Sonntag, 30. Juni 2013

In der Fremde

Ein Fremder bin ich, fremd der Welt.
Bin fremd den andren, fremd auch mir.
Wer hat mich nur hierher gestellt?
Und, gottverdammt, was soll ich hier?

Ich suche meinen Lebensraum
in diesem fremden Niemandsland.
Die Sehnsucht wächst. Ein alter Traum
schlägt Wurzeln in dem Stundensand.

Sind Grenzen hier und da, und ich
bin wie gefesselt, wie gelähmt.
Ich irre und verlaufe mich,
und hab mich ob mir selbst gegrämt.

"Ach, Heimat, sag, wo bist du denn?
Und wie erkenn ich dein Gesicht?
Die Zeit vergeht und ich? Ich renn
zu dir, zu dir und find dich nicht ..."

In Ländern, die mein Auge sah,
da fand ich keine bleibend' Statt,
bis weithin nach Amerika
trieb 's hungrig mich, mich Nimmersatt ...

Und wieder trat der Traum hervor,
der Wurzeln schlägt im Stundensand.
Den ich auf meinem Weg verlor,
und erst im Alter wieder fand.

Ich träumte, denkt, ich träumte ja
von Heimat und Geborgenheit.
Und als ich träumte, wurd' mir klar:
ich trag' sie unterm eignen Kleid ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 29. Juni 2013

Sichtwechsel

Unlängst zog die Einsamkeit des nachts durch Wald und Flur.
Einzig nur der Hopfen war ihr Trost.
Gestern noch da sang das Herz ein Lied im schönsten Dur.
Heut' mischt sich der Moll mit stetem Prost.

Jeder Becher Alkohol, der durch die Kehle floss,
ward umrahmt vom traurigen Gesang.
Ach, die arme Einsamkeit, sie soff und sie begoss
selber sich mit depressivem Klang.

"Bin ja so verlassen in der großen weiten Welt.
Niemand von den Menschen hat mich lieb.
Hätte gern mein kleines Herz zum anderen gesellt.
Ging ja nicht, weil 's fern dem meinem blieb.

Suchte alle Länder ab, doch fand das rechte nicht.
Jedem Topf ein Deckel?? Wäre schön ...
Wo ich auch gewesen bin, nie fand ich ein Gesicht,
das bereit war, mit mir mit zu gehn.

Bin ich gar zu anspruchsvoll? Ich mäkelte herum!
Immer war da irgendetwas schlecht.
Eines war zu dick, ein andres schaute mir zu dumm.
Keines der Gesichter war mir recht.

Sollte ich versuchen, in das Innere zu sehn?
Ist es wahr: Das Äußere ist Schein?
Soll ich die Gewänder auf die linke Seite drehn?
Werde ich dann endlich fündig sein?"

Und so nahm die Einsamkeit sich selber ins Gebet.
Und als sie die Innenwelten sah,
zeigte sich, zum Glücklichwerden ist es nie zu spät.
Plötzlich war ein Hoffnungsschimmer da ...


(c) Bettina Lichtner


Zwei Dinge

Seht Ihr nicht die Seele betteln?
Wie sie lechzt nach Eurem Wort ...
Doch die Worte, sie verzetteln
sich in Phrasen, immerfort.

Dabei ist das so ersehnte
Wort so klein, so klitzeklein.
Wenn 's der Mund doch nur erwähnte,
würd' die Stunde rosig sein.

Aber in den schnellen Wirren
hat man kaum von ihm erzählt.
Tausend Herzen hör' ich klirren,
weil das kleine Wörtchen fehlt.

Seht Ihr nicht die Hände frieren?
Keiner fasst den andern an!
Aber Handys, die vibrieren
in der Faust vom Nebenmann!

I- und Smartphones sind uns heute
mehr wert als ein festes Band.
Nicht mehr allzu viele Leute
gehen glücklich Hand in Hand ...

Diese Wärme und das eine
Wort, das schlichtweg Liebe heißt,
fehlt der Seele, und ich weine,
weil Ihr all das von Euch schmeißt ...


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 28. Juni 2013

Schattenmensch

Durch die Straßen schlich ein Schatten
meiner selbst - vor Gram gebeugt.
Wollt' ihm Freude rückerstatten,
doch da hat er mich beäugt:

"Wenn du willst, dass ich mich freue,
musst du innen drin was tun,
dass ich wieder froh gedeihe,
statt in Trübsal auszuruhn.

Schau hinein in deine Tiefen,
wirf hinaus, was dich bedrückt.
Von den Innenwänden triefen
lauter Sorgen, geistgeschickt.

Nur Gedanken! Aber jene
hast du selbst dir hochgepuscht.
Und so manche Lebensszene
hast du dir damit verpfuscht.

Deine Ängste, deinen Ärger,
deine Trauer und so fort,
finde ich als Kummerberger
tief in deinem Seelenhort.

Doch die Freude? Nicht beachtet.
Nicht gehütet. Nicht gepflegt.
Wie dein Herz doch nach ihr schmachtet ...
Doch sie ist auf Eis gelegt.

Wenn 's gelingt, sie vorzuholen,
werd' auch ich gerichtet sein.
Spute dich! Die Lebenssohlen
werden bald am Ziele sein ..."


(c) Bettina Lichtner

Ungeladener Gast

Morgens klopft es an die Tür.
"Herbst??? Was machst denn du schon hier???
Geh zurück und schlaf dich aus.
Lock mich ja nicht aus dem Haus.

Brrrr, was liegt der Tag so kalt?
Spinnst du denn? Verzieh' dich bald!!!
Winterkleidung liegt verstaut
auf dem Dach! Oh, wie mir graut.

Regenschauer, grauer Sky
sind im Norden ja nicht neu -
aber nicht zur Sommerzeit!!!
Schmück' dich nicht mit fremdem Kleid!

Du bist im September dran.
Fang ja nicht zu stürmen an.
Pack die Kälte wieder ein.
Niemand will ein Freund dir sein!!

Sommer! Sommer! Zeige dich!
Sieh doch nur, der Herbst, er schlich
sich in unsre schöne Stadt.
Bald schon welkt das grüne Blatt.

Gib nicht auf! Komm wieder her!
Sommer, ich vermiss' dich sehr.
Herbst, verschwinde! Los, hau ab.
Bitte, Sommer, mach nicht schlapp ......"


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 27. Juni 2013

Verschiedene Welten

Der Hunger hat sich rar gemacht,
frustriert schwenkt er den Hut:
"Ich knurrte gern im Magenschacht,
auf dass man mich zufrieden macht.
Ja, früher war es gut ...

Doch heute? Ach, wer braucht mich noch?
Ihr seid ja alle satt!!!
An jeder Ecke steht ein Koch
und füllt Euch Euer Magenloch,
Kein Hunger in der Stadt.

Ob Döner, Pommes, Wurst und Fisch -
ob Brötchen und Gebäck,
die Straßen decken Euch den Tisch
zu jeder Zeit und immer frisch.
Das trieb mich schleichend weg ...

Nun leb' ich in der dritten Welt.
Die erste hat zu viel.
Da knurre ich, doch keiner stellt
ein Dinner mir, das mir gefällt.
Was für ein schlechtes Spiel ...

Die erste Welt, die frisst und frisst
bei Tag und auch bei Nacht,
und während sie so frisst, vergisst
sie gern, dass da ein andrer ist,
der hungrig gar erwacht.

Ein Teller Reis, ein Stückchen Brot,
tagein, tagaus, tagein ...
Doch, ist sie gar zu groß, die Not,
dann sterben sie den Hungertod.
Die erste Welt haut rein ..."



(c) Bettina Lichtner


Mittwoch, 26. Juni 2013

Schuldspruch

Diese Stimme im Gewissen
rief mit quälender Geduld:
"Du wirst dafür büßen müssen!
Du zerbrichst an deiner Schuld!!!"

Und es quält des Menschen Seele
so ein Schmerz, der nie gekannt.
"Wenn ich auf der Erde fehle,
dann verläuft die Schuld im Sand ..."

Schon will er sich selber richten,
weil die Schuld ihn dazu drängt.
Lieber will er sich vernichten,
eh die Schuld ihn weiter kränkt.

Vor ihm liegen tausend Scherben
seines Lebens, seiner Zeit.
"Lieber Gott, so lass mich sterben!
Ach, ich brachte nichts als Leid ...

War so skrupellos und gierig.
Nur das Geld lag mir ihm Sinn.
Diese Einsicht ist so schwierig,
wie verkommen ich doch bin ...."

Und so litt der Mensch ob seiner
eignen Skrupellosigkeit.
Völlig schutzlos, wie sonst keiner,
steht er da in seinem Kleid.

Auf die Knie ist er gefallen,
und zu Gott hat er gesagt:
"Bin der Gierigste von allen.
Wie der Kummer an mir nagt ..."

Aber Gott nahm ihn beiseite
und verzieh ihm seine Gier.
"Lieber Sohn, trotz böser Seite:
ich verschließ dir nicht Tür.

Bist gereift am Schuldgedanken.
Deine Reue tut dir gut.
Und nun lass die Liebe ranken.
Sich zu ändern fordert Mut."


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 25. Juni 2013

Der Teufel im Detail

Der verdammte Fehlerteufel (oder ist 's das Alter?).
Ständig schleicht er sich in meinen Satz.
Wenn ich ihn entdecke, ach, dann läuft ja so ein kalter
Schauer übern Rücken. Und ich platz ...

Platze fast vor Wut, weil er mich ständig überlistet.
Würd' ihm gerne an die Gurgel gehn.
Wenn ich merke, dass er wieder in Gedichten nistet,
möcht' ich schämend in der Ecke stehn.

Prüfe meine Texte voller Sorgfalt vor dem Teilen
tausendmal von rechts und auch von links
Doch es schleicht der Teufel sich in Wörter oder Zeilen -
dieses kleine gottverfluchte Dings.

Kann doch gar nicht sein .... vielleicht, vielleicht sind 's ja die Augen!
Grüner, grauer, sonstgefärbter Star??
Wollten sie mir eben noch zum Lesen trefflich taugen,
sehen sie beizeiten nicht mehr klar.

Nehmt es mir nicht übel, wenn mal hier und da ein Fehler.
Doch mein Körper macht wohl was er will.
Bin von Herzen gerne Euer lyrischer Erzähler,
doch der Fehlerteufel hält nicht still ...


(c) Bettina Lichtner

Montag, 24. Juni 2013

Plagegeist

Schwirrt ein Mücklein durch die Nacht,
hat mich um die Ruh gebracht.
Ist ganz gierig auf mein Blut.
Also bin ich auf der Hut ...

"Atem, Atem, halte ein,
musst jetzt ganz gezügelt sein,
dass ich 's Mücklein deutlich hör'."
Doch dem Atem fällt es schwer ...

Denn der Puls schlägt pferdewild.
Gleich wird 's Mückenkind gekillt.
Meinen Schlaf hab ich vertagt!
Heute geht 's auf Mückenjagd.

Summt es hier? Nein, es summt da ....
Klingt ja so bedrohlich nah.
Schlupf ganz weit unter die Deck'.
Fliegt die Mücke endlich weg???

Falsch gehofft, sie greift mich an.
Ein Vampir!!! Doch ich bleib dran!
Wehe ihr, wenn sie mich sticht!
Hab den Finger schon am Licht ...

Schon summt 's laut an meinem Ohr,
wie ein Tausend-Mannen-Chor.
Schnell das Licht an ...... aber ach,
meine Augen sind zu schwach.

Kann das kleine Biest nicht sehn,
muss im Bette senkrecht stehn,
schau die Wände auf und ab,
bis ich sie gefunden hab.

Und da hockt sie hinterm Schrank.
Und ich rufe: "Gott sei Dank!!"
Nur die Ruhe! Kurze Schlacht.
Knapp gewonnen!!! Gute Nacht!


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 23. Juni 2013

Abenteuerlust

Ein Abenteurer wollt ich sein, die ganze Welt entdecken.
Ich sollte endlich mutig sein und meine Neugier wecken ...
Denn allzu schnell verfliegt die Zeit und eh man sich versieht,
ist alle Chance vorbei und man singt uns ein Abschiedslied.

Ein Abenteurer wollt ich sein, und in mir selbst verreisen.
Ich wollte sehn, warum da Leidgefühle endlos kreisen.
Ich steh mir selbst im Weg bei meiner Abenteuerlust.
Was hängt denn da nur fest in meiner so gespaltnen Brust?

Ein Abenteurer wollt ich sein, der Welt was Gutes bringen.
Verzettel' mich stattdessen in profanen Alltagsdingen.
Ein Tag ist schnell vorbei und wieder hab' ich nicht getan
das, was ich wirklich wollte. Ständig kreuzt mir was den Plan.

Ein Abenteurer wollt ich sein, die Menschen kennenlernen.
Die meisten aber davon sind bereits auf fernen Sternen.
So bleiben tausend Fragen ohne Antwort - alle Zeit.
Sie nicht gestellt zu haben, tut mir so unendlich leid.

Ein Abenteurer wollt ich sein, wollt jeden Krieg vertreiben.
Das Böse wollt ich morden! Nur das Schöne sollte bleiben.
Mein Abenteuerspielplatz ist das Web und ist mein Wort.
Ein Abenteurer bin ich und die Lyrik treibt mich fort ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 22. Juni 2013

Sag mir, was bleibt

Wann bist du zuletzt zu deinem Mittelpunkt gereist?
Hast mit deiner Seele von der stillen Stund' gespeist?
Wann warst du so ganz und gar bei dir?
Bist du immer ganz im Jetzt und Hier?

Rennst du durch die Tage, doch dir selbst rennst du davon?
Tag um Tag entfliegt dir wie ein kleiner Luftballon?
Hast du für dich selber keine Zeit?
Ach du Ärmster .... Mensch, du tust mir leid!!

Bist du zwar den Freunden treu, dir selber aber nicht?
Siehst du da im Spiegel ein befremdliches Gesicht?
Weißt du nicht mehr, wer du wirklich bist,
weil das Drumherum dich langsam frisst??

Wirfst dich chic in Schale, aber unter deiner Haut
hat es wie so oft nach einem Trümmerland geschaut!?
Wirf mal Pass und Habgut .... wirf es fort!!!
Sag mir, was da bleibt ..... Fehlt dir das Wort?

Wenn du keinen Namen hättest und auch keinen Job,
sag mir, was da bleibt und insbesondre, sag mir ob,
du, wenn du dich selber so verlierst,
endlich deine innre Mitte spürst.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 21. Juni 2013

Energie umwandeln

Wir sind zerbrechlich so wie Porzellan.
Denn wirft ein Unglück uns aus unsrer Bahn,
und bricht das Haus, das ach so sicher schien,
in sich zusammen, kann 's uns abwärts ziehn.

Wird die Belastung uns gleich tonnenschwer,
und schreit die Seele "Ach, ich kann nicht mehr!!!",
dann spielt der Geist vielleicht komplett verrückt,
er ist mit Angst und Wut und Leid bestückt.

Und diese Fremdbestimmung saugt uns aus,
wir wagen kaum mehr uns zur Tür hinaus.
Denn diese Welt, die sich dahinter zeigt,
ist uns bisweilen böse zugeneigt.

Mal ist das Alltagstempo uns zu flott,
auch ein Verlust bringt uns aus unsrem Trott,
es gibt so vieles, was uns prüfen will.
Beneide den, der da gelassen still ...

In solchen Zeiten wird gewiss, mein Kind,
dass wir aus Fleisch und nicht Maschinen sind.
Wenn uns das Leben wieder anders lief,
vielleicht hilft dieses: "Werdet kreativ!!"


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 20. Juni 2013

Eingegrenzt

Ständig sind da Grenzen in der Seele,
und die Flügel werden mir gestutzt.
Und ich weiß genau, dass ich mich quäle,
aber wenn ich andre Wege wähle,
haben mir die Grenzen was genutzt.

Manchmal gilt es, Angst zu überwinden,
und das tiefste Böse zu verstehn;
Hoffnungen, die flohen, neu zu finden;
sich zu konfrontieren mit den Gründen;
in sich selber tief hinein zu sehn.

Hat man seinen rechten Weg verloren?
Kommt man nicht mehr weiter und so fort?
Hat sich gar das Innere verschworen?
Jeder ist zum Glücklichsein erkoren!
"Neues wagen" heißt das Zauberwort.

Sieh, das Leben ist ein Abenteuer.
Auch, wenn manches Pech den Plan durchkreuzt.
Manchmal muss man durch das Fegefeuer.
Oft verliert man, was da lieb und teuer.
Mutig der, der jetzt die Flügel spreizt!

Jener steht dann über all den Dingen,
jener sieht das hoffnungsvolle Licht.
Denn er lernte, Schatten zu umspringen,
lernte, mit den Grenzposten zu ringen,
dass er an sich selber nicht zerbricht.

"Liebe" heißt das Licht der tausend Träume.
Liebe macht dir jede Nacht zum Tag.
Sie beflügelt deine Innenräume.
Doch die Liebe schmilzt wie weiche Schäume,
wenn ich sie in Grenzgebiete trag'.

Eifersucht und Zweifel sind ihr Kummer.
Wieder steht die Angst Gewehr bei Fuß.
Lag die ganze Zeit im wachen Schlummer,
und nun läuft die altbekannte Nummer:
meine Grenzen senden einen Gruß.

Ständig sind da Grenzen in der Seele,
und die Flügel werden mir gestutzt,
und ich weiß genau, dass ich mich quäle.
Wenn ich doch nur andre Wege wähle ....
Jede Grenze hat mein Glück beschmutzt.


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 19. Juni 2013

Geiler Zucker



Steht ein kleines Mädchen im Geschäft und schaut bedächtig.
Es ist wohl des Lesens noch nicht vollprozentig mächtig.
Plötzlich aber ruft es (und wird gleich zum Shop-Hingucker):
"Mama, Mama, schau mal! Hier steht deutlich "Geiler Zucker".

Mama schießt die Röte ins Gesicht, sie möchte flüchten.
Immer diese Kleinen mit den peinlichen Geschichten.
Doch sie will mal sehen, was ihr Töchterchen wohl meinte.
Und weshalb der halbe Laden lachend Tränen weinte.

Als die Mutter sah, was ihre Tochter da entdeckte,
und was da vermeintlich ihren Wörterschatz befleckte,
brach sie auch gleich selber aus in schallendes Gelächter.
Und sie klärte auf (denn sie ist Aufklärungsverfechter):

"Nun, mein Kind, ich hoffe nur, du wirst es gleich kapieren:
Dieser Zucker ist nicht geil, nein, er ist zum gelieren.
Hast da wohl das i und l verdreht in deinem Eifer.
So wird schnell ein kleines Wort zum Fehlerüberläufer.

Musst halt noch viel lernen, aber eines ist mal sicher:
schenktest heut' den Kunden hier ein heiteres Gekicher.
Zaubertest ein Lächeln auf die ganzen Maskeraden.
Unvergesslich bleibt dein "geiler Zucker" hier im Laden ..."


(c) Bettina Lichtner

Mach mal Pause!?

Der Termin steht wie ein Jäger im Kalender!
Er jagt mich und meine Zeit gar ohne Ruh.
Im Gesicht verfärben sich die Augenränder,
denn ich mach vor lauter Stress kein Auge zu.

Wie ein Manager verwalte ich die Stunden,
keine Pause, keine Stille hat da Platz.
Hab' Termine ach so oft als Last empfunden,
denn sie stehlen mir des Menschen größten Schatz.

Meine Freiheit geht bei alledem verloren.
Für das Innehalten bleibt zu wenig Raum.
"Bleib gelassen", "Atme durch", "Sei neu geboren" -
viele Wünsche bleiben momentan nur Traum.

Immer öfter muss man nur noch funktionieren.
Man ist angespannt, statt dass man sich erholt.
Dabei hat man keine Zeiten zu verlieren.
Manchmal fühl ich mich vom Leben so verkohlt ...

Kann mich selber immer weniger erreichen.
Schlaf nicht aus, denn in mir kreisen Plan um Plan.
Will der Stille endlich mal die Hände reichen.
Doch statt dessen steh' ich haarscharf vor dem Wahn ....


(c) Bettina Lichtner

Welcome

Es reist ein Mister President
in unserm Land herum.
Und wer ihn nicht beim Namen kennt,
der ist - Verzeihung - dumm.

Obama, nett und elegant,
besucht die Stadt Berlin.
Die Prominenz gibt ihm die Hand,
sie sind einander grün.

Im Volk indes regt hier und da
sich lautstarker Protest
am hohen Gast der USA -
die Kamera hält 's fest.

Die meisten aber sind erfreut,
ihn leibhaftig zu sehn.
Doch reich gespickt ist seine Zeit!
Die Pflichten! Sie verstehn ...

Ein höchstes Maß an Sicherheit,
dass ja nur nichts passiert.
Die Polizeimacht steht bereit -
weh dem, der Böses schürt!

"Ich hoffe, Mister President,
Sie haben Ihre Freud'
und mancherlei Aha-Moment
trotz einer knappen Zeit."


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 18. Juni 2013

Alte Tage

Klassentreffen!  Rätselraten:
"Bist du nicht Sabine??"
Kratze mit dem Uhrenspaten
Jahre von der Miene.

Und darunter tritt zutage,
wen ich einstmals kannte.
Ach, es ist schon eine Klage,
dass die Zeit so rannte ...

Man bestaunt Veränderungen,
und erkennt Vertrautes.
Ist ins Alte vorgedrungen,
pflückt es und zerkaut es.

Ja, die alten Schulgeschichten ....
Intressant zu wissen.
Wie sich all die Stunden lichten ...
Wehmut will mich küssen.

Alte Zeiten zu vermissen,
häuft sich wie besessen.
Sind nicht über Bord geschmissen!
Und auch nicht vergessen!


(c) Bettina Lichtner




Montag, 17. Juni 2013

Tränen lügen nicht

Sie sind mir sympathisch, verehrter Herr Steinbrück.
Ein Mann mit Gefühl, der die Tränen nicht scheut.
Sie gaben der Welt einen winzigen Einblick
ins innere Reich und Ihr Herz ward so weit ....

Ich wünsch' Ihnen Kraft für die kommenden Wochen.
Die Seele wird oft auf die Probe gestellt.
Und wenn auch Gewisse ein Giftsüppchen kochen,
da ist Ihre Frau, die Sie fängt, die Sie hält ...

Sie haben Visionen und Ziele und Wege,
und Menschen im Rücken, die mit Ihnen gehn.
Und drängen sich Lügen ins traute Gehege,
dann werden sie sicher im Winde verwehn.

Es soll die Gesundheit nicht darben und leiden,
doch hart ist das Spiel um die oberste Macht.
Ich wünsch' Ihrer Frau und auch Ihnen, wünsch' beiden,
dass immer die Sonne im Innersten lacht ...


(c) Bettina Lichtner

Erdbeerreise

Ach, du süße Erdbeer-Rote!
Endlich bist du reif.
Komm nur her, ich greif
dich mit meiner nackten Pfote -
reiche Ernte! Gute Quote!

Hängst so saftig unterm Grünen,
g'rad wie im Versteck.
Aber ich entdeck'
dich ja doch (noch vor den Bienen,
die genauso hungrig schienen ...)

Schon zergeht dein zarter Leibe
köstlich mir im Mund.
Bist so lecker und
findest, wenn ich dich zerreibe,
im Gedärm die letzte Bleibe.

Wirst du alsdann ausgeschieden,
(tja, das ist dein Los,
- klingt ja nicht famos -)
reist du Richtung Körpersüden,
bis zum Klärwerk, da herrscht Frieden.

Kleine süße Erdbeerige
hängst nur kurz am Strauch,
liegst nur kurz im Bauch.
Wenn ich dich zu fassen kriege,
reihst du dich in Gottes Riege ...



(c) Bettina Lichtner


Sonntag, 16. Juni 2013

In freudiger Erwartung

Draußen vor der Tür steht eine Hitze und begehrt
baldigst einen Einlass - nun, er sei ihr nicht verwehrt.
Hab' sie ja geladen in Gedanken manchesmal.
Möge sie nur kommen! Tag und Stunde sind egal.

Hab' die leichten Kleider schon in Griffweite gelegt.
Hab' mich lang genug in Schal und Wollmantel bewegt.
Doch für diesen heißen Gast genügt ein Seidentuch.
Denn die Schwitzerei ist jeder Gastfreundschaft ein Fluch.

Köstliche Getränke stehen schon seit Tagen kalt.
Ach, ich bin nervös! Die Hitze kommt ... kommt schnell und bald.
Will auch ja nicht jammern, dass sie viel zu hitzig ist.
Werde ihr wohl sagen: "Schön, dass du gekommen bist!"

Weiß ja ganz genau, sie bleibt nicht lange in der Stadt.
Will sie drum genießen und ich seh mich an ihr satt!
"Liebe, liebe Hitze, meine Tür steht angelweit!
Tritt herein und bring uns eine schöne Sommerzeit."


(c) Bettina Lichtner


Samstag, 15. Juni 2013

Cybermobber



Eh man sich versieht, ist man ein Link im Internet.
Einer ist der Held, der andre macht sich zum Gespött.
Schneller als ein Düsenjet umfliegt man so die Welt -
und die User klicken eifrig, ob der Spot gefällt.

Hinter ihren Nicknames fühlen sie sich stark genug.
Und es wird gemobbt, gelobt - in einem Atemzug.
Manchmal bricht ein Shitstorm aus und wehe, wenn er trifft!
Denn des Wortes Wirkung ist dem Psychischen ein Gift ...

Anonymes Lästern wird in Foren gar zum Sport!
Hast du schwache Nerven, bleib den Foren lieber fort.
An den Tastaturen wird gelyncht und drangsaliert.
Manchen so Gemobbten hat es in den Tod geführt ...

Heutzutage gibt man besser wenig von sich preis,
weil es sonst in zwei Sekunden jeder Erdteil weiß.
Glaube nicht, dass deine Story Mitgefühl erregt!
Cybermobber haben dich detailgenau zerlegt.

Zigmal durch den Dreck gezogen - alles nur im Netz!
Klapp den Laptop zu und schon verstummt das Web-Geschwätz.
Menschen zu zerstören, kann nicht Sinn der Technik sein.
Und mich holt der Wunsch nach Zeiten ohne Technik ein ...


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 14. Juni 2013

Ich träumte nur

Schreibe nur, Poetenfeder.
Schreib'! Dass sie erwachen.
Denn es soll beizeiten jeder
sich Gedanken machen:

Sprengt die engen Horizonte!
Zeit, sich was zu trauen!
Was man sonst nicht zeigen konnte,
soll nun Wege bauen ...

Über sich hinauszuwachsen,
ist der Wunsch der Stunde.
Die versteckten guten Achsen
machen schnell die Runde.

Nicht allein im Zimmer hocken!
Nur nicht isolieren!
Seht, die Freiheit will Euch locken
und nach draußen führen.

Legt die Ängste rasch beiseite.
Auf! Hinaus ins Leben!
Kommt, begebt Euch unter Leute.
Seht auf den daneben ...

Öffnet Eure Herzensenge.
Weitet Eure Räume.
(So, nun weiß die Lesermenge,
was ich mir erträume ....)


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. Juni 2013

Zugang geglückt

Umarme dein Leben samt Höhen und Tiefen,
denn so ward 's von oben erdacht.
Umarme die Wege - die geraden, die schiefen.
Sie sind ja von oben gemacht.

Umarme die Seele samt Narben und Wunden;
sie wird dir von oben geheilt.
Umarme die reichen und ärmeren Stunden -
denn immer hat Gott sie geteilt.

Umarm' die Gefühle samt Freude und Hassen,
da oben, da fängt man sie auf.
Umarme dich selber! Du kannst dich so lassen.
Denn oben besteht man darauf!

Umarme die Tage samt aller Geschichten.
Sie sind dir von oben gesandt.
Umarme die manchmal so lästigen Pflichten -
Und wisse, Gott lenkt deine Hand.

Umarme die Schatten samt Tränen und Leiden,
von oben wird Hilfe geschickt.
Umarme dein Leben! Du bist zu beneiden -
der Zugang zu Gott scheint geglückt ...


(c) Bettina Lichtner

Basketballfieber

Ach, EWE-Baskets! Ihr kostet mich Nerven!
Wie könnt' Ihr so wertvolle Chancen verwerfen?
Die Führung war sicher, doch dann nach der Pause,
verließ euch das Glück ... Welch ein Pech, hier zu Hause!

Im gelben Trikot saß ich drin im Gedränge
und schrie mich glatt heiser in tobender Menge.
Ich war so euphorisch und sah Euch als Sieger.
Doch oft ist der Glaube ein solcher Betrüger!

Es schlugen die Trommeln. Es klatschte die Masse.
Die Bamberger Baskets geschlagen? Wär' klasse ...
Es sah doch so gut aus, und dann kam die Wende.
Und wieder ging 's knapp und verloren zu Ende.

Nur einmal noch könnt Ihr die Möglichkeit packen.
Es sitzen Euch Fans und Sponsoren im Nacken.
Ich wünsche Euch Glück für das Spiel Nummer drei!
Na hoffentlich ist dann nicht alles vorbei ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 12. Juni 2013

Yes or No



Im Herzen der Bauer die Liebste betört.
Tja, hätte er mal auf sein Herz nur gehört.
Dann wäre sein Traum von Erfüllung geprägt.
Vielleicht hätt' die Dame ein Jawort erwägt!?!

Der Bauer jedoch war ein schüchterner Mann.
Noch eh er mit Rosen zu schmeicheln begann,
verließ ihn der Mut und das Wort steckte fest.
Und peinliche Röte gab allem den Rest.

"Herrgott! Sei ein Kerl und tritt selbstbewusst auf.
Und pack zu den Rosen ein Dinner noch drauf.
So sei doch kein Weichei! Nimm 's Glück in die Hand ...",
so sprach er sich Mut in den wirren Verstand.

Die Dame indes wirkte reichlich nervös.
"Oh nein, ist der schüchtern! Gleich werde ich bös'.
Mir kann meine Zeit auch woanders vergehn.
Gleich ist es vorbei. Gut, ich zähle bis zehn ..."

Bei "eins" ging der Ärmste zum Luftholen raus.
Bei "zwei" lief den Poren das Schweißwasser aus.
Bei "drei" stieg der Blutdruck in schwindelnde Höh'.
Bei "vier" droht die Dame ihm zischelnd "Ich geh!!!"

Bei "fünf" zwang der Bauer sich selber zur Ruh'.
Bei "sechs" sprach sein Mund zur Erwählten ein DU.
Bei "sieben", da hielt er die Rosen ihr hin.
Bei "acht" traf ihn Amor .... Nun lockt der Gewinn!

Bei "neun" lud er endlich zum Dinner sie ein.
Bei "zehn" blieb sie stumm. Hieß das Ja oder Nein?
Sie lächelt dem Bauern entgegen und da ......
Was reimt sich darauf? Nun, die Dame sagt JA.



(c) Bettina Lichtner

Es liegt in deiner Hand

Und die Angst spukt unbegründet
dir durch Tag und Nacht.
Sieh doch, wie dein Geist sich windet,
weil er nicht zur Ruhe findet.
Nimm der Furcht die Macht!!

Mal dir keine bösen Bilder
in Gedanken aus.
Denn sie werden wild und wilder.
Doch die Seele mag es milder
gern in ihrem Haus.

Glaub nicht, was der Geist dir sendet.
Machst dich nur verrückt!
Siehst du nicht, wie er dich blendet?
Wie er deine Zeit verschwendet?
Wie er dich erdrückt?

Lass dein Geist nicht Herrscher werden
über dein Gemüt!
Seine angstbesetzten Herden
wollen Raum und Zeit gefährden.
Sei ums Wohl bemüht!!

Hirngespinste sind 's! Nichts weiter.
Glaube ihnen nicht.
Lebe unbeschwert und heiter,
das ist tausendmal gescheiter
für dein Gleichgewicht.



(c) Bettina Lichtner

ZITAT

Dienstag, 11. Juni 2013

Deine Ruhe

Habt Ihr 's gut, Ihr vielen Seelen,
die Ihr himmelwärts nun seid.
Braucht nicht A und B zu wählen,
nicht mit Ängsten Euch zu quälen.
Seid nun frei von jedem Leid.

Ich beneid' Euch um die Stille,
und um die Gerechtigkeit.
Meine kleine Körperhülle
schluckt derweil die bittre Pille
mit dem Namen "Zank und Streit".

Worte, die Gefühle töten!
Ach, der Mensch - verzeih' - ist dumm.
Eiligst geht das Leben flöten.
Doch die Wutentbrannten treten
auf der knappen Zeit herum.

Das sind diese Augenblicke,
wo ich gern da oben wär'.
Wo ich Gott Gebete schicke,
und mir Kraft von oben pflücke -
schon ist alles halb so schwer.

Deine Ruhe, Himmel, Blauer,
deine Ruhe hätt' ich gern.
Manchmal bin ich stinkesauer,
wenn ich hier im Lauten kauer.
Ja, die Ruhe ...... hätt' ich gern!!!



(c) Bettina Lichtner

Montag, 10. Juni 2013

For Nature

Häuser bis zum Uferrand.
Eingepferchte Flüsse.
Und nun kämpft des Menschen Hand
gegen Flut-Ergüsse.

Retten, was zu retten ist.
Wasser bis zur Kehle.
Wenn der Fluss die Häuser frisst,
ängstigt das die Seele.

Mit den Booten durch die Stadt.
Zwangsevakuierung.
Wer jetzt was zu meckern hat,
meldet 's der Regierung.

Sich ans Hab und Gut gekrallt,
doch es ist ersoffen.
In der Wut die Faust geballt ...
Schadenssumme offen.

Stört den Fluss ja alles nicht.
Er flieht raus ins Freie.
Ist der Deich nicht wasserdicht,
bricht er bald entzweie ...

Die Natur holt Stück um Stück
sich die Räume wieder,
holt sich ihre Welt zurück.
Kampf dem Straßenmieder!!!


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 9. Juni 2013

Zeitfenster

Sie schaut aufs Gemäuer einst kindlicher Stund'.
Vertraute verfallene Stätte.
Die Tage verglühten im ewigen Schlund.
Nur in den Gedanken ein zeitlicher Fund.
"Ach, wenn ich die Heimat noch hätte!"

Sie geht durch die Gassen zum uralten Baum.
Dort hielt sie die Jugend in Händen.
"Mir floh diese Welt wie der nächtliche Traum.
Was Heimat mir war, glich dem Schatten im Raum.
Und doch hängt sie bunt an den Wänden."

Ihr Blick streift die Sonne am himmlischen Blau.
"Sie scheint mir seit ewigen Stunden!
Wenn ich in die Welt der Erinnerung schau,
wirkt manches so farbig und andres so grau,
wohin ist die Heimat verschwunden?"

Sie atmet die Luft, doch der Duft ist so neu.
Die Heimat hat anders gerochen.
Es war ein erwachendes Lebensgebräu,
der Himmel voll' Geigen, die Herzen noch scheu,
doch alles hat längst sich verkrochen.

Die alten Gefühle im tiefsten Gemüt
sind Keime geernteter Saaten.
Nur einzig im Geist ist die Heimat erblüht,
und gleicht einem Falter, der immerfort flieht,
auch wenn wir zum Bleiben ihn baten.

Die Heimat trägt stetig ein wechselndes Kleid
und hat ach so viele Facetten.
Sie geht durch den Raum und sie geht durch die Zeit,
und doch ist ihr Dasein der Treue geweiht.
Ach, wenn wir die Heimat nicht hätten ...


(c) Bettina Lichtner

Heim@wärts

In dem Herz ein wildes Beben.
Hunger frisst sich durch die Brust.
Nimmersatte Heimatlust
will mich in ihr Netz einweben.

Will im heimatlosen Leben
und im kalten Alltagsfrust
und im ständigen "Du musst!"
Nähe mir und Zuflucht geben.

"Ach, du zarte Heimatliebe!
Sanft erblühtes Od.
Wenn mir doch dein Beben bliebe.

Doch mein kleines Boot,
das so gern flussaufwärts triebe,
nähert sich dem Tod."


(c) Bettina Lichtner

Nah verborgen

Sie trägt mich auf flatterndem Flügel
von Blüte zu Blüte zum Wuchs.
Ich seh sie im bruchreifen Spiegel.
Ein Griff - da verschwindet sie flugs.

Sie zeigt sich im Tautropf der Nelke,
woran sich mein Auge bedient.
Sie nistet sich ein in das Welke
und hat mir die Seele begrünt.

Im Herzen der Nächsten und Liebsten,
ach, überall ist sie präsent.
Doch ist ja wohl jener am trübsten,
der nicht ihre Nähe erkennt.

Im Fließen des plätschernden Flusses,
da fühl ich sie innigst bei mir.
Ich schmecke die Süße des Kusses
und weiß, sie ist immerfort hier.

"Du, Heimat, ersehnt in der Ferne,
ich trag dich im tiefsten Verlies.
Sogar in der fremden Taverne
warst du 's, die willkommen mich hieß.

Wo du bist, da lass ich mich nieder,
und sei es am Zipfel der Welt.
Dein Duft, so bekannt mir wie Flieder,
hat Geist mir und Sinne erhellt.

Du trägst mich auf flatterndem Flügel,
und wirfst meinen Körper nicht ab.
Am End' unter erdkaltem Hügel,
begleitest du mich bis ins Grab.

Du, Heimat, in Treue verbunden,
auf immer und ewig vermählt,
nun hab ich dich endlich gefunden.
Ich hatte mich grundlos gequält ..."


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 8. Juni 2013

Rückreise

Die alte Frau spricht wirres Zeug,
ich horche auf ihr Wort.
Sie tanzt auf einem Stammbaumzweig
und tanzt ins Gestern fort.

Sie tanzt in ihre Kinderzeit,
und fühlt sich wieder jung.
Welch unbeschwerte Heiterkeit!
Welch jugendhafter Schwung!

Sie ist so weit entfernt von hier,
so weit zurück gereist.
Ich hab allmählich ein Gespür,
was alt zu werden heißt.

Die alte Frau, die keiner kennt,
ist ganz in ihrer Welt.
Ein Junge fragt: "Ist die dement?"
Wie mir der Ton missfällt ...

Mag sein, dass sie vergessen hat
die Welt um sich herum.
Dann blättert sie das Lebensblatt
ganz einfach rückwärts um ...


(c) Bettina Lichtner


Freitag, 7. Juni 2013

Einsam unter Geselligen

Da sitzen sie gesprächsversunken und bemerken nicht,
dass nebenan ein Herz sich sehnt, dass jemand mit ihm spricht.
So blind ist die Geselligkeit, sie grenzt sich gerne ab.
Geschlossene Gesellschaft - ach, wie satt ich sowas hab!

Nur zwei, drei Schritte weiter klagt die Einsamkeit ihr Leid.
Sie wünscht sich ja so sehr, es hätte irgendjemand Zeit.
Ein Wort, ein Blick, ein Gruß, dass sie die Sonnenseite sieht.
Doch hat sich der Gesellige um derlei nicht bemüht.

Gesellig springt das Lachen gern von Mund zu Mund zu Mund.
Der Einsame hingegen hat zum Lachen keinen Grund.
Wie gerne säß auch er ........ er träumt von längst vergangner Zeit.
Er hatte ihn in Händen, diesen Schatz "Geselligkeit".

Im Laufe seiner Jahre nahm der Tod sich Freund um Freund.
Nur er allein blieb übrig, mit der Einsamkeit vereint.
Und sieht er die Geselligen, dann wird ihm ach so klar,
wie schön doch diese alte Zeit im Kreis der Freunde war ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 6. Juni 2013

Sinnsuche

Jedes Leben, klein und groß,
sucht nach seinem Sinn.
Ach, was ist der meine bloß?
Denke her und hin ...

"Herz, du musst ergriffen sein,
wenn ein Sinn sich zeigt."
Horche tief in mich hinein,
doch mein Herz, es schweigt.

Warum bin ich auf der Welt?
Warum bin ich hier?
Ob sich bald der Geist erhellt?
"Sinn, so komm zu mir ...

Schieße einen Pfeil auf mich,
mach es Amor gleich.
Schlagartig eröffnet sich
mir das Sinnesreich.

Und ich seh den wahren Grund
meines kleinen Seins.
Wann wohl sagt die Lebensstund:
Sinn und ich sind eins!?"



(c) Bettina Lichtner



Mittwoch, 5. Juni 2013

Bitte nicht perfekt

Es schließt ja das eine das andere ein,
nicht eines kann ohne das andere sein:
Denn Saat ohne Ernte - das gibt es ja nicht.
Dem nächtlichen Dunkel folgt 's taghelle Licht.

Der Mensch hat zwei Seiten .... wie Tag und wie Nacht.
Und was er auch sät, wird zum Wachsen gebracht.
Und sät er die Wut, wird 's ein wütender Baum.
Die liebliche Saat wird zum lieblichen Traum.

Wir sind eine Münze, sind Kopf oder Zahl.
Es ist das Gefühl wie ein Wanderpokal.
Mal fürsorglich nett und um andre bemüht.
Mal gleichgültig kühl, dass die Wärme uns flieht.

Und trifft uns ein Los, das von schlechter Natur,
dann reißt uns die Welle des Leids aus der Spur.
Die schmerzliche Sintflut reißt fort und macht neu -
das Unglück hat immer die Hoffnung dabei.

So nehmen wir hin, was die Stunde uns bringt.
Wir wissen, dass eines das andre bedingt.
Und auch unsren Nächsten, den nehmen wir an
mit all seinen Fehlern und denken daran:

Wir sind nicht vollkommen, sind A und sind B.
Die Fehler, die ich bei dem anderen seh,
die halte ich selber im Innren versteckt.
Wie schön, ach, wie schön - es ist keiner perfekt!!!


(c) Bettina Lichtner



Dienstag, 4. Juni 2013

Die Idylle trügt

Jeder träumt vom Garten Eden,
jeder träumt vom Paradies.
Doch nur einer zieht die Fäden,
und der Weg ist bittersüß.

Jeder hat es gerne friedlich,
jeder wünscht sich ein Idyll.
Doch nicht immer ist 's gemütlich,
wie man 's ach so gerne will.

Es verläuft nicht nach den Plänen,
die du Jahr um Jahr gemacht.
Auf das Lachen folgen Tränen,
es steht nicht in unsrer Macht.

Man will frei sein, sich entfalten,
ohne eingeschränkt zu sein.
Will nach eignen Wünschen walten.
Aber: frei, das heißt allein ...

Man erhofft sich alles Gute
für sein Leben ........ bis zum Schluss.
Und verzieht dann seine Schnute,
wenn es anders kommen muss ...

Gerne wird dabei vergessen,
dass dereinst im Paradies
auch das Böse hat gesessen,
das den Menschen nie verließ.

Jeder trägt in seinen Zellen
auch den bösen, bösen Kern.
Und er wird zutage schnellen,
und dann liegt das Gute fern.

Ohne Fehler ist wohl keiner,
und vollkommen sind wir nicht.
Mal so freundlich, mal gemeiner -
das ist jedermanns Gesicht.


(c) Bettina Lichtner

Montag, 3. Juni 2013

Kinder des Krieges

Die Kindheit im Krieg zu verbringen,
und immer den Tod im Genick -
mit Hunger und Krankheiten ringen -
für derlei fehlt heute der Blick.

Die Kriegskinder altern und schweigen,
und tragen den Schrecken als Last.
Nur wenige lebende Zeugen
sind heut' noch auf Erden zu Gast.

Es schwappen die Bilder wie Wellen
heran im erinnernden Meer.
Und oft sind da fehlende Stellen -
es ist auch zu lange schon her.

Man übt sich im steten Verdrängen,
doch drängt sich das Gestern ins Herz.
Wenn Herzen und Geister zersprängen -
dann sähen wir all ihren Schmerz.

Die Kriegskinder möchten erzählen.
Doch wer hört noch hin oder zu?
Wie oft die Geschichten sie quälen ...
Erst Ruh' gibt die ewige Ruh'.

Geflüchtet, gefroren, vertrieben,
die Lieben vermisst oder tot.
Ich hätt' gern gehört und geschrieben
von jeder persönlichen Not.

Mitsamt diesen alten Geschichten
ward mancher ins Grab schon gelegt.
Erinnernd von jenen zu dichten -
ein Wunsch, den ich lange gehegt.


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 2. Juni 2013

Schweigendes Echo

"Ich kann aufs Leben keinen Reim mir machen!",
so höre ich es flüsternd neben mir.
"Es bringt mich mehr zum Weinen als zum Lachen,
und oft verschließt ein Herz mir seine Tür.

Ich will so gern dem Glück die Hände reichen,
doch schießt das Unglück allenthalben quer.
Und ständig dreht das Schicksal an den Weichen.
Das Glück zu finden, ist doch ziemlich schwer.

Ich rufe nach der Liebe - laut und leise,
und warte auf ein Echo, doch es schweigt.
Porbierte es fürwahr auf jede Weise,
doch hat sie ihr Gesicht mir nie gezeigt.

Mein Kopf vermag sich kaum mehr zu entsinnen,
an irgendeinen Hauch von Lieb und Lust.
Es will kein Herz das meinige gewinnen.
Im kleinen Leben lauert mancher Frust.

Ich suche eine Antwort auf die Frage:
Wer ist auf dieser Welt für mich bestimmt?
Vielleicht kommt sie ja irgendwann zutage -
die Antwort, die mir alle Fragen nimmt ..."


(c) Bettina Lichtner





Samstag, 1. Juni 2013

Einfach himmlisch

"Wie im Himmel so auf Erden ..."
Könnte dieses Wahrheit werden,
wär' es friedlich, wär' es leiser.
Gäb es Bettler nicht und Kaiser.

Wenn der Himmel Nummer sieben
Herzen bittet, sich zu lieben,
wünschte ich, es träfe jeden,
und es knoteten sich Fäden.

Seht, der Himmel strahlt in Ruhe.
Und darunter eilen Schuhe.
Und da oben sind die Toten,
ganz in Nähe der Piloten.

Und da oben leuchten Sterne.
Und der Mensch in weiter Ferne
sieht genau, was ich erspähe,
wenn ich in den Himmel sehe.

Fliegen Sterne schnuppenweise,
gehen Wünsche auf die Reise.
Himmel, ach, du Ort der Stille,
Ort geheimnisvoller Fülle,

würdest du zur Erde kehren,
und des Friedens uns belehren,
himmlisch schön wär' unser Leben.
Tja, es kann nicht alles geben ....



(c) Bettina Lichtner