Montag, 30. Juni 2014

Ich verdurste

Sommer, Sommer, bist du schüchtern?
Wagst du nicht, uns einzuheizen?
Bisher gibst du dich so nüchtern,
statt mit deiner Glut zu reizen.

Regenschwere Wolken treiben
nasse Spiele mit uns Leuten.
Und wir müssen drinnen bleiben.
(Herbst, oh Herbst, ick' hör' dir läuten ….).

Immer wieder auch Gewitter,
immer wieder wildes Brausen.
Sommer, ach, du schmeckst so bitter,
und bist mehr und mehr ein Grausen.

Zwischendurch kaum wahrnehmbare
zarte Strahlen, mehr ein Hauchen.
Wahrlich, du bist nicht das Wahre.
Doch was nützt das böse Fauchen?

Hab' es ja nicht in den Händen.
Muss mich deinen Launen fügen.
Und der Regen an den Wänden
muss mir scheinbar wohl genügen.

Könnt' ich zaubern, na, dann schiene
deine Sonne alle Tage.
Es regierte auf der Bühne
nimmermehr die Wetterklage.

Beifallstürme würden branden,
und die Menschen würden lachen.
Was sie eben grau empfanden,
würd' in sich zusammen krachen.

Aber dieses Wechselhafte,
dieses graue Mischgemüse,
dass mir gar die Kraft erschlaffte -
treibt mich flugs in die Kombüse.

Sommer, zeig' den guten Willen.
Hol' mich raus aus meinen Räumen.
Sollst mir doch den Hunger stillen,
und den Durst nach Sommerträumen.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 29. Juni 2014

Am siebten Tage ...

Der Sonntag ist wolkenverhangen,
ist grau schon am Morgen bis rein in die Nacht.
Ich bin in der Stube gefangen
und habe ein Fest aus dem Grauen gemacht.

Ich buk mir sogleich einen Kuchen,
und brachte ein Licht an den wartenden Docht.
Anstatt übers Wetter zu fluchen,
da hab' ich mir selber ein Süppchen gekocht.

Ich nutzte die Zeit, um zu lesen.
Und dankte dem Regen, denn fiele er nicht,
dann wär 's mit dem Buch nichts gewesen,
und nichtige Dinge gewännen Gewicht.

Ich schwang zwischendurch einen Lappen
zu putzen die Stube und alles drumrum.
Dazu musst ich Willen berappen,
denn Putzen am Sonntag ist töricht und dumm.

"Der Tag ist doch heilig, Bettina!
Da solltest du ruhen und schonen die Kraft.
Von hier über Prag bis nach China,
weiß jeder, der wochentags ackert und schafft,

dass einmal pro Woche die Stille,
das Nichtstun der Seele zum Besten ja ist.
So lautet der göttliche Wille:
der Sonntag ist da, dass du ehrfürchtig bist."

Ich lege den Lappen beiseite,
und bete zum Herrn, dass er nochmals vergibt.
Der Sonntag ist grau, aber heute
ist grau keine Farbe mehr, die mich betrübt ...



© Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 28. Juni 2014

Bäh

Der Hase liegt im Pfeffer.
Das Reh ist speckgespickt.
Der Angler jubelt: "TREFFER!!!"
Ihm ist ein Fang geglückt.

Das Schwein brät in der Pfanne.
Das Hühnchen hängt am Grill.
Der Hecht schwimmt in der Wanne
und ist mucksmäuschenstill.

Aus Rind ward Frikadelle,
aus Ente ein Filet.
Der Hirsch trinkt aus der Quelle,
doch bald …. oh ach und weh.

Der Hummer, der muss kochen.
Das Pferd kommt in die Wurst.
Der Braten wird gerochen,
und Hunger gibt auch Durst.

Ein Weißwein zu den Fischen,
und rot zu all dem Vieh.
Auch Bier steht auf den Tischen,
und Schnaps für ihn und sie.

Iss lieber vegetarisch,
am besten noch vegan.
Und zeig' dich solidarisch
mit Gottes Untertan,

mit all den armen Tieren.
Verschmäh den Leichenschmaus!
Nicht nach dem Tier zu gieren,
das macht den Tierfreund aus.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 27. Juni 2014

Wie betäubt

Was kann, was kann denn lieblicher sein,
als träumend im Grase zu liegen?
Mit sich nur und dem Himmel allein,
so lässt sich der Kummer besiegen.

Die Wolken treiben leise dahin,
und nehmen mich mit auf die Reise.
Wie glückserfüllt und dankbar ich bin,
schon öffnet mein Herz seine Schleuse.

Was immer dort mich quälte, entfloh.
Ich fühl' mich so leicht um die Nase.
Natur, Natur, du machst mich so froh.
Welch kurzweilig kostbare Phase.

Die laute und die hektische Welt,
kann gerne gestohlen mir bleiben.
Ich lasse unterm himmlischen Zelt
mich süß von der Ruhe betäuben.

Wenn 's Tageslicht bei Abend erlischt,
dann gehe ich wieder nach Hause.
Dann habe ich mein Herz aufgefrischt -
und zehre vom Reichtum der Pause.




© Bettina Lichtner
Halleluja


Donnerstag, 26. Juni 2014

Fenster, Fenster, sage mir ….

Der Mensch schaut zu gern in die Schaufensterfront,
er spiegelt zu gern sein Gesicht.
Seit je hat der Mensch sich im Ego gesonnt -
der Schein hat ein großes Gewicht.

Man zupft seine Haare, man zupft sich das Kleid.
Und dreht die Figur her und hin.
Das Eigenlob stinkt, doch der Selbstzweifel schreit:
"Na, ob ich wohl schlank genug bin???"

Dem Fenster indessen ist 's völlig egal,
wie immer der Spiegelnde schaut.
Ob dick oder dünn oder bunt oder schal -
ob klein oder größer gebaut.

Was hat 's zu bedeuten? Birgt eh den Verfall.
Denn nichts bleibt auf Dauer wie 's ist.
Was eben sich spiegelt so drall und so prall,
wird bald schon so schmerzlich vermisst.

Die äußere Hülle, sie spiegelt sich gut.
Nur Masken, Fassaden und Spiel.
Was unter dem ganzen im Inneren ruht,
davon zeigt das Fenster nicht viel.

Von morgens bis abends steht er und steht sie
vorm Fenster und findet sich schön.
Ein Märchen, ein Drama und viel Phantasie.
Die Zeit ruft: "ICH ZÄHLE BIS ZEHN.

Und dann ist die Schönheit verschwunden, mein Freund.
Und dann ist das Schauspiel vorbei.
Und dann werden tausende Tränen geweint.
Gib Acht, denn ich bin schon bei   d r e i …."



© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 25. Juni 2014

Und rinnt, und rinnt, und rinnt

Das Kind in mir ist aufgewacht
und rennt vergnügt im Wald umher,
wo 's schöne Tage einst verbracht.
Es hat darüber nachgedacht,
wenn 's einmal noch wie früher wär' …

Wenn 's einmal noch so wär' wie da,
als ihm die Zeit zu Füßen lag,
die Neugier sich die Welt besah,
als Wundersames noch geschah ….
Ach, wenn 's so wär' an manchem Tag.

Die so entdeckungsreiche Zeit -
wo ist sie hin? Wer nahm sie fort?
Einst stand der Tatendrang bereit,
nun aber macht sich Sehnsucht breit
nach diesem alten, trauten Ort.

Die Kinderträume hängen still
in all den Bäumen ringsherum.
Wie gerne ich sie pflücken will,
doch in der Seele ein Gebrüll:
"Es ist vorbei! Die Zeit ist um!"

Die Zeit ist um. Wie schmerzt der Satz.
Wie schmerzt es doch, dass nichts so bleibt.
Kein Ding bleibt auf dem alten Platz.
Soeben noch geträumt, schon hat 's
die gute Zeit sich einverleibt.

Wie schnell das Leben weiterzieht …
Rasch kürzer wird sein dünnes Band.
Das Kind in mir erwacht und sieht:
die Zeit, die eben erst erblüht,
rinnt unaufhörlich durch die Hand.



© Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 24. Juni 2014

Wenn die Liebe König wär'

Mutter Erde ist entsetzt.
Die Gewalt gewinnt an Land.
Scharfe Messer sind gewetzt
für die mörderische Hand.

Was die Menschheit hier verbricht,
all die Kriege weit und breit,
das wirft Schatten aufs Gesicht,
und verlangt Gerechtigkeit.

Dünnhäutiges Völkerheer
trachtet nur nach Hass und Tod.
Wenn ich die Parolen hör',
ist 's, als ob der Teufel droht.

Nicht nur fern regiert das Leid.
Draußen vor der eignen Tür
nichts als Zank und nichts als Streit.
Wie du mir, so ich auch dir …

Mittelfinger, grobes Wort ….
Und von Liebe keine Spur.
Und das Mobben wird zum Sport.
Langzeitfolge: Seelenkur.

Mensch und Mensch gesellt sich gern???
Ein Gerücht. Nur selten wahr.
Harte Schale, harter Kern.
Und ich rieche die Gefahr.

Wenn die Liebe König wär',
ach, wie herrlich wär' die Welt.
Satan aber ist der Herr,
der sich vor die Liebe stellt.

Lang, so lang noch ist der Pfad
hin zum dauerhaften Glück.
Folgt doch einfach Gottes Rat
und habt Euer Herz im Blick.


© Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 23. Juni 2014

Von Wolf zu Mensch

Stand ein Wolf vor meiner Pforte,
kam mir gleich so komisch vor.
Und zu Recht, denn seine Worte
waren die der bösen Sorte,
dass ich mich in Angst verlor:

"Siehst du meine scharfen Beisser?
Sie zermalmen dich zu Brei.
Du, du kleiner Hosenschei…..
machst den Hunger mir nur heißer.
Ach, was schert mich dein Geschrei!?!

Welchen Groll ich in mir hege!
Und du fragst mich nach dem Grund?
Nun, der Mensch ist mir im Wege.
Mich verbannt er ins Gehege
und treibt 's selber wild und bunt.

Meine Mutter ward erschossen
von des Jägers Schrotgewehr.
Und da hab' ich unverdrossen
einen Racheakt beschlossen.
WÖLFE MORDET KEINER MEHR!!

Ich will frei sein, mich entfalten.
Dieses Recht sei mir gewährt.
Will das Leben mir gestalten,
möchte schalten, möchte walten,
weil die Welt auch mir gehört.

Nicht nur du und deine Brüder
dürfen leben wie gewollt.
Darum sag' ich 's immer wieder:
Nieder mit dem Menschen. NIEDER!
Wisset, dass Ihr büßen sollt!

Büßen für die Gräueltaten, 
die Ihr allesamt begeht.
Tier und Umwelt zu verraten,
durch des Bruders Blut zu waten,
ist 's, woran Ihr untergeht.

Teuer kommt es Euch zu stehen,
was Ihr Gottes Schöpfung tut.
ER kann Eure Sünden sehen,
und ich möchte zu ihm flehen,
dass er hilft, denn er ist gut.

Er steht der Natur zur Seite,
und den Tieren, so auch mir.
Ich verspreche jetzt und heute:
du und all die andren Leute,
Ihr seid die Verlierer hier!"

Sprach es aus und war verschwunden
in dem abgeholzten Wald.
Hab' sein Wort für Recht befunden:
Ja, der Mensch reisst viele Wunden,
und sein Herz ist hart und kalt ….



© Bettina Lichtner
Halleluja


Sonntag, 22. Juni 2014

Neues aus dem Tierreich

Die Giraffe in der Steppe
findet mich bedauernswert,
weil ich mich durchs Leben schleppe
wie ein träges Flussnilpferd.

Sie schaut mitleidsvoll hernieder
auf mich kleines Menschenkind.
Und ein Schreck fährt durch die Glieder,
als wir Aug in Auge sind.

Scheint mir so, als würd' sie sprechen
- einfach nur durch ihren Blick.
"Wirst noch unterm Stress zerbrechen.
Einfachheit ist wahres Glück.

Ach, Ihr zweibeinigen Wesen.
Seht zu mir. Ich bin gechillt.
Bin in Herz und Geist genesen
(außer, wenn der Löwe brüllt ….).

Ich vermeide es, zu eilen.
Brauche weder Geld noch Gut.
Kann auch in mir selbst verweilen
(was der Mensch wohl selten tut).

Habe stets genug zu fressen,
Gott ernährt mich ganz gewiss.
DU hast den Genuss vergessen.
Ja, dir fehlt der rechte Biss.

Du gehst schaffen bis um viere,
und was ist der ganze Lohn?
Herzinfarkte und Geschwüre
und ein depressiver Ton.

Eh ich mich zu Tode schaffe,
bleib' ich lieber, was ich bin.
Eine einfache Giraffe
mit der Ruhe als Gewinn."



© Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 21. Juni 2014

Klingelt 's?



Eine Spielplatz-Szenerie:
kleines Mädchen spielt im Sand,
ruft zur Mutter, aber die
hat ihr Smartphone in der Hand.

Tippt und tippt und tippt und tippt,
und es scheint ihr auch egal,
dass ihr Kind zu Boden kippt
und sich windet unter Qual.

Wie es weint ….., doch ach indes
schreibt die Mutter wie im Wahn
wieder eine SMS,
und dem Kind hat 's weh getan.

Mühsam rafft sich 's Mädchen auf,
schleppt sich jetzt zur Rutsche hin,
klettert leicht lädiert hinauf:
"Mama, schau, wie hoch ich bin!!!"

Die Gerufene bleibt blind.
Und das Smartphone-Display glüht.
"Blödes Handy!", denkt das Kind,
als es hin zur Mutter sieht.

"Gibst du mir beim Schaukeln Schwung???"
Eine Frage, die verhallt …
Armes Kind, spielst frisch und jung,
und die Mutter lässt es kalt.

Mutter hat 's nicht interessiert.
Sie hat lieber ohne  Ruh'
nur das Tastenfeld berührt.
Und dem Kind hört keiner zu.

Bis zum Sonnenuntergang
ging es so, wie 's oben steht.
Und das Kind hat stundenlang
einsam an der Uhr gedreht.



© Bettina Lichtner

Freitag, 20. Juni 2014

Von Terminen erdrückt

Unsre Zeit in Gottes Händen,
doch, was machen wir daraus?
Lassen uns vom Mammon blenden,
aber Gott will Liebe senden
in das gottverlassne Haus.

Vierundzwanzig lange Stunden
werden sinnlos ausgefüllt.
Statt das Leben zu erkunden,
sind die meisten festgebunden
an Termine (was sie killt).

Gleich am allzu frühen Morgen
reisst der Stress die Macht an sich.
Und der Tag beginnt mit Sorgen.
Glück und Frohsinn sind verborgen,
das Gemüt ist jämmerlich.

Eile, Eile. Die Termine
nehmen ihre Plätze ein.
Vorhang auf, und auf der Bühne
fragt sich still die Trauermiene:
"Sollte SO das Leben sein???"

Keine Zeit für Gottes Nähe.
Keine Zeit fürs fromme Wort.
Wenn der Mensch sich selber sähe
(so wie ich ihn hier erspähe),
säh' er seinen eignen Mord.

Ja, er würde furchtbar weinen,
denn er sähe, welches Leid
er sich fügt anstatt zu scheinen.
"Lerne, Mensch, dich zu vereinen
mit dem kleinen bisschen Zeit."

Lass dich nicht vom Geld regieren,
auch nicht vom Kalenderblatt.
Lass' vom Göttlichen dich führen.
Seine Gegenwart zu spüren,
füllt dich aus und macht dich satt.




© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 19. Juni 2014

Das Märchen von der Nächstenliebe

Warum, Mensch, erträgst du schweigend
alles Elend dieser Welt?
Für den Fußball Flagge zeigend,
doch auf Barrikaden steigend?
Höchstens gegen Streik-Entgeld.

Lässt Gevatter Staat dich bluten,
wetterst du zwar im Lokal,
drohst sogar den den Bös' und Guten
mittels wortgeflochtner Ruten
mit Boykott der nächsten Wahl.

Unrecht gegen andre Wesen,
lässt dich meistens innen kalt.
Du schwingst nur den eignen Besen.
Bloß nichts hören, ja nichts lesen
von der leidenden Gestalt.

Für das Recht zu protestieren
käm' dir gar nicht in den Sinn.
"Lass' die andren doch verlieren …
Ich lass' mich vom Glück chauffieren,
weil ich egoistisch bin."

Für den Hunger einzutreten,
für die Armen Freund zu sein,
Tag um Tag für sie zu beten,
Vorurteile abzutöten,
so was fiel dir gar nicht ein.

Du sitzt satt und blind fürs Grobe
in dem warmen Haus der Zeit.
Dass ich dich nicht dankbar lobe,
sondern stampfend, schimpfend tobe,
lockt dir Unverständlichkeit.

Viel zu viele Egoisten
machen keinen Finger krumm.
Was, wenn sie mal leiden müssten,
sich nicht selbst zu helfen wüssten,
und ein andrer bliebe stumm???


© Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 18. Juni 2014

Schwerer als Gold



Federkiel und Tintenschwärze,
und ein selbst geschöpftes Blatt …
Welche Macht der Schein der Kerze
doch auf meine Stimmung hat.

Und ich schreibe tiefe Worte.
Der Gedanke lenkt die Hand.
Sätze sind 's der süßen Sorte,
die ich da im Geiste fand.

Das Papier ertrinkt in Liebe.
Zwischenzeilig schaut ein Kuss.
(Wenn ich immer tiefer grübe,
käme ich wohl nie zum Schluss ….).

Und die Kerze flackert leise.
Es ermutigt mich ihr Schein
glatt zu einer Seelenreise.
Keiner darf jetzt störend sein!

"Kommt nur her, Ihr Wortgewalten.
Wagt euch in das Tageslicht.
Lasst mich einen Brief gestalten,
der mir aus dem Herzen spricht.

Flüstert, sprudelt, schreit und säuselt -
so, wie Euch zumute ist,
dass des Lesers Sinn sich kräuselt,
wenn er sich durchs Brieflein frisst."

Und die Schmetterlinge fliegen
aus dem Bauch direkt aufs Blatt.
Willst du sie mit Gold aufwiegen,
wär' die Waage wohl schachmatt ….



© Bettina Lichtner

Dienstag, 17. Juni 2014

Vor lauter Glück

Wollte einen Baum ausreißen,
weil das Glück mir gar so hold.
Tat mir das Gebiss ausbeißen,
denn der Baum hat nicht gewollt …

"Ach, was zerrst du mir am Leibe?
Lass mich blühen, wo ich blüh'!
Lass mich treiben, wie ich treibe.
Spar' dir bitte deine Müh'.

Bloß weil deine Glücksgefühle
prall und explodierend sind,
sei 's doch nicht des Glückes Ziele,
dass ich jäh mein Ende find'!?!

Sieh, wie mich die Wurzeln nähren.
Sieh, wie mich die Sonne wärmt.
Wie willst du 's dem Specht erklären,
der von meinem Stamme schwärmt?

Und die Nester mit den Kleinen,
deren Leben just begann?
Lass mich bitte bei den meinen!
Fang' zu überlegen an!

Will das Glück dich so umschlingen,
ach, dann freu' dich und sei froh.
Darfst mich gern vor Freud' umspringen,
und umarmen sowieso.

Aber aus dem Boden ziehen,
nein, ach nein, das darfst du nicht.
Lass auch mich im Glücke blühen
(denn so wahrst du dein Gesicht)."



© Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 16. Juni 2014

Schlüpf' in meine Schuhe

Mitten rein ins stille Weilen
platzt ein ruheloser Gast.
Meine Ruhe und sein Eilen
müssen Zeit und Raum sich teilen.
Ob das wohl zusammenpasst?

Während sich mein Atem zügelt,
tut sich der Gehetzte schwer.
Ach, er wirkt so aufgewiegelt,
was sich in den Augen spiegelt,
denn die jagen hin und her.

Meine Blicke sind gelassen,
und fixieren einen Punkt,
den sie ganz und gar erfassen.
Oh, wie sehr die Stillen hassen,
wenn der Stress dazwischen funkt …

Immer wieder hat das Wesen,
das so flüchtend vis-á-vis,
seine Uhrzeit abgelesen.
Könnte ich ihn nur erlösen
von der Drangsal und der Müh' …

Könnte er den Frieden spüren,
der mich gar so wohlig füllt ….
Könnt' er ihn nur kurz berühren,
vielleicht würde er verlieren,
was ihn so in Luftnot hüllt.

Diesem Menschen ohne Ruhe
will ich gern ein Beispiel sein.
Alles, was ich deshalb tue,
ist das Teilen meiner Schuhe:
"Komm nur, Fremder, schlüpf hinein …

Komm nur mit, nur drei, vier Schritte,
und erkenne meine Welt -
diese Welt der innren Mitte,
eh der Tod in deiner Hütte
gar so plötzlich Einzug hält …"



© Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 15. Juni 2014

Goldene Nasen

Vaterlandsliebe - wohin man nur schaut.
Flaggen an Autos (sogar auf der Haut).
Vaterlandsliebe vom Kopf bis zum Zeh.
Ländergeschmückte, wohin ich auch seh'.

Tja, so ein Fußball hat magische Kraft.
Was weder Tennis noch Eishockey schafft,
zaubert das Runde in kürzester Zeit
(was wohl besonders Konsumriesen freut …).

Goldene Nasen! Gewinn dank WM!
Ich aber glaube, die Welt ist plemplem.
Andre verhungern direkt nebenan,
während die Werbung sich Blödsinn ersann.

Fahnenmeer, Flaggenflut - brauchen wir das?
Tröten, Girlanden und sonstiger Spaß,
ist das nicht alles nur sinnloser Mist,
während da Armut und Hungersnot ist?

Wisst Ihr denn nicht mehr, wohin mit dem Geld?
Spendet es lieber! Denn ach, auf der Welt
herrscht so viel Elend! Vergesst es nur nicht!
Fußball dagegen hat wenig Gewicht.

Fallt nicht auf Werbung und Sprüche herein!
Ohne den Schnickschnack ein Feiernder sein,
denkt nur, es geht und ist gar nicht so schwer
(denn nicht von außen, von innen kommt 's her!!).



© Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 14. Juni 2014

Nix für mich

Alle Welt im Fußballfieber!
Ich jedoch, ich lese lieber,
denn, wo alle sich dran laben,
will ich selbst nicht teilhaben.

Wer da mittels Taktikspiele
Tore schießt und auch wie viele,
ändert nichts an meinem Leben,
wird mich auch nicht lichtwärts heben.

Nur der Blutdruck würde leiden,
wenn sich meine Blicke weiden
an dem Kämpfen, Jubeln, Fluchen.
NEIN. Ich will das Weite suchen.

Lass die anderen sich freuen,
und sich ärgern! Lass sie schreien.
Ich indes genieße Schiller
(wohlbekannt kein Nervenkiller).

Ruhe fließt mir durch die Venen,
kann mich ganz gelassen lehnen
an den so bequemen Sessel,
statt dass mich der Hexenkessel

kocht bis mich die Hitze tötet
und den Kopf gefährlich rötet.
Lesen ist mir so viel lieber
als das heiße Fußballfieber ….



© Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 13. Juni 2014

In letzter Sekunde

Seh' ich Amseln Elstern jagen,
ach, dann ist mir gar nicht gut.
Denn den Elstern steht der Magen
scheinbar nach der Amselbrut.

Ein Gezeter dringt so bange
drohend laut durch Wald und Flur.
Was ich mit den Augen fange,
ist die Wahrheit der Natur.

Kaum geboren, geht das Sterben
mit den Stunden Hand in Hand.
Was da lebt, das wird verderben,
auch im Tier- und Pflanzenland.

Ich versuche, zu verhindern,
dass die böse Elster siegt,
so dass von den Amselkindern
jegliches ins Leben fliegt.

Und ich klatsche und ich schreie,
und ich fluche sündenhaft.
Reiß' die Lunge mir entzweie
mit pompöser Atemkraft.

Amselmutter, Amselvater
sind vom Einsatz ganz gerührt.
Selbst des Nachbars dicker Kater
hat die hohe Not gespürt.

Plötzlich springt er, und im Sprunge
greift er sich den Elstermann.
Der zergeht ihm auf der Zunge.
Tot, wer selbst nach töten sann …



© Bettina Lichtner
Halleluja

Think positive

Will ein Mensch in Freude leben,
soll sein Denken fröhlich sein.
Positives sich zu geben,
hüllt den Leib in Freude ein.

Diese negativen Sichten
bringen um die sel'ge Ruh'.
Wenn Gedanken dich vernichten,
schließe schnell die Türen zu.

Lass nicht rein die schlechten Dinge,
die da klopfen Tag und Nacht.
(Wenn es doch so einfach ginge,
hätt' ich 's selber so gemacht.)

"Ihr Gedanken wollt mich foppen?
Wollt, dass ich verärgert bin?
Fort mit euch, Ihr so saloppen
Schlechtigkeiten ohne Sinn.

Glaubt Ihr denn, ich wär' so dämlich,
dass ich Euer Sklave sei??
Nein, nein, nein! Es ist mir nämlich
Euer Treiben einerlei!!

Wollt von mir Besitz ergreifen?
Mich beherrschen? Aber ach:
wollen Müll und Dreck sich häufen,
meine Seele wird nicht schwach.

Ich bin stark, Euch zu vertreiben.
Ich bin stark in Herz und Geist.
Gutes will ich einverleiben,
weil das Gute LIEBE heißt …."




© Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 12. Juni 2014

Bald, bald, bald ...

Näher rückt der Tag der Tage,
da die 50 mich beehrt.
Wer vermutet, dass ich klage,
liegt mit derlei Wort verkehrt.

Ich erwarte still und freudig
diese große Jahreszahl.
Wird die Zeit auch messerschneidig -
ach, wie ist mir das egal.

Ich war hin- und hergetrieben
zwischen Angst und zwischen Lust.
Letztrer hab' ich mich verschrieben
mit erwartungsvoller Brust.

"Komm nur her, Geburtstagsstunde!
Ich empfang' dich wie den Freund.
Sei mit mir im frohen Bunde.
Hast es doch stets gut gemeint."

Alles will ich vorbereiten,
dass es ihr bei mir gefällt.
Meine Arme will ich weiten,
wenn die Fünfzig kommt und schellt.

Keine Tür werd' ich verschließen
für das Alter samt Gepäck.
Aufrecht, stolz will ich 's begrüßen.
Nichts ist ohne Sinn und Zweck ...


© Bettina Lichtner
Halleluja