Freitag, 31. Januar 2014

Aller Anfang ...

Seht, die Welt, die große weite
ist von Kriegen übersät.
Und der Tod macht reiche Beute
einzig durch das Kriegsgerät.

Auch der Hass kommt oft zum Zuge
und die blutrünstige Wut.
Nur der lebensweise Kluge
weiß, wie wohl der Frieden tut.

Seine Welt, die stille kleine,
duldet keine wilde Schlacht.
Denn die Ruhe macht ihm Beine,
und die Sonne lacht und lacht.

Ach, was kümmern ihn die Bösen?
Ihre Worte sind tabu!
Ja, vom Klugen lässt sich lesen:
er drückt beide Augen zu.

Nichts kann ihn ins Wanken bringen.
Gift und Galle sind ihm fremd.
Dumme, die da kämpfend ringen,
tragen Schuld an ihrem Hemd.

Wünscht nicht Frieden für die Erde!
Wünscht den Frieden einzeln nur.
Dass es innen friedlich werde
ist die Königsprozedur!

Nichts ist schwerer zu erlangen
als ein friederfülltes Herz.
Wichtig ist es, anzufangen.
Wer nicht anfängt, leidet Schmerz.



© Bettina Lichtner


Donnerstag, 30. Januar 2014

Vorsicht! Abgrund!

Werden Menschen gruppenweise
vierzehn Tage eingesperrt,
wird die Abenteuerreise
rasch ins Gegenteil verkehrt.

Vierzehn Tage abgeschottet
von der schönen bunten Welt.
Böses, das sonst eingemottet,
hat sich nackt zur Schau gestellt.

Aus dem Schein lugt bald das wahre
Antlitz und zerstört sich ganz.
Wie mir graut, denn ich erfahre:
Ich verfiel dem Mummenschanz!

In der eingepferchten Gruppe
brodelt es recht kriegerisch.
Eine eingefleischte Truppe?
Dieses Bild war trügerisch …

Worte werden zu Geschützen.
Das Gefüge wird entzweit.
Manche Hand will locker sitzen.
Klugheit schweiget. Unrecht schreit.

Vierzehn Tage, die beweisen:
Innen, außen - zweierlei.
Nur das Äußere zu preisen
ist ein ziemlich faules Ei.

Denn darunter glüht die Hölle,
und der Stress bringt sie ans Licht.
Darum für den Fall der Fälle:
Schaut stets HINTER das Gesicht.


© Bettina Lichtner

Mittwoch, 29. Januar 2014

Seht nicht weg, wenn ihr es warm habt

Eiseskälte weht von Ost.
Auf den Wangen glüht das Fieber.
An den Zweigen klebt der Frost.
Süden-Klima wär' mir lieber …

Schnellen Schrittes durch die Nacht.
Doch die Wärme bleibt gestohlen.
Den, der aus dem Fenster lacht,
soll fürwahr der Teufel holen!

Drinnen flackert hell der Scheit,
und die Menschen tragen Freude.
Ach, mein Weg ist noch so weit.
Die Geduld auf Messers Schneide.

Keine Seele quert den Weg.
Ich bin ganz mit mir alleine.
Welche Träume ich doch heg'
hier im kühlen Mondenscheine …

Was jetzt innre Hitze bringt?
Wärmendes Gedankentreiben.
Mit dem Atemhauch (Instinkt)
will ich meine Hände reiben ...

Doch, was soll die Winselei?
Bald schon sitz' ich in der Kammer
und die Heizung steht auf drei!
Immer dieser Katzenjammer …

Plötzlich liegt da dieser Mann.
Ohne Bleibe. Ohne Liebe.
Und ich halte fragend an,
was ihn in die Kälte triebe.

"Obdachlos!", sagt er verweint.
"Heute Nacht werd' ich erfrieren!
Ja, ich fühl' mich abgezäunt
von der Welt und ihren Türen."

Und da schenk' ich, was ich hab'.
Schenke Jacke, Schal und Mütze.
Als ich auch ein Lächeln gab,
war 's dem Alten eine Stütze.

Kaufte ihm noch heißen Tee,
denn ich wollte, dass er lebte.
Keiner sieht, was ich hier seh'.
Außer Gott, der wachsam schwebte …


© Bettina Lichtner

Dienstag, 28. Januar 2014

Seltener Besuch

Klingeling. "Nanu? Wer da?"
Argwohn packt die alte Dame.
Keiner steht der Greisen nah.
Und so ruft sie: "Wie der Name??"

Freundlich spricht es ihr zurück:
"Mein Besuch ist dir zum Besten.
Schenk uns einen Augenblick,
um einander auszutesten.

Denn ich wohne nebenan.
Und nun möchte ich mich zeigen,
weil ich es nicht leiden kann,
wenn die Nachbartüren schweigen."

Und da dreht die Alte sacht
ihren Schlüssel in der Pforte.
Und die Neue steht und lacht
und sagt lauter schöne Worte.

Ach, da taut sofort das Eis.
Ach, und tausend Steine fallen.
"Dass ich dich willkommen heiß',
sag ich längstens nicht zu allen!!"

Froh, nicht mehr allein zu sein,
folgt dem Wort die nette Geste.
Und man lädt zum Kuchen ein,
der auch bald die Ketten löste.

Herzlich ist der Redefluss.
Und die Alte spricht von früher.
Findet gar nicht mehr zum Schluss.
"Zeit, du bist ein Strippenzieher …"

Und die Neue hört ihr zu.
Ihr gefallen die Geschichten.
Beiderseits gibt es im Nu
Intressantes zu berichten.

Und das Leben wird zum Buch ….
Und die Alte sagt zufrieden:
"So ein lieber Hausbesuch
war mir lang nicht mehr beschieden."



© Bettina Lichtner



Montag, 27. Januar 2014

Über Nacht

Über Nacht bedeckte eine
unberührte, weiße, reine,
sündenfreie Herrlichkeit
unsre Landschaft weit und breit.

Ein vergängliches Vergnügen
fällt vom Himmel, bleibet liegen,
bringt - wie eine frohe Mär -
uns die Stille wieder her.

Alte Kinderträume blühen:
Schneeball werfen, Schlitten ziehen,
weißer Kerl mit Kohlenblick.
Keine Uhren im Genick …

Winter kommen, Winter gehen.
Doch, was ist mit mir geschehen?
Unbemerkt, mit schnellem Schritt,
nahmen mich die Winter mit.

Mit durch ihre kalten Jahre.
Weiß wie Schnee sind nun die Haare.
Ach, das Alter kam so sacht
wie die Flocken über Nacht.



© Bettina Lichtner

Sonntag, 26. Januar 2014

Lösungsaufgabe

Losgelöst von bösen Geistern
wird das Herz die Stunde meistern.
Denn ein neues Gottvertrauen
lässt dem Glück ins Auge schauen …

Angst?? Ach was, sie ist verschwunden!
Sie ist endlich überwunden!
Und der Mut betritt die Bühne
und erhellt die Sorgenmiene.

Auch die Zweifel, die man hegte,
die man nährte, die man pflegte,
mussten ihren Platz verlassen.
Schatten nur in dunklen Gassen ….

Nur die Wut, die will sich wehren!
Sie will weiterhin zerstören,
sie will weiterhin verletzen
und sich nicht zur Ruhe setzen.

Sie zückt tapfer ihre Waffen,
setzt sie ein, dass Wunden klaffen,
freut sich an den vielen Narben,
und dass Heiterkeiten starben.

So viel Schuld hat sie geladen!
So ein langer roter Faden
zieht sich durch so viele Jahre.
Wenn man Pech hat, bis zur Bahre.

Wer jedoch die Lösung findet,
die in tiefsten Frieden mündet,
dessen Zeit ist nimmer trübe.
Und das Lösungswort heißt: LIEBE.



© Bettina Lichtner

Samstag, 25. Januar 2014

Happy Valentines Day



Süß wie Zucker - deine Küsse.
Deine Blicke - feurig heiß.
Liebevolle Augenblicke,
die kein andrer kennt und weiß.
Stunde, ach, so lass das Fliehen.
Bleibe stehen, wo du bist.
Sollst dich in die Länge ziehen,
weil du gar so süßlich bist.

Oh, wie wirr sind die Gedanken,
wie beseelt und wie beglückt.
Alle Grenzen, alle Schranken
übertreten sie geschickt.
Und das Abenteuer bittet
zur geheimnisvollen Tür.
Einmal völlig ungesittet …
"Schweige, schweige, du Papier!!"

Bin berauscht, als tränk' ich Reben.
Willenlos geb' ich mich hin.
Nicht ein Kuss fällt mir daneben.
Ach, wie liebestoll ich bin.
"Traum, so bist du wahr geworden,
und das Warten ward belohnt."
Alle Zweifel will ich morden,
denn die Liebe siegt und thront.

Welch ein schwindeliges Drehen,
welch Moment der Innigkeit.
"Kannst du, Gott, die Freude sehen,
wie sie blüht und froh gedeiht?"
Diese Stunde ist die meine,
gleich, was da noch kommen will.
Ich genieße sie wie keine
und bewahre sie mir still.



© Bettina Lichtner

Freitag, 24. Januar 2014

Verschwendungssucht



Wie verschwenderisch ich bin!
Ich verschwende meine Liebe,
ja, sogleich den ganzen Sinn
- so, als ob kein Tag mehr bliebe -,
einzig für das Herz der Wahl.
Gar nichts andres will ich denken!
Fort mit Tugend und Moral!!
Kuss und Wolllust will ich schenken.

Widerspruch ist abgelehnt!
Ich will lieben oder sterben!
Diese Stund' hab' ich ersehnt,
dass sich Wolken rosa färben.
Dass ich endlich schweben kann
hin, wohin die Träume tragen.
Ach, mich trieb ein Zauber an!
Welches Wort kann 's besser sagen?

Ja, ich fühle mich gepackt
von so sonderbaren Mächten.
Neues Schauspiel, neuer Akt.
"Einsamkeit, so lass' das Knechten!"
Welche Leichtigkeit mich fängt.
Meine Beine wollen wippen.
Das Begehren, ach, es hängt
und es trinkt von seinen Lippen.

Schon verschmelzen Blick und Blick,
und die Worte wandern tastend
hin zum Herzen und zurück,
beiderseits im selben rastend.
So betörend ist ihr Klang,
und das Glück ist wie benommen.
Ist sogar sekundenlang
ohne Atem ausgekommen.

Oh, wie wohl ist mir der Tag.
Ich verschwende die Gefühle.
Alles ist, wie ich es mag!
Und der leichte Hauch von Kühle,
dieser vage Unterton,
den mir eine Stimme flüstert,
ordne ich dem blanken Hohn.
Jetzt ist jetzt und alles knistert …



© Bettina Lichtner

Bis aufs Blut

"Freiheit, Freiheit!!!", ruft die Menge.
"Freiheit ist ein Menschenrecht!!"
Und die mahnenden Gesänge
enden bald im Blutgefecht.

Schwarze dicke Wolkensäulen
steigen auf in Gottes Reich.
Obrigkeiten sieht man eilen.
Einer klopft den andren weich.

Wutentbrannte Freiheitsreden!
Hoffnung brandet vorm Podest.
Und der Mut ergreift bald jeden,
der vom Wort sich fangen lässt.

Auf Plakaten steht geschrieben,
was die Massenstimme schreit.
Hüben aber wie auch drüben
macht sich die Gewalt bereit.

Steine, Fäuste und Gewehre
fordern Opfer da und hier.
Mächtig klingt das Lied der Chöre:
"UNSRE FREIHEIT WOLLEN WIR!!"

Hand hat sich in Hand verschlungen,
denn Gemeinsamkeit macht stark.
Welcher Traum sich auf den Zungen
und im Seelischen verbarg …

Glück und Freiheit. Dafür lassen
sie ihr Blut, ihr Leben gar.
Kann der Freie noch erfassen,
wie es ohne Freiheit war?



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 23. Januar 2014

Ein Teller voll Dank

Ein Porzellan - zum Rand gefüllt
mit totem Tier und frischem Kraut -,
hat einen Appetit gestillt
und hinterher geleckt geschaut.

Was eben noch so heiß gequalmt,
was eben noch der Augen Freud',
das haben Zähne fein zermalmt.
Ein Bissen für die Ewigkeit.

Ein voller Bauch, ein satter Leib.
"Was will man mehr!", denkt sich der Gast.
Er isst aus reinem Zeitvertreib,
auch wenn ihm schon kein Kleid mehr passt.

Doch "Danke" sagt er nimmer je
fürs vollbeladne Porzellan.
Er nagt am Huhn und auch am Reh
so wie er 's immer schon getan.

Ich habe mir mal ausgemalt,
dass dieser Gast, der gar so frönt
und so mit seiner Speise prahlt,
sich urplötzlich in Armut wähnt.

Ein Gossenkind (kein Haus, kein Bett),
das nur auf hartem Brote beißt.
Und wenn er dann ein Festmahl hätt',
dann wüsste er, was Danke heißt!



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 22. Januar 2014

Der Rastlose



Warte, Geist! Wo willst du hin?
Warum in die Ferne schweifen?
Hast nur Streunerei im Sinn,
statt den Augenblick zu greifen.

Treibst dich in den Jahren rum,
die schon alle längst verschwunden.
Bliebest du mal still und stumm,
hättest du dein Ziel gefunden.

Deine stete Reiselust
will mir keine Freude bringen.
Wahrlich, Geist, du musst, du musst
mit der Zeit im Einklang singen.

Immerzu verlässt du mich!
Ach, das kann ich gar nicht leiden.
Hieß es nicht mal: mich und dich
kann nur Gottes Wille scheiden?

Doch wie sieht die Wahrheit aus?
Ständig musst du auswärts essen.
Ständig zieht es dich hinaus.
Hast du den Moment vergessen?

Diesen einen, jetzt und hier?
Darin solltest du verweilen!
Geh nicht immer weg von mir,
spare dir die vielen Meilen.

Ruhe aus, entspanne dich.
Siehst du, du bist angekommen!
Endlich bist du da und ich
hab' dich in mein Herz genommen.



© Bettina Lichtner

Dienstag, 21. Januar 2014

Wehe, wenn sie losgelassen ...

Wenn sie Gift und Galle spritzt,
ist mit ihr kein Kirschen essen.
Gibt sie aber sich gewitzt,
lässt sie allen Zorn vergessen,

den sie angst- und schreckenhaft
Knall auf Fall durch Räume schleudert
mit recht wortgewalt'ger Kraft,
selten aber maßgeschneidert.

Doch sie kann auch andersrum.
Dann fließt Honig, süß und lecker.
Und den schmiert sie dran und drum
wie ein fleiß'ger Kuchenbäcker.

Ach, dann schmilzt mein Herz dahin,
und das Schmeicheln soll nicht enden,
weil ich gar so hungrig bin
nach den unverhofften Spenden.

Sie ist allen wohl bekannt.
Wie im Käfig schläft die Gute,
mal am fest-, mal losen Band.
Jeder trägt sie in der Schnute.

Ihr Kostüm ist wandelbar.
Eben Freude, plötzlich Zweifel.
Eben wärmend, dann polar.
Heute Engel, morgen Teufel.

Ja, die Zunge. So und so.
Du alleine kannst sie zügeln.
Sprichst du also hart und roh?
Oder wird dein Wort beflügeln?



© Bettina Lichtner

Ein Lob dem Zufriedenen

Braucht der Mensch denn teure Kleider?
Braucht er Gold an Arm und Hand?
Fleht er nach dem Blick der Neider
wie ein Irrender nach Land?

Möchte er sich Wert verleihen,
den er niemals sonst erfuhr?
Ach, der Tod wird ihn befreien
von dem Fluch der güldnen Uhr.

Seht, wie ihn an der Taler kettet
und die Gier in ihm erweckt.
Fühlt sich jener nicht gerettet,
der die Einfachheit entdeckt?

Der mit weniger zufrieden?
Der dem Markenwahn entsagt?
Wahres Glück ist dem beschieden,
der den Schritt nach innen wagt.

Der sich nicht mit Reichtum brüstet,
welcher sowieso vergeht.
Den es nicht nach mehr gelüstet,
weil die Zeit auch das verweht.

Er trägt seine teuren Werte
innendrin und wahrt sie dort.
Welch ein wertvoller Gefährte!
Ihm gebührt mein Lobeswort.



© Bettina Lichtner

Montag, 20. Januar 2014

Das Fremde in dir

Du bist deines Willens König!
Doch du atmest ihn zu wenig.
Dass die Welt dich fremdbestimmt,
ist es, was die Luft dir nimmt …

Immer nur, wie andre wollen!
Aus dem Wollen wird ein Sollen,
und Zufriedenheit ertrinkt,
denn dein Willen ist verlinkt.

Ist verlinkt mit diesen Leuten,
die da durch dein Leben schreiten,
so als ob es ihres sei.
Deines ist da einerlei.

Und sie geben dir Befehle.
Merkst du nicht, wie deine Seele
ganz allmählich rebelliert,
weil ein anderer sie führt?

Mensch! Wach auf! Sie woll'n dich fressen!
Welchen Schatz hast du besessen.
Weißt du noch, wie jener hieß?
Dieser Schatz, der dich verließ?

Dieser Schatz, mein Freund, hieß WÜRDE.
Doch die ach so schwere Bürde
dieser fremdbestimmten Zeit
stürzte sie in Traurigkeit.

Du allein nur hast in Händen,
diesen Wahnsinn zu beenden.
DU BIST DEINES WILLENS HERR.
Deiner Würde dürstet 's sehr …



© Bettina Lichtner



Sonntag, 19. Januar 2014

Hast du Hunger?



"Hunger, Hunger!!" Wessen Schreie
ziehen da durch Bein und Mark?
Meine Nerven reisst 's entzweie,
die mir eben noch so stark …

Und ich gehe durch die Massen,
und es schreit von jeder Seit'.
Und es ziehen durch die Gassen
Hungrige im Menschenkleid.

Einen greif' ich mir, zu fragen,
was des Hungers Anlass sei.
Und er wagt es kaum zu sagen
und geniert sich so dabei.

Doch ich will und muss es wissen,
denn es schreit so drumherum.
Hin- und wieder hergerissen
gibt Befragter sich noch stumm.

Musste zwischen Zeilen lesen,
und die Antwort hat betrübt.
Denn der Grund ist der gewesen:
Viele werden nicht geliebt!!!

Hungrig schreien sie nach Liebe,
doch die Zeit ist schnell und kalt.
"Kalt und Schnell" sind Liebesdiebe
von verletzender Gestalt.

Hab und Gut wird mehr umworben
als ein Herz, das Hunger hat.
Mancher einer ist gestorben,
der ward nie durch Liebe satt …



© Bettina Lichtner

Samstag, 18. Januar 2014

Der verpasste Zug

Wenn wir erst mal älter sind,
sind die Träume längst verflogen,
die wir taub und stumm und blind
durch die lange Zeit gezogen.

Tausend Wege ohne Ziel
werden bleiben nach den Tagen,
und ein mulmiges Gefühl,
weil es fehlte, dieses Wagen.

Dieser Mut, der nötig wär',
Träumen ein Gesicht zu geben.
Und die Hände greifen leer
nach dem letzten bisschen Leben ….

Fragen drehen einen Strick,
und die Antwort bleibt verschwiegen.
Suchten wir das falsche Glück?
War es gar ein Selbstbetrügen?

Holt uns erst das Alter ein,
und die Uhr läuft hin zum Ende,
würden wir gern jünger sein
und ersehnen eine Wende.

Doch dann ist der Zug längst weg.
Und wir stehen auf den Gleisen
mit den Träumen im Gepäck,
die mit uns gen Himmel reisen ….



© Bettina Lichtner


Freitag, 17. Januar 2014

Waschtag



Wohlan, das Bad ist angerichtet!
Das Wasser warm, die Wanne voll.
Zur Wäsche bist du nun verpflichtet.
Du weisst, was das bedeuten soll …

Herrje, was hat sich angesammelt!
Der Schmutz ist scheinbar meterdick.
Es riecht vermodert und vergammelt,
dass ich in deiner Näh' erstick'!!

Ja, ja, Gehirn! Nun schlägt die Stunde.
Der Dreck muss weg, dass Licht eindringt.
Mit Wut und Angst warst du im Bunde;
da siehst du mal, was sowas bringt!

Von Vorurteilen überladen
trieft schlechte Meinung von der Wand.
Wie kannst du selber dir so schaden!?
Komm, nimm den Lappen in die Hand.

Und schrubbe dir die ganzen Schichten
der Schlechtigkeiten von der Haut.
Denn Ein- und Durchsicht woll'n sich lichten.
Wird Zeit, dass alles sauber schaut.

Wird Zeit, dass sich das Gute breitet,
und alles, was sich angehäuft,
und dich so lange schon begleitet,
im heißen Bade jäh ersäuft.


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 16. Januar 2014

Der quakende Prinz

April, April im Januar.
Wo eben heitre Sonne war,
nun Regen, Sturm und Kälte.
Mal frühlingshaft und mal polar ...
Der Wetterfrosch hüpft sonderbar
im Glas und erntet Schelte.

Es schaut mich an, das grüne Ding,
als ob an mir sein Leben hing,
und zittert vor dem Tode.
Noch als die Wut sich Worte fing,
da flüstert jemand: "Ach, nun bring
dem Kleinen eine Ode …"

Die Äuglein größer noch als groß
verharrt der Frosch. Was mach' ich bloß?
Das Mitleid grölt Parolen.
Ich nehm' den Grünen auf den Schoß,
lass' Böses ja und Abscheu los
und tu, wie mir befohlen.

Ein Lobeswort, ein Dankeslied,
weil er sich Tag um Tag bemüht,
das Wetter zu erahnen.
Welch Freude durch den Kleinen zieht.
Ich muss mein teuflisches Gemüt
zum Mitgefühl ermahnen.

Ein Lächeln ziert das Froschgesicht,
dass es sogleich das Herz mir bricht.
Da tat ich 's Tierchen küssen.
Ein Krach, ein Knall, ein helles Licht,
und plötzlich liegt, Ihr glaubt es nicht
ein Prinz auf meinen Kissen.

Ein Kerl wie er im Buche steht.
Er hat sich zu mir hergedreht
und lächelt so verwegen …
Und als sein Blick nach draußen geht,
da quakt er wie ein Frosch im Beet:
"Das Wetter bringt heut' Regen ..."


© Bettina Lichtner

Dienstag, 14. Januar 2014

Eine Stunde

Ach, es ist die Stunde mir ja heilig,
die in aller Stille und in Einsamkeit verbracht.
Endlich hat die Uhr es nicht mehr eilig.
Endlich kein Kalender, der mein Handeln überwacht.

Zeit für mich alleine. Gott, ich danke …
Schließe meine Augen und bin aller Sorgen frei.
Bin in mir versunken und ich tanke
Ruhe und Gelassenheit. Auch Freude ist dabei.

Wie doch gleich das Bittere verschwindet,
als der süße Frieden in die Seele dringt und bleibt,
die sogleich zu Gottes Nähe findet,
dass es gar ein frommes Wort zur Oberfläche treibt:

"Lieber Gott, der Augenblick ist köstlich,
denn er bringt zutage, was der Alltag so versteckt.
Stürmen sonst die Zeiten kalt und östlich,
hab' ich warme Länder in der Innenwelt entdeckt.

Schatten, die von deinem Licht beleuchtet,
lösen sich vom Herzen, dass es hüpft und dass es springt.
Heilig ist die Stunde, die mir beichtet,
dass sie allzu gerne eine Ruhezeit verbringt."



© Bettina Lichtner

Montag, 13. Januar 2014

Vom Kind in der Krippe



Und das Kindlein in der Krippe
- heutzutage Hort genannt -
zieht beleidigt eine Lippe,
als des Mutters traute Hand

schon um sieben in der Frühe
ihm zum Abschied eiligst winkt.
Und das Krippenkind hat Mühe,
dass der Abschied auch gelingt.

Ach, wie gerne schlief es weiter
in dem warmen Bett zu Haus.
Doch, als sei es ein Gefreiter,
treibt der Frühappell es raus.

Gleich hinein in dieses Leben,
das nur in Terminen denkt.
Und das Kind, geboren eben,
wird im Kripplein abgelenkt.

Abgelenkt von seiner Klage
und von seiner Müdigkeit.
Und so geht es alle Tage
der so knappen Kleinkindzeit.

Späterhin, wenn 's Kind erwachsen,
und die Eltern greis und krank,
drehen sich die Zeitenachsen,
und noch vor dem Erbschaftszank

bringt das große Kind die Alten
in das Heim und lässt sie dort,
bis sie ihre Hände falten
(manchmal ohne Abschiedwort).


© Bettina Lichtner

Sonntag, 12. Januar 2014

Vier Augen

"Ach, wir sind so schwach geworden.
In der Ferne schwimmt das Bild.
Osten, Süden, Westen, Norden
sind vom Nebel eingehüllt."

Meine Augen tragen Trauer,
weil die Schärfe sie verließ.
Und die Zeit lag auf der Lauer,
bis sie jäh zum Angriff blies.

Und da kommen sie geritten -
Dioptrien noch und noch.
Hilft kein Flehen und kein Bitten,
sie belagern mich ja doch.

Und sie schlagen ihre Lager
in den recht- und linken Blick.
Die Verteidigung ist mager,
niemand kämpft sich Land zurück.

Aus den Augen laufen Tränen.
Wer will schon Verlierer sein?
Ach, wo sind die ganzen schönen
Blicke ohne Nebelschein?

Plötzlich wächst der starke Wille,
und der Mut trotzt der Natur.
Die Geburtsstunde der Brille
dient auch mir der Korrektur.

Oh, wie klar erscheint die Weite.
Wie so deutlich ist die Welt.
Was die Eitelkeit so scheute,
hat sich rettend dargestellt.



© Bettina Lichtner

Samstag, 11. Januar 2014

Mond-Streit-Sonate



"Zeit, dass man den Mann entthront!",
ruft das weibliche Geschlecht.
"Endlich eine Frau im Mond!",
pocht sie auf das gleiche Recht.

Und der Mondscheintradition,
und dem Mann im Sichelbett,
droht die Emanzipation,
die gern mehr vom Kuchen hätt'.

Doch die starke Männlichkeit
stellt sich auf und stellt sich quer.
NEIN! Sie gibt dem Frauenkleid
niemals ihre Hosen her.

Doch es drängt die Frau mit Macht
zur gehobnen Position.
Ein Geschlechterkampf entfacht
um den hohen Himmelsthron.

Argumente - Contra, Pro -
wechseln her und wieder hin.
"ÜBERHAUPT UND SOWIESO …"
Langsam wird der Atem dünn.

"ICH BLEIB HIER!!", "ACH KOMM, HAU AB!!"
Und der Mond steht still und schweigt.
Und hat somit kurz und knapp
seine Übermacht gezeigt.

"Männlein, Weiblein - mir egal.
Ich allein beherrsch die Nacht.
Diese Posse kann mich mal.
Nie hat Streit was eingebracht.",

… dachte sich der gute Mond.
Und da haben (was es gibt)
Mann und Frau ihr Herz belohnt
und sich kurzerhand verliebt.


© Bettina Lichtner

Freitag, 10. Januar 2014

Auf zur Kur

Komm' nur Sturm und feg' die Lasten
mir davon mit Stärke elf.
Meine Seele möchte fasten,
denn sie tobt mit Stärke zwölf.

Ja, sie braust mit wildem Wüten,
dass das Herz mir fast zerspringt.
Und die Zunge muss sich hüten,
dass sie 's Teufelslied nicht singt.

Nur ein Funken schlechter Laune
hat den schweren Brand entfacht.
Und der Frieden sagt: "Ich staune
ob des Funkens starker Macht."

Die Beherrschung sucht das Weite,
und der Ton nimmt schärfend zu.
Wär 's die letzte Stunde heute,
ging ich wutentbrannt zur Ruh'.

Ach, wo sind die guten Thesen,
die das Auge gierig las?
Ist es nur ein Wort gewesen,
das die Uhr alsbald vergaß?

Dieser Donner, dieses Grollen,
dieser Wutsturm innendrin,
hat mich so verhärten wollen,
dass ich mir ein Fremder bin.

Doch ich muss die Bremse ziehen.
Rettungsanker Sportparcours.
Laufend aller Wut entfliehen,
ist die beste Seelenkur.



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 9. Januar 2014

Sprung ins Ungewisse

Ein jeder Mensch will frei entscheiden.
Denn wer will schon gezwungen sein?
Wir lieben die Entscheidungsfreuden,
und nicht den Stolperstein.

Wir sehnen uns nach geraden Wegen,
und einer weithin klaren Sicht.
Und will die Zeit uns Hürden legen,
passt uns die Stunde nicht.

Am liebsten sind uns Sonnenstrahlen.
Nicht Seelensturm und Nervenkrieg.
Noch während wir mit Lüsten prahlen,
gehört dem Tod der Sieg.

Das Unbequeme auszublenden,
dass nur das Angenehme bleibt,
das schmeckt uns gut, derweil vor Stränden
die Last des Lebens treibt.

Liegt erst das Süße auf der Zunge -
wer braucht da schon die Bitterkeit?
Und doch, und doch, mit einem Sprunge
verwandelt sich die Zeit.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 8. Januar 2014

Die letzte Kamille

Es blüht noch immer die Kamille
im kargen Garten hinterm Haus.
Welch ein bewundernswerter Wille!
Da kommt ein Kind und reißt sie raus.

Und zupft die Blätter ihr vom Kopfe.
Und knickt sie rechts und links zur Seit'.
Da pack' ich 's Kindchen hart am Schopfe
und rufe: "Bist du noch gescheit??

Du kommst daher und reißt die Pflanze,
die noch so froh des Lebens stand,
aus ihrem schönsten Wintertanze
mit deiner ungestümen Hand.

Am liebsten würde ich ….. " Schweig stille!
Jetzt nur kein falsches Wort gesagt.
Das Kindchen weint auf die Kamille,
weil ihn die Schuld so mächtig plagt.

Und die Kamille lässt sich hängen.
Ein letzter Blick, dann welkt sie hin.
Welkt hin in Kindchens zarten Fängen.
Ein rascher Tod und ohne Sinn.

Da legt das Kind die Blume nieder,
und gräbt ein Grab und legt 's hinein.
Im nächsten Frühjahr kehrt sie wieder,
doch wird sie nie die Alte sein …



© Bettina Lichtner



Heilende Klänge

Will die Stimme sich erheben,
und ein Lied zum Besten geben,
ach, wie da die Blicke kleben
an des Sängers Lippenbeben.

Und so schmelzen glockenhelle
Töne gar die dicken Felle.
Und das Glück türmt sich zur Welle,
sogar Tränen sind zur Stelle …

Alle Sinne sind betroffen.
Der Gesang legt Welten offen,
die auf eine Heilung hoffen.
Endlich frei von all dem Schroffen.

Bloß ein Lied, doch diese Klänge
lösen eine innre Enge,
wie 's ansonsten nie gelänge,
denn der Alltag ist gestrenge.

"Sing' nur weiter, holde Kehle,
dass ich mich daran beseele.
Sei das Licht in meiner Höhle,
dem ich die Glut und Wärme stehle …"

Oh, welch wohliges Empfinden,
wenn Gefühle heimwärts finden,
die mir sonst des Tags erblinden,
und so oft in Trübsal münden.


© Bettina Lichtner




Dienstag, 7. Januar 2014

Der Klavierspieler

Weiße Tasten, schwarze Tasten
zaubern einen schönen Klang.
Mal ein Schleichen, mal ein Hasten.
Jeder Ton ein Seelenfang.

Ich kann die Gefühle fühlen.
Und der Spieler spielt und schweigt.
Ach, es hat sein zartes Spielen
mir den Weg zu mir gezeigt.

Tief inmitten macht sich Ruhe,
machen sich gar Träume breit.
Und das äußere Getue
ist auf einmal meilenweit.

Meine Augen will ich schließen,
dass das Ohr sich konzentriert.
Und das Herz will mir zerfließen,
wenn der Spieler konzertiert.

So geschmeidig - seine Hände.
Und so sinnlich sein Gespür.
Nähme es doch nie ein Ende,
dieses Spiel auf dem Klavier.

Ich verschlinge die Oktaven
dieser süßen Partitur,
all die wilden und die braven
Töne, die in Moll und Dur.

Und dann hallt der allerletzte
Klang durch den betörten Saal.
Diesen Klang, den ich so schätzte,
hört' ich allzu gern nochmal ….

© Bettina Lichtner


Montag, 6. Januar 2014

Tanz der Grade

Platztausch bei den Jahreszeiten!
Glaubt man, dass es Winter sei,
zeigt der Frühling seine Seiten,
und es riecht nach Mai.

Erste Bäume schlagen Triebe
und die Vögel sind vergnügt.
Durch die Seele schleicht die Liebe.
Doch das Wetter trügt.

Die Narzisse fragt verlegen:
"Hab' ich meinen Start versäumt?
Frühlingssonne auf den Wegen,
oder ist 's geträumt?"

Und das Veilchen fasst zusammen:
"Lenz im Winter, warm statt kalt.
Keiner mehr, der seine klammen
Finger reibt und ballt."

Und der Januar kriegt Haue
- bloß verbal - vom Schlittenfreund.
Denn die Luft ist ihm zu laue,
und der Lenz sein Feind.

Wird der zweite Monat kühler?
Wer kann schon die Zukunft sehn?
Keiner hat Orakelfühler!
Nur das Jetzt ist schön.

Nehmen wir die Kapriolen
wie sie uns gegeben sind.
Und so bleiben uns gestohlen
Sonne, Schnee und Wind.


© Bettina Lichtner


Sonntag, 5. Januar 2014

Alle Jubeljahre einmal

Wortlaut einer Suchanzeige:
"Baldigst melde sich der Zeuge,
der das schon so oft zitierte
Jubeljahr als seines kürte.

Denn zum Kreis der seltnen Funde
zählt das Jahr samt seiner Stunde.
Wessen Blatt hat es beschrieben?
Welches Spiel hat es getrieben?

Hat es gar ins Mark getroffen?
Machte es dich glücksbesoffen?
Hat es dich mit Gold behangen?
Klebte Pech an deinen Wangen?

Jubeljahre (lässt sich lesen)
- ob sie gut, ob schlecht gewesen -,
galten stets als Raritäten,
die die Saat nur einmal säten.

Was sie brachten, was sie lehrten,
welche Zeiten sie durchquerten,
bleibt zumeist auf deiner Reise
eine einmalige Weise.

Wenn ein solches Jahr dich wählte,
dir gleich Glück, gleich Leid erzählte,
bist du selbst ein seltner Kunde
dieser Jubeljahresstunde."



© Bettina Lichtner

Samstag, 4. Januar 2014

Ahne folgt auf Ahne

Eh für uns die Zeit auf unsrer Lebensuhr begann,
legten unsre Ahnen schon die Trampelpfade an.
Trampelpfade in den Genen - deshalb bist du du.
Und bevor du du warst, trug ein ein andrer deine Schuh.

Und bevor du du warst, sprach der Mund ein andres Wort.
Sahen deine Augen andre Zeiten, andren Ort.
Hörten deine Ohren einen Klang, der dir heut' fremd.
Haben deine Schultern eine andre Last gestemmt.

Ja, bevor du du warst, ging der Leib durch manches Leid.
Manchmal durch das Feuer und bestimmt auch durch die Freud'.
Auch an den Gedanken wurde unentwegt gebaut.
Nun bist du der Bauherr, der sich neue Wege traut.

Sieh, bevor du du warst, floss dein Blut durch den und die.
Ohne all die Ahnen gäb es weder ihn noch sie.
Ohne all die Ahnen wärst du nimmer, wer du bist.
Wer da wohl in deinem Fleische ahnenführend ist?

Ach, bevor du du warst - und das scheint mir intressant -,
gaben tausend Namen sich die Klinke in die Hand.
Wie du wohl geheißen hast im Ahnenkarussell?
Dieses birgt die Ewigkeit und ward auch nie mehr hell.

Irgendwann bist du der Ahne, den man nicht mehr kennt,
der in frischen Kleidern durch das Zukünftige rennt.
Und bevor er er ist, war er du - kommst du noch mit?
Wisse, deine Ahnen sind dir nah auf Schritt und Tritt.


© Bettina Lichtner

Freitag, 3. Januar 2014

Das Wort ist fort

Kinderstube, Frauenzimmer,
Männerwirtschaft … kurios!
Manches Wort ruft: "Ich verkümmer'
in dem neumodernen Schoß."

Ausgestorben und vergessen
oder längst schon ausgetauscht
ruht das alte Wort, denn wessen
Herz wird noch vom Klang berauscht?

Allenfalls des Dichters Feder
hebt es an das Tageslicht.
Doch Gedichte liest nicht jeder,
wenn ein alter Wortschatz spricht.

Mittelalterliche Weisen
auf dem Blatt der Gegenwart,
gleichen altem Kutschenreisen -
holprig ist die Zungenfahrt.

Jenem, der Gefallen findet
an dem alten Sprachgebrauch,
ihn vertieft und gar ergründet -
ist das Wort nicht Schall noch Rauch.

Er erforscht die alten Schätze,
und besucht das alte Gut
wie vertraute schöne Plätze,
wo das Wort der Ahnen ruht.



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 2. Januar 2014

Eigener Herr

Aus den Nerven - sonst so dünne -
wurden Seile, drahtig, fest,
dass ich eine Rüstung spinne,
die mich kaum erschaudern lässt.

Denn Bedrohung jeder Weise
dringt nicht mehr wie dazumal
bis zum inneren Gehäuse;
meine Haut ist nun aus Stahl.

Daran prallen Angriffswellen
- welcher Sorte sie auch sind -
einfach ab, denn es verstellen
Drahtige den Weg geschwind.

Argwöhnisch beäugen jene
alles, was um Einlass fleht.
Für die groß gespuckten Töne
hat der Wind sich bald gedreht.

Nur die süßlichen, die feinen,
sind den Nerven lieb und nett.
Diese finden immer einen
Einlass in das Stahlkorsett.

Durch des Lebens Wechsellehren
formte sich die Nervenwelt.
Ihr nicht sklavisch zu gehören,
hab' ich mir zum Ziel gestellt.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 1. Januar 2014

Fisch zu Tisch

"Miau, Miau …", schnurrt um den Vater
ganz leise ein Silvesterkater.
Doch raunt der Vater: "Ach, verschwinde.
Du trägst die Schuld, dass ich mich winde …

In meinem Kopf - ein Durcheinander.
Krieg' meinen Sinn nicht beieinander.
Es schmerzt von oben zu den Füßen.
Ich kann die Stunde nicht genießen."

Der Kater aber hebt die Pfoten:
"Hier ist doch Ehrlichkeit geboten.
Nicht ICH bin Schuld (so deine Klage),
als vielmehr wohl dein Trinkgelage.

Du hast dich nicht beherrschen können.
Doch solltest du die Wirkung kennen
von zu viel Schnaps und Bier und Schoppen.
Jetzt will die Übelkeit dich foppen.

Kann man Prozente nicht vertragen,
dann rebellieren Kopf und Magen,
und wollen zu verstehen geben:
hier ging so manches Glas daneben.

Ich wüsste was, dich zu erlösen.
Du würdest sicher bald genesen,
gibst du mir Rollmöpse zu fressen.
Dann wär' der Schmerz dir bald vergessen."

So bitten lauter saure Fische
die Kater zu Neujahrestische.
Der Vater füllt die leeren Speicher,
und fühlt sich gleich um Kräfte reicher …


© Bettina Lichtner