Montag, 28. April 2014

Verlorene Klänge



So verstummt doch, Ihr Motoren!
Ihr seid Gift für meine Ohren!
Die Natur alleine salbt mir das Gehör.
Die Verbindung geht verloren
zu den Faunen und den Floren.
Denn der Lärm macht das Konzerterlebnis schwer.

Der Gesang von Fink und Meise
dringt mit Mühe nur und leise
durch das Dröhnen und das Brummen her zu mir.
Gar in machohafter Weise
ziehen Autos ihre Kreise,
so als seien sie allein im Jetzt und Hier.

Das so schöne Tirilieren
will mich selten nur berühren.
Und ich sehne Pferd und Kutschen mir zurück.
Durch das Röhren und Vibrieren
wird der Mensch den Weg verlieren,
der ihm Stille bringt, Entspannung und auch Glück.

Beinah vierundzwanzig Stunden
wird der Lauschgang mir geschunden,
denn sie fahren durch den Tag und durch die Nacht.
Doch die Lösung scheint gefunden:
Denn ich drehe meine Runden
auf zwei Beinen in der schöpferischen Pracht.

Weit entfernt von den Mobilen
darf ich hören, darf ich fühlen,
darf ich sehen, was durch Gottes Hand entstand.
Darf mit allen Sinnen spielen,
in Geräuschkulissen wühlen,
die ich draußen vor den Toren nimmer fand …



© Bettina Lichtner

Samstag, 26. April 2014

Der gelbe Löwe

Welch schönes Schauspiel hat begonnen!
Es drängen ungezählte Sonnen
sich aus der Erde in das Licht.
Schon ist das Herz mir süß umsponnen,
wie sonst ja nicht.

Es ist des Löwenzahnes Reigen,
der mich zum Staunen führt und Schweigen.
Ein wahres Wunder der Natur.
Er will sein Können uns gern zeigen -
ein Zauber pur …

Er strahlt so gelb wie die Zitrone.
Von seiner kleinen güldnen Krone
ernährt sich allerlei Getier.
Dass ich mit Giften ihn verschone,
verlangt Gespür.

Verlangt Gespür fürs kleinste Leben.
Verlangt Gespür, ins Herz zu weben,
was Gott in Liebe sich erdacht.
Auch so ein Löwenzahn ist eben
von Gott gemacht.

Bald hört der Löwe auf zu brüllen,
dann wird sein Antlitz sich verhüllen,
und er zieht leise sich zurück.
Es ist genau nach Gottes Willen,
zu seinem Glück.

Und über Nacht kommt er zum Ruhme
als eine weiße Pusteblume,
die bald entschwindet unsrer Sicht.
Wuchs einst aus dunkler Erdenkrume
ans Tageslicht ….



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 25. April 2014

Mit allem Mut

Vor noch gar nicht langer Zeit
(Gott, verzeih' die kleine Lüge),
zog die Jugend mir ihr Kleid
und fuhr eifrig ihre Siege.

Meine Haut so schön und glatt,
und die Haare braun wie Pferde.
Und mein Spiegel sah sich satt,
und ich tanzte auf der Erde …

Ich stolzierte wie ein Pfau,
auf der Jagd nach süßen Pfiffen.
Mich bedeckte Frühlingstau,
und ich war so ungeschliffen …

Doch die Schönheit nahm den Hut,
und aus Pfiffen wurde Schweigen.
Es erfordert allen Mut,
alt sich dieser Welt zu zeigen.

Meine Haut wird blass und kraus,
schwanenweiß sind meine Haare.
Alles sieht so greise aus.
Ringsherum nur junge Paare …

Jung das Fräulein, jung der Herr.
Nach Bewunderungen heischend.
Alt zu werden ist nicht schwer,
aber manchesmal enttäuschend.

Plötzlich bin ich unsichtbar.
Und man läuft mich übern Haufen.
Eines ist und bleibet wahr:
unser aller Zeiten laufen ….



© Bettina Lichtner
Halleluja



Donnerstag, 24. April 2014

Früher Mai

Trinkt, Ihr Leut', mit ganzer Lust
aus des Maien süßer Brust,
die er zaghaft, warm und still
allen gibt. Schon im April …

Explodierendes Gefühl.
Erstes zartes Sommerspiel.
Kuss vom satten Lippenrot.
Wahrlich, Winter, du bist tot …

Aufgewacht sind Wald und Flur.
Alles dreht sich mit der Uhr -
wie es scheint von ganz allein.
Jemand lädt zum Staunen ein.

Jemand? Doch nicht irgendwer!
Es ist Gottes frohe Mär,
die uns allen Freude macht.
Denn die Welt ist SEINE Pracht.

Seine Wunder schauen wir.
"Gott, ach Gott, wir danken dir …
Nach des Winters kalter Stund',
treibst du es nun froh und bunt.

Schenkst uns Farben noch und noch.
Lässt uns lieben, lachen ….. doch,
willst uns auch ein Mahner sein,
denn die Lebenszeit ist dein."

Liebe Leute, denkt daran:
haltet ein und haltet an.
Nicht das Geld regiert die Welt!
Gott ist 's, der das Zepter hält …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 23. April 2014

Shakespeares' Werke

Vorhang auf. Das Spiel beginne.
Romeo küsst Julia.
Hamlet hat den Tod im Sinne.
Was Ihr wollt, bekommt Ihr ja …

Seht, der Sturm fegt auf der Bühne,
bis Othello niederfällt.
Und Mcbeth - vor Hexen kühne -
wird tyrannenhaft entstellt …

Wie es euch gefällt, Ihr Lieben,
spricht das Wort Euch Maß für Maß.
Ist bis heute treu geblieben,
und bis heute bringt es Spaß.

Widerspenstige Pennäler
lernen Cäsar, Julius.
Sonst ja eher Parolen-Gröler.
Shakespeare aber ist ein Muss.

Nicht verlorne Liebesmühe!
Ich zieh' gerne meinen Hut.
Heut' wie damals, spät bis frühe:
Ende gut gleich alles gut …

Dank, Herr Shakespeare, für Ihr Werken.
Für die weise Wortgewalt.
Ob Sie wohl im Himmel merken,
wie Ihr Schaffen wallt und schallt?



© Bettina Lichtner
Halleluja


Dienstag, 22. April 2014

Kleine Geschenke



Das junge Fräulein wirkt nervös,
den Blick zur Uhr gewandt.
Wie ich an ihren Augen les',
scheint sie recht angespannt …

Was hat sie nur, was drückt sie so?
Behält sie Contenance?
Sie wirkt besorgt, als dass sie froh,
und scheint nicht in Balance …

Mal läuft sie hin, dann wieder her.
Man wird nicht richtig schlau.
Ich glaube, etwas lastet schwer
auf dieser jungen Frau.

Kein Lachen spielt ihr im Gesicht,
der Ausdruck ist verhärmt.
Und wenn sie auch kein Wörtchen spricht,
ihr Herz, es schreit und lärmt …

Die Uhr schlägt drei, die Uhr schlägt vier.
Da hetzt ein junger Mann
(ich glaub', es ist ein Kavalier)
heran, so schnell er kann.

Sie hebt die Hand und droht und brüllt.
Der Mann hat 's wohl gewusst.
Hat eiligst einen Strauß enthüllt
und tut ganz schuldbewusst.

Dann zückt er aus dem Jackenkleid
ein Ringlein - pures Gold -.
Er kniet sich hin und spricht zur Maid:
"Das hab' ich nicht gewollt!"

Der Blumenstrauß, der Ring und er,
wie er so reuig schaut -
die Frau ist nicht von ungefähr
seither des Mannes Braut …



© Bettina Lichtner

Samstag, 19. April 2014

Überhörter Pfiff

Eine Drossel singt mit Power
und mit langer Atemdauer
mir des Abends - so um acht -
stolz ihr Lied zur guten Nacht.

Ihr zu lauschen bringt mir Freude.
Eine wahre Ohrenweide.
Und das Tagesende klingt
durch den Vogel so beschwingt …

Ach, der Kleine. So versunken
in sich selber. Hab' gewunken,
doch er hatte keine Zeit
für ein Rendezvous zu zweit.

Er blieb brav bei seinen Klängen,
und schlug meine noch um Längen.
Bei dem Vogel-Lenz-Konzert
hab' ich gerne zugehört.

Und ich wollt' ihm imponieren
und im Pfeifen mich probieren,
doch er reagierte nicht
auf den Pfiff im Dämmerlicht.

Bin ja bloß ein Menschenwesen,
kann wohl rechnen, schreiben lesen,
aber tirilieren? Nein.
Da ist Schluss mit dem Latein …



© Bettina Lichtner
Halleluja


Freitag, 18. April 2014

Fanfaren der Liebe



Trunken vor Glück setzt der Sperling sich nieder,
flüstert der Linde: "Ich bin so verliebt …".
Und es pulsiert unterm jungen Gefieder,
weil dort ein Falter den Liebestanz gibt.

Und 's kleine Herzchen pocht wild ihm im Leibe,
wenn er nur denkt an die Dame der Wahl.
Ob ich 's mit Worten auch richtig beschreibe?
Heiß muss es klingen, nicht trostlos und schal …

Aufgeregt zittert dem Kleinen der Schnabel,
trällert er lauthals ein liebliches Lied.
Jemand klatscht Beifall und ruft: "RESPEKTABEL",
dass sich der Sperling gleich weiter bemüht.

Endlich erhört die Erwählte sein Singen,
flattert herbei und rückt näher heran.
"Freundlich von dir, mir ein Ständchen zu bringen.
Scheinbar bist du ein romantischer Mann."

Seht nur, wie rot ihm sein Köpfchen da funkelt.
Schweigen im Walde. Verlegenheit pur.
Meisen und Drosseln, die haben gemunkelt:
"Bald gibt es Kinder! Wir stellen die Uhr!!"

Zwischen den Blättern der blühenden Linde
turtelt die Liebe und baut sich ein Nest.
Ich aber steh an der knorrigen Rinde,
träumend …… und halte den Augenblick fest.

Wahrlich, im Frühling, wenn Tiere sich paaren,
und wenn aus Knospen ein Blütenmeer wird,
spielen sie auf, all die Liebesfanfaren,
und sind Gedanken vom Glück ganz verwirrt …



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 17. April 2014

heiß & kalt



Und ich lausche all den Zügen
deines Odems in der Nacht.
Seit' an Seit' mit dir zu liegen,
nichts kann mehr als dieses wiegen.
Oh, wie mir die Lust erwacht …

Meine Hände wollen gleiten
übers gottgemachte Land.
Wollen über Grenzen schreiten,
dir den ganzen Leib enthäuten,
wie 's noch nie geschrieben stand …

Meine Küsse, wild und glühend,
wollen gern erwidert sein.
Und vom Kopf zum Fuße ziehend
hüllen sie, Verlangen sprühend,
dich in die Begierde ein.

Alle Zügel lass ich fallen.
"Auf, Gedanken, Ihr seid frei."
Wie mir die Gefühle wallen …
Und als trüg' ich Katzenkrallen
kratz' ich dich mit Lustgeschrei …

Du jedoch liegst schnarchend stille.
Und ich mühe mich hier ab.
Da erkaltet mir der Wille.
Und ich greif mir Buch und Brille,
weil es sonst kein Lustspiel gab.

Und am Morgen liest du gähnend
deine Zeitung wie sonst auch,
übers schlechte Wetter stöhnend,
deinen Kopfschmerz noch erwähnend -
und von Liebeslust kein Hauch …



© Bettina Lichtner

Dienstag, 15. April 2014

Liebe vor dem Sturm



Honigsüße Wörter schleichen
mir zu Ohren ohnegleichen.
Doch das Herz gibt zu bedenken,
sich nicht blindlings zu verschenken.

Wittert hinter Schmacht und Süße
bitterböse Abschiedsgrüße.
Und dann schwindet die Amore
bei der Frau und dem Signore.

Nach dem stürmischen Liebkosen
bleibt der Dorn nur von den Rosen,
und hört nimmer auf zu stechen.
Und die Treueschwüre brechen …

Porzellan fliegt durch die Kammer.
Und die Wut schlägt wie ein Hammer
kurz und klein die Luftschlosswände.
Hässlich, hässlich ist das Ende.

Doch die Honigschmeicheleien,
die sich ihrer Süße freuen,
wollen nichts von derlei wissen.
Und sie küssen mich und küssen.

"Denk doch nicht an übermorgen!
Denn die Zukunft bleibt verborgen.",
säuseln sie und sind nicht stille.
Schwaches Fleisch, doch ach der Wille …

Ach, der Wille will sich sträuben,
denn was ihm die Zweifel schreiben,
scheint nicht von der Hand zu weisen.
Oh, wie die Gedanken kreisen …

Heute Honig, morgen bitter!
Morgen glanzlos, heute Glitter …
Heute. Morgen. Willensschwächen.
Küss mich, eh die Dornen stechen.


© Bettina Lichtner

Montag, 14. April 2014

Zeit frisst Kuss



Eine viel zu kurze Weile
liegt dein Kuss auf meinem Mund.
Wieder mal bist du in Eile,
so als ritten tausend Gäule
deine eine kleine Stund'.

Kann ihn kaum mehr richtig schmecken,
diesen schnell gehauchten Kuss.
Kann kein Feuer mehr entdecken.
Wollte seine Lust erwecken,
doch da war schon wieder Schluss.

Der mich einst zum Schmelzen brachte,
lockt mir keinerlei Gefühl.
Früher war er zart und sachte.
Doch der Lauf der Jahre machte
ihn zum Fremden mir und kühl.

Früher war mein Leib sein eigen.
Und er nahm sich und ich gab.
Seit sich aber Spuren zeigen,
die vom Älterwerden zeugen,
schweigt der Kuss so wie ein Grab.

Das Begehren ist verschwunden.
Und von Liebe keine Spur.
Hab' ihn einst so schön gefunden.
Doch er will mir nicht mehr munden,
dieser Kuss. Ein Kuss ja nur …


© Bettina Lichtner

Sonntag, 13. April 2014

Der Sommer kommt in Bälde



Bald, schon bald - es lohnt das Warten -
sind die Wiesen angemalt.
Sommerfarben aller Arten
schenken sich ganz unbezahlt.

Schenken uns aus ihren Krügen,
dass der Blick sich gern betrinkt,
dass die Sinne sich vergnügen
und das Herz zum Himmel springt.

Bald, schon bald - welch Freudenreigen -
lädt die Au zum Sommerfest,
uns ihr buntes Kleid zu zeigen,
das im Herbst die Welt verlässt.

Schwingen erst in lauer Brise
Halm und Blüte hin und her,
auf der schönen Sommerwiese -
Seele, ach, was brauchst du mehr.

Bald, schon bald - Geduld, Ihr Lieben -
strahlt es grün und rot und blau.
Und dann ist der Lenz vertrieben,
und am Morgen glänzt der Tau.

Frohes Leben tritt zutage.
Und der Atem saugt die Luft.
Was ich auch an Schwerem trage -
leichter wird 's bei diesem Duft.

Bald, schon bald - die Wochen fliehen -
gibt er uns sein Stelldichein,
dieser Sommer. Und dann blühen
Herzen auf im Sonnenschein.

Helle Freude steht schon bebend
vor des Sommers bunter Tür.
Und die Spinne - fleißig webend -
ruft mir zu: "Ich bin schon hier …".



© Bettina Lichtner

Samstag, 12. April 2014

Wertloses Geschwätz

"Das Herz allein kennt sein Leid, und auch in seine Freude kann sich kein Fremder mengen." (Sprüche 14, 10)




Siehst du Menschen, siehst du Hüllen.
Welches Herz in diesen schlägt,
ob darinnen Schmerzen brüllen,
ob es Freudentränen füllen -
weiß nur jener, der es trägt …

Doch die Oberflächlichkeiten
sind dem Urteil ausgesetzt.
Innerliche Traurigkeiten,
innerliche Glückseinheiten -
werden leider unterschätzt.

Und die Blicke, die sie schmeißen,
ordnen dich in gut und schlecht.
Auch das Wort will dich zerreißen.
Und sie spucken, kratzen beißen,
und sind dennoch ungerecht.

Denn dein Herz kann keiner sehen.
Alle sehen nur die Haut.
Doch die Tiefen und die Höhen,
die im Herz geschrieben stehen,
die hat keiner je geschaut.

Diese kennst nur du alleine.
Selten gibst du etwas preis.
Aber Gott, der große Eine,
Herr der Seelen und Gebeine,
weiß, was sonst kein andrer weiß.

Er allein sieht tief nach innen.
Er allein kennt dich genau.
Lass die Leute Worte spinnen,
die durch alle Siebe rinnen.
Gott ist Liebe. Ihm vertrau.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 11. April 2014

Der Schwur

"Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach." (Psalm 34, 15)



Da sitzt er nun, der Bösewicht,
als Räuber vor dem Strafgericht,
ganz regungslos und stumm.
Ein Zeuge, der belastend spricht,
bringt Neues vor und wirft ein Licht
auf das Szenarium.

Das Publikum lauscht interessiert.
Der Richter, der die Feder führt,
hat einen strengen Blick.
Die Frage, ob er Reue spürt,
die hat der Täter still negiert.
Es reue ihn kein Stück …

Da geht ein Raunen durch den Saal.
Der Anwalt ruft: "Moment einmal …"
und schaut den Täter an:
"Du hast hier keine andre Wahl,
es gibt nicht Kopf und auch nicht Zahl:
Bereue! Sei ein Mann!"

Der Bösewicht besinnt sich schnell,
und reut an Ort und auch an Stell'.
Das wird sogleich notiert.
"Aha, jetzt wird der Kopf ihm hell." -
der Richter ist ein Ulk-Gesell.
Der Saal hat applaudiert.

Der Beifall aber störte sehr,
da wurd' der Richter zickiger
und mahnte lang und breit.
Er stellte eine Ordnung her,
und fortan klatschte keiner mehr.
Ein Fehler macht gescheit …

Der Strafprozess gewann an Fahrt.
Der Ton war milde, manchmal hart.
Doch Härte musste sein.
Der Täter (von der stillen Art),
der hat sein Wort noch aufgespart
(er hielt die Ordnung ein).

Und als er an der Reihe war,
da sprach er deutlich und auch klar:
"Es tut mir wirklich leid."
Der Richter zog sich den Talar
(der kleidete ihn wunderbar).
Es hoben sich die Leut'.

"Das Urteil", so der hohe Mann,
und sprach direkt den Täter an:
"Ein Jahr Sozialarbeit.
Ein Jahr bist du mit Pflegen dran,
drum streng dich an und halt dich ran
und lern' aus dieser Zeit."

Seit diesem Tage war er brav
und nimmermehr das schwarze Schaf.
Er büßte und ward Christ.
Vorbei war aller böser Schlaf.
Er schwor, als ich ihn kürzlich traf,
dass er nun friedlich ist …


© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 10. April 2014

Seid unser Gast

"Gebt uns Raum in euren Herzen! Wir haben niemand Unrecht getan, wir haben niemand verletzt, wir haben niemand übervorteilt." 
(2. Korinther 7, 2)



Es stehen vor unseren Türen
geflohene Seelen mit nichts in der Hand.
Und stehen so hilfslos, den Rücken zur Wand,
und wollen den Mut nicht verlieren …

Geflüchtet vor tödlichen Waffen,
geflüchtet vor Feinden, vor Hunger und Tod.
Und weil sich so gar keine Zukunft mehr bot,
half Gott, einen Ausweg zu schaffen …

Vor Augen das tägliche Sterben,
das Blut auf der Straße, die Angst vor dem Gleich.
Wie macht doch der Frieden die Übrigen reich!
Im Krieg liegen Träume in Scherben.

Sie wagen den Schritt in die Ferne.
Sie bitten um Zutritt zur friedlichen Welt.
Und wehe, wer Wege und Grenzen verstellt,
dem gebe ich Veilchen und Sterne!

Bedenkt, wenn WIR Flüchtlinge wären,
was wären wir froh, käm' uns Hilfe zuteil.
Wenn andre sich sorgen ums seelische Heil,
wir würden gleich Dankbarkeit schwören!

Kein Hab mehr, kein Gut, keine Bleibe.
Ich stelle mir vor, ich trüg' selbst solch ein Leid …
Habt Mitleid mit denen, die solchem geweiht.
Gebt Liebe dem hungernden Leibe …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 9. April 2014

Verschwiegenes Glas

"Es geschah aber, als wir zum Gebet gingen, da begegnete uns eine Magd, die hatte einen Wahrsagegeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen." (Apostelgeschichte 16, 16)



"Sprich, du Kugel. Was liegt an?
Sag mir, ob ich hoffen kann,
dass die Träume Wahrheit werden.
Oder gibt es da Beschwerden?

Komm schon. Ich beschwöre dich!
Und du weißt auch sicherlich,
was mein Leben sonst noch bietet.
Ob da gar was Böses wütet.

Bitte du, verrate mir:
lässt mich Gott noch lange hier?
Werde ich gar hundert Jahre?
Lieg' ich früher auf der Bahre?

Dass du so verschwiegen bist,
halte ich für eine List.
Willst du mir nicht alles sagen?
Ich kann gut und schlecht ertragen!"

Himmel nein, wie stumm und stur
stellt die Kugel sich doch nur.
Reibe sie seit drei, vier Stunden,
um die Wahrheit zu erkunden,

aber ach, sie spricht ja nicht.
Sie verfärbt nicht mal ihr Licht.
Und sie lässt sich nichts entlocken.
Fast will mir der Atem stocken.

Denn ich wittere Betrug.
Alles Humbug. Alles Spuk.
Lieber will ich Gott vertrauen,
ohne ihm ins Glas zu schauen ….



© Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 8. April 2014

Polyethylenterephthalat

"Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen." (Jesaja 44, 13)



Da gab es diesen Kunststofftisch,
der altersmäßig noch recht frisch.
Der Mensch (bekannt als Wegwerf-King)
sprach abfällig vom Plastikding.

Geboren einst als Massenkind
(wer weiß, wo die Geschwister sind?),
erstand man ihn für wenig Geld
in einer Sonderpostenwelt.

Bald schmückte er des Gärtners Reich.
Die Frau des Hauses stellte gleich
Geschirr und bunte Blumen drauf.
Auch Gäste kamen nun zuhauf.

Den ganzen Sommer ging das so.
Da war der Tisch des Lebens froh.
Im Herbst jedoch war alles aus,
man warf ihn ohne Grund hinaus …

Statt seiner war ein Tisch aus Holz
schon bald des Gärtners ganzer Stolz.
Robust und echte Handarbeit,
zudem von langer Lebenszeit.

Ein sogenanntes Unikat
mit echtem Meisterprädikat.
Es klebten gar vom Zimmermann
noch Herzblut, Zeit und Schweiß daran.

Da hat das Plastik ausgedient!
Und leider bleibt nicht ungesühnt,
dass Kunststoffmüll uns überschwemmt.
Wohl dem, der sich dagegen stemmt!

"Belebt die gute Handwerkszunft
und kommet endlich zur Vernunft!"
Was war die Welt wohl wunderbar,
als sie noch frei von Plastik war …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 7. April 2014

Ernte & Saat

"Mein Auge soll ohne Mitleid auf dich blicken, und ich will nicht gnädig sein, sondern ich will dir geben, wie du verdient hast, und deine Gräuel sollen über dich kommen, dass ihr erfahrt, dass ich der HERR bin." (Hesekiel 7, 4)



Es war einmal ein Schoko-Eis,
das war so cremig zart.
Das lockte mich zum Sonderpreis -
ich blieb nicht länger hart.

Gesagt, gekauft, bestaunt, geschleckt.
Ein ausnahmsloses Glück.
Der Schweinehund hat Blut geleckt.
Mein Herz sagt: "Das macht dick!"

Der Schweinehund will mehr und mehr
aus dem Schlaraffenland.
Wo kommt denn bloß der Hunger her?
Verlorener Verstand …

So geht es Tag um Tag und ach
die Waage steigt und steigt.
Bis dass sie unter Ach und Krach
fast hundert Kilo zeigt.

Die Karies wirft Anker aus
im leidenden Gebiss.
Der Reih' nach fallen Zähne raus.
Die Dritten sind gewiss.

Die Leute blicken komisch drein.
Mein Anblick irritiert.
Das Mitleid könnte größer sein.
Ich hab' nur Spott gespürt.

"Das kommt davon", so rufen sie.
"Man erntet, was man sät."
Jetzt ess' ich wenig - so wie nie -
und halte streng Diät.



© Bettina Lichtner
Halleluja


Sonntag, 6. April 2014

Der Heimatlose

"Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, so ist ein Mann, der aus seiner Heimat flieht." (Sprüche 27, 8)



Wo nur ist mein Herz zuhause?
Wo kann es geborgen sein?
Zieht ja ohne Rast und Pause
heimatlos landaus, landein.

"Heimat, gib' dich zu erkennen.
Öffne deine warme Tür.
Möchte dich die meine nennen.
Sei doch nicht so hart zu mir.

Lässt mich durch die Irre gehen.
Ohne Kompass, ohne Plan.
Kann den rechten Pfad nicht sehen.
Komme völlig aus der Bahn.

Hab' die ganze Welt umrundet,
aber, ach, ich fand dich nicht.
Habe Mann und Maus erkundet,
sah den Ländern ins Gesicht.

Du, oh Heimat, hast mir leider
nirgendwo den Tisch gedeckt.
Und ich trage fremde Kleider,
bis mein Auge dich entdeckt.

Ich ersehne die Sekunde,
da du mir ein Nest gewährst.
Ach, welch eine schöne Stunde,
wenn du meinen Wunsch erhörst …."


© Bettina Lichtner
Halleluja


Samstag, 5. April 2014

Ich bin schwach, na und?

"Wenn ich mich denn rühmen soll, will ich mich mit meiner Schwachheit rühmen." 
(2. Korinther 11, 30)



Ihr verdammten Fehler, Ihr!
Euretwegen gab es Schläge,
dass ich den Prozess erwäge,
denn ihr wart ein Gräuel mir.

Ihr seid Schuld, dass ich als Kind
immer wieder leiden musste,
weil ich 's ja nicht besser wusste.
Meine Reue fraß der Wind.

Keiner sagte: "Sei getrost.
Fehler sind zum Wachsen wichtig.
Niemand macht es immer richtig."
Nein, das Umfeld war erbost.

Immer war ich drauf bedacht,
dass die Fehler nicht passierten,
doch weil Ängste mich regierten,
hab' ich alles falsch gemacht.

Jeder Fehler war zuviel,
darum wart Ihr mir zuwider.
Und der Schreck fährt durch die Glieder,
denk' ich an das alte Spiel.

Aber heute bin ich alt.
Und Ihr könnt' mich nicht mehr schrecken.
Und ich will Euch nicht verstecken.
Und ich trotze der Gewalt.

Und ich stehe meine Frau!
Und ich steh' zu meinen Schwächen!
Bis die Kräfte mir zerbrechen,
stell' ich alles stolz zur Schau!



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 4. April 2014

Verrostete Gänge

"Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und könnt euch doch nicht erwärmen; und wer Geld verdient, der legt 's in einen löchrigen Beutel." (Haggai 1, 6)



Ein Männlein auf der Waage
schaut ziemlich dämlich drein.
Er stellte sich die Frage:
"Wie kann denn sowas sein???"

Einhundertdreißig Kilo -
da schrie er lauthals: "ECHT????"
Er fühlte sich noch nie so,
so unbeschreiblich schlecht.

Wie konnte das geschehen?
Er aß doch nur Salat.
Er musste in sich gehen,
und jetzt kommt der Verrat:

Denn Pommes und Buletten,
und Chips und süßer Saft
(ganz reich an schlechten Fetten),
die haben das geschafft.

Und Eis und Schokolade,
und morgens fünf Croissants,
die brachten - schade, schade -
den Leib aus der Balance.

Der Hunger nahm kein Ende,
der Durst ward' immer mehr.
Das Geld rann durch die Hände,
und Fastfood machte schwer.

Er füllte seinen Magen
mit lauter schlechtem Fraß,
dass er nun voller Klagen
auf seiner Waage saß.

Sein Geist nutzt diese Stunde
und nimmt ihn sich zur Brust:
"Ich habe es im Grunde
ja immer schon gewusst.

Den Bauch, den tatst du füllen.
Doch ach, was war mit mir?
Mich ließest du vermüllen
in deiner steten Gier.

Ich hatte dich gebeten:
'Gib mir von Gottes Wort.
Das hilft in deinen Nöten
und trägt sie sachte fort.'

Doch du hast mir verweigert
die göttlich gute Kost.
Gewicht hast du gesteigert,
der Geist indes setzt Rost.



© Bettina Lichtner
Halleluja



Dienstag, 1. April 2014

Plappernde Mäuler

"Wer Geheimnisse verrät, ist ein Verleumder, und mit dem, der den Mund nicht halten kann, lass dich nicht ein." (Sprüche 20, 19)


Immer diese falschen Schlangen!
Freundlich tun, doch listig sein.
Hinter ach so süßen Wangen
hockt der falsche Schein …

Sie becircen, sie verführen.
Und dein Ohr glaubt, was es hört.
Doch der Tag der offnen Türen
ist ja gar nichts wert …

Sie verraten Anvertrautes,
und sie lügen wie gedruckt.
Nun, auf so ein truggebautes
Haus hab' ich gespuckt …

Es ist alles nur erfunden
und am Ende auch nicht wahr.
Wäre doch ihr Mund verbunden!
Denn sie sind Gefahr …

Klatsch und Tratsch, um abzulenken
von dem eignen falschen Hut.
Solchen Schlangen Zeit zu schenken,
tut fürwahr nicht gut.

Ihre Geister sind verworren.
Höchstwahrscheinlich sind sie leer.
Ihre Gerede wird verdorren
und das freut mich sehr.

"Plappermäuler, lasst Euch sagen:
Gott hört Euren Lügen zu!
Schwer habt Ihr daran zu tragen!
Darum gebet Ruh'."



© Bettina Lichtner
Halleluja