Samstag, 31. Januar 2015

Aaron



Die letzten Schritte in die Kammer der Vernichtung.
Der kleine Aaron hält die Hand der Mutter fest.
Ein kleines Reh grast in der lagernahen Lichtung.
Der graue Himmel und vom Leben noch ein Rest.

Und Aaron denkt an seine vielen Kameraden
der kurzen Schulzeit, die er ach so sehr vermisst.
Sie wurden allesamt im Lokwaggon verladen.
Und keiner ahnte um des Lebens knappe Frist.

Und Aaron denkt an seinen lieben guten Vater,
aus dessen Arm ein brauner Scherge ihn entriss.
Er denkt an Pepe, seinen kleinen weißen Kater,
der liebend gerne in die Rosenblätter biss.

Und Aaron denkt an Opas' wilde Räuberspiele,
an Omas' Kuchen, den er immer so gemocht.
Jetzt überkommen ihn so schmerzliche Gefühle.
Nur ein paar Schritte und dann löscht der Tod den Docht.

Und Aaron denkt an all die Gute-Nacht-Geschichten,
die seine Mutter ihm vorm Schlafengehen las.
Denkt an sein Zimmer und den warmen, ja so schlichten
und trauten Ofen, wo er gern die Zeit vergaß.

Und Aaron drückt die Hand der Mutter immer fester.
Er sieht sie weinen und da bricht es ihm das Herz.
"Ach, liebster Aaron", sagt sie, "warst und bleibst mein Bester."
Es ist ein kalter Tag, der neunzehnte im März.

Die Kammer öffnet sich. Sie müssen sich entkleiden.
Der kleine Aaron sah die Mutter nimmer nackt.
Nun müssen beide aus dem jungen Leben scheiden.
Ein letzter Kuss, dann hat der Gas-Tod sie gepackt.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 30. Januar 2015

Verbal-Erotik



Kaum, dass ein Wort sich erotisch bekleidet,
hat 's der Voyeur schon im lüsternen Blick.
Wie er sich lustvoll und schmachtend dran weidet,
an dem verbalen, so aktreichen Stück.

Seine Gedanken, von Gier ganz besessen,
haben den lyrischen Busen entblößt.
Wandern zum bebenden Schoß und indessen
hat sich die Un- von der -sitte gelöst.

Tastende Worte in heißen Gefilden
haben das lesende Augen betört.
Zügellos fliegen die glühenden, wilden
Sinne und haben wer weiß was begehrt.

Buchstaben tragen den ach so Verführten
in eine Welt, wo nur Küsse und mehr
seine verwirrten Gefühle berührten.
Ach, und die Zeilen sind höhepunktschwer.

Hinter der Stirn geht die Nacktheit spazieren.
Sünde, oh Sünde, der Apfel schmeckt gut.
Hinter der Stirn darf das Herz sich verlieren.
Auf dem Papier nimmt der Anstand den Hut.




(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 29. Januar 2015

Herzliche Grüße



Der Frühling wartet sittsam unter Tage
darauf, dass der Kalender ihm die Uhren stellt.
Die Wurzeln ruhen schweigend noch im Winterfeld.
Doch erste Knospen zeigen sich schon vage.

Die Kälte hält die Zeit in ihren Klauen.
Der Schnee legt seine Kleider übers triste Tal.
Es lässt die weiße Pracht so ein ums andre Mal
mich in die fernen Kindertage schauen.

Dort seh' ich einen kleinen roten Schlitten.
Er saust mit mir wohl hundertfach den Berg hinab,
bis dass ich von den freien Spielen Hunger hab',
und warme Suppen mich zu Tische bitten.

Und heute mag der Winter mich nicht freuen.
Ich warte auf den Frühling und sein buntes Bild.
Die Kinderträume habe ich genug gestillt,
nun ist es Zeit, sie allsamt zu befreien.

Befreien aus der Wehmut, die so schmerzlich.
Vorbei, vorbei, der Frühling meiner Lebenszeit.
Was bringt mir schon die Reise zur Vergangenheit?
Es grüßen Herbst und Winter mich so herzlich.

Und greifen nach den allerletzten Jahren.
Die Jahre, da das Herz den Sinn des Lebens sieht.
Die Jahre, da im Geist die reine Liebe blüht.
Ach, könnt' ich noch den roten Schlitten fahren ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Mittwoch, 28. Januar 2015

Teurer Rat




Würge mich nicht, du mein Leben.
Lass mir Luft zum Atemholen.
Mich genügsamer zu geben,
hat mir just der Arzt empfohlen.

Doch du jagst mich wie ein Jäger,
und du bürdest mir Pakete.
Bin ich denn dein Lastenträger?
Sieh, ich hab' Bluthochdruck-Röte ...

Immerzu soll ich dir dienen.
Sklaventreiber musst zu heißen.
Und mein Körper muss es sühnen,
sich so schindend zu zerreißen.

Jeden Tag die vielen Pflichten.
Alle Stunden nur Befehle,
dies und jenes zu verrichten.
Meine ach so arme Seele ...

Und der Arzt schreibt mir Rezepte,
und sein Rat wird langsam teuer.
Bloß, weil ich ein Leben schleppte,
das mich ausnutzt wie ein Freier.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 27. Januar 2015

70 Jahre zurück



Über den kärglichen Todesbaracken,
kreist die Geschichte der grausamsten Zeit.
Wahrlich, mir stehen die Haare im Nacken,
denk' ich an Auschwitz, und wie es befreit ...

Braunes Gesindel war Schuld an der Hölle.
's schnürt mir das Herz, wenn 's Vergangene spricht.
Wieder und wieder erklingen Appelle:
"Rückt diese Gräuel nur immer ins Licht!"

Angst macht sich breit vor dem schnellen Vergessen.
Doch das Kapitel bleibt ewig geerbt,
hat sich so tief ins Geschichtsbuch gefressen,
und unsre Westen bis heue verfärbt.

"Oh, Ihr Berserker, was habt Ihr verbrochen???
Euer Gewissen .... besudelt mit Blut.
Euch hätt' ich gerne persönlich gesprochen,
hätt' gern geseh'n, wessen Hand sowas tut.

Kinder zu morden, und Männer und Frauen.
Nackt wie die Tiere ins tödliche Gas ...
Ihnen sogar noch ins Auge zu schauen,
zeigt, dass man keinerlei Liebe besaß.

Zeigt, dass Ihr kalt ward. Man möchte erfrieren ...
"Rückt diese Gräuel nur immer ins Licht."
Heut' öffnet Auschwitz der Welt seine Türen.
Stumm liegt es da, doch es spricht und es spricht ..."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 26. Januar 2015

Keiner wird gefragt



Ungefragt gezeugte Wesen
sind wir Menschen allesamt.
Biografisch lässt sich lesen,
dass so mancher dies verdammt.

Ja, so mancher kröche lieber
gleich zurück in Mutters' Schoß,
denn man stürzte ihn kopfüber
in ein Sein, das ihm zu groß.

In ein Sein, das ihm belastend,
und zu hart und viel zu kalt.
Und so klagt er nimmer rastend,
seit er jung bis dass er alt,

übers ungewollte Leben,
das ihm gar zu schwer erscheint.
Und er wünscht', ihn würd 's nicht geben.
Und die Zeit wird ihm zum Feind.

Nichts gelingt in seinen Händen.
Selbst die Liebe mag ihn nicht.
Und er möchte es beenden -
dieses Leben. Armer Wicht ...

Wenn er hätte schnuppern können,
eh die Mutter ihn entband,
an dem Leben ..... Doch schon trennen
Ärzte mit geübter Hand

ihn von Nabel und verpassen
ihm schon gleich den ersten Schlag.
Hätten sie 's doch sein gelassen ....
Doch seit diesem einen Tag

quält er sich durch 's ungeliebte
Leben und ersehnt so sehr,
seine Uhr, die so betrübte,
schlüge endlich nimmermehr.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 25. Januar 2015

Sommerdrehen



Tausend Augen möcht' ich haben,
mich an Gottes Werk zu laben.
Tausend Ohren tät' ich brauchen,
in den Klang der Welt zu tauchen.

Aber tausend Jahre leben,
ist mir keinerlei Bestreben.
Tag um Tag geschenkt zu kriegen,
soll und muss mir wohl genügen.

Und da gilt es zu probieren.
All die Stunden zu hantieren,
die die meinen sind - ein Weilchen.
Also gilt mein Blick dem Veilchen,

und der lieblichen Narzisse,
deren Blatt ich dankend küsse.
Und der wunderschönen Rose,
die in herrschaftlicher Pose

reizvoll meinen Blicken schmeichelt.
Die nicht lügt und die nicht heuchelt
(denn das hat sie gar nicht nötig,
sie ist seelenstreichelnd tätig).

Der Natur gilt meine Liebe.
Dieses göttliche Getriebe,
das ein stummes Werk verrichtet,
und die trübe Seele lichtet.

Die Natur und ihre Stille.
Eine uns geschenkte Fülle,
die wir immer mehr zerstören,
statt ihr einfach zuzuhören.

Ihre Weisheit will uns lehren,
unsre kurze Zeit zu ehren.
's ist ja nur ein Sommerdrehen
zwischen Werden und Vergehen.



(c) Bettina Lichtner


Samstag, 24. Januar 2015

Kalte Kinder



Haus an Haus an Haus an Haus.
Sieht doch gar so sittsam aus.
So gediegen, brav und lieb -
doch darinnen schaut es trüb.

Ja, darinnen, hinterm Stein,
lässt der Schein das Scheinen sein,
knallen Hände ins Gesicht,
und die Liebe löscht das Licht.

Und das Wort, das vor der Tür
noch so anständig zu mir,
wird, wenn sich die Türe schließt,
eines, das mich jäh erschießt.

Draußen läuft man ahnungslos.
Drinnen, da gebiert der Schoß
weiterhin sein kaltes Kind.
Wie verschwiegen Mauern sind ...

Das Geheimnis steckt im Blut
und ist ständig auf der Hut,
dass es nicht zutage tritt.
Und das ganze Haus spielt mit ...

Denn dem Ruf nach außen hin,
gilt der scheinheilige Sinn.
Draußen froh und drinnen roh.
Die perfekt gespielte Show.

Und die Wände halten dicht.
Innenwelten sieht man nicht.
Nicht im Haus und nicht in dir.
Und aus beidem ruft 's: Ich frier' ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 23. Januar 2015

Ungelogen



Gib den Stunden allsamt Flügel,
anstatt Sporen oder Zügel.
Nicht ein Ritt sei 's, denn ein Schweben -
dieses Leben.

Eine Lust sei 's, ein Genießen,
ja ein freudiges Begrüßen
jedes Herzschlags, denn behende
geht 's zu Ende.

Fühl den Atem, wie er strömet,
eh der Tod die Kraft ihm lähmet.
Ein und aus, und immer wieder!
"ATMET, Brüder."

Sieh dich um, es nagt das Sterben
an der Zeit, die ihre Kerben
in die Seele schlägt und hämmert,
bis es dämmert.

Lebe, lebe. Wag das Neue.
Trag die Fröhlichkeit ins Freie.
Lass sie tanzen, lass sie spielen,
lass sie fühlen.

Worauf warten? Auf, beginne!
Still' den Hunger deiner Sinne,
denn das Ende kommt geflogen.
Ungelogen.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 22. Januar 2015

-10°



Rückkehr der Eiszeit. Die Menschheit erkaltet.
Vom Scheitel zur Sohle wohl minus zehn Grad.
Wie schwer sich ein friedliches Leben gestaltet
umgeben vom drohenden Kriegsapparat ...

Es brennt allerorten. Wo bleiben die Wehren,
zu löschen das Feuer der Bösartigkeit?
Die Schreie der Schwachen sind deutlich zu hören,
und doch ist die Welt nicht zum Wärmen bereit.

Der eine mag den nicht. Ein anderer diesen.
Und immer so fort. Um die Erde herum.
Die Schlachten auf unschuldig blühenden Wiesen
sind ohne Verstand, mit Verlaub gesagt: dumm.

Sie bringen nichts weiter als Tod und Verderben.
Die Erde trinkt schweigend das fließende Blut
und legt ihre Hand übers sinnlose Sterben,
so wie 's eine Mutter bei Schützlingen tut.

"Kommt her", sagt sie leise und bettet sie sachte
im ewigen Grabe und deckt sie leis' zu.
Der Krieg, der sie letztlich ins Himmelreich brachte,
hat nichts draus gelernt und er gibt keine Ruh' ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 21. Januar 2015

Wenn der Schneider kommt



Die Richtung wechselt ihr Gewand.
Ich glaubte sie in trocknen Tüchern,
da führt sie in ein neues Land
und lockt mit fremden Reisebüchern.

Sie fordert meinen Mut heraus,
und lässt mich allzu gerne spüren:
Es geht nicht immer geradeaus.
Das Leben hat so viele Türen ...

Oft macht das Glück die Schotten dicht.
Das Blut gefriert dir in den Adern.
Die Zeit bläst rau dir ins Gesicht,
und lässt dich mit dem Leben hadern.

Doch ist ein Narr, wer sich verkriecht,
und sich in dunkle Ecken flüchtet,
kaum dass die Stunde komisch riecht
(er hat sich aller Angst verpflichtet ...).

"Hindurch! Hindurch! Das Harte stärkt!!",
ruft uns das Leid so hin und wieder,
und wenn man seine Gerte merkt,
dann fällt das Herz gebrochen nieder,

doch plötzlich - und wer weiß von wo -
da wärmt die Sonne unsre Seele.
Das Leben ist ja immer so.
Vom Himmelblau zur finstren Höhle

ist es nur ein Sekundenschlag.
Die Richtung wechselt ihre Kleider
am frohen oder trüben Tag,
und schickt uns wortlos ihren Schneider.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Dienstag, 20. Januar 2015

Haus im Grünen



Das Einfamilienhaus erzittert:
denn nebenan baut Goliath.
Das kleine Häuschen denkt erschüttert:
"Was für ein kaltes Fabrikat ...

Kein Flair mehr, diese Neugebäude.
Darüber Platz für hundert Mann.
Mein Leben steht auf Messers Schneide.
Bald reißen sie mich fort, und dann?

Dann stampfen sie aus meinem Boden
ein Hochhaus bis zum Himmelszelt.
Sie werden Wald und Wiesen roden
für all die Menschen auf der Welt,

damit sie ihren Wohnraum kriegen.
Das Motto lautet: hoch für viel.
Die Mehrfamilienhäuser siegen,
das habe ich so im Gefühl ...

Balkone, wo sonst Gärten wären.
Die Biene fliegt verzweifelt rum,
denn weil sie ihren Raum zerstören,
kommt sie im Neumodernen um.

Zudem bringt 's hohe Hausgebilde
gleich viele Autos mit ins Land.
Was führt der Mensch da bloß im Schilde?
Es mangelt ihm wohl an Verstand.

Es brechen wahrlich düstre Zeiten
fürs schmucke Einfamilienhaus.
Der Mehrbedarf an Wohneinheiten
dreht mir schon bald die Lichter aus.

"Das eigne Häuschen" - ausgestorben.
Man wird gepfercht .... ein Massenstall.
Die Wohnung wird mit Lust umworben,
und mir droht langsam der Verfall ...."



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Montag, 19. Januar 2015

bunt statt braun



Einer möchte Wurzeln schlagen,
wo man keine Wurzeln schlägt,
wo Parolen Irrsinn tragen,
und man braunes Denkgut trägt.

"Meine Heimat ist die meine!!!",
brüllt die Kehle laut hinaus,
"Andre Rassen brauch' ich keine!
Jagt die Fremden aus dem Haus!"

Und ich stehe markerschüttert
ob der Wortwahl alter Zeit.
"Warum bist du so verbittert?",
frage ich das Nazi-Kleid.

"Sieh dich um!" Die harte Stimme
dringt so tief mir ins Gebein.
"Lauter Fremde, und das Schlimme:
ständig kommen mehr herein!

Kaum mehr eine deutsche Ecke
ohne dieses Kauderwelsch!",
schreit der braungefärbte Jecke
und genießt sein deutsches Kölsch.

Und ich glaub' mich zu verhören.
Dieser Mann ist hasserfüllt.
"Kommen her mit Weib und Gören
und verschandeln unser Bild!"

So, es reicht. Mir platzt der Kragen.
"Sind Sie denn noch ganz bei Trost???
Solchen Schwachsinn hier zu sagen,
dass es mich zutiefst erbost.

Multi-Kulti ist bereichernd!
Bunt statt braun! So leicht ist das.
Jeder Mensch ist Schätze speichernd!
Jeder Mensch bedeutet was.

Offne Arme sind vonnöten
für die Freunde aller Welt.
Wenn wir ihnen Zuflucht böten,
dass es ihnen hier gefällt,

und sie mit den Herzen sähen,
also unter ihre Haut,
würd' das "Rechte" sich nicht blähen
und die Brücke wär' gebaut.

Aber Euch Parolenschreiern
fehlt der herzgewandte Blick!!!
Euch zu hören, lässt mich reiern ....
Macht es endlich bei dir KLICK???"

Schulterzuckend geht der Braune
seines Weges, sonst wohin.
Erst verdarb er mir die Laune,
dann entschwand er meinem Sinn,

denn ich will nichts davon hören
von der Fremdenfeindlichkeit.
Mensch ist Mensch und drum zu ehren!
Braun ist längst Vergangenheit ...




(c) Bettina Lichtner
Halleluja



Sonntag, 18. Januar 2015

Trübe Aussichten



"Wie viel Natur wird der Mensch mir wohl lassen?",
fragt sich der Fink und sein Blick schweift umher,
denn die Bedrohung durch Häuser und Trassen
fürchtet der Kleine schon sehr.

Noch weht der Wind durch die blühende Landschaft.
Aber die Bauriesen wittern Profit,
machten sie doch mit der Weite Bekanntschaft,
die schon ein Baugebiet sieht.

Schon wird akribisch und gründlich vermessen.
Hier hätt' die Hundertschaft ausreichend Platz.
Auch die Verwaltung ist baulandbesessen.
Da macht der Tierfreund Rabatz.

Lässt sich vertreten durch Umweltverbände,
auch der Naturschutz legt Widerstand nah.
Eben noch rieb sich der Bauherr die Hände,
weil er sich hauseigen sah.

Da wird ein Strich durch die Rechnung gezogen.
Bloß weil da irgendwas artenbedroht.
Das hat den Bauherrn zum Rückzug bewogen.
Und die Verwaltung sieht rot.

Geht ihr doch allerlei Geld durch die Lappen,
denn das Gericht gibt den Tierfreunden Recht.
Nun liegt das Urteil in sämtlichen Mappen:
Jubel bei Hase und Specht.

"Aufwachen, Fink!!", ruft da plötzlich plötzlich die Eule,
die da so fest hockt, als sei sie geleimt.
"Hast du", beginnt sie die fragende Zeile,
"wieder vom Bauboom geträumt?"

"Ja", sagt der Fink, "und der Sieg war uns sicher!"
Da hat die Eule nur milde gelacht.
"Finklein, ach Fink ....", ihr so weises Gekicher
hat sie erhaben gemacht.

"Finklein, ach Fink, uns wird alles genommen.
Irgendwann ist das hier alles bebaut!"
Da hat der Fink ganz betrübt und beklommen
in seine Zukunft geschaut ....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. Januar 2015

Denken darf man nicht



Umgeben von rauen und weicheren Schalen,
so drängt 's mich zu wissen, wes Herz darin schlägt.
Ich lass' mich verlocken, Gespinste zu malen.
Schon hab' ich sie alle mit Stempeln geprägt.

Der eine schaut komisch, bestimmt ein Verrückter.
Die andre dahinten kommt eitel daher.
Ein nächster blickt traurig, ein scheinbar Bedrückter.
Ich urteile eilig (es fällt mir nicht schwer).

Und wieder verfall' ich dem Schubladen-Denken.
Ich sehe die Schalen und mach' mir ein Bild.
Ach, wenn sie es wüssten, es würde sie kränken ...
Mein Urteilsvermögen ist stürmisch und wild.

Da frag' ich mich plötzlich, in wie vielen Laden
ich selber wohl stecke, und werde ganz stumm.
Es darf sich wohl keiner im Schuldlosen baden.
Die Vorurteilsgeister, die ziehen reihum.

Wir sollten uns alle vom Grunde auf schämen.
Wir wissen ja nicht, wer die Schale bewohnt.
Und wenn wir den Wesen das Äußere nähmen,
sie blieben von mancherlei Fehlblick verschont.

Die weichen und raueren Kerne und Schalen,
sie wurden von vielerlei Dingen geformt.
Die Vorurteilsmühlen, sie mahlen und mahlen,
doch keiner von uns ist nach Standard genormt.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 12. Januar 2015

Ausmerzen! Ausmerzen!



Der Terror will uns kopflos machen,
und ist doch selbst ohne Verstand.
Er möchte eine Angst entfachen,
und malt ein grausames Erwachen
mit seiner mörderischen Hand.

Er kämpft mit Säbeln und Gewehren,
zudem vermummt (der Feige, der).
Er will den Frieden uns zerstören.
Ach, soll er sich zum Teufel scheren
(ach nein, Pardon, da kommt er her ...).

Gewaltbereit und ohne Gnade
bedroht er unsre schöne Welt,
die lieblich wäre, aber .... schade,
der Terror - diese fette Made -
hat sich vors Sonnenlicht gestellt.

Nun liegt da ständig dieser Schatten
auf Meinungsfreiheit und Moral.
Und wenn wir 's wehrlos noch gestatten,
dann werden diese miesen Ratten
von Terroristen eine Qual ...

Doch Ratten gilt es auszumerzen.
Sie bringen weiter nichts als Pest.
Ich zünde täglich Hoffnungskerzen,
damit der Terror samt der Schmerzen
so schnell wie möglich uns verlässt ...




(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 11. Januar 2015

Blinder Gehorsam




Nutzen wir wirklich in Hülle und Fülle
all unsrer Stunden, um glücklich zu sein?
Schöpfen wir Glück aus der inneren Stille?
Hält man es aus mit sich selber allein?

Sind wir nicht Sklaven von Pflicht und Terminen?
Medien-Sklaven und gleichfalls vom Geld?
All diese Dinge sind mächtige Hünen,
denen die Macht übers Schwache gefällt.

Und wir sind dienende, folgsame Ratten.
Manipuliert bis ins tiefere Mark.
Sind unsrer selbst nur ein einziger Schatten.
Äußere Reize verlocken uns stark.

Dass wir denselben zu Füßen gar liegen.
Dass wir uns opfern vom Scheitel zur Sohl'.
Ist uns der Wahnsinn zu Kopfe gestiegen?
Kümmert uns nicht mehr das innere Wohl?

Wir sind gesteuert von gierigen Händen.
Schiffbruch erleidet, wer 's Ruder verliert.
Wenn wir den Weg aus dem Irrgarten fänden,
würden wir endlich zur Wahrheit geführt.

Blinder Gehorsam macht blind für das Wahre.
Raus aus den Fängen versklavender Macht !!
Mancher ist kurz vor der ewigen Bahre
- also zu spät - aus dem Wahnsinn erwacht.



(c) Bettina Lichtner
Halleluja


Freitag, 9. Januar 2015

Charlie



Die Welt trägt schwarz. "Je suis Charlie!!"
Die Feigheit rief zum Blutvergießen
und trifft auf Antisympathie.
Seht, wie sie sich zusammenschließen,

all diese, die vor Schock erstarrt,
die friedlich schweigend sich formieren
in dieser kalten Gegenwart.
Jetzt nur nicht Kraft und Mut verlieren!

Nicht von der Angst beherrschbar sein.
Dem Terror Stirn und Zähne zeigen -
er steht auf weiter Flur allein,
und keiner wird sich je ihm beugen!

Der Terror ist des Teufels Brut.
Er ist vom Machthunger besessen.
Doch er ist blind vor lauter Wut,
und auf den Thron der Welt versessen,

den er doch nie besteigen wird,
(dann müsst' er ja die Liebe morden,
die aber gibt sich unbeirrt
von diesen blinden Terrorhorden.).

Der Terror kratzt an der Balance
und will die Menschheit schwanken sehen.
Er rechnet sich wohl eine Chance,
doch ihm wird noch die Lust vergehen!

Die Menschheit nämlich beugt sich nicht
dem Bösen, mag es noch so walten.
Die Menschen sieht man dicht an dicht
in böser Zeit zusammenhalten.


(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 4. Januar 2015

Vom Licht zur Farbe



Es fliegt am vierten Januar
ein einsamer Silvesterknaller
als später Gruß fürs neue Jahr
zum Himmel rauf (zum Unmut aller).

"Seht her zu mir!!",  so ruft er laut,
und zischte, heulte, Funken sprühend;
doch keiner hat mehr hingeschaut
(es ist der Spaß ja ach so fliehend ...).

"Es kommt dein Einsatz viel zu spät.",
bemerkt genervt ein schwarzer Rabe,
der drohend seine Brust aufbläht.
"Ich war es nicht, es war der Knabe!",

entschuldigt sich der Knaller schnell,
noch eh der Bub das Feuer zündet.
Sekundenlang wird 's hell und grell,
bis dass der Himmel Ruhe findet.

"Das arme Ding! Ein kurzer Flug!"
Der Rabe sinnt wie ein Gelehrter
gleich übern eignen Atemzug.
Schon sprudeln ihm die schlauen Wörter:

"Der Knaller hat 's ja vorgemacht:
ein Schnelldurchlauf in Sachen Leben.
Vom Licht der Welt zur Farbenpracht
sich von der schönsten Seite geben,

um dann in Herz und Geist zu sein
als ewig buntes, frohes Glühen.
So geht es allen. Groß und Klein.
Nach Funken werden Schwaden ziehen."

Sprach 's aus der Rabe und verschwand,
und ließ mich da, ins Wort versunken,
und einem Leben in der Hand,
von dem ich viel zu schnell getrunken ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Freitag, 2. Januar 2015

Die Kritik wächst und wächst




Eine Welle schwappt durchs Land,
sich der Fremden zu erwehren.
Und so mancher Asylant
kriegt ein Wort des Zorns zu hören.

Dabei sind wir allesamt
nur zu Gast in allen Ländern,
ganz egal, woher man stammt ....
Es ist Zeit, den Blick zu ändern.

Uns gehört ja nicht die Welt.
Uns gehört auch nicht das Leben.
Wenn ein Mensch uns nicht gefällt,
fängt der Unmut an zu beben.

Wir formieren uns zum Mob,
um im Chor zu demonstrieren
(vom Saloppen bis zum Snob),
doch wohin wird uns das führen?

Unsre Flüchtlingspolitik
sorgt für allerlei Bedenken.
Doch der wachsenden Kritik
sollten wir die Ohren schenken!

Denn sonst ballt sich manche Hand
schnell zur Faust und macht zunichte
allen Frieden hier im Land.
Und der Gastfreund ist Geschichte ....



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Donnerstag, 1. Januar 2015

Der Neujahrsspaziergang



Der Himmel war rosa, der Himmel war grün,
war blau und war gelb zu Silvester.
Am Morgen danach sah ich Rauchschwaden zieh'n,
vereinzelt noch schwelende Nester.

Verklungen der Donner. Die Gläser geleert.
Die Gassen mit Müll überzogen.
Ein Torkelnder sieht alles spiegelverkehrt,
und hat sich dann speiend gebogen.

Noch immer sitzt ängstlich ein Vogel im Baum.
Der Nachbarshund traut nicht der Stille.
Der Spuk ist vorbei, doch sie glauben es kaum.
Raketen: der Tod der Idylle.

Der Neujahrsspaziergang zu frühester Stund'
bringt größte Verschwendung zutage.
Sie färbte die Nacht und das Himmelszelt bunt,
und endete jäh im Gelage.

Der eine berauscht sich mit Bier und Likör,
der andre mit Böllern und Knallern.
Der nächste führt schöne Musik ins Gehör,
und flüchtet sich sinnlich vorm Ballern.

Schon steht uns ein Jahr, noch so jungfräulich zart,
ins Haus, uns sich gänzlich zu schenken.
Ich wünsch' einen schönen und glücklichen Start.
Und lasst Euch von Gottes Hand lenken ....




(c) Bettina Lichtner
Halleluja