Mittwoch, 30. Oktober 2013

Große kleine Welt

Was kümmern mich die weltlichen Belange?
Es ist mir meine kleine Welt genug.
Sonst hielte mich das Große in der Zange,
das Kleine ist mir selbst jedoch genug.

Ich scher mich nicht um all die Streitereien.
Es schert sich ja die Welt auch nicht um mich.
Ich will mich nur an meiner Welt erfreuen,
ich lasse sie und sie dann mich im Stich ...

Ach, sollen sie einander sich bekriegen.
Was hab' ich schon davon, ich kleiner Wicht?
Sie stecken fest im tiefen Sumpf der Lügen.
Doch Hand aufs Herz, es intressiert mich nicht.

Von Machenschaften will ich gar nichts wissen,
Es ist mir ganz egal, was draußen ist.
Denn, bin ich tot, wer wird mich schon vermissen?
Wie gut, wenn du der Welt nicht wichtig bist ...

Die Großen, alle die von Rang und Namen,
erregen nicht mein inneres Gemüt.
Bin weit entfernt von äußerlichen Dramen.
Mein kleines Leben spielt sein eignes Lied ...


(c) Bettina Lichtner






Dienstag, 29. Oktober 2013

Christian

Christian, ach Christian,
warst ein grausamer Orkan,
hast gewütet und zerstört,
und das Leben uns erschwert ...

Und die Flut peitscht an den Strand.
Und der Schirm in meiner Hand,
widersetzt sich dem Befehl.
Die Frisur hält mittels Gel ...

Mancher Baum wird weich die Wachs,
und es ist für dich ein Klacks,
ihn zu rütteln, bis er fällt.
Selbst das Dach hast du verstellt ...

Dass du mir den Kampf erklärst,
und an meinen Kleidern zerrst,
jagt mit keine Ängste ein,
denn ich halt die Ängste klein ...

Ach, was willst du mir denn tun?
Ich bin gegen dich immun ...
Mich wirft 's schwerlich aus der Bahn!
Schaffst auch du nicht, Christian ...



(c) Bettina Lichtner





Samstag, 26. Oktober 2013

Herbstjob

Es naht im Herbst das Kräftemessen.
Blätter, Blätter - wo man schaut.
Da hätte ich doch glatt vergessen,
wie sich jetzt die Arbeit braut.

Der Besen fliegt in meinen Händen
übers triste Straßengrau.
Die Blätterflut will nimmer enden.
Und allmählich wird mir flau.

Wo kommen die verwelkten Dinger
denn nur alle her, verdammt!?!
Vom Daumen bis zum kleinen Finger
ist die Müdigkeit entflammt ...

Gut, okay, du Herbst! Gewonnen.
Ach, ich sink' geschlagen hin.
Hab' mit Zuversicht begonnen,
doch nun wird die Luft mir dünn.

Pustend, prustend, voller Röte,
mach' ich vor den Blättern schlapp.
Brauch' elektrische Geräte -
damit ging' es kurz und knapp.

Doch der Baumarkt hat geschlossen.
Und nun steh' ich auf dem Schlauch.
Doch die Lösung kommt geschossen,
und ich hör' auf meinen Bauch:

"Lass' die Blätter einfach liegen,
und genieß ihr buntes Spiel.
Lass' sie mit den Stürmen fliegen,
und genieß dein Wohlgefühl.

Öffnet dann der Baumarkt wieder,
kauf' den Sauger für das Laub.
Denk' an deine alten Glieder!
Schone sie, eh sie zu Staub ..."

Ja, mein Bauch, der spricht die Wahrheit.
Besen fort und ausgeruht.
Und im Geist herrscht eine Klarheit,
wenn der Leib mal gar nichts tut.



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 25. Oktober 2013

Auf die Nüsse

Eine Handvoll Haselnüsse steht auf meinem Speiseplan.
Denn die Kleinen haben der Gesundheit guten Dienst getan.
Stecken sie doch voller Power (wer will nicht gepowert sein?),
darum binde ich sie täglich mit in die Ernährung ein.

Unter einer harten Schale hofft der Kern - der sich versteckt -
dass mein Hunger ihn nicht findet und er hat ihn doch entdeckt.
Armer Kern, nun mahlen meine Zähne dich zu Mus und Brei.
Kaum aus seiner Schale ist das Leben gar so rasch vorbei.

Kurzer Blick nur in die Runde und schon geht das Licht ihm aus.
Und sein kleiner zarter Körper wird dem Mund zum Gaumenschmaus.
Tut mir leid, so ist da eben, einer wird des andren Fraß.
Einer hat den Kummer und der andere genießt den Spaß.

Doch, wenn ich es recht bedenke: Wäre ich die Haselnuss,
und es wär' nach meinem Knacken gleich mit meinem Leben Schluss,
das bisher nur unter einer dunklen Schale Frieden fand,
ach, ich wär' betrübt ob diesem wahrlich dünnen Lebensband.

Hab' ein wenig Mitleid mit dem Kern, der aus dem Finstren kam,
dass ich ihm so mir nichts dir nichts alle seine Träume nahm.
Doch er tut was Gutes, denn er hält mein Leib im Gleichgewicht.
Ich bedank' mich fromm und artig, eh ihn mein Gebiss zerbricht ....

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Bald spukt es wieder

Wenn Geister um die Häuser ziehn,
steht im Kalender HALLOWEEN.
Im gruseligen Spukgewand
erobern sie das süße Land.

Schon horte ich Bonbons und Co.,
das macht die Geister sicher froh,
und ich entgeh' dem sauren Hieb!
Die Geister sind gewiss mir lieb.

Ich ahne, wie ihr Drohwort spricht:
"Gib' Süßes, sonst erlischt dein Licht!"
Sie schauen gar so grimmig drein -
wie könnt' ich nicht spendabel sein!?

Mein Leben ist mir alles wert,
drum gebe ich, was man begehrt.
Der Lutscher wechselt Hof und Haus,
und ich entgeh' dem sauren Graus.

Doch wehe, einer wird mir frech -
dem geb' ich nix! Der hat halt Pech.
Die Geister sollten höflich sein,
sonst spricht die Wut sie kurz und klein.

Und außerdem - bevor sie gehn -
erwarte ich ein Dankeschön.
Mal schauen, wer das Wort noch kennt,
und es bei seinem Namen nennt.

Wird 's nicht gesagt, na wartet nur,
dann werd' ich selbst zur Spukfigur
und geb' Euch Saures ohne Gnad'!
Drum haltet Euren Dank parat ...

(c) Bettina Lichtner


Mittwoch, 23. Oktober 2013

Schau lustig

Wo nur sind die Lustigschauer?
Einer schaut zitronensauer,
einer scheint vom Pferd gebissen,
einen plagt wohl das Gewissen.

Die Gefühle fest verschlossen.
Gift und Galle zwar verschossen,
wieder einen Krieg begonnen,
aber nichts dazu gewonnen ....

Hinterm Tor, das vor der Seele,
schreit die Freude: "Ach, ich quäle
mich so sehr in meinem Kerker,
denn der Frust ist scheinbar stärker.

Er darf frei sein, ich muss darben!
Meine bunten Lebensfarben
werden blass und möchten strahlen,
doch ich darf sie nirgends malen.

Denn der Mensch, dem ich gehöre,
trägt so eine innre Schwere,
und da bleib' ich auf der Strecke,
und verliere meine Zwecke ....

Ich, die Freude, bin verloren,
weil sich Wut und Frust verschworen.
Doch ich hör' nicht auf zu hoffen,
dass mein Tor in Bälde offen ...

(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 22. Oktober 2013

Traumflieger

Manchmal träum' ich, ich könnt' fliegen,
könnt' die Welt von oben sehn.
Eine Stunde würd' genügen,
einen Überblick zu kriegen.
Vielleicht würd' ich dann verstehn .....

Vielleicht säh' ich dann die Gründe 
für die Jagd nach Geld und Macht.
Welchen Abschaum ich wohl finde,
wenn die Gier und wenn die Sünde
ihr Gesicht zutag' gebracht?

Und ich könnt' sie überblicken,
die Konsumverschwenderei.
Säh' die Welt im Müll ersticken,
und es wäre kein Entzücken,
denn mein Herz riss mir entzwei ...

Säh', wie Menschen Menschen ächten.
Reichtum hier und Armut dort.
Säh' bei blutigen Gefechten,
wie die Guten und die Schlechten
sich vernichten im Akkord.

Säh' die Hungrigen verzweifeln.
Säh' die Angst in ihrem Blick.
Würd' den Überfluss verteufeln.
Meine Tränen würden träufeln.
"Welt, du brichst dir das Genick ...."

Und ich sähe, wie die Leute
der Natur zum Schaden sind.
Die vermeintlich fette Beute,
die Zerstörungen von heute,
sind die Last fürs nächste Kind.

Ach, es wäre kein Vergnügen,
wär' ich einmal obenauf.
Nein, mir ist nicht mehr nach Fliegen.
Zuviel' Leid, zu viele Lügen
nehmen viel zu viel in Kauf.


(c) Bettina Lichtner

Montag, 21. Oktober 2013

Gefühlsstörung

Fallen die Kastanien im Herbst zu meinen Füßen,
will auch die Erinnerung aus Kindertagen grüßen.
Und ich seh mich in Gedanken sammeln, basteln, staunen.
War so fasziniert von diesen stacheligen braunen ....

Männchen, Tiere, Ketten sind so kreativ entstanden.
Wie doch all die längst vergangnen Glücksgefühle branden ...
Ach, dem Herbst, dem Herbst, dem galt die frühkindliche Freude.
Wie ich all den Kindern heute ihre Kindheit neide ...

Einmal, einmal möcht' ich noch Kastanien verwerten,
jene, die mir einst ein solches Kinderglück bescherten.
Ob ich mal vergesse, dass ich längst in alten Latschen ...?
Könnte doch so tun, als ob ..... (die Leute werden tratschen!)

Schleiche mich in stiller Stunde zum Kastanienstamme
(wie ich meine Feigheit vor der Tapferkeit verdamme),
sammle gar in Eile eine Tüte bis zur Mitte.
Nähern sich von weitem nicht gar neugierige Schritte?

Schnell, schnell, schnell zurück nach Haus ins sichere Gemäuer.
In mir brennt die Aufgeregtheit wie ein wildes Feuer.
Breite meinen Fang auf meinem Tisch und bin zufrieden.
Und ich bastle Ketten, Männchen ohne zu ermüden.

Doch wo sind sie hin die einst so kindlichen Gefühle?
Irgendwas ist anders, wenn ich heute kindlich spiele.
Sitze vor den Werken, die mir einst so viel bedeutet.
Und die alte Sehnsucht hat sich leise ausgebreitet ....


(c) Bettina Lichtner

Verstrickt



Wer hindert dich am Zeitgenuss?
Wer ist der miese Schuft?
Von rechts die Pflicht, von links das Muss -
die nehmen dir die Luft.

Die halten dich vom Leben ab,
das einmal dir nur treu.
Erst Zentimeter vor dem Grab,
da geben sie dich frei.

Sie schnüren und sie würgen dich,
und du stehst mittendrin,
und suchst nach deinem wahren Ich
samt Zeit und Weg und Sinn.

Und während du verzweifelt suchst,
geht 's Tick und Tack und Tick.
Derweil du Wut und Ärger buchst,
verflüchtigt sich das Glück.

Du siehst es nicht, du merkst es nicht,
es schleicht an dir vorbei.
Du trägst die Eile im Gesicht,
als ob sie alles sei.

Die Stricke aber ziehn sich zu.
Jetzt wird es wahrlich Zeit!
Wach endlich auf, du Blinder, du.
Du lebst nur hier und heut'!!!


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 20. Oktober 2013

Schnell weg

Ein Igel schlich durchs grüne Gras
zunächst noch recht gemütlich.
Als er mich sah, da gab er Gas
(dabei war ich ganz friedlich!).

Ich bin ihm doch nicht spinnefeind,
und gebe mich ganz lieblich.
Er zweifelt sehr: "Ein Mensch? Mein Freund?"
Das finde ich betrüblich.

Was sollte ich dem Kleinen tun,
dem putzigen Gesellen?
Jetzt flüchtet er. Was mach' ich nun?
Mich in die Quere stellen?

Ich neide ihm sein Stachelkleid.
Das hielt die Unliebsamen
vom Leibe ihm, die mit der Zeit
ihm gar zu nahe kamen.

Er schleicht davon und hofft darauf,
dass ich ihm ja nichts tue.
Ich stör' ihn nicht in seinem Lauf,
und lasse ihn in Ruhe ...

(c) Bettina Lichtner

Beispielhaft



Ist die Gurke etwa krumm und der Apfel gar entstellt?
Sind die Möhren deformiert, die Bananen nicht genormt?
Welch ein Makel in der sonst so perfekt geschminkten Welt.
Schnell aufs Abstellgleis damit, denn es ist komplett verformt.

Das Gemüse und das Obst, das dem Auge nicht entspricht,
wird gleich massenhaft entsorgt. Gottverdammter Überfluss ...
Und die Hungernden der Welt, die bedenkt man dabei nicht.
Wenn man 's teilte wäre gleich mit den Hungersnöten Schluss.

Wie bewundre ich das Tier, das von Strauch und Blatt sich nährt.
Ganz egal, ob krumm und schief. Es nimmt an, was ihm geschenkt.
Es nimmt hin, was Gottes Hand ihm so reich und bunt beschert.
Gibt kein Tier auf dieser Welt, das an Obstverschwendung denkt ...

Die Natur deckt ihren Tisch und das Tier nimmt gerne Platz.
Und bedient sich ohne Klag' an der Vielfalt, die sich zeigt.
Jeder nimmt, wonach ihm ist. Ohne längeren Rabatz.
Ich bin jeden Tag aufs Neu zur Bewunderung geneigt.

Gibt kein Tier, das mürrisch schaut, weil der Apfel nicht perfekt.
Weil die Beere nicht ganz rund, weil die Birne schon leicht faul,
weil die Frucht, die es begehrt, voller Schönheitsfehler steckt.
Dem Geschenkten schaut man nicht in das sprichwörtliche Maul ...



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 19. Oktober 2013

Just a moment

Wieder ging er mir verloren,
dieser eine Augenblick.
Dabei hatt' ich mir geschworen:
diesmal halt ich fest am Glück.

's ist ein Kreuz mit den Momenten!
Keiner will der meine sein.
Was sie eben mir vergönnten,
ist am Ende doch nicht mein.

Dass sie sich so baldigst lösen
aus der Hand, die sie ergriff,
ist schon immer so gewesen,
und gibt den Sekunden Schliff.

Denn so will mir deutlich werden,
welcher Wert darinnen steckt.
Diese Lehre soll mich erden,
eh mein Leib vom Tod bedeckt.

"Ihr Momente, lasst Euch sagen,
dass ich voller Demut bin.
Keinen Aufstand würd' ich wagen,
weil Ihr ach so schnell dahin ...

Euch gebührt ein Dank von Herzen,
ohne Euren kurzen Schein,
Euren Freuden, Euren Schmerzen,
würd' ich nimmer achtsam sein.

So jedoch hab' ich verstanden,
Euch zu nehmen, wie Ihr seid.
Alle kommt Ihr mir abhanden,
alle näht Ihr mir das Kleid ..."


(c) Bettina Lichtner

Kürbis-Tanz

Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehn.
Sah es im Herbst in den Shop-Welten stehn.
Und drumherum war es festlich geschmückt!
Weihnachten naht und der Mensch spielt verrückt!!

Gerade erst Ostern! Nun Zimtstern und Punsch.
Schon spricht ein Kind seinen sehnlichsten Wunsch.
Muss sich gedulden (nichts schwerer als das).
Welch eine Liste - die Mutter wird blass!!

Alles bereit für den ersten Advent.
Bin doch erstaunt, wie die Jahreszeit rennt.
Schillert so bunt im Geschäft nebenan.
Zieht mich nur leider noch nicht in den Bann ....

Bin in Gedanken im Sommer verstrickt,
dass mich der Festschmuck noch gar nicht entzückt.
Freunde mich langsam mit Herbst, Frost und Wind.
Fühl' keine Vorfreude so wie das Kind.

Marzipan, Lebkuchen ..... lockt mich noch nicht.
Auch nicht der Stollen, der sonst ein Gedicht.
Noch tanzt der Kürbis im goldgelben Kleid.
Alles erfreut zu gegebener Zeit ...


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 18. Oktober 2013

So bitter

Wie bitter muss das Leben sein,
dass man es selbst beendet.
In voller Welt so ganz allein ....
Kein Freund, der 's Unheil wendet.

Kein Lichtblick mehr am Horizont.
Ein Tunnel ohne Ende.
Ein Sorgenheer auf breiter Front.
"Ach Gott, reich' deine Hände ..."

Es ziehen sich durchs Lebensbuch
Erniedrigung und Wunden.
Die Trübsal legt ein dunkles Tuch
gleich über alle Stunden.

Die Zeit ist keine bunte mehr.
Das Lachen ist verklungen.
Jetzt bricht sogar die Gegenwehr.
Der Schmerz hat dich bezwungen ...

Das Herz erkennt den Ausweg nicht.
Den Geist zieht 's hin zum Grabe.
Die Seele ..... aus dem Gleichgewicht
ob dieser harten Gabe.

Ein Schicksal, das kein andrer sieht.
Allein mit sich besiegelt.
Wie bitter solch ein Mensch verblüht,
und innerlich verriegelt ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Böige Stunden

Petrus äußert sein Verlangen:
"Stürmisch soll es heute sein!
Sollst gar um dein Leben bangen
bei dem Gang durch Wald und Hain.

Äste werd' ich brechen lassen!
Darum schütze sich wer kann.
Keiner kriegt mich je zu fassen!
Ich besieg' den stärksten Mann!

Pfeifend zieh ich um die Wände.
Reiße Ziegel Euch vom Dach.
Und in jedwedem Gelände
werden Kraft und Haltung schwach.

Bäume bring' ich zum Erliegen.
Haltet auch die Hüte fest.
Was ich will, das kann ich biegen!
Ich bin Euer Härtetest.

Der Orkan lehrt Euch, zu sehen,
wie zerbrechlich alles ist.
Lehrt, das Leben zu verstehen -
dass der Sturm die Tage frisst ...."


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Wir schaffen das

Ich, du, er und sie und es -
doch wo bleibt das Wir?
Schließt die Welt vor lauter Stress
diesem Wir die Tür?

Höchstens, wenn das Wetter spinnt
und die Flut zerstört,
ist 's das Wir, das zugewinnt.
Sonst wird 's überhört.

Bleibt im Alltag chancenlos.
Egoismus pur.
ICH steht auf der Stirn. Ganz groß!
Und der Kopf bleibt stur.

Sieht sich von der Welt getrennt.
Weiß wohl scheinbar nicht,
dass das Wir kein Trennen kennt,
und vom Einssein spricht.

Alles fügt sich ineinand'.
B nicht ohne A.
Gebt einander Eure Hand,
dafür sind sie da.

Eine Welt und eine Zeit.
Lebt das Wir-Gefühl.
Friedvoll sei die Einigkeit.
Liebe sei das Ziel ...


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 15. Oktober 2013

Herbstfest

Sonnige Tage! Ich weiß Euch zu schätzen,
jetzt wo der Herbst Euch allmählich verdrängt.
Jetzt wo die Tage dem Sturme gleich hetzen,
ist es mein Herz, das am Sommer noch hängt.

Was ich nun brauche sind C-Vitamine,
dass die Gesundheit dem Herbstwetter trotzt,
und dass mein Körper bei fröhlicher Miene
frisch und gelassen vor Energie strotzt.

Mäntel und Stiefel, Pullover und Mützen
finden zurück in die Spuren der Zeit.
Werden mich treu vor den Zuglüften schützen
(und auch der Winter ist gar nicht mehr weit).

Wär' nur der Himmel nicht immer so düster!
Würde Herr Petrus doch gnädiger sein!
Trübe Gedanken sind klebrige Biester,
laden sich selbst in die Seelenwelt ein.

Da hilft nur eines: Musik um die Ohren!
Und eine Kerze ins wohlige Nest.
Schon fühlt das Innre sich nicht mehr verloren.
Und aus dem Herbst wird ein heiteres Fest ...


(c) Bettina Lichtner



Sonntag, 13. Oktober 2013

For Nature

Geliebte Natur! Du betörst mir den Blick,
ich fühl mich so reichlich beschenkt.
Du spielst jeden Tag ein so heiteres Stück,
obgleich dich der Mensch so beengt.

Verlangst keinen Eintritt und keinen Applaus.
Mein Herz fliegt so liebend dir zu.
Du bist meinen Sinnen ein köstlicher Schmaus.
Mein Ärger verfliegt mir im Nu.

Dein Vogel-Orchester zu frühester Stund'
erweckt mich aus süßlicher Nacht.
Verzieht sich der Nebel, erstrahlst du so bunt
in wandelnder, magischer Pracht.

Welch munteres Leben dein Schatzkästchen zeigt.
Ich steh ja zu gerne und schau'.
Die Sonne die aufgeht und abends sich neigt -
und morgens der nächtliche Tau.

Am Baumstamm zu lehnen, gestreichelt vom Wind -
es kann mir nichts kraftvoller sein.
Ich bin dir verbunden seitdem ich ein Kind.
Du lässt mich ja nimmer allein.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 11. Oktober 2013

Heiß und fettig

Huch, nun bin ich reingetreten
in den Napf der voller Fett.
Und ich schaue ganz betreten,
und verkriech' mich schnell ins Bett.

Muss das denn auch mir passieren?
Röte steigt mir ins Gesicht.
Nur nicht die Fasson verlieren!
Ungewollt im Rampenlicht ...

Gott wie peinlich! Möchte fliehen.
Tausend Augen starr'n mich an.
Will mich in ein Loch verziehen.
Wie man sich doch schämen kann!

Schadenfreude allerorten!
Zeigefinger auf mein Ich.
Diese heuchelnden Konsorten!
Lassen mich doch glatt im Stich ...

Schon steht man allein im Regen!
Gute Freunde??? Alles Luft.
Fettnapf, ach, du bist mein Segen!
Trenne fortan Freund und Schuft ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mais-Ernte

Der Mais ist geerntet. Die Felder sind kahl.
Den Krähen blieb gar ein so köstliches Mahl.
Der Bauer ließ Körner in Hülle zurück.
Der Ernte sei Dank! Welch ein herbstliches Glück!

Doch bleiben die Krähen nicht lange allein,
schon fliegen auch Tauben und Elstern herein,
und stopfen die Mägen zum Rande sich voll.
Sie gönnen einander! Kein Neid und kein Groll.

Ein munteres Schwirren und Platz ist genug.
Dem menschlichen Auge ein flatternder Spuk.
Ach, wenn du nicht gerade ein Zugvogel bist,
dann musst du nur warten, bis Erntezeit ist.

Dann lässt dir der Mensch, der im Sommer dich scheucht,
dir gerne was übrig. Der Fang ist so leicht.
Der Acker ist förmlich mit Gold übersät.
Wie schön ist der Herbst, wenn der Bauer erst mäht ...

So geht es noch Tage und Wochen wohl fort.
Und ohne geschriebenes Internetwort,
da eilen die Vögel von überall her.
Was machen wir Menschen das Leben uns schwer ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Unter Schutz

Nationalpark Wattenmeer!
Brut- und Nist- und Schutzgebiet.
Kamen lauter Surfer her,
dass die Ruhe bald verschied.

Kitesurfing im wilden Wind.
Und sie wirbeln durch die Lüfte.
Vogelschar verschwand geschwind.
Manchen riss es in die Grüfte.

Wochenendtouristenstrom.
Trampelpfade in den Dünen.
Unbelehrbar - mancher Gnom.
"Mensch! Entfern' dich aus dem Grünen!!!"

Kein Respekt mehr vor dem Tier!
Menschen sind halt Egoisten!
Munter rein ins Brutrevier
und sich noch mit Fotos brüsten.

Vor dem dreisten, lauten Mob
flieh'n die Vögel ganz erschrocken,
Ich und wütend??? Na, und ob!!!
Möcht' am liebsten lauernd hocken ...

Schmisse sie gern alle raus,
jene, die die Ruhe stören!
Solche Menschen sind ein Graus!!!
Könnt' ich Tiere sprechen hören ...

RAUS AUS ZONEN, DIE GESCHÜTZT!!!
RAUS AUS ALL DEN BRUTGEBIETEN!!!
Wer ein wenig Hirn besitzt,
wird sich vorm Betreten hüten.



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 8. Oktober 2013

Zeichenfestival

Wir warten auf Zeichen von irgendwoher,
doch stehen sie längst vor der Tür.
Ein Blick in den Spiegel verriete uns mehr -
das Alter schickt Zeichen ins Hier.

Die Zeichen der Zeit sind so deutlich und klar,
und ungeliebt noch obendrein.
Die Spuren von jedem gewonnenen Jahr,
sie können nicht ehrlicher sein.

Ein wandelndes Zeichen bist du und bin ich.
Wie wär' es mit Gastfreundlichkeit?
"Willkommen, Ihr Zeichen! Verändert auch mich!
Und schenkt mir ein passendes Kleid."

Wir sollten nicht straffen, nicht färben und Co.
Mehr Würde! Mehr Mut! Und mehr Stolz!
Die Zeit malt die Zeichen ja so oder so.
Sie schnitzt uns beinah wie ein Holz.

Drum aufrecht der Gang und das Kinn in die Höh'!
Denn keiner trägt Zeichen wie du!
Und wenn ich mich ernsthaft im Spiegel beseh',
dann schwindet die Panik im Nu ....


(c) Bettina Lichtner

Montag, 7. Oktober 2013

Ach, egal

Hurtig, hurtig! Fangt die letzten Sonnenstrahlen ein.
Bald schon wird der Himmel voller Regenwolken sein.
Bald fegt eine kühle Brise mitten durchs Gesicht.
Aber ach ... egal, denn innen scheint das Sonnenlicht.

Packt die letzte Wärme in das seelische Papier.
Denn in ein paar Wochen steht der Winter vor der Tür.
Auch der güldne Herbst zeigt bald sein stürmisches Gewand.
Aber ach .... egal, ihr habt den Sommer in der Hand.

Schaut die blaue Weite an, solange es noch geht,
eh die kalte Jahreszeit durch kahle Bäume weht.
Sammelt alles ein! Bald kommen Frost und Eis und Schnee.
Aber ach .... egal, nach dem Hallo folgt das Adé.

Lauscht dem Flug des Blattes, das vom Eichenbaume sinkt.
Geradeso, als ob es uns noch einmal freundlich winkt ....
Wühlt das Laub am Boden auf, bald liegt es nass und klamm.
Aber ach .... egal, im Lenz erblüht ein neuer Stamm.

Seht die ganzen Wunder! Jede Jahreszeit ist schön
(wenn wir recht gekleidet Aug' und Aug' mit jeder stehn).
Sommerkleider in den Schrank, nun warten Hut und Schal.
Aber ach .... egal. Es bleibt uns keine andre Wahl .....


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 6. Oktober 2013

Es wird grau

Herbst, ach Herbst, da bist du schon.
Schneller als ich 's je gedacht,
steigst du auf den güldnen Thron,
färbst die Auen über Nacht.

Langsam ziehen Wolken auf,
und die Tage schauen grau.
Jedes Jahr derselbe Lauf
und dieselbe Himmelsschau.

Morgens liegt die Welt so kühl,
und der Tau deckt Halm und Blatt.
Bald schon lockt der Sturm zum Spiel.
Und das Eichhorn frisst sich satt ...

Auch die Maus legt Vorrat an,
und der Mais wird bald gemäht.
Jeder hortet wie er kann,
nächstes Jahr wird neu gesät.

Bald schon wird es Winter sein,
und das Jahr sagt uns Goodbye.
Noch ein letzter Sonnenschein,
nächstes Jahr ist alles neu ....


(c) Bettina Lichtner

Gepflückte Stunde

Ein Pubertist will tanzen gehn,
doch in der Börse? Leere!
Oh, wie sich die Gedanken drehn!
Wenn ich statt seiner wäre,
dann sähe ich allmählich zu,
dass sich das Sparschwein fülle.
Doch trag' ich ja nicht seine Schuh
und auch nicht seine Hülle.

Der Pubertist denkt her und hin:
"Wie komm' ich an Moneten?
Wenn ich nicht baldigst flüssig bin,
geht mir der Tanzspaß flöten.
Mein Mädchen gibt den Laufpass mir
und schnappt sich einen andern.
Ich armer Tor, so steh ich hier
und die Gedanken wandern ....

Ich brauche einen Notfallplan,
sonst hocke ich im Zimmer.
Das Leben ist ein Grobian,
ach ... Jammern macht 's nur schlimmer.
Nun muss ich meine Körperkraft
zum Geldverdienen nutzen.
Der Einfall ist gar tugendhaft!
Ich werde Fenster putzen!!!"

Die Mutter schaut verwundert drein
ob der Aktivitäten.
"Ich mache deine Scheiben rein,
und du gibst mir Moneten!
Pro Glas zwei Euro - vorn und rück -,
macht viere auf die Kralle."
Die Mutter wirft den bösen Blick:
"Sag, hast du sie noch alle???"

"Na gut, dann mäh' ich 's Rasenfeld.
Pro Stunde zwanzig Flocken.
Für harte Arbeit wenig Geld!"
Die Mutter kommt ins Stocken.
Der Pubertist kommt ihr zuvor
mit neuerlichen Plänen.
Er flüstert ihr "Du Schatz" ins Ohr,
da fließen ihr die Tränen.

Gerührt von seinem lieben Wort,
spendiert sie ihm den Abend.
Der Pubertist zieht fröhlich fort,
sich am Erfolge labend.
Sein Mädchen blieb ihm treu zur Seit'.
Sein Mütterlein ist glücklich.
"Ich habe einen Glückstag heut'!
Komm, gute Stund', ich pflück' dich ..."



(c) Bettina Lichtner

So kann 's gehen

Er warf ihr gar flehende Blicke.
Sein Herz pochte wild, wenn er ihrer gedacht:
"Du fehlst zum vollkommenen Glücke",
so hat er der Liebsten Avancen gemacht.

Er legte ihr hunderte Rosen
zu Füßen, vors Fenster und selbst vor die Tür,
und wollt' sie so gerne liebkosen.
Ihn zog es verlangend allein nur zu ihr.

Er zupfte auf seiner Gitarre
ein Ständchen und sang ihr in lieblichstem Ton:
"Oh, Mädel, ich wart' und verharre,
ein süßlicher Kuss wär' ein herrlicher Lohn!"

Er malt tausend Herzen auf Wände,
schreibt Briefe und wirft sie ja doch wieder fort.
Er nähme sie gern in die Hände,
und flüstert gedanklich ein lüsterndes Wort.

Sein Mühen trug keinerlei Früchte.
Die Dame der Wahl war nicht interessiert.
Gar lästig war ihr die Geschichte,
sie war von dem Balzen so gar nicht berührt ...


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 4. Oktober 2013

Vogelperspektive

Es wundert sich der Vogel sehr
wohl über Mann und Weib:
"Sie geben Münz und Taler her
für lust'gen Zeitvertreib.

Ein Jahrmarkt weilt in ihrer Stadt,
schon strömen sie herbei.
Sie essen wie ein Nimmersatt,
und tanzen mit Geschrei.

Die Körper fliegen durch die Luft
im Kettenkarussell.
Und mittendrin Berlinerduft ...
Und schon bin ich zur Stell'.

Denn Grund und Boden füllen sich
mit Resten ihrer Speis'.
Welch Leckerbissen sind 's für mich!
Ich schnappe sie mir leis'.

Ein Waffelstück, ein Brötchenrest -
ein wahres Paradies.
Ein Jahrmarkt ist ein tolles Fest,
und schmeckt auch Spatzen süß ...

Je später dann der Abend wird,
je öfter wird gelallt.
Es freut fürwahr den Jahrmarktswirt.
Doch mir ist 's zu geballt.

Berliner, Mandeln, Currywurst
kehr'n rückwärts wieder raus.
Zu hochprozentig war der Durst.
Drum flieg' ich schnell nach Haus ..."


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rüge muss sein

Da wagte doch ein böser Blick
den Schritt über die Schwelle.
Gleich brach 's dem Frieden das Genick.
Der Zorn war prompt zur Stelle.

Nun stiegen Wörter in den Ring,
um hasserfüllt zu kämpfen.
Wie laut es dort zur Sache ging!!!??
Die Wut war nicht zu dämpfen.

Beleidigungen noch und noch.
Niveau ganz tief im Keller.
Erstaunlich, was zutage kroch!
Welch Abschaum auf dem Teller!

Ein Wortschatz aus dem Gossenland.
Die Augen sprühen Funken.
Rivalen außer Rand und Band!
Ich bin vor Scham versunken.

Ein falscher Blick zur falschen Zeit
dem Falschen zugeschmissen,
schon trägt die Zeit ein Kriegerkleid,
und schwindet das Gewissen.

Schon setzen sich Gefühle frei,
bereit für Tod und Folter.
Ein falscher Blick und eins, zwei, drei
folgt lautstarkes Gepolter.

Ich rüge die Empfindsamkeit.
Wozu denn Feuer schüren???
Gebt stets die Zeit fürs "TUT MIR LEID",
statt gleich zu explodieren.


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Startbereit

Jetzt schnell in Richtung Süden!
Die Vogelschar ist startbereit,
Und ohne zu ermüden,
verschwindet sie gleich meilenweit.

Dem Herbst, den ich so liebe,
dem drehen sie die Federn zu.
Sie finden ihn zu trübe,
zu kalt, zu stürmisch, drum im Nu

geht 's hurtig in das Warme.
(Okay! Mein Neid fliegt hinterher,
doch keiner meiner Arme
hat Flügel - so wird 's Fliegen schwer.)

Ich bleib' am Boden kleben.
Sie lachen mich von oben aus!
"Welch eintöniges Leben!",
so schallt ' s aus ihren Schnäbeln raus.

Doch bin ich stadtverbunden,
der Heimat treu (die Flugangst quält ...).
Ich harr' in kalten Stunden
recht tapfer aus - und frei gewählt.

"Adé, Ihr Vogelfreien.
Der Flug soll Euch zur Freude sein.
Ich hab' nichts zu bereuen -
der Herbst lädt mich zum Farbrausch ein ..."



(c) Bettina Lichtner





Dienstag, 1. Oktober 2013

Ein Pfleger aus der Pfalz



Ein Pfleger aus der Pfalz,
der klagte über Not am Mann,
begab sich auf die Walz
und prangerte dies an.

Oh ja, oh ja, ein harter Job für wenig Geld,
zu wenig Personal,
die Anerkennung schmal.

Die Nerven liegen blank.
Verpflegung strikt nach Formular.
Gesellschaftlicher Dank???
Nun ja, er macht sich rar ...

Oh ja, oh ja, ein harter Job für wenig Geld,
zu wenig Personal,
die Anerkennung schmal.

Der einsame Patient,
er wünscht sich wen, der Zeit aufbringt!
Des Pflegers Zeit, sie rennt -
er eilt und fliegt und springt.

Oh ja, oh ja, ein harter Job für wenig Geld,
zu wenig Personal,
die Anerkennung schmal.

Der Pfleger fühlt sich schlapp.
Er wünschte sich ein Helfer-Heer,
doch Geld und Mensch sind knapp -
drum ist sein Alltag schwer.

Oh ja, oh ja, ein harter Job für wenig Geld,
zu wenig Personal,
die Anerkennung schmal.



(c) Bettina Lichtner
nach der Melodie: "Ein Jäger aus Kurpfalz ...."