Samstag, 27. Dezember 2014

Nur nach vorn



Viele Träume bleiben liegen
auf der Reise durch die Zeit.
Sind sie erstmal umgestiegen
in den Zug der Ewigkeit,
gibt es keine Wiederkehr -
niemals je und nimmermehr.

Ja, die Zeit kennt kein Erbarmen.
Wer die große Chance verpasst,
seine Träume zu umarmen,
wird ein griesgrämiger Gast,
der in steter Trauer ist,
und den Sinn des Seins vergisst.

Dieser kleine Miesepeter
hängt den Träumen ewig nach.
Seine Worte "später, später ....",
die er alle Jahre sprach,
sind der Tod für jeden Traum.
"Später" .... das erfüllt sich kaum.

Und so wird nach vorn geschoben.
Weiter, weiter, nur nach vorn.
Aus dem tiefsten Herz gehoben,
wie ein kleines Saatenkorn,
doch der Traum, weil nicht gehegt,
hat sich schnell aufs Eis gelegt.

Bin ja selbst ein Traum-Verschieber.
Morgen, morgen, nur nicht heut'.
Ach, ich Feigling, warte lieber
auf die Richtigkeit der Zeit.
Was ich träume? Vielleicht dies:
sorgenfrei ins Paradies.

Kleiner Scherz. Nein, nein, das rechte
könnte eine Kutschfahrt sein.
Ja, das ist mein Traum! Ich möchte
über Stock und über Stein
mit 'ner Kutsche, rot wie Blut,
fahren wie 's ein König tut.

Und mein Auto dürft' pausieren,
denn es fährt mich für und für
und auf allen Gummi-Vieren
unentwegt von Tür zu Tür.
Käme eine Kutsche her,
bräuchte ich kein Auto mehr ...

Und so träum' ich alle Jahre
von der Kutschfahrt um die Welt.
Träum' davon bis hin zur Bahre.
Andres wird nach vorn gestellt,
andres, was den Traum verdrängt ...
Bis die Ewigkeit ihn fängt.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Das Mädchen ....





special guest



Heute fängt die Liebe Herzen,
heute unterm Tannenbaum.
Zartes Knistern liegt im Raum -
(oder sind 's die Weihnachtskerzen?).

Nach dem Stress der letzten Stunden,
(ach, was sag' ich: Wochen gar),
wirkt es etwas sonderbar,
dieses liebliche Bekunden.

Kann die Stimmung so schnell schwenken?
Eben ohne Rast und Ruh',
plötzlich ein verliebtes "Du"
nach dem Austausch von Geschenken?

Heucheln etwa manche Lippen?
Süßlich tun, doch sauer sein?
Lug und Trug im Weihnachtsschein?
Bloß nicht Freud' noch Stimmung kippen?

Ist die Liebe, die da schmeichelt,
wirklich echt? Aus tiefster Brust?
Oh, ich hätt' so gern gewusst,
wer gedanklich hasst und meuchelt ...

Friede, Freude, Eierkuchen -
klappt das nur zum Weihnachtsfest?
Liebe nur ein "special guest"?
Morgen wieder Frust & Fluchen?

Nur gekaufte Glücksmomente?
Eingepackt in Glanzpapier?
Weihnachtsmann, ich sage dir:
"Nur das Geld setzt die Akzente."

Und das Herz, das liebevolle,
eigentliche Glücksorgan,
steht verloren in der Bahn,
hadert gar mit seiner Rolle.

Ach, das ganze materielle
Fest ist ihm ein Dorn im Aug'.
"Weiß nicht mehr, wozu ich taug'.
Geld regiert an meiner Stelle."

Und so denkt es an die Zeiten,
als die Weihnacht lieblich war.
Geld und Liebe sind ein Paar,
die einander Frust bereiten ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja



Donnerstag, 18. Dezember 2014

Der eilige Abend



Wochenlanges Vorbereiten
für das Fest der Herrlichkeiten.
Endlich sitzt man vor dem Teller.
Kindchen fragt: "Geht es nicht schneller???"
Mutter sagt: "Mein Kind, bedenke:
nur wer lieb ist, kriegt Geschenke!"

Kindchen aber hat es eilig.
Mutter sagt: "Das Fest ist heilig.
Halte ein, mein Kind, und bete."
Kindchen aber holt die Flöte,
spielt - obgleich die andren essen -
Weihnachtslieder (angemessen).

Vater duldet keine Klänge,
wenn er isst, und auch Gesänge
sind bei Tische nicht gestattet.
Vaters' Machtwort überschattet
kurzerhand die Weihnachtsfreude,
und sie steht auf Messers Schneide.

Kindchen ist zwar mäuschenstille,
doch der unbändige Wille,
endlich zum Geschenk zu laufen,
bringt den Vater jetzt zum Schnaufen:
"Wenn der Weihnachtsmann das wüsste,
striche er dich von der Liste!!!"

Ei der Daus. Das hat gesessen!
Kindchen sitzt jetzt brav beim Essen.
Mutter lobt nun sein Betragen.
Kindchen hat den Mund voll' Fragen,
lässt das Fragen aber bleiben
(will 's ja auch nicht übertreiben).

Bald sind alle voll bis oben.
"Lasst uns noch die Mutter loben,
die so fürstlich für uns kochte.
Hand hoch, wer die Speise mochte."
Doch die Mutter - ganz bescheiden -
mag sich nicht mit Ruhm bekleiden.

Kindchen nimmt das Recht zur Störung:
"Ist dann endlich mal Bescherung?
Da wir nun gegessen haben,
will ich jetzt auch meine Gaben!"
Vater - blau von roten Reben -
hat ihm grünes Licht gegeben.

Binnen weniger Sekunden
ist der Zauber dann verschwunden.
Die Geschenke .... aufgerissen.
Längst verdaute Festtagsbissen.
Weihnachtsbaum wirft Nadeln nieder -
so geht 's alle Jahre wieder.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Sweet home




Die weite Welt ist mir zu groß.
Der Menschen sind 's zu viele.
Ja, ich verweigre rigoros
die ganzen Reisespiele.

Der liebste Fleck ist "my sweet home"
statt Urlaub in der Masse,
weshalb ich nicht für Prag noch Rom
den trauten Raum verlasse.

Was sollt' ich auch im fernen Land?
Mich am Buffettisch streiten,
wo Gier und Fressneid meine Hand
bei jedem Griff begleiten?

Ich liebe den gewohnten Gang,
ich brauche meine Ruhe,
statt dass ich tage-, wochenlang
nichts sinnerfülltes tue.

Schon An- und Abfahrt sind ein Graus.
Da lob' ich die vier Wände.
Oh, wie so schön ist es zuhaus!
Erholung ohne Ende ....



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 16. Dezember 2014

Diebstahl ist Sekundensache



Männlicher Charme trifft auf weiblichen Reiz.
Schon sind die Herzen gebrochen.
Schon wird sich Liebe versprochen.
Aber die Vorsicht hat andererseits
auch die Enttäuschung gerochen.

Zwischen dem Kuss hin zum nächtlichen Spaß
lagen nur wenige Stunden.
Ist man nun ewig verbunden,
nur weil das Hirn mal das Denken vergaß?
Oh, ich erahne die Wunden ...

Tanz unter Sternen und Traum unterm Mond.
Mitten ins Schwarze getroffen.
Aber das Ende ist offen ...
Haben sich Blindheit und Taumel gelohnt?
War man zu liebesbesoffen?

Bald greift der Alltag das zarte Gefühl.
Zweifeln, Besorgnis und Fragen.
Kälte nach hitzigen Tagen.
War nicht gemeinsames Altern das Ziel?
Amor kann 's gar nicht ertragen ...

Sind seine Pfeile denn allesamt stumpf,
dass sie die Wirkung verfehlen?
Ach, diese bösen Querelen ...
Erst ist die Liebe der größte Triumph,
aber die Hassflammen schwelen ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 13. Dezember 2014

Brüderlich gegen die Angst



Es steckt die Angst mir in den Knochen.
Sie will die Seele breiig kochen.
Sie greift sogar nach meinem Leben,
doch wer will schon sein Leben geben?

Sie klammert sich an meine Stunden,
und hat es wohl für gut befunden,
mit ihrem Rundum-Bangemachen
mich tags und nächtens zu bewachen.

Sie nimmt mich ständig mit auf Reisen
mit haltlosem Gedankenkreisen
und wirren Phantasiegeschichten,
die allerlei zusammendichten.

Ein Meister gar im finstren Sehen!
Der Atem bleibt mir stockend stehen,
sobald die Angst den Bär' aufbindet
und somit meine Seele schindet.

Dann hat sie ihre helle Freude.
Sie liebt es, wenn ich ängstlich leide.
Wenn sich die Augen bange weiten,
und Glocken zum Alarme läuten.

Sie bringt das Herz zum Galoppieren,
und lässt mich nur zu gerne spüren,
dass mir die eigne Kraft entgleitet
(was ihr Genugtuung bereitet).

"Oh, Ihr Gedanken! Zeigt mir Treue!
Stellt Euch geordnet in die Reihe
und schickt in brüderlicher Weise
die Angst auf ihre letzte Reise.

Seid einig, mutig und beflissen.
Erkämpft das angstfreie Gewissen,
dann kehrt die Seelenruhe wieder.
Drum auf, ringt mir die Ängste nieder!!!"



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Lyrisch gegen Rassismus



Man sieht nur mit dem Herzen gut!?!
Ein altes Wort mit wahrem Kern,
und doch von allem Guten fern,
denn weiterhin sorgt fremdes Blut
für tödlichen Disput.

Es ist das Farbspiel auf der Haut,
das unentwegt Verfolgung bringt.
Bedenklich, dass es nicht gelingt,
dass - ganz egal, wie einer schaut -
man feste Brücken baut.

Es fehlt ein Martin Luther King,
der aufsteht, kämpft und Hoffnung macht.
Wir brauchen keine Straßenschlacht.
Wir brauchen einen Freundschaftsring,
und keinen Widerling.

Rassisten sind hier fehl am Platz.
Es gibt nicht dieses schwarz und weiß.
Es gibt nur einen bunten Kreis
und einen innren großen Schatz.
Der Rest ist für die Katz ...

I have a dream! Dass alle Welt
sich friedlich in den Armen liegt.
Und dass die Nächstenliebe siegt.
Und dass man fest zusammenhält,
und aller Hass zerfällt.

Das Gute mit dem Herzen seh'n.
Ein Blick, der sich erlernen lässt.
Ich glaube daran, steif und fest.
Denn aufeinander zuzugeh'n
macht alles Leben schön.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 8. Dezember 2014

Und darüber das Gras ...



Unterm Gras, da liegen Sachen,
die noch von sich reden machen.
Zugewachsen zwar, doch sprechend,
und den Eid des Schweigens brechend.

Sind sie erstmal neu geboren,
sorgen sie für große Ohren,
werden ferner übertrieben,
weil die Zungen sowas lieben.

Scheinbar muss der Mensch was haben,
das, wenn es denn ausgegraben,
an der großen Glocke baumelt
und durch Märchenländer taumelt.

Hätte man 's doch ruhen lassen
bis zum endlichen Verblassen.
Aber nein! Es wird gebuddelt,
ausgehoben und verschmuddelt.

Alter Dreck in frischen Laken.
Hängt die Made erst am Haken,
machen lauter Lästermäuler
aus dem Ein- 'nen Tausendzeiler ...

Und die Made wird zerrissen,
wieder in den Dreck geschmissen,
auch durch den Kakao gezogen
und aus Fingern rausgesogen ...

Überall die bösen Achsen!
War 's auch längst mit Gras bewachsen,
das vergessene Verfluchte -
einer fand es, weil er suchte.



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 7. Dezember 2014

Im Auge des Betrachters



Jener, der sich nicht mehr kümmert,
der verkümmert innendrin.
Ja, des Geistzustand verschlimmert
sich bis hin zum wirren Sinn.

Wer der Arbeit sich verweigert,
der wird mit sich selbst verrückt.
Und die Langeweile steigert
sich, bis sie das Messer zückt.

Welch ein Stechen, welch ein Hauen
um die Zeit, die nicht vergeht.
Ticken, schauen, ticken, schauen -
und es wird und wird nicht spät.

Und die Haut wird faul und träge,
denn sie liegt ja nur herum.
Wenn sie nimmer träge läge,
käme sie vor Arbeit um ...

So und so - wie man 's betrachtet,
alles hat ein Zwiegesicht:
Zeit hat, wer das Tun verachtet.
Wer was tut, kennt 's Ruhen nicht.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Das Kehlchen



Auf dem Zaun, da sitzt ein Kehlchen.
Roter Latz und wacher Blick.
Scheint mir so ein treues Seelchen.
Wirkt so überreich an Glück.

Ich verhalte mich recht leise,
dass der Schreck es nicht verscheucht.
Meine rücksichtsvolle Weise
wundert den, der hetzend keucht:

"Wegen eines Vogels schleichen?",
fragt der Keuchende konfus.
"Geradezu zum Herzerweichen,
doch es reicht mir nicht zum Blues ..."

Ich hingegen bin beeindruckt
von dem Kehlchen auf dem Zaun.
Ob es wohl in mich hinein guckt,
und 's bemerkt .... mein "up and down"??

Wie es da so sitzt, so schweigend,
zart und zierlich, ganz bei sich,
wirkt es gar so überzeugend:
es ist groß und klein bin ich.

Unser menschliches Getue,
unser Eilen, unsre Wut,
bringen 's nicht aus seiner Ruhe.
Und ich ziehe meinen Hut.

Es vermag mir zu vermitteln,
dass das Leben wertvoll ist.
Ja, es scheint mich wachzurütteln:
"Weißt du selbst noch, wer du bist??"

Und dann flattert es ins Weite.
Doch im Herzen bleibt es nah.
Und es schlug mir eine Seite,
die ich nimmer an mir sah.



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 6. Dezember 2014

Voll kalt



Die Stadt erstickt! Der Weihnachtsrummel ...
Die Kundschaft kommt von sonst wo her.
Ein quetschend enger Einkaufsbummel,
dazu der PKW-Verkehr.

Sie bringen Geld - das ist das Gute.
Jedoch das Massenphänomen
treibt mir den Wutschaum vor die Schnute,
und ist das Gegenteil von "schön".

In andren Ländern Not und Elend,
und hier die ganze Völlerei.
Gedanklich ist das ziemlich quälend.
Doch fremdes Leid ist einerlei.

In ungezählten Plastiktüten
steckt ungezählter Überfluss.
Ich möchte den Konsum verbieten,
doch einer sagt: "Was muss, das muss ..."

Man könne auch nur Liebe schenken,
ist meine Antwort auf sein Wort.
Doch weil wir nicht an Liebe denken,
drum kaufen wir in einem fort.

Wir kaufen nutzlos kalte Sachen
zum Fest der Liebe (welch ein Hohn),
um kurzweilige Freud' zu machen.
Und wer denkt noch an Gottes Sohn?????



(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Donnerstag, 4. Dezember 2014

Bleibt neugierig

Viel mehr Neugier ist vonnöten,
wenn ein Fremder uns begegnet.
Dass es Vorurteile regnet,
sollte uns vor Scham erröten!

Ohne Menschlein X zu kennen,
reißen wir ihn schon in Stücke.
Unsre List und unsre Tücke
sind als teuflisch zu benennen.

Ernsthaft sich zu interessieren
(statt in Schubladen zu stecken),
gar den Fremden zu entdecken -
wir verschließen diese Türen.

Glauben wir denn, Macht zu haben
mit dem Vorurteil in Händen?
Welche Demut wir empfänden,
würden wir das Herz ausgraben.

Dieses Herz im fremden Leibe
hat gewiss was zu berichten.
Seine schweigenden Geschichten
suchen eine warme Bleibe.

Hört ihm zu, statt bös' zu züngeln.
Seid dem Fremden treu ergeben.
NEUGIER auf das andre Leben,
statt es hassvoll zu umzingeln.

Seid Ihr selbst der fremde Eine,
den sie in der Luft zerpflücken,
ohne in das Herz zu blicken,
dann versteht Ihr, was ich meine ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Mehr war da nicht

Das Leben wird uns aufgedrückt,
wir werden nicht gefragt.
Der eine wird darin verrückt,
ein andrer nutzt es recht geschickt,
der nächste ächzt und klagt.

Es braucht in jedem Falle Mut,
Humor vielleicht, und Glück.
Und irgendwann nimmt man den Hut,
und sagt den Lieben "Macht es gut",
und kommt auch nicht zurück.

Vom Anbeginn bis hin zum Schluss
ein Wettlauf mit der Uhr.
Ein Wechsel zwischen Will und Muss.
Man lernt das Minus und das Plus,
den Kuss und die Blessur.

Man füllt den Tag mit gut und schlecht,
und träumt davon bei Nacht.
Mal ist man fair, mal ungerecht,
man redet falsch und redet echt,
man weint und schweigt und lacht.

Man scheffelt Geld, sofern man kann.
Und häuft sich viel Besitz.
Und man besinnt sich irgendwann
vielleicht aufs Ende, tja und dann -
dann trifft 's dich wie der Blitz.

Und plötzlich hat sich 's ausgelebt,
das aufgedrückte Sein.
Da ist man gerade aufgestrebt,
hat gerade noch vor Freud' gebebt,
schon liegt man unterm Stein.

Da liegt man dann und atmet nicht.
Und sieht nichts von der Welt.
Man war doch nur ein kleiner Wicht,
mit einer eingeschränkten Sicht,
versklavt vom schnöden Geld.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 1. Dezember 2014

Straßenkampf



Vor mir steht ein Mensch und wettert.
Und mich trifft ein heißer Dampf.
Hab' den Angriff abgeschmettert.
Keine Lust auf Straßenkampf ...

Lauthals aber brüllt die Kehle
dieses Fremden zu mir her.
Und ich bitte meine Seele,
dass sie still bleibt (ziemlich schwer).

Worte aus der Gossenszene
(unterste Kategorie),
die ich besser nicht erwähne,
wecken Antisympathie.

Hab' 's versucht mit sanftem Reden,
doch der andre schreit so laut.
Ordnet mich gleich zu den Blöden
(davon bin ich nicht erbaut).

Werd' in einem fort beleidigt
wegen einer Nichtigkeit.
Hab' mich anfangs noch verteidigt,
doch nun kostet 's Nerv und Zeit.

Also dreh ich ihm den Rücken,
diesem, der mich wohl nicht mag.
Hier zerfallen alle Brücken,
ganz egal, was ich auch sag.

Gibt den Weg nicht hin zum Frieden.
Denn der andere blockiert.
Weil mich Kämpfe so ermüden,
und mein Herz an Kraft verliert,

zieh' ich also klugerweise
mich zurück von Blut und Schwert.
Was ich hiermit allen preise:
Streit hat weder Sinn noch Wert ...



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 29. November 2014

Jedem seine Strafe!

Da brodeln die Tiere. Auf Öfen. In Töpfen.
Mit Liebe bereitet. Mit Beifall serviert.
Das Leben jedoch war den toten Geschöpfen
mit Qual und mit Hass und mit Ängsten garniert.

Nun brutzeln die Leichen. Dem Mensch läuft das Wasser.
Ein kurzer Genuss nach verheimlichter Mast.
Und wer 's nicht verdrängt, der wird blasser und blasser ...
Der weiß: dieses Tier wurd' im Leben gehasst.

Der weiß von den Schlägen, der Folter, den Tritten.
Der lässt seine Finger vom zarten Filet.
Den muss man nicht wieder und immerzu bitten,
vom Fleische zu lassen. Der weiß um das Weh.

Die Feigen jedoch, die vorm Wursttresen stehen,
die fragen nicht weiter. Die geben sich blind.
Das Leben vorm Tod woll'n die Kunden nicht sehen.
Die Schreie der Tiere verhallen im Wind.

Sie schreien um Hilfe. Sie schreien und schreien.
Wer möchte so leben, so sterben wie sie???
Die Schande am Tier ist mit nichts zu verzeihen.
Und wer 's ignoriert, ach, der ändert sich nie.

Doch Strafe ist sicher! Der Mensch wird es büßen.
Dem Fleischesser klebt ja das Blut an der Hand.
Ich werde ihm keinerlei Tränen vergießen,
wenn Krankheit und Sterben ihn jäh übermannt ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 28. November 2014

Nichts für Schwächlinge



Es sucht der Mann nach seiner Rolle.
Die Frau wird weiter dominant.
Erst gestern lagen Garn und Wolle
in ihrer hausfraulichen Hand.

Doch mehr und mehr gewinnt sie Mächte.
Und klettert langsam in die Höh'.
Gleich, wer sie auch zum Fallen brächte -
es täte ihr ja nimmer weh.

Sie hat gelernt, wie man sich rappelt.
Sie bleibt nicht liegen, wenn sie stürzt.
Wer glaubt, dass sie da hilfslos zappelt,
dem hat sie 's Süppchen schnell verwürzt.

Sie hat die Fäden in den Fingern
und lenkt und leitet, führt und tut.
Der Mann hingegen kommt ins Schlingern,
es nimmt die Frau ihm Sinn und Mut.

Der starke Held aus alten Tagen,
wird von der Schwachen weich gekocht.
Es drängt mich so, den Mann zu fragen:
"Was hast du einst am Weib gemocht?

An diesem Weibsbild ferner Zeiten?"
Und er würd' sagen: "Nun, naja,
in all diesen Vergangenheiten
war 's Weib ja für den Haushalt da!

Sie war als Mutter bei den Kleinen.
Sie kochte Essen. Hörte zu.
Sie war ja einst - so will ich meinen -
der Mittelpunkt, der Pol der Ruh'.

Sie war der Chef - und zwar zuhause.
Sie hatte Heim und Hof im Griff.
Doch heute aber (oh ich brause ....),
geht 's ihr um den Karriereschliff.

Die Kinder kommen früh um sieben,
kaum dass sie auf der Erde sind,
in fremde Hände, fern der Lieben.
Und ich bedauere solches Kind."

Sprach 's aus, der Mann, und suchte weiter
nach seiner Rolle im System.
Die Frau indes erklimmt die Leiter,
und macht sich 's Leben angenehm.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 24. November 2014

Eure Schuld

Du armes Schwein, so musst du sterben.
Die Welt war ja die deine nicht.
Sie lag von Anbeginn in Scherben.
Es zählte nur dein Schlachtgewicht.

Und deine Zartheit und dein Wesen,
hat man ja schweigend ignoriert.
Nun ist der Tod wohl ein Erlösen
von aller Qual, die du gespürt.

Mit schnellem Atem, schwer und schnaufend,
beginnt die letzte große Fahrt.
Aus deinen Augen fallen laufend
so stumme Tränen, fallen hart.

Den Duft der Freiheit nie genossen,
vom Strahl der Sonne kurz gewärmt,
schon ist das Blut herausgeflossen,
die Kehle durch, der Leib entdärmt.

Die Gier des Menschen auf den Schinken,
auf deine Keule, deinen Speck,
ließ dich nun sterbend niedersinken
nach einer kurzen Mast im Dreck.

Adieu, du Schwein! Geschöpf der Erde.
Musst nicht mehr leiden, nicht mehr sein.
Auf dass es einstmals besser werde!
Es trägt der Mensch die Schuld allein.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 22. November 2014

Abgezähltes

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
wo nur ist die Zeit geblieben?
Eben noch herumgehüpft,
schon ins Greisenkleid geschlüpft.

Kann 's denn sein, dass Stunden fliegen?
Das Geschenkte muss genügen.
Leg die Hand nicht in den Schoß!
Mach das kleine Leben groß!

Frage nicht nach übermorgen.
Wisch sie fort, die vielen Sorgen.
Lach' und wein' im Wechselspiel,
und besinne dich aufs Ziel.

Dieses Ziel, das alle finden.
Ob sie ihre Leiber schinden,
oder lieber müßig sind -
ob sie alt sind oder Kind.

Jedem wird ein Schluss geschrieben.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
raus bin ich und raus bist du.
Und die Seelen haben Ruh'.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 20. November 2014

Vergebliche Mühen

Kuschelzeit, Novemberkühle.
Und das Herz ersehnt Gefühle
wie im Lenz. Doch alles zittert,
und da ist das Herz erschüttert,
droht mit Liebesschmerz und so.
"Herz, du bist befremdlich roh ...".

Mir ist nicht nach Glut zumute!
Jede herbstliche Minute
lässt mich schon den Winter ahnen.
Will der Frost den Weg sich bahnen?
Er kommt heimlich - über Nacht!
Hab ich 's mir doch fast gedacht ...

Morgens plötzlich diese Kälte!
Doch was nützt die ganze Schelte?
Jahreszeiten sind halt eigen.
Jede will uns Menschen zeigen,
welche Macht sie doch besitzt.
Und der Mensch? Der friert und schwitzt ...

Doch zurück zum rohen Herzen:
schickt es mir nicht Weihnachtskerzen,
meine Stimmung zu erhöhen,
trotz der Stürme, die da wehen?
Ferner schürt es mir recht kühn
noch ein Feuer im Kamin.

"Kannst du JETZT den Frühling spüren?",
will es mich erneut verführen.
Doch ich bibber. Innen. Außen.
"Tut mir leid, der Lenz bleibt draußen.
Jetzt ist Winter und ich frier!"
Da verschließt das Herz die Tür ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 19. November 2014

bla bla bla



Die ganze Welt ist voll von Schwafeleien.
Es schwirren wirre Worte ohne Sinn oder Verstand.
Kein Boden mehr, auf dem sie bunt gedeihen.
Sie fallen immer öfter auf ein karges, kaltes Land.

Da könnten manche Münder besser schweigen,
statt dass sie all die Nichtigkeiten um die Ohren hau'n.
Man kann sich gar sekündlich überzeugen:
den allermeisten Sätzen kann man sowieso nicht trau'n.

Gelogen wird und maßlos übertrieben.
Wie oft wird aus der Mücke gleich ein Elefant gemacht ...
Und hinterher? Was ist davon geblieben?
Na, allenfalls die Schadenfreude, die darüber lacht.

Die Worte prasseln nieder, doch die meisten,
die gehen rechts ins Ohr hinein und links gleich wieder raus.
Nur wenige, die in die Seele reisten.
Ich schmeiße jeden Tag soviel Belangloses hinaus ...

Am Abend bin ich müde vom Gehörten.
Was wollte man mir sagen? Bin ich schwerlich von Begriff?
Ich will die Worte weiter nicht bewerten,
doch oft hat es gemangelt an dem fachmännischen Schliff.

Nur ab und zu, da will der Coup gelingen,
dann ist da dieser eine Mund, der Gutes zu dir spricht.
Das rechte Wort bringt dir das Herz zum Klingen.
Nur dieses eine Schöne hat das richtige Gewicht.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 16. November 2014

good old days



Ja, hin sind sie, für immer hin,
die Tage, da wir jung und frei.
Im Album stehen sie noch drin,
und finden endlich ihren Sinn.
Und lesen sich so neu ...

Sie nahmen alle Schönheit mit,
zum Glück auch alle Hässlichkeit.
Ich hielt so lang' mit ihnen Schritt ...
Bald gibt die Zeit mir einen Tritt
in Richtung Ewigkeit.

Sie ließen mir Geschichten hier,
so dass ich mich erinnern kann.
Die klopfen manchmal an die Tür;
es treibt sie ungefragt zu mir
(zumindest dann und wann).

Sie fragen mich, ob ich noch wüsst',
wie 's damals war. Warum denn nicht??
So einiges wird schon vermisst,
doch wenn man alt und weise ist,
dann hält man nicht Gericht.

Man weckt nicht böse Geister auf,
und weint den guten auch nicht nach.
Denn man besinnt sich still darauf:
es ist exakt des Lebens Lauf.
Das Gestrige liegt brach ....

Das Schöne bleibt auch weiterhin
im Leben an der treuen Seit'.
Und sind die Tage nun auch hin,
sie machten, die ich heute bin.
Sie schrieben meine Zeit.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja



Samstag, 15. November 2014

In friedlicher Mission


Es ist der Mensch nicht wesensfest.
Beim kleinlichsten Belastungstest
verliert er die Geduld.
Dann richtet er der Wut ein Nest,
und alle Welt ist Schuld.

Zerfleischend und auch bös' gemeint,
so fliegt das Wort und trifft den Feind,
der sich im Wehren übt.
"War ich dir eben nicht noch Freund?"
Der Himmel schaut betrübt ....

Die Schlucht wird breit, die Maske fällt.
Der eine kratzt, der andre bellt -
ein Kampfhund im Gemüt.
Die gestern noch so heile Welt
singt laut ein Angriffslied.

Manege frei. Das Raubtier brüllt.
(Ich kenne dich nicht mehr ...).
So eilig tauschen Brav und Wild
die Rollen, und vorm Bühnenbild
geht es bedrohlich her ...

Ein Tropfen nur, schon quillt der Krug.
"Mein Freund, du machst mir Angst.
Welch Hass in deinem Atemzug!
So hör' doch auf, es ist genug!
Nicht, dass du noch erkrankst ..."

Der Blutdruck nämlich prustet sehr.
Sein Limit ist erreicht.
Er will nicht und er kann nicht mehr.
Es muss jetzt eine Lösung her,
noch eh das Glück sich schleicht.

Der Klügere gibt nach und schon,
gibt sich das Raubtier zahm.
Jetzt schweigt sie still, die Kriegsregion,
weil ihr die friedliche Mission
die Luft zum Hassen nahm ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. November 2014

Es war so einfach

Obgleich mir das Neiden befremdlich erscheint,
ergreift es mich dennoch in grübelnden Stunden.
Dann hab' ich sie nämlich beneidend gefunden,
die Zeiten, die keiner vermisst und beweint.

Doch ich - der ich ständig ein Denkender bin -
ich denke mit Sehnsucht und allerlei Fragen
ans einfache Leben. Fast möchte ich sagen,
es zieht mich zu allem Vergangenen hin ...

Ich male mir aus, wie beglückend es war,
ganz einfach für sich durch die Landschaft zu gehen.
Und einfach inmitten der Stille zu stehen,
darüber der Himmel - beruhigend und klar.

Kein Mensch, dessen Nähe den Ruhepol stört.
Kein Auto, kein Handy, kein Rad und kein Flieger.
Kein Heuchler, kein Blender und auch kein Betrüger.
Ganz einfach allein. Unermesslich der Wert ...

Kein Bagger, der Bäume für Neubauten fällt.
Kein Räuber, der wagt, den Moment zu entwenden.
Nur Stille und Weite in einfachen Händen ...
Beneidenswert, oder? Die frühere Welt ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 12. November 2014

Möglichst frisch



"Guten Tag, was darf 's denn sein?"
"Einmal frische Liebe, bitte!
Wickeln Sie sie sorgsam ein,
denn ich trag' sie ein paar Schritte.

Nicht dass sie mir noch zerbricht,
wenn sie aus den Händen gleitet.
Oh, ein himmlisches Gericht
wird aus jener zubereitet.

Leicht gewürzt mit Sexappeal,
und dazu noch wilde Küsse
nebst Vertrauen (davon viel) -
fertig sind die Hochgenüsse.

Eines noch: die Haltbarkeit!
Sie darf nicht zu schnell verderben!
Nicht dass sie nach kurzer Zeit
auserkoren ist, zu sterben.

Sie muss halten. Tag und Nacht.
Und robust sein. Stark und willig.
Wehe, wenn sie Ärger macht.
Schließlich ist ja nicht billig ...

Gute Pflege ist gewiss.
Jedenfalls von meiner Seite.
Bringt sie aber einen Riss,
werfe ich sie in die Weite.

Haben Sie im Angebot
eine solche frische Liebe?
Oder sehen Sie gar rot,
weil ich solchen Anspruch übe?"

"Allerlei Besonderheit.
Nun, da muss ich vorbestellen.
Solche Liebe, tut mir leid,
ist nicht aus dem Ei zu pellen ..."



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 11. November 2014

Shame on you

Immer noch gibt 's Hungermäuler!
Irgendwas läuft grundverkehrt.
Draußen prangt am Lampenpfeiler:
"Überfluss verkennt den Wert."

Unsre Wegwerfspezialisten
schätzen nicht den Wert der Kost.
Ungezählte Nahrungskisten
fallen täglich durch das Rost.

Von dem Müll alleine würden
alle Erdbewohner satt.
Doch aufgrund von Mitleidshürden
läuft das Hungerspiel nicht glatt.

Wir empfinden nichts für jene,
deren Magen nichts verdaut.
Diese bitterböse Szene
wird nur selten angeschaut.

Ja, wir wollen nicht mal denken
an den Hunger dieser Welt,
während wir uns Wein einschenken,
der sich rot zum Wild gesellt.

Wird das Mahl nicht ganz gegessen,
ach, was soll es. Weg damit.
Hinterher noch Nachtisch essen
(Süßes hält die Seele fit ...).

Ob derweil ein andrer schmachtet,
ist uns völlig unbewusst.
Wird auch weiter nicht beachtet,
wenn du Hunger leiden musst ....

Tja, so sind die satten Leute.
Nur das eigne Wohl im Sinn.
Nur die eigne fette Beute.
Wie beschämt ich dessen bin ...


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 10. November 2014

It 's me

Da sitzt ein Kind und weinet sehr.
Sein kleines Herz trägt schon so schwer
an irgendeiner bösen Last.
Die Menschen aber ringsumher,
die kümmert 's nicht, denn kreuz und quer
kriegt jeder sein Paket verpasst.

Und jeder ist sich selbst genug.
Wer teilt schon gern den Atemzug,
um Retter in der Not zu sein?
Doch handelte stets dieser klug,
der auch des andren Schmerzen trug,
und freundlich sprach: "Dein Leid sei mein."

Nur selten noch, dass einer sagt:
"Egal, was dich bedrückt und plagt,
ich gebe dir den rechten Halt."
Heut' ist es so: Wenn einer klagt,
wird kaum mehr nach dem Grund gefragt.
Des einen Los lässt andre kalt.

Vom Mitgefühl fehlt jede Spur.
Es gibt sich arrogant und stur,
und hält sich von Problemen fern.
Es passt nicht zur modernen Uhr.
Die ganze Mitleidsprozedur
erscheint ihm wie vom fremden Stern.

Das kleine Kind, wie 's da so saß,
derweil der Kummer es zerfraß,
hat meine Seele tief berührt.
Ich blickte in ein Herz aus Glas.
Ein Herz, das jemand schlicht vergaß.
Das Wärme braucht und dennoch friert.

Das kleine Kind - die Haut so dünn.
Es schaut zu mir. Ich setz mich hin
und sage leis': "Ich kenne dich."
Wie sehr verletzlich ich noch bin,
zeigt dieses Kind mir innendrin.
Das kleine Kind, das bin ja ich ....


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 9. November 2014

Ein zarter Keim

Die Welt ist blind. Sie fühlt auch nicht.
Sie hört nicht, was die Liebe spricht.
Sie tunkt die Zeit in böses Blut
und jubelt laut dem Tunichtgut.

Ein ewiger Dornröschenschlaf ...
Nur selten noch ein weißes Schaf,
das friedlich und genüsslich grast,
und nicht mit seiner Stunde aast ...

Stattdessen fliegt die Hexenbraut,
die finstrer noch als finster schaut,
von hier nach da und sät Gewalt,
dass überall die Büchse knallt.

Kanonendonner, Streit und Zank ...
Und arme Seelen wandern krank
von Herz zu Herz und fragen an,
ob irgendwer sie lieben kann.

Doch keiner mehr, der weiß, wie 's geht.
Der wärmend zur Verfügung steht.
Das Eis zu dick. Zu kalt die Hand.
Ein scharfer Wind weht im Verstand.

Die Welt braucht einen, der ihr zeigt,
wie man sich zueinander neigt.
Wie man umarmt mit Leib und Wort.
Die Welt braucht einen Zufluchtsort.

Vielleicht ist 's ja des Dichters' Reim,
der einen kleinen zarten Keim
in hungrige Gemüter pflanzt,
dass bald des Lebens Freude tanzt ....


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 8. November 2014

Teufel & Liebe

Übte ein jeder, den Nächsten zu lieben,
trüge der Himmel ein sattes Rosé.
Aber stattdessen steht fragend geschrieben:
"Wem tu ich wie wohl am fiesesten weh?"

Randvoll bedeckt ist das Füllhorn der Rohheit.
Worte sind drinnen, verletzend und grob.
Wahrlich, der Teufel erkämpft sich die Hoheit,
wagt sich zu ehren mit eigenem Lob.

Kannst ihn erkennen in all diesen Blicken,
die dir so böse ins Angesicht schau'n.
Ständig hockt Satan in ihren Genicken,
um dir den Frieden in Stücke zu hau'n.

Überfallartig wird niedergetrampelt,
was noch so blühend im Arglosen stand.
Hat auch das Glück noch verzweifelt gestrampelt,
fiel es am Ende dem Hass in die Hand.

Wurde misshandelt und wurde zertreten.
Lag da am Boden und tat mir so leid.
Aber der Teufel hat höhnisch gebeten,
IHN nur zu achten zu jedweder Zeit.

"Schluss jetzt, es reicht.", hat die Liebe gerufen.
"Schere dich, Teufel! Zur Hölle mit dir!
Dir geb ich Zunder! Drum schwinge die Hufen!
ICH nur alleine bin Herrscherin hier!!"

Wie sie doch kämpfte ums nackte Bewahren ...
Wie sie sich wehrte mit allem, was gut ....
Teufel und Liebe (vor ungleichen Paaren
ziehe ich meistens bewundernd den Hut).

Wer auf der Erde wird siegen und bleiben?
Dass es nur ja nicht das Teuflische sei ...
Möge die Zeit uns zum Lieblichen treiben,
dann ist 's fürwahr mit dem Hassen vorbei.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 6. November 2014

Irgendwo im Treppenhaus

Die Lüge liebt die Wanderschaft
und spielt gern Stille Post.
Sie bäumt sich auf, gewinnt an Kraft,
bringt allenthalben strengen Frost,
rückt Namen und Gesichter
zu gern in schlechte Lichter.

Mit hundert Gramm als Startgewicht,
wird schnell daraus zehn Pfund.
Ihr Lieblingsessen? Das Gerücht.
Schon ist sie kugelrund,
und schafft 's mit kalter Miene
vom Schneeball zur Lawine.

Zerstörend und verletzend sein,
das ist der Lüge Ziel.
Sie ist von Herzen gern gemein,
und liebt das böse Spiel,
die Wahrheit zu vernichten
mit haltlosen Geschichten.

Die Ehrlichkeit ist ihr ein Graus,
und ihr erklärter Feind.
Schon hat sie sich im Treppenhaus
mit der und dem vereint,
die bald im Tuscheln liegen,
dass sich die Balken biegen.

Da ist die Lüge gut dabei!
Der Tratsch ist ihre Welt.
Das Opfer ist ihr einerlei.
Sie lügt, wie 's ihr gefällt.
Und dennoch fragt sie bange:
"Wie lang geht 's gut? Wie lange?"

Denn, wehe, wenn sie aufgedeckt!
Dann steigt ihr Dreck empor ...
Dann hat die Wahrheit Blut geleckt,
und zerrt den Trug hervor.
Und jeder, der gelogen,
hat sich auch selbst betrogen.



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. November 2014

Was von uns bleibt



Die Archäologen in hundert von Jahren,
behaupten zu Recht, dass wir rücksichtslos waren.
Sie fördern nur Berge von Plastik ans Licht,
egal wo ihr Spaten auch gräbt oder sticht.

"Die Menschen von früher", so werden sie sagen,
"die haben die Welt nicht auf Händen getragen.
Die Kunststoffverschmutzung vergangener Zeit,
ist Zeugnis dafür: man ging deutlich zu weit.

Ihr Alltag war gänzlich von Plastik umgeben.
Die Funde belegen: ihr kärgliches Leben
war plastikverhüllt bis zum letzten Moment,
wie 's heute kein einziger Erdling mehr kennt.

Wir suchten nach Schätzen und finden stattdessen
nur Plastik. Die Mengen kann keiner ermessen.
Die Menschen von früher, die hatten kein Hirn ....
Und scheinbar stand groß EGOIST auf der Stirn.

Sie haben die Umwelt mit Füßen getreten,
und waren respektlos zum schönen Planeten.
Und starben schlussendlich auch plastikverseucht.
Verzeiht, dass uns keinerlei Mitleid beschleicht.

Es fehlte den Menschen das gute Gewissen,
sonst hätten sie nimmer das Plastik geschmissen
in Büsche, in Wälder, ins Meer und zur Seit'.
Es war eine wahrlich verdorbene Zeit ..."



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 4. November 2014

Wenn die bösen Geister kommen

Jene, die das Böse meistern,
sind von allen guten Geistern
längst verlassen, sind von Sinnen,
sind wie mörderische Spinnen,

die bei Nacht die Netze weben,
Trautes aus den Angeln heben,
Gift in Ahnungslose flößen,
und die pure Angst entblößen.

Fährt der Schreck uns in die Glieder,
martern sie uns noch und wieder,
bis wir machen, wie geheißen,
und uns auf die Knie schmeißen.

Bis wir gar um Gnade flehen,
doch die bösen Geister sehen,
dass wir uns mit großem Jammern
an Besitz und Reichtum klammern.

Und sie brechen in Gelächter,
schicken ihre finstren Schlächter,
dass sie unser Habgut greifen
und ihn auf zum Türme häufen.

Und dann sitzen wir daneben ....
Dieses mickrig kleine Leben
neben diesem Turm aus Gütern,
und den Unterweltgebietern.

Und sie sagen: "Heulsusen!
Tragt die Ängste unterm Busen,
brecht in lautes Hilfeschreien,
weil wir Euch vom Schrott befreien?

Und den habt Ihr noch versichert.
Aber, wer als letzter kichert,
reißt hinfort das güldne Ruder.
Tja, der Tod. Ein treuer Bruder."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 3. November 2014

Brenne aus mein Licht

Laterne, Laterne - so seh' ich dich scheinen
am herbstlichen Abend in kindlicher Hand.
Sie singen dir Lieder und fast möcht' man meinen,
vergangene Tage sind wieder im Land.

Ich fühl' mich erinnert an gestern, an eben.
Da trug ich dich stolz über Stock, über Stein.
Nun wanderst du treu durch mein fliehendes Leben,
um jeden November die Sehnsucht zu sein.

Ich war so gebannt von der flackernden Flamme.
Und immer die Angst, dass das Feuer dich frisst.
Vielleicht mal ein Knick, eine flüchtige Schramme,
doch nichts, was da schmerzhaft verinnerlicht ist.

Dazu der Spaziergang durchs finstere Städtchen,
die trauten Gesänge - ich kenn' sie noch heut' ...
Und jeden November, da dreht sich das Rädchen
zurück in die längst schon verflogene Zeit.

Wie schön ist 's gewesen, dich halten zu können.
Laterne, Laterne - doch nun bist du aus.
Sind einzig nur Jahre, nur Jahre, die trennen.
Im Herzen jedoch bist du immer zuhaus'.




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 2. November 2014

Die Schranke bleibt geschlossen

Mein Geheimnis willst du finden,
doch ich hab es gut versteckt.
Willst mein Seelisches ergründen
(hat noch keiner je entdeckt).

In die Tiefe willst du dringen,
doch da lass ich keinen hin.
Gold und Zaster lässt du springen,
doch ich zeig nicht, wer ich bin.

Lägst das Päckchen gerne offen,
das das Leben mir geschnürt,
doch vergeblich ist dein Hoffen,
es bleibt anonymisiert.

Weder du noch irgendeiner
kriegt den Schlüssel in die Hand,
der zum Herzen führt. Nicht einer
tritt mir je ins finstre Land.

Zu verletzlich ist die Stelle,
zu verwundet, zu zerstört.
Eine Schranke vor der Schwelle
hat sich tausendmal bewährt.

Schützt vor ungewollten Blicken.
Schützt vorm Wühlen im Archiv.
Schützt mich gleichfalls vorm Ersticken,
und vor jedem Detektiv.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Ziellos glücklich

Ziele waren mir zuwider.
Steckte sie und riss sie nieder.
Hab sie selten nur erreicht.
Planlos leben ist so leicht ...

Wollt' mich lieber treiben lassen,
statt ein Ziel ins Aug' zu fassen.
Einfach sein! Aufs Geratewohl,
ohne Start- und Zielsymbol.

Keinen Weg mir auszudenken.
Ließ mich fallen, ließ mich lenken
von der hohen Himmelsmacht.
Und es hat mir Glück gebracht ...

Keine eng gesetzten Schritte,
dafür  Fehl- und Übertritte,
doch sie haben mich gelehrt,
wo der Blickpunkt hingehört.

Keine Stunde einzubüßen,
einfach mit dem Fluss zu fließen,
nichts zu wissen vom Wohin,
war ein kostbarer Gewinn.

Mut war nötig. Hin und wieder.
Doch die Neugier nahm die Glieder
mit zur Reise ohne Ziel.
Einfach so. Ganz nach Gefühl ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 31. Oktober 2014

vergossen, vergessen

So viel Blut hast du getrunken,
Erde, du, mein Mütterlein.
Sind die Tropfen auch versunken -
keiner darf vergessen sein.

Hast sie schweigend aufgesogen.
Doch vergessen hast du nicht.
Denn du bist vom Blut durchzogen,
Schicht um Schicht um Schicht um Schicht ...

Und die Toten sind begraben,
deren Blut dich reich genährt.
Ihre Namen möcht' ich haben,
doch die Zeit ist längst verjährt ...

Blutvergießen ohne Ende.
Gestern, heut' und immerzu
Geben denn die Mörderhände
niemals auf und niemals Ruh'?

Schlachten waren 's, wo sie fielen.
Kriege für das Vaterland.
Ja, ich kann die Schmerzen fühlen
in dem rotgefärbten Sand.

Blutig rote, bittre Spuren.
Keiner mehr, der daran denkt.
Denn durch eigene Blessuren
ist das Herz genug gekränkt ...

Allesamt sind sie vergessen.
Keine Namen. Kein Gesicht.
Ach, ich wüsste gerne, wessen
Blut da durch die Krume bricht.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Wenn alte Blätter wirbeln



Ein Zittern liegt im Atemhauch.
Das Wort muss mehrmals stocken.
Die Greise muss sich niederhocken,
ich tupfe ihre Augen trocken
(und ach, die meinen auch ...).

Was ihr und mir ans Innre geht?
Erinnerungsgefühle ...
Es sind die alten Reiseziele,
die auf die alten Kinderstühle
sich setzen, Ihr versteht?

Es ist das Flammen einer Zeit,
die irgendwann gewesen.
Sie lodert durchs Gedankenlesen,
und kehrt mit einem weichen Besen
was längst das Licht gescheut.

Ein kleines Mädchen springt hervor,
das Haar zum Zopf gebunden.
"Jetzt hab' ich dich ja doch gefunden!",
die Greise schwelgt in Lebensstunden.
Ich leih' ihr Zeit und Ohr ...

"Das Mädchen da, bin ich. Mein Gott ...."
Die Spule kommt ins Rollen.
Ereignisse, die längst verschollen,
die keiner hat mehr haben wollen,
als herbstlicher Kompott ...

"Der Frühling war so schön. So leicht.
So unbeschreiblich blühend.
Doch Lebenszeiten sind so fliehend ...
Was eben noch so sonnenglühend,
hat bald die Nacht erreicht.

Das Mädchen, das ich war und bin,
das hatte Spaß am Leben.
Das wollt' den Stunden Freude geben.
Das pflückte sich die süßen Reben
nur so. Ganz ohne Sinn.

Und war zufrieden. Ja, ich war
mit alledem zufrieden.
Es war mir so ein Glück beschieden.
Nun will das Leben mir ermüden.
Ergraut .... das Kinderhaar.

Jetzt ist der Herbst des Lebens da.
Doch alte Blätter wehen.
Wie schön war es, hindurchzugehen,
sie aufzuwirbeln und zu sehen,
das Gute liegt so nah ..."



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Kopfüber in die Falle

Tausend kleine Nadelstiche
hat das Leben mir gebrockt.
Allesamt Vertrauensbrüche.
Kam ich ihnen auf die Schliche,
ist der Atem mir gestockt.

Ließ sich vorher nicht erahnen,
wie der Hase laufen würd'.
Schienen ja so gerade Bahnen ...
Doch dann wuchsen die Schikanen
und schon war das Herz zerklirrt.

Dabei schienen mir die Augen,
und die Worte und der Rest
für die Ewigkeit zu taugen.
Doch ihr Ziel war, auszulaugen,
bis mich alle Kraft verlässt.

Und schon klafften diese Risse.
Und es roch nach bösem Blut.
Und aus Worten wurden Schüsse.
Ach, wo war nur das gewisse
Etwas von der letzten Glut?

War es denn so täuschend ehrlich?
Hab ich 's Spiel denn nicht durchschaut?
Plötzlich bin ich so entbehrlich,
und ich frage unaufhörlich:
wem nur hab' ich blind vertraut??

Und jetzt steht mir gegenüber
dieser Fremde. Dieses Du.
Ja, ich stürzte mich kopfüber
in das schönste Liebesfieber.
Und die Falle schnappte zu ....



(c) Bettina Lichtner
Halleluja





Dienstag, 28. Oktober 2014

Unter Tage

In der U-Bahn herrscht ein so betretnes Schweigen.
Und ich übe mich im heimlichen Beäugen
all der Menschen, die sich auf den Bänken reihen,
und ich wünschte, dass sie einmal lächelnd seien.

Manche Nasen stecken tief im Digitalen.
Ach, wie gerne würd' ich aus den harten Schalen
all die weichen Kerne, die sich drin versperren,
an die gut getarnte Oberfläche zerren ...

Auch ein Buch kommt in der U-Bahn neu zu Ehren.
Und ich kann mich einer Freude kaum erwehren,
dass bedruckte oder illustrierte Seiten
in modernen Welten weiter was bedeuten ...

Unter Tage rast die Bahn zu den Stationen.
Im Waggon erstarren alle Emotionen.
Manchmal treffen fremde Augen auf die meinen,
doch die Blicke tun sich schwer, sich zu vereinen.

Neuer Halt. Die einen kommen, andre gehen.
Ich werd' keinen dieser vielen wiedersehen.
Und die Bahn fliegt über meterlange Gleise.
Eine schnelle, eine anonyme Reise ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 27. Oktober 2014

Falsch eingeschenkt

Einer lallt am leeren Tresen:
"Schnaps, du seist mein letztes Wort.
Du sollst meinen Kummer lösen,
denn mein Tag ist hart gewesen."
Und er trinkt in einem fort ...

Und der Schnaps denkt: "Nicht schon wieder!
Wieder bin ich nur Gesöff.
Wieder diese alten Lieder!
Und am Ende kniet er nieder ...
(ob ich 's Klo wohl diesmal treff'?).

Immer diese Leidensleier!
Ich hab 's satt, ein Schnaps zu sein.
Und am Ende?? Nur Gereier!
Dafür bin ich mir zu teuer!
Wär' ich doch ein edler Wein.

Ja, als Wein würd' ich genossen
in dem besten Restaurant.
Würd' gelobt von hohen Bossen.
Wär' ins schönste Glas geflossen,
und wär' rouge, rosé und blanc.

Dürft' das feinste Mahl umrahmen.
Träumerei bei Kerzenschein.
Feinen Herren, feinen Damen,
allesamt von Rang und Namen,
dürfte ich zu Diensten sein.

Ach, das Leben wäre herrlich,
wär' ich nur ein Rebensaft.
Ja, ich sage es ganz ehrlich:
Schnaps zu sein, ist nicht begehrlich
und bisweilen ekelhaft.

Meistens kippt man mich hinunter,
eins und zwei und noch viel mehr.
Doch ich mache nicht putzmunter,
nein, ich zieh' noch weiter runter,
zieh sogar den Magen leer.

Kummer aber lös' ich selten.
Auch am nächsten Tage nicht.
Ich leb' meist in Sorgenwelten.
Würde gerne mehr noch gelten,
wo sie jammern, wo sie schelten,
doch ich bin kein Hoffnungslicht ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja







Samstag, 25. Oktober 2014

Zwei Welten



Von unten schallt 's nach oben hin:
"Ach, hätten Sie vielleicht für mich
ein Lächeln und Minuten?"
Darauf von oben: "Sicherlich,
jedoch, ich muss mich sputen ..."

Die Armut, die am Boden hockt
und rauf zum Reichtum bittet,
erwidert: "Selber eingebrockt!"
Worauf der Reichtum gleich geschockt,
ihn schimpft als "ungesittet".

Die Armut ordnet Ruhe an.
Dem Reichtum platzt der Kragen:
"Wenn einer sich nichts leisten kann,
dann ist er selber Schuld daran,
und braucht hier nicht zu klagen."

Die Armut übt Gelassenheit:
"Was wissen Sie vom Armen?
Sie schwelgen in Glückseligkeit,
ein guter Job, doch wenig Zeit,
zudem ein Bett im Warmen.

Sie essen, wenn sie hungrig sind,
und trinken, was sie möchten.
Sie wissen, wie man Ruhm gewinnt,
doch wenn Ihr Herz sich recht besinnt,
dann ist 's wohl mehr ein Knechten.

Ach, wenn ich 's mir genau beseh',
dann hab ich lieber wenig.
Die Luft ist schmutzig in der Höh'.
Ich brauch' kein volles Portemonnaie,
bin lieber armer König.

Ich klage nicht, ich nehme hin.
Und Gott lenkt meine Wege.
Wie reich ich doch gesegnet bin!"
Dem Reichtum fiel darauf das Kinn,
als ob es jemand zöge ...

"Und wenn", so fuhr die Armut fort,
"Sie ehrlich sind, dann wären
Sie gerne auch an meinem Ort,
und würden lieber hier statt dort
zur Welt dazugehören ..."



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Aufs falsche Pferd



Weil der Mensch sich gerne brüstet
mit dem allerbesten Kleid,
weil 's ihn so nach Blicken lüstet,
(da das Eitle in ihm nistet)
geht der Stolz an seiner Seit'.

Er stolziert in teuren Seiden
gerne durch die volle Stadt.
Will ihm wer den Fummel neiden,
kann er sich am Neide weiden,
und er trinkt sich daran satt.

Wenn die andren Menschen starren,
ob bewundernd oder nicht,
könnt' er stundenlang verharren
in dem Käfig voller Narren,
wie im hellen Sonnenlicht.

Jedes Fenster taugt zum spiegeln.
Hin und her dreht sich der Leib.
Eigenlob ist schwer zu zügeln.
Welch ein inneres Beflügeln ...
 Egomaner Zeitvertreib.

"Seht nur her. ICH kann 's mir leisten.
Trag' das Gold auf meiner Haut."
Schon will sich der Neid erdreisten,
ihn zu schlagen mit den Fäusten,
weil ihn 's Protzen nicht erbaut.

"Na, man muss auch gönnen können!",
ruft der Stolz dem Neide zu,
um dann rasch nach Haus zu rennen.
Es ist besser sich zu trennen
bei bedrohter Seelenruh'.

Doch zuhause angekommen,
ist das ganze Gold nichts wert.
Niemand hat es wahrgenommen.
Und er fragte sich beklommen:
Ist der Protz das falsche Pferd???



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Ruhe im Saal

Eine große Tafelrunde, güldne Teller, roter Wein.
"Esst und trinkt", so spricht der Hausherr, "morgen kann 's zu Ende sein."
Und der Tisch biegt sich vom Fleische. "Koch, du hast es gut getan!!"
Doch dann meldet sich ein Fräulein: "Gäb 's das ganze auch vegan??"

Oh, da fällt dem Hausherrn alles aus dem roten Angesicht.
Und wenn Blicke töten könnten, wär' das Fräulein jetzt Geschicht'.
Donnernd hallt das Wort des Mannes querfeld durch den prunken Saal:
"STELLEN SIE DIE FRAGE, FRÄULEIN, NOCH UND NOCH UND NOCH EINMAL !!"

Und des Fräuleins süße Stimme tat wie ihr geheißen ward.
"Ob 's das Ganze auch vegan gibt?" Jetzt gewann das Spiel an Fahrt.
Denn das Fräulein hat bewiesen, dass sie Mut und Willen hat:
"Tut mir leid, doch tote Tiere machen mich partout nicht satt."

Eiseskälte lag im Raume, selbst der Wein gefror im Krug.
Und der Hausherr schrie von Sinnen: "RUHE JETZT. ES IST GENUG!!!
Hier hat 's immer Fleisch gegeben, immer Käse, Milch und Ei!"
Drauf das Fräulein, das vegane: "Tierprodukt hat Leid dabei!"

Jedes Wort aus ihrem Munde war dem Hausherrn eins zuviel.
Doch das Fräulein bohrte weiter, pochte gar aufs Mitgefühl.
Sprach davon, dass jedes Wesen Gottes Allerliebstes war.
Dass das Tier sein Leben liebt und dass der Mensch ihm zur Gefahr ...

Und sie redete und malte düstre Bilder an die Wand.
Keiner von den andren Gästen nahm die Gabel in die Hand.
Schlachthofszenen, Todesängste, Schreie und der letzte Blick ....
Gar nichts ließ das Fräulein aus beim Vortrag übers Bratenstück.

Sah sie gar Gewissensbisse bei der einen oder dem?
"Ja, ich weiß. Dem Fleischliebhaber ist das Thema nicht genehm.
Leichter ist es zu verdrängen, was doch gang und gäbe ist.
Doch ein jeder sollte wissen, wessen Leben er da isst."

Und dann nahm die junge Dame ihre Tasche und ging fort.
Ließ im angespannten Saale ihre Bilder und ihr Wort,
wünschte allen, die noch blieben, einen guten Appetit:
"Esst nur weiter all die Tiere bis das blaue Wunder blüht ..."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja



Dienstag, 21. Oktober 2014

Als der Riese kam



Liebe alte Tante Emma!

Ja, es ist schon ein Dilemma,
dass man dir die Türen schloss,
seit da dieser Kaufhaus-Boss
- dem ich von Beginn misstraute -
sich den goldnen Käfig baute.

Mein geliebter Krämerladen ....
Die Bonbons und Schokoladen,
die ich einst bei dir erstand
mit der jungen Kinderhand,
werden unvergessen bleiben -
auch die frischen Stullenscheiben.

Schon das Klingeln an der Pforte
(gibt heut keins von gleicher Sorte)
grub sich ewig ins Gehör.
Wenn 's doch so wie gestern wär' ...
Diese ganzen Kaufhausriesen
drücken auf die Tränendrüsen.

Ja, du kanntest alle Namen
von den Kunden, die da kamen.
Und ein Lächeln war gewiss!
Wie ich diese Zeit vermiss ...
Wie 's mir doch das Herz beglückte,
wenn ich nur den Türgriff drückte.

Viele Male blieb ich stehen,
um durchs Schaufenster zu sehen,
das so liebevoll und bunt
meinen kleinen Kindermund
vollends zum Erstaunen brachte,
und mich gar begierig machte.

Dann der Bau der Kaufhausketten.
Und du warst nicht mehr zu retten.
Die Erinnerung an dich
ist gleich Honig und gleich Stich.
Liebe Tante Emma, Gute,
mir ist weinerlich zumute ...


(c) Bettina Lichtner

Montag, 20. Oktober 2014

Valentins' Traum



"Meine Liebste", schreibt die Feder,
die der Jüngling zitternd führt,
"ach, es gibt kein Noch und Weder:
Ja, mein Herz ist irritiert ...

Irritiert nur wegen Ihnen!
Das Gehirn ist gar verdreht.
Eine Liebelei im Grünen -
glauben Sie, das da was geht?

Nun, ich will nicht drängend scheinen,
doch ein Kuss von Ihrem Mund,
wärmend, zärtlich auf dem meinen,
ist ein Wunsch in dieser Stund'.

Die Gedanken sind wie Pferde,
springen wild im Kopf umher,
dass ich selbst ein Wilder werde,
denn ich wünsch' mir noch viel mehr ...

Mag 's fast gar nicht hier notieren,
doch es ringt in mir nach Luft.
Mich an Ihrer Brust verlieren,
Gnädigste, ... im Rosenduft,

ist es nicht auch Ihr Verlangen?
Sagen Sie 's! Wer hört es schon ...
Hat mein Wort Sie nun gefangen?
Werten Sie 's als blanken Hohn?

Tun Sie 's nicht, denn die Gefühle
spielen keinen Streich mit mir.
Wenn doch nur Ihr Schweigen fiele ...
So wie meins auf dem Papier.

Meine Liebste, ich bin wahrlich -
liebend Ihnen zugewandt.
Brief um Brief schreib' ich beharrlich,
auch noch mit der greisen Hand ..."


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 19. Oktober 2014

Teufelskunden

Die sich sonst bei Tag verstecken,
kriechen nachts aus ihren Ecken,
treiben Unheil in den Gassen,
haben sich verteufeln lassen.
Lassen sich nicht gern entdecken,
wenn sie böse Pläne hecken ...

Einer steigt mit leisen Schritten
unbemerkt in fremde Hütten,
raubt den Schmuck und auch die Taler
von dem braven Steuerzahler.
Eine Straftat ... unbestritten.
Einer stahl und andre litten.

Wieder einer - sturzbetrunken -
ist niveaulos abgesunken,
wankend, schwankend, lallend, grölend,
wirres, irres Zeug erzählend.
Hat nach Bier und Schnaps gestunken
nach der Reise durch Spelunken.

Mörder kommen still gekrochen,
haben frisches Blut gerochen.
Hinterlistig, grausam, feige,
- nur der gute Mond ist Zeuge -
wird erschlagen und erstochen,
und ein Kelch vom Stiel gebrochen ...

Irgendwo, da lauert einer
einer Frau und unsereiner
liegt derweil in weichen Daunen,
während draußen Lust und Launen
sich bedienen, ach und keiner
reißt die Frau von diesem Streuner ...

Andre (meistens Ehegatten),
leben nachts in ihrem Schatten,
streifen durch das Rotlichtviertel,
weil da unterm straffen Gürtel
Samenzellen Hunger hatten
und sich Fehltritte gestatten ...

Ja, des nachts .... Und dann bei Tage
plagt sie die Gewissensplage.
Vor dem Beichtstuhl eine lange
reuevolle Menschenschlange.
Kehrt jedoch die dunkle Stunde,
ist man wieder Teufels' Kunde .....




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 17. Oktober 2014

Muster-Protest

"Gestatten, Normalbürger, Otto!"
Doch, hoppla, da kriegt die Emanze 'nen Schreck,
denn "FRAUENRECHT" lautet ihr Motto -
drum muss dieser "Otto" sofort wieder weg.

Sie will keinen männlichen Namen!
Nicht Mustermann Max und nicht Otto Normal.
Sie will einen weiblichen Rahmen!
Es stehen genügend Ideen zur Wahl ...

Dem Mustermann Max gab man passend
die Mustermann Erika treu an die Hand.
Jedoch - alles Männliche hassend -,
verschmäht die Emanze das Mustermann-Band.

Ihr wäre die Musterfrau lieber.
Und Otto Normal ist ihr auch nicht genehm.
Ich zöge gern Schwämme darüber,
denn derlei Gedanken sind selten bequem.

Schon glühen die Drähte und Tasten.
Frau tüftelt am Web-Petitionsformular
(natürlichen zu männlichen Lasten),
und sieht gar das weibliche Recht in Gefahr.

"KEIN OTTO! KEIN MAX! UNTERSCHREIBEN!!" -
so heißt die Devise. Der Aufruf steht fest.
Ich lasse das Teilnehmen bleiben.
Ich halt nichts von solch einem Namensprotest.

Nicht lang' und die ersten signieren.
Die Liste nimmt Form an. Die Weiblichkeit kämpft.
Der Aufbruch ist förmlich zu spüren.
Und keiner, der 's Heiße im Brodelnden dämpft.

Die Frauen sind scheinbar entschlossen.
Kein Otto. Kein Max. Nicht das ER, sondern SIE.
Das Pulver wird reichlich verschossen.
Doch zwingen sie wirklich das Amt in die Knie???



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Die breite Masse

Irgendwo inmitten vieler
sitzt ein Mensch mit sich allein.
Drumherum ward 's laut und kühler.
Keiner möchte Letzter sein.

Und der Mensch, den ich erwähnte,
sieht der breiten Masse zu,
wie sie ihrem Hunger frönte
nach Besitz - gar ohne Ruh'.

Scheinbar von der Gier getrieben,
jagt die Masse hin und her.
Hat sich längst dem Geld verschrieben,
und will mehr und immer mehr.

Hält nichts von Zufriedenheiten.
Unersättlich ist ihr Herz.
Nichts mehr wollen, würd' bedeuten:
abgrundtiefer Seelenschmerz.

Nein, sie will ja haben. HABEN.
Ganz egal, wie hoch der Preis.
Nicht ein Tag, der ohne Gaben!
Doch sie dreht sich nur im Kreis ...

Ohne, dass sie 's merken würde.
Erst am End' von der Geschicht'
(bei der letzten Lebenshürde)
wimmert sie: "Das wollt' ich nicht ..."

Ach, die breite Ego-Masse.
Kauft und kauft und lebt fürs Geld.
Denkt nicht an die dritte Klasse
und ans Elend dieser Welt.

Und der Müllberg wird gefüttert.
Jeden Tag! Mit Hab und Gut.
Doch ihr Ego wird erschüttert,
wenn der Tod das Seine tut.

Und der Mensch inmitten vieler,
sieht auf dieses Trauerspiel,
sieht auch auf die Trauerspieler,
die wie er dasselbe Ziel ...

Ach, er ist so froh gewesen
mit dem Glück der Einsamkeit.
Sich von alledem zu lösen -
hat er nie und nie bereut ...




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Der kleine König



"Ist denn schon Weihnachten?", frag' ich die Mutter,
die da ihr Kind mit Geschenken verwöhnt.
Schon wird mein Wort zum willkommenen Futter:
"Nur, weil dem Kleinen das Auge so tränt ..."

Dacht' ich ' s mir doch: Denn das Schreien und Weinen
wurde schlussendlich mit Spielzeug belohnt.
"Haben 's schon raus, die tyrannischen Kleinen!?",
war meine Antwort (ironisch betont).

Dabei vergaß ich dem Leser zu sagen,
dass sich das Kind auf den Fussboden schmiss,
bis Mutters Nerven am selbigen lagen,
und sie den Schreihals am Hemdsärmel riss.

's Köpfchen vom Kleinen (vom Schauspiel errötet)
ward sklavisch getrocknet von Mütterchens Hand.
(Sie hat wohl im Stillen zum Herrgott gebetet;
und wünschte sich fort aus dem Plastikspielland.)

Ich schaue dem Kleinen direkt in die Augen.
Mir ist so, als sähe ich Macht und Triumph.
Als würde er wissen, was Schreikrämpfe taugen.
Und siegesbewusst steht der kindliche Rumpf.

Darf sogar wählen und schreitet gelassen,
sichtlich zufrieden durchs Spielparadies,
bis seine Händchen das Teuerste fassen,
und ein Gewinner den Laden verließ.

Weihnacht im Lenz. Das verstehe mal einer ...
Ein Machtwort der Mutter wär' besser fürs Kind.
Doch schrumpft der Respekt, und der Anstand wird kleiner,
wenn Kinder die Herrscher der Größeren sind.


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 14. Oktober 2014

Egal-Denker

Leise vermehrt sich die Gleichgültigkeit.
"Mir doch egal, was da draußen passiert."
Ob da ein Leidender Wehlaute speit,
ob sich ein Krieg an den anderen reiht -
"Mir doch egal, was da draußen passiert."

Abgestumpft kalt ist die heutige Welt.
Blind ist sie, stumm, ach und taub obendrein.
Ob der Planet in sich selber zerfällt,
ob da ein Armer nun bettelt um Geld -
blind ist die Welt, stumm und taub obendrein.

Ego-Gestalten wohin man nur schaut.
Mickrige Ichs ohne Herz und Verstand.
Ob da der Nächste den Schmerz nicht verdaut,
ob da ein Starker den Schwächeren haut -
mickrigen Ichs fehlt der rechte Verstand.

Hauptsache selber ist alles im Lot!
Mittelpunktdenken und Ellbogen raus.
Ob man die Würde mit Folter bedroht,
ob es nun kentert, das friedliche Boot -
nach mir die Sintflut! Drum Ellbogen raus!

Worte aus Stein und Gefühle aus Eis.
Und der Respekt ist zum Stiefkind mutiert.
Ob sich wer opfert zum bitteren Preis,
ob ich - wie viele - am Hungertuch beiß' -
"Mir doch egal, was da draußen passiert ..."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 13. Oktober 2014

Stein & Eis

Belebt ist die Straße vorm Fenster der Greisen.
Sie selber schaut täglich den Eilenden zu,
die scheinbar im Schnellzug durch Zeiträume reisen,
als würden sie flüchten vorm Wohlklang der Ruh'.

Die Greise indes hat zur Stille gefunden.
Die Pflichten des Lebens sind alle getan.
Die Jahre sind fest in Gedanken gebunden,
am äußeren Bild nagt der zeitliche Zahn.

An gelblichen Wänden die Fotos der Lieben,
die Schnappschussmomente vergangener Stund'.
Nicht viel ist vom fliehenden Leben geblieben.
Nur schwarz-weiße Bilder auf gelblichem Grund,

auf denen die Menschen, die einstmals Begleiter,
so unbeschwert lachend und lebensfroh sind.
Verschwunden die Menschen, die eben noch heiter,
die eben erwachsen, die eben noch Kind ...

Und draußen vorm Fenster ein Rennen und Schweigen.
Gefrorene Blicke und Herzen aus Stein.
Sein Lächeln will niemand dem anderen zeigen.
Und jeder will Erster im Wettlaufen sein.

Und irgendwann hängen an gelblichen Wänden
nur schwarz-weiße Bilder von ihm und von ihr.
Sie selbst liegen längst mit gefalteten Händen
im Grabe und lassen die Zeitnöte hier.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 12. Oktober 2014

Vor aller Welt

Über den Köpfen ein tödlicher Schauer.
Bomben vom Himmel statt sonniges Licht.
Hörst du das Wimmern da hinter der Mauer?
Angst eines Kindes, des Zukunft zerbricht ...

Hockt in der Ecke statt fröhlich zu spielen.
Vor ihr liegt sterbend die Mutter im Blut.
Und auf dem Schlachtfeld, da kämpften und fielen
Junge und Alte nach tapferem Mut.

Alles ist anders. Die feindlichen Truppen
fallen mit schwerem Geschütz in das Land.
Demgegenüber verzweifelte Gruppen!
Hoffnung auf Freiheit, das Leben als Pfand.

Niemand ist sicher. Die Scharfschützen zielen
ohne Erbarmen auf ihn und auf sie.
Todesschwadronen, die Mordfreuden fühlen.
Mancher will helfen, doch keiner weiß wie.

Weinende Menschen, den Blick voller Fragen.
Heimische Wände in Asche und Schutt.
Jedweder Krieg brütet Kummer und Klagen.
Einstige Träume auf ewig kaputt.

Ach, und das Kind, das da immer noch kauert,
neben der Mutter, die langsam ihr stirbt:
Was, wenn sein Leben den Krieg überdauert?
Was, wenn der Krieg seine Seele zermürbt?

So viele Kinder sind Zeugen des Todes.
Zeugen des Todes vor jeglicher Welt.
Ihr kleines Sein, ist schon jetzt ein marodes
Haus, das in sämtliche Teile zerfällt.

Jegliche Welt hüllt sich lachend in Schweigen.
Sieht nichts und hört nichts, schmeißt Geld aus dem Haus.
Kommt nicht darauf, sich betroffen zu zeigen.
Schaltet ganz einfach den Fernseher aus ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 11. Oktober 2014

Fremde Federn

Mäht im Herbst die scharfe Sense
das vergilbte Sommergrün,
dann erklingt der Ruf der Gänse,
wenn sie froh gen Süden ziehn.

Ziehen fort in langen Reihen.
Und mein Traum fliegt hintenan.
Und mein Ohr lauscht ihrem Schreien,
und mein Blick folgt ihrer Bahn.

Hätt' ich Flügel, so wie jene,
hielte mich kein Mensch der Welt.
Wie ich mich nach Federn sehne ...
Nichts, was mich am Boden hält.

Höher, höher, weiter, weiter.
Weg, nur weg vom Menschenland.
Der Gedanke stimmt mich heiter,
bringt mich gar um den Verstand.

Welche Macht wär' mir gegeben,
welche Freiheit, welche Freud',
könnt' ich über allem schweben!
Ach, ich wär' gebenedeit ...

Ja, ich neide diesen Tieren
ihre Fähigkeit des Flugs.
Könnt' ich doch ihr Leben führen ....
Hätt' ich ihren zarten Wuchs ...

Doch ich bin als Mensch geboren.
Wär' die Gans wohl gerne ich?
Gott hat jeden auserkoren,
dass er keinem andren glich ---


(c) Bettina Lichtner
Halleluja




Freitag, 10. Oktober 2014

Ein Lächeln für den Frieden

Ein neuer Tag. Doch morgens schon
kein Lächeln auf den Lippen.
Es herrscht ein rüder Umgangston
und brodelt unter Rippen.

Das süße "Guten Morgen, Schatz"
wird selten nur gesprochen.
Das Süße findet keinen Platz,
drum ist ihm 's Herz gebrochen ...

Allein dem Kaffee wird es heiß,
ansonsten herrscht die Kälte.
Ein falsches Wort und jeder weiß,
im Anschluss folgt die Schelte.

Ein Bissen noch vom Butterbrot,
dann hurtig zu den Pflichten.
Der fremdbestimmte Zeitdruck droht,
die Freude zu vernichten.

Vielleicht ein knappes Abschiedswort,
vielleicht ein stummes Gehen -
Ach, dächten sie doch immerfort:
"Wird man sich wiedersehen?"

Dann strömen sie genervt hinaus,
die vielen Zeitgedrängten,
von einem hin zum nächsten Haus.
All diese Gottgelenkten ...

Sie drücken die Pennälerbank
und opfern sich für Bosse,
und ihre Nerven ziehen blank.
"Welch armer Kampf, Genosse!"

Am Morgen schon von Wut erfüllt.
Man sieht 's an ihren Blicken.
Es gibt der Mensch ein schlechtes Bild,
wenn Zorn und Gram ihn drücken,

wenn ihm der Stress im Nacken sitzt,
und ihn sein Leben beutelt.
"Ein Lächeln, Mensch, und sei 's verschmitzt,
hat manchen Krieg vereitelt."

Ein Lächeln hilft, ein Lächeln heilt.
Ein Lächeln für den Frieden!
Und wenn dir auch die Stunde eilt,
sei Eile doch vermieden.

Denn ach, was bringt die Hetzerei?
Was bringen Frust und Meckern?
Dein Körper droht mit Meuterei.
Nicht klotzen, sondern kleckern ...

Schenk deinen Liebsten morgens schon
dein allerschönstes Lachen.
Ein morgendlicher süßer Ton
bringt seelisches Erwachen,

und zieht sich weiter durch den Tag.
So einfach ist das Leben.
Wer so ein Leben leben mag,
des Zustand ist ein Schweben.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Gedanke futsch

Nein, Gedanke, bleibe! Weile!
Zieh nicht weiter ohne Gruß.
Ich versteh nicht diese Eile!
Bitte, bleibe! Fasse Fuß!

Just geboren, schon verloren.
Dem Gedankenfeuilleton,
der dich mühsam auserkoren,
flogst du einfach so davon.

Und ich mach' mich auf die Suche,
innendrin - wo sonst, nur wo?
Es schlägt negativ zu Buche -
mein so wütendes Niveau.

Warum bist du denn geflohen,
mein Gedanke ... sag, warum?
Ob Vergesslichkeiten drohen?
Tausend Ängste gehen um ...

Und ich grüble wie von Sinnen,
du Gedanke, wegen dir!
Will mir Eselsohren spinnen!
Bloß die Esel fehlen mir ...

Scheinbar kehrst du nimmer wieder.
Ach, du fällst mir nicht mehr ein.
Drum Adé, denn tausend Brüder
wollen nun beachtet sein.

Die Gedanken, die sich drängen,
jagen stürmisch durch die Zeit.
Sie belagern mich in Mengen,
kleiden sich in Nichtigkeit,

lenken mich von all dem puren
Leben ab, dass es mich kränkt.
Doch sie folgen deinen Spuren
schneller noch als man sie denkt ...

Alle futsch, wie du, Gedanke,
der du mir verloren gingst,
der du fern von jeder Schranke
frei durch fremde Lüfte schwingst ...




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Schmeckt gut

Trifft ein Herz ein andres, dann
zapft es seine Wärme an,
trinkt von seiner Liebe und
tut ihm seine Freude kund:

"Oh, du Herz, du süßes, du!
Endlich schließt der Kreis sich zu!
Alle Suche hat ein End'!
Einig nun, was lang getrennt ...

Dieses Glück, dir nah zu sein,
dieses Wort "Auf ewig dein" -
lag so lange mir im Sinn.
Wie gesegnet ich doch bin.

Niemand, der so fühlt wie ich!
"Jeder Atemzug für dich",
hat es Goethe formuliert.
Und der Himmel musiziert ...

Ach, wie wohl die Liebe tut.
Und es sprudelt eine Flut
schöner Worte aus dem Mund.
Treue leite diesen Bund.

Ja, die Treue .... leicht gesagt.
Wie der Zweifel plötzlich nagt.
Bin ich sehend oder blind?
Ob ich mich ans Rechte bind'?

Ist das Herz, das mir gefällt,
wirklich ewig meine Welt?
Wirklich ewig, immer mein?
Ist die Lieblichkeit nur Schein?

Vielleicht, ach, ersticke ich
an dem Atemzug für dich?
Frage- ohne Antwortspiel.
Und nur einer kennt das Ziel.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt?
Bin ich denn des Teufels Kind,
dass ich mich dem Zweifel füg'?
Wem gebührt denn nun der Sieg?

Nicht dem Zweifel! Das steht fest.
Wer den Geist vom Zweifeln lässt,
ist für alle Liebe frei.
Bleibet Gottes Wegen treu!

Also, liebet. Zweifelt nicht.
Dreht das Herz zum Sonnenlicht.
Liebet, liebet! Schmeckt die Zeit
dieser kurzen Herrlichkeit."




(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Dienstag, 7. Oktober 2014

Der Glotzer

Beschwerde vom TV-Gerät:
"Verehrtes Fernsehpublikum!
Sie nutzen mich von früh bis spät
und sitzen teilnahmslos herum

bei Knabberei und Bier und Wein,
und glotzen mir ins Angesicht
und hüllen sich in Schweigen ein,
derweil das Grauen aus mir spricht.

Ich zeige Blut, und Schmerz und Leid.
Und Hilfeschreie aus der Welt,
zu der die Teilnahmslosigkeit
vom Glotzenden sich still gesellt.

Der Glotzende, jawohl, sind SIE.
Sie wechseln schnell den Sendeplatz
bei zuviel Leidensszenerie.
"Die Fernbedienung ist ein Schatz ...".

Die Tränen und das Mordgeschrei,
und das zum Feierabendmahl,
sind Ihnen längst schon einerlei.
Sie schauen ein Programm nach Wahl.

Ein Liebesfilm - so harmlos schön -,
wo alle Wolken rosa sind,
ist zigmal besser anzusehn,
als so ein kriegsbedrohtes Kind.

Ein Krimi (allsamt ausgedacht),
verspricht ein spannend böses Spiel.
Und wird auch jemand umgebracht,
so zerrt es nicht am Wohlgefühl.

Vielleicht noch schnell ein Ratequiz,
die Sportschau oder "Kauf dir was" -
es ist auf jeden Fall gewiss:
das Publikum hat seinen Spaß.

Doch beim Programm "Realität",
da wird dann lieber weggeschaut.
Dann schimpft man aufs TV-Gerät,
weil es die Fröhlichkeit versaut."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Montag, 6. Oktober 2014

Oktoberglück

Es enthüllt sich still und sacht
Meister Herbst mit all der Pracht,
wie nur er sie zeigen kann.
Bunte Blätter über Nacht.
Morgentau, der 's Grün bewacht.
Alles fängt zu welken an ...

Was im Sommer - eben noch -
herrlich süß nach Leben roch,
duftet nach Vergänglichkeit.
Sehnsucht greift mich, ach und doch,
wenn ich an die Seele poch',
steht die Vorfreude bereit.

Hab es ja genau gewusst:
auch der Herbst weckt eine Lust
auf ein Leben voller Freud'.
"Herzchen, wenn du weinen musst,
so bedenk bei deinem Frust:
alles Ding hat seine Zeit."

Nicht zu halten ist der Lauf.
Nichts und niemand hält ihn auf.
Weder du und weder ich.
Nimmst du dieses Wort in Kauf,
legst dazu noch Einsicht drauf,
dann beruhigt der Kummer sich.

Grüß den Herbst als frohen Gast,
dem du mehr zu bieten hast
als den Miesepeterblick.
Tanz mit ihm, der dich umfasst.
Fang das letzte Blatt vom Ast.
Preise das Oktoberglück.

Denn der Winter naht herbei
schneller als die Polizei.
Und der Herbst, der Herbst vergeht.
Mach dich deiner Sorgen frei.
Nächstes Jahr ist alles neu.
Leb', solang' die Welt sich dreht ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Frisch renoviert

Die Dichterseele war erschöpft.
Sie bettelte um eine Ruh'.
Der Einfallsreichtum - zugeknöpft.
Der Geist schloss seine Türen zu.

Kein Sprudeln aus des Herzens Grund.
Kein Wort mehr, das zum andren fand.
Der Vers erstarb im Dichtermund.
Statt blühendes, nur karges Land.

Zerknüllte, leere Blätterflut.
Die Feder mied das Tintenfass.
Dem Dichter schoss die Angst ins Blut,
und sein Gesicht ward leichenblass.

Da war sie, die Blockade, die
er stets gefürchtet Tag und Nacht.
Er hatte seine liebe Müh'
mit ihrer großen Übermacht.

Drum nahm er sich für lange Zeit
das Recht auf eine Pause aus.
Hat sich von Schutt und Stress befreit
und reinigte sein Seelenhaus.

Er putzte, wo 's vonnöten war.
Trug Grau- und Schweres vor die Tür.
Und siehe da: die Stund' gebar
Ideen ihm gleich für und für.

Nun meldet sich der Dichter froh
und munter in der Welt zurück.
Es ist und bleibt ja immer so:
auch in der Not verbirgt sich Glück.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 27. Juli 2014

Ich spüre was

Kein schöner Land in dieser Zeit?
Nun ja, das unsre weit und breit
ist - rein von der Natur betrachtet -
ein Land, des Schönheit kaum beachtet.

Naturschönheiten hin und her -
die Menschheit tut sich doppelt schwer,
die Innenwerte wohl zu pflegen
und wie das Äußere zu hegen.

Die Rose gibt ein schönres Bild,
als wenn ein Damenmund sich hüllt
in Lippenstifte aller Farben.
Auch jegliche Getreidegarben,

die so gebündelt golden stehn,
sind zigmal schöner anzusehn,
als irgendwelche Haarfrisuren
in allen möglichen Strukturen.

Im Blatt des Baumes les' ich mehr
als in dem Buch von dem und der.
Sogar der Wind kann mehr erzählen,
als Menschenwörter (die mich quälen …).

Der Frühtau lockt mich mehr hinaus
als manches ehrenwerte Haus
und seinem Imponiergetue.
Nein! Die Natur lässt mich in Ruhe.

Sie fleht nicht um Bewunderung.
Sie reckt an jedem Tage jung,
ja geradezu wie neu geboren,
sich auf zu höheren Emporen.

Derweil der Mensch zum Spiegel schaut
und an den Außenwänden baut
mit Mittelchen und List und Tücke.
Die Uhr, die lacht: "Hör zu! Ich ticke …"

Fürwahr, fürwahr. Und weit und breit
zeigt die Natur ihr schönstes Kleid.
Kein schöner Land als nur das ihre,
wo ich den Atem Gottes spüre …



© Bettina Lichtner
Halleluja


Samstag, 26. Juli 2014

Das falsche Pferd

Der Baum spannt seinen Sonnenschirm,
doch ist das menschliche Gewürm
im Schweiße seines Angesichts
ein Anbeter des Sonnenlichts.

Die Bräune - möglichst ohne Naht -
ist dennoch eine Missetat,
denn übertriebnes Sonnenbad
führt schnell zum Brand, der 's in sich hat …

Dann wird, was knusprig braun gedacht,
zur feuerroten Körperpracht,
die schnurstracks hin zum Doktor führt,
auf dass er ein Rezept diktiert.

Worauf 's zur Apotheke geht,
weil schwarz auf weiß geschrieben steht,
dass diese Haut gesalbt gehört,
damit sie Linderung erfährt.

Das AU erblüht zum Wort der Stund'.
Gesicht und Arme - alles wund.
Wer Glut und Hitze unterschätzt,
der hat aufs falsche Pferd gesetzt.

Und die Genesung lässt sich Zeit.
Was lernen wir aus diesem Leid?
Es ist der Schattenplatz im Wald
ein sinnvollerer Aufenthalt.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 25. Juli 2014

Auf zur sündigen Meile



Den Knaben lockt die Sündenmeile.
Doch auch das Mädchen ist entzückt.
Sie sind ja beide so beglückt
beim Anblick all der süßen Teile.

Erotisch ohne Rotlichtflimmern,
so wirkt der Gang durchs Sündenland.
Es läuft der Speichel. Und die Hand
muss sich ums Glück des Wohles kümmern.

Behutsam tastet nun die Rechte
begierig das Objekt der Wahl.
Der Kopf indessen leidet Qual,
weil er es nicht entscheiden möchte.

Es reiht sich Sünd- an Sündenhülle.
Die eine schöner noch als die.
Es fällt die Seele auf die Knie
beim Anblick dieser Lust und Fülle.

Ein Knistern bricht durch Stimmgewirre.
Die Zunge lechzt, das Herz entbrennt.
Wer jetzt kein Ja und Amen kennt,
der ist eventuell ja irre …

"Nun, junge Dame? Was gefunden?
Und, junger Mann? Ist nichts dabei?
Vielleicht ein Überraschungs-Ei?
Ein Gummibär für trübe Stunden?"

Die Frau da hinterm Kundentresen
weiß um den Reiz des Sündengangs,
weiß um den Schatz des süßen Fangs
(sie ist ja selbst mal dort gewesen).

Sie kennt die vielen süßen Sünden,
die alle Welt von Herzen liebt.
Wie schön, dass es das Süße gibt,
um uns das Salz des Seins zu binden.

Ein Schokotraum von mild bis bitter,
dazu Bonbons in rot und blau.
Es weiß der Herrgott ganz genau:
die süße Macht vertreibt Gewitter ….




© Bettina Lichtner

Donnerstag, 24. Juli 2014

Nieder mit den Unmenschen

Lieber Gott, es ist beschwerlich
auf der Welt. Du siehst es ja.
Bomben fliegen unaufhörlich,
in der Ferne und auch nah.

Irgendwas läuft voll daneben.
Irgendetwas läuft verkehrt.
Ein von dir geschöpftes Leben
ist ja keinen Cent mehr wert.

Nicht nur, dass sich Menschen morden,
auch das Tier wird bös' gequält.
Diese Welt ist fremd geworden,
seit die Würde nichts mehr zählt.

Nur der Mensch, der Mensch alleine
trägt am Unheilvollen Schuld.
Ach, du weißt ja, was ich meine.
Reizt es dir nicht die Geduld?

Deine Erde geht zugrunde,
wenn der Mensch so weitermacht.
Jede einzelne Sekunde
schändet er die schöne Pracht.

Seinesgleichen lässt er hungern.
Seinesgleichen tötet er.
Arme Menschen gehen lungern
für ein Stückchen Brot und mehr.

Kinder werden ausgebeutet,
alle Tiere leiden Not.
Wo der Hass zu Tate schreitet,
folgt nicht selten auch der Tod.

Oh, ich schäme mich der bösen,
unmenschlichen Kreatur.
Kannst du, HERR, uns nicht erlösen?
Lass die guten Menschen nur ….

Wenn ich auf das Ende sehe,
wächst in mir die Traurigkeit.
Denn die Welt, durch die ich gehe,
wird beherrscht von Blut und Leid.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 23. Juli 2014

Zum Teufel

Der Teufel reißt wohl nach und nach
die Weltherrschaft an sich.
Die Liebe ruft "Gemach, Gemach!
Du Teufel, schere dich …"

Der Teufel aber hört nicht hin
und zündet Krieg um Krieg.
"Weil ich ja gar so mächtig bin,
gebührt auch mir der Sieg!!

Ich niste mich in Herzen ein
mit Hass und Wut und Zorn.
Und will ein Kampf zu Ende sein,
beginne ich von vorn.

Der Mensch ist für die Schlacht gemacht.
Ich schärfe ihm das Schwert.
Und wehe dem, der da gedacht,
der Mensch sei liebenswert.

Es dürstet ihn nach Tod und Blut
seit Anbeginn der Zeit.
Der Mensch ist böse und nicht gut.
Er trägt des Teufels Kleid.

Ein Frieden ist nur Illusion,
und hält nicht ewig an.
Drum habe ich nur Spott und Hohn
für jeden Friedensplan.

Ich bin der Teufel. Herr der Welt!
Vernichtung ist mein Ziel.
Und wer sich in den Weg mir stellt,
den achte ich nicht viel …"



© Bettina Lichtner
Halleluja



Dienstag, 22. Juli 2014

Gib Senf dazu

Morgens um zehn bei fantastischem Wetter
sitzen die Menschen im Freien beim Tee.
Jene vom Lande besuchen die Städter
auf einen Plausch in dem Marktplatz-Café.

Welch ein Geschwätz über gestern und morgen.
Altes wird nochmals nach oben gekehrt.
Neues wird gerne verbunden mit Sorgen.
Einzig dem Jetzt bleibt Beachtung verwehrt.

Selten, zu selten, sind Informationen,
die da bei Tisch um die Mäuler geschmiert,
solche von Wert, die zu hören sich lohnen.
Oft hat der Unsinn den Taktstock geführt.

Mancherlei Wort wird schon baldigst vergessen.
Manches geht unter und taucht nicht mehr auf.
Kaum wer genießt mit Bewusstheit sein Essen.
Aber der Senf, der kommt überall drauf …

Und dann beim Abschied: "Wie schön ist 's gewesen!
Nett war 's und lustig. Bis hoffentlich bald."
Könnte man jetzt doch Gedanken nur lesen
von der so schmeichelnden Frühstücksgestalt.


© Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 21. Juli 2014

Erst denken, dann reden



"Ach, Schatz, du bist die Welt für mich.",
so flüstert lieb der Manne
der Frau ins Ohr. Die wundert sich,
und spricht zu ihm: "Ich bitte dich.
Ein Wort von großer Spanne!!

Bin ich die Welt, so sage mir:
Warum um Güter scheren?
Ein Auto da, ein Häuschen hier,
und Urlaubsreisen, doch wofür?
Wofür Konsum vermehren?

Bin ich als Welt dir nicht genug?
Bist du von Gier besessen?
Ich glaube gar mit Recht und Fug,
dein großes Wort ist nichts als Spuk
und drum nicht angemessen.

Ein gut gemeintes Kompliment,
doch ohne festen Boden.
Wer will, dass meine Lust entbrennt,
und dass mein Herz zu seinem rennt,
braucht bessere Methoden.

Geh achtsam um mit deinem Wort,
erst recht, wenn du verliebt bist.
Wie schnell fliegt uns die Liebe fort.
Und ach, die Welt verkommt zum Ort,
der ewiglich betrübt ist …

Sei einfach still und küsse mich.
Lass uns die Welt vergessen.
Sag einfach nur "Ich liebe dich."
Und lass mich spüren, du und ich
sind augenblicksbesessen …"



© Bettina Lichtner