Sonntag, 11. Mai 2014

Futterneid im Überflussland

"Ich bin dran! Nein ich! Nein ich!"
Drängelei im Bäckerladen.
Und die Stimmung ändert sich.
Und man tritt sich in die Waden.

Futterneid hoch acht. Hoch zehn!
Die Regale quellen über.
Ich bleib still im Abseits stehn
(ist mir augenblicklich lieber …).

Die Verkäuferin bleibt cool.
Tja, was sollte sie auch machen?
Einer schreit: "Verdammter Fool …"
Da hört man die Grenzen krachen

jener, welche den Benimm
sonst ja so gezügelt halten.
Jetzt wird das Verbale schlimm,
weil sich Abgründe entfalten.

Jugendfrei? Bei weitem nicht!
Gürtellinie und darunter!
Puterrotes Angesicht.
Es geht drüber, es geht drunter.

Während alle streitend sind,
trete ich hervor zum Tresen
und bestelle ganz geschwind
Brot und Milch und was zum Lesen.

Keiner hat es mitgekriegt.
Ich verlass' den Laden eilig.
Zwei im Streit, der Dritte siegt!
Frieden, ach, du bist mir heilig …


© Bettina Lichtner


Samstag, 10. Mai 2014

Wie könnt Ihr vergessen?

Es sitzt ein greises Mütterlein
- vielleicht mag 's neunzig Jahr' alt sein -,
im Altersheim in Zimmer vier,
und schaut tagein, tagaus zur Tür …

"Wo sind denn meine Kinder hin,
ach, deren Mutter ich doch bin?
Ich zog sie groß und hielt sie warm
und nahm sie tröstend in den Arm.

Ich wusch und ich bekochte sie.
Und war es manchesmal auch Müh',
ich gab mein Bestes ihnen her.
Ich liebte sie doch gar so sehr …

Und als der Tag gekommen war,
da machte ich sie lebensklar
und ließ sie fliegen, ließ sie frei
(und so viel Wehmut war dabei …).

Sie flogen fort und ich ward alt.
Doch sie vergaßen mich schon bald.
Sie haben nimmermehr bedacht,
was ich dereinst für sie gemacht.

Nun sitze ich in Zimmer vier
und blicke auf die karge Tür,
doch keiner sagt, dass er mich mag.
Nur pflichtgemäß am Muttertag …"



© Bettina Lichtner

Freitag, 9. Mai 2014

Sammeln Sie Punkte?



Ob ich Punktesammler sei,
fragt die Dame an der Kasse.
Und ich sage frank und frei,
dass ich Punkte sammeln hasse.

Wo auch immer ich was kauf,
immerzu dieselbe Frage.
Bin genervt, und ich fall' auf,
weil ich übers Sammeln klage.

Jeder sieht mich komisch an.
Und ich nutz' die Gunst der Stunde:
"Liebe Frau und lieber Mann,
lieber hochverehrter Kunde!

Diese Punkte hier und dort
sollen locken und verführen.
Ihr sollt kaufen fort und fort,
dass die Punkte sich summieren.

Eine Falle! Gebt fein Acht.
Lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen.
Wenn Ihr Euren Geist bewacht,
wird Euch bald die Klugheit tragen.

Was jedoch, bedenket mal,
wenn Euch Gott am sichren Ende
fragt nach Eurer Punktezahl.
Wie viel zählen dann die Hände?

Punkte für die gute Tat?
Punkte auch für Nettigkeiten?
Für den blütenweißen Pfad?
Für ein stetes In-sich-Schreiten?

Punkte für Barmherzigkeit?
Und für Liebe? Und für Güte?
Punkte auch für Achtsamkeit?
Frohsinn ist die halbe Miete …

Solche Punkt braucht die Welt!
Solche Punkte! Und sonst keine ...
Punkte sammeln braucht kein Geld,
wenn Sie wissen, was ich meine."



© Bettina Lichtner

Was für Zeiten ...

Was sind das für Zeiten? Was ist hier nur los?
Gewalt gegen klein und Gewalt gegen groß.
Die Liebe, die Liebe, wo ist sie nur hin?
Was sind das für Zeiten, in denen ich bin?

Was sind das für Zeiten? Dämonen weltweit.
Sie rufen zum Kampf gegen jedwedes Kleid.
Sie nutzen die Fäuste, die Worte, das Schwert.
Das Leben der andren - egal und nichts wert.

Was sind das für Zeiten? Wie kalt mir doch ist.
Weil einer des anderen Heiterkeit frisst.
Weil einer dem anderen gar nichts mehr gönnt.
Weil einer sich neidisch vom anderen trennt.

Was sind das für Zeiten? Ich glaub, mir wird schlecht.
Auf Erden ist vieles nicht gut und gerecht.
Der Mensch kann wohl scheinbar nur kriegerisch sein,
und fängt den Zorn Gottes tagtäglich sich ein.

Was sind das für Zeiten? Als speit ein Vulkan
nur Feuer und Asche! Es treibt mir den Wahn …
Die Liebe muss sprudeln! Der Brunnen jedoch
ist nur ein vergessen vertrocknetes Loch …



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 8. Mai 2014

Beendet alle Kriege!

So viel Leid an allen Enden,
so viel Elend hier und da.
Eine Welt von Flächenbränden,
wo sie töten, wo sie schänden.
Und wer schweigt, sagt leise JA ….

Junge Kinderaugen schauen
in des Krieges bösen Schlund.
Während wir auf grünen Auen
träumen, herrscht das schlimmste Grauen
überall zur gleichen Stund' …

Doch die vielen, vielen Meilen,
die uns trennen von dem Leid,
lassen uns gar blind verweilen.
Und wir Blinden, ach wir feilen
lieber nur an unsrer Zeit.

Und wir tanzen und wir lachen
und wir sitzen recht vergnügt.
Dass da Kinder ängstlich wachen,
weil die Bombenhagel krachen,
dass, die Angst im Nacken liegt,

ach, das will hier keiner hören.
Jeder denkt nur ICH und MEIN.
Lasst, Ihr Blinden, Euch belehren:
Stehet auf und schreit in Chören:
"LASST DIE WAFFEN SCHWEIGEND SEIN !!!"



© Bettina Lichtner