Dienstag, 31. Dezember 2013

So geht 's fort

Morgen zieren Gehweg-Platten
Knallbonbons und Feuermatten
und zerbrochnes Glas
und verhallter Spaß.
Und die Tage, die wir hatten,
sind nichts mehr als welke Schatten.

Heute heißt es Abschied feiern,
und zugleich die Zeit erneuern.
Und um Mitternacht
wird Rabatz gemacht,
und dann heißt es Floskeln leiern
und die gute Tat beteuern.

Manche werden rückwärts schauen,
einen Blick nach vorne trauen.
Was steht vor der Tür?
Bleibt das Glück auch hier?
Lasst uns neue Träume bauen,
und was war, im Herz verstauen.

Lasst das Jahr im Frieden enden.
Legt die Waffen aus den Händen.
Einen guten Rutsch!
Streit und Hass sind futsch …
Neue Bilder an den Wänden
halten nichts von Flächenbränden.

Altes schwindet - unvergessen -,
doch es wartet ja indessen
schon ein neues Spiel.
Herrliches Gefühl …
Alles, was wir je besessen,
hat die gute Zeit gefressen.

So geht 's fort und immer weiter,
wie auf einer Sprossenleiter.
Unentwegt voran,
bis man nicht mehr kann.
Bleibt gesund und gleichwohl heiter.
Lebt die Stunde wie kein Zweiter …


© Bettina Lichtner

Montag, 30. Dezember 2013

Countdown

Was kümmert die letzte Sekunde
des Jahres ihr eigener Wert?
Sie wechselt ja bloß ihre Stunde.
Mehr ist 's nicht, worum sie sich schert.

Wann immer die Jahre verschwinden
- Silvester, Geburtstag (zur Freud'?) -,
es lässt sich nicht fesseln und binden,
das letzte Sekündchen der Zeit.

Ein taktvolles Kommen und Gehen,
ganz ohne Klimbim und Trara.
Und eh sich die Menschen versehen,
sind Jahre und Glück nicht mehr da.

Historisch wird jene beschrieben,
die eine, die letzte Sekund'.
Ein Countdown, dann ist sie vertrieben,
und sinkt in den ewigen Grund.

Die übrigen Jahressekunden,
die ziehen belanglos vorbei.
Für sie ist kein Festakt gefunden.
Kein Jubel, kein Dank ist dabei.

Wie schade, denn all diese vielen
Verkannten der täglichen Uhr,
sie lassen uns atmen und spielen.
"Ach, Mensch. Wann begreifst du das nur?"


© Bettina Lichtner

Sonntag, 29. Dezember 2013

5. Advent 2013

Och, nun sind die Kerzen aus.
Allesamt verglüht.
Aufbruchstimmung zieht durchs Haus.
Der Dezember flieht.

Der Adventskranz leidet Qual,
dass er Mitleid weckt.
Hab' ihm drum ein fünftes Mal
's Kerzlein angesteckt.

Und sein Herz, so grün und klein,
schlägt ihm ganz beschwingt,
weil der letzte Flammenschein
nochmals Freude bringt.

Und er sagt ganz leis' zu mir:
"Danke und Adé.
Mir tut ja - genau wie dir -
dieser Abschied weh.

Bald schon zieht der Januar
in die Zimmer ein.
Und es wird dir schmerzlich klar:
Nichts ist ewig dein."

Ohne ein Brimborium
ging das Lichtlein aus.
Und dann zog ganz still und stumm
Weihnachten hinaus …



© Bettina Lichtner

Samstag, 28. Dezember 2013

Dieses Mal bestimmt

Vorsatz, Vorsatz, komm' geflogen.
Denn Silvester brauch' ich dich.
Letztes Jahr hast du gelogen -
kein Gebot erfüllte sich.

Was dereinst so fest beschlossen,
war im März schon längst vorbei.
Bist am Ziel vorbeigeschossen.
Doch nun fasse ich dich neu.

Vielleicht wird es diesmal klappen
(über März, April hinaus).
Muss den Willen nur berappen,
dann - vielleicht - wird Gold daraus.

Doch der Schweinehund - der Böse -,
der trägt eine Menge Schuld,
dass ich scheinbar nie genese
von dem Fluch der Ungeduld.

Kann ich nicht sofort bekommen,
was in der Silvesternacht
so energisch vorgenommen,
wird die Seele aufgebracht.

Und dann folgt das Wechselbade.
Und es kämpfen Soll und Muss.
Und in Bälde schon - wie schade -
ist 's vorbei mit dem Entschluss.

Dieses Mal muss es gelingen!
Vorsatz, mach' dich startbereit.
Macht die Uhr das Neujahrsspringen,
dann beginnt auch unsre Zeit.


© Bettina Lichtner

Freitag, 27. Dezember 2013

Das ist der Knaller

Meine Güte! Fest auf Fest.
Kaum das eine überstanden,
hängen im so trauten Nest
für Silvester die Girlanden.

Wieder klirrt dann Glas an Glas,
und die Gabeln in den Händen
finden nicht das rechte Maß.
Es wird im Desaster enden …

Diesmal aber immerhin
geben festliche Orchester
sich beschwingten Tönen hin.
Und ich tanze zu Silvester.

Tanze mir die Pfunde weg,
dass die Kleider wieder passen.
Denn es ist ein großer Schreck,
wenn die Feste Spuren lassen …

Ach und erst die Knallerei,
und die Ungeduld der Leute.
Gibt der Markt die Knaller frei,
fliegt das Bunte in die Weite.

Und dann zischen viel zu früh
schon die heulenden Raketen
durch die stille Harmonie,
und Besinnlichkeit geht flöten.

Morgen ist Verkaufsbeginn!
Morgen also Ohren schließen!
Morgen wird man ohne Sinn
Lautes in den Himmel schießen.

Da verpufft das schöne Geld,
und woanders flehen Hände
irgendwo auf dieser Welt,
um als Brot geback'ne Spende …



© Bettina Lichtner




Mittwoch, 25. Dezember 2013

Ein Tag Frieden

Morgen, Kinder, nur noch morgen
lädt das Fest zum Feiern ein.
Freitag wollen Stress und Sorgen
wieder die Begleiter sein.

Wieder rasen die Gebeine
durch die Straßen dieser Stadt.
In der Hand Geschenkgutscheine
mit der Hoffnung auf Rabatt.

Auch zum Tauschen wird geblasen,
weil die Gabe wem missfiel.
Diese unzufriednen Nasen ….
Jedes Jahr dasselbe Spiel.

Noch jedoch ein Tag in Frieden,
eh auch dieser rasch verfliegt.
Dass die Freuden flugs ermüden,
hab' ich tausendmal gerügt.

Doch genützt hat es nur wenig.
Trotzdem blieb das Schöne nicht.
Und ich ahne: der ist König,
der nicht mit der Sehnsucht ficht.



© Bettina Lichtner

Man muss nur wollen

Oh, oh, oh, die Waage stöhnt:
"Wenn dein Leib sich weiter dehnt,
springt die Nadel übers Ziel.
Iss beizeiten nicht so viel.

Diese Festtagsschlemmerei
reisst dir noch das Kleid entzwei.
Nächstes Frühjahr wieder Sport -
und so geht es immerfort.

Süßig- und auch Deftigkeit
trägst du eine lange Zeit.
Hüfte, Leber, Herz und Co.
wären mit der Hälfte froh.

Aber, ach, du hörst ja nicht.
Und so steigt dir das Gewicht.
Und dann schimpfst du mich gar aus,
schmeißt mich hochkant aus dem Haus.

Dabei zeige ich ja nur
eine schlemmende Figur,
welche auseinander quillt
(unterstützt vom Spiegelbild).

Nimm dir meinen Rat zur Brust:
iss doch mal figurbewusst,
Weniger ist manchmal mehr,
und das Wollen nicht so schwer …"



© Bettina Lichtner

Dienstag, 24. Dezember 2013

Das einzig wahre Geschenk

Herzlichen Glückwunsch! Ein Junge! Ein Junge!
Putzig und munter und Jesus genannt.
Schon liegt ein Dank auf der singenden Zunge.
Festlich geschmückt ist der Erde Gewand.

Lauter Geschenke, dem Kleinen zu Ehren,
wechseln die Hände und hellen den Blick.
Schon will ein Flüstern im Herzen belehren:
nicht im Verpackten liegt füllendes Glück.

Seelischer Frieden - in Form von Präsenten?
Welch einem Irrtum die Seele obliegt.
Wenn doch die Menschen nur wahrhaben könnten,
dass EIN Gefühl nur dem Glücke genügt.

Ach, dieses eine - mit nichts zu bezahlen.
Ach, dieses eine so süßliche Wort.
Nur dieses eine bringt Herzen zum Strahlen.
Wird es vergessen, dann wandert es fort.

Sagt mir, wie oft man zum Heiligen Abend
einfach nur ehrliche Liebe verschenkt.
Einzig nur das ist erquickend und labend,
wenn man einander in Liebe gedenkt.



© Bettina Lichtner



Montag, 23. Dezember 2013

Friedensmüh

Zaghaft taucht der Weihnachtsfrieden
in das Meer der Seelen ein.
Osten, Westen, Norden, Süden -
allerorts soll Frieden sein.

Mancherorts jedoch vernichtet
Hass die Liebe, Stress die Ruh'.
Wo der Krieg sein Werk verrichtet,
sieht der Frieden machtlos zu.

Sind Gewehre erst in Händen
einer blutrünstigen Haut,
werden unnütz Leben enden,
die so hoffnungsvoll geschaut.

Vor der Weihnacht wird geschossen,
nach der Weihnacht ebenso.
Blut und Tränen sind geflossen.
Und im Raume steht: WIESO???

Auch mit Wörtern wird getötet.
Streiterei zum schönsten Fest.
Und der Frieden hat gebetet,
dass man ihn erscheinen lässt.

An des Friedens schwere Stelle,
möchte ich fürwahr nicht sein.
"Ach, du tüchtiger Geselle -
oft genug bist du nur Schein."


© Bettina Lichtner

Sonntag, 22. Dezember 2013

Stilles Fest

Wisset es nur hoch zu schätzen,
dass sich die, die Euch vertraut,
um den bunten Christbaum setzen,
und das Glück zum Fenster schaut.

Andre haben schwer zu beißen
an der stillen Einsamkeit.
Wie hat es noch gleich geheißen?
Oh du schöne Weihnachtszeit?

Nicht für jenen, der alleine.
Nicht für den, der wen vermisst.
Diesen einen, diese eine,
den die Welt zum Fest vergisst.

Der so gerne schenken möchte,
doch es fehlt die Hand, die nimmt.
Keiner da, der an ihn dächte
und die Seele fröhlich stimmt.

Auch die Hand, ihm was zu geben,
klingelt nicht an seiner Tür.
Ist es nicht ein armes Leben?
Gibt es nicht zu wenig WIR?

"Frohes Fest und schöne Tage",
wünscht man jetzo hin und her.
Von des andren stille Klage
wissen wir heut' gar nichts mehr.


© Bettina Lichtner

4. Advent 2013

Übermorgen. Ach herrje …
Frühlingsluft statt Eis und Schnee.
Backen, packen, Bäumchen krönen.
Und die Zeit will sich nicht dehnen.

Zweimal werden wir noch wach.
Meine Beine werden schwach …
Eilen, weilen, letztes Planen.
Schon will die Gesundheit mahnen.

Der Dezember macht mir Dampf!
Morgen noch mal Endspurtkampf.
Drängeln, quengeln, Ruhe suchen.
Und Erholungsurlaub buchen …

Menschen schauen so gestresst
vor dem nahen Weihnachtsfest.
Hecheln, lächeln, Geld ausgeben.
Noch ein Glühwein auf das Leben.

Äußeres wird hochpoliert.
Inneres wird ignoriert.
Strahlen, prahlen, Frust verstecken.
Gut gespielt die Tafel decken.

Friedlichkeit ist Weihnachtspflicht.
Streit bekommt der Krippe nicht.
Geben, nehmen, lieblich schauen.
Und die fette Gans verdauen …


© Bettina Lichtner

Freitag, 20. Dezember 2013

Eine Mütze voll Schlaf

Ein voller Mond - die dritte Nacht.
Kein Auge hab' ich zugemacht.
Der Schlaf hängt mir im Kleide,
dass ich den Spiegel meide.

Es gähnt der Mund mir unentwegt.
Wie gern hätt' ich mich hingelegt.
Die Augenlider sinken …
Doch die Termine winken.

Von morgens fünf bis abends zehn
kein Stündchen frei, ins Bett zu geh'n
Wenn sich der Mond halbierte,
ob das zum Schlafe führte??

Doch den Gefallen macht er nicht.
Sein taglichthelles Angesicht
grinst frech durch die Gardine.
Ach, dieser Himmelshüne ...

Was bin ich schon! Ein Menschlein nur.
Im Großen eine Randfigur.
Ein Untertan im Ganzen.
Vergänglich wie die Pflanzen.

Der Mond verrichtet nur sein Werk.
Und ich? Ich bin ein armer Zwerg,
der hundemüde kauert
und sich höchstselbst bedauert.


© Bettina Lichtner

Mittwoch, 18. Dezember 2013

So grün und treu

Um dich, du grüner Tannenbaum,
ist 's gar nicht gut bestellt.
Denn eh du glänzt im Weihnachtsraum,
da wirst du ja gefällt.

Die Axt trifft dich ein Dutzend Mal
ins Mark so scharf und tief.
Und jeder Hieb ist eine Qual.
Schon neigst du dich ganz schief.

Getrennt von deiner Wurzel zart,
so sinkst du in den Schnee.
Gibt keinen neuen Lebensstart.
Für dich heißt es Adé.

Einmal noch geht der Blick zurück
zum Frühling hin zum Herbst.
Die Weihnacht bricht dir das Genick,
bis du dich bräunlich färbst.

Noch stehst du bunt und reich verziert
als Schmuckstück in dem Saal.
Dein Ast jedoch, ach der verliert
sein Grün in großer Zahl.

Die Nadeln könnten Tränen sein,
die du in Stille weinst.
Es schleicht der Tod dir durchs Gebein,
noch während du uns scheinst.

Wie traurig stehst du nach dem Fest,
wenn aller Schmuck gepflückt.
Dann bist du nur ein Pflanzenrest,
den man zur Halde schickt.

O Tannebaum, wie grün und treu
hast du im Wald geblüht.
Den Menschen ist es einerlei,
was dir, mein Freund, geschieht …


© Bettina Lichtner

Montag, 16. Dezember 2013

Der Blick täuscht

Sieh an, sieh an. Die Weihnachtsmänner
sind jetzt schon da - ein starkes Ding!
Da freut sich wohl der Werbekenner,
denn Santa dient dem Marketing.

Gewaltig wird er angekündigt
und hat ja auch 's Geschenk dabei.
Die Fragerei "Hast du gesündigt?"
ist manchem Kinde einerlei.

Es schüttelt heftigst mit dem Schopfe
(und wenn es nun gelogen ist?),
und reckt in Neugier seinen Kopfe
zum Säcklein hin mit süßer List.

Der Weihnachtsmann im falschen Roten
greift unterm strengen Kinderblick
ins Säcklein und befüllt die Pfoten
der Kinderschar (zu ihrem Glück).

Die Eltern stehen gern daneben
und achten drauf, dass jeder kriegt.
Doch ein Gedicht zum Besten geben?
Warum, wenn schon ein Blick genügt!?

Der Weihnachtsmann, der uns bekannte,
versteht die Gier und Tücke nicht.
Ob ihm wohl eine Wut entbrannte
beim Blick ins falsche Bartgesicht?



© Bettina Lichtner

Sonntag, 15. Dezember 2013

Spiel mit

Wir tragen ja alle ein Nervenkostüm
verschiedener Stärke und manchmal intim.
Dem einen, dem flattert 's beim Kleinsten hinfort.
Der nächste hingegen bleibt Käpt'n an Bord.

Beim einen, da nisten sich Ängste mit ein
und machen ihn bange tagaus und tagein.
Der andre dagegen ist mutig und kühn.
Dem haben die Götter wohl Kräfte verlieh'n.

Wo einer sich sorgt, bleibt der andre gechillt.
Bleibt mucksmäuschenstill, wo der Sorgende brüllt.
Den werfen nicht Sturm und nicht Takt aus der Bahn.
Der hat seiner Seele was Gutes getan.

Will einer sich streiten, der findet auch wen,
der gegen ihn antritt - dann lässt er sich geh'n.
Die Worte wie Fäuste und treffpunktgenau.
Der stellt gern die unterste Schiene zur Schau.

Der andre hingegen geht Streit aus dem Weg.
Der schreitet so gern auf dem friedlichen Steg.
Er gibt sich gelassen und hört sich gern zu,
wenn 's innendrin flüstert: "Bewahre die Ruh'."

Ja, ja, diese Nerven. Egal, wo man schaut …
Ein Spiel der Gefühle gleich unter der Haut.
Wer Herr seiner selbst bleibt, der hat es wohl gut.
Der hat für das Spiel stets den passenden Hut ….


© Bettina Lichtner 

3. Advent 2013

Langsam wird die Seele friedlich,
eine Ruhe macht sich breit.
Und im Herzen wird 's gemütlich
Tage vor der Weihnachtszeit.

Alles wartet auf die Stunde,
da das Jesuskind erscheint.
Wartet auf die frohe Kunde,
die selbst Freund und Feind vereint.

Alle Kekse sind gebacken,
und die Stube glänzt und strahlt.
Die Geschenke noch verpacken,
die mit so viel Zeit bezahlt.

Auch die Sehnsucht zuzulassen
nach dem Menschen, der uns fehlt,
darf in diese Stunde passen,
eh der Schmerz die Seele höhlt …

Sich auf Freud und Leid besinnen,
wie 's nur der Dezember kennt -
damit lasst uns heut beginnen,
heut' am vorletzten Advent.


© Bettina Lichtner 

Samstag, 14. Dezember 2013

Freie Fahrt

Heute stand ich lang' im Stau,
und die Nerven wollten flattern.
Und die Worte wurden rau.
Wollt' ein' Hauch Geduld ergattern.

Meilenweise stop and go,
dort wo sonst der Fluss so flüssig.
Wär' ich doch im Nirgendwo.
Langsam wird die Ruhe rissig.

Langsam sickert Wut heraus,
und ein Feuer wird gezündet.
Bricht es erst in Gänze aus,
wie dann der Benimm verschwindet.

Hab' den Geist mobilisiert,
dass er diesen Zorn mir bändigt,
der mich sonst ins Unheil führt.
Selbst das Herz hab' ich verständigt.

"Atme leise!", ruft da wer.
"Nicht so hektisch - ganz besonnen!"
Wo kommt diese Stimme her?
Hat jetzt gar der Wahn begonnen?

Plötzlich geht mein Atem sacht.
Und der Stau in den Gedanken
hat sich aus dem Staub gemacht.
Und der Fluss fließt ohne Schranken.


© Bettina Lichtner

Freitag, 13. Dezember 2013

Hey Mister Postman

Ihr Paket-, und Päckchenboten!
Dieser Vers sei Euch zur Ehr'.
Euren hohen Leistungsquoten
zoll' ich meinen Dank und mehr …

Gerade vor den Feiertagen
schleppt Ihr schwer und schleppt Ihr viel.
Welch ein mühevolles Plagen!
Euch gehört mein Mitgefühl.

Seit das Web das Licht erblickte,
wird auch online eingekauft,
und was uns der Laden schickte,
müsst Ihr schleppen! Wie Ihr schnauft …

Frauen, die ja sonst so schelten
puncto Gleichberechtigung,
sehe ich als Boten selten.
Scheinbar fehlen Kraft und Schwung.

Und wie oft steht Ihr vergeblich
vor der Tür, weil keiner da.
Gerade jener ist mir löblich,
den ich dann noch lächeln sah.

Ach, ich weiß es wohl zu schätzen,
was Ihr leistet. Tag um Tag.
Möchte Euch ein Dankwort setzen,
weil es mir am Herzen lag …


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Vor dem Fest ist nach dem Fest

Heiligabend ruhen Waffen,
ruhen Hass und ruhen Wut.
Dieser Abend wird es schaffen,
dass das Kriegsgebaren ruht.

Wenigstens für ein paar Stunden
horcht der Mensch in sich hinein.
Und die zugefügten Wunden
wollen kurz vergessen sein.

Ist da noch ein Fünkchen Liebe
für den Nächsten? Gar für sich?
Wagt sich durch die Seelenhiebe
zaghaft nicht ein scheues ICH?

Und ist der, den man bekämpfte
nicht auch Mensch aus Blut und Traum,
dessen Lebenslust sich dämpfte,
seit die Feindschaft mit im Raum?

Weihnachten hat Zaubermächte.
Aber nur für den Moment,
dass ich gar vermuten möchte,
dass schon bald das Alte trennt.

Dass sich bald die Waffen richten
auf den Feind - so wie zuvor.
Dass die Fronten Frieden schlichten,
geht links rein, rechts raus zum Ohr.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der Simser

Das Handy-Display malt ein Licht
ins nachtgefärbte Angesicht,
und fesselt müde Blicke
mit ausgereifter Tücke.

Dem Handy ist es einerlei,
ob morgens zehn, ob nachts halb drei.
Es klingelt nach Belieben,
und hat auch was geschrieben ….

Die SMS - vom Inhalt leer -
kommt irgendwann. Und irgendwer
schickt Kürzel ohne Ende
(da qualmen bald die Hände …).

Das ganze Alphabet zerhackt
und in ein neues Kleid gepackt,
und das bei Nacht und Nebel.
Ich stopft' ihm gern den Knebel …

Ein vollständiger schöner Satz,
der findet keinen festen Platz
im Tippspiel von Millionen
gesimsten Botschaftszonen.

Und eh der Mensch nichts Böses denkt,
da kriegt er einen "Brief" geschenkt,
der ohne Stil und Leben
und ohne Schatz zum Heben ….



© Bettina Lichtner



Dienstag, 10. Dezember 2013

Brotlos

Brotlos sind Poetenkünste.
Bringen selten Taler ein.
Die notierten Hirngespinste
sind Erheiterung allein.

Und die tiefen Worte fliegen
aus der Seele aufs Papier,
wo sie ein Zuhause kriegen
und ein eigenes Revier.

Ja, sie können gerade walten,
wie 's dem Lesenden beliebt.
Braucht die Seele was zum Halten,
weil sie unentwegt betrübt?

Ach, dann hilft des Dichters Dichten
gar ein wenig aus der Not.
Und die tröstlichen Geschichten
bringen eine Welt ins Lot.

Will die Seele sich vergnügen -
nun, auch dann hilft der Poet.
"Trinket nur in vollen Zügen
was gereimt geschrieben steht!"

Mit dem Wort das Herz berühren,
kann der Dichter nur zu gut.
Wortgewandt durchs Leben führen -
einer weiß, wie man das tut.

Der Poet - selbst herzgesteuert -
weiß, was durch die Glieder fährt ...
Doch bejubelt und gefeiert?
Dieser Lohn bleibt ihm verwehrt.


© Bettina Lichtner

Montag, 9. Dezember 2013

Gebt fein Acht

Wer reitet so eilig durch Tag und durch Nacht?
Die Zeit, ach die Zeit, mit verschwindender Pracht.
Doch, wer ist ihr Jäger? Der ärmliche Wicht!
Wann wird er erkennen: er fängt sie ja nicht?

Mir wird ja so anders. Ach, könnte es sein,
dass ich gar der Jäger? Schon halte ich ein.
Natürlich! So ist es! Ja, bin ich denn toll?
So jage ich was, was vergänglich sein soll ...

Dem Hetzen ein Ende! Zum Spiegel geschaut:
Das Jagen hat Freude und Ruhe geklaut,
und Spuren gelassen, die unnötig sind.
Die Kräfte verloren. Die Zeit fort im Wind …

Kein Feind ist die Gute, so wie ich gemeint.
Ich reich' ihr die Hände und nenne sie Freund.
Sie macht keinen Vorwurf und bleibt, was sie ist:
die Zeit meines Lebens mit endender Frist.

Mir wird ihre seltene Schönheit bewusst.
Aus sinnlosem Jagen wird sinnvolle Lust.
"Oh Zeit, du Geliebte. Nun bin ich erwacht.
Nun geb' ich gewiss aufs Vergängliche Acht."




© Bettina Lichtner


Sonntag, 8. Dezember 2013

2. Advent 2013

Ja ist es denn die Möglichkeit?
Vorbei sind sieben Tage?
Allmählich macht sich Hektik breit.
Verzwickt, bedrängte Lage.

Die Hälfte rum! "Advent, Advent,
das geht mir gar zu schnelle …"
Ich protestiere vehement!!!
Die Zeit hat ein Gefälle ….

Sie rast und rast der Weihnacht zu,
als sei 's eine Lawine.
Es pocht das Herz, es qualmt der Schuh,
der Schweiß tropft von der Miene.

Ein Berg von Arbeit wartet drauf,
dass irgendwer ihn bändigt.
Er hört ja nicht zu wachsen auf.
Da hab' ich Gott verständigt:

"Jetzt hör mal zu, du großer Herr.
Nicht lang mehr bis zur Weihnacht.
Schick irgendeine Hilfe her,
die mich vom Stresse frei macht."

Da war mir so, als füllten mich
Gelassenheit und Ruhe.
Nur ein Gebet, schon ändert sich
das hektische Getue.

Ich gönn' mir ein Adventsgebäck
und brüh' mir Tee aus Blättern.
Da laufen Stress und Zeitdruck weg,
und ich hör' auf zu wettern …


© Bettina Lichtner


Samstag, 7. Dezember 2013

Pingpong

Wenn die Liebe Pingpong spielt,
heute wärmt und morgen kühlt,
übermorgen gar verschwindet,
und ein neues Opfer findet,
sei das Herz doch nicht verletzt,
wenn es an die Luft gesetzt.

Pfeifen soll es aufs Gefühl,
das der Seele so gefiel.
Ach, was nützt das Tirilieren,
und das süßliche Verführen
aller Sinne, die da sind,
ist die Liebe dafür blind?

Jene, welche hüpft und springt,
Freude erst, dann Kummer bringt,
sie gehört ja vor den Richter,
oder vor den Liebesschlichter.
Denn sie trügt, betrügt und lügt,
wenn man ihrem Charme erliegt.

Wenn die Maske erstmal fällt,
sich zur Farce der Hass gesellt,
wundert der, den sie betrogen,
sich ob ihrer hohen Wogen
voller Niedertracht und Schand.
Welche Wandlung sie doch fand …

Ja, die Liebe. Heute nett,
heute noch begehrt, kokett,
morgen aber fremd und fliehend,
und die Asche nach sich ziehend.
Und die Zeit ist abgekühlt,
wenn die Liebe Pingpong spielt.



© Bettina Lichtner

Freitag, 6. Dezember 2013

R.I.P. Nelson Mandela

Ist sie denn wichtig, die Farbe der Haut?
Ist es nicht wichtg, wie 's unter ihr schaut?
Ob da ein Herz voller Mitgefühl liegt,
oder ein Herz, das sich selber genügt?

Macht denn die Farbe den Unterschied aus?
Ich möchte wissen: Wer wohnt in dem Haus?
Ich möchte wissen, ob Liebe dort wohnt,
oder ob Hass über Freundlichkeit thront.

Ist denn ein Menschenleib weniger wert,
weil er den Blick eines anderen stört?
Sind wir vom Aufbau nicht allesamt gleich?
Machen nicht Farben die Erde erst reich?

Ist nicht das Glücklichsein jedermanns Ziel?
Spielen nicht alle das selbige Spiel?
Schlecht oder gut - wer erdachte das nur?
Folgten doch alle der friedlichen Spur …

Nelson Mandela - er machte es vor.
Er lieh den Schwachen sein gütiges Ohr.
Er nahm auch Opfer fürs Gute in Kauf.
Ihn nahm der Himmel ins Ewige auf.

Möge sein Werken von Fruchtbarkeit sein,
mögen die Früchte auch immer gedeih'n.
Wieder verneigt sich die Dankbarkeit tief,
eben vor dem, der nun friedlich entschlief …


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wilder Xaver

Also war es kein Palaver!
Dieser Sturm hat Macht und Glut.
"Du gewaltbereiter Xaver!
Bist du gar so voller Wut?

Deine Böen werfen Äste,
reißen Bäume aus dem Sand.
Ach, du pustest uns so feste -
halt ich deinen Kräften Stand?

Komm nur, komm nur! Willst mich fordern
zu dem Kampf  auf offnem Feld.
Muss die Willensstärke ordern,
dass es mich auch aufrecht hält.

Wirbel du nur meine Haare!
Dieses Spiel belebt das Hirn.
Bot im Laufe meiner Jahre
manchem Sturme meine Stirn!

Glaubst, du kann mir Angst einjagen?
Mir doch nicht! Nein, nein, nicht mir.
Du bist bestens zu ertragen
(hinter der geschlossnen Tür!).

Ja, ich hab' mich eingeigelt.
Und betrachte dich durchs Glas.
Gibst dich ja so ungezügelt,
und ich ahne deinen Spaß."



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Die Karte, bitte

"Guten Tag. Sie wünschen bitte?"
"Einen Krug Gelassenheit.
Und für meine innre Mitte
etwas mehr Zufriedenheit."

"Kein Problem, verehrte Dame.
Darf es sonst noch etwas sein?
Sagen Sie des Wunsches' Name.
Dann deck' ich die Tafel ein."

"Wenn Sie gar so freundlich fragen,
nun, ich wüsste wohl noch mehr.
Wage es ja kaum zu sagen:
etwas Wärme, bitte sehr.

Hoffnung könnt' mir auch gut schmecken,
bestenfalls mit Mut garniert.
Würd' mir ja die Finger lecken,
wär' auch Liebe reingerührt.

Und Humor, gleich tonnenweise,
streuen Sie noch obendrauf.
Eine solche Seelenspeise
hält die Stimmung obenauf.

Bitter aber sei sie nimmer.
Bitter, ach, vertrag' ich nicht.
Süß jedoch, das mag ich immer!
Herrlich süß sei mein Gericht.

Alles lieblich, bunt und reichlich.
Und am besten Tag und Nacht.
Denn mein Hunger ….. unvergleichlich!
Also, auf! Ans Werk gemacht …"

"Kommt sofort. Inzwischen, Liebste,
halten Sie den Geist im Zaum!
Denn das Bittre, denn das Trübste,
malt sich im Gedankenraum.

Wandeln Sie die bösen Dinge,

die der Geist schickt, einfach um.
Während ich die Speise bringe,
halten Sie die Kopfwelt stumm.

Bald schon wird das Gute munden,

das Sie fortan neu gedacht.
Und zu Tag- und dunklen Stunden
kommt das Schöne an die Macht."


© Bettina Lichtner


Dienstag, 3. Dezember 2013

one world

Eines haben wir gemein:
alle sind wir Zeitgenossen!
Diese Stund' ist dein und mein,
und sie sei ins Herz geschlossen.

Wenn sie nicht nach Plan verläuft,
ach, dann sei sie schnell vergessen.
Falls sich das Dilemma häuft,
sei es ja nicht festgefressen …

Und wir schreiten Seit' an Seit'
- alle, die wir fremd uns bleiben -
durch dieselbe Erdenzeit
(jeder, um sein Buch zu schreiben …).

Was da in der Welt passiert
- in der großen weiter draußen -,
hat verschiedentlich berührt,
sowohl innen als auch außen.

Doch die kleine eigne Welt,
die gestalten wir alleine.
Jeder unterm Himmelszelt
nennt die kleine Welt die seine.

Dass wir dennoch eine sind,
eine Welt trotz vieler kleiner,
dafür sind die meisten blind …
Dafür intressiert sich keiner.



© Bettina Lichtner


Montag, 2. Dezember 2013

Suche eingestellt

Was scheuchst du die Pferde?
Was weckst du die Hunde?
Lass unter der Erde
die schweigende Stunde ….

Was soll denn das Wühlen
in all diesen alten,
verstaubten Gefühlen?
Sie sind nicht zu halten …

Kommt eh nur zutage,
was quälend und beissend.
Die schlafende Plage
wird zweimal zerreissend …

Was bringt schon das Graben
im stickigen Boden?
Statt Frieden zu haben,
ein ständiges Roden ….

Was glaubst du zu finden?
Verlorene Worte?
Vergessene Sünden?
Verborgene Orte?

Noch offene Fragen?
Verschwiegene Stunden?
Es liegt mir im Magen
dein neues Erkunden …

So lass es doch schlafen!
Was willst du bezwecken?
Die Zeit liegt im Hafen,
was soll man sie wecken?


© Bettina Lichtner

Heimat der Ruhe

Wieder glänzen Wald und Gräser,
weil der Frost sein Kleid gelegt.
Fern tönt der Trompetenbläser,
was sogleich mein Herz bewegt …

Dieses Lied im leisen Klange
trägt mich rückwärts in der Zeit.
Und ich lausche ihm noch lange,
und die Sehnsucht macht sich breit.

Hab' die alten Weihnachtslieder
doch als Kind so gern gehört.
Sing' sie noch und immer wieder,
weil 's die Seele so betört.

Alle Jahre schönste Weisen.
Brauchtumspflege hoch geschätzt.
Diese Tage will ich preisen,
bis zu dem, der allerletzt ….

Und die Ruhe sucht zu finden,
was sie 's ganze Jahr nicht fand:
sucht ein Herz, sich zu verbinden.
Weihnacht ist ihr Heimatland.


© Bettina Lichtner


Sonntag, 1. Dezember 2013

1. Advent

Wenn das erste Lichtlein flimmert,
rennt die Zeit wie sonst ja nicht.
Schnell ein Krippelein gezimmert,
ums Adventsgebäck gekümmert,
welches Aug' und Leib besticht …

Zwanghaft eine Stille finden,
weil es der Kalender schreibt.
Rundherum nur süße Sünden,
die sich mit der Gier verbinden,
dass es meinen Sinn betäubt.

Die Verwandten - sonst verschwunden -
stehen plötzlich in der Tür,
ums Befinden zu erkunden.
Lassen sich das Festmahl munden
im harmonisch neuen Wir.

Erste Weihnachts-Chöre singen
eine Mär von Fried' und Freud'.
Soll Besinnlichkeiten bringen
(will noch nicht so recht gelingen).
"Oh, du schöne Weihnachtszeit …."

Und ich ahne von dem Hetzen,
das die nächsten Tage droht.
Lasst uns nicht vom Hetzen schwätzen.
Will mich vor das Lichtlein setzen,
und die Seele kommt ins Lot …


© Bettina Lichtner