Freitag, 31. Oktober 2014

vergossen, vergessen

So viel Blut hast du getrunken,
Erde, du, mein Mütterlein.
Sind die Tropfen auch versunken -
keiner darf vergessen sein.

Hast sie schweigend aufgesogen.
Doch vergessen hast du nicht.
Denn du bist vom Blut durchzogen,
Schicht um Schicht um Schicht um Schicht ...

Und die Toten sind begraben,
deren Blut dich reich genährt.
Ihre Namen möcht' ich haben,
doch die Zeit ist längst verjährt ...

Blutvergießen ohne Ende.
Gestern, heut' und immerzu
Geben denn die Mörderhände
niemals auf und niemals Ruh'?

Schlachten waren 's, wo sie fielen.
Kriege für das Vaterland.
Ja, ich kann die Schmerzen fühlen
in dem rotgefärbten Sand.

Blutig rote, bittre Spuren.
Keiner mehr, der daran denkt.
Denn durch eigene Blessuren
ist das Herz genug gekränkt ...

Allesamt sind sie vergessen.
Keine Namen. Kein Gesicht.
Ach, ich wüsste gerne, wessen
Blut da durch die Krume bricht.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Wenn alte Blätter wirbeln



Ein Zittern liegt im Atemhauch.
Das Wort muss mehrmals stocken.
Die Greise muss sich niederhocken,
ich tupfe ihre Augen trocken
(und ach, die meinen auch ...).

Was ihr und mir ans Innre geht?
Erinnerungsgefühle ...
Es sind die alten Reiseziele,
die auf die alten Kinderstühle
sich setzen, Ihr versteht?

Es ist das Flammen einer Zeit,
die irgendwann gewesen.
Sie lodert durchs Gedankenlesen,
und kehrt mit einem weichen Besen
was längst das Licht gescheut.

Ein kleines Mädchen springt hervor,
das Haar zum Zopf gebunden.
"Jetzt hab' ich dich ja doch gefunden!",
die Greise schwelgt in Lebensstunden.
Ich leih' ihr Zeit und Ohr ...

"Das Mädchen da, bin ich. Mein Gott ...."
Die Spule kommt ins Rollen.
Ereignisse, die längst verschollen,
die keiner hat mehr haben wollen,
als herbstlicher Kompott ...

"Der Frühling war so schön. So leicht.
So unbeschreiblich blühend.
Doch Lebenszeiten sind so fliehend ...
Was eben noch so sonnenglühend,
hat bald die Nacht erreicht.

Das Mädchen, das ich war und bin,
das hatte Spaß am Leben.
Das wollt' den Stunden Freude geben.
Das pflückte sich die süßen Reben
nur so. Ganz ohne Sinn.

Und war zufrieden. Ja, ich war
mit alledem zufrieden.
Es war mir so ein Glück beschieden.
Nun will das Leben mir ermüden.
Ergraut .... das Kinderhaar.

Jetzt ist der Herbst des Lebens da.
Doch alte Blätter wehen.
Wie schön war es, hindurchzugehen,
sie aufzuwirbeln und zu sehen,
das Gute liegt so nah ..."



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Kopfüber in die Falle

Tausend kleine Nadelstiche
hat das Leben mir gebrockt.
Allesamt Vertrauensbrüche.
Kam ich ihnen auf die Schliche,
ist der Atem mir gestockt.

Ließ sich vorher nicht erahnen,
wie der Hase laufen würd'.
Schienen ja so gerade Bahnen ...
Doch dann wuchsen die Schikanen
und schon war das Herz zerklirrt.

Dabei schienen mir die Augen,
und die Worte und der Rest
für die Ewigkeit zu taugen.
Doch ihr Ziel war, auszulaugen,
bis mich alle Kraft verlässt.

Und schon klafften diese Risse.
Und es roch nach bösem Blut.
Und aus Worten wurden Schüsse.
Ach, wo war nur das gewisse
Etwas von der letzten Glut?

War es denn so täuschend ehrlich?
Hab ich 's Spiel denn nicht durchschaut?
Plötzlich bin ich so entbehrlich,
und ich frage unaufhörlich:
wem nur hab' ich blind vertraut??

Und jetzt steht mir gegenüber
dieser Fremde. Dieses Du.
Ja, ich stürzte mich kopfüber
in das schönste Liebesfieber.
Und die Falle schnappte zu ....



(c) Bettina Lichtner
Halleluja





Dienstag, 28. Oktober 2014

Unter Tage

In der U-Bahn herrscht ein so betretnes Schweigen.
Und ich übe mich im heimlichen Beäugen
all der Menschen, die sich auf den Bänken reihen,
und ich wünschte, dass sie einmal lächelnd seien.

Manche Nasen stecken tief im Digitalen.
Ach, wie gerne würd' ich aus den harten Schalen
all die weichen Kerne, die sich drin versperren,
an die gut getarnte Oberfläche zerren ...

Auch ein Buch kommt in der U-Bahn neu zu Ehren.
Und ich kann mich einer Freude kaum erwehren,
dass bedruckte oder illustrierte Seiten
in modernen Welten weiter was bedeuten ...

Unter Tage rast die Bahn zu den Stationen.
Im Waggon erstarren alle Emotionen.
Manchmal treffen fremde Augen auf die meinen,
doch die Blicke tun sich schwer, sich zu vereinen.

Neuer Halt. Die einen kommen, andre gehen.
Ich werd' keinen dieser vielen wiedersehen.
Und die Bahn fliegt über meterlange Gleise.
Eine schnelle, eine anonyme Reise ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 27. Oktober 2014

Falsch eingeschenkt

Einer lallt am leeren Tresen:
"Schnaps, du seist mein letztes Wort.
Du sollst meinen Kummer lösen,
denn mein Tag ist hart gewesen."
Und er trinkt in einem fort ...

Und der Schnaps denkt: "Nicht schon wieder!
Wieder bin ich nur Gesöff.
Wieder diese alten Lieder!
Und am Ende kniet er nieder ...
(ob ich 's Klo wohl diesmal treff'?).

Immer diese Leidensleier!
Ich hab 's satt, ein Schnaps zu sein.
Und am Ende?? Nur Gereier!
Dafür bin ich mir zu teuer!
Wär' ich doch ein edler Wein.

Ja, als Wein würd' ich genossen
in dem besten Restaurant.
Würd' gelobt von hohen Bossen.
Wär' ins schönste Glas geflossen,
und wär' rouge, rosé und blanc.

Dürft' das feinste Mahl umrahmen.
Träumerei bei Kerzenschein.
Feinen Herren, feinen Damen,
allesamt von Rang und Namen,
dürfte ich zu Diensten sein.

Ach, das Leben wäre herrlich,
wär' ich nur ein Rebensaft.
Ja, ich sage es ganz ehrlich:
Schnaps zu sein, ist nicht begehrlich
und bisweilen ekelhaft.

Meistens kippt man mich hinunter,
eins und zwei und noch viel mehr.
Doch ich mache nicht putzmunter,
nein, ich zieh' noch weiter runter,
zieh sogar den Magen leer.

Kummer aber lös' ich selten.
Auch am nächsten Tage nicht.
Ich leb' meist in Sorgenwelten.
Würde gerne mehr noch gelten,
wo sie jammern, wo sie schelten,
doch ich bin kein Hoffnungslicht ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja







Samstag, 25. Oktober 2014

Zwei Welten



Von unten schallt 's nach oben hin:
"Ach, hätten Sie vielleicht für mich
ein Lächeln und Minuten?"
Darauf von oben: "Sicherlich,
jedoch, ich muss mich sputen ..."

Die Armut, die am Boden hockt
und rauf zum Reichtum bittet,
erwidert: "Selber eingebrockt!"
Worauf der Reichtum gleich geschockt,
ihn schimpft als "ungesittet".

Die Armut ordnet Ruhe an.
Dem Reichtum platzt der Kragen:
"Wenn einer sich nichts leisten kann,
dann ist er selber Schuld daran,
und braucht hier nicht zu klagen."

Die Armut übt Gelassenheit:
"Was wissen Sie vom Armen?
Sie schwelgen in Glückseligkeit,
ein guter Job, doch wenig Zeit,
zudem ein Bett im Warmen.

Sie essen, wenn sie hungrig sind,
und trinken, was sie möchten.
Sie wissen, wie man Ruhm gewinnt,
doch wenn Ihr Herz sich recht besinnt,
dann ist 's wohl mehr ein Knechten.

Ach, wenn ich 's mir genau beseh',
dann hab ich lieber wenig.
Die Luft ist schmutzig in der Höh'.
Ich brauch' kein volles Portemonnaie,
bin lieber armer König.

Ich klage nicht, ich nehme hin.
Und Gott lenkt meine Wege.
Wie reich ich doch gesegnet bin!"
Dem Reichtum fiel darauf das Kinn,
als ob es jemand zöge ...

"Und wenn", so fuhr die Armut fort,
"Sie ehrlich sind, dann wären
Sie gerne auch an meinem Ort,
und würden lieber hier statt dort
zur Welt dazugehören ..."



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Aufs falsche Pferd



Weil der Mensch sich gerne brüstet
mit dem allerbesten Kleid,
weil 's ihn so nach Blicken lüstet,
(da das Eitle in ihm nistet)
geht der Stolz an seiner Seit'.

Er stolziert in teuren Seiden
gerne durch die volle Stadt.
Will ihm wer den Fummel neiden,
kann er sich am Neide weiden,
und er trinkt sich daran satt.

Wenn die andren Menschen starren,
ob bewundernd oder nicht,
könnt' er stundenlang verharren
in dem Käfig voller Narren,
wie im hellen Sonnenlicht.

Jedes Fenster taugt zum spiegeln.
Hin und her dreht sich der Leib.
Eigenlob ist schwer zu zügeln.
Welch ein inneres Beflügeln ...
 Egomaner Zeitvertreib.

"Seht nur her. ICH kann 's mir leisten.
Trag' das Gold auf meiner Haut."
Schon will sich der Neid erdreisten,
ihn zu schlagen mit den Fäusten,
weil ihn 's Protzen nicht erbaut.

"Na, man muss auch gönnen können!",
ruft der Stolz dem Neide zu,
um dann rasch nach Haus zu rennen.
Es ist besser sich zu trennen
bei bedrohter Seelenruh'.

Doch zuhause angekommen,
ist das ganze Gold nichts wert.
Niemand hat es wahrgenommen.
Und er fragte sich beklommen:
Ist der Protz das falsche Pferd???



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Ruhe im Saal

Eine große Tafelrunde, güldne Teller, roter Wein.
"Esst und trinkt", so spricht der Hausherr, "morgen kann 's zu Ende sein."
Und der Tisch biegt sich vom Fleische. "Koch, du hast es gut getan!!"
Doch dann meldet sich ein Fräulein: "Gäb 's das ganze auch vegan??"

Oh, da fällt dem Hausherrn alles aus dem roten Angesicht.
Und wenn Blicke töten könnten, wär' das Fräulein jetzt Geschicht'.
Donnernd hallt das Wort des Mannes querfeld durch den prunken Saal:
"STELLEN SIE DIE FRAGE, FRÄULEIN, NOCH UND NOCH UND NOCH EINMAL !!"

Und des Fräuleins süße Stimme tat wie ihr geheißen ward.
"Ob 's das Ganze auch vegan gibt?" Jetzt gewann das Spiel an Fahrt.
Denn das Fräulein hat bewiesen, dass sie Mut und Willen hat:
"Tut mir leid, doch tote Tiere machen mich partout nicht satt."

Eiseskälte lag im Raume, selbst der Wein gefror im Krug.
Und der Hausherr schrie von Sinnen: "RUHE JETZT. ES IST GENUG!!!
Hier hat 's immer Fleisch gegeben, immer Käse, Milch und Ei!"
Drauf das Fräulein, das vegane: "Tierprodukt hat Leid dabei!"

Jedes Wort aus ihrem Munde war dem Hausherrn eins zuviel.
Doch das Fräulein bohrte weiter, pochte gar aufs Mitgefühl.
Sprach davon, dass jedes Wesen Gottes Allerliebstes war.
Dass das Tier sein Leben liebt und dass der Mensch ihm zur Gefahr ...

Und sie redete und malte düstre Bilder an die Wand.
Keiner von den andren Gästen nahm die Gabel in die Hand.
Schlachthofszenen, Todesängste, Schreie und der letzte Blick ....
Gar nichts ließ das Fräulein aus beim Vortrag übers Bratenstück.

Sah sie gar Gewissensbisse bei der einen oder dem?
"Ja, ich weiß. Dem Fleischliebhaber ist das Thema nicht genehm.
Leichter ist es zu verdrängen, was doch gang und gäbe ist.
Doch ein jeder sollte wissen, wessen Leben er da isst."

Und dann nahm die junge Dame ihre Tasche und ging fort.
Ließ im angespannten Saale ihre Bilder und ihr Wort,
wünschte allen, die noch blieben, einen guten Appetit:
"Esst nur weiter all die Tiere bis das blaue Wunder blüht ..."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja



Dienstag, 21. Oktober 2014

Als der Riese kam



Liebe alte Tante Emma!

Ja, es ist schon ein Dilemma,
dass man dir die Türen schloss,
seit da dieser Kaufhaus-Boss
- dem ich von Beginn misstraute -
sich den goldnen Käfig baute.

Mein geliebter Krämerladen ....
Die Bonbons und Schokoladen,
die ich einst bei dir erstand
mit der jungen Kinderhand,
werden unvergessen bleiben -
auch die frischen Stullenscheiben.

Schon das Klingeln an der Pforte
(gibt heut keins von gleicher Sorte)
grub sich ewig ins Gehör.
Wenn 's doch so wie gestern wär' ...
Diese ganzen Kaufhausriesen
drücken auf die Tränendrüsen.

Ja, du kanntest alle Namen
von den Kunden, die da kamen.
Und ein Lächeln war gewiss!
Wie ich diese Zeit vermiss ...
Wie 's mir doch das Herz beglückte,
wenn ich nur den Türgriff drückte.

Viele Male blieb ich stehen,
um durchs Schaufenster zu sehen,
das so liebevoll und bunt
meinen kleinen Kindermund
vollends zum Erstaunen brachte,
und mich gar begierig machte.

Dann der Bau der Kaufhausketten.
Und du warst nicht mehr zu retten.
Die Erinnerung an dich
ist gleich Honig und gleich Stich.
Liebe Tante Emma, Gute,
mir ist weinerlich zumute ...


(c) Bettina Lichtner

Montag, 20. Oktober 2014

Valentins' Traum



"Meine Liebste", schreibt die Feder,
die der Jüngling zitternd führt,
"ach, es gibt kein Noch und Weder:
Ja, mein Herz ist irritiert ...

Irritiert nur wegen Ihnen!
Das Gehirn ist gar verdreht.
Eine Liebelei im Grünen -
glauben Sie, das da was geht?

Nun, ich will nicht drängend scheinen,
doch ein Kuss von Ihrem Mund,
wärmend, zärtlich auf dem meinen,
ist ein Wunsch in dieser Stund'.

Die Gedanken sind wie Pferde,
springen wild im Kopf umher,
dass ich selbst ein Wilder werde,
denn ich wünsch' mir noch viel mehr ...

Mag 's fast gar nicht hier notieren,
doch es ringt in mir nach Luft.
Mich an Ihrer Brust verlieren,
Gnädigste, ... im Rosenduft,

ist es nicht auch Ihr Verlangen?
Sagen Sie 's! Wer hört es schon ...
Hat mein Wort Sie nun gefangen?
Werten Sie 's als blanken Hohn?

Tun Sie 's nicht, denn die Gefühle
spielen keinen Streich mit mir.
Wenn doch nur Ihr Schweigen fiele ...
So wie meins auf dem Papier.

Meine Liebste, ich bin wahrlich -
liebend Ihnen zugewandt.
Brief um Brief schreib' ich beharrlich,
auch noch mit der greisen Hand ..."


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 19. Oktober 2014

Teufelskunden

Die sich sonst bei Tag verstecken,
kriechen nachts aus ihren Ecken,
treiben Unheil in den Gassen,
haben sich verteufeln lassen.
Lassen sich nicht gern entdecken,
wenn sie böse Pläne hecken ...

Einer steigt mit leisen Schritten
unbemerkt in fremde Hütten,
raubt den Schmuck und auch die Taler
von dem braven Steuerzahler.
Eine Straftat ... unbestritten.
Einer stahl und andre litten.

Wieder einer - sturzbetrunken -
ist niveaulos abgesunken,
wankend, schwankend, lallend, grölend,
wirres, irres Zeug erzählend.
Hat nach Bier und Schnaps gestunken
nach der Reise durch Spelunken.

Mörder kommen still gekrochen,
haben frisches Blut gerochen.
Hinterlistig, grausam, feige,
- nur der gute Mond ist Zeuge -
wird erschlagen und erstochen,
und ein Kelch vom Stiel gebrochen ...

Irgendwo, da lauert einer
einer Frau und unsereiner
liegt derweil in weichen Daunen,
während draußen Lust und Launen
sich bedienen, ach und keiner
reißt die Frau von diesem Streuner ...

Andre (meistens Ehegatten),
leben nachts in ihrem Schatten,
streifen durch das Rotlichtviertel,
weil da unterm straffen Gürtel
Samenzellen Hunger hatten
und sich Fehltritte gestatten ...

Ja, des nachts .... Und dann bei Tage
plagt sie die Gewissensplage.
Vor dem Beichtstuhl eine lange
reuevolle Menschenschlange.
Kehrt jedoch die dunkle Stunde,
ist man wieder Teufels' Kunde .....




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 17. Oktober 2014

Muster-Protest

"Gestatten, Normalbürger, Otto!"
Doch, hoppla, da kriegt die Emanze 'nen Schreck,
denn "FRAUENRECHT" lautet ihr Motto -
drum muss dieser "Otto" sofort wieder weg.

Sie will keinen männlichen Namen!
Nicht Mustermann Max und nicht Otto Normal.
Sie will einen weiblichen Rahmen!
Es stehen genügend Ideen zur Wahl ...

Dem Mustermann Max gab man passend
die Mustermann Erika treu an die Hand.
Jedoch - alles Männliche hassend -,
verschmäht die Emanze das Mustermann-Band.

Ihr wäre die Musterfrau lieber.
Und Otto Normal ist ihr auch nicht genehm.
Ich zöge gern Schwämme darüber,
denn derlei Gedanken sind selten bequem.

Schon glühen die Drähte und Tasten.
Frau tüftelt am Web-Petitionsformular
(natürlichen zu männlichen Lasten),
und sieht gar das weibliche Recht in Gefahr.

"KEIN OTTO! KEIN MAX! UNTERSCHREIBEN!!" -
so heißt die Devise. Der Aufruf steht fest.
Ich lasse das Teilnehmen bleiben.
Ich halt nichts von solch einem Namensprotest.

Nicht lang' und die ersten signieren.
Die Liste nimmt Form an. Die Weiblichkeit kämpft.
Der Aufbruch ist förmlich zu spüren.
Und keiner, der 's Heiße im Brodelnden dämpft.

Die Frauen sind scheinbar entschlossen.
Kein Otto. Kein Max. Nicht das ER, sondern SIE.
Das Pulver wird reichlich verschossen.
Doch zwingen sie wirklich das Amt in die Knie???



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Die breite Masse

Irgendwo inmitten vieler
sitzt ein Mensch mit sich allein.
Drumherum ward 's laut und kühler.
Keiner möchte Letzter sein.

Und der Mensch, den ich erwähnte,
sieht der breiten Masse zu,
wie sie ihrem Hunger frönte
nach Besitz - gar ohne Ruh'.

Scheinbar von der Gier getrieben,
jagt die Masse hin und her.
Hat sich längst dem Geld verschrieben,
und will mehr und immer mehr.

Hält nichts von Zufriedenheiten.
Unersättlich ist ihr Herz.
Nichts mehr wollen, würd' bedeuten:
abgrundtiefer Seelenschmerz.

Nein, sie will ja haben. HABEN.
Ganz egal, wie hoch der Preis.
Nicht ein Tag, der ohne Gaben!
Doch sie dreht sich nur im Kreis ...

Ohne, dass sie 's merken würde.
Erst am End' von der Geschicht'
(bei der letzten Lebenshürde)
wimmert sie: "Das wollt' ich nicht ..."

Ach, die breite Ego-Masse.
Kauft und kauft und lebt fürs Geld.
Denkt nicht an die dritte Klasse
und ans Elend dieser Welt.

Und der Müllberg wird gefüttert.
Jeden Tag! Mit Hab und Gut.
Doch ihr Ego wird erschüttert,
wenn der Tod das Seine tut.

Und der Mensch inmitten vieler,
sieht auf dieses Trauerspiel,
sieht auch auf die Trauerspieler,
die wie er dasselbe Ziel ...

Ach, er ist so froh gewesen
mit dem Glück der Einsamkeit.
Sich von alledem zu lösen -
hat er nie und nie bereut ...




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Der kleine König



"Ist denn schon Weihnachten?", frag' ich die Mutter,
die da ihr Kind mit Geschenken verwöhnt.
Schon wird mein Wort zum willkommenen Futter:
"Nur, weil dem Kleinen das Auge so tränt ..."

Dacht' ich ' s mir doch: Denn das Schreien und Weinen
wurde schlussendlich mit Spielzeug belohnt.
"Haben 's schon raus, die tyrannischen Kleinen!?",
war meine Antwort (ironisch betont).

Dabei vergaß ich dem Leser zu sagen,
dass sich das Kind auf den Fussboden schmiss,
bis Mutters Nerven am selbigen lagen,
und sie den Schreihals am Hemdsärmel riss.

's Köpfchen vom Kleinen (vom Schauspiel errötet)
ward sklavisch getrocknet von Mütterchens Hand.
(Sie hat wohl im Stillen zum Herrgott gebetet;
und wünschte sich fort aus dem Plastikspielland.)

Ich schaue dem Kleinen direkt in die Augen.
Mir ist so, als sähe ich Macht und Triumph.
Als würde er wissen, was Schreikrämpfe taugen.
Und siegesbewusst steht der kindliche Rumpf.

Darf sogar wählen und schreitet gelassen,
sichtlich zufrieden durchs Spielparadies,
bis seine Händchen das Teuerste fassen,
und ein Gewinner den Laden verließ.

Weihnacht im Lenz. Das verstehe mal einer ...
Ein Machtwort der Mutter wär' besser fürs Kind.
Doch schrumpft der Respekt, und der Anstand wird kleiner,
wenn Kinder die Herrscher der Größeren sind.


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 14. Oktober 2014

Egal-Denker

Leise vermehrt sich die Gleichgültigkeit.
"Mir doch egal, was da draußen passiert."
Ob da ein Leidender Wehlaute speit,
ob sich ein Krieg an den anderen reiht -
"Mir doch egal, was da draußen passiert."

Abgestumpft kalt ist die heutige Welt.
Blind ist sie, stumm, ach und taub obendrein.
Ob der Planet in sich selber zerfällt,
ob da ein Armer nun bettelt um Geld -
blind ist die Welt, stumm und taub obendrein.

Ego-Gestalten wohin man nur schaut.
Mickrige Ichs ohne Herz und Verstand.
Ob da der Nächste den Schmerz nicht verdaut,
ob da ein Starker den Schwächeren haut -
mickrigen Ichs fehlt der rechte Verstand.

Hauptsache selber ist alles im Lot!
Mittelpunktdenken und Ellbogen raus.
Ob man die Würde mit Folter bedroht,
ob es nun kentert, das friedliche Boot -
nach mir die Sintflut! Drum Ellbogen raus!

Worte aus Stein und Gefühle aus Eis.
Und der Respekt ist zum Stiefkind mutiert.
Ob sich wer opfert zum bitteren Preis,
ob ich - wie viele - am Hungertuch beiß' -
"Mir doch egal, was da draußen passiert ..."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 13. Oktober 2014

Stein & Eis

Belebt ist die Straße vorm Fenster der Greisen.
Sie selber schaut täglich den Eilenden zu,
die scheinbar im Schnellzug durch Zeiträume reisen,
als würden sie flüchten vorm Wohlklang der Ruh'.

Die Greise indes hat zur Stille gefunden.
Die Pflichten des Lebens sind alle getan.
Die Jahre sind fest in Gedanken gebunden,
am äußeren Bild nagt der zeitliche Zahn.

An gelblichen Wänden die Fotos der Lieben,
die Schnappschussmomente vergangener Stund'.
Nicht viel ist vom fliehenden Leben geblieben.
Nur schwarz-weiße Bilder auf gelblichem Grund,

auf denen die Menschen, die einstmals Begleiter,
so unbeschwert lachend und lebensfroh sind.
Verschwunden die Menschen, die eben noch heiter,
die eben erwachsen, die eben noch Kind ...

Und draußen vorm Fenster ein Rennen und Schweigen.
Gefrorene Blicke und Herzen aus Stein.
Sein Lächeln will niemand dem anderen zeigen.
Und jeder will Erster im Wettlaufen sein.

Und irgendwann hängen an gelblichen Wänden
nur schwarz-weiße Bilder von ihm und von ihr.
Sie selbst liegen längst mit gefalteten Händen
im Grabe und lassen die Zeitnöte hier.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 12. Oktober 2014

Vor aller Welt

Über den Köpfen ein tödlicher Schauer.
Bomben vom Himmel statt sonniges Licht.
Hörst du das Wimmern da hinter der Mauer?
Angst eines Kindes, des Zukunft zerbricht ...

Hockt in der Ecke statt fröhlich zu spielen.
Vor ihr liegt sterbend die Mutter im Blut.
Und auf dem Schlachtfeld, da kämpften und fielen
Junge und Alte nach tapferem Mut.

Alles ist anders. Die feindlichen Truppen
fallen mit schwerem Geschütz in das Land.
Demgegenüber verzweifelte Gruppen!
Hoffnung auf Freiheit, das Leben als Pfand.

Niemand ist sicher. Die Scharfschützen zielen
ohne Erbarmen auf ihn und auf sie.
Todesschwadronen, die Mordfreuden fühlen.
Mancher will helfen, doch keiner weiß wie.

Weinende Menschen, den Blick voller Fragen.
Heimische Wände in Asche und Schutt.
Jedweder Krieg brütet Kummer und Klagen.
Einstige Träume auf ewig kaputt.

Ach, und das Kind, das da immer noch kauert,
neben der Mutter, die langsam ihr stirbt:
Was, wenn sein Leben den Krieg überdauert?
Was, wenn der Krieg seine Seele zermürbt?

So viele Kinder sind Zeugen des Todes.
Zeugen des Todes vor jeglicher Welt.
Ihr kleines Sein, ist schon jetzt ein marodes
Haus, das in sämtliche Teile zerfällt.

Jegliche Welt hüllt sich lachend in Schweigen.
Sieht nichts und hört nichts, schmeißt Geld aus dem Haus.
Kommt nicht darauf, sich betroffen zu zeigen.
Schaltet ganz einfach den Fernseher aus ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 11. Oktober 2014

Fremde Federn

Mäht im Herbst die scharfe Sense
das vergilbte Sommergrün,
dann erklingt der Ruf der Gänse,
wenn sie froh gen Süden ziehn.

Ziehen fort in langen Reihen.
Und mein Traum fliegt hintenan.
Und mein Ohr lauscht ihrem Schreien,
und mein Blick folgt ihrer Bahn.

Hätt' ich Flügel, so wie jene,
hielte mich kein Mensch der Welt.
Wie ich mich nach Federn sehne ...
Nichts, was mich am Boden hält.

Höher, höher, weiter, weiter.
Weg, nur weg vom Menschenland.
Der Gedanke stimmt mich heiter,
bringt mich gar um den Verstand.

Welche Macht wär' mir gegeben,
welche Freiheit, welche Freud',
könnt' ich über allem schweben!
Ach, ich wär' gebenedeit ...

Ja, ich neide diesen Tieren
ihre Fähigkeit des Flugs.
Könnt' ich doch ihr Leben führen ....
Hätt' ich ihren zarten Wuchs ...

Doch ich bin als Mensch geboren.
Wär' die Gans wohl gerne ich?
Gott hat jeden auserkoren,
dass er keinem andren glich ---


(c) Bettina Lichtner
Halleluja




Freitag, 10. Oktober 2014

Ein Lächeln für den Frieden

Ein neuer Tag. Doch morgens schon
kein Lächeln auf den Lippen.
Es herrscht ein rüder Umgangston
und brodelt unter Rippen.

Das süße "Guten Morgen, Schatz"
wird selten nur gesprochen.
Das Süße findet keinen Platz,
drum ist ihm 's Herz gebrochen ...

Allein dem Kaffee wird es heiß,
ansonsten herrscht die Kälte.
Ein falsches Wort und jeder weiß,
im Anschluss folgt die Schelte.

Ein Bissen noch vom Butterbrot,
dann hurtig zu den Pflichten.
Der fremdbestimmte Zeitdruck droht,
die Freude zu vernichten.

Vielleicht ein knappes Abschiedswort,
vielleicht ein stummes Gehen -
Ach, dächten sie doch immerfort:
"Wird man sich wiedersehen?"

Dann strömen sie genervt hinaus,
die vielen Zeitgedrängten,
von einem hin zum nächsten Haus.
All diese Gottgelenkten ...

Sie drücken die Pennälerbank
und opfern sich für Bosse,
und ihre Nerven ziehen blank.
"Welch armer Kampf, Genosse!"

Am Morgen schon von Wut erfüllt.
Man sieht 's an ihren Blicken.
Es gibt der Mensch ein schlechtes Bild,
wenn Zorn und Gram ihn drücken,

wenn ihm der Stress im Nacken sitzt,
und ihn sein Leben beutelt.
"Ein Lächeln, Mensch, und sei 's verschmitzt,
hat manchen Krieg vereitelt."

Ein Lächeln hilft, ein Lächeln heilt.
Ein Lächeln für den Frieden!
Und wenn dir auch die Stunde eilt,
sei Eile doch vermieden.

Denn ach, was bringt die Hetzerei?
Was bringen Frust und Meckern?
Dein Körper droht mit Meuterei.
Nicht klotzen, sondern kleckern ...

Schenk deinen Liebsten morgens schon
dein allerschönstes Lachen.
Ein morgendlicher süßer Ton
bringt seelisches Erwachen,

und zieht sich weiter durch den Tag.
So einfach ist das Leben.
Wer so ein Leben leben mag,
des Zustand ist ein Schweben.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Gedanke futsch

Nein, Gedanke, bleibe! Weile!
Zieh nicht weiter ohne Gruß.
Ich versteh nicht diese Eile!
Bitte, bleibe! Fasse Fuß!

Just geboren, schon verloren.
Dem Gedankenfeuilleton,
der dich mühsam auserkoren,
flogst du einfach so davon.

Und ich mach' mich auf die Suche,
innendrin - wo sonst, nur wo?
Es schlägt negativ zu Buche -
mein so wütendes Niveau.

Warum bist du denn geflohen,
mein Gedanke ... sag, warum?
Ob Vergesslichkeiten drohen?
Tausend Ängste gehen um ...

Und ich grüble wie von Sinnen,
du Gedanke, wegen dir!
Will mir Eselsohren spinnen!
Bloß die Esel fehlen mir ...

Scheinbar kehrst du nimmer wieder.
Ach, du fällst mir nicht mehr ein.
Drum Adé, denn tausend Brüder
wollen nun beachtet sein.

Die Gedanken, die sich drängen,
jagen stürmisch durch die Zeit.
Sie belagern mich in Mengen,
kleiden sich in Nichtigkeit,

lenken mich von all dem puren
Leben ab, dass es mich kränkt.
Doch sie folgen deinen Spuren
schneller noch als man sie denkt ...

Alle futsch, wie du, Gedanke,
der du mir verloren gingst,
der du fern von jeder Schranke
frei durch fremde Lüfte schwingst ...




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Schmeckt gut

Trifft ein Herz ein andres, dann
zapft es seine Wärme an,
trinkt von seiner Liebe und
tut ihm seine Freude kund:

"Oh, du Herz, du süßes, du!
Endlich schließt der Kreis sich zu!
Alle Suche hat ein End'!
Einig nun, was lang getrennt ...

Dieses Glück, dir nah zu sein,
dieses Wort "Auf ewig dein" -
lag so lange mir im Sinn.
Wie gesegnet ich doch bin.

Niemand, der so fühlt wie ich!
"Jeder Atemzug für dich",
hat es Goethe formuliert.
Und der Himmel musiziert ...

Ach, wie wohl die Liebe tut.
Und es sprudelt eine Flut
schöner Worte aus dem Mund.
Treue leite diesen Bund.

Ja, die Treue .... leicht gesagt.
Wie der Zweifel plötzlich nagt.
Bin ich sehend oder blind?
Ob ich mich ans Rechte bind'?

Ist das Herz, das mir gefällt,
wirklich ewig meine Welt?
Wirklich ewig, immer mein?
Ist die Lieblichkeit nur Schein?

Vielleicht, ach, ersticke ich
an dem Atemzug für dich?
Frage- ohne Antwortspiel.
Und nur einer kennt das Ziel.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt?
Bin ich denn des Teufels Kind,
dass ich mich dem Zweifel füg'?
Wem gebührt denn nun der Sieg?

Nicht dem Zweifel! Das steht fest.
Wer den Geist vom Zweifeln lässt,
ist für alle Liebe frei.
Bleibet Gottes Wegen treu!

Also, liebet. Zweifelt nicht.
Dreht das Herz zum Sonnenlicht.
Liebet, liebet! Schmeckt die Zeit
dieser kurzen Herrlichkeit."




(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Dienstag, 7. Oktober 2014

Der Glotzer

Beschwerde vom TV-Gerät:
"Verehrtes Fernsehpublikum!
Sie nutzen mich von früh bis spät
und sitzen teilnahmslos herum

bei Knabberei und Bier und Wein,
und glotzen mir ins Angesicht
und hüllen sich in Schweigen ein,
derweil das Grauen aus mir spricht.

Ich zeige Blut, und Schmerz und Leid.
Und Hilfeschreie aus der Welt,
zu der die Teilnahmslosigkeit
vom Glotzenden sich still gesellt.

Der Glotzende, jawohl, sind SIE.
Sie wechseln schnell den Sendeplatz
bei zuviel Leidensszenerie.
"Die Fernbedienung ist ein Schatz ...".

Die Tränen und das Mordgeschrei,
und das zum Feierabendmahl,
sind Ihnen längst schon einerlei.
Sie schauen ein Programm nach Wahl.

Ein Liebesfilm - so harmlos schön -,
wo alle Wolken rosa sind,
ist zigmal besser anzusehn,
als so ein kriegsbedrohtes Kind.

Ein Krimi (allsamt ausgedacht),
verspricht ein spannend böses Spiel.
Und wird auch jemand umgebracht,
so zerrt es nicht am Wohlgefühl.

Vielleicht noch schnell ein Ratequiz,
die Sportschau oder "Kauf dir was" -
es ist auf jeden Fall gewiss:
das Publikum hat seinen Spaß.

Doch beim Programm "Realität",
da wird dann lieber weggeschaut.
Dann schimpft man aufs TV-Gerät,
weil es die Fröhlichkeit versaut."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Montag, 6. Oktober 2014

Oktoberglück

Es enthüllt sich still und sacht
Meister Herbst mit all der Pracht,
wie nur er sie zeigen kann.
Bunte Blätter über Nacht.
Morgentau, der 's Grün bewacht.
Alles fängt zu welken an ...

Was im Sommer - eben noch -
herrlich süß nach Leben roch,
duftet nach Vergänglichkeit.
Sehnsucht greift mich, ach und doch,
wenn ich an die Seele poch',
steht die Vorfreude bereit.

Hab es ja genau gewusst:
auch der Herbst weckt eine Lust
auf ein Leben voller Freud'.
"Herzchen, wenn du weinen musst,
so bedenk bei deinem Frust:
alles Ding hat seine Zeit."

Nicht zu halten ist der Lauf.
Nichts und niemand hält ihn auf.
Weder du und weder ich.
Nimmst du dieses Wort in Kauf,
legst dazu noch Einsicht drauf,
dann beruhigt der Kummer sich.

Grüß den Herbst als frohen Gast,
dem du mehr zu bieten hast
als den Miesepeterblick.
Tanz mit ihm, der dich umfasst.
Fang das letzte Blatt vom Ast.
Preise das Oktoberglück.

Denn der Winter naht herbei
schneller als die Polizei.
Und der Herbst, der Herbst vergeht.
Mach dich deiner Sorgen frei.
Nächstes Jahr ist alles neu.
Leb', solang' die Welt sich dreht ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Frisch renoviert

Die Dichterseele war erschöpft.
Sie bettelte um eine Ruh'.
Der Einfallsreichtum - zugeknöpft.
Der Geist schloss seine Türen zu.

Kein Sprudeln aus des Herzens Grund.
Kein Wort mehr, das zum andren fand.
Der Vers erstarb im Dichtermund.
Statt blühendes, nur karges Land.

Zerknüllte, leere Blätterflut.
Die Feder mied das Tintenfass.
Dem Dichter schoss die Angst ins Blut,
und sein Gesicht ward leichenblass.

Da war sie, die Blockade, die
er stets gefürchtet Tag und Nacht.
Er hatte seine liebe Müh'
mit ihrer großen Übermacht.

Drum nahm er sich für lange Zeit
das Recht auf eine Pause aus.
Hat sich von Schutt und Stress befreit
und reinigte sein Seelenhaus.

Er putzte, wo 's vonnöten war.
Trug Grau- und Schweres vor die Tür.
Und siehe da: die Stund' gebar
Ideen ihm gleich für und für.

Nun meldet sich der Dichter froh
und munter in der Welt zurück.
Es ist und bleibt ja immer so:
auch in der Not verbirgt sich Glück.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja