Donnerstag, 31. Januar 2013

Besuch beim Arzt

Beipackzettel! Nebenwirkung! Klingt mir nicht geheuer!
Aber ach, gesund zu sein, das ist mir lieb und teuer.
Wollte die Tabletten meiden, ging dann aber nicht.
Denn die Grippe stand mir nicht mehr freundlich zu Gesicht.

Also, auf zum Hausarzt und das Leid genau geschildert.
Schon ein Wort des Trostes hat mir jenes gleich gemildert.
Herz abhorchen, dreimal atmen. Sag mal ganz laut "A".
Und dann folgt minutenlanges ärztliches Bla-Bla.

Welche Medizin wär' denn in diesem Falle passend?
Ist sie für das Krankheitsbild auch wirklich allumfassend?
Kurz noch ein Computerblick, schon scheint die Lösung klar.
Ein paar Kapseln wären für die Heilung wunderbar.

Zudem noch der Krankenschein, denn Arbeit ist verboten.
Menschen meiden, und dran denken: Wasch dir stets die Pfoten!
Schön ins Bett und schlafen, denn im Ruhen liegt die Kraft.
Wirst ja sehen, bald hast du das Schlimmste schon geschafft.

Auf zur Apotheke und dem Ratschlag Folge leisten
(und schon wieder Kosten, ach, das ärgert mich am meisten).
Kapsel schlucken, Haus verriegeln. Lasst mich ja ihn Ruh'!
Mit der Grippe wär' ich lieber nicht auf Du & Du.


(c) Bettina Lichtner



Mittwoch, 30. Januar 2013

Lenzillusion

Diese Wetterkapriolen
sind dem Kreislauf eine Last,
und er zeigt mir unverhohlen,
dass ihm Petrus' Werk nicht passt.

Schickt mir schwindelige Grüße,
lädt mich in die Achterbahn,
und es schwanken mir die Füße,
so als führe mich ein Kahn.

Selbst die Vögel sind betrogen,
singen frühlingshafte Weis'.
Hab' am blauen Band gezogen,
doch es lächelte nur leis'.

Sprach zu mir: "Du musst noch warten.
Dies hier ist nur Illusion.
Meine Zeit mag noch nicht starten,
da gibt 's keine Diskussion!"

Selbst der Meteorologe
kündigte neue Kälte an,
und die nächste Regenwoge
hängt er auch gleich hintenan.

Außerdem noch starke Böen,
neue Glätte, Schnee und Eis.
Na, zum Glück kann keiner sehen,
wie ich in mein Kissen beiß'.

Meine Zähne reissen wütend
ins Gehäkelte ein Loch.
Und der Herrgott sagt gebietend:
"Nun, der Winter bleibt ja doch ..."



(c) Bettina Lichtner

Montag, 28. Januar 2013

Mist!!!

So, Frau Grippe! Glückwunsch Ihnen.
Also sind Sie doch erschienen,
mich nun innerlich zu kränken,
und mir Bettruhe zu schenken.

Gab mir zwar die größte Mühe,
dass der Schmerz vorüberziehe,
doch Sie haben mich gefunden,
und nun werde ich geschunden.

Kann mich gar nicht mehr bewegen,
weil Sie mich in Ketten legen!
Ich bin Ihnen bitterböse.
Weh, wenn ich nicht bald genese!!

Bin vom Freien abgeschnitten.
Hab' schon lang' nicht so gelitten.
Hoffe nur, ich bleib am leben,
denn ich will noch Texte weben.

Heißes Bad und Inhalieren ...
Aber meine Knochen frieren.
Und mein Hals ist so verändert,
und die Augen sind umrändert.

Oh, nun muss ich dringend liegen.
Will ja neue Kräfte kriegen!
Ich bin müd', der Freud bestohlen.
Soll die Gripp' der Teufel holen!!!!!


(c) Bettina Lichtner

Unerwünscht




Komm ICH auf die Bilderfläche
(und ich weiß, wovon ich spreche),
schreien Frau'n, um mich zu melden,
und die Männer werden Helden:

Frau ruft Mann: "Nun mach mal hinne
und entfern' mir diese Spinne!
Bleib mir damit ja vom Leibe,
weil ich sonst die Scheidung schreibe!"

Und der Mann - ein Bild von Hüne -
kontert klar mit Sieger-Miene,
denn er weiß und ahnt ja richtig:
Spinnenjagd macht Männer wichtig.

Weibchen schreit wie 'ne Hyäne,
und das Bibbern ihrer Zähne
lässt den Mann zum Himmel wachsen,
und er startet seine Faxen:

Sagt "UAHHHH" mit lautem Brüllen
(und die Frau könnt' ihn glatt killen!).
Ahmt per Hand im Lichterscheine
nach die vielen Spinnenbeine.

Männlein legt sich auf die Lauer.
Frauchen packt der kalte Schauer.
Spinne findet 's Schauspiel kläglich
und bleibt völlig unbeweglich.

Denkt sich wohl: 'Soll er 's nur wagen,
mich aus diesem Raum zu tragen.
Ich bin schneller und verschwinde
dorthin, wo ich Ruhe finde!'

Dann steh'n sie sich gegenüber.
Frauchen schwitzt, als hätt' sie Fieber.
Mann fixiert das Feindgelände,
öffnet für den Fang die Hände.

Spinne schaut und will sich wehren.
Mensch tat ihr den Kampf erklären.
Spinne möcht' gern Gift versprühen
und in eine Ecke fliehen.

Männerhüne bleibt gelassen.
Angriff, Zack und Spinne fassen.
Hält den Fang dem bangen Hasen
voll Genuss unter die Nasen.

"Bring das Tier aus meiner Nähe!!!!",
kreischt entsetzt die Weiberkrähe.
"Mach es oder du bist Single,
und ich lösch' dich von der Klingel!!!"

Da tat Mann, wie ihm geheißen
und geht raus zum Spinneschmeißen.
Wirft das Tier in eine Hecke,
geht zurück zur liebsten Schnecke,

die ihn drückt und herzt und lobet,
dass ihm gar der Brustkorb tobet.
Spinne brachte so im Grunde
ungeahnte Busserl-Stunde ...



(c) Bettina Lichtner

Rollentausch



"Mudder!!! Wann gibt 's Essen?
Hast du uns vergessen?",
tönt 's aus Pubertistenmunde
in der Früh- und Abendstunde.
Mutti 's Nerven liegen blank.
Sie vermisst der Kinder Dank ...

"Mudder!!! Kannst' mich fahren?
Will das Busgeld sparen!"
Pubertist mit Dackelmiene
braucht Chauffeur für die Termine.
Mutti seufzt und fährt ihn doch.
Gestern, heut' und immer noch.

"Mudder!!! Brauch Klamotten!
Sei nicht hart gesotten!"
Pubertist (mal wieder pleite)
zieht sein Lächeln in die Breite.
Mutti zückt ihr Portemonnaie,
tut ihr auch das Geben weh.

"Mudder!!! Will zur Fete.
Brauch schon wieder Knete!"
Pubertist im Partyfieber
sagt, er hat die Mama lieber.
Mutti 's Herz wird wieder weich.
Sie wird arm und Nachwuchs reich.

"Mudder!!! Hab so Aua!
Kopfschmerz ist von Dauer!"
Pubertist ist angeschickert
auf dem Partyfest versickert.
Mutti holt den Übeltopf
samt Tablette für den Kopf.

"Mudder!!! Schau ..... mein Zimmer!
Dreck wird mehr und schlimmer!"
Pubertist will Freunde laden.
Höhlenbau = totaler Schaden!
Mutti putzt und wischt und räumt.
Kindlein schaut derweil verträumt.

"Mudder!!! Bist 'ne Feine.
Keiner hat so eine!"
Pubertist schaut tief ins Auge
und es trieft die Schleimerlauge.
Mutti ist am Herz berührt.
Schleimerblick hat sie verführt.

"Mudder!!! Machste Essen?
Haste mich vergessen?"
Pubertist hält auf den Schnabel,
doch die Mutti schmeisst die Gabel.
Schmeisst den Eimer samt dem Tuch
ganz weit fort mit einem Fluch:

"Mudder??? Soll mich trollen???
Jetzt vertauschen wir die Rollen!
Pubertist muss mich bedienen,
wie ich 's tat mit stummen Mienen.
Jetzt ist mal die Mutti dran
mit Vergnügen und mit Fun!

Kinner!!! Macht Ihr Essen???

Habt Ihr mich vergessen?
Putzt das Klo und auch die Treppen.
Auch den Einkauf müsst Ihr schleppen,
und dann fahrt mich zum Friseur!
Ich war lang genug Chauffeur ..."


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 27. Januar 2013

Friede auf Erden

Die fruchtbaren Äcker sind schneeweiß bedeckt.
Noch halten sich Triebe und Ähren versteckt.
Sie warten geduldig aufs wärmende Licht,
bevor ihr Gesicht durch das Erdenreich bricht.

Die menschlichen Wege sind frostig gefror'n.
Der Himmel hat eisige Tränen verlor'n.
Der Hass und der Neid sperren jegliche Tür,
dass ich ein Gefühl tiefster Kälte verspür.

Die irdischen Böden verharren so still
inmitten vom fröstelnden Menschengebrüll.
Sie machen uns vor, ach wie einfach es geht:
ein klein wenig Wärme ..... und Liebe entsteht.

In jedwedem Herz liegt ein fruchtbares Feld,
und wenn man es zärtlich und lieblich bestellt,
dann ernten wir Frieden und Freude zugleich.
Die Ernte bringt Glück und das Glück macht uns reich.

Doch zeigt mir die Wahrheit ein anderes Bild:
Gefühle verroht und die Sprache vermüllt.
Ein Fuß vor die Tür und ich wähn' mich im Krieg.
Die Herzen sind kalt und der Neid holt den Sieg.

Die friedliche Erde - ein ewiger Traum.
Ich glaube ganz sicher, es ändert sich kaum.
Allein auf den Feldern von Mutter Natur,
da tickt sie geduldig, die friedliche Uhr.



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 26. Januar 2013

Ziel nicht erreicht

Vorsatz, Vorsatz, du musst wandern,
von dem einen Jahr zum andern.
Wollt' in Treue zu dir stehen
und dem Ziel ins Auge sehen.

War vom Willen ganz gefangen,
doch das geistige Verlangen
nach den ach so vielen Sünden,
kann den Treuebruch begründen!

Plötzlich sind sie ausgebrochen,
aus dem Paradies gekrochen,
diese schlangenhaften Wesen,
um mich aus dem Eid zu lösen.

Meine Sinneskräfte schwanden,
und der Ehrgeiz kam abhanden.
Zwei, drei Wochen hat 's gehalten,
mich in Zwang und Zaum zu halten.

Tja, hinfort ist das Versprechen,
nimmer je das Wort zu brechen,
denn die Mächte der Verführung
gleichen göttlicher Berührung.

Alle Sinne sind der Freude,
wenn ich meinen Vorsatz meide.
Und das Glück wird gleich beflügelt,
hab ich mich mal nicht gezügelt.

So geht 's weiter bis Silvester!
Dann, wenn Schokoweihnachtsnester
mich zur Umkehr zwingen wollen.
Immer dieses Wollen sollen ....



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 25. Januar 2013

Grippewelle

Sie niesen, sie husten, sie fiebern herum!
Ich halte mich fern von den Kranken.
Ich hol einen Schal, dass ich meiner vermumm'.
Mein Hals wird es sicherlich danken.

Bakterien, Viren, sie greifen uns an,
erobern bronchiale Gebiete.
Sie bändigen selbst noch den kräftigsten Mann
und fliegen von Blüte zu Blüte.

Ob g'rade im Wuchse, ob herbstlich gefärbt -
sie machen nicht Halt vor den Wesen.
"Dass Ihr mir nur ja nicht die Laune verderbt!
Und wenn, lasst mich baldigst genesen!"

Sie lauern auf allem, was Hände berühr'n.
Die Welt muss sich desinfizieren!
Ich kann einen Ekel vorm Menschlichen spür'n
und schlechten Hygienemanieren.

Ich renn wie besessen durch Mutter Natur.
Die Pharmazie scheffelt Millionen.
Und packt mich die Grippe, was mach ich dann nur?
Ich werde mich bettlägrig schonen ...



(c) Bettina Lichtner

Eisnadeln

Will der Frost sich minusgradeln,
reihen sich die weißen Nadeln
auf dem Ast (wo sie sich einten)
und im Netz der 8-Bebeinten.

Über Nacht - schon weit vor sieben -
hat man sie ins Land getrieben.
Unterm Winterhimmel stechen
sie ins Aug; ich will sie brechen.

Die Kristalle aber flehen:
"Bitte, bitte! Lass uns stehen!
Lass uns diesem Morgen schauen,
bald wird uns die Sonne tauen ..."

Weil sie so ums Leben baten,
und so wunderbar geraten,
ließ ich ab von meinen Plänen,
und erfreute mich des Schönen.

Welche Kunstwerke sie schufen.
Wie sie stumm dem Menschen rufen:
"Nimm dir Zeit, uns zu betrachten!"
Doch die Stressgeplagten dachten:

"Diese gottverdammte Kälte,
die des nächtens zu uns schnellte!
Na, zum Glück, nicht Schnee noch Regen.
Aber glatt ist 's auf den Wegen."

Und ich wandle durch die Gassen,
diesen Anblick zu erfassen,
den so mancher Mensch verweigert,
und der doch die Stimmung steigert.

Unterm Blau und Weiß zu radeln,
Sonnenschein und Eisesnadeln,
gar nichts kann mich mehr erfreuen,
als ein Wintertag im Freien!!!



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 24. Januar 2013

Und die Zeit spricht

"Was fliehst du? Was jagst du? Was treibt dich hinfort?",
so spricht mir die Zeit und besorgt klingt ihr Wort.
Schon halte ich ein und der Atem geht schwer.
"Was rennst du so planlos dem Takt hinterher?"

Sie rüttelt mich wach, so als schliefe ich tief.
Sie fragt immer wieder, warum ich so lief:
"Sag, hast du gar Angst, dass ich siegend dich pack?
Es ist doch so wertvoll mein Tick und mein Tack.

Du sagst in der Eile: 'Ich hab keine Zeit!'.
Willst mich nicht vergeuden und trittst mich doch breit
mit deinen Terminen von A bis nach B.
Die Stunde wird kommen, da siehst du: Ich steh!

Du sagst 'Lass mir Zeit', wenn der Liebste dir fleht.
Und merkst dabei nicht, dass das Glück dir verweht.
Und bringt Langeweile dich plötzlich in Not,
dann nutzt du mich nicht, nein, dann schlägst du mich tot.

Liegst du alsdann sterbend alleine im Bett,
dann klagst du: 'Ach, wenn ich mehr Tage doch hätt' ....'.
Du hattest genügend, doch jetzt wird enthüllt:
Du hast sie zu wenig mit Leben gefüllt ...."



(c) Bettina Lichtner

**Video Hundesprüche**

Gezählte Tage

Ein paar Tage, Wochen nur,
hat der Tierarzt mir gestanden,
tickt noch meines Hundes Uhr.
Dann wird er im Jenseits stranden.

Bald schon schlägt die letzte Stund'.
Ach, wie mir die Seele blutet.
Du mein so getreuer Hund,
nun tritt ein, was wir vermutet.

Die Gedanken fliegen weit,
weit zurück in alte Zeiten.
Tag und Nacht bin ich bereit,
dich jetzt sterbend zu begleiten.

Wirst du noch den Frühling seh'n?
Stirbst du gar im kalten Winter?
Deine Seele wird bald geh'n,
was kommt dann .... was liegt dahinter?

Deine Krankheit macht dich schwach,
und du gehst so tapfer weiter.
Deine Augen sind so wach,
doch der Blick ist nicht mehr heiter.

Du bist müde von der Last,
und ich lass dich von der Leine.
Ach, gegönnt sei dir die Rast.
Und ich bleib zurück und weine ....


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 23. Januar 2013

Kaminträumerei

Das Feuer frisst den Holzscheit auf,
sein Leben brennt dahin.
Doch vor dem letzten heißen Schnauf,
ist er mir noch Gewinn.

Er wärmt die kalte Stube mir,
dass ich nicht frieren muss.
Schon dringt er in mein Traum-Revier
mit seinem Flammenkuss.

Er liest an meinen Augen gar,
wonach mein Herz sich sehnt,
derweil er selbst mit Haut und Haar
dem Tod ins Fenster lehnt.

Mein Geist reist durch die halbe Zeit
(die Ganze ist noch fremd).
Ich leg' mir eine Welt bereit,
die alte Zöpfe kämmt.

Ich krame aus Vergangenem
mir Bild um Bild hervor.
Auch, wenn ich mich dagegen stemm,
mein Herz ist ja ganz Ohr.

Der Holzscheit haucht sein Leben aus
und nimmt die Träume mit.
Das Heute holt die Stunde raus,
und ich folg' ihrem Schritt ...



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 22. Januar 2013

Kalter Feger

Das verdammte Schnee-Wegräumen
lässt den Schaum vorm Munde schäumen,
denn ich spür ein starkes Zwicken
in dem leidgeplagten Rücken!

Ist Frau Holle denn von Sinnen?
Ständig muss ich neu beginnen
mit dem Fegen, mit dem Schippen.
Bläulich sind mir schon die Lippen!

"DAS SIND NUNMAL BÜRGERPFLICHTEN!!!",
sucht wer meine Wut zu schlichten.
Und ich beiße auf die Zähne,
dass ich mich nicht wütend lehne,

gegen diese schlauen Sprüche!
"WER NICHT SÄUBERT, RISKIERT BRÜCHE!"
"Besserwisser!!! Los verschwinde,
eh ich böse Worte finde!"

Hauch mir Wärme in die Pfoten
und verfluche den Chaoten,
dessen Sätze mich so nervten
und die Kälte noch verschärften.

Und mit Ärger in den Knochen
hab ich 's Fegen abgebrochen.
Koch' mir erstmal heiße Brühe
als Belohnung für die Mühe ....



(c) Bettina Lichtner

Montag, 21. Januar 2013

Totgeschwiegen

Was die Augen gestern sahen
im TV, ließ Tränen nahen.
Will es Euch nicht vorenthalten
(denn wir sind die nächsten Alten):

Von Gewalt in Altersheimen
handelt heute nun mein Reimen.
Überforderte Personen
quälten jene, die dort wohnen.

Schmissen Worte zu den Greisen,
die einem das Herz vereisen.
Zogen sie an ihren Haaren,
nur weil sie gebrechlich waren.

Lieblos ward der Leib gekleidet.
Keine Zeit zuviel vergeudet!
Weinend lag der Greis im Kissen.
Haben Pfleger kein Gewissen?

Schläge gar statt Ehrerbietung!
Mag ja sein, dass die Vergütung
für die Leistungen zu niedrig.
Qual jedoch ist sittenwidrig!

Seit ich das gesehen habe,
spring ich lieber in das Grabe.
Eh ich so misshandelt werde,
lieg ich lieber in der Erde.

"Denkt daran, Ihr Pflegeleute:
nicht mehr ewig währt das Heute!
Morgen seid auch Ihr gebrechlich,
liegt im Heim und fühlt Euch schwächlich.

Was, wenn statt Respekt und Liebe
Qualen droh'n? Gewalt und Hiebe?
Schämen sollt Ihr Euch im Herzen!
Werdet 's Euch mit Gott verscherzen!!!"


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 20. Januar 2013

Hart & streng

Der Wetterfrosch hat prophezeit,
der Frost wird hart und streng.
Gut möglich, dass es wieder schneit
(der Winter ist nicht jene Zeit,
an der ich freudig häng' ....)

Da spricht ein altes Mütterlein
mich unvermittelt an:
"Die Menschen sollten stille sein!
Gleich fallen sie in Jammerei'n,
zeigt sich der kalte Mann.

Als ich noch jung an Jahren war,
da war'n die Winter schwer!!
Zudem die stete Kriegsgefahr,
die Hungersnot (ich spür 's so klar,
als ob es gestern wär').

Die Flüchtlingsströme durch den Schnee,
die Leichen rechts und links.
Vielleicht ein Schlückchen warmer Tee
(wie taten mir die Hände weh!).
Ein Päuschen - weiter ging 's.

Der Schnee so hoch, und kein Gefährt,
kein Auto, so wie heut'!
Ein Kutschenwagen und ein Pferd ....
Und mehr hat nicht dazu gehört.
Welch harte Winterzeit!

Dass Ihr Euch heut' ins Jammern hüllt,
das will ich nicht versteh'n.
Die Winter sind doch schön und mild.
Der Ruf nach Wärme wird gestillt,
zuhaus' ist 's mollig schön.

Kein Hunger mehr, und Bahn und Bus,
und Autos ohne Zahl.
Dass ich Euch wirklich sagen muss:
Macht endlich mit dem Jammern Schluss!
Ihr leidet keine Qual!

Seht lieber den, dem obdachlos
der Frost zu schaffen macht.
Doch Ihr sitzt da und jammert bloß.
Nehmt jenen in den warmen Schoß,
dem 's Leben nicht so lacht ...."



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 19. Januar 2013

Faltenanalyse



Ich kann ja kaum mehr an mich halten!
Die Augen weiten sich zum Schrei.
Auf meinem Körper blühen Falten!
Das ist das Tor ins Reich der Alten!
Und mir ist gar nicht wohl dabei.

Ich leg mir Gurken auf die Wangen,
und schmiere Quark auf meine Stirn.
Doch ach, mir scheint ich bin gefangen.
Und mich ergreift ein klammes Bangen.
Die Zeit indes verkürzt den Zwirn.

Schon eile ich zum nächsten Laden,
gepackt vom Virus "Jugendwahn".
Doch aus der Gruft singen die Maden:
"Was nützen Salben und Pomaden?
Die Richtung kennt nur eine Bahn ...."

Ich will auf ihre Worte spucken!!!
Verjüngungskur ist angesagt.
Ich will mich vor der Wahrheit ducken,
will wie die Faltenfreien gucken.
Die Alterung gehört vertagt!!

Ich öle, creme, zieh und zerre.
Die Haut weiß nicht, wie ihr geschieht.
Wie ich mich gegen 's Altern sperre!
Und aus der Friedhofsplatzparterre
erklingt erfreut das Madenlied.

Die Falten aber woll'n nicht hören.
Sie wollen nicht gezügelt sein.
Die Knochen singen gar in Chören:
"Lass dich von Gottes Wort belehren!
Das Äußere ist eh nur Schein ...."

So gebe ich mich denn geschlagen!
Das Alter ist ein starker Typ.
Ich will nun stolz die Spuren tragen
von hart- und weichen Lebenstagen.
Mein Spiegel spricht: "Ich hab dich lieb ..."


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 18. Januar 2013

Duft der Freiheit

Flieh mir aus den Augen, ach, so flieh aus jedem Sinn!
Flieh, du steter Zweifel! Ich will sehen, wer ich bin!
Flieh aus den Gedanken, die du immerzu bewachst.
Es wird Zeit, dass du dich flugs vom Seelenacker machst.

Deine spitzen Zähnen beissen sich in jeden Plan,
dass die Träume niemals je die Lebensstunde sah'n.
Drückst mich in die Ecke, willst mich gar zerrissen seh'n.
Doch dir wird der Übermut recht baldigst schon vergeh'n.

Denn die Zeit ist reif, ich schmeiss dich hochkantig hinaus!
Öffne alle Fenster und treib mir die Zweifel raus!
Atme durch und füll' die Brust mit lebensfrohem Mut.
Ohne dich, ich spüre es, geht 's hundertmal so gut.

Ich ergreif' die Stunde, die so freudig wartend liegt.
Endlich - nach Jahrzehnten - hab ich gegen dich gesiegt.
Oh, du süßes Leben, trete ein und sei mein Gast.
Ich will alles nachhol'n, was ich jahrelang verpasst.

Gülden lacht die Zeit, die ganzen Schatten sind hinfort.
Plötzlich ist das Leben ein so hoffnungsvoller Ort.
Niemals wieder kriegt in mir der Zweifel Überhand.
Vor mir liegt ein nie gekanntes, ach so buntes Land.



(c) Bettina Lichtner

Geebnete Wege

"Ihr habt mit Schweiß an Euren Händen
uns dieses Wegenetz gestrickt!"
Ich will ein Wort des Dankes spenden
an jene, die uns längst entrückt.

Sie schleppten Steine, schleppten Gleise,
sie krochen rum auf allen vier'n,
dass wir uns auf der langen Reise
nicht in der weiten Welt verlier'n.

All ihre Zeit steckt in den Zweigen,
die sie geteert und asphaltiert.
Die Gassen liegen da und schweigen.
Ich hab' die Kraft darin gespürt.

Ich ahn den Schmerz in ihren Rücken,
ich seh das Blut, das hier getropft.
Ein hartes Werk, uns zu beglücken!
(Heut' sind die Straßen vollgestopft.)

Sie quellen über an Motoren.
Und keiner, der das Steuer führt,
hat auch nur einen Blick verloren,
wes Seele sein Gefährt berührt.

Wären die Männer ferner Zeiten,
nicht einst so fleißig, dann, ja dann,
dann führen wir durch diese Weiten
noch mit dem guten Kutschgespann ....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 17. Januar 2013

Mein Hund!

Ach, du mein geliebter Hund!
Was tät ich ohne dich?
Du malst mir das Leben bunt
und wärmst mich innerlich.

Liegt die Seele tief im Tal,
ziehst du sie auf den Berg.
Frisst der Stress die Stunde kahl,
tust du ein gutes Werk.

Schlägt das faule Fieber zu,
dann lockst du mit viel Herz
mich ins Freie und im Nu
verflüchtigt sich der Schmerz.

Schmecke ich mit Hochgenuss
ein Marmeladenbrot,
gibst du mir 'nen feuchten Kuss
(obwohl ich 's dir verbot).

Doch schon werd' ich butterweich,
und teil' mein Mahl mit dir.
Du bedankst dich immer gleich
mit wedelnder Manier.

Packt mich Trauer oder Wut,
verstehst nur du allein,
du alleine nur zu gut,
ich will getröstet sein.

Legst dich schweigend an die Seit',
und gar nichts ist mehr schwer.
Du bist meine größte Freud'.
Ich lieb dich gar so sehr!



(c) Bettina Lichtner

Wir spielen Schicksal

Es wickelt sich der Schnee ums Land,
behütend wie ein Arztverband.
Wer hat ihm nur so zugesetzt?
Und ach so arg verletzt?

Der Mensch - im Streben nach Kommerz,
ist schädlich für der Erde Herz.
Sie übt sich weiter in Geduld,
wir stehn in ihrer Schuld.

Er bohrt ihr Löcher in die Haut,
hat grüne Flächen zugebaut,
holzt ab, verschmutzt und schröpft und raubt,
drum Asche auf sein Haupt!

Käm' Blut aus ihren Wunden, ach,
vielleicht würd' manches Hirn dann wach.
Und sähe ihren großen Wert.
Und säh', was er zerstört'.

Sie wehrt sich nicht, sie gibt sich still.
Sie schluckt den ganzen Dreck und Müll.
Ihr Schicksal, dass der Mensch hier wohnt!
Droht Gleiches Mars und Mond????



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 16. Januar 2013

Schlüsselgewalt

Eine mächtige Armee
rasselt durch die ganze Welt.
Von Hawai bis an die Spree
haben sie sich aufgestellt.

Ihr Befehl ist mal galant,
aber manchmal bös' und kalt.
Sie regieren unsere Hand,
und sind klein nur an Gestalt.

Doch ihr Einfluss ist enorm.
Keine Schwelle ohne sie.
Ihrer kühlen starren Form,
der entkommen wir ja nie.

All die Schlüssel, die ich mein',
sie bevölkern Land und Stadt.
Manchmal sperren sie uns ein,
und dann weinen wir uns matt.

Manchmal öffnen sie ein Tor,
und man weiß, man ist zuhaus.
Wehe dem, der sie verlor ....
(Manche ziehn von selber aus).

Sie sind Herr von Hab und Gut,
und versperren gern den Weg.
Ich bin ständig auf der Hut,
dass ich meinen nicht verleg.

Jedem Schlüssel auch sein Schloss.
Unikat an Unikat.
Selbst der große Himmelsboss
hält den Einen schon parat.

Doch die Schlüssel packt der Schmerz,
und sie fragen sich mit Frust:
Wie nur öffnet man ein Herz?
Aber keiner hat 's gewusst ....



(c) Bettina Lichtner

Hundemüde

Vom Winterschlaf fall ich ins Nest
der Frühjahrsmüdigkeit.
Aus meiner Seele kommt Protest
ob meiner Schläfrigkeit.

Die Augen haben keine Lust
auf dieses stete Grau.
Der Positive sagt: "Du musst
dir denken, es wär blau!"

Ich hab 's probiert, hat nichts gebracht!
Ich bin halt negativ.
Die Trübsal hat mich ausgelacht:
"Da lief wohl etwas schief ...."

Ich betete die Götter an:
"Schickt Sonne auf mein Haupt!"
(Obwohl ich gar nicht beten kann,
hab ich doch dran geglaubt.)

Mit ungezählten Zaubertricks
erhoffte ich mein Glück.
Doch alle Sprüche halfen nix.
Der Winter kam zurück.

Nun drückt sein Grau die Augen zu,
und ich bin hundemüd'.
Ich bete leis: "Herr, schenk mir Ruh  ...."
Schon senkte sich das Lid ...



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 15. Januar 2013

Eisgang

Es klappern die Zähne in frostiger Nacht,
der Winter enthüllt seine Kälte.
Ich habe mich flugs auf den Heimweg gemacht,
als auch noch ein Eiswind mich quälte.

Die Lippen so bläulich wie Heidelbeermus,
die Ohren so rot wie Tomaten.
Ich geh immer schneller, bin fliegenden Schuhs,
marschiere - zwo, drei - wie Soldaten.

"Ach, Herr, schick mir Wärme ins Adergeflecht,
sonst drohe ich noch zu erfrieren!"
Ich träume ..... ich wünsche ....... ich flüster: "Ich möcht'
so gern in der Sonne flanieren."

Noch gut eine Stunde durchs eisige Land,
dann heißt mich die Stube willkommen.
Ich male mir aus, ich läg' brutzelnd am Strand
und bin nach Haiti geschwommen.

Die warmen Gedanken zieh'n durch mein Gemüt,
schon fange ich fast an zu schwitzen.
Bin endlich zuhaus' und das Ende vom Lied:
jetzt kann ich vorm Ofenrohr sitzen ....



(c) Bettina Lichtner

Lackaffen

Auf den Straßen lange Schlangen.
PKW an KFZ.
Bin zu Fuß vorbei gegangen
an dem blechernen Korsett.

Wie sie drängeln, diese Flegel.
Schaut gar wie ein Straßenkrieg.
Niemand streicht zuerst die Segel.
Alle kämpfen um den Sieg.

Rüpelhaft ist das Verhalten.
Gute Sitten? Weit gefehlt.
Aus den boshaften Gestalten
hat ein Monster sich geschält.

Und nun sitzt es hinterm Steuer,
seine Augen wutentbrannt.
Dieses Autoungeheuer
hat nicht Herz und nicht Verstand.

Hebt den Finger in der Mitte
seiner Faust, und schmeißt mit Hass.
Und ich flüster: "Also, bitte ...",
doch da quillt auch schon das Fass.

Hupen, schimpfen .... mir wird übel.
Wo bleibt nur die Polizei?
Und nun macht wie eine Zwiebel
sich das Monster frei und frei.

Schicht um Schicht kommt seine Hölle
an das helle Tageslicht.
Unter feinster Seidenpelle
liegt das wahre Angesicht.

Überall kannst du sie treffen.
Jeder Stress bringt sie hervor:
lauter Menschen, die so äffen
g'rad wie ein Schimpansenchor .....



(c) Bettina Lichtner

Montag, 14. Januar 2013

Ich war Kolumbus

Auf Wegen, die schon hunderte gegangen,
liegt unberührt ein weißes Kleid aus Schnee.
Die Füße spür'n das dringende Verlangen,
auf diese Unberührtheit zu gelangen -
die daliegt wie zartes Negligee.

Ein kleiner Schritt, schon wär ich ein Entdecker.
Ich fühl mich wie Kolumbus vor dem Ziel.
Der Erste, der dank früh gestelltem Wecker,
auf seinem Weg zum pflichtbewussten Bäcker,
den Schnee betritt, ach, was für ein Gefühl.

Die erste Spur in diesen frischen Flocken,
ist meine und ich gehe mit Bedacht.
Auf Ästen seh ich müde Krähen hocken,
(sie kann der Winter nicht zum Fluge locken).
Sie krächzen mir und ich hab lieb gelacht.

Das Knirschen unterm Fuß dringt durch die Ruhe.
Wenn heute doch nur Heiligabend wär ....
Im Weißen liegt der Abdruck meiner Schuhe
mit jedem Schritt, den ich ins Weiße tue.
Von drauß' vom Walde klingt der Eichelhäh'r.

Im Bäckerladen schmilzt von meiner Sohle
der Schnee, der nimmer je ein Brötchen sah.
Und während ich mir frisches Backwerk hole,
da schreit von ferne eine kleine Dohle:
"Oh je, oh je, die Spur ist nicht mehr da!!!"

Ich eile raus und sehe mit Entsetzen,
ein Jemand hat den Schnee mit Salz bestreut.
Ich seh mich in Gedanken Messer wetzen!
Doch ach, ich will ja niemanden verletzen ...
Ich hätt' es hinterher vielleicht bereut.

Der Schnee ist fort und mit ihm meine Schritte.
Der Weg liegt grau und öd wie eh und je.
Die Freude aber trag ich in der Mitte
der Seele, wo ich sie mir fest verkitte.
Ich ging einst durch den unberührten Schnee ....



(c) Bettina Lichtner

Kavaliermangel

Wo sind die Kavaliere hin,
von der die Oma schwärmte?
Besiedelt ist die Welt so dünn
mit jenem, der mich wärmte.

Der eine Rose ganz galant
zu meinen Füßen legte.
Und dessen Kuss auf meiner Hand
mein zartes Herz bewegte.

Der nachts vor meinem Fenster säng',
wie sehr er mich begehrte.
Der für mich durch das Feuer spräng',
und lieblich mich betörte.

Der höflich, gut und stark sich gibt,
und mich aufs Blut beschützte.
Der mich gar bis zum Tode liebt,
und mich gebrechlich stützte.

Der jeden Wunsch im Auge sieht,
und treu bleibt bis zum Ende.
Den 's nicht zu einer andren zieht,
sobald die Chance sich fände.

Der Herzen in die Bäume ritzt,
und der ganz unverdorben.
Wo so ein Kavalier wohl sitzt?
Wahrscheinlich ausgestorben ....



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 13. Januar 2013

Rohzustand

Das Leben ist ein solcher Diamant!
Mit gar nichts andrem jemals zu vergleichen.
Wir halten es so achtlos in der Hand,
als würd' der Glanz für Ewigkeiten reichen.

Wir schleudern seine Zeit zum Fenster raus.
Doch irgendwann versiegt die treue Quelle.
Das Sterben lebt tagtäglich mit im Haus.
Die Lebenskurve neigt sich zum Gefälle.

Es greift der Geist nach Geld und nach Konsum.
Die Stunden dreh'n sich weiter Richtung Ende.
Vielleicht seh'n wir im Himmel ja posthum:
uns rann das Schönste blindlings durch die Hände.

Wir spiel'n mit ihm, als ging es immer so.
Als gäb' es nach dem Heute auch ein Morgen.
Und doch sind wir des Lebens niemals froh.
Die Kostbarkeit bleibt unentdeckt verborgen.

Und eh der Schatz geschliffen uns erstrahlt,
da deckt uns sicher schon die kühle Erde.
Wir haben alles schwarz und weiß bemalt,
und trieben leblos in der Menschenherde ....



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 12. Januar 2013

Immer nah

Niemand ist dem Menschen näher
vierundzwanzig Stunden lang!
Du bist Frau- und Mannversteher,
und du stillst des Wortes Drang,
durch Gehörgänge zu fliegen,
welcher Stimmung es auch sei,
zu zerstören, zu vergnügen -
du bist immer live dabei.

Keiner will auf dich verzichten.
Du hast höchsten Stellenwert.
Ungezählt sind die Geschichten,
die dein Akkuherz erfährt.
Stets bereit und stets zu Diensten,
wie 's kein Menschenwesen kann!
Du gehörst wohl zu den kühnsten
Dingen, die man je ersann.

Und sie tragen dich auf Händen.
Wirklich, ich beneide dich.
Botschaften ins Weltall senden!
Du bist gar ein Held für mich.
Schau dich um und du wirst sehen,
dass fast jeder dich verehrt.
Wo sie gehen, wo sie stehen -
du hast ihnen zugehört.

Zudem hältst du in Sekunden
alles Leben bildlich fest.
Zeichenkünstler sind verschwunden
aus dem neumodernen Nest.
Du ersetzt die Pinseleien.
Du ersetzt des Menschen Hand.
Handy! Deine Zaubereien
haben schönstes Gut verbannt ....


(c) Bettina Lichtner

Mittagsträumerei

Ein Mittagsschläfchen sei gegönnt!
Bin träumend von der Welt getrennt.
Die Zeit bleibt mir gestohlen.
Mein Leib muss sich erholen.

Wenn draußen auch das Leben schreit,
in mir schreit tiefste Schläfrigkeit.
Der Stress der letzten Wochen
verlässt die trägen Knochen.

Verlockend schaut die Liege mir.
Die Tiefschlaflust zieht mich zu ihr.
Schon fall' ich müde nieder,
es schließen sich die Lider.

Fünf Atemzüge und ich lieg'
in süßen Träumen,  und ich krieg'
die Augen nun für Stunden
nicht mehr ans Licht gebunden.

Derweil mein Körper ruhend weilt,
ist meine Seel' zum Geist geeilt
und bastelt mir Geschichten,
die sich zum Traum verdichten.

Ich sehe, was ich nimmer sah.
Nur ich alleine wander da
durch all die neuen Gassen,
und kann sie doch nicht fassen.

Ich träume mir Gesichter her,
und seh sie alle niemals mehr.
Woher sind sie gekommen?
Warum sind sie verschwommen?

Sind sie aus frühen Leben gar?
Die Träume sind so sonderbar,
als wären es Stationen
aus Reinkarnationen.

Da plötzlich schnippst mich wer zurück
ins Hier und Jetzt. Es lässt der Blick
sich sacht das Wache munden.
Die Traumwelt bleibt verschwunden.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 11. Januar 2013

Jugendliebe

Jung war ich! Im Liebesfieber!
Sah den einen! War entzückt!
Und mein Herz flog zu ihm rüber,
flüsterte: "Sag Ja, mein Lieber!"
Und er nickte ganz beglückt.

Die Berührung unsrer Hände ....
Diese Blicke voller Glut!
Nimmer dachten wir ans Ende.
Aus dem seelischen Gelände
tönte leis': "Sei auf der Hut ...."

Küsse füllten unsre Stunde.
Nirgends eine Schattenwelt.
Doch die Liebe ging zugrunde.
Neues Weibsbild! Schluss und Wunde ...
Und der schöne Vorhang fällt.

Abserviert, dazu noch feige,
durchs Adé am Telefon.
Alles Schöne ging zur Neige.
Wenn ich 's heute mir beäuge,
wandelt sich die Wut in Hohn.

"Süß und saure Jugendtage,
nun, da mir die Zeiten flieh'n,
klopft Ihr an und, ach, ich trage
Euch im Herz und, ja, ich wage,
Euren Schatz an Land zu zieh'n."


(c) Bettina Lichtner

Radarfalle



Welch Donnerknall aus Gottes Reich!
Ich zucke und ich zitter.
Mir werden gar die Beine weich.
"HINFORT MIT DIR, GEWITTER!!!"

Doch wütend grollt das Himmelszelt,
als stampften Elefanten
durchs aufgewühlte Wolkenfeld
(zum Schrecken der Trabanten).

Was ist das nur für ein Gebräu,
das sich da oben tummelt?
Als ob 's der Teufel selber sei,
der wortgewaltig grummelt.

Ich eile durch die Wetterfront,
um mich davor zu schützen.
Da fängt Herr Petrus ganz gekonnt
glatt an, mich grell zu blitzen!

"Was soll denn das??? Ich fürchte mich,
wenn Blitz und Donner aasen!"
Doch Petrus spricht: "Ich blitze dich,
weil deine Schritte rasen!

Ich schau dir seit Jahrzehnten zu,
und muss bei dir bemängeln:
zu hastig rennt der Fuß im Schuh,
weil dich Termine gängeln!

Du steigerst die Geschwindigkeit,
und die Gesundheit leidet.
Drum war es endlich an der Zeit,
dass man die Hast beschneidet.

So soll der himmlische Radar
die Lebenseile dämpfen.
Entschleunige, was schleunig war,
statt mit der Zeit zu kämpfen.

Das Bußgeld wird sonst bitter sein.
Dein Körper wird 's berappen!
Hältst du nicht unvermittelt ein,
stirbt dir der Lungenlappen ...."



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 10. Januar 2013

Sie ist da

Sie stellt den Fuß in meine Tür.
Ich wehre mich mit Macht!
"Gebrechlichkeit!?! Was willst du hier??"
Da hat sie nur gelacht:

"Ich nehm' Besitz von deinem Kleid
und ziehe es mir an.
Ich brems' die Selbstverständlichkeit,
und meld' mich dann und wann.

Die Knochen und der Muskelstrang
verlieren bald an Kraft.
Dem Ohr verhallt der Weltenklang.
Die Zeit nimmt dich in Haft!

Ich raub' dem Aug' die klare Sicht,
dem Rücken gar den Halt.
Die Finger werden krumm vor Gicht,
der Körper wird dir alt.

Die Jahre decken mir den Tisch.
Doch, geb' ich dir mein Wort:
bist du auch nicht mehr jugendfrisch:
mich bändigst du mit Sport!"



(c) Bettina Lichtner

Pro ./. Contra

Meine Gedanken formieren die Truppen!
Mut gegen Angst heißt das harte Gefecht.
Und aus dem dunkelsten, hintersten Schuppen
hat das Verdrängte sich bitter gerächt.

Brachte hervor, was so lange verschwiegen.
Schickte zurück mir das bibbernde NEIN.
Nun will die Angst dadurch abermals siegen,
aber der Mut will nun mutiger sein.

Tausende Gründe bestärken das Wider,
ebenso viele bezirzen das Pro.
Worte bekämpfen sich wieder und wieder.
Wer von den beiden geht letztlich K.O.?

Um die Entscheidung wird mächtig gerungen.
Stunden, gar Tage vergeh'n ohne Ziel.
Schließlich ist 's Herz bis zum Geist vorgedrungen:
"Trau nicht dem Wort, sondern hör' aufs Gefühl!!"

Weiß weht die Flagge. Das Herz hat entschieden.
Nie lag die Lösung so deutlich vor mir.
Seelische Ruhe und geistiger Frieden .....
"Innere Stimme, wie danke ich dir!"



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 9. Januar 2013

Gezwischtertes

Vögelein, Vögelein, sag wo du bist!
Ach, dein Gezwitscher wird sehnlichst vermisst.
Kehrt erst der Frühling zur Erde zurück,
singt auch dein Schnabel frohlockend dem Glück.

Kalt ist der Winter, er trieb dich hinaus.
Alles schaut trostlos und trübselig aus.
Ohne dein Lied ist die Stunde so leer.
Es ist dein Klang, den ich innigst begehr'.

Einzig der Rabe tönt krächzend vom Ast.
Er ist des Winters gefiederter Gast.
Schaut gar so dunkel wie 's Wetter ja auch.
Mir drückt der Winterblues schmerzend den Bauch.

Wenn dich der sonnige Strahl inspiriert,
und seine Wärme die Seele massiert,
trällerst du lieblich, doch nun ist es grau.
Du schonst die Stimme, damit sie nicht rau.

Bald, aber bald, heb' sie an und dann sing!
Dass mich das Leben gleich freudig umfing.
Wenn deine Kehle die Ohren erfreut,
weiß ich genau, dass der Sommer nicht weit.



(c) Bettina Lichtner

Rosenkissen

Die Erde färbt ein tiefes Rot,
doch nimmer ist es Blut.
Der Anblick, der sich träumend bot,
war weit entfernt von Leid und Tod,
und tat der Seele gut.

Es war ein weiches Rosenmeer,
das den Planeten schmückt.
Die Blätter lagen ringsumher
und tranken mir die Augen leer.
Ein Bild von Gott geschickt.

Statt dass der kalte Regen fiel,
kam Blatt um Blatt um Blatt
vom Himmel. Und ein Farbenspiel
erreichte bald sein wahres Ziel -
die Seele fraß sich satt.

Ein Wunsch, der lang im Herzen lag,
ward wundersam erfüllt.
Den Himmel auf der Erde trag
ich nun im Geiste Tag für Tag.
Die Sehnsucht ruht gestillt.

Doch plötzlich schellt der Wecker und
der Traum fliegt mir hinfort.
Ein Blick durchs Fenster = nichts ist bunt.
Der Morgen tut die Sorgen kund,
kein Rosenbett mehr dort.



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 8. Januar 2013

Augenschmaus

Ach, ich sah ein Röslein klein
im verschneiten Beet,
stand so frierend und allein,
nahm es in die Hände mein,
und da hat 's gefleht:

"Liebes Kind, mir ist so kalt!
Niemand sieht mein Leid.
Jeder jagte mit Gewalt
nach des Geldes Truggestalt
(bitter wird 's bereut ...).

Blumen auf dem freien Feld
sind ein Augenschmaus.
Doch man holt mit schnödem Geld
schnell aus der Floristenwelt
einen bunten Strauß.

Wurzelloser Blütenduft,
der dem Welken nah.
Dieser Mensch ist so ein Schuft!
Liegt er aber in der Gruft,
blüh' ich eben da ...."



(c) Bettina Lichtner

Schubladendenken

Augenpaare tasten sich im Nu
makelsuchend dir vom Kopf zum Schuh.
Vorurteile machen dich zu wem,
der wahrscheinlich völlig unbequem ....

Schubladen beginnen zu sortier'n.
Vorurteile werden dich zensier'n.
Und du wirst verdreht von Z bis A,
wie dein Herz dich selbst noch niemals sah.

Jede Gestik wird genau geprüft.
Das Gespräch recht heuchlerisch vertieft.
Die Figur ist gar das A und O.
Ach, und spinnen tust du sowieso.

Die Details, die auch dein Spiegelbild
noch nicht kennt, hat 's Lästermaul enthüllt.
Nun, naja, und dann erst die Frisur!
(schaut viel jünger als die Jahresuhr ...)

Dieser erste Eindruck sei verflucht!
Weil er ja nicht findet, was er sucht,
denn das wahre Ich liegt wohl versteckt
tief im Leibe, bis man es erweckt.

Diesem Ich sind Schubladen ein Graus.
Darum kommt es selten nur heraus.
Öffnet sich nur zögerlich der Welt,
die zu hastig Vorurteile fällt .....


(c) Bettina Lichtner

Montag, 7. Januar 2013

Zauberfluch

Des Menschen böse Zaubermächte
sind der Erde Untergang.
Wie ich seiner flehen möchte,
dass er an die Folgen dächte,
doch ich flehte jahrelang.

Der Zauberstab in seinen Händen
ist dem Finstren Untertan.
Zwischen all den Flächenbränden,
den zerstörten Grüngeländen,
steht der Mensch im Habgierwahn.

Abgeholzte Baumstammriesen.
Enten, die mit Öl verschmiert.
Häuserreihen auf den Wiesen.
Land und Leute in den Miesen,
weil der Geist nur giert und giert.

Massentiere hinter Mauern.
Pelzzuchtfarmen gut versteckt.
Kinder, die misshandelt kauern.
Himmel voll von Bombenschauern.
"Mensch, gib dich nicht unbefleckt!!!"

Rohstoffschätze ausgeplündert.
Kaum noch Fisch in Teich und Meer.
Artenvielfalt stark vermindert
(nicht mal Gott hat das verhindert).
Wo nur kommt die Rettung her?

Walgemetzel. Robbenschlachten.
Ausgesetztes Hundeleid.
Und die blinden Geister lachten.
Und die Sehenden, die dachten:
"Es ist endlich an der Zeit!

Zaubersprüchlein! Sprich die Wende!
Sprich ein magisch gutes Wort.
Mach dem bösen Fluch ein Ende,
andernfalls, tja, naht behende
uns ein gottverlassner Ort."



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 6. Januar 2013

Der Tod des Liebesbriefs

Welch ein umschmeichelndes Kleid
doch seine Hülle umgab.
Aber die rasende Zeit,
technische Vielfältigkeit
trugen ihn leise zu Grab.

Einzig im singenden Wort
- gleich, welche Sprache es spricht -,
lebt seine Lieblichkeit fort,
und der gespielte Akkord
füttert die Seele mit Licht.

Ach, der geschriebene Kuss,
der aus dem Tintenfass flog,
tränkte den Blick mit Genuss,
doch dann versank er im Fluss,
der durch die Technikwelt zog.

Selten wer macht sich die Müh',
und bringt sein Herz zu Papier.
Abgestumpft wirkt der Esprit.
Blätter sind einsam wie nie.
Leise verkümmert das Wir.

Schön muss der Augenblick sein,
wenn sich ein Liebesbrief zeigt,
den eine Handschrift allein
schrieb, um beglückend zu sein.
Aber der Federkiel schweigt ....


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 5. Januar 2013

Wachs & Strom

Unter wintergrauer Schale
ruht ein farbenfroher Kern.
Und das Trübe, ach so Fahle
tänzelt aus dem Lichtersaale,
und die Sorgen liegen fern.

Wenn der Winterabend leise
in den Straßen Einzug hält,
leuchten in besondrer Weise
Lampen mir als Seelenspeise.
Ach, wie friedlich täuscht die Welt.

Glühende Laternendrähte,
stromgenährt und heißgeliebt,
zeichnen eine abendspäte
Stimmung, dass mir just verwehte,
was noch g'rad die Stund' getrübt.

Kerzenfrohe Lichtgestalten
sind dem Ganzen ein Kontrast.
Sie verführ'n zum Innehalten.
Wenn sie ihren Schein entfalten,
schmilzt die schwere Schulterlast.

Wachs und Strom als Lichterreigen
sind des Winters wahre Pracht,
die ein Glücksgefühl erzeugen,
dass sich Geist und Seel' beäugen
und das Herz im Leibe lacht.

Seit der morgendlichen Frühe
alles grau! Die Freude stirbt!
"Auf, Ihr Lichter! Gebt Euch Mühe,
dass die fade Himmelsbrühe
nicht die Laune mir verdirbt."


(c) Bettina Lichtner


Freitag, 4. Januar 2013

Der Wille in mir

Der Wille in mir gibt sich störrisch,
formiert sich zum zweifelnden Heer.
Zuweilen regiert er mich herrisch,
und ich werf' die Träume ins Meer ....

Die vielen verworfenen Pläne,
sie ziehen davon mit der Zeit.
Mein Wille zeigt fletschende Zähne,
sobald da ein Traum in mir schreit.

Schon wäge ich gut gegen böse,
und prüfe das JA und das NEIN.
Der Schweinehund spricht: "Ich erlöse
dich nun von der wägenden Pein!"

Und schon ist der Mut mir gebrochen,
und wieder mal trau ich mich nicht.
Denn hat erst der Zweifel gesprochen,
dann steht auch die Angst im Gesicht.

Wie schwierig doch ist 's Überwinden.
Wie schwierig, mal mutig zu sein.
Den richtigen Anfang zu finden ....
Ich lüde das Glück zu mir ein.

Doch ach, dieser störrische Wille,
der alles im Keim mir erstickt ....
Ich schösse ihn gern mit 'ner Zwille
hinfort, dass das Wagnis mir blickt.



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 3. Januar 2013

Fahrende Geister

Tödliche Schwadronen
rasen auf den Autobahnen.
Geister und Dämonen
spuken durch die Tempozonen,
und man kann sie nicht erahnen.

Höllengleiche Szenen
sind gewiss, wenn sie sich zeigen.
Trümmer, Blut und Tränen
sind ein Grund, sich aufzulehnen!
Doch Gesetzesschreiber schweigen.

Fehlgelenkte Wagen
bringen plötzliches Verderben.
Und es bleiben Fragen,
wann Verkehrsbehörden tagen,
zu verhindern dieses Sterben.

Geisterfahrer krachen
in die unschuldigen Leben.
Doch statt zu erwachen
und dem Spuk ein End' zu machen,
steh'n sie tatenlos daneben.

Endlich was zu ändern,
um die Geister zu vertreiben,
wie in andren Ländern
(schaut mal hoch von Tellerrändern!)
würde glatt Geschichte schreiben ....


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 2. Januar 2013

Oh du, mein Kalender!

Da liegst du vor mir, nackt und rein.
Ein unbeschriebnes Blatt.
Geheimnisvoll schaust du mir drein.
Ich seh' mich an dir satt.

Du flüsterst mir, du seist nun mein,
doch stelltest du gleich klar:
"Die Bindung wird nicht ewig sein!
Ich bleibe nur ein Jahr!"

Drauf sage ich: "Na gut und schön.
Dann nutzen wir die Zeit.
Und bis wir auseinandergeh'n,
genießen wir das Heut'.

Dein Antlitz ist der Jungfrau gleich.
Mich packt Entdeckungslust.
Dass du an Wechselhaftem reich,
das hab' ich schon gewusst.

So leite mich, Kalender du!
Ich will dir wohl vertrau'n.
Du schenkst mir Zeit, Gott wird dazu
die rechten Wege bau'n."


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 1. Januar 2013

Katerstimmung



Ein Kater, sonst so putzig fein,
zieht quälend in die Häuser ein.
Er ist des Körpers Supergau,
denn nach dem Suff bringt er das AU.

Der Neujahrstag kommt ihm nur recht,
dann geht 's den Menschen gar so schlecht,
denn der Silvesterfeierei
folgt auf dem Fuß die Reierei.

Dann sorgt die kleine Kuschelmiez
für Achterbahnen des Gemüts,
und wirbelt das Gehirn umher,
und pumpt den ganzen Magen leer.

Sie hämmert gegen 's Schädeldach,
und schafft es, dass der Körper schwach
im Bett liegt und dem Schlafe frönt,
und sich nach bessren Zeiten sehnt.

Die Stimmbänder, die legt sie lahm.
Der Körper ist betäubt und zahm.
Die Augen scheu'n das grelle Licht,
derweil der Mund das Mahl erbricht.

Dem Kater ist es eine Freud'!
Wie liebt er die Silvesterzeit!
Und wer daraus nicht lernen mag:
nach jedem Suff ist Katertag ....


(c) Bettina Lichtner