Ihr schnauft …

Frauen, die ja sonst so schelten
puncto Gleichberechtigung,
sehe ich als Boten selten.
Scheinbar fehlen Kraft und Schwung.

Und wie oft steht Ihr vergeblich
vor der Tür, weil keiner da.
Gerade jener ist mir löblich,
den ich dann noch lächeln sah.

Ach, ich weiß es wohl zu schätzen,
was Ihr leistet. Tag um Tag.
Möchte Euch ein Dankwort setzen,
weil es mir am Herzen lag …


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Vor dem Fest ist nach dem Fest

Heiligabend ruhen Waffen,
ruhen Hass und ruhen Wut.
Dieser Abend wird es schaffen,
dass das Kriegsgebaren ruht.

Wenigstens für ein paar Stunden
horcht der Mensch in sich hinein.
Und die zugefügten Wunden
wollen kurz vergessen sein.

Ist da noch ein Fünkchen Liebe
für den Nächsten? Gar für sich?
Wagt sich durch die Seelenhiebe
zaghaft nicht ein scheues ICH?

Und ist der, den man bekämpfte
nicht auch Mensch aus Blut und Traum,
dessen Lebenslust sich dämpfte,
seit die Feindschaft mit im Raum?

Weihnachten hat Zaubermächte.
Aber nur für den Moment,
dass ich gar vermuten möchte,
dass schon bald das Alte trennt.

Dass sich bald die Waffen richten
auf den Feind - so wie zuvor.
Dass die Fronten Frieden schlichten,
geht links rein, rechts raus zum Ohr.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der Simser

Das Handy-Display malt ein Licht
ins nachtgefärbte Angesicht,
und fesselt müde Blicke
mit ausgereifter Tücke.

Dem Handy ist es einerlei,
ob morgens zehn, ob nachts halb drei.
Es klingelt nach Belieben,
und hat auch was geschrieben ….

Die SMS - vom Inhalt leer -
kommt irgendwann. Und irgendwer
schickt Kürzel ohne Ende
(da qualmen bald die Hände …).

Das ganze Alphabet zerhackt
und in ein neues Kleid gepackt,
und das bei Nacht und Nebel.
Ich stopft' ihm gern den Knebel …

Ein vollständiger schöner Satz,
der findet keinen festen Platz
im Tippspiel von Millionen
gesimsten Botschaftszonen.

Und eh der Mensch nichts Böses denkt,
da kriegt er einen "Brief" geschenkt,
der ohne Stil und Leben
und ohne Schatz zum Heben ….



© Bettina Lichtner



Dienstag, 10. Dezember 2013

Brotlos

Brotlos sind Poetenkünste.
Bringen selten Taler ein.
Die notierten Hirngespinste
sind Erheiterung allein.

Und die tiefen Worte fliegen
aus der Seele aufs Papier,
wo sie ein Zuhause kriegen
und ein eigenes Revier.

Ja, sie können gerade walten,
wie 's dem Lesenden beliebt.
Braucht die Seele was zum Halten,
weil sie unentwegt betrübt?

Ach, dann hilft des Dichters Dichten
gar ein wenig aus der Not.
Und die tröstlichen Geschichten
bringen eine Welt ins Lot.

Will die Seele sich vergnügen -
nun, auch dann hilft der Poet.
"Trinket nur in vollen Zügen
was gereimt geschrieben steht!"

Mit dem Wort das Herz berühren,
kann der Dichter nur zu gut.
Wortgewandt durchs Leben führen -
einer weiß, wie man das tut.

Der Poet - selbst herzgesteuert -
weiß, was durch die Glieder fährt ...
Doch bejubelt und gefeiert?
Dieser Lohn bleibt ihm verwehrt.


© Bettina Lichtner

Montag, 9. Dezember 2013

Gebt fein Acht

Wer reitet so eilig durch Tag und durch Nacht?
Die Zeit, ach die Zeit, mit verschwindender Pracht.
Doch, wer ist ihr Jäger? Der ärmliche Wicht!
Wann wird er erkennen: er fängt sie ja nicht?

Mir wird ja so anders. Ach, könnte es sein,
dass ich gar der Jäger? Schon halte ich ein.
Natürlich! So ist es! Ja, bin ich denn toll?
So jage ich was, was vergänglich sein soll ...

Dem Hetzen ein Ende! Zum Spiegel geschaut:
Das Jagen hat Freude und Ruhe geklaut,
und Spuren gelassen, die unnötig sind.
Die Kräfte verloren. Die Zeit fort im Wind …

Kein Feind ist die Gute, so wie ich gemeint.
Ich reich' ihr die Hände und nenne sie Freund.
Sie macht keinen Vorwurf und bleibt, was sie ist:
die Zeit meines Lebens mit endender Frist.

Mir wird ihre seltene Schönheit bewusst.
Aus sinnlosem Jagen wird sinnvolle Lust.
"Oh Zeit, du Geliebte. Nun bin ich erwacht.
Nun geb' ich gewiss aufs Vergängliche Acht."




© Bettina Lichtner


Sonntag, 8. Dezember 2013

2. Advent 2013

Ja ist es denn die Möglichkeit?
Vorbei sind sieben Tage?
Allmählich macht sich Hektik breit.
Verzwickt, bedrängte Lage.

Die Hälfte rum! "Advent, Advent,
das geht mir gar zu schnelle …"
Ich protestiere vehement!!!
Die Zeit hat ein Gefälle ….

Sie rast und rast der Weihnacht zu,
als sei 's eine Lawine.
Es pocht das Herz, es qualmt der Schuh,
der Schweiß tropft von der Miene.

Ein Berg von Arbeit wartet drauf,
dass irgendwer ihn bändigt.
Er hört ja nicht zu wachsen auf.
Da hab' ich Gott verständigt:

"Jetzt hör mal zu, du großer Herr.
Nicht lang mehr bis zur Weihnacht.
Schick irgendeine Hilfe her,
die mich vom Stresse frei macht."

Da war mir so, als füllten mich
Gelassenheit und Ruhe.
Nur ein Gebet, schon ändert sich
das hektische Getue.

Ich gönn' mir ein Adventsgebäck
und brüh' mir Tee aus Blättern.
Da laufen Stress und Zeitdruck weg,
und ich hör' auf zu wettern …


© Bettina Lichtner


Samstag, 7. Dezember 2013

Pingpong

Wenn die Liebe Pingpong spielt,
heute wärmt und morgen kühlt,
übermorgen gar verschwindet,
und ein neues Opfer findet,
sei das Herz doch nicht verletzt,
wenn es an die Luft gesetzt.

Pfeifen soll es aufs Gefühl,
das der Seele so gefiel.
Ach, was nützt das Tirilieren,
und das süßliche Verführen
aller Sinne, die da sind,
ist die Liebe dafür blind?

Jene, welche hüpft und springt,
Freude erst, dann Kummer bringt,
sie gehört ja vor den Richter,
oder vor den Liebesschlichter.
Denn sie trügt, betrügt und lügt,
wenn man ihrem Charme erliegt.

Wenn die Maske erstmal fällt,
sich zur Farce der Hass gesellt,
wundert der, den sie betrogen,
sich ob ihrer hohen Wogen
voller Niedertracht und Schand.
Welche Wandlung sie doch fand …

Ja, die Liebe. Heute nett,
heute noch begehrt, kokett,
morgen aber fremd und fliehend,
und die Asche nach sich ziehend.
Und die Zeit ist abgekühlt,
wenn die Liebe Pingpong spielt.



© Bettina Lichtner

Freitag, 6. Dezember 2013

R.I.P. Nelson Mandela

Ist sie denn wichtig, die Farbe der Haut?
Ist es nicht wichtg, wie 's unter ihr schaut?
Ob da ein Herz voller Mitgefühl liegt,
oder ein Herz, das sich selber genügt?

Macht denn die Farbe den Unterschied aus?
Ich möchte wissen: Wer wohnt in dem Haus?
Ich möchte wissen, ob Liebe dort wohnt,
oder ob Hass über Freundlichkeit thront.

Ist denn ein Menschenleib weniger wert,
weil er den Blick eines anderen stört?
Sind wir vom Aufbau nicht allesamt gleich?
Machen nicht Farben die Erde erst reich?

Ist nicht das Glücklichsein jedermanns Ziel?
Spielen nicht alle das selbige Spiel?
Schlecht oder gut - wer erdachte das nur?
Folgten doch alle der friedlichen Spur …

Nelson Mandela - er machte es vor.
Er lieh den Schwachen sein gütiges Ohr.
Er nahm auch Opfer fürs Gute in Kauf.
Ihn nahm der Himmel ins Ewige auf.

Möge sein Werken von Fruchtbarkeit sein,
mögen die Früchte auch immer gedeih'n.
Wieder verneigt sich die Dankbarkeit tief,
eben vor dem, der nun friedlich entschlief …


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wilder Xaver

Also war es kein Palaver!
Dieser Sturm hat Macht und Glut.
"Du gewaltbereiter Xaver!
Bist du gar so voller Wut?

Deine Böen werfen Äste,
reißen Bäume aus dem Sand.
Ach, du pustest uns so feste -
halt ich deinen Kräften Stand?

Komm nur, komm nur! Willst mich fordern
zu dem Kampf  auf offnem Feld.
Muss die Willensstärke ordern,
dass es mich auch aufrecht hält.

Wirbel du nur meine Haare!
Dieses Spiel belebt das Hirn.
Bot im Laufe meiner Jahre
manchem Sturme meine Stirn!

Glaubst, du kann mir Angst einjagen?
Mir doch nicht! Nein, nein, nicht mir.
Du bist bestens zu ertragen
(hinter der geschlossnen Tür!).

Ja, ich hab' mich eingeigelt.
Und betrachte dich durchs Glas.
Gibst dich ja so ungezügelt,
und ich ahne deinen Spaß."



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Die Karte, bitte

"Guten Tag. Sie wünschen bitte?"
"Einen Krug Gelassenheit.
Und für meine innre Mitte
etwas mehr Zufriedenheit."

"Kein Problem, verehrte Dame.
Darf es sonst noch etwas sein?
Sagen Sie des Wunsches' Name.
Dann deck' ich die Tafel ein."

"Wenn Sie gar so freundlich fragen,
nun, ich wüsste wohl noch mehr.
Wage es ja kaum zu sagen:
etwas Wärme, bitte sehr.

Hoffnung könnt' mir auch gut schmecken,
bestenfalls mit Mut garniert.
Würd' mir ja die Finger lecken,
wär' auch Liebe reingerührt.

Und Humor, gleich tonnenweise,
streuen Sie noch obendrauf.
Eine solche Seelenspeise
hält die Stimmung obenauf.

Bitter aber sei sie nimmer.
Bitter, ach, vertrag' ich nicht.
Süß jedoch, das mag ich immer!
Herrlich süß sei mein Gericht.

Alles lieblich, bunt und reichlich.
Und am besten Tag und Nacht.
Denn mein Hunger ….. unvergleichlich!
Also, auf! Ans Werk gemacht …"

"Kommt sofort. Inzwischen, Liebste,
halten Sie den Geist im Zaum!
Denn das Bittre, denn das Trübste,
malt sich im Gedankenraum.

Wandeln Sie die bösen Dinge,

die der Geist schickt, einfach um.
Während ich die Speise bringe,
halten Sie die Kopfwelt stumm.

Bald schon wird das Gute munden,

das Sie fortan neu gedacht.
Und zu Tag- und dunklen Stunden
kommt das Schöne an die Macht."


© Bettina Lichtner


Dienstag, 3. Dezember 2013

one world

Eines haben wir gemein:
alle sind wir Zeitgenossen!
Diese Stund' ist dein und mein,
und sie sei ins Herz geschlossen.

Wenn sie nicht nach Plan verläuft,
ach, dann sei sie schnell vergessen.
Falls sich das Dilemma häuft,
sei es ja nicht festgefressen …

Und wir schreiten Seit' an Seit'
- alle, die wir fremd uns bleiben -
durch dieselbe Erdenzeit
(jeder, um sein Buch zu schreiben …).

Was da in der Welt passiert
- in der großen weiter draußen -,
hat verschiedentlich berührt,
sowohl innen als auch außen.

Doch die kleine eigne Welt,
die gestalten wir alleine.
Jeder unterm Himmelszelt
nennt die kleine Welt die seine.

Dass wir dennoch eine sind,
eine Welt trotz vieler kleiner,
dafür sind die meisten blind …
Dafür intressiert sich keiner.



© Bettina Lichtner


Montag, 2. Dezember 2013

Suche eingestellt

Was scheuchst du die Pferde?
Was weckst du die Hunde?
Lass unter der Erde
die schweigende Stunde ….

Was soll denn das Wühlen
in all diesen alten,
verstaubten Gefühlen?
Sie sind nicht zu halten …

Kommt eh nur zutage,
was quälend und beissend.
Die schlafende Plage
wird zweimal zerreissend …

Was bringt schon das Graben
im stickigen Boden?
Statt Frieden zu haben,
ein ständiges Roden ….

Was glaubst du zu finden?
Verlorene Worte?
Vergessene Sünden?
Verborgene Orte?

Noch offene Fragen?
Verschwiegene Stunden?
Es liegt mir im Magen
dein neues Erkunden …

So lass es doch schlafen!
Was willst du bezwecken?
Die Zeit liegt im Hafen,
was soll man sie wecken?


© Bettina Lichtner

Heimat der Ruhe

Wieder glänzen Wald und Gräser,
weil der Frost sein Kleid gelegt.
Fern tönt der Trompetenbläser,
was sogleich mein Herz bewegt …

Dieses Lied im leisen Klange
trägt mich rückwärts in der Zeit.
Und ich lausche ihm noch lange,
und die Sehnsucht macht sich breit.

Hab' die alten Weihnachtslieder
doch als Kind so gern gehört.
Sing' sie noch und immer wieder,
weil 's die Seele so betört.

Alle Jahre schönste Weisen.
Brauchtumspflege hoch geschätzt.
Diese Tage will ich preisen,
bis zu dem, der allerletzt ….

Und die Ruhe sucht zu finden,
was sie 's ganze Jahr nicht fand:
sucht ein Herz, sich zu verbinden.
Weihnacht ist ihr Heimatland.


© Bettina Lichtner


Sonntag, 1. Dezember 2013

1. Advent

Wenn das erste Lichtlein flimmert,
rennt die Zeit wie sonst ja nicht.
Schnell ein Krippelein gezimmert,
ums Adventsgebäck gekümmert,
welches Aug' und Leib besticht …

Zwanghaft eine Stille finden,
weil es der Kalender schreibt.
Rundherum nur süße Sünden,
die sich mit der Gier verbinden,
dass es meinen Sinn betäubt.

Die Verwandten - sonst verschwunden -
stehen plötzlich in der Tür,
ums Befinden zu erkunden.
Lassen sich das Festmahl munden
im harmonisch neuen Wir.

Erste Weihnachts-Chöre singen
eine Mär von Fried' und Freud'.
Soll Besinnlichkeiten bringen
(will noch nicht so recht gelingen).
"Oh, du schöne Weihnachtszeit …."

Und ich ahne von dem Hetzen,
das die nächsten Tage droht.
Lasst uns nicht vom Hetzen schwätzen.
Will mich vor das Lichtlein setzen,
und die Seele kommt ins Lot …


© Bettina Lichtner

Samstag, 30. November 2013

Falsch deponiert

Manchmal zieht sich eine Schlinge
um das Herz und bittre Dinge,
die dein Mund zum Ohr mir schmeißt,
sind verletzend allermeist.

Ach, die Schlinge raubt die Liebe!
Deine wortgefassten Hiebe
treffen zielsicher ins Mark.
Äußerlich geb' ich mich stark.

Innen aber will 's mich stückeln,
will der Schmerz das Herz umwickeln,
dass ihm Mut zum Schlagen fehlt.
Ach, es wirkt gar angezählt …

Und dein Mund gibt keinen Frieden.
Wird der Hass dich je ermüden?
Wird dir irgendwann bewusst,
welches Leid in meiner Brust?

Wie du dich in Rage steigerst ….
Dass du mir den Blick verweigerst,
zeigt die Feigheit, die dich schmückt.
Dieser Zug ist ungeschickt …

Nun durchschau' ich die Tirade!
Sag mal ehrlich: lädst du gerade
deine angestaute Wut
bei mir ab, weil 's besser tut?

Bist du noch ganz klar da oben?
Lass das ungerechte Toben!!
Ich bin keine Deponie
für missrat'ne Lebensmüh' …



© Bettina Lichtner

Freitag, 29. November 2013

Weihnachtsgeld

Bis zum Rande vollgefüllt
sind die Läden. Welche Massen!
Jeder Wunsch wird da gestillt,
und der Mensch ist wohl gewillt,
seine Taler dort zu lassen.

Und der Rubel rollt und rollt -
gerade in den Weihnachtstagen.
Das ist gerne so gewollt.
Und die Werbung schreit: "Ihr sollt
immer volle Tüten tragen!!!

In verführerischer Weise
zieht sie uns das Geld hinaus.
Und es schwindet, schnell und leise ….
Und das Geld geht auf die Reise
(war nur kurz in meinem Haus).

Wünsche werden aufgeschrieben:
"Lieber guter Weihnachtsmann …."
Hat mir gar den Schweiß getrieben.
Wo ist nur das Geld geblieben???
Wer am meisten wohl gewann?

Jener, der dadurch beschenkt?
Jener, dessen Kasse klingelt?
Jener, der ein Herz bedenkt?
Wie 's doch all' zusammenhängt …
Hat das Geld uns eingezingelt?

Der wohl ist beachtenswert,
der mit Stund' und Sein zufrieden.
Dessen Einstellung uns lehrt,
was man Heiligabend ehrt -
da ist Jesus uns beschieden.


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 28. November 2013

Bröckelnde Mauer

Lieber Gott, lass Gnade walten,
wenn da draußen einer ist,
der nichts hält vom Händefalten,
nur weil du zugegen bist.

Der nichts hält von frommen Worten.
Der die Botschaft nicht versteht,
die in kirchlich schönen Orten
einverleibt wird per Gebet.

Der nicht an dich glauben möchte
(bis er mal in Not gerät,
und die inneren Gefechte
ihn verfolgen - früh bis spät).

Bald schon kommt er angekrochen,
und er sitzt im Kirchenraum,
denn die weihnachtlichen Wochen
wecken einen alten Traum ….

Und er sieht die Kindertage.
Kinderglück zur Weihnachtszeit.
Einst, da saß er - ohne Klage -
in der Kirche gar mit Freud'.

Mit der Mutter rechts zur Seite,
mit dem Vater links von ihm -
und inmitten frommer Leute
beteten sie …. wie im Team!

Ihn durchrauscht ein warmer Schauer.
Schöner Flug durchs Kinderland ...
Langsam bröckelt seine Mauer.
Nimm ihn, Gott, an deine Hand.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 27. November 2013

Markttreiben

Übern Weihnachtsmarkt zu schlendern
- hier und auch in andren Ländern -
ist Dezemberpflicht, mein Freund.
Sieh doch, wie er lockt und scheint …

Einen Glühwein zu genießen,
um die Kälte zu verdrießen,
das gehört zur guten Sitt'.
Also komm und trinke mit …

Dich gelüstet es nach Mandeln?
Nun, was gibt 's da zu verhandeln
mit der Waage? Denk nicht dran!
Fang' jetzt nicht das Fasten an!

Im Dezember wird es mächtig.
Warst das ganze Jahr schon schmächtig,
nun jedoch verwöhne dich.
Mach es einfach so wie ich.

Meiner Waage dieser Tage
untersag' ich jede Klage.
EINMAL nur ist Weihnachtszeit.
Und das Essen macht mir Freud'.

Auf dem Markt geh' ich zur Sache!
Wenn ich mir Gedanken mache,
wie viel Kilos mir das bringt,
Gott, wie da die Laune sinkt!

Schlemmen will ich …. ganz in Ruhe,
weil ich 's gar zu gerne tue.
Auf zum Markt mit diesem Wunsch:
fröhlich sein bei heißem Punsch …


© Bettina Lichtner

Dienstag, 26. November 2013

Sputet Euch

Sputet Euch, die Weihnacht naht.
Alles will erledigt sein.
Haltet Eure Zeit parat.
Fangt die warme Stimmung ein.

Zündet Euch ein Lichtlein an.
Schmückt die Stube kunterbunt.
Wer es sich erlauben kann,
spende Armen tausend Pfund.

Schiebt die Kekse in das Rohr.
Sucht Euch einen Tannenbaum.
Lauscht dem zarten Engels-Chor.
Gebt Gefühlen einen Raum.

Nehmt den Nächsten in den Arm.
Wählt Geschenke sorgsam aus.
Lasst den sonst versteckten Charme
mitfühlend und lieblich raus.

Denkt an Eure Kinderzeit.
Denkt an den, der nicht mehr hier.
Seid Ihr für das Fest bereit,
öffnet sich des Herzens Tür …


© Bettina Lichtner

Montag, 25. November 2013

Leuchtende Augen

Geizig sind sie ja bisweilen,
jene dort, die mürrisch eilen.
Jene, die ans Geld nur denken,
statt ein Lächeln zu verschenken …

Ja, sie geizen mit Gefühlen!
Ganz gefangen in den Mühlen
ihrer Pflichten und Termine,
steh'n sie auf der Lebensbühne.

Und ihr Herz? Ein harter Brocken!
Nichts kann da ein Lächeln locken.
Doch wenn ihre Kasse klingelt,
wie sich gleich das Lächeln kringelt …

Doch einander anzulächeln?
Wie die Geizigen da schwächeln …
Ihre Münder gehen runter!
Aus die Maus und Schluss mit munter.

Dabei laufen dort so viele,
die in dieser Menschenkühle
sich nach einem Lächeln sehnen!
Aber, ach, wer weiß von denen?

Braucht nur einmal hinzuschauen!
Einmal nur den Blick zu trauen.
Was wir alle viel mehr bräuchten,
das sind Augen, die auch leuchten …


© Bettina Lichtner

Sonntag, 24. November 2013

Der Bann verblüht

Ein kostenloser Händedruck,
ein Lächeln noch dabei,
gibt Herz und Seele einen Ruck,
als wenn 's ein Blitzschlag sei.

Man braucht in diesem Augenblick
nichts anderes dazu.
Nur diesen kleinen Seelenkick -
schon hat die Sorge Ruh'.

Da draußen warten der und die,
dass einer ihnen lacht.
Ein nettes Wort der Harmonie -
schon fühlt man sich bedacht.

Die Einsamkeiten dieser Welt
sind rechts und links zur Seit'.
Sind direkt in den Weg gestellt -
doch keiner weiß Bescheid.

Ob einer etwas Wärme braucht,
wer kümmert sich darum?
Weil jeder in sein Eignes taucht,
sind Mitgefühle stumm …

Weil jeder nur sich selber sieht,
statt den, der nebenan,
verwelkt, vertrocknet und verblüht
ein zauberhafter Bann …



© Bettina Lichtner

Samstag, 23. November 2013

Abgelehnt

Es lockt der rote Weibermund
den männlichen ganz keck
zu einer netten Freudenstund' -
doch jener dreht sich weg.

Da ist das Weibsbild arg brüskiert,
weil er sie so verschmäht.
Sie hat ein böses Wort riskiert
und Unfrieden gesät …

"Wie kannst du nur? Du wagst es, du,
du Ochs, du Depp, du Schwein???"
Da hält der Mann die Ohren zu,
und lässt kein Wort mehr rein.

Sie zetert bis ihr Kopf ganz rot
und Glut in ihrem Blick.
Welch Schauerspiel dem Mann sich bot.
Flugs zieht er sich zurück.

Er dreht dem Weib den Rücken hin,
und macht den Füßen Dampf.
Der Boden wird ihm nun zu dünn.
Sie fordert ihn zum Kampf.

Doch dazu hat er keine Lust,
er lässt sie weiter schrei'n.
Die Liebe flieht ihm aus der Brust.
Wie herrlich ist 's allein ….


© Bettina Lichtner

Freitag, 22. November 2013

Gebt her Eure Taler

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit
zeigt der Mensch sich hilfsbereit,
gibt gleich seine Taler her,
gern für den, der 's doppelt schwer.

Medien im Spendenrausch.
Hier und da ein Mitleidsplausch,
dass das Herz auch tief berührt
alles Leid mit Geld gebührt.

Scheinbar sind die Nöte groß
vor dem Fest - ich frag' mich bloß:
War man all die Zeit davor
für das Leiden nicht ganz Ohr???

Sagt der Mensch: "Ich helf'! Ich helf'!"
nur im Monat Nummer zwölf?
Und von eins bis elf - au weh
schließt er gern das Portemonnaie?

Leiden gibt 's das ganze Jahr!
Aber es scheint sonnenklar,
dass man gern zum größten Fest
Leidgeschichten sprudeln lässt …

Wenn jedoch - ein Beispiel nur -
sich im Jahr zu andrer Uhr
Leid an Leid an Leid sich fügt -
na, wie da die Lust verfliegt …

Lullt jedoch der Weihnachtsschein
wehmütig die Seelen ein,
weiß ja auch die Medienwelt,
dass der Mensch gern innehält.

Ganz geschickt und recht massiv
greift man kräftig, greift man tief
in den Topf vom Jedermann,
und klopft ans Gewissen an.

Nicht bei mir! Ich sperre mich!
Denn ich denk' an dich und dich,
der du leidest Tag und Nacht -
nicht nur zur Dezemberpracht.


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 21. November 2013

Wohl dem, der 's warm hat

Scheinbar trägt der Winter Flügel -
er kommt schneller als gedacht.
Schon schmückt Frost die Häuserziegel,
quasi über Nacht.

Tret' ich morgens vor die Türe,
ach, wie zittert mir der Leib.
Ich beschließ, weil ich so friere,
dass ich drinnen bleib.

Und ich spüre durch die Scheiben,
dass es bitter-, bitterkalt.
Seh' die Menschen Hände reiben -
sicher schneit es bald.

Meinen Ofen will ich heizen,
dass die Stube wärmer wird.
Nur nicht mit den Scheiten geizen,
wenn die Kälte klirrt.

Pfefferminztee - heiß genossen,
bringt mir Glut in in meinen Bauch.
Und das Blut ist mir geschossen
und die Freude auch.

Weiß es dankbar ja zu schätzen,
dass ich nimmer frieren muss.
Eine Nacht an kalten Plätzen
ist doch ein Verdruss …


© Bettina Lichtner

Mittwoch, 20. November 2013

Zum Gedenken an Dieter Hildebrandt

Ein Kabarettist von Format
fand nun seinen himmlischen Frieden.
Pointen im Kern akkurat -
sie bleiben uns immer beschieden.

"Herr Hildebrandt, leben Sie wohl.
Nun witzeln Sie himmelwärts weiter.
Sie waren ein großes Idol …
Und stimmten die Herzen uns heiter …

Von Sketchen zu Tränen gerührt,
das Zwerchfell vom Lachen gebeutelt -
Ihr Wort, das humorvoll geführt,
hat gramvolle Stunden vereitelt.

Die künstlerisch wertvolle Spur
skizzierte die nackten Papiere -
die Sprache der Karikatur ….
Ach, keine genoss ich wie Ihre.

Sie lassen so vieles zurück!
So wird man Sie nimmer verlieren.
Ich danke fürs lächelnde Stück …..
Und möchte zum Schluss applaudieren."



© Bettina Lichtner



Dienstag, 19. November 2013

Gestaltungstechnik

Endlich nicht mehr schweigen müssen!
Endlich ist das Wort gesagt.
Es erleichtert das Gewissen.
Nichts mehr da, was an ihm nagt.

Endlich fallen all die Steine,
die getürmt im Lauf der Zeit.
Und der Tisch ist wieder reine,
klar der Blick und weiß das Kleid.

Endlich ist es ausgesprochen,
was die Zunge lange trug.
Vom Versteckspiel letzter Wochen
hatte selbst das Herz genug.

Endlich fallen Mauern nieder,
und dahinter schlief ein Kuss.
Und ich staune immer wieder,
welchen Weg man gehen muss …

Endlich Frieden allerorten.
Welche Kraft im Worte steckt!?!
Wenn wir nur das Schlechte horten,
bleibt das Gute unentdeckt.

Endlich darf die Freude walten.
Die Befreiung ist geglückt.
Mit dem Wort die Welt gestalten …
Sei doch nicht so ungeschickt …



© Bettina Lichtner

Montag, 18. November 2013

Die Seele dankt

Es will die Ordnung einfach nicht gelingen,
obgleich ich tue, was ich kann.
Der Geist ist vollgepackt mit schweren Dingen.
Von welcher Seite fang ich an?

Ach, welch ein heilloses Durcheinander.
Es drängt das Alte sich nach vorn,
dass ich das Angstgebiet erneut durchwander',
so wie den Gram, so wie den Zorn.

Die Kost ist wirklich nicht mehr zu genießen.
Sie ist verdorben. Mir ist schlecht.
Ich werf' das Abgelaufene zu meinen Füßen,
und pfeife drauf. Und zwar zu Recht!

Längst überholte zementierte Phrasen,
und eine völlig neue Sicht,
vertrieben all die hohlen, leeren Blasen
und brachten Dunkelheiten Licht.

Ich räume auf in der verstaubten Kammer.
Und putz' die Fenster blitzeblank.
Schon bald ist Schluß mit Nörgeln und Gejammer.
Von meiner Seele kommt ein Dank.



© Bettina Lichtner

Düstere Stimmung

Wolkenverhangene Weite,
drückt mir sogleich aufs Gemüt.
Und eine traurige Seite
öffnet die Tür und entflieht …

Mit ihr kommt alles ins Freie,
was sich so gerne versteckt.
Alles Betrübte und Scheue
hat diesen Ausgang entdeckt.

All dieses seelische Graue
rennt wie besessen hinaus,
dass ich 's zu halten nicht traue.
Alles will einfach nur raus.

Tränen und dunkle Gedanken,
ziehen am selbigen Strang.
Soll mir das Herz nicht erkranken,
folg' ich dem inneren Drang.

Lass' die Gefühle entkommen,
die so bedrückend mir sind.
Hab' eine Auszeit genommen,
dass ich zurück zu mir find'.

Ach, das Novembergebaren …
Stets dieser Kampf um die Freud'.
So geht 's seit etlichen Jahren,
immer zur düsteren Zeit …



© Bettina Lichtner




Sonntag, 17. November 2013

Kriegsmüde

Parkplatzkriege! Gott, wie ärmlich …
Nichts kann wohl verrückter sein ...
Die Gefechte sind erbärmlich!
"Schaltet Eure Hirne ein!!!"

Wo sind Sitte und Manieren?
Wo sind Freundlichkeit und Stil?
Dieses stete Echauffieren
zeugt von niederstem Gefühl …

Die beleidigenden Worte -
welch ein sprachlicher Verfall.
Teuflisch, diese Menschensorte!
(Leider sind sie überall …).

Um ein kleines Stückchen Fläche
wird gestritten bis aufs Blut.
Die Gesundheit zahlt die Zeche.
Die Moral nimmt ihren Hut …

Und sie zeigen ihre Zähne
und die schlechte, zweite Seit'.
Eine innere Hyäne
macht sich für den Biss bereit.

Reißt den Feind in tausend Fetzen,
der ihm Platz und Ehre nimmt,
um sich letztlich zu ergötzen,
wenn der Feind sich schmerzhaft krümmt.

Ist der Parkplatz dann gewonnen,
geht die Nase höher nicht.
Wie sie sich im Stolze sonnen …
Siegessicher ihr Gesicht.

Ach, ihr armen Parkplatzkrieger -
fremd sind solche Sorgen mir!
Ich bin wohl der wahre Sieger:
ich fahr' Rad von Tür zu Tür …



© Bettina Lichtner




Samstag, 16. November 2013

ho ho ho

Langsam zieht die Winterkälte
in das herbstgetrübte Land.
Und der Frost schlägt seine Zelte.
Und ich warte ganz gebannt.

Wird der Schnee in Bälde fallen?
Deckt das Eis bald Baum und Feld?
Und das größte Fest von allen,
hat sich wartend aufgestellt ….

Unverkennbar erste Zeichen
werden schon vorausgeschickt.
Jene, die so sachte schleichen,
haben mich als Kind beglückt …

Ach, wie war ich einst so fröhlich,
wenn der Monat Nummer elf
nach und nach und ganz allmählich
überging in Nummer zwölf.

Nichts davon ist an Gefühlen
mir geblieben. Schade drum.
Muss mich durch Termine wühlen,
und der Stress bringt mich noch um …

Schneeballschlachten, Rodelfahrten -
irgendwo in ferner Zeit.
Auf den Weihnachtsmann zu warten,
hat mich nur als Kind erfreut.

Heute spiel' ich selbst den roten,
weißbärtigen Stubengast.
Und die kleinen Kinderpfoten
wissen nichts von meiner Hast …


© Bettina Lichtner

Freitag, 15. November 2013

Sturm & Drang

Welch eine magische Reise beginnt,
wenn sich zwei Blicke berühren,
die voller Liebe und Zuneigung sind,
und sich im Süßen verlieren.

Knisternde Stimmung und lodernde Glut.
Worte, die lieblich umgarnen.
Noch will das brodelnde, hoffende Blut
nicht seine Wünsche enttarnen.

Die noch geheime begehrende Lust,
sucht einen Weg zu entkommen.
Sie ist von Sinnen. "Oh, bebende Brust!
Jeder Verstand ward genommen …"

Und die Umgebung liegt nebelverhüllt;
alles verschwommen und vage.
"Male, oh Liebe, dein köstlichstes Bild.
Schick deine Träume zutage …"

Stürmische Zeiten - der Geist spielt verrückt.
Und die Gedanken betören.
Sind so mit brennenden Küssen bestückt,
dass sie die Wollust gebären …

"Komm in die Arme, du glückliche Stund'.
Lass uns einander genießen.
Du nur allein bist ein trefflicher Grund,
täglich das Sein zu begrüßen …"


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 14. November 2013

Zutritt verboten

Wer vermag zu unterscheiden,
welcher gut und böse ist?
Wenn die Seelen sich verkleiden,
schauen doch nur Trug und List.

Wo ist jener, der noch ehrlich?
Wem man wohl vertrauen kann?
Ist das Herz vielleicht gefährlich?
Wo fängt wohl das Schauspiel an?

Ist das Wort aus seinem Munde
gar ein falsches? Voller Lug?
Von der trügerischen Stunde
habe ich fürwahr genug.

Welcher Mensch steht gegenüber?
Wer schaut hinter dem Gesicht?
Ist 's ein Böser? Ist 's ein Lieber?
Ich erkenne es ja nicht.

In die Augen kann ich schauen,
doch dahinter säh' ich gern.
Will dem Leib allein nicht trauen,
in die Seele will ich hör'n …



© Bettina Lichtner


Mittwoch, 13. November 2013

Anderswo

Naturgewalt bringt Elend vor.
Sie öffnet Not und Leid das Tor.
Sie bringt den Abgrund an den Tag,
der seelisch so verborgen lag.

Das nackte Überleben zählt,
wenn Hunger und auch Durst dich quält.
Und rundherum Gedeih, Verderb.
"Ich stehle mir, bevor ich sterb' …."

Sie fallen in Geschäfte ein,
denn keiner will mehr hungrig sein.
Derweil sitzt hier in unsrem Staat
der Satte vor dem Apparat.

Und zappt sich durchs TV-Programm.
Ein Stück vom Rind, Filet vom Lamm,
dazu Gemüse - frisch vom Feld.
Wie gut ist es um ihn bestellt.

Er trinkt, er isst und frönt der Lust.
Vom Hunger hat er nichts gewusst.
Er tanzt und kauft und hat es warm.
Was weiß er schon vom Wörtchen "arm"?

Und anderswo - kein Geld, kein Brot.
Und anderswo der Hungertod.
Und anderswo - Verzweiflung pur.
Ein Wettlauf mit der Lebensuhr …


© Bettina Lichtner

Dienstag, 12. November 2013

60 geschenkte Minuten


Hungrig auf das Leben steht die Stunde dir bereit.
Du jedoch, du fütterst sie mit Sorgen.
Und ihr Appetit auf eine liebevolle Zeit
bleibt vor lauter Grübeln dir verborgen.

Sieh doch, wie sie lechzt nach einem lieb gewürzten Mahl.
Wie sie sich schon freut, es zu genießen.
Ach, am liebsten fräße sie sich selber völlig kahl.
Lass dir doch die Zeit von ihr versüßen.

Aber, du bemerkst es nicht. Du sorgst dich ohne Rast.
Immer nur Probleme. Ohnegleichen. 
Sechzig an Minuten nur, dann ist die Chance verpasst.
Noch kannst du der Sorgenflut entweichen.

Eh sie in die Stunde schwappt, verschließe ihr die Tür.
Denke dran, die Stunde wird nicht warten.
Sechzig an Minuten nur, dann ist sie nicht mehr hier.
Keiner mischt ein zweites Mal die Karten.

Wenn du jetzt nichts änderst, na, dann ist es wohl zu spät.
Willst du denn die Stunde so enttäuschen?
Höre auf dein Herz, das zum Gedankenwechsel rät,
eh die vielen Sorgen dich zerfleischen …


© Bettina Lichtner

Montag, 11. November 2013

Frisch gestrichen



Sieh an, sieh an, ein grauer Tag.
Wohl dem, der ohne Weh und Klag
denselbigen trotz alledem
sich lieblich macht und angenehm.

Der trübe Stunden peu à peu
rosé sich färbt, vielleicht auch bleu,
und der sich nicht verfinstern lässt
(sonst beisst das Graue sich noch fest …).

Der Blick will wohl gerichtet sein
auf Sorgenfrei und Sonnenschein,
dann klart der Geist, dann strahlt das Ich,
und alles liegt so sommerlich.

Wenn sich das Grau erst niedersetzt,
und sich im Inneren vernetzt,
au weh, dann schnellstens raus damit,
sonst folgt es dir auf Schritt und Tritt.

Und ganz egal, was du dann machst,
wenn du nicht aus dem Grau erwachst,
bist du für alle Farben blind,
die überall zugegen sind.

Die Seele ist beim grauen Spiel
für diese Jahreszeit zu kühl.
Ein Farbanstrich tut dringend not!!
Schon kommt das Innere ins Lot …



© Bettina Lichtner

Verwüstete Dörfer

Betet mit! Die Philippinen
sind vom Unheil heimgesucht.
Schaut in die verweinten Mienen ….
Scheinbar ist es wie verflucht.

Bei den Klimakonferenzen
kommt kein rechtes Ziel zustand'.
Und nun schickt man Kondolenzen
in das sturmgeplagte Land.

Doch schon sagen die Experten,
dass es derlei öfter gibt.
Und die fachlichen Gelehrten
sind deswegen arg betrübt.

Denn der Mensch hat 's zu verschulden.
Doch der Mensch kann 's auch noch drehn.
Kostet Zeit und kostet Gulden.
Ob es fruchtet wird man sehn.

Nur beginnen muss man endlich.
Die Thematik ist von Drang!
Nicht zu handeln ist gar schändlich …
Wartet doch nicht jahrelang!!!

"Ihr da oben! Werdet tätig.
Denn die Erde braucht den Sieg.
Gute Taten sind jetzt nötig
in der Klimapolitik …"



© Bettina Lichtner

Sonntag, 10. November 2013

Qualitätskontrolle

Welch bedauerliche Reise
doch der ein und andre tut.
Denn durchs innere Gehäuse
fließt ein unzufriednes Blut.

Seine Welt passt nicht zusammen
mit dem geistgefassten Bild.
Alles könnte er verdammen!
Und das Herz rast ihm wie wild.

Was er möchte und erträumte,
es gelingt in Wahrheit nicht.
Welche Vorstellung auch keimte -
sie versteckte ihr Gesicht.

Denn sie fürchtete das Freie,
denn das Freie war ihr fremd.
War sie endlich an der Reihe,
zog der Zweifel in ihr Hemd …

Und dem mutlosen Verharren
folgt die Unzufriedenheit.
In sich selber zu erstarren,
bringt dem Leben Bitterkeit.

Eigne Bilder auszuleben,
macht doch erst den Menschen aus.
Statt der Masse nachzustreben,
baut ein eignes buntes Haus!

Jeder Mensch hat Qualitäten,
die die andren staunen lässt.
Lasst sie doch zutage treten!
Sagt Euch selbst: "I am the best!!!"


© Bettina Lichtner

Samstag, 9. November 2013

Verfluchte Nacht

Was vor fünfundsiebzig Jahren
sich im Land ereignet hat,
als die Bösen mächtig waren,
steht auf dem Geschichtsbuchblatt.

Die Pogromnacht trieb Dämonen
an zu einem Massenleid.
(Dass Dämonen sich auch klonen
zeigt ein Blick ins Hier und Heut'…)

Menschen durch die Straßen jagen,
so als sei es nichts als Vieh,
ist gedanklich kaum zu tragen.
Ich verzeih' die Schandtat nie …

Leben die, die jagend waren,
heute etwa mittendrin?
Jene sollten mal erfahren,
wie beschämt ich ihrer bin …

Was die Nacht für Folgen hatte
- der millionenfache Mord -
ist bekannt und ich gestatte
keinerlei Erklärungswort.

Ich vermag nicht zu ermessen
alles Leiden jener Nacht.
Niemals darf man je vergessen,
was die Menschen durchgemacht …


© Bettina Lichtner

Freitag, 8. November 2013

Nach vorn

Die Liebe, die Liebe - ein komisches Ding.
Wie oft sich schon mancher im Trugbild verfing -
im Säuseln, Versprechen und lieblichen Wort.
Das Auge geöffnet …. und alles ist fort.

Ein Luftschloss. Ein Wölkchen - ganz rosa und nett.
Der Himmel voll Geigen. Ein himmlisches Bett.
Und alles umhüllt nur von Traum und von Schaum.
Das Auge geöffnet …. und leer liegt der Raum.

Man gab sich Vertrauen und Wunschdenken hin.
Und hinterher schreit man: "Wie dumm ich doch bin …".
Da ließ man sich täuschen und merkte es nicht.
Das Auge geöffnet ….. und alles zerbricht.

Man hüllte die Stunde ins Süßliche ein.
Und steht doch am Ende verbittert allein.
Hinfort die Gefühle, die wärmend und nah.
Das Auge geöffnet ….. und nichts ist mehr da.

Geprügelte Seele, versteinertes Herz.
Das Ende der Liebe ….. ein beißender Schmerz.
Die Treue verlogen! Welch stechender Dorn.
Das offene Auge blickt mutig nach vorn.



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 7. November 2013

Gestundet

Diese Stunde, diese eine
ist ja einmal nur die deine.
Darum heiße sie willkommen,
denn schon wird sie dir genommen …

Sie will atmen, sie will leben,
und ihr Allerbestes geben.
Pro Minute, pro Sekunde -
so zergehe sie im Munde ...

Darfst sie einmal nur genießen.
Nur ein einzig Mal begrüßen.
Und schon naht ihr rasches Ende.
Und sie fließt durch deine Hände …

Einmal nur wird sie sich zeigen.
Und dann hüllt sie sich in Schweigen.
Doch wo ist sie nur geblieben?
Hast du sie ins Herz geschrieben?

Oder ließest du sie fliegen
ohne ihrer zu genügen?
Hast du jene gar missachtet?
Ihre Herrschaft gar entmachtet?

Ach, du Tor, so nimm die Neue,
dass dich jene auch erfreue.
Aber dieses Mal sei weise,
denn zu wertvoll ist die Reise …


© Bettina Lichtner

Umfrage

Ein Befragen hat ergeben,
dass die Glücklichsten wohl leben
hier im Norden! Kann das sein?
Warum schau'n sie finster drein?

Ach, ich kann sie nicht entdecken.
Wo sie sich denn nur verstecken?
Tarnt die glückliche Natur
sich mit mürrischer Statur?

Keiner lacht der Zeit entgegen.
Lauter Egos auf den Wegen.
Und die Ellenbogen raus.
Sieht das Glück nicht anders aus?

Ihre Worte laut und herrisch.
Und der Wille mehr als störrisch.
Wie ein sturer Ochs im Feld …
Ob das Glück sich nur verstellt???

Und die Nächstenliebe schwindet.
Und der Neid wird neu begründet,
und der Geiz und auch die Gier
schließen jedem Glück die Tür.

"An die Glücklichen im Lande:
Vielleicht seid Ihr ja imstande,
mal zu zeigen, wo Ihr seid.
Denn ich wüsste gern Bescheid …"



© Bettina Lichtner 

Mittwoch, 6. November 2013

Vergiss Äußerlichkeiten

Augen auf und durch! Nur Mut!
Ist doch nur dein Spiegelbild ….
Schwitzt du Wasser gar und Blut,
weil es nicht sein Soll erfüllt?

Bist du nicht der, der du willst?
Schaut dich gar ein Fremder an?
Wenn du 's mit dem Tuch verhüllst,
klebt es trotzdem an dir dran.

Schlage doch den Spiegel nicht!
Er gibt nur ein Antlitz preis.
Still zeigt er ein Angesicht,
dessen Namen er nicht weiß.

Nase, Augen, Ohren, Mund.
Aber was dahinter liegt,
das zu zeigen, fehlt der Grund.
Sage mir, was schwerer wiegt.

Gar die äußre Maskenfratz'?
Oder doch das Innendrin?
"Spieglein, Spieglein, sei ein Schatz -
zeige ja nie, wer ich bin …"


© Bettina Lichtner


Dienstag, 5. November 2013

Spendenaufruf

Wenn du ein Lächeln dein eigenes nennst,
und aber doch seine Wirkung nicht kennst,
rate ich dringend, es auszuprobieren.
Wunder, oh Wunder, es öffnen sich Türen …

Sieh, wie dein Lächeln sich lächelnd vermehrt.
Wie es die anderen Herzen betört.
Wahrlich, es kann wohl nichts Schöneres geben,
als in der Welt voller Lächeln zu leben.

Gleich treten Frieden und Freude zutag'.
Was doch ein Lächeln zu ändern vermag.
Würden sie alle die Wirkung beherzen,
gäbe es weniger innere Schmerzen.

Schön ist der Traum von der lächelnden Zeit.
Wären die Menschen zum Lächeln bereit,
sich zu umarmen und Wärme zu spenden,
würden Kapitel und Seiten sich wenden.

Setze dein Lächeln gleich um in die Tat.
Halte es immer und immer parat.
Scheue dich nicht, es den andren zu schenken.
So sollten alle einander bedenken …



© Bettina Lichtner

Auf in den Kampf

Ein einsames Leben in dunkler Spelunke
kippt Schnaps hinter Schnaps auf sein inneres Leid.
Und taucht seine Sorgen ganz tief in den Trunke.
und hofft nebenher auf die bessere Zeit …

So schwimmen Probleme vergangener Tage
in Fässern voll Schnaps, doch ertrinken sie nicht.
Das ist ja das Dumme an jedweder Plage,
besäufst du sie stumpf, lockt 's sie dennoch ans Licht.

Sie treiben ganz oben und bist du dann nüchtern,
dann klopfen sie wieder ans trübe Gemüt.
Sie graben sich Furchen auf jenen Gesichtern,
die 's immerzu hin zu Besorgnissen zieht.

Du wirst sie nicht los, nicht mit hohen Prozenten.
Sie treiben dich geradewegs tief in die Sucht.
Nimm Abstand von diesen so bittren Momenten,
und jage die Sorgen mit Mut in die Flucht.

So stell dich dem Leben mit Höhen und Tiefen
gleich aufrecht und nüchtern entgegen und sieh,
welch Kräfte, welch Stärken im Inneren schliefen.
Wirst sehen, es lohnt sich die kämpfende Müh' …


© Bettina Lichtner

Montag, 4. November 2013

Flackernde Träume

Der November hat begonnen
und wie meistens ist er grau.
Und der Regen fällt aus Tonnen,
und der Sturm bläst gar so rau.

Also Zeit für Kerzenlichter,
Zeit für Wärme innendrin.
Und die mürrischen Gesichter
schmelzen nach und nach dahin.

Wie sie lächeln, sich ergötzen
an dem Schein, der flackernd hell.
Wie sich alle Sorgen setzen
unterm stressgeplagten Fell.

Eine Kerze lockt die Träume
ins novembertrübe Licht.
Stellt mehr Kerzen in die Räume,
weil es Traumreisen verspricht.

Wo geträumt wird, spielt die Sehnsucht
eine warme Melodie.
Und die Menschen suchen Zuflucht
in der Kerzenharmonie.

Erst die dunklen Jahreszeiten
schärfen Sinne und Verstand.
Welchen Reichtum sie bereiten.
Ach, wie schön ist ihr Gewand …


© Bettina Lichtner

Sonntag, 3. November 2013

Infektiöse Zeiten

Stürmische Zeiten im jungen November!
Tiefdruckgebiete im wechselnden Spiel.
Bald noch die Kälte im Monat Dezember -
folgende Wochen sind eisig und kühl.

Wie sie schon husten, die kränkelnden Leute.
Höchste Hygiene steht jetzt auf dem Plan.
Such' vor der Grippe recht zügig das Weite.
Hab' es im Vorigen auch so getan …

Wehe, es niest wer in meine Visage.
Wehe, die Viren belästigen mich.
Brauch' unter Menschen jetzt starke Courage.
Spür', wie die Angst in mein Seelenkleid schlich.

Desinfiziere die Hände gar stündlich.
Jag' die Bakterien alle hinaus.
Reinige, putze und wasche mich gründlich -
jedwede Ansteckung ist mir ein Graus.

Meide die Massen und suche die Ruhe,
dort wo kein Mensch meine Fluchtwege quert.
Aber ich fürchte, egal, was ich tue,
dass die Erkältung mich trotzdem beehrt.


© Bettina Lichtner

Samstag, 2. November 2013

Wüterich

Lade deine Wuteinheiten
nicht auf meinen Schultern ab!
Dafür sei mit Nettigkeiten
nicht so geizig und so knapp.

Achte auf die Satzbauweise,
es ist zu viel Zorn darin.
Schrei nicht so! Erzähle leise,
weil ich sonst nicht hörend bin …

Zügel' deine Aggressionen,
balle nicht die Hand zur Faust.
Einseitige Diskussionen
machen, dass du Mauern baust …

Was du an den Kopf mir schmetterst,
steht auf wackeligem Grund.
Wenn du weiterhin so wetterst,
wird es dir gar ungesund.

Merkst du nicht den Blutdruck steigen?
Schlägt dein Herz nicht im Akkord?
Kannst du nicht mal stilleschweigen? 
Schimpfst und schimpfst in einem fort …

Ach, ich hab' die Faxen dicke.
Lieber geh' ich an den Strand,
wo ich mir Erholung pflücke,
für den leidenden Verstand …



© Bettina Lichtner

Freitag, 1. November 2013

Hai-Alarm

Merkt Ihr nicht, wie satt Ihr seid?
Wahrlich, es wird höchste Zeit,
dass die Gier beendet sei.
Nieder mit der Völlerei ….

Werft das Geld nicht ohne Grund
Werbe-Riesen in den Schlund.
Dreht gleich tausendmal den Cent,
eh Ihr Euch die Hand verbrennt,

an dem Feuer dieser Macht,
die Euch gar so höhnisch lacht.
Der Konsum verdreht den Sinn.
Und der Hai schwimmt im Gewinn …

Diese Haie allerorten
sind verführerisch mit Worten,
und sie säuseln und becircen,
und garnieren noch und würzen

die Produkte mit Geschwafel.
Ihre reich gedeckte Tafel,
spült das Wasser in die Münder.
Und die Gier macht blind und blinder.

Seht doch lieber übern Teller,
spielt nicht ständig Rockefeller.
Hinterm Teller hungern Bäuche.
Ach, wie taub stellt sich der Reiche ….


© Bettina Lichtner

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Große kleine Welt

Was kümmern mich die weltlichen Belange?
Es ist mir meine kleine Welt genug.
Sonst hielte mich das Große in der Zange,
das Kleine ist mir selbst jedoch genug.

Ich scher mich nicht um all die Streitereien.
Es schert sich ja die Welt auch nicht um mich.
Ich will mich nur an meiner Welt erfreuen,
ich lasse sie und sie dann mich im Stich ...

Ach, sollen sie einander sich bekriegen.
Was hab' ich schon davon, ich kleiner Wicht?
Sie stecken fest im tiefen Sumpf der Lügen.
Doch Hand aufs Herz, es intressiert mich nicht.

Von Machenschaften will ich gar nichts wissen,
Es ist mir ganz egal, was draußen ist.
Denn, bin ich tot, wer wird mich schon vermissen?
Wie gut, wenn du der Welt nicht wichtig bist ...

Die Großen, alle die von Rang und Namen,
erregen nicht mein inneres Gemüt.
Bin weit entfernt von äußerlichen Dramen.
Mein kleines Leben spielt sein eignes Lied ...


(c) Bettina Lichtner






Dienstag, 29. Oktober 2013

Christian

Christian, ach Christian,
warst ein grausamer Orkan,
hast gewütet und zerstört,
und das Leben uns erschwert ...

Und die Flut peitscht an den Strand.
Und der Schirm in meiner Hand,
widersetzt sich dem Befehl.
Die Frisur hält mittels Gel ...

Mancher Baum wird weich die Wachs,
und es ist für dich ein Klacks,
ihn zu rütteln, bis er fällt.
Selbst das Dach hast du verstellt ...

Dass du mir den Kampf erklärst,
und an meinen Kleidern zerrst,
jagt mit keine Ängste ein,
denn ich halt die Ängste klein ...

Ach, was willst du mir denn tun?
Ich bin gegen dich immun ...
Mich wirft 's schwerlich aus der Bahn!
Schaffst auch du nicht, Christian ...



(c) Bettina Lichtner





Samstag, 26. Oktober 2013

Herbstjob

Es naht im Herbst das Kräftemessen.
Blätter, Blätter - wo man schaut.
Da hätte ich doch glatt vergessen,
wie sich jetzt die Arbeit braut.

Der Besen fliegt in meinen Händen
übers triste Straßengrau.
Die Blätterflut will nimmer enden.
Und allmählich wird mir flau.

Wo kommen die verwelkten Dinger
denn nur alle her, verdammt!?!
Vom Daumen bis zum kleinen Finger
ist die Müdigkeit entflammt ...

Gut, okay, du Herbst! Gewonnen.
Ach, ich sink' geschlagen hin.
Hab' mit Zuversicht begonnen,
doch nun wird die Luft mir dünn.

Pustend, prustend, voller Röte,
mach' ich vor den Blättern schlapp.
Brauch' elektrische Geräte -
damit ging' es kurz und knapp.

Doch der Baumarkt hat geschlossen.
Und nun steh' ich auf dem Schlauch.
Doch die Lösung kommt geschossen,
und ich hör' auf meinen Bauch:

"Lass' die Blätter einfach liegen,
und genieß ihr buntes Spiel.
Lass' sie mit den Stürmen fliegen,
und genieß dein Wohlgefühl.

Öffnet dann der Baumarkt wieder,
kauf' den Sauger für das Laub.
Denk' an deine alten Glieder!
Schone sie, eh sie zu Staub ..."

Ja, mein Bauch, der spricht die Wahrheit.
Besen fort und ausgeruht.
Und im Geist herrscht eine Klarheit,
wenn der Leib mal gar nichts tut.



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 25. Oktober 2013

Auf die Nüsse

Eine Handvoll Haselnüsse steht auf meinem Speiseplan.
Denn die Kleinen haben der Gesundheit guten Dienst getan.
Stecken sie doch voller Power (wer will nicht gepowert sein?),
darum binde ich sie täglich mit in die Ernährung ein.

Unter einer harten Schale hofft der Kern - der sich versteckt -
dass mein Hunger ihn nicht findet und er hat ihn doch entdeckt.
Armer Kern, nun mahlen meine Zähne dich zu Mus und Brei.
Kaum aus seiner Schale ist das Leben gar so rasch vorbei.

Kurzer Blick nur in die Runde und schon geht das Licht ihm aus.
Und sein kleiner zarter Körper wird dem Mund zum Gaumenschmaus.
Tut mir leid, so ist da eben, einer wird des andren Fraß.
Einer hat den Kummer und der andere genießt den Spaß.

Doch, wenn ich es recht bedenke: Wäre ich die Haselnuss,
und es wär' nach meinem Knacken gleich mit meinem Leben Schluss,
das bisher nur unter einer dunklen Schale Frieden fand,
ach, ich wär' betrübt ob diesem wahrlich dünnen Lebensband.

Hab' ein wenig Mitleid mit dem Kern, der aus dem Finstren kam,
dass ich ihm so mir nichts dir nichts alle seine Träume nahm.
Doch er tut was Gutes, denn er hält mein Leib im Gleichgewicht.
Ich bedank' mich fromm und artig, eh ihn mein Gebiss zerbricht ....

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Bald spukt es wieder

Wenn Geister um die Häuser ziehn,
steht im Kalender HALLOWEEN.
Im gruseligen Spukgewand
erobern sie das süße Land.

Schon horte ich Bonbons und Co.,
das macht die Geister sicher froh,
und ich entgeh' dem sauren Hieb!
Die Geister sind gewiss mir lieb.

Ich ahne, wie ihr Drohwort spricht:
"Gib' Süßes, sonst erlischt dein Licht!"
Sie schauen gar so grimmig drein -
wie könnt' ich nicht spendabel sein!?

Mein Leben ist mir alles wert,
drum gebe ich, was man begehrt.
Der Lutscher wechselt Hof und Haus,
und ich entgeh' dem sauren Graus.

Doch wehe, einer wird mir frech -
dem geb' ich nix! Der hat halt Pech.
Die Geister sollten höflich sein,
sonst spricht die Wut sie kurz und klein.

Und außerdem - bevor sie gehn -
erwarte ich ein Dankeschön.
Mal schauen, wer das Wort noch kennt,
und es bei seinem Namen nennt.

Wird 's nicht gesagt, na wartet nur,
dann werd' ich selbst zur Spukfigur
und geb' Euch Saures ohne Gnad'!
Drum haltet Euren Dank parat ...

(c) Bettina Lichtner


Mittwoch, 23. Oktober 2013

Schau lustig

Wo nur sind die Lustigschauer?
Einer schaut zitronensauer,
einer scheint vom Pferd gebissen,
einen plagt wohl das Gewissen.

Die Gefühle fest verschlossen.
Gift und Galle zwar verschossen,
wieder einen Krieg begonnen,
aber nichts dazu gewonnen ....

Hinterm Tor, das vor der Seele,
schreit die Freude: "Ach, ich quäle
mich so sehr in meinem Kerker,
denn der Frust ist scheinbar stärker.

Er darf frei sein, ich muss darben!
Meine bunten Lebensfarben
werden blass und möchten strahlen,
doch ich darf sie nirgends malen.

Denn der Mensch, dem ich gehöre,
trägt so eine innre Schwere,
und da bleib' ich auf der Strecke,
und verliere meine Zwecke ....

Ich, die Freude, bin verloren,
weil sich Wut und Frust verschworen.
Doch ich hör' nicht auf zu hoffen,
dass mein Tor in Bälde offen ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 22. Oktober 2013

Traumflieger

Manchmal träum' ich, ich könnt' fliegen,
könnt' die Welt von oben sehn.
Eine Stunde würd' genügen,
einen Überblick zu kriegen.
Vielleicht würd' ich dann verstehn .....

Vielleicht säh' ich dann die Gründe 
für die Jagd nach Geld und Macht.
Welchen Abschaum ich wohl finde,
wenn die Gier und wenn die Sünde
ihr Gesicht zutag' gebracht?

Und ich könnt' sie überblicken,
die Konsumverschwenderei.
Säh' die Welt im Müll ersticken,
und es wäre kein Entzücken,
denn mein Herz riss mir entzwei ...

Säh', wie Menschen Menschen ächten.
Reichtum hier und Armut dort.
Säh' bei blutigen Gefechten,
wie die Guten und die Schlechten
sich vernichten im Akkord.

Säh' die Hungrigen verzweifeln.
Säh' die Angst in ihrem Blick.
Würd' den Überfluss verteufeln.
Meine Tränen würden träufeln.
"Welt, du brichst dir das Genick ...."

Und ich sähe, wie die Leute
der Natur zum Schaden sind.
Die vermeintlich fette Beute,
die Zerstörungen von heute,
sind die Last fürs nächste Kind.

Ach, es wäre kein Vergnügen,
wär' ich einmal obenauf.
Nein, mir ist nicht mehr nach Fliegen.
Zuviel' Leid, zu viele Lügen
nehmen viel zu viel in Kauf.


(c) Bettina Lichtner

Montag, 21. Oktober 2013

Gefühlsstörung

Fallen die Kastanien im Herbst zu meinen Füßen,
will auch die Erinnerung aus Kindertagen grüßen.
Und ich seh mich in Gedanken sammeln, basteln, staunen.
War so fasziniert von diesen stacheligen braunen ....

Männchen, Tiere, Ketten sind so kreativ entstanden.
Wie doch all die längst vergangnen Glücksgefühle branden ...
Ach, dem Herbst, dem Herbst, dem galt die frühkindliche Freude.
Wie ich all den Kindern heute ihre Kindheit neide ...

Einmal, einmal möcht' ich noch Kastanien verwerten,
jene, die mir einst ein solches Kinderglück bescherten.
Ob ich mal vergesse, dass ich längst in alten Latschen ...?
Könnte doch so tun, als ob ..... (die Leute werden tratschen!)

Schleiche mich in stiller Stunde zum Kastanienstamme
(wie ich meine Feigheit vor der Tapferkeit verdamme),
sammle gar in Eile eine Tüte bis zur Mitte.
Nähern sich von weitem nicht gar neugierige Schritte?

Schnell, schnell, schnell zurück nach Haus ins sichere Gemäuer.
In mir brennt die Aufgeregtheit wie ein wildes Feuer.
Breite meinen Fang auf meinem Tisch und bin zufrieden.
Und ich bastle Ketten, Männchen ohne zu ermüden.

Doch wo sind sie hin die einst so kindlichen Gefühle?
Irgendwas ist anders, wenn ich heute kindlich spiele.
Sitze vor den Werken, die mir einst so viel bedeutet.
Und die alte Sehnsucht hat sich leise ausgebreitet ....


(c) Bettina Lichtner

Verstrickt



Wer hindert dich am Zeitgenuss?
Wer ist der miese Schuft?
Von rechts die Pflicht, von links das Muss -
die nehmen dir die Luft.

Die halten dich vom Leben ab,
das einmal dir nur treu.
Erst Zentimeter vor dem Grab,
da geben sie dich frei.

Sie schnüren und sie würgen dich,
und du stehst mittendrin,
und suchst nach deinem wahren Ich
samt Zeit und Weg und Sinn.

Und während du verzweifelt suchst,
geht 's Tick und Tack und Tick.
Derweil du Wut und Ärger buchst,
verflüchtigt sich das Glück.

Du siehst es nicht, du merkst es nicht,
es schleicht an dir vorbei.
Du trägst die Eile im Gesicht,
als ob sie alles sei.

Die Stricke aber ziehn sich zu.
Jetzt wird es wahrlich Zeit!
Wach endlich auf, du Blinder, du.
Du lebst nur hier und heut'!!!


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 20. Oktober 2013

Schnell weg

Ein Igel schlich durchs grüne Gras
zunächst noch recht gemütlich.
Als er mich sah, da gab er Gas
(dabei war ich ganz friedlich!).

Ich bin ihm doch nicht spinnefeind,
und gebe mich ganz lieblich.
Er zweifelt sehr: "Ein Mensch? Mein Freund?"
Das finde ich betrüblich.

Was sollte ich dem Kleinen tun,
dem putzigen Gesellen?
Jetzt flüchtet er. Was mach' ich nun?
Mich in die Quere stellen?

Ich neide ihm sein Stachelkleid.
Das hielt die Unliebsamen
vom Leibe ihm, die mit der Zeit
ihm gar zu nahe kamen.

Er schleicht davon und hofft darauf,
dass ich ihm ja nichts tue.
Ich stör' ihn nicht in seinem Lauf,
und lasse ihn in Ruhe ...

(c) Bettina Lichtner

Beispielhaft



Ist die Gurke etwa krumm und der Apfel gar entstellt?
Sind die Möhren deformiert, die Bananen nicht genormt?
Welch ein Makel in der sonst so perfekt geschminkten Welt.
Schnell aufs Abstellgleis damit, denn es ist komplett verformt.

Das Gemüse und das Obst, das dem Auge nicht entspricht,
wird gleich massenhaft entsorgt. Gottverdammter Überfluss ...
Und die Hungernden der Welt, die bedenkt man dabei nicht.
Wenn man 's teilte wäre gleich mit den Hungersnöten Schluss.

Wie bewundre ich das Tier, das von Strauch und Blatt sich nährt.
Ganz egal, ob krumm und schief. Es nimmt an, was ihm geschenkt.
Es nimmt hin, was Gottes Hand ihm so reich und bunt beschert.
Gibt kein Tier auf dieser Welt, das an Obstverschwendung denkt ...

Die Natur deckt ihren Tisch und das Tier nimmt gerne Platz.
Und bedient sich ohne Klag' an der Vielfalt, die sich zeigt.
Jeder nimmt, wonach ihm ist. Ohne längeren Rabatz.
Ich bin jeden Tag aufs Neu zur Bewunderung geneigt.

Gibt kein Tier, das mürrisch schaut, weil der Apfel nicht perfekt.
Weil die Beere nicht ganz rund, weil die Birne schon leicht faul,
weil die Frucht, die es begehrt, voller Schönheitsfehler steckt.
Dem Geschenkten schaut man nicht in das sprichwörtliche Maul ...



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 19. Oktober 2013

Just a moment

Wieder ging er mir verloren,
dieser eine Augenblick.
Dabei hatt' ich mir geschworen:
diesmal halt ich fest am Glück.

's ist ein Kreuz mit den Momenten!
Keiner will der meine sein.
Was sie eben mir vergönnten,
ist am Ende doch nicht mein.

Dass sie sich so baldigst lösen
aus der Hand, die sie ergriff,
ist schon immer so gewesen,
und gibt den Sekunden Schliff.

Denn so will mir deutlich werden,
welcher Wert darinnen steckt.
Diese Lehre soll mich erden,
eh mein Leib vom Tod bedeckt.

"Ihr Momente, lasst Euch sagen,
dass ich voller Demut bin.
Keinen Aufstand würd' ich wagen,
weil Ihr ach so schnell dahin ...

Euch gebührt ein Dank von Herzen,
ohne Euren kurzen Schein,
Euren Freuden, Euren Schmerzen,
würd' ich nimmer achtsam sein.

So jedoch hab' ich verstanden,
Euch zu nehmen, wie Ihr seid.
Alle kommt Ihr mir abhanden,
alle näht Ihr mir das Kleid ..."


(c) Bettina Lichtner

Kürbis-Tanz

Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehn.
Sah es im Herbst in den Shop-Welten stehn.
Und drumherum war es festlich geschmückt!
Weihnachten naht und der Mensch spielt verrückt!!

Gerade erst Ostern! Nun Zimtstern und Punsch.
Schon spricht ein Kind seinen sehnlichsten Wunsch.
Muss sich gedulden (nichts schwerer als das).
Welch eine Liste - die Mutter wird blass!!

Alles bereit für den ersten Advent.
Bin doch erstaunt, wie die Jahreszeit rennt.
Schillert so bunt im Geschäft nebenan.
Zieht mich nur leider noch nicht in den Bann ....

Bin in Gedanken im Sommer verstrickt,
dass mich der Festschmuck noch gar nicht entzückt.
Freunde mich langsam mit Herbst, Frost und Wind.
Fühl' keine Vorfreude so wie das Kind.

Marzipan, Lebkuchen ..... lockt mich noch nicht.
Auch nicht der Stollen, der sonst ein Gedicht.
Noch tanzt der Kürbis im goldgelben Kleid.
Alles erfreut zu gegebener Zeit ...


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 18. Oktober 2013

So bitter

Wie bitter muss das Leben sein,
dass man es selbst beendet.
In voller Welt so ganz allein ....
Kein Freund, der 's Unheil wendet.

Kein Lichtblick mehr am Horizont.
Ein Tunnel ohne Ende.
Ein Sorgenheer auf breiter Front.
"Ach Gott, reich' deine Hände ..."

Es ziehen sich durchs Lebensbuch
Erniedrigung und Wunden.
Die Trübsal legt ein dunkles Tuch
gleich über alle Stunden.

Die Zeit ist keine bunte mehr.
Das Lachen ist verklungen.
Jetzt bricht sogar die Gegenwehr.
Der Schmerz hat dich bezwungen ...

Das Herz erkennt den Ausweg nicht.
Den Geist zieht 's hin zum Grabe.
Die Seele ..... aus dem Gleichgewicht
ob dieser harten Gabe.

Ein Schicksal, das kein andrer sieht.
Allein mit sich besiegelt.
Wie bitter solch ein Mensch verblüht,
und innerlich verriegelt ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Böige Stunden

Petrus äußert sein Verlangen:
"Stürmisch soll es heute sein!
Sollst gar um dein Leben bangen
bei dem Gang durch Wald und Hain.

Äste werd' ich brechen lassen!
Darum schütze sich wer kann.
Keiner kriegt mich je zu fassen!
Ich besieg' den stärksten Mann!

Pfeifend zieh ich um die Wände.
Reiße Ziegel Euch vom Dach.
Und in jedwedem Gelände
werden Kraft und Haltung schwach.

Bäume bring' ich zum Erliegen.
Haltet auch die Hüte fest.
Was ich will, das kann ich biegen!
Ich bin Euer Härtetest.

Der Orkan lehrt Euch, zu sehen,
wie zerbrechlich alles ist.
Lehrt, das Leben zu verstehen -
dass der Sturm die Tage frisst ...."


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Wir schaffen das

Ich, du, er und sie und es -
doch wo bleibt das Wir?
Schließt die Welt vor lauter Stress
diesem Wir die Tür?

Höchstens, wenn das Wetter spinnt
und die Flut zerstört,
ist 's das Wir, das zugewinnt.
Sonst wird 's überhört.

Bleibt im Alltag chancenlos.
Egoismus pur.
ICH steht auf der Stirn. Ganz groß!
Und der Kopf bleibt stur.

Sieht sich von der Welt getrennt.
Weiß wohl scheinbar nicht,
dass das Wir kein Trennen kennt,
und vom Einssein spricht.

Alles fügt sich ineinand'.
B nicht ohne A.
Gebt einander Eure Hand,
dafür sind sie da.

Eine Welt und eine Zeit.
Lebt das Wir-Gefühl.
Friedvoll sei die Einigkeit.
Liebe sei das Ziel ...


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 15. Oktober 2013

Herbstfest

Sonnige Tage! Ich weiß Euch zu schätzen,
jetzt wo der Herbst Euch allmählich verdrängt.
Jetzt wo die Tage dem Sturme gleich hetzen,
ist es mein Herz, das am Sommer noch hängt.

Was ich nun brauche sind C-Vitamine,
dass die Gesundheit dem Herbstwetter trotzt,
und dass mein Körper bei fröhlicher Miene
frisch und gelassen vor Energie strotzt.

Mäntel und Stiefel, Pullover und Mützen
finden zurück in die Spuren der Zeit.
Werden mich treu vor den Zuglüften schützen
(und auch der Winter ist gar nicht mehr weit).

Wär' nur der Himmel nicht immer so düster!
Würde Herr Petrus doch gnädiger sein!
Trübe Gedanken sind klebrige Biester,
laden sich selbst in die Seelenwelt ein.

Da hilft nur eines: Musik um die Ohren!
Und eine Kerze ins wohlige Nest.
Schon fühlt das Innre sich nicht mehr verloren.
Und aus dem Herbst wird ein heiteres Fest ...


(c) Bettina Lichtner



Sonntag, 13. Oktober 2013

For Nature

Geliebte Natur! Du betörst mir den Blick,
ich fühl mich so reichlich beschenkt.
Du spielst jeden Tag ein so heiteres Stück,
obgleich dich der Mensch so beengt.

Verlangst keinen Eintritt und keinen Applaus.
Mein Herz fliegt so liebend dir zu.
Du bist meinen Sinnen ein köstlicher Schmaus.
Mein Ärger verfliegt mir im Nu.

Dein Vogel-Orchester zu frühester Stund'
erweckt mich aus süßlicher Nacht.
Verzieht sich der Nebel, erstrahlst du so bunt
in wandelnder, magischer Pracht.

Welch munteres Leben dein Schatzkästchen zeigt.
Ich steh ja zu gerne und schau'.
Die Sonne die aufgeht und abends sich neigt -
und morgens der nächtliche Tau.

Am Baumstamm zu lehnen, gestreichelt vom Wind -
es kann mir nichts kraftvoller sein.
Ich bin dir verbunden seitdem ich ein Kind.
Du lässt mich ja nimmer allein.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 11. Oktober 2013

Heiß und fettig

Huch, nun bin ich reingetreten
in den Napf der voller Fett.
Und ich schaue ganz betreten,
und verkriech' mich schnell ins Bett.

Muss das denn auch mir passieren?
Röte steigt mir ins Gesicht.
Nur nicht die Fasson verlieren!
Ungewollt im Rampenlicht ...

Gott wie peinlich! Möchte fliehen.
Tausend Augen starr'n mich an.
Will mich in ein Loch verziehen.
Wie man sich doch schämen kann!

Schadenfreude allerorten!
Zeigefinger auf mein Ich.
Diese heuchelnden Konsorten!
Lassen mich doch glatt im Stich ...

Schon steht man allein im Regen!
Gute Freunde??? Alles Luft.
Fettnapf, ach, du bist mein Segen!
Trenne fortan Freund und Schuft ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mais-Ernte

Der Mais ist geerntet. Die Felder sind kahl.
Den Krähen blieb gar ein so köstliches Mahl.
Der Bauer ließ Körner in Hülle zurück.
Der Ernte sei Dank! Welch ein herbstliches Glück!

Doch bleiben die Krähen nicht lange allein,
schon fliegen auch Tauben und Elstern herein,
und stopfen die Mägen zum Rande sich voll.
Sie gönnen einander! Kein Neid und kein Groll.

Ein munteres Schwirren und Platz ist genug.
Dem menschlichen Auge ein flatternder Spuk.
Ach, wenn du nicht gerade ein Zugvogel bist,
dann musst du nur warten, bis Erntezeit ist.

Dann lässt dir der Mensch, der im Sommer dich scheucht,
dir gerne was übrig. Der Fang ist so leicht.
Der Acker ist förmlich mit Gold übersät.
Wie schön ist der Herbst, wenn der Bauer erst mäht ...

So geht es noch Tage und Wochen wohl fort.
Und ohne geschriebenes Internetwort,
da eilen die Vögel von überall her.
Was machen wir Menschen das Leben uns schwer ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Unter Schutz

Nationalpark Wattenmeer!
Brut- und Nist- und Schutzgebiet.
Kamen lauter Surfer her,
dass die Ruhe bald verschied.

Kitesurfing im wilden Wind.
Und sie wirbeln durch die Lüfte.
Vogelschar verschwand geschwind.
Manchen riss es in die Grüfte.

Wochenendtouristenstrom.
Trampelpfade in den Dünen.
Unbelehrbar - mancher Gnom.
"Mensch! Entfern' dich aus dem Grünen!!!"

Kein Respekt mehr vor dem Tier!
Menschen sind halt Egoisten!
Munter rein ins Brutrevier
und sich noch mit Fotos brüsten.

Vor dem dreisten, lauten Mob
flieh'n die Vögel ganz erschrocken,
Ich und wütend??? Na, und ob!!!
Möcht' am liebsten lauernd hocken ...

Schmisse sie gern alle raus,
jene, die die Ruhe stören!
Solche Menschen sind ein Graus!!!
Könnt' ich Tiere sprechen hören ...

RAUS AUS ZONEN, DIE GESCHÜTZT!!!
RAUS AUS ALL DEN BRUTGEBIETEN!!!
Wer ein wenig Hirn besitzt,
wird sich vorm Betreten hüten.



(c) Bettina Lichtner