Montag, 2. November 2015

Wenn, dann



Wenn das Novembergrau auf das Gemüte drückt,
und unser Herz ins Tal der Tränen schickt,
dann seht nach vorn! Es geht vorbei.
Schon bald, schon bald ist Mai.

Wenn das Novembergrau sich in Gedanken schleicht,
und unsren Kopf beschwert und nimmer weicht,
dann seid getrost. Der Lenz ist nah.
Nicht lang' und er ist da ...

Wenn das Novembergrau die Seele runterzieht,
und sie besetzt so wie ein Feindgebiet,
dann denkt ans Licht. Ans warme Licht,
das bald zutage bricht.

Wenn das Novembergrau die Stimmung niederschlägt,
und uns die Trübsal in die Stunde trägt,
dann nehmt es an mit Kraft und Mut.
Es wird auch wieder gut.

Wenn das Novembergrau die gute Laune stiehlt,
und geradewegs auf unsre Freude zielt,
dann lacht, so laut ihr lachen könnt',
bis dass das Grau sich trennt.

Wenn das Novembergrau euch gar beherrschen will,
dann singt und singt und seid nicht still,
und seht nach vorn. Es geht vorbei.
Schon bald, schon bald ist Mai ...


© Bettina Lichtner

Dienstag, 27. Oktober 2015

Schlafende Hirten




Der böse Wolf! Die Schafe zittern.
Er kommt des nachts, wenn 's niemand sieht.
Sie blöken, wenn sie seiner wittern,
und ahnen, dass dann Böses blüht.

Sie können ihm auch nicht entkommen.
Ihr Feld ist allseits eingezäunt.
Heut' hat er sich ein Lamm genommen,
und dessen Mutter hat geweint.

Der Hirte sieht 's am nächsten Morgen.
Er schlief, als jener Mord geschah.
Nun wendet er sich voller Sorgen
ans Tagesblatt. Und siehe da,

schon steht der böse Wolf am Pranger.
Die Leserschar ist aufgeschreckt,
Den Müttern wird nun bang und banger,
die Jäger haben Blut geleckt.

Das arme Tier! Ihm knurrt der Magen,
und Lamm gehört zum Speiseplan.
Nun geht 's ihm sicher an den Kragen!
(Der Mensch und ach, sein Rachewahn ...).

Der Mensch isst selber Vieh in Massen
(nur vor dem Schlachten scheut er sich).
Nun kriegt EIN Wolf EIN Lamm zu fassen,
und alles schreit????? Wie sonderlich ...

Dann muss der Hirt halt Schafe hüten,
so wie es war vor langer Zeit!!!!
Jetzt über Isegrim zu wüten,
ist eine Unverfrorenheit.

Nein, nicht der Wolf, der Mensch ist böse!!
Der Mensch allein gehört verbannt.
Wenn ich das Wolfsgehetze lese,
dann steigt mein Zorn bis an den Rand.

Der Hirt schläft fest in weichen Daunen,
und seiner Herde droht Gefahr.
Das Weihnachtsfest bringt uns Erstaunen,
weil dort der Hirt noch Hirte war.


© Bettina Lichtner

Montag, 26. Oktober 2015

Es zeigen sich Risse



Da laufen sie wieder, die Sklaven, die Knechte
der Handys, der Smartphones und sehen gebannt
auf blinkende Displays. Und Tage und Nächte
liegt innig verwurzelt das Ding in der Hand.

Kein Schritt ohne jenes. So weit ist 's gekommen!
Die Sucht hat die Mehrzahl der Menschen gepackt.
Das Umfeld, den Nächsten ---- 's ist alles verschwommen.
Die Sklaven sind ganz in der Scheinwelt versackt.

Sie gehen zu zweit, aber jeder alleine.
Sie reden nicht mehr über dieses und das.
Sie lieben die Handys! Sie ihr's. Er das Seine,
derweil man einander zu lieben vergaß.

Und wofür vergessen sie Liebe und Küsse?
Für sinnloses, nutzloses Technikgeschwätz.
Die Seelen erkalten. Es zeigen sich Risse
im göttlich erdachten mitmenschlichen Netz.

Die Augen sind einzig aufs Handy geheftet.
Das Herz in der Brust schreit nach Aufmerksamkeit.
Das WIR wird allmählich und leise entkräftet ...
Was ist das für eine gefühllose Zeit!?!



© Bettina Lichtner

Sonntag, 25. Oktober 2015

Auch dir



Lass die betastenden Blicke! Es stört mich,
wenn sie vom Scheitel zur Fußferse wandern.
Glaubst du denn wirklich, es ziemt und gehört sich,
dieses begierige Schau'n nach der andern?

Wie ich mir wünschte, ich wär' eben diese,
die deinen Kopf so mit Sehnsüchten flutet.
Doch ich erleb' eine innere Krise!
Merkst du denn nicht, wie die Seele mir blutet?

Ja, ich bin alt und bisweilen gebrechlich.
Sie ist so jung, so erfrischend, und schüchtern.
Ja, sie ist zart, du verfällst ihr so schwächlich.
Neu gegen alt (ich betrachte es nüchtern).

Wisse, mein Liebster, was jetzt so verfänglich,
bleibt ja nicht immer in süßlicher Hülle.
Alles, was blüht, ist am Ende vergänglich.
(Sage nicht ich! Es ist göttlicher Wille!)

Laster und Lust bergen Leid und Verderben.
Halt' die Gedanken in ehrlichen Bahnen!
Gehst du zu ihr, wird das Unsrige sterben!
Dies sei ein leises, doch ernstes Ermahnen!

Bist du so wirr von dem Teint ohne Falten?
Sei auf der Hut! Man verbrennt sich am Feuer!
Frei. Du bist frei. Nimmer werd' ich dich halten!
Früher war ich 's, die dir lieb war und teuer.

Furchtbare Welt, wenn 's nur geht um das Eine.
Ist da nicht mehr, als durch Betten zu springen?
Ja, ich bin alt, und ich sag', was ich meine.
Aber auch dir wird man 's Sterbelied singen ...



© Bettina Lichtner


Freitag, 23. Oktober 2015

Sei ein liebes Kind



Du führst doch was im Schilde, Kind!?!
Dein Blick spricht tausend Bände ...
Wenn Wort und Werke böse sind,
dann nimmt 's kein gutes Ende!
Behalte deine Weste weiß,
denn wisse, kleiner Naseweis:
man kriegt so einen Sündenfleck
nur selten wieder weg.

Was irgendeinem Schaden kann,
das sollte man nicht machen.
Fang' nicht mit schiefen Bahnen an.
Dort kann es übel krachen!
Sie werden gar zum Labyrinth,
drum wisse, wisse, liebes Kind:
bleib immerzu dir selber treu
und aller Bosheit frei.

Vergiss, was du im Kopfe heckst.
Es bringt nur Scherereien.
Was du noch innerlich versteckst,
lass lieber nicht gedeihen.
Du weißt: der Eltern Strafgericht
ist hart, wenn es sein Urteil spricht.
Du hast es ja schon oft gespürt,
was schlimmstenfalls passiert ...

Das Streichespielen ist tabu
in unsren guten Stuben.
Es raubt dem Frieden seine Ruh'.
und gräbt nur tiefe Gruben,
in die du schließlich selber fällst,
wenn du den Unfug beibehältst.
Erspare dir den Schmähgesang
und schadenfrohen Klang.

Sei lieber deiner Eltern Freud'
und achte, was sie sagen.
Denn deine Ungezogenheit
ist schwer für sie zu tragen.
Ein braves Kind tut wohl und gut.
Sei also immer auf der Hut
vor deinem Herz, dass es nicht kränkt.
Mach, dass es Liebe schenkt ...



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 22. Oktober 2015

ehrlich tut weh



Ich seh dich an und weiß: Du lügst.
Ja, ja, ich spüre du betrügst
mich mit der blond gefärbten Drallen.
Das scheint dir gar nicht zu gefallen,
dass ich die Heimlichkeit durchschau,
und deinen Worten nicht vertrau.

Du stotterst ja! Was stotterst du?
Bringt der Verdacht dich aus der Ruh'?
Wie ich auf solche Dinge käme??
Ob ich mich eigentlich nicht schäme,
dir ein Verhältnis anzudrehen?
Fragst mich noch süßlich "Soll ich gehn?"

Ich hab' Beweise für und für!
Erst dieser Zettel vor der Tür:
"Heut' Abend, Schatz? Um 9? Wie immer?"
Dann der Parfum-Geruch im Zimmer,
der meiner nicht noch deiner ist.
Herrje, wie wenig schlau du bist ...

Schleichst Nacht für Nacht in dein Büro
und twitterst ihr "Ich lieb dich so!!".
Ich werd' verrückt bei dem Gedanken,
dass ihr tabulos ..... ohne Schranken
und hemmungslos im Glück versinkt,
und gar in Grenzgebiete dringt.

Wann triffst du sie? Na los, spuck 's aus!!
Ich warte brav und dumm zuhaus'
und glaub' an deine "Überstunden",
und ach, du seist ja so gebunden
an Aktenordner, Arbeitspflicht.
Derweil dein Herz was andres spricht ...

Dein Herz liegt längst in ihrer Hand.
Sie raubt den kläglichen Verstand,
und hält dich fest in ihren Klauen!
Es ist nur schwerlich zu verdauen,
dass DU dich in die Schlange reihst
der Männer, deren Herz entgleist ....

Ich kämpfe nicht um unser WIR.
Hau au! Hau ab! Los ... geh zur IHR
und lass dich rundherum verwöhnen.
Soll SIE dir doch dein Leben krönen.
Ich hab', Pardon, die Schnauze voll.
Ich tue endlich, was ich soll

und schmeiß dich raus. Ganz hoch. Ganz weit.
Das "ich&du" ..... Vergangenheit!!!
Ich werde schon nicht untergehen.
Adieu. Auf Nimmerwiedersehen.
Ich bin nicht deines Weges Stein.
Das Leben kann so ehrlich sein ...



© Bettina Lichtner

Dienstag, 13. Oktober 2015

Die Gedanken sind ....



Die freien Gedanken - so köstlich besungen -
sind leider zu oft aus der Reihe gesprungen,
und standen sich selber im Weg.
Ich rief sie zur Ordnung (ist selten gelungen).
Sie haben sich dreist auf die Zunge geschwungen
und nannten sich laut SAKRILEG.

Sie schimpften, sie drohten, sie mordeten Seelen.
Wie Monster verließen sie Kerker und Höhlen,
zu bringen Verderben und Leid.
Ich bat sie zu flüstern, sie liebten das Grölen.
Sie übten sich ständig im bösen Verfehlen,
und wurden ein lästig' Geleit.

Sie waren für andre so schwer zu erraten,
sie rissen mich hin zu bedenklichen Taten,
die niemand zu deuten verstand.
Es waren so bittere, giftige Saaten.
Ich musste durch schlammigen Geistesgrund waten.
Wer wusste schon, was ich empfand?

Und ach, die Gedanken, sie wurden zur Schlange.
Sie würgten mein Leben und machten mich bange,
derweil mich die Menschheit verstieß.
Es dauerte ewig, es dauerte lange,
dann endlich nahm Gott meinen Geist in die Zange,
bis Hölle und Angst mich verließ.

Kein Mensch konnte schaffen, was Gott nun erreichte.
Er stillte die Stürme, er lauschte der Beichte,
und trieb alles Böse hinaus.
Er nahm mir das Schwere und gab mir das Leichte.
Er war 's, der die Seele mir heilte und eichte.
Nun fühl' ich mich endlich zuhaus'.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Viel Glück, Kleiner



Vaters' Hand trifft immer wieder, immer wieder trifft sie hart.
Und der Junge möchte fliehen, doch wohin?
Er ist gerade mal acht Jahre, seine Seele noch so zart.
Vaters Faust verfehlt nur knapp das kleine Kinn.

Auf dem Tisch steht eine Flasche mit 'nem letzten Schlückchen Rum.
Von der Mutter fehlt seit langem jede Spur.
Vater wütet wie ein Irrer, nennt den Jungen blöd und dumm.
Und der Grund? Eine missratene Zensur.

Grün und blau schlägt er den Knaben, was kein anderer sonst sieht.
Vor dem Haus spielt Nachbars' Tochter mit dem Hund.
"Selber Schuld!!!", entfährt 's dem Vater, "hätt'st dich besser mal bemüht!"
Und so geht es eine gute Viertelstund'.

Dann gelingt dem Jungen endlich doch die Flucht; er rennt hinaus.
Nachbars' Tochter bringt ihn eiligst ins Versteck.
Sie berichtet ihren Eltern von der Qual im Nachbarhaus,
und der Junge zeigt nun Fleck um Fleck um Fleck.

Die Behörden sind zur Stelle, nun geht alles seinen Gang.
Auch die Presse gibt noch fleißig Senf dazu.
Niemand wusste von dem Drama, das hier spielte - jahrelang.
Die Gerüchteküche gibt ja keine Ruh'.

Eine christliche Familie nahm den armen Jungen auf.
Endlich Wärme. Endlich Liebe. Endlich frei.
Und so nimmt sein junger Weg noch einen günstigen Verlauf.
Jetzt beginnt sein kleines Leben nochmal neu.



© Bettina Lichtner

Dienstag, 6. Oktober 2015

Schwerelos



Es tanzt in seines Mutters Leibe
ein Kindlein völlig unbeschwert.
Wie ist ihm diese sichre Bleibe
doch mehr als Gold und Silber wert.

Es scheint ja so, als würd' es ahnen,
dass außerhalb der Traulichkeit,
sich manche schwere Wege bahnen,
und manche Ungemütlichkeit.

Als wüsste es, dass nicht nur Freude
entlang des neuen Weges blüht.
Was tut das Leben ihm zuleide?
Stirbt es betagt? Stirbt es verfrüht?

Aus welchem Grunde wird es weinen?
Was wird ihm Frohsinn sein, was Schmerz?
Die Sonne wird nicht immer scheinen
in diesem neuen Menschenherz.

Die Eltern sind bemüht und schützen
ihr Kindchen vor der bösen Welt.
Es soll recht lang auf Watte sitzen,
dass es ja nicht herunter fällt.

Es soll nicht wissen, dass da draußen
auch Lug und Trug und Qualen sind.
Sie halten dieses wahre Außen
recht lange fern von ihrem Kind.

Und plötzlich ist das Kind erwachsen
und bricht aus diesem heilen Raum,
und stolpert über böse Achsen,
und glaubt sich in 'nem schlechten Traum.

Denn niemand hat ihm je berichtet,
wie 's wahre Leben wirklich ist.
Nun hat der Himmel sich verdichtet.
Was ist das, was am Herzen frisst?

Ein Lebensfrust, den 's nimmer kannte.
Es will zurück in Mutters' Schoß,
wo es das Glück sein eigen nannte,
wo 's friedlich war und schwerelos.



© Bettina Lichtner

Montag, 5. Oktober 2015

Die Unbeachtete




Die Vergangenheit klopft an, sich zu beschweren.
Weil man immerzu und ewig an ihr hängt.
Nicht vom Jammer noch vom Schwärmen will sie hören.
Ihr ist 's lästig, dass man ständig an sie denkt.

Denn die Gegenwart erleidet stille Schmerzen.
Kaum beachtet geht sie sang- und klanglos hin:
"Ach, die Menschen wenden gerne ihre Herzen
zum Vergangenen. Wie nutzlos ich doch bin!

Ich bemühe mich um ständiges Gefallen,

doch mein Hier und auch mein Jetzt sind einerlei.
Und stattdessen hör' ich immerzu von allen,
dass es früher doch so schön gewesen sei.

Früher, früher - dieses Wort ist mir zuwider.

Morgen, morgen - dieses Wort ist nur Fiktion.
Aber mich indessen trampeln alle nieder.
Sie verfangen sich in kreisender Vision."

Arme Gegenwart. Wie wahr sind deine Worte.
Niemand kostet deine Einzigartigkeit.
Dabei öffnest du so freundlich deine Pforte,
und empfängst uns stets im frischen, neuen Kleid.

Aber wir, wir gehen rasch an dir vorüber.
Wir erkennen nicht, was DU uns wirklich bist.
Und der Augenblick mit dir geht still hinüber,
dieser eine, der nur jetzt der unsre ist ...


© Bettina Lichtner

Sonntag, 4. Oktober 2015

MUT



Wozu soll ich Pläne schmieden?
Es verschwendet meine Zeit.
Lieber geb' ich mich zufrieden
mit dem Mix aus Glück und Leid.

Niemals kam 's, wie ich es dachte.
Gottes Hand regiert das Spiel,
was zum Teil Tränen brachte,
teils auch ein Hochgefühl.

Aber alles passt zusammen,
alles hat so sollen sein.
Ach, mir will das Herz entflammen
übers göttliche Gedeih'n.

Und so lasse ich mich gleiten -
ganz und gar in Seine Hand.
Gott wird alles wohl bereiten.
Meine Pläne bau'n auf Sand.

Seine aber halten Stürme,
halten Wind und Wetter aus.
Gott hat gute Rettungsschirme,
für das schwache Seelenhaus.

Will mich etwas niederdrücken,
schickt Er mir sein Bibelwort.
Gott ist gut im Geraderücken,
und die Trübsal schert sich fort.

Seine Pläne bringen ferner
nach dem Regen Sonnenschein.
Und er reißt mir oft die Hörner
ab, will ich zu störrisch sein!

Seine Pläne bringen Segen,
wie der Herbst des Lebens zeigt.
Also folg' ich Seinen Wegen,
tanze so, wie er mir geigt.

Widersetzen? Nie und nimmer.
Bin ich denn ein dummer Narr?
Seine Pläne legen immer
schlussendlich das Beste dar.

Auch wenn 's weh tut! Gott wird wissen,
was er plant und was er tut.
's ist ein Wollen, nicht ein Müssen
ihm zu Folgen. Darum: MUT.


(c) Bettina Lichtner


Samstag, 3. Oktober 2015

Sie kreisen weiter



Überm Panzer kreist ein Geier,
wartet wohl auf frisches Aas.
Jedwedes Kanonenfeuer
wirft ihm Beute in das Gras.
Wahrlich! Wenn die Büchsen knallen,
sinken Leiber ihm zu Krallen.

Sinken hin mit letztem Ächzen.
Und der Geier tut sein Werk.
Und die Geierkinder krächzen
gleichfalls überm Leichenberg.
"Dieser Berg wird hoch und höher!",
prophezeit der Zukunftsseher.

Wenn der Seher Recht behielte,
wird die Welt ein Friedhofsfeld,
wird gar eine unterkühlte
Erde, die zusammenfällt.
Kalte Herzen, kalte Tode.
Unsre Seelen sind marode ...

In den Kriegen stirbt die Liebe.
Nackte Angst im fahlen Blick.
Und die mordbrünstigen Triebe
sind das Gegenteil von Glück.
Wärme fehlt den Kriegsparteien.
Bitter werden sie 's bereuen!

Leben müssen zwischen Bomben.
Welch ein Leben ist denn das???
Tag und Nacht in Katakomben.
Hunger, Durst und sonst noch was ...
Und die Geier? Kreisen weiter.
Recht haben die Zukunftsdeuter ...



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 2. Oktober 2015

Zwischenzeilig



Sensationen, Sensationen
buhlen um die Gunst der Leser.
Eine böser noch als böser,
nicht gedacht zum Nervenschonen ....

Zwischen Zeilen muss es bluten.
Liegt die Wahrheit auf der Waage
tritt ihr hohler Kern zutage.
Lügen eignen sich zum Fluten ...

Zwischen Zeilen wüten Waffen.
Bilder, die die Sinne stumpfen,
wollen sich noch übertrumpfen.
Sensationsgier liebt das Gaffen.

Zwischen Zeilen schreien Schmerzen.
Und die Leserblicke saugen.
Ja, es suchen ihre Augen
geradezu das Leid der Herzen.

Zwischen Zeilen flehen Leben.
Bis ins Kleinste wird beschrieben,
wie sie sich zu retten üben,
oder sich dem Tod ergeben.

Zwischen Zeilen geht sie baden
unsre Welt samt Kreaturen.
Nirgends hoffnungsvolle Spuren!
Jedes Wort ist schreckbeladen.

Die verfluchten Zeitungsblätter!
Leichen schon zur Frühstücksstunde!
Selten eine frohe Kunde,
allenfalls in puncto Wetter ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Sieht du 's auch?



Siehst du 's auch? Das Blätterfärben?
Riechst du 's auch? Das Herbstgebräu?
Spürst du 's auch? Das Sommersterben?
Alle Jahre wieder neu ...

Wieder will ein Sommer scheiden.
Halten wollt' ich seine Hand.
Doch die Zeit wird es zerschneiden,
das so bunte Sommerband.

Kinder, wie die Tage rennen!
Immer näher rückt das Ziel.
Weinerlich muss ich bekennen:
in mir wallt ein Wehgefühl.

Wie gewonnen, so zerronnen ...
Trügerischer Lebenslauf.
Was so frohgemut begonnen,
hört ja doch zu atmen auf.

Freut' ich mich noch eben gerade
übers Lenz- und Sommerfest,
ist es schon vorbei. So schade,
dass es sich nicht ändern lässt.

Nicht einmal der Hauch der Stunde
wollte bleiben; wollt' er nicht ...
Mit der Ewigkeit im Bunde
ist sogar das Sommerlicht.



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 10. September 2015

in eigener Sache





Liebhabern alter geistlicher Worte sei hiermit mein neuer Blog ans Herz gelegt:



                www.geistesfrucht.blogspot.de

Sonntag, 30. August 2015

Auf die Barmherzigkeit !!



Es folgen Worte von Christian Scriver (1629-1693):

"Die Gläubigen trachten danach, ihr in Liebe dienstbereites Herz, ihre Lindigkeit und Freundlichkeit kund werden zu lassen jedem Menschen, er sei ihnen bekannt oder unbekannt, fremd oder verwandt, gottlos oder fromm. Dabei suchen sie nicht nach ihrem Nutzen oder eitlem Ruhm, sondern bloß die Ehre Gottes und des Nächsten Heil und Seligkeit. Wenn demnach ein gläubiger Christ Gelegenheit sieht, Gutes zu tun, so fragt er nicht lange, wer es ist, der seiner Hilfe bedarf, sondern es ist ihm genug, dass es ein Mensch ist, welchen Gott zu seinem Bilde erschaffen und der Herr Jesus mit dem Preis seines teuren Blutes erkauft hat. Die Barmherzigkeit ist eine mitleidende Liebe und eine herzliche Bereitwilligkeit, dem Nächsten mit Rat, Hilfe und Trost beizuspringen, wenn er in Not geraten ist. Die Liebe insgemein nimmt sich des Menschen in jedem Zustande an; als Barmherzigkeit aber zeigt sie sich in seinem Trübsal und Elend. Eine Mutter liebt ihr Kind allezeit und begleitet es allenthalben mit ihrem Herzen und ihren Augen. Wenn das Kind aber krank wird, so wird die Liebe gleichsam heftiger und zeigt sich auf besondere Weise. Sie hebt und trägt es, sie pflegt und wartet sein, sie spricht ihm freundlich zu. Sie netzt es manchmal mit ihren Tränen, wenn es matt und kraftlos in ihrem Schoß liegt. Sie erquickt es und hilft ihm, wie sie nur irgend kann. Dies alles tut sie aus innerem Drang ihres mütterlichen Herzes, welches die Not des Kindes mit empfindet und seine Schmerzen mit fühlt. So ist es auch mit der christlichen Liebe und Barmherzigkeit gegen den notleidenden Nächsten: sie empfindet des Nächsten Not als eigne und trachtet ihm mit Rat und Tat und Gebet zu helfen."

(Christian Scriver, 1629-1693)

Freitag, 28. August 2015

Bibelvers gegen Fremdenhass



3. Mose 19, 18:


        "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."



Mit dem Grundgesetz gegen Fremdenhass




               Auszug aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:


                                                                        (1) 

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


                                                    (2) 

Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. 





Donnerstag, 27. August 2015

Zitat gegen Fremdenhass





       "Für seinen Nächsten beten, ist gut;
                  ihm helfen ist besser!"


(Heiliger Josephus Calasanctius, 1556-1648)

Bibelvers gegen Fremdenhass





Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott."


(Sprüche 14, 31)

Mittwoch, 26. August 2015

Mit deutschen Sprichwörtern gegen Fremdenhass



 1.) Aller Anfang ist schwer.
 2.) Arme Gäste sendet uns Gott zu.
 3.) Barmherzigkeit macht viel Freude.
 4.) Blick erst auf dich, dann richte mich.
 5.) Böses bleibt nicht ungestraft.
 6.) Dem Fremden soll man die Ehre lassen.
 7.) Fremde Leute tun oft mehr als Blutsfreunde.
 8.) Freund in der Not, Freund im Tod, Freund hinterm Rücken ... sind 3 starke Brücken.
 9.) Frommer Mann hilft, wo er kann.
10.) Geben ist seliger denn nehmen.
11.) Gemein ist unrein.
12.) Gott führt gern Gleiches und Ungleiches zusammen.
13.) Höflichkeit ziert den Mann und kostet nichts.
14.) Lass' dem Armen auch sein Brot.
15.) Leben und leben lassen.
16.) Liebe überwindet alles.
17.) Man empfängt die Gäste freundlich mit Mund, Herz und Hand, wie Gott wohl weiß.
18.) Mit der Zeit wird dir hold, was vorher dein nicht gewollt.
19.) Not vereinigt Herzen.
20.) Offne Hand macht offne Hand.
21.) Sanftmut macht alles gut.
22.) Tugend überwindet Gewalt.
23.) Verachte keinen andern nicht, du weißt nicht, was noch dir geschieht.
24.) Verletzen ist leicht, heilen schwer.
25.) Viel Geschrei und wenig Wolle.
26.) Viele können einem helfen.
27.) Wag' es und lass Gott walten.
28.) Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem andern zu.
29.) Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrem Glück.
30.) Wir sind alle arme Sünder ...


Samstag, 8. August 2015

Bitte recht freundlich




Lasst uns doch helfen an Ecken und Enden,
dass, die da flüchten vor Krieg und vor Tod,
Liebe empfangen aus unseren Händen.
Öffnet die Herzen, denn Wärme tut not!

Seid nicht verstockt oder schlimmer noch: feindlich.
Denkt Euch hinein in das Leiden der Welt.
Heißt sie willkommen und lächelt recht freundlich,
weil doch ein Lächeln die Seelen erhellt.

Schreit nicht Parolen, die Wut in sich tragen.
Seht in die Augen des flüchtenden Kinds.
Seht in die Augen!! Wie könnt' Ihr da sagen:
"Ausländer raus aus der deutschen Provinz?"

Gebet nur her von der Überflussware!
Nicht auf den Sperrmüll das kostbare Gut!
Wahrlich, Ihr hattet so blühende Jahre!
Spenden macht Freu(n)de! Wo bleibt Euer Mut?

Geht 's uns nicht gut? Immer trinken und essen.
Dach überm Kopf und die Räume beheizt!
Hättest du gern zwischen Panzern gesessen?
Nie hat ein Krieg unsre Wege gekreuzt.

Traumatisiert sind die flüchtenden Leute.
Wir aber setzen die Krone darauf.
Zünden die Heime wie gestern so heute.
Hört denn der Fremdenhass nimmermehr auf?

Lasst uns doch helfen an Ecken und Enden.
Seht in die Augen! Welch flehender Blick ...
Lasst uns ein Volk sein mit offenen Händen.
Geht mit den Nächsten durch dünn und durch dick.


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. August 2015

Ohren auf




Die Natur hat ach so wunderbare Klänge,
aber mancher zieht die Kopfhörer-Gesänge
dem Gezwitscher und dem Windgeflüster vor,
denn zwei Stöpsel stecken rechts und links im Ohr.

Und es dröhnen ihm die hochgedrehten Bässe
durch die Lauscher, dass ich vage nur ermesse,
wie 's darinnen nur so lärmt und nur so kracht.
Und die Nachtigall singt süß zur Guten Nacht.

Immer rhythmisch nickt der Kopf zum Takt der Lieder.
Scheinbar zuckt ihm das Getöse durch die Glieder,
denn die Arme schwingen wie elektrisiert.
Und die Amsel hat sich köstlich amüsiert.

Gegen 's Singsang wirkt der Pisaturm gleich gerade!
Bei den schiefen Tönen flehe ich um Gnade.
Doch vergeblich, denn ich werd' ja nicht gehört.
Aus dem nahen Wald hat tief ein Hirsch geröhrt.

Und ein Frosch quakt im benachbarten Gewässer.
Musikalisch ist der Frosch um Längen besser!!
Eine Hummel summt und räumt die Blüten leer.
Mir zur Freude gibt die Gans ihr Schnattern her.

Könnt' mich vierundzwanzig Stunden lang ergötzen
an den kostenlosen gottgeschenkten Schätzen
der Natur, und ach, ich wünschte diesem Tor,
er tät' einmal nur die Stöpsel aus dem Ohr ...



(c) Bettina Lichtner



Sonntag, 2. August 2015

Mütterchens Worte




Und der Gentleman fleht: "Bleibe doch
auf ein Viertelstündchen,
denn dein rotes Mündchen
küsste ich gern noch und noch und noch!!"

Und die Stimme zittert ihm dabei.
Und die Frau errötet,
weil er darum betet,
dass sie heut' sein Bettgeflüster sei.

Und sie denkt ans alte Mütterlein,
das sie einst ermahnte:
falls sich etwas bahnte,
soll das Herz kein Blindenführer sein.

Denn wie schnell erlischt die heiße Glut,
und wie schnell ist 's Winter.
"Kindchen, schau dahinter:
meint 's der Mann auf Dauer wirklich gut?"

Und auf einmal zögert sie, die Frau.
Und dem Mann wird bange.
Eine stundenlange
Diskussion stellt Abgründe zur Schau.

Denn nach vielem Her und wieder Hin,
hat die Frau verstanden:
Alles wird versanden,
denn der Mann hat eines nur im Sinn:

One-Night-Stand und dann Adé, Adé.
Mütterliche Worte
- die der ernsten Sorte -
sahen schon vorher das Au und Weh.

Also nahm die Frau ganz schnell Reißaus.
Denn am Job "Mätresse"
hat sie kein Interesse.
Und sie blies das Feuer wieder aus ....



(c) Bettina Lichtner


Samstag, 1. August 2015

Cecil




Ein Gewehr in falschen Händen
war des Löwen Schicksalsstunde.
VOR dem endlichen Verenden,
riss die Armbrust eine Wunde
in des Königs starke Brust,
und der Mensch hat seine Lust ...

Doch der Pfeil kam schlecht geflogen,
und das Tier ergriff getroffen
von dem todbringenden Bogen
noch die Flucht, die Wunde offen,
und mit diesem blut'gen Mal
folgten vierzig Stunden Qual.

Vierzig stundenlange Qualen.
Und den Jäger stets im Nacken.
"Büßen sollst du und bezahlen,
Mörder du, man soll dich packen
und nicht gnädig mit dir sein.
Langsam, schmerzvoll sei die Pein!!!"

Schließlich fand der Mensch die Beute,
und dann schoss der Geisteskranke
jene tot, nahm Kopf und Häute
von dem Schweif zur letzten Pranke
als Trophäe mit nach Haus.
Doch das WEB schreit es hinaus!!!

Schreit 's hinaus, denn man soll wissen,
dass der Löwe, den sie liebten,
grausam hat verrecken müssen,
dass sie bald Vergeltung übten.
Doch der Mensch, der 's Blut vergoss,
und das Tier für Geld erschoss,

ist der Feigste unter allen!
Denn er lässt sich nicht entdecken.
Ja, er fürchtet sich vorm Fallen
und bleibt schweigend in Verstecken.
GOTT, GREIF EIN UND SEI GERECHT,
STRAFE DIESEN MIESEN KNECHT!!!

Dir, Cecil, wird 's nimmer nützen.
Denn dein Leben ist verloren.
Niemand konnte dich beschützen.
Jener, der dich auserkoren
dich zu morden, sei verdammt!!!
BIS IN EWIGKEIT VERDAMMT.



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 31. Juli 2015

über Grenzen




Gedankenspiel am leeren Strand:
"Es hat die Welt nur wenig Land,
und auf dem abgesteckten Platz
jahrein, jahraus nur Hatz. Nur Hatz.

Doch nicht das Tier, nicht die Natur
steht auf dem Kriegsfuß mit der Uhr,
allein, allein das Menschenkind
lebt über die Gebühr geschwind.

Und wie penibel es doch wacht
(im äußersten mit Heeresmacht),
dass Grenzen zwischen Staat und Staat
(und selbiges gilt für privat)

bewahrt sind vor dem Übertritt.
Der Argusblick erkennt den Schritt,
der ebenda zuviel getan.
(Das Tier beschmunzelt diesen Wahn).

Nun treibt es aber seit Beginn
der Zeit die Menschen her und hin
(teils fluchtbedingt, teils urlaubsreif -
wie es auch sei, es bleibt ein Schweif

von Vielen, die so kreuz und quer
in Luft, zu Land und übers Meer
vor Grenzen, Mauern, Zäunen steh'n,
und ungeniert hinübergeh'n).

So war es schon in ferner Zeit.
So ist es immer noch und heut',
und immer noch gibt es Protest,
wenn man die Ströme fließen lässt.

Bei Grenzvergehen folgt schon bald
verbale oder Schlaggewalt,
denn Grenzen sind ein Heiligtum,
und tragen fragwürdigen Ruhm.

Egal ob zwischen Stadt und Land,
ob gar im Nachbarschaftsverband:
die Grenze übertritt man nicht!
Und weh', wer diese Regel bricht ...

Und nur weil es den Menschen gibt
(der seine Grenzen gar so liebt),
gibt es den Zaun, gibt es die Wand,
auf dieser Welt mit wenig Land.

Gibt es den abgesteckten Platz
mit seiner nimmermüden Hatz,
und mittendrin, mit Blick aufs Meer,
steh ich am Strand, der menschenleer ..."



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 8. Juli 2015

Die da




Die da oben ziehen Fäden,
die da unten müssen springen.
Die da unten sind die Blöden,
die da oben hört man singen.

Oben Mächte, unten Nöte.
Reiche Schichten. Arme Klassen,
dass ich gar vor Scham erröte,
weil die Oberen so prassen ...

Oben wiegt man goldne Barren,
unten winseln Pfennigfüchse.
Und vor prunken Königskarren
machen alle tiefe Knickse.

Maßgeschneidert die Gewänder.
Hohe Ehren. Pralles Loben.
Aber über Tellerränder
schaut man selten weiter oben.

Während unten Menschen darben,
protzt die obere Elite.
Unten fügt die Armut Narben.
Oben scheffelt man Rendite.

Immer wieder auf die Kleinen.
Und die Oberen? Parlieren ...
Unten werfen sie mit Steinen,
weil sie Haus und Hof verlieren.

's ist schon immer so gewesen.
Geldeintreiber. Volksaufstände -
derlei lässt sich vieles lesen
in den Büchern. Ohne Ende ...



(c) Bettina Lichtner



"Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben." (Hebräer 4,16)


Dienstag, 7. Juli 2015

Schleich dich




"Geht 's nicht schneller mit der Reise?",
fragt in rauer Art und Weise
ein gestresster Gliederfüßer
eine Schnecke. Diese: "Süßer,
eile doch wie ich mit Weile
und genieße Meil- um Meile!"

Doch des Gliederfüßers Schritte
gleichen einem flotten Ritte.
Und die nimmermüden Beine
jagen über Kieselsteine,
so als würd' ein Sturm sie treiben.
"Keine Zeit zum Stehenbleiben!",

schreit der Füßer hin zur Schnecke.
Diese wieder: "ICH entdecke
dank mir zugedachter Stille
eine Welt in Hüll- und Fülle.
Eine Welt der kleinen Freuden.
Gott sei Dank bin ich bescheiden ..."

Drauf der Füßer: "STILLGESTANDEN!!!"
Seine vielen Füße fanden
sich in ungewohnter Pose.
(Sonst gewöhnlich Ruhelose,
sind sie nun zur Rast gezwungen,
was im Mittelmaß gelungen.)

Und die Schnecke: "Hoppla. Pause?"
"Nennen Sie mich Zeitbanause",
sagt der Füßer, "meinetwegen.
Gern wollt' ich die Ruhe pflegen,
wollt' wie Sie die Fülle finden
und mich jeder Zeit entbinden,

doch der Schöpfer aller Wesen
hat mich ausgewählt zum Pesen.
Und so lauf' ich wie besessen,
während Sie ganz zeitvergessen
von Punkt A zu B sich schleichen,
und im Glücksfall auch erreichen.

Aber wehe, wehe, wehe,
wenn ich auf die Räder sehe,
die euch Schnecken jäh zerdrücken
und ins Paradiese schicken!
Oder auf die vielen Krähen,
die Euch gern als Mahlzeit sähen.

Ach, was nützen dann die Freuden
und die kleinen Augenweiden,
wenn kein Weg der Flucht gegeben -
mangels Fuß und Beine eben?",
fragt der Füßer atemhechelnd.
Und die Schnecke, milde lächelnd,

spricht zu ihm: "Bedenke eines:
Jedes Leben, meines, deines,
sei 's ein Schleichen oder Rennen,
wird sich von der Stunde trennen.
Aber - und das lass' dir sagen:
eh mich Englein heimwärts tragen,

habe ich mit allen Sinnen,
sowohl außen als auch innen,
alles auf mich wirken lassen.
Käm' der Tod, um mich zu fassen,
nun, ich wär' voll Dankbarkeiten
ob der vielen Kleinigkeiten

rechts und links der kurzen Strecke."
Und so kroch die kleine Schnecke
weiter auf dem Staub der Erde:
"Sattle du nur deine Pferde".
rief sie noch zum Füßer rüber,
"Adios, ich schleich' mich lieber."

Und der Gliederfüßer rannte,
so als ob 's kein morgen kannte.
Und so ist es eingetreten:
plötzlich kam sein Herz in Nöten,
und der Puls kam zum Erliegen,
und dann sah man Englein fliegen ...

Bleibt zum Schluss noch zu erwähnen,
dass ihn viele Schneckentränen
bis zum Gehtnichtmehr beweinten.
Fazit also: Welche meinten,
schneller Fuß entwischt dem Ende,
lesen des Gedichtes Wende ...


(c) Bettina Lichtner


"Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit trügerischem Munde, wer winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern, trachtet nach Bösem und Verkehrtem und richtet allezeit Hader an. Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da." (Sprüche 6, 12-15)

Donnerstag, 2. Juli 2015

Hüte dich !!





Jemand will mir Böses flüstern
von der neuen Nachbarin.
Und des Teufels Flammen knistern.
Und der Boden ist so dünn ...

Dieser Boden, wo man säet
eine böse finstre Saat.
Wo man Eigenschaften blähet,
trotz dass ich um Einhalt bat.

Vorurteile noch und nöcher,
rein aufs Äußere gezielt.
Ein mit Gift gefüllter Becher
wird mir ins Gehör gespült.

Was für eine spitze Zunge
mir doch gegenüber steht,
und mit Elefantenlunge
Nachbars' Kleid komplett verdreht.

Ich versuch' zu unterbrechen
das dämonische Geschwätz.
Denn das Hauen und das Stechen
wächst zu einem Spinnennetz,

wo Frau Nachbarin - nichtsahnend -
um ihr kleines Leben kämpft.
Also gebe ich mich mahnend,
bis der Feind die Worte dämpft.

Und ich gebe zu verstehen,
dass mir Tratsch zuwider ist:
"Nun, an Ihnen lässt sich sehen,
dass die Schlange Seelen frisst.

Wie Sie Vorurteile fällen,
mit Verlaub, ermüdet mich.
Dieses "in-die-Ecke-stellen"
ist das Sündhafte an sich!

Statt sich erstmal zu beäugen,
saust sofort die Axt ins Bein.
Aber, ach, ich kann bezeugen:
Immer wird 's ein Trugschluss sein !!"

Sprach es aus und ließ den einen,
dessen Tratsch den Grund entbehrt,
still zurück und hab' sein Weinen
lange, lange noch gehört ....


(c) Bettina Lichtner



"Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Man kann sich an dem Nächsten versündigen und ihm Schaden tun durch ein schnelles und übereiltes Urteil über denselbigen, welches der Heiland Verdammen nennt. Dazu hilft der Argwohn, welcher die Gemüter verstellet, den Nächsten mit Verdacht belegt, ihn unschuldig einer Untreue, Bosheit und Falschheit beschuldigt, daran er vielleicht nicht gedacht und nichts davon weiß. Hierher gehört die Leichtgläubigkeit, wenn man alles glaubt, was uns von dem Nächsten vorgebracht wird, da man Lügen für Wahrheit, Verdächtigungen für geschehene Dinge annimmt. Endlich das sündliche Nachsagen, was man von dem Nächsten Böses höret. Stolz, Neid, Hass, Verachtung des Nächsten, sind die unglückseligen Quellen, daraus das Richten und Verdammen fließet. Vor diesem hüte dich, Seele, wenn du willst ein Kind des himmlischen Vaters sein!" (Johann Friedrich Stark, 1842)





Sonntag, 28. Juni 2015

Gedicht von Julius Mosen



Ziehende Schwalben

Die Schwalben, alle Schwalben -
beim Hirten sind sie gern,
und wenn die Blätter falben,
ziehn sie wohl in die Fern';
So gern, so gern -
weit in die Fern'!

Zu jedem Lamme plaudern
sie noch ein heimlich Wort:
"Wir dürfen nicht mehr zaudern,
der Winter treibt uns fort,
von Ort zu Ort
uns fort, uns fort."

Der muntre Hirte singet:
"Seht ihr nach meinem Sinn
ein Mädchen, ja dem bringet
die schönsten Grüße hin,
nach meinem Sinn,
dahin, dahin!"

Die Schwalben ziehen munter
durch grauen Nebelstreif,
der Hirte still hinunter
im ersten Winterreif
und Nebelstreif
und Schnee und Reif.

Die Schwalben kehren wieder -
des Hirten froher Sinn,
des Hirten frohe Lieder,
wo ist das alles hin?
Und alles hin -
Dahin - dahin!



(c) Julius Mosen

Immer auf die anderen



Was nörgelst du an mir herum?
Ich weiß um meine Macken.
Halt lieber ein und bleibe stumm!
DEIN  Fehler-Sammelsurium
sollst du beim Schopfe packen.

Eh du den Nächsten kritisierst,
sollst du dich selbst befragen.
Statt dass du andere studierst
und Kragen gar und Kopf riskierst,
hast du genug zu tragen

an deinem mangelhaften Ich.
Auf andere zu schauen
ist wahrlich einfacher für dich,
doch lassen sich aus Hieb und Stich
nur selten Brücken bauen.

Was dir beim Nächsten nicht gefällt,
erzählst du gern ausführlich.
Doch deine eigne Schattenwelt
wird möglichst nicht ins Licht gestellt.
Wie bist du despektierlich ...

So suchst du nun tagaus, tagein
des andren Fleck zu finden,
lädst Schimpf und Schande zu dir ein,
doch sähest du in dich hinein:
du fändest lauter Sünden.



(c) Bettina Lichtner


"Richtet nicht, so werdet Ihr auch nicht gerichtet. Richten und über den Nächsten urteilen, kann erlaubt und unerlaubt sein. Obrigkeiten fällen mit Recht ein Urteil über den, der verklagt wird, der eine Übeltat begangen hat. Also auch die Eltern beurteilen mit Recht ihre Kinder, und Herrschaften ihres Gesindes Verhalten. Den Nächsten richten, sein Tun beurteilen, in seiner Gegenwart ihn vom Bösen abmahnen, die Gefahr vorstellen, seine Werke, Verfahren und Beginnen missbilligen, wenn es in Liebe und mit Bescheidenheit geschieht, ist ein Balsam und ein freundliches Schlagen eines wahren Freundes. Den Nächsten richten, in seiner Abwesenheit, ihn allerlei beschuldigen, ist unchristlich und verdammlich. Seele! Nimm dir diese Regel zur Lehre: rede von deinem abwesenden Nächsten also, als ob er dabei stände, und was du nicht getrauest von ihm zu sagen in seiner Gegenwart, das rede auch nicht in seiner Abwesenheit." (Johann Friedrich Starck)


Mittwoch, 24. Juni 2015

eingekehrt




"Ich bin gar nicht musikalisch"
ruft ein Fräulein hin zum Mann.
'Schade nur', denkt er satanisch,
'dass sie Trübsal blasen kann ...'

Weiter denkt er im Geheimen
an ihr Katzenjammer-Lied,
wenn bei ihr die Sorgen keimen
(was nur allzu oft geschieht).

"Denkst du etwas, das mir schadet?",
fragt das Fräulein, ahnend schon,
das sein Geist in Zweifeln badet
und eventuell in Hohn.

"Sag es nur, ich seh 's im Blicke,
dass du irgendwas verschweigst.
Fülle doch die Wissenslücke
mir, indem du Flagge zeigst."

Und der Mann? Soll er es wagen?
Soll er kundtun, was er denkt?
Soll er ihr ins Antlitz sagen,
was ihm in der Seele hängt?

Denn das Fräulein lässt nicht locker:
"Bin ich musikalisch? Sprich!!"
"Ja!", sagt er. Sie haut 's vom Hocker:
"Bitte korrigiere dich!"

Er erzählt vom Katzenjammer,
und vom Trübsalblasen auch.
Sie rennt zeternd in die Kammer
und hat blinde Wut im Bauch.

Baut sich dort wohl ein Orchester.
Bläst die Trübsal vorneweg.
Von Neujahr bis zu Silvester
trägt sie schwer an diesem Schreck.

Als sie sich gesammelt hatte,
war der trübe Jammer fort.
Und ihr ehrenwerter Gatte
lobte sie mit Dankeswort.

Ihre Einkehr hin nach Innen
öffnete des Glückes Tor.
Das so liebliche Besinnen,
war Musik in Gottes Ohr ...



(c) Bettina Lichtner


"Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm." (Psalm 98,1)

Dienstag, 23. Juni 2015

Gebet von Teresa von Avila



Gebet des älter werdenden Menschen

"O Herr, bewahre mich vor der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich nachdenklich
(aber nicht grüblerisch),
hilfreich
(aber nicht diktatorisch)
zu sein.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser
Einzelheiten und verleihe mir Schwingen
zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten
und Beschwerden. Sie nehmen zu,
und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören,
aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Lehre mich,
an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken,
und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen."


(Teresa von Avila)

Splitter & Balken




Wir schwelgen in Vergangenheiten
und graben alte Fehler wieder aus.
Dabei vergessen wir zu gerne:
auch wir sind nicht perfekt.

Wir servieren alte Geschichten
und decken den alten Tisch neu ein,
und merken während wir reden,
dass manches nicht mehr schmeckt.

Auf Tellern liegen alte Wunden,
und unsere Worte reißen dran herum.
Ein Schmerz zieht durch die Knochen,
der längst vergessen war.

Aus Krügen sprudeln alte Tränen
und mischen sich mit neuer Zeit.
Uns will der Appetit vergehen
und wir sind aufgewühlt.

Wir ziehen aus den finstren Ecken
das alte Weh ans Tageslicht.
Dabei vergessen wir zu gerne:
auch wir sind nicht perfekt .....


(c) Bettina Lichtner


"Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?" (Matthäus 7,3)

Freitag, 19. Juni 2015

Zufälligerweise




Es ist kein Zufall,

wenn zwei Herzen zueinander finden,
wenn Schutzengel ihres Amtes walten,
wenn Blumen den Weg zur Sonne finden,
wenn das Glück auf der Straße liegt,
wenn ein Fremder dir ein Lächeln schenkt,
wenn du zur rechten Zeit am rechten Ort bist,
wenn jemand dir zu Hilfe eilt, von dem du es nie dachtest,
wenn du ein Wort aufschnappst, dass dir wie eine Antwort erscheint,
wenn deine Träume dir Wege weisen,
wenn die Geste eines Menschen dir wie ein himmlischer Wink vorkommt,
wenn sich alles wie ein Puzzle zusammenfügt,
wenn du an jedem Morgen neu deine Augen öffnest,
wenn du an jedem Abend sagen kannst "Danke für diesen Tag.",
wenn du bist, wo und wie du bist,
wenn dir etwas spanisch vorkommt und doch Klarheit bringt,
wenn du mit deinem Latein am Ende bist und es doch weitergeht,
wenn Unmögliches möglich wird,
wenn Steine und Hürden im Nachhinein doch bereichernd waren ....

Es ist kein Zufall.
Es ist Gott.



"HERR, Gott Zebaoth, wer ist wie du? Mächtig bist du, HERR, und deine Treue ist um dich her."
(Psalm 89,9)



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 18. Juni 2015

Gebet von St. Martin aus dem 4. Jahrhundert




Herr, segne meine Hände,
dass sie behutsam seien,
dass sie halten können, ohne zu Fesseln zu werden,
dass sie geben können ohne Berechnung,
dass ihnen innewohnt die Kraft zu trösten und zu segnen.
Herr, segne meine Hände!

Herr, segne meine Augen,
dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen, 
dass sie das Unscheinbare nicht übersehen,
dass sie hindurchschauen durch das Vordergründige,
dass andere sich wohlfühlen können unter meinem Blick.
Herr, segne meine Augen!

Herr, segne meine Ohren,
dass sie deine Stimme zu erhaschen vermögen,
dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not,
dass sie verschlossen seien für Lärm und Geschwätz,
dass sie das Unbequeme nicht überhören.
Herr, segne meine Ohren!

Herr, segne meinen Mund,
dass er dich bezeuge,
dass nichts von ihm ausgehe, was verletzt und zerstört,
dass er heilende Worte spreche,
dass er Anvertrautes bewahre.
Herr, segne meinen Mund.

Herr, segne mein Herz,
dass es Wohnstatt sei deinem Geist,
dass es Wärme schenken und bergen kann,
dass es reich sei an Verzeihung,
dass es Leid und Freude teilen kann.
Herr, segne mein Herz!



(c) St. Martin

Überall Sonne




Wir sehnen uns so nach warmen Sonnenstrahlen,
wenn der Herbst mit seinen Stürmen peitscht,
und der Winter sich für Monate übers Land legt.
Dann vermissen wir den strahlend blauen Himmel
und schimpfen übers ewig graue Firmament,
das auf unsre Seele drückt.

Die Sonne dort oben, dieser heiße Feuerball,
ist uns wichtig, macht uns sorglos, lässt uns lächeln.
Im Urlaub reisen wir der Sonne hinterher.
Wir hängen dem Meteorologen an den Lippen,
und hoffen, er sagt uns sonnige Zeiten voraus,
dass unsre Seele sich wieder aufrichtet.

Wenn uns die Sonne scheint, blühen wir auf.
Wir legen uns ihr zu Füßen, uns zu bräunen,
zu entspannen, zu träumen, zu vergessen.
Die himmlische Sonne baut das Gemüt auf.
Wie Ausgehungerte scharen wir uns unter sie,
dass unsere Seele wieder baumeln lernt.

Doch die Sonne hat so viele andere Gesichter.
Sie trägt so viele andere Kleider.
Mal kleidet sie sich in ein nettes Wort.
Mal in einen wärmenden Blick.
Mal ist sie ein einfacher Händedruck,
dass unsere Seele nicht verzagt.

Oft steckt sie unvermutet in einem unverhofften Geschenk.
Oder sie strahlt uns entgegen aus einem anderen Herzen.
Wie oft ist sie das kleine Licht am Ende des Tunnels.
Sie scheint in der kleinen unbemerkten Blume.
Sie strahlt wie im Himmel so auf Erden,
dass unsere Seele nicht friert.



"Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe." (Johannes 12,46)



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 17. Juni 2015

Leistet Widerstand



Die Welt ist übersät
von zerbrochenen rosaroten Brillen.
Ich habe die Scherben gesammelt und neu zusammengefügt,
und sah hindurch,
sah auf bunte Träume,
sah auf Liebesglück,
auf Gewinne, Gewinne, Gewinne.
Doch ach, nichts blieb für immer.

Das Rosarote hielten wir für das Paradies auf Erden.
Für beständig und ewig.
Wir klammerten uns fest
ans bunte Glück,
ans Süße, ans Süße, ans Süße.
Doch ach, es rann uns aus den Händen.

Träume zerbrachen an Zerwürfnissen.
Lieben zerbrachen an Streitigkeiten.
Die Gewinne zerrannen nach und nach ...
In uns baute sich die Wut ihr Nest
und brütete lauter zornige Kinder aus.
Wir hofften und hofften und hofften,
doch ach, so oft war das Hoffen vergebens.

Beherrscht von unserer bösen Zunge,
brachten wir die Paradiesblumen zum Welken.
Komplett in der Hand des Teufels,
haben wir der Liebe vor den Kopf gestoßen,
so dass sie sich leise zurückzog.
Wir weinten und weinten und weinten,
doch ach, kein Mensch sah unsere Tränen.

Als Gott uns erblickte in unserer inneren Not,
bot er uns sein Wort an,
hielt er uns sein täglich Brot hin,
reichte er uns seine gütige Hand.
Manche schlugen aus und litten weiter.
Andere schlugen in diese Hand ein
und lachten und lachten und lachten,
denn .... ach, sie waren zurück im Paradies.



"So seid Gott untertan. Widersteht dem Teufel,
so flieht er von euch." (Jakobus 4,7)



(c) Bettina Lichtner




Freitag, 12. Juni 2015

der eine und der andere




Da steht einer vorm Himmelstor,
und hat im Gepäck
drei Schlösser,
vier Villen in bester Lage,
goldene Wasserhähne,
Besteck aus feinstem Silber,
Kleider aus teuerster Seide,
eine Yacht im schönsten Hafen der Welt,
ein Auto, und noch ein Auto, und noch ein Auto und noch eins,
und Gott schüttelt sein weises Haupt.

Da holt der, der vorm Tore steht,
noch mehr hervor:
viele Truhen voll reinstem Gold,
Ländereien, so weit das Auge reicht,
Spendenquittungen, zum Beweis seines gutes Herzens,
denn er hat viel Geld an Arme gespendet,
ohne jemals einen Armen gesehen oder gesprochen zu haben,
und Gott schüttelt sein weises Haupt.

Da holt der, der vorm Tore steht,
noch mehr hervor:
Brillanten und Diamanten - lupenrein!
Ringe, Uhren, Diademe - alles von unermesslichem Wert.
Porzellangeschirr - von Hand bemalt.
Und seinen goldenen Käfig.
Doch Gott schüttelt sein weises Haupt.

Da kommt ein anderer daher und stellt sich vors Himmelstor.
Mit leeren Händen steht er da.
Kein Hab und Gut, kein Gold und Silber.
Steht da, einzig nur mit einem demütigen Herzen.
Seine Kleider tragen keine Markennamen.
Schmuck besitzt er nicht.
Sein Mund lächelt voller Dankbarkeit.
Und Gott lässt ihn herein.

Dieser eine, der so ärmlich schien,
war so voller Liebe sein Leben lang für Gott.
Materielle Versuchungen haben ihn angewidert.
Und der andere? Wollte er sich gar vom Tode freikaufen
mit all seinem Reichtum?
Hat er sich sein Leben lang etwa nicht vorbereitet
auf sein seliges Ende?
Nun steht er da und klammert sich ans Vergängliche.
Und darf es doch nicht mitnehmen ins Himmelreich.
Der andere aber, der so ärmlich schien,
nimmt sein überreiches Herz mit hinüber
und schwelgt im Glück.



"Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme." (1. Korinther 1, 28-29)

(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 11. Juni 2015

Kehrt um!




Vom Glauben sind wir abgefallen.
Sind Suchende seither.
Wir suchen das Glück in Geld und Gut,
doch -
ist es eine nimmer endende Suche,
eine erfolglose Suche,
denn, es gibt kein Glück außerhalb unserer selbst.

Vom Glauben sind wir abgefallen.
Sind Verlorene seither.
Wir irren durch Städte und Länder,
doch -
es ist eine ewige Flucht,
ein schier tausendfach verzweigtes Labyrinth,
wir sind Schafe, die ihren Hirten vertrieben haben.

Vom Glauben sind wir abgefallen.
Sind Gierige seither.
Wir gieren nach Ruhm, Macht und Schönheit,
doch -
es sind lauter Scheinbilder, nach denen wir gieren,
all das ist vergänglich; wir betrügen nur unsere Sinne.
Wer aber giert noch nach dem Wort aus der heiligen Schrift?

Vom Glauben sind wir abgefallen.
Sind Ichbezogene seither.
Wir lieben uns mehr als den Nächsten.
doch -
wir sind alle auf derselben Straße, zur selben Zeit,
wir sind alle miteinander verbunden, voneinander abhängig.
Nichts kann von sich aus alleine existieren. A braucht B.

Vom Glauben sind wir abgefallen.
Sind Gefangene im eigenen Leib.
Das Äußere ist uns wichtiger als das Herz. Als das Herz ...,
doch
in diesem Herzen wohnt die Liebe.
Diese allumfassende göttliche Liebe.
Wir haben sie verloren, vergraben, vergessen. Diese Liebe.

Vom Glauben sind wir abgefallen.
Unsere Seelen sind krank geworden.
Die Wartezimmer der Mediziner werden voller und voller.
Die Kirchenbänke bleiben leer.
Dort aber, auf einer solchen Kirchenbank,
kannst du dem Wort Gottes lauschen,
der nur eines im Sinn hat:
deine Seele zu heilen.

"Jesus sprach: Kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken." (Matthäus 11,28)


(c) Bettina Lichtner

Montag, 8. Juni 2015

Dem Guten dienen



Sei wachsam, sei klug und sei weise
auf dieser so kostbaren Reise,
die Gott dir geschenkt,
die er selber auch lenkt,
und ziehe bedächtige Kreise,
ganz wachsam, ganz klug und ganz weise.

Sei achtsam bei all deinen Schritten.
Wie schnell kommt der Teufel geritten!
Der Fürst dieser Welt,
der vom Schönen nichts hält,
der will zum Dämonentanz bitten.
Drum: Vorsicht bei all deinen Schritten.

Sei freundlich und walte mit Liebe,
und pflege die hauchzarten Triebe
des Guten in dir.
Schlag' die gnädige Tür
gleich zu vor dem teuflischen Diebe,
und walte mit göttlicher Liebe.

Sei fromm und erbaue die Seelen,
die allsamt so schweigend sich quälen
und ratsuchend sind
wie ein hilfloses Kind,
dem Vater und Mütterlein fehlen.
Erbaue, erbaue die Seelen!!

Sei dienend den anderen Wesen.
Und bist du gar christlich belesen,
so schreite zur Tat,
wie 's der Herrgott erbat,
und diene in Demut den Wesen
und schwinge den liebenden Besen ...



(c) Bettina Lichtner

Montag, 1. Juni 2015

Moment von Wert




Sitzt ein Vogel auf der Brücke,
mustert mich, misstraut mir wohl,
bin ich doch in seinem Blicke
allenfalls ein Feindsymbol.

Möchte gern sein Herz gewinnen.
Bleibe stehen. Atme sacht.
Uns verbindet etwas. Innen.
Eine unbekannte Macht ...

Welch' ein heilsames Schweigen.
Wundersam. Er fliegt nicht fort.
Techtelmechtel ohne Zeugen.
Blindverständnis ohne Wort.

Er und ich von Gott geschaffen.
Er ist ich der Erde Gast.
Nie erhöbe ich die Waffen
(und belüde mich mit Last)

gegen gottgewollte Wesen,
sind wir allsamt doch ein Schatz.
Alles hat - so lässt sich lesen -
auf der Erde seinen Platz.

Und der Vogel fasst Vertrauen.
Denn er sieht, ich bin ihm gut.
Dass wir uns so friedlich schauen,
macht uns beide wohlgemut.

Der Moment bleibt unvergessen.
Und ich danke Gott dafür.
Der Moment hat Wert besessen,
und bleibt fest im Herzen mir.

Doch wie steht 's so schön geschrieben:
"Es hat alles seine Zeit."
Der Moment ist nicht geblieben.
Wehe dem, der Abschied scheut ...


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 31. Mai 2015

Ein Jux




"Drei Wünsche hast du frei, mein Kind!"
Ja, träum' ich? Eine Fee??
Ob das des Alters Schwächen sind,
dass ich Gespenster seh'?

"Drei Wünsche!!", spricht die Fee erneut.
Ich kneif' mir fest ins Bein,
bis es aus meinem Munde schreit:
"Der Kniff war jetzt gemein!"

"Was ist denn nun? Jetzt wünsch' dir was!"
Der Kopf der Fee erglüht.
Mein Zögern kommt ihr nicht zupass.
Ich bin um Ruh' bemüht.

"Was ist daran, verdammt, so schwer??
DREI WÜNSCHE HAST DU FREI!!!!!"
Wo kommt die Fee nur plötzlich her?
Mich ängstigt ihr Geschrei.

"Mir platzt die Naht! Jetzt rede. Los!"
Welch hexenhafte Fee!
Mir fällt nichts ein, was mach' ich bloß?
Woher mit der Idee??

"Du bist ein schwerer Fall, mein Kind!
Gleich ist die Chance vorbei."
Ich denke nach und sag' geschwind:
"Drei Wünsche also. Drei ...."

Ich glaube nicht an Zaubermacht,
drum mach ich einen Jux,
und sage kindlich unbedacht:
"Ich wäre gern ein Fuchs.

Dann wär' ich gern ein Elefant,
und dann, zu guter Letzt,
ein Igel, den die Feen-Hand
auf einen Rasen setzt."

Ein Zisch, ein Knall, ich bin ein Fuchs,
und eh ich 's recht verstand,
(es blieb nicht Zeit für einen Mucks)
war ich ein Elefant.

Oh nein, oh nein. Welch übler Spaß.
Ein grauenvoller Tag.
Schon fand ich mich im grünen Gras
als Igel und erschrak.

Die Fee verschwunden. Ach, und ich
hock' starr in grüner Au.
Wer mich entdeckt, der nehme mich
zu seiner Igelfrau ....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 29. Mai 2015

Die Behutsame




Denkt Euch, ich hab' eine Hummel gesehn.
Sah sie im Kelch eines Blümeleins stehn,
Blätter derselben betrachtend,
mich und die Umwelt nicht achtend ...

Wie sie so stand und von jedweder Seit'
sich an dem sattgelben Wunder erfreut',
nahm sich mich völlig gefangen,
dass mir die Herzschläge sprangen ...

Während die Menschen so ruhelos sind
(was sie verhärmt macht und bitter und blind),
scheint mir die Hummel versunken,
scheint von der Ruhe betrunken ...

Gerade als ob sie ein Kunstwerk beschaut,
hat sie sich musternd vors Gelbe gebaut.
Ihre behutsame Weise
schlägt eine bleibende Schneise

in meiner Seele und macht mich beglückt.
Diesen Moment hat der Himmel geschickt.
Dieser Moment küsst die Sinne,
dass ich dem Alltag entrinne ...

Eine geschlagene Dreiviertelstund'
tat mir die Hummel ihr Tagewerk kund.
Dann aber war sie verschwunden.
Hab' sie nie wiedergefunden ....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 28. Mai 2015

Mühlenflucht



Sind wir erstmal in der Mühle,
erstmal drin im Hamsterrad,
sind 's der Seufzer baldigst viele,
weil 's ja kaum mehr Leben hat ...

Keine Zeit, sich zu erholen,
keine Zeit, entspannt zu sein.
Jeden Tag die Schuh besohlen
und ins schnelle Rad hinein.

Stund' um Stund' greift ineinander.
Tick und Tack. Und steht nicht still.
Und man lebt sich auseinander
in dem alltäglichen Drill.

Geld muss her für tausend Träume.
Autos. Reisen. Haus und Kind.
Keine Zeit für Zwischenräume.
Nur wer schuftet, der gewinnt.

Hochgeschraubtes Anspruchsdenken.
Jeder möchte König sein.
Doch sich selber Ruhe schenken?
Bringt das denn auch Taler ein?

Bares. Bares. Scheffeln. Schaffen.
Tausend Träume kosten Geld.
Ach die Armen. Wie sie raffen,
eh der Tod sie einbestellt.

Immer Gold und Silber jagen,
ist der Sinn des Lebens nicht.
Lasst euch vom Poeten sagen:
Geld ist Glück, das schnell zerbricht.

Also raus aus Rad und Mühle.
Minimal zufrieden sein.
Gebt der Seele Hochgefühle,
ladet euch die Stille ein ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 27. Mai 2015

Fremde Augen




Durchs Fenster blickt ein Augenpaar
mir gerade ins Gesicht.
Sein Glänzen ist so wunderbar,
so rein, so lieb, so sanft, so klar -
als ob 's vom Himmel spricht ...

Vielleicht ja ist 's ein Engelein,
das durch die Scheiben sieht.
Es hüllt sein Blick mich seltsam ein.
Ich möcht' gern drin verloren sein,
weiß nicht, wie mir geschieht.

Das Augenpaar hält fest an mir,
es mustert mich komplett.
Es geht durch meines Herzens Tür,
und fühlt sich ganz willkommen hier
an der geheimem Stätt' ...

Jetzt rüttelt es am starren Sinn,
und reißt die Zweifel raus.
Da rafft es meine Ängste hin,
den Sorgen wird der Atem dünn -
schon nehmen Sie Reißaus.

Das Augenpaar wird mir suspekt.
Ich schein' hypnotisiert.
Es hat die Seele aufgedeckt,
bis selbige die Freiheit schmeckt,
und nichts als Frieden spürt.

Zu wem gehört das Augenpaar???
Die Neugier ist entfacht.
Wie brennend doch die Frage war!
ZU WEM GEHÖRT DAS AUGENPAAR,
das solche Wunder macht???

Ich geh zum Haus. Ich klopfe an.
Es öffnet mir ein Kind.
Ich frag 's, ob 's mir verraten kann,
wes Augen dort mit solchem Bann
so unbeschreiblich sind.

Das Kindchen denkt: "Was will die Frau?"
Und lacht mich höhnisch aus.
"Ein Augenpaar? Du bist wohl blau??
Ich sag' dir was, und hör' genau:
ICH BIN ALLEIN IM HAUS!!!!

Eventuell bist du verrückt,
und innen sonderbar."
Dann hat es mich nach Haus geschickt,
das kleine Kind. Von innen blickt
des Engleins Augenpaar ...



(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 26. Mai 2015

Vom Rabenvater, der ein Hase war



Auf offner Wiese: Hasenstreit.
Sie zetert wie von Sinnen.
Er kontert barsch: "ES TUT MIR LEID!!
Lass uns von vorn beginnen!"

Wollt' Ihr den Grund von diesem Zwist
denn allen Ernstes hören?
Der Hasenmann sitzt da und frisst
sich satt an Nachbars Möhren.

Jetzt schaut Ihr etwas fragend drein.
"Was ist daran so bitter?
So lass' den Mann doch fressend sein.
Was soll nur das Gewitter??"

Die Hasenfrau hat aber Grund,
sich heftig zu brüskieren,
und laut mit ihrem Hasenmund
den Aufstand zu riskieren.

Derweil ihr Mann sein Bäuchlein füllt,
sitzt sie mit sieben Kindern,
die hungrig sind, doch keiner stillt
den Ruf von sieben Mündern.

Sie hatte zwar den Mann geschickt,
ums Leibwohl sich zu kümmern,
doch fraß er gleich, was er gepflückt,
und ließ die Kinder wimmern.

Saß schmatzend da in Nachbars Feld
und ließ sich 's herrlich munden.
Die Frau hat ihm dann nachgestellt
und also so gefunden,

wie er die Möhren still genoss.
Da platzte ihr der Kragen.
Sie nannte Reiter und auch Ross,
und ward nicht still, zu klagen:

"Ein Rabenvater bist du wohl !!
Die Kinder lässt du schmachten,
und frisst hier Möhren oder Kohl,
ohn' deine Brut zu achten."

Der Hasenmann - erfüllt von Scham -
rupft Möhren nun um Möhren
heraus, die seine Frau ihm nahm,
zu bringen ihren Gören.

Sie trug ihm lang noch hinterher
sein egomanes Walten.
Erst als er sprach: "Es reut mich sehr!!",
konnt' sich das Glück entfalten.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 25. Mai 2015

fressen und gefressen




"Ich-hänge-in-der-Luft"-Geschrei
wohin das Ohr sich dreht,
dass mir die Lust vergeht
bei dieser Seelen-Jammerei.

Die Zeit zu schnell. Der Druck zu groß.
Das ICH verliert den Halt.
Die menschliche Gestalt
legt kaum die Hände in den Schoß.

Termine werden angehäuft.
Und der Kalender quillt,
bis dass er platzt und brüllt,
warum die Uhr so schnelle läuft!?

Vom Vierundzwanzig-Stunden-Tag
dreiviertel nur nach Plan.
Da wird gemacht, getan ....
(doch nie, was auf der Seele lag).

Denn auf der Seele lag der Traum
nach einer Zeit für sich.
Das abgewrackte ICH
erholte sich seit Jahren kaum.

Verwundern aber tut es nicht.
Der Alltag frisst und frisst,
und wer gefressen ist,
des Stimme hat auch kein Gewicht.

Sein "Hänge-in-der-Luft"-Geschrei
verhallt, verstummt, verklingt.
Wenn es zutage dringt,
dann ist das Leben längst vorbei.



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 24. Mai 2015

nobody knows



Ein froh gelaunter Wandersmann
setzt Fuß vor Fuß und flötet
ein Lied, das er sich just ersann,
bis dass ein Schreck, ja gar ein Bann,
das Haupt ihm ängstlich rötet.

Da sitzt doch glatt ein Krötentier
des Wegs und starrt ins Leere.
Der Wandrer misst zwei Meter vier
und ängstigt sich nach Kindmanier,
und macht sich keine Ehre ...

Die Kröte misst - so round about -
wohl zwanzig Zentimeter.
Ich frage mich, wer wem misstraut,
und wem hier wohl am meisten graut.
Dem Krötentier? Dem Flöter?

Wie David und wie Goliath
steht man sich gegenüber.
Der Wandrer spricht: "Oh HERR, schick Rat
und schreite hilfreich doch zur Tat,
dein Wille ist mir lieber!"

Die Kröte aber ihrerseits
fleht ebenfalls nach oben
bezüglich göttlichen Geleits
zur Abwendung des Seelenleids,
denn Herz- und Pulsschlag toben ...

Und Gott? Der hat genug gesehn.
Er setzt dem Spuk ein Ende.
Noch während sich Gedanken drehn
beim Tier, beim Mensch, nimmt schnell und schön
das Ganze eine Wende:

Vom Teiche lockt mit zartem Quak
ein Froschweib den Vermissten:
"Bedenke, heut' ist Hochzeitstag!!!"
Da hüpft er hin, weil er sie mag.
Ob sie einander küssten??

Der Wandersmann - der Angst befreit -
dankt Gott und wandert weiter.
Dass er sich vor 'nem Frosch gescheut,
weiß niemand sonst (und zwar bis heut).
Nur Gott. Der fand es heiter ...


(c) Bettina Lichtner


Montag, 13. April 2015

Trag uns weiter



Aus dem Kreißsaal gellt ein Schrei.
Der verblichne Ahnentross
eilet geisterhaft herbei
und begrüßt den neuen Spross.

"Seht doch nur! Wir leben fort!",
flüstern sie und sind berührt.
"Kind, du bist das Bindewort,
das uns all zusammenführt.

Unser Blut fließt wieder neu.
Unser Herz schlägt wieder frisch.
Und die Zeit liegt frank und frei
auf dem langen Ahnen-Tisch.

Alte Gene, neues Kleid.
Neue Schritte, alter Pfad.
Zukunft und Vergangenheit -
dies' verbündet sich hier g'rad.

Unsre Augen, unser Mund,
unsre Hände, unsre Haut
trägt der junge Ahnenspund,
der hier voller Neugier schaut.

Neugier, die auch uns ergreift.
Kind, du bist seit Ur-Ur-Zeit
allmählich herangereift,
nun steht DIR die Welt bereit.

Mach was draus! Die Zeit ist dein.
Möge das geerbte Gut
nützlich dir und wertvoll sein.
Möge Wag- und Edelmut

dir der Schlüssel sein zur Tür,
hinter der die Freude haust.
Lass' es friedlich sein in dir,
wenn dir vor dem Leben graust.

Trag' uns weiter, froh und stolz.
Mach' uns Ehre, liebes Kind.
Bist doch aus dem gleichen Holz,
wie 's die stolzen Ahnen sind ..."



(c) Bettina Lichtner


Samstag, 11. April 2015

Wenn die Orgel pfeift



Lieber Leierkastenmann,
dreh' noch einmal an dem Rädchen,
denn ich höre dir nur allzu gerne zu.
Wenn die Spule läuft, ach dann .....
dann erwacht in mir das Mädchen,
und ich tanz' vergnügt im alten Kinderschuh.

Der Moment der Nostalgie
wiegt mein Herz in seinen Klängen
und die Sorgen in der Seele fliegen fort.
Eine Stunde voll Magie!
Und die Welt mit ihren Zwängen
ist vergessen, denn die Freude führt das Wort.

Wie so wohlig ich mich fühl',
wie so leicht und so ergriffen
bei den Tönen, die die Straßenorgel spielt.
Und hat eben noch so kühl
mir der Sturm der Zeit gepfiffen,
hat auf einmal mich ein Lebensmut durchwühlt.

Und ich will nicht starr und stumm
nur im Finsteren verweilen,
will die Seelenfenster öffnen für das Licht,
für das schöne Drumherum,
das die Kraft hat, mich zu heilen,
wenn das Kartenhäuschen wieder mal zerbricht.

Die Musik hat eine Macht,
die auf wundersame Weise
mich verzaubert und auch ebenso beglückt.
Und nach jeder harten Schlacht,
jeder noch so schweren Reise
hat Musik, und nur Musik mir Trost geschickt.

Lieber Leierkastenmann,
hör' nicht auf, das Rad zu drehen.
Ich will nimmermehr zurück ins wilde Meer.
Will nur sein in deinem Bann,
will vom Rest der Welt nichts sehen,
will nur tanzen. Ach, was brauche ich noch mehr?



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 9. April 2015

Eng ist der Pfad



Zwischen den Menschen sind Gräben und Mauern.
Weit- oder Hochsprung beherrschen wir nicht.
Nein, wir verharren und warten und kauern,
bis eine Welle am Schweigefels bricht.

Hochmut und Stolz sind die Feinde der Liebe.
Sie sind die Gräben und Mauern der Welt.
Wenn einer käm' und die Bösen vertriebe,
wäre es gut um die Menschheit bestellt.

Aber die Menschen sind blind für das Gute.
Täglicher Streit ist das Zeugnis dafür.
Nächtens und tags schlägt die blutige Rute
vor und besonders auch hinter der Tür.

Klein ist der Tropfen, das Fass zu zerstören.
Trüg man ein Messer, es brächte den Tod.
Möchte mich all dieser Tropfen erwehren,
die sich bedienen am friedlichen Brot.

Überall liegen verlorene Nerven.
Täter und Opfer. Ein täglicher Krieg.
Hochmut verhindert, den Ton zu entschärfen.
Stolz liebt die Macht, die Macht liebt den Sieg.

Höher und höher und tiefer und tiefer
wachsen die Mauern und Gräben der Zeit.
Ach, und der Segen hängt schiefer und schiefer.
Täter und Opfer. Und keiner verzeiht.

"Klügeres Herz! Gibst du nach, bist du weise!",
möchte man rufen, der Eintracht zulieb'.
Eng ist der friedliche Pfad, und die Schneise
jedweden Stolzes und Hochmuts ist trüb ...



(c) Bettina Lichtner