Freitag, 28. Februar 2014

Das Rettungsboot

"Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben." (Psalm 34,19)


Verzweifelt läuft ein Mensch durchs Tal,
die Hoffnung längst verloren.
Er träumt von anno dazumal,
als Freude herrschte statt der Qual,
und wünscht' sich neu geboren.

Wie war die Zeit, die ihm entflog,
doch bunt geschmückt und heiter.
Mit jedem Jahr, das weiterzog,
verschwand aus seinem Seelentrog
die Sonne und so weiter.

Das Pech bot ihm die Brüderschaft
und ließ sich nicht vertreiben.
Es nahm sein ganzes Herz in Haft,
und raubte jede Lebenskraft.
Kein Wort kann es beschreiben …

Das Glück hat sich davon gemacht.
Es blieb nur für Sekunden.
Wie lang schon hat er nicht gelacht,
die Tage nicht mehr froh verbracht.
Vom Kopf zur Sohle Wunden.

So ging er nun von Gram gebeugt
durch goldbehängte Länder.
Die Stolzen sind so abgeneigt,
wenn einer sich verzweifelt zeigt.
"Ihr Heuchler und Ihr Blender!!"

Nur einer nahm sich seiner an,
als alle sich verkrochen.
Und das war Gott. Er hat sodann
dem, der sich selbst nicht helfen kann,
ein Rettungsboot versprochen.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 27. Februar 2014

Sein eigen Sohn

"Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde." (Johannes 15,13)


Ein Herz, das liebend zu dir steht,
sogar für dich durchs Feuer geht,
sogar für dich sein Leben lässt,
hält nie besessen an dir fest.

Ein solches Herz ist Jesus mir!
Kein andres Herz lass' ich zur Tür,
als dieses, das von Gott gesandt.
"Herz Gottes, sei mein Heimatland!!!"

Es gab für mich sein Leben her.
Für mich und jeden Wanderer,
dass uns die Sünd' genommen ist.
"Oh Herr, oh Herr, wie groß du bist."

Wenn wer für dich sein Leben gibt,
weil er dich mehr als alles liebt,
dann übe dich in Dankbarkeit,
denn dir geschah Barmherzigkeit.

Sag: Tätest du es Jesus gleich
und gäbst dein Leben, das so reich,
für einen andren Menschen her???
Den meisten fiel 's doch furchtbar schwer …

Und gäbst du gar dein eignes Kind,
dass alle frei von Sünde sind???
Gott hat 's getan! Sein eigen Sohn
gab er dem Tod. Hob er zum Thron …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 26. Februar 2014

Der Hochgeschätzte

"HERR, wer unter allen Göttern ist dir gleich? Wer ist wie du, heilig und herrlich? Wer vollbringt so große furchterregende Taten? Wer tut Wunder - so wie du?" (2. Mose 15,11)


Wie wir in die Irre rannten!
Ehrfurcht scheint ein fremdes Wort.
Gott zählt zu den Unbekannten.
Paradies ….. ein fremder Ort.

Wer kniet noch zum Beten nieder?
Wer ruft: "Herr, ich ehre dich!!"?
Findet Euren Glauben wieder!
Hin zum WIR und weg vom ICH.

Ehrfurcht lehrt uns innehalten.
Da ist mehr als Geld und Gold.
Innerlich das Glück entfalten -
ach, wer hat es nicht gewollt?

Ehrfurcht vor dem Herrn da oben,
käm' den Menschen gut zupass.
Habt Ihr erst den Blick gehoben,
ehrt IHN ohne Unterlass!!

Ihn, der Eure Wege baute.
Ihn, der Eure Träume kennt,
der Geheimnisse durchschaute,
wenn Ihr sie auch nimmer nennt.

Jenem gilt es, Stund' um Stunde
ehrfürchtig und treu zu sein.
Alles Böse geht zugrunde,
lädst du Gott ins Leben ein.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 18. Februar 2014

Lacht mal wieder

Wisst Ihr, was die Welt verlor?
Sie verlor den Sinn -
diesen einen für Humor.
Doch wo ging er hin???

Jeder singt sein Klagelied
tags und auch bei Nacht.
Der Humor indes verblüht,
wenn kein Herz mehr lacht.

Weltanstriche schwarz und grau.
Zeit und Räume trist.
Spürt Ihr, dass die Leidensschau
alle Freude frisst?

Griesgrämiges Angesicht.
Teilnahmsloser Mund.
Menschenskinder, wisst Ihr nicht:
LACHEN IST GESUND.

Merkt Ihr nicht die Energie,
die ein Lachen birgt?
Hat bei dir und dir noch nie
Lachen Glück bewirkt?

Wenn dein Herz nach Freude schreit,
schenke ihm Humor.
Nutze die Gelegenheit.
Öffne Aug' und Ohr.

Sieh nicht nur den grauen Ton,
den du selbst gemalt.
Lach' doch mal, und baldigst schon
hat sich 's ausgezahlt.



© Bettina Lichtner

Samstag, 15. Februar 2014

Ganz einfach

Einfach Mensch sein! Nichts mehr müssen.
Einfach atmen. Einfach ….. sein.
Dass wir nichts vom Menschsein wissen,
liegt am Stress und uns allein.

Einfach schlendern durch die Felder -
hast du das schon mal getan?
Oder halten dich die Gelder
wie gefesselt in der Bahn?

Einfach riechen an den Pflanzen.
Und verzaubert sein vom Duft.
Mit den Schmetterlingen tanzen.
Ach, das Glück liegt in der Luft …

Einfach lächeln - ohne Gründe
(schaut der andre auch verhärmt).
Man begeht ja keine Sünde,
wenn man von der Stunde schwärmt.

Einfach singen wie die Meise,
wie die Amsel, wie der Star.
Alle Tage eine Reise ….
Und für sich ganz wunderbar.

Einfach träumen unter Sternen,
und mal barfuß durch das Gras.
Man kann alles wieder lernen,
was man immer schon besaß.

Einfach Mensch sein. Einfach leben.
Gebt den Fesseln keine Macht.
Eine Antwort sollt ihr geben:
Habt Ihr je an Euch gedacht???


© Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. Februar 2014

Ich will nicht

Zepter, Krone, Thron und Macht -
wollen ihm zum Wohl genügen.
Wie ihm da die Seele lacht,
weiß er doch ums sichre Siegen!

Mürrisch ist das Mienenspiel.
Dazu braucht es keine Brille!
Er zeigt deutlich sein Gefühl -
der bekannte Widerwille.

Pflichterfüllung? Nicht sein Ding.
Sein Protest spricht klare Worte.
Ist die Freude ihm gering,
tritt der Unmut durch die Pforte.

Und sein Blick - dämonenhaft.
Er mutiert zum Miesepeter.
Und das Lachen friert und gafft,
und verabscheut das Gezeter.

"WIDERWILLE! Halte ein!
Schluss jetzt mit dem Machtgehabe!
Kannst du nicht zufrieden sein?
DAS ist eine güldne Gabe!!!

Denke um und denke neu.
Lerne Tun und Werk zu lieben!
Augenblicklich bist du frei.
Musst dich halt im Lieben üben.

Liebe, was du gerade machst.
Sieh das Gute in den Dingen.
Wenn du übers Leben lachst,
wird es nichts als Freude bringen."



© Bettina Lichtner




Mittwoch, 12. Februar 2014

Das arme Kleid

Des Bettlers Schuh, des Bettlers Kleid,
will keiner gerne tragen.
Doch sollte man von Zeit und Zeit
den Kleiderwechsel wagen.

Es geht uns allen viel zu gut,
der Stolz spricht tausend Bände.
Wenn man des Bettlers Reise tut,
schmückt Dankbarkeit die Hände.

Ein Dank für jeden Bissen Brot,
und für ein warmes Kissen.
Es will ja von des Bettlers Not
der satte Mensch nichts wissen.

Verächtlich, überheblich gar,
sind Worte und sind Blicke.
Man baut gleich Mauern. Sonderbar!
Doch selten eine Brücke …

Man stellt sich über diesen da,
den 's Los so hart getroffen.
Was wohl so Schlimmes ihm geschah?
Die Antwort bleibt uns offen.

Es ist kein allzu großer Schritt
vom reichen Mann zum armen.
Da kommt ein Leben aus dem Tritt,
und keiner hat Erbarmen.

Es wär' von Sinn, so dann und wann,
vom Protz sich zu entfernen.
Hätt' man des Bettlers Kleider an,
was würde man wohl lernen?



© Bettina Lichtner

Dienstag, 11. Februar 2014

Peace, please

Schluss mit Online-Petitionen
und der feigen Mobberei!
Die Gewaltfaszinationen
sind von Nächstenliebe frei …

Habt Ihr Spaß am Echauffieren
in der Anonymität?
Man erzählt sich hinter Türen,
dass man erntet, was man sät …

Scheinbar seid Ihr schlecht erzogen.
Warum bleibt Ihr denn versteckt?
Euer Wort kommt hart geflogen,
aber Ihr bleibt unentdeckt …

Im Verbund mit einer Masse,
die nicht Scham hat, noch Verstand.
Der Benimm nicht erste Klasse.
Und so hasserfüllt die Hand,

die da tippt, als würd' sie morden.
Das ist Cyberkrieg! Bei Gott!
Was nur ist aus Euch geworden?
Zieht die andren in den Spott …

"Lieber der.", scheint Ihr zu denken.
"Bloß nicht ich, den man zerreißt!"
Dieses anonyme Kränken,
das auf Datenbahnen kreist,

ist ja kaum mehr zu ertragen.
Keinem Tier fiel' so was ein!
Mobber zählen zu den Plagen
dieser Welt. Lasst Frieden sein!!!


© Bettina Lichtner

Montag, 10. Februar 2014

Die Geplagten

"Ich bin Nudist! Und das mit Stolz!",
sagt unbeirrt das Birkenholz.
"Im Gegensatz zur Menschenhaut,
wo keiner weiß, wie 's drunter schaut,
zeig' ich, wie Gott mich ausgedacht,
und bin auch blattlos eine Pracht.

So stehe ich am Straßenrand,
den Winter in der rechten Hand,
den Frühling in der linken, und
treib' meine Spiele still und bunt.
Doch wenn ich wieder duftend blüh',
quält Tausende die Allergie.

Sobald ich meine Knospen treib',
die Pollen um die Nasen reib',
na, dann ist allseits Heuschnupf-Zeit.
Entschuldigung, das tut mir leid …
Was kann denn ich für die Natur?
Gott schuf mich und ich wachse nur …

Die Apotheken rüsten auf
(wohl für den Nasenspray-Verkauf).
Es juckt zudem der ganze Hals,
und, ach, die Augen ebenfalls.
Drum Tropfen noch und Pillenkram …
(Dabei bin ich ich so lieb und zahm).

Verstehe wer die Menschenwelt!
Was dem Naturfreund so gefällt,
das ist dem anderen ein Schreck.
Er geht ins Haus und sperrt sich weg,
und sehnt das Ende her vom Spuk,
und meint damit den Pollenflug.

Die Vögel aber singen schon
auf meinem noch so nackten Thron.
Bald bauen sie ein Nest hinein
und ich darf ihr Beschützer sein,
darf sehen, wie die kleine Brut
den Flügelschlag ins Leben tut.

Dem einen bin ich nichts als Leid.
Dem anderen hingegen Freud.
Ach, wie man 's macht, ist es verkehrt.
Doch lass mich, Mensch, ja unversehrt,
und schlag' mich nicht vom Stamme! NIE,
nur wegen deiner Allergie …"



© Bettina Lichtner

Sonntag, 9. Februar 2014

Wunder gibt es noch und noch

Oh, wie herrlich! Wie erquickend,
wie so kostbar und beglückend
ist der Weg doch, den ich gehe,
ist die Welt doch, die ich sehe.

All die vielen wundersamen
kleinen Dinge ohne Namen,
die das Herz mit Freude nähren,
kann die Stimme nicht erklären.

Was die Augen still ertasten,
lass' ich in der Seele rasten,
spar' es mir für dunkle Stunden,
dann wird es am besten munden.

Dann, wenn innen Regen schüttet,
wenn das Herz um Hilfe bittet,
dann enthüll' ich all die Bilder,
und die Stimmung wird gleich milder.

Ich bedaure die Gehetzten
und die innerlich Verletzten.
Und ich wünschte, ach, sie sähen
diese rettenden Trophäen.

Diesen Zauber unsres Lebens.
Diese Löhne allen Strebens.
Diesen Sinn und all die Farben,
die im Alltagsgrau erstarben.

Ihr habt Augen, um zu schauen,
Hände, um am Weg zu bauen,
Ohren, Gottes Wort zu hören -
zieht nur endlich Eure Lehren …


© Bettina Lichtner

Freitag, 7. Februar 2014

Take it easy

"Bin so gerne unbequem!",
ruft vergnüglich das Problem,
"ja, ich bin dem Tode ähnlich,
denn ich stehe für gewöhnlich
ohne Warnung in der Zeit.
Macht Euch stets für mich bereit.

Ich bin unberechenbar.
Wo es eben eben war,
liegen plötzlich lauter Steine,
manchmal große, manchmal kleine -
allesamt von mir gelegt.
Schon ist das Gemüt erregt.

Mal bin ich ein Labyrinth,
wo Millionen Wege sind,
doch die Lösung bleibt verborgen,
und Ihr irrt in all den Sorgen,
wisst nicht aus und auch nicht ein,
und ich darf verbissen sein.

Mal bin ich ein hoher Berg,
den du, kleiner Menschenzwerg,
und Ihr ganzen Menschenwürmer,
Großmäuler und Gipfelstürmer,
erst einmal bezwingen müsst,
eh der Sieg die Seele küsst.

Mal bin ich ein Staubkorn bloß,
doch Ihr blast mich riesengroß,
und dann sprenge ich die Mauern,
kann gar Jahre überdauern.
Oh, mein Atem ist so lang,
und so schmerzlich mein Gesang.

Ich verlange Strategie,
Willensstärke, Geistesmüh'.
Schwäche ist mir ja zuwider.
Löst Ihr mich, verschwind' ich wieder.
Leichte Schultern (Tipp von mir)
tragen mich gleich raus zur Tür."



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 6. Februar 2014

I love me

Höre ich den Menschen klagen:
"Ich bin wütend über mich!",
ach, dann möchte ich ihm sagen:
"Lerne eines: LIEBE DICH!!!

Gräme dich nicht deinetwegen.
Nimm dich hin und nimm dich an.
Eigenliebe! Welch ein Segen!
Glücklich, wer sich lieben kann!

"Oh, ich liebe gutes Essen.
Oh, ich liebe guten Wein." -
Fade Worte und indessen
fresst Ihr Wut in Euch hinein …

Ihr liebt dieses, Ihr liebt jenes,
liebt vergänglichen Konsum.
Eigenliebe ist 'was Schönes.
Doch das merkt Ihr erst posthum …

Manchmal liebt ihr (doch wie lange???)
gar ein andres Herz (oh weh …).
Tausend Küsschen auf die Wange
(wenn ich auf das Ende seh' ….).

Diese ganzen Liebeleien …
Und im Inneren herrscht Zwist.
Lernt, Euch selber zu verzeihen.
Und wenn das gelungen ist,

dann erst könnt Ihr wirklich lieben.
Das ist ja des Wunders Kern.
Sagt zu Euch, wie hier geschrieben:
ICH BIN GUT UND HAB' MICH GERN!!!"



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. Februar 2014

Gesegnete Mahlzeit

Da sitzt ein Mensch vor Speis' und Trank,
schließt seinen Blick und schweigt.
Und hat im Stillen seinen Dank
fürs reiche Mahl bezeugt.

Wie Recht doch jener Fromme hat!
Und wir? Was machen wir?
Wir essen uns zwar rund und satt,
doch …. danken wir dafür???

Es ist die Selbstverständlichkeit!
Die macht uns alle blind!
Ob Frühstück-, Mittag-, Abendzeit -
wir essen, wo wir sind.

Man schmatzt, man stopft, man schlürft, man schlingt,
wann immer es beliebt.
Doch dass man seinen Dank darbringt,
ist selten. Das betrübt …

Zum Beispiel: Ohne Sonnenlicht
wüchs' gar nichts auf dem Feld.
Es gäbe all die Früchte nicht,
wenn nimmer Regen fällt.

Zum Beispiel: Ohne Menschenfleiß
blieb wohl der Teller leer.
Im Essen stecken Zeit und Schweiß
und ach so vieles mehr.

Zum Beispiel gibt das arme Tier
sein Leben (ungewollt).
Es bliebe gar zu gerne hier.
Kein Dank wird ihm gezollt …

Welch Egoismus weit und breit.
Mehr Demut braucht die Welt.
Enthält man sich der Dankbarkeit,
ist 's schlecht um uns bestellt …



© Bettina Lichtner

Dienstag, 4. Februar 2014

Brüchige Worte



Manch' Versprechen - Gott verzeihe -
gleichen nutzlosem Geschwätz.
Und dem Wort folgt bald die Reue.
Das Versprechen fällt entzweie
wie ein brüchiges Gesetz.

Ganz besonders kann man sehen,
dass - was man sich selbst verspricht -
sich die Worte schnell verdrehen
und recht rasch im Abseits stehen,
weil der Wille dran zerbricht.

Hat man sich vielleicht versprochen:
"Keine Schokolade mehr!",
kommt der Schweinehund gekrochen,
hat am süßen Zeug gerochen,
und macht uns das Leben schwer.

Wollte man sich selbst beweisen,
dass man nimmer ängstlich ist,
stürzt gewiss beim kleinsten leisen
Rascheln in den Nachtgehäusen
ein des Mutes Stahlgerüst.

War man gar - beim Blick zum Spiegel -
felsenfest zum Sport bereit?
Doch schon lockern sich die Zügel,
und man scheut sich wie ein Igel.
"Morgen, heute … keine Zeit."

Wollte man sich innen bessern?
Hilfsbereit statt egoman?
Eine Welt voll von Vergessern!!
Worte, die zu schnell verwässern.
Pläne für den hohlen Zahn.

Wenn wir 's eigne Wort nicht halten,
ein Versprechen nichts mehr gilt -
wie dann eine Welt gestalten,
wo Verlass und Liebe walten,
und Vertrauen Hunger stillt???



© Bettina Lichtner


Montag, 3. Februar 2014

Zug um Zug



Trinke, Lunge, von den Lüften!
Noch gehört der Atem dir!
Denn in Gräbern und in Grüften
gibt es Fenster nicht noch Tür.

Kräftig seien deine Züge -
ein der Frieden, aus die Wut,
ein die Liebe, aus die Rüge,
aus die Angst und ein der Mut.

Spür' den Atem in dir drinnen.
Halt' ihn für Sekunden fest.
Lass' ihn durch die Zellen rinnen,
eh sein Zauber dich verlässt.

Jeder Atemzug ein Wunder.
Keiner ist wie der davor.
Gibt das Leben dir auch Zunder,
leih' dem Atemzug dein Ohr.

Keiner wird sich wiederholen.
Jeder ist ein Unikat.
Sind wir erst der Luft bestohlen,
ist es bald der Tod, der naht.

Atme, atme! Nutz' die Stunde!
Schätze den immensen Wert
deines Atems, der im Grunde
dir nur Zug um Zug gehört …



© Bettina Lichtner

Sonntag, 2. Februar 2014

Gute Reise!

Ich nehme mir ein Blatt Papier,
vielleicht in grün, vielleicht in blau,
auf jeden Fall in DIN-A-Vier,
woraus ich mir ein Schiffchen bau'.

Auf dieses schreibe ich sodann
den Namen, der mir zugeteilt.
Mit alledem (so schnell ich kann)
bin ich zum offnen Meer geeilt.

Und als ich vor den Wellen stand,
und über mir das Himmelszelt,
nahm ich nochmal den Stift zur Hand,
weil mir sogleich ein Groschen fällt.

Ich schreibe voller Eifer los:
"Was macht mir Angst? Nur frei heraus …"
Da löste sich ein Strick, ein Kloß.
Ich schalte Stolz und Schweigen aus.

"Verlustangst" ist das erste Wort,
und "Flugangst" gleich an Nummer zwei.
Die Angst vor einem finstren Ort
setz' ich an Stelle Nummer drei.

Ich schreib und schreib und schreib und schreib.
Der Stift wird heiß. Die Seele glüht.
Als ob ich eine Lampe reib',
und draus ein böser Angstgeist flieht …

Das ganze Schiff ist vollgepackt
mit Ängsten der diversen Art.
Da liegen sie, ganz frei und nackt,
und warten auf die große Fahrt.

Die nächste Welle nimmt sie mit.
"Zu dir, oh Herr, schick' ich das Boot."
Es ist für mich ein erster Schritt
zu lösen mich von innrer Not.

"Nimm hin die Ängste, die da sind,
und hilf mir, ihrer Herr zu sein.
Bin länger nicht das Sorgenkind.
Du lässt, mein Gott, mich nie allein …"



© Bettina Lichtner

Samstag, 1. Februar 2014

§§§

Auf dem Amtsschimmel sitzt der Paragraphenreiter,
die Gesetzeshütung immer fest im Blick.
Ich versuch' ihn zu verführen mittels Heilkräuter,
doch er setzt mir die Pistole ins Genick.

Und er droht mir mit Verhandlung vor dem hohen Richter.
Und das angesetzte Bußgeld - mein Ruin!
Und ich flehe: "Ach, ich bin doch nur ein armer Dichter."
Doch vergeblich ist das Flehen und das Müh'n.

Die Verstöße sind begangen und wohl unverzeihlich.
Ich darf wählen zwischen Bargeld oder Knast.
Und ich frage: "WAS? GEFÄNGNIS"; und der Richter: "Freilich!"
Ach, du Internet, so wirst du mir zur Last …

Selbst ein Anwalt ist zu teuer, ich muss selber reden.
Doch als Laie ist es doppelt mal so schwer.
Ich bewege mich auf nie gekannten fremden Böden.
Und das Richterwort schießt hart wie ein Gewehr.

Keiner lächelt, keiner schmunzelt, es gefriert im Zimmer.
Mir wird bange, sowas bin ich nicht gewohnt.
Scheinbar macht mein Wort die ganze Lage arg und schlimmer.
Und von bösen Blicken bleib' ich nicht verschont.

Keine Gnade lässt man walten. Wie ein Schwerverbrechen,
so behandelt man das gänzliche Delikt.
Meinem Blutdruck muss ich eiligst strikte Ruh' versprechen.
Die Gerechtigkeit hat sich derweil verdrückt …


© Bettina Lichtner