Samstag, 29. November 2014

Jedem seine Strafe!

Da brodeln die Tiere. Auf Öfen. In Töpfen.
Mit Liebe bereitet. Mit Beifall serviert.
Das Leben jedoch war den toten Geschöpfen
mit Qual und mit Hass und mit Ängsten garniert.

Nun brutzeln die Leichen. Dem Mensch läuft das Wasser.
Ein kurzer Genuss nach verheimlichter Mast.
Und wer 's nicht verdrängt, der wird blasser und blasser ...
Der weiß: dieses Tier wurd' im Leben gehasst.

Der weiß von den Schlägen, der Folter, den Tritten.
Der lässt seine Finger vom zarten Filet.
Den muss man nicht wieder und immerzu bitten,
vom Fleische zu lassen. Der weiß um das Weh.

Die Feigen jedoch, die vorm Wursttresen stehen,
die fragen nicht weiter. Die geben sich blind.
Das Leben vorm Tod woll'n die Kunden nicht sehen.
Die Schreie der Tiere verhallen im Wind.

Sie schreien um Hilfe. Sie schreien und schreien.
Wer möchte so leben, so sterben wie sie???
Die Schande am Tier ist mit nichts zu verzeihen.
Und wer 's ignoriert, ach, der ändert sich nie.

Doch Strafe ist sicher! Der Mensch wird es büßen.
Dem Fleischesser klebt ja das Blut an der Hand.
Ich werde ihm keinerlei Tränen vergießen,
wenn Krankheit und Sterben ihn jäh übermannt ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 28. November 2014

Nichts für Schwächlinge



Es sucht der Mann nach seiner Rolle.
Die Frau wird weiter dominant.
Erst gestern lagen Garn und Wolle
in ihrer hausfraulichen Hand.

Doch mehr und mehr gewinnt sie Mächte.
Und klettert langsam in die Höh'.
Gleich, wer sie auch zum Fallen brächte -
es täte ihr ja nimmer weh.

Sie hat gelernt, wie man sich rappelt.
Sie bleibt nicht liegen, wenn sie stürzt.
Wer glaubt, dass sie da hilfslos zappelt,
dem hat sie 's Süppchen schnell verwürzt.

Sie hat die Fäden in den Fingern
und lenkt und leitet, führt und tut.
Der Mann hingegen kommt ins Schlingern,
es nimmt die Frau ihm Sinn und Mut.

Der starke Held aus alten Tagen,
wird von der Schwachen weich gekocht.
Es drängt mich so, den Mann zu fragen:
"Was hast du einst am Weib gemocht?

An diesem Weibsbild ferner Zeiten?"
Und er würd' sagen: "Nun, naja,
in all diesen Vergangenheiten
war 's Weib ja für den Haushalt da!

Sie war als Mutter bei den Kleinen.
Sie kochte Essen. Hörte zu.
Sie war ja einst - so will ich meinen -
der Mittelpunkt, der Pol der Ruh'.

Sie war der Chef - und zwar zuhause.
Sie hatte Heim und Hof im Griff.
Doch heute aber (oh ich brause ....),
geht 's ihr um den Karriereschliff.

Die Kinder kommen früh um sieben,
kaum dass sie auf der Erde sind,
in fremde Hände, fern der Lieben.
Und ich bedauere solches Kind."

Sprach 's aus, der Mann, und suchte weiter
nach seiner Rolle im System.
Die Frau indes erklimmt die Leiter,
und macht sich 's Leben angenehm.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 24. November 2014

Eure Schuld

Du armes Schwein, so musst du sterben.
Die Welt war ja die deine nicht.
Sie lag von Anbeginn in Scherben.
Es zählte nur dein Schlachtgewicht.

Und deine Zartheit und dein Wesen,
hat man ja schweigend ignoriert.
Nun ist der Tod wohl ein Erlösen
von aller Qual, die du gespürt.

Mit schnellem Atem, schwer und schnaufend,
beginnt die letzte große Fahrt.
Aus deinen Augen fallen laufend
so stumme Tränen, fallen hart.

Den Duft der Freiheit nie genossen,
vom Strahl der Sonne kurz gewärmt,
schon ist das Blut herausgeflossen,
die Kehle durch, der Leib entdärmt.

Die Gier des Menschen auf den Schinken,
auf deine Keule, deinen Speck,
ließ dich nun sterbend niedersinken
nach einer kurzen Mast im Dreck.

Adieu, du Schwein! Geschöpf der Erde.
Musst nicht mehr leiden, nicht mehr sein.
Auf dass es einstmals besser werde!
Es trägt der Mensch die Schuld allein.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 22. November 2014

Abgezähltes

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
wo nur ist die Zeit geblieben?
Eben noch herumgehüpft,
schon ins Greisenkleid geschlüpft.

Kann 's denn sein, dass Stunden fliegen?
Das Geschenkte muss genügen.
Leg die Hand nicht in den Schoß!
Mach das kleine Leben groß!

Frage nicht nach übermorgen.
Wisch sie fort, die vielen Sorgen.
Lach' und wein' im Wechselspiel,
und besinne dich aufs Ziel.

Dieses Ziel, das alle finden.
Ob sie ihre Leiber schinden,
oder lieber müßig sind -
ob sie alt sind oder Kind.

Jedem wird ein Schluss geschrieben.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
raus bin ich und raus bist du.
Und die Seelen haben Ruh'.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 20. November 2014

Vergebliche Mühen

Kuschelzeit, Novemberkühle.
Und das Herz ersehnt Gefühle
wie im Lenz. Doch alles zittert,
und da ist das Herz erschüttert,
droht mit Liebesschmerz und so.
"Herz, du bist befremdlich roh ...".

Mir ist nicht nach Glut zumute!
Jede herbstliche Minute
lässt mich schon den Winter ahnen.
Will der Frost den Weg sich bahnen?
Er kommt heimlich - über Nacht!
Hab ich 's mir doch fast gedacht ...

Morgens plötzlich diese Kälte!
Doch was nützt die ganze Schelte?
Jahreszeiten sind halt eigen.
Jede will uns Menschen zeigen,
welche Macht sie doch besitzt.
Und der Mensch? Der friert und schwitzt ...

Doch zurück zum rohen Herzen:
schickt es mir nicht Weihnachtskerzen,
meine Stimmung zu erhöhen,
trotz der Stürme, die da wehen?
Ferner schürt es mir recht kühn
noch ein Feuer im Kamin.

"Kannst du JETZT den Frühling spüren?",
will es mich erneut verführen.
Doch ich bibber. Innen. Außen.
"Tut mir leid, der Lenz bleibt draußen.
Jetzt ist Winter und ich frier!"
Da verschließt das Herz die Tür ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 19. November 2014

bla bla bla



Die ganze Welt ist voll von Schwafeleien.
Es schwirren wirre Worte ohne Sinn oder Verstand.
Kein Boden mehr, auf dem sie bunt gedeihen.
Sie fallen immer öfter auf ein karges, kaltes Land.

Da könnten manche Münder besser schweigen,
statt dass sie all die Nichtigkeiten um die Ohren hau'n.
Man kann sich gar sekündlich überzeugen:
den allermeisten Sätzen kann man sowieso nicht trau'n.

Gelogen wird und maßlos übertrieben.
Wie oft wird aus der Mücke gleich ein Elefant gemacht ...
Und hinterher? Was ist davon geblieben?
Na, allenfalls die Schadenfreude, die darüber lacht.

Die Worte prasseln nieder, doch die meisten,
die gehen rechts ins Ohr hinein und links gleich wieder raus.
Nur wenige, die in die Seele reisten.
Ich schmeiße jeden Tag soviel Belangloses hinaus ...

Am Abend bin ich müde vom Gehörten.
Was wollte man mir sagen? Bin ich schwerlich von Begriff?
Ich will die Worte weiter nicht bewerten,
doch oft hat es gemangelt an dem fachmännischen Schliff.

Nur ab und zu, da will der Coup gelingen,
dann ist da dieser eine Mund, der Gutes zu dir spricht.
Das rechte Wort bringt dir das Herz zum Klingen.
Nur dieses eine Schöne hat das richtige Gewicht.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 16. November 2014

good old days



Ja, hin sind sie, für immer hin,
die Tage, da wir jung und frei.
Im Album stehen sie noch drin,
und finden endlich ihren Sinn.
Und lesen sich so neu ...

Sie nahmen alle Schönheit mit,
zum Glück auch alle Hässlichkeit.
Ich hielt so lang' mit ihnen Schritt ...
Bald gibt die Zeit mir einen Tritt
in Richtung Ewigkeit.

Sie ließen mir Geschichten hier,
so dass ich mich erinnern kann.
Die klopfen manchmal an die Tür;
es treibt sie ungefragt zu mir
(zumindest dann und wann).

Sie fragen mich, ob ich noch wüsst',
wie 's damals war. Warum denn nicht??
So einiges wird schon vermisst,
doch wenn man alt und weise ist,
dann hält man nicht Gericht.

Man weckt nicht böse Geister auf,
und weint den guten auch nicht nach.
Denn man besinnt sich still darauf:
es ist exakt des Lebens Lauf.
Das Gestrige liegt brach ....

Das Schöne bleibt auch weiterhin
im Leben an der treuen Seit'.
Und sind die Tage nun auch hin,
sie machten, die ich heute bin.
Sie schrieben meine Zeit.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja



Samstag, 15. November 2014

In friedlicher Mission


Es ist der Mensch nicht wesensfest.
Beim kleinlichsten Belastungstest
verliert er die Geduld.
Dann richtet er der Wut ein Nest,
und alle Welt ist Schuld.

Zerfleischend und auch bös' gemeint,
so fliegt das Wort und trifft den Feind,
der sich im Wehren übt.
"War ich dir eben nicht noch Freund?"
Der Himmel schaut betrübt ....

Die Schlucht wird breit, die Maske fällt.
Der eine kratzt, der andre bellt -
ein Kampfhund im Gemüt.
Die gestern noch so heile Welt
singt laut ein Angriffslied.

Manege frei. Das Raubtier brüllt.
(Ich kenne dich nicht mehr ...).
So eilig tauschen Brav und Wild
die Rollen, und vorm Bühnenbild
geht es bedrohlich her ...

Ein Tropfen nur, schon quillt der Krug.
"Mein Freund, du machst mir Angst.
Welch Hass in deinem Atemzug!
So hör' doch auf, es ist genug!
Nicht, dass du noch erkrankst ..."

Der Blutdruck nämlich prustet sehr.
Sein Limit ist erreicht.
Er will nicht und er kann nicht mehr.
Es muss jetzt eine Lösung her,
noch eh das Glück sich schleicht.

Der Klügere gibt nach und schon,
gibt sich das Raubtier zahm.
Jetzt schweigt sie still, die Kriegsregion,
weil ihr die friedliche Mission
die Luft zum Hassen nahm ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. November 2014

Es war so einfach

Obgleich mir das Neiden befremdlich erscheint,
ergreift es mich dennoch in grübelnden Stunden.
Dann hab' ich sie nämlich beneidend gefunden,
die Zeiten, die keiner vermisst und beweint.

Doch ich - der ich ständig ein Denkender bin -
ich denke mit Sehnsucht und allerlei Fragen
ans einfache Leben. Fast möchte ich sagen,
es zieht mich zu allem Vergangenen hin ...

Ich male mir aus, wie beglückend es war,
ganz einfach für sich durch die Landschaft zu gehen.
Und einfach inmitten der Stille zu stehen,
darüber der Himmel - beruhigend und klar.

Kein Mensch, dessen Nähe den Ruhepol stört.
Kein Auto, kein Handy, kein Rad und kein Flieger.
Kein Heuchler, kein Blender und auch kein Betrüger.
Ganz einfach allein. Unermesslich der Wert ...

Kein Bagger, der Bäume für Neubauten fällt.
Kein Räuber, der wagt, den Moment zu entwenden.
Nur Stille und Weite in einfachen Händen ...
Beneidenswert, oder? Die frühere Welt ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 12. November 2014

Möglichst frisch



"Guten Tag, was darf 's denn sein?"
"Einmal frische Liebe, bitte!
Wickeln Sie sie sorgsam ein,
denn ich trag' sie ein paar Schritte.

Nicht dass sie mir noch zerbricht,
wenn sie aus den Händen gleitet.
Oh, ein himmlisches Gericht
wird aus jener zubereitet.

Leicht gewürzt mit Sexappeal,
und dazu noch wilde Küsse
nebst Vertrauen (davon viel) -
fertig sind die Hochgenüsse.

Eines noch: die Haltbarkeit!
Sie darf nicht zu schnell verderben!
Nicht dass sie nach kurzer Zeit
auserkoren ist, zu sterben.

Sie muss halten. Tag und Nacht.
Und robust sein. Stark und willig.
Wehe, wenn sie Ärger macht.
Schließlich ist ja nicht billig ...

Gute Pflege ist gewiss.
Jedenfalls von meiner Seite.
Bringt sie aber einen Riss,
werfe ich sie in die Weite.

Haben Sie im Angebot
eine solche frische Liebe?
Oder sehen Sie gar rot,
weil ich solchen Anspruch übe?"

"Allerlei Besonderheit.
Nun, da muss ich vorbestellen.
Solche Liebe, tut mir leid,
ist nicht aus dem Ei zu pellen ..."



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 11. November 2014

Shame on you

Immer noch gibt 's Hungermäuler!
Irgendwas läuft grundverkehrt.
Draußen prangt am Lampenpfeiler:
"Überfluss verkennt den Wert."

Unsre Wegwerfspezialisten
schätzen nicht den Wert der Kost.
Ungezählte Nahrungskisten
fallen täglich durch das Rost.

Von dem Müll alleine würden
alle Erdbewohner satt.
Doch aufgrund von Mitleidshürden
läuft das Hungerspiel nicht glatt.

Wir empfinden nichts für jene,
deren Magen nichts verdaut.
Diese bitterböse Szene
wird nur selten angeschaut.

Ja, wir wollen nicht mal denken
an den Hunger dieser Welt,
während wir uns Wein einschenken,
der sich rot zum Wild gesellt.

Wird das Mahl nicht ganz gegessen,
ach, was soll es. Weg damit.
Hinterher noch Nachtisch essen
(Süßes hält die Seele fit ...).

Ob derweil ein andrer schmachtet,
ist uns völlig unbewusst.
Wird auch weiter nicht beachtet,
wenn du Hunger leiden musst ....

Tja, so sind die satten Leute.
Nur das eigne Wohl im Sinn.
Nur die eigne fette Beute.
Wie beschämt ich dessen bin ...


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 10. November 2014

It 's me

Da sitzt ein Kind und weinet sehr.
Sein kleines Herz trägt schon so schwer
an irgendeiner bösen Last.
Die Menschen aber ringsumher,
die kümmert 's nicht, denn kreuz und quer
kriegt jeder sein Paket verpasst.

Und jeder ist sich selbst genug.
Wer teilt schon gern den Atemzug,
um Retter in der Not zu sein?
Doch handelte stets dieser klug,
der auch des andren Schmerzen trug,
und freundlich sprach: "Dein Leid sei mein."

Nur selten noch, dass einer sagt:
"Egal, was dich bedrückt und plagt,
ich gebe dir den rechten Halt."
Heut' ist es so: Wenn einer klagt,
wird kaum mehr nach dem Grund gefragt.
Des einen Los lässt andre kalt.

Vom Mitgefühl fehlt jede Spur.
Es gibt sich arrogant und stur,
und hält sich von Problemen fern.
Es passt nicht zur modernen Uhr.
Die ganze Mitleidsprozedur
erscheint ihm wie vom fremden Stern.

Das kleine Kind, wie 's da so saß,
derweil der Kummer es zerfraß,
hat meine Seele tief berührt.
Ich blickte in ein Herz aus Glas.
Ein Herz, das jemand schlicht vergaß.
Das Wärme braucht und dennoch friert.

Das kleine Kind - die Haut so dünn.
Es schaut zu mir. Ich setz mich hin
und sage leis': "Ich kenne dich."
Wie sehr verletzlich ich noch bin,
zeigt dieses Kind mir innendrin.
Das kleine Kind, das bin ja ich ....


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 9. November 2014

Ein zarter Keim

Die Welt ist blind. Sie fühlt auch nicht.
Sie hört nicht, was die Liebe spricht.
Sie tunkt die Zeit in böses Blut
und jubelt laut dem Tunichtgut.

Ein ewiger Dornröschenschlaf ...
Nur selten noch ein weißes Schaf,
das friedlich und genüsslich grast,
und nicht mit seiner Stunde aast ...

Stattdessen fliegt die Hexenbraut,
die finstrer noch als finster schaut,
von hier nach da und sät Gewalt,
dass überall die Büchse knallt.

Kanonendonner, Streit und Zank ...
Und arme Seelen wandern krank
von Herz zu Herz und fragen an,
ob irgendwer sie lieben kann.

Doch keiner mehr, der weiß, wie 's geht.
Der wärmend zur Verfügung steht.
Das Eis zu dick. Zu kalt die Hand.
Ein scharfer Wind weht im Verstand.

Die Welt braucht einen, der ihr zeigt,
wie man sich zueinander neigt.
Wie man umarmt mit Leib und Wort.
Die Welt braucht einen Zufluchtsort.

Vielleicht ist 's ja des Dichters' Reim,
der einen kleinen zarten Keim
in hungrige Gemüter pflanzt,
dass bald des Lebens Freude tanzt ....


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Samstag, 8. November 2014

Teufel & Liebe

Übte ein jeder, den Nächsten zu lieben,
trüge der Himmel ein sattes Rosé.
Aber stattdessen steht fragend geschrieben:
"Wem tu ich wie wohl am fiesesten weh?"

Randvoll bedeckt ist das Füllhorn der Rohheit.
Worte sind drinnen, verletzend und grob.
Wahrlich, der Teufel erkämpft sich die Hoheit,
wagt sich zu ehren mit eigenem Lob.

Kannst ihn erkennen in all diesen Blicken,
die dir so böse ins Angesicht schau'n.
Ständig hockt Satan in ihren Genicken,
um dir den Frieden in Stücke zu hau'n.

Überfallartig wird niedergetrampelt,
was noch so blühend im Arglosen stand.
Hat auch das Glück noch verzweifelt gestrampelt,
fiel es am Ende dem Hass in die Hand.

Wurde misshandelt und wurde zertreten.
Lag da am Boden und tat mir so leid.
Aber der Teufel hat höhnisch gebeten,
IHN nur zu achten zu jedweder Zeit.

"Schluss jetzt, es reicht.", hat die Liebe gerufen.
"Schere dich, Teufel! Zur Hölle mit dir!
Dir geb ich Zunder! Drum schwinge die Hufen!
ICH nur alleine bin Herrscherin hier!!"

Wie sie doch kämpfte ums nackte Bewahren ...
Wie sie sich wehrte mit allem, was gut ....
Teufel und Liebe (vor ungleichen Paaren
ziehe ich meistens bewundernd den Hut).

Wer auf der Erde wird siegen und bleiben?
Dass es nur ja nicht das Teuflische sei ...
Möge die Zeit uns zum Lieblichen treiben,
dann ist 's fürwahr mit dem Hassen vorbei.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 6. November 2014

Irgendwo im Treppenhaus

Die Lüge liebt die Wanderschaft
und spielt gern Stille Post.
Sie bäumt sich auf, gewinnt an Kraft,
bringt allenthalben strengen Frost,
rückt Namen und Gesichter
zu gern in schlechte Lichter.

Mit hundert Gramm als Startgewicht,
wird schnell daraus zehn Pfund.
Ihr Lieblingsessen? Das Gerücht.
Schon ist sie kugelrund,
und schafft 's mit kalter Miene
vom Schneeball zur Lawine.

Zerstörend und verletzend sein,
das ist der Lüge Ziel.
Sie ist von Herzen gern gemein,
und liebt das böse Spiel,
die Wahrheit zu vernichten
mit haltlosen Geschichten.

Die Ehrlichkeit ist ihr ein Graus,
und ihr erklärter Feind.
Schon hat sie sich im Treppenhaus
mit der und dem vereint,
die bald im Tuscheln liegen,
dass sich die Balken biegen.

Da ist die Lüge gut dabei!
Der Tratsch ist ihre Welt.
Das Opfer ist ihr einerlei.
Sie lügt, wie 's ihr gefällt.
Und dennoch fragt sie bange:
"Wie lang geht 's gut? Wie lange?"

Denn, wehe, wenn sie aufgedeckt!
Dann steigt ihr Dreck empor ...
Dann hat die Wahrheit Blut geleckt,
und zerrt den Trug hervor.
Und jeder, der gelogen,
hat sich auch selbst betrogen.



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. November 2014

Was von uns bleibt



Die Archäologen in hundert von Jahren,
behaupten zu Recht, dass wir rücksichtslos waren.
Sie fördern nur Berge von Plastik ans Licht,
egal wo ihr Spaten auch gräbt oder sticht.

"Die Menschen von früher", so werden sie sagen,
"die haben die Welt nicht auf Händen getragen.
Die Kunststoffverschmutzung vergangener Zeit,
ist Zeugnis dafür: man ging deutlich zu weit.

Ihr Alltag war gänzlich von Plastik umgeben.
Die Funde belegen: ihr kärgliches Leben
war plastikverhüllt bis zum letzten Moment,
wie 's heute kein einziger Erdling mehr kennt.

Wir suchten nach Schätzen und finden stattdessen
nur Plastik. Die Mengen kann keiner ermessen.
Die Menschen von früher, die hatten kein Hirn ....
Und scheinbar stand groß EGOIST auf der Stirn.

Sie haben die Umwelt mit Füßen getreten,
und waren respektlos zum schönen Planeten.
Und starben schlussendlich auch plastikverseucht.
Verzeiht, dass uns keinerlei Mitleid beschleicht.

Es fehlte den Menschen das gute Gewissen,
sonst hätten sie nimmer das Plastik geschmissen
in Büsche, in Wälder, ins Meer und zur Seit'.
Es war eine wahrlich verdorbene Zeit ..."



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 4. November 2014

Wenn die bösen Geister kommen

Jene, die das Böse meistern,
sind von allen guten Geistern
längst verlassen, sind von Sinnen,
sind wie mörderische Spinnen,

die bei Nacht die Netze weben,
Trautes aus den Angeln heben,
Gift in Ahnungslose flößen,
und die pure Angst entblößen.

Fährt der Schreck uns in die Glieder,
martern sie uns noch und wieder,
bis wir machen, wie geheißen,
und uns auf die Knie schmeißen.

Bis wir gar um Gnade flehen,
doch die bösen Geister sehen,
dass wir uns mit großem Jammern
an Besitz und Reichtum klammern.

Und sie brechen in Gelächter,
schicken ihre finstren Schlächter,
dass sie unser Habgut greifen
und ihn auf zum Türme häufen.

Und dann sitzen wir daneben ....
Dieses mickrig kleine Leben
neben diesem Turm aus Gütern,
und den Unterweltgebietern.

Und sie sagen: "Heulsusen!
Tragt die Ängste unterm Busen,
brecht in lautes Hilfeschreien,
weil wir Euch vom Schrott befreien?

Und den habt Ihr noch versichert.
Aber, wer als letzter kichert,
reißt hinfort das güldne Ruder.
Tja, der Tod. Ein treuer Bruder."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 3. November 2014

Brenne aus mein Licht

Laterne, Laterne - so seh' ich dich scheinen
am herbstlichen Abend in kindlicher Hand.
Sie singen dir Lieder und fast möcht' man meinen,
vergangene Tage sind wieder im Land.

Ich fühl' mich erinnert an gestern, an eben.
Da trug ich dich stolz über Stock, über Stein.
Nun wanderst du treu durch mein fliehendes Leben,
um jeden November die Sehnsucht zu sein.

Ich war so gebannt von der flackernden Flamme.
Und immer die Angst, dass das Feuer dich frisst.
Vielleicht mal ein Knick, eine flüchtige Schramme,
doch nichts, was da schmerzhaft verinnerlicht ist.

Dazu der Spaziergang durchs finstere Städtchen,
die trauten Gesänge - ich kenn' sie noch heut' ...
Und jeden November, da dreht sich das Rädchen
zurück in die längst schon verflogene Zeit.

Wie schön ist 's gewesen, dich halten zu können.
Laterne, Laterne - doch nun bist du aus.
Sind einzig nur Jahre, nur Jahre, die trennen.
Im Herzen jedoch bist du immer zuhaus'.




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 2. November 2014

Die Schranke bleibt geschlossen

Mein Geheimnis willst du finden,
doch ich hab es gut versteckt.
Willst mein Seelisches ergründen
(hat noch keiner je entdeckt).

In die Tiefe willst du dringen,
doch da lass ich keinen hin.
Gold und Zaster lässt du springen,
doch ich zeig nicht, wer ich bin.

Lägst das Päckchen gerne offen,
das das Leben mir geschnürt,
doch vergeblich ist dein Hoffen,
es bleibt anonymisiert.

Weder du noch irgendeiner
kriegt den Schlüssel in die Hand,
der zum Herzen führt. Nicht einer
tritt mir je ins finstre Land.

Zu verletzlich ist die Stelle,
zu verwundet, zu zerstört.
Eine Schranke vor der Schwelle
hat sich tausendmal bewährt.

Schützt vor ungewollten Blicken.
Schützt vorm Wühlen im Archiv.
Schützt mich gleichfalls vorm Ersticken,
und vor jedem Detektiv.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Ziellos glücklich

Ziele waren mir zuwider.
Steckte sie und riss sie nieder.
Hab sie selten nur erreicht.
Planlos leben ist so leicht ...

Wollt' mich lieber treiben lassen,
statt ein Ziel ins Aug' zu fassen.
Einfach sein! Aufs Geratewohl,
ohne Start- und Zielsymbol.

Keinen Weg mir auszudenken.
Ließ mich fallen, ließ mich lenken
von der hohen Himmelsmacht.
Und es hat mir Glück gebracht ...

Keine eng gesetzten Schritte,
dafür  Fehl- und Übertritte,
doch sie haben mich gelehrt,
wo der Blickpunkt hingehört.

Keine Stunde einzubüßen,
einfach mit dem Fluss zu fließen,
nichts zu wissen vom Wohin,
war ein kostbarer Gewinn.

Mut war nötig. Hin und wieder.
Doch die Neugier nahm die Glieder
mit zur Reise ohne Ziel.
Einfach so. Ganz nach Gefühl ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja