Samstag, 28. Februar 2015

Die Schalterfrau



Die Frau am Schalter lächelt müde.
Von tausend Menschen tausend Fragen.
Am liebsten würd' sie ihnen sagen,
dass sie es bleiben lassen sollen
das "bis-ins-Kleinste-wissen-wollen".
Sie sagt es nicht. So siegt der Friede.

Ihr Job ist "freundlich Auskunft geben".
Acht Stunden lang. Acht lange Stunden.
Sie hat auch ein Ventil gefunden,
falls ihr der Kragen platzen möchte:
dann malt sie senk- und waagerechte
ganz zarte Striche, die sich weben.

Wohl an die hundert Webfiguren
aus Kugel- oder Bleistiftmienen
sind 's täglich, die dem Ziele dienen,
nicht aus der müden Haut zu fahren.
Da sammelt sich was mit den Jahren ...
Die Nerven liessen ihre Spuren.

Am Anfang der Berufskarriere,
da war die Frau noch voller Eifer.
Die Zeit verging, sie wurde reifer,
allein der Eifer kam abhanden.
Wo gestern Nettigkeiten standen,
ist heute eine Lust-Barriere.

Und die ist kaum mehr zu erklimmen.
Denn immerzu auf gleiche Fragen
das immer gleiche Wort zu sagen,
das ist der Schalterfrau zuwider.
Die Auskunftslust verlässt die Glieder.
Tagein, tagaus nur Menschenstimmen ....

Jedoch, jedoch ... was soll sie machen?
Sie muss noch zwanzig Jahre schaffen.
Noch zwanzig Jahre Kräfte raffen.
Und dann von karger Rente leben.
Noch zwanzig Jahre Auskunft geben.
Sie spielt gekonnt mit müdem Lachen ...



(c) Bettina Lichtner


Freitag, 27. Februar 2015

Wem 's gebührt



"Deine Ruhe möcht' ich haben!",
schreit das aufgeregte Huhn
hin zur Kuh (die sieht man traben,
denn sie hat sonst nichts zu tun).

Und das Huhn, es schnatt- und schnattert,
und die Kuh malmt still ihr Heu.
Bauers' Trecker dröhnt und rattert
und trennt Weizen von der Spreu.

"Bist du stumm, du Weißgefleckte?",
kreischt das Huhn in schrillem Ton.
Doch die Kuh genoss und leckte
sich das Maul vom roten Mohn.

Langsam wurd' das Hühnchen böse.
Und sein Herz kam außer Takt.
Doch das brausende Getöse
hat das Rindvieh nicht gepackt.

Kaut auf rechter, linker Seite,
hin und her und umgekehrt,
sieht bedächtig in die Weite
und genießt ganz ungestört.

Diese ungestörte Haltung
bringt die Weißglut in das Spiel.
Zwischen beiden kommt 's zur Spaltung,
doch das schert die Kuh nicht viel.

Und das Huhn, das flattert wilde.
Und die Federn fliegen raus.
"Kuh, was führst du nur im Schilde???",
schallt 's aus seinem Kropf heraus.

Doch die Kuh bleibt ganz gelassen.
Und das Huhn sieht hilflos zu.
Nun, ich will 's zusammenfassen:
Huhn macht Stress und Kuh liebt Ruh'.

Übertragen auf das Leben,
das der Mensch auf Erden führt,
kann sich folgendes ergeben:
Ruhe dem, dem sie gebührt!

Denkt ans Motto: Säen - Ernten.
Säe Stille, ernte Ruh'.
Was wir aus dem Reim nun lernten:
Sei das Huhn nicht! Sei die Kuh!!


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 26. Februar 2015

Neubeginn am Meer



Ich habe deine tausendfachen
verliebten Schwüre ja so satt.
Und dieses kalte Liebe-machen,
wo 's keine Leidenschaft mehr hat.
Ja, ja, nun fällt mir Blatt um Blatt
vom Mund und dir gefriert das Lachen ...

Es ist das endlose Enttäuschen,
das mir die Lust am Lieben nimmt.
Dein "fremder Frauen Blicke heischen"
hat mich schon tausendmal verstimmt.
Ach, wie dein Wort jetzt hilflos schwimmt ...
Ich könnte dich komplett zerfleischen!

Ich hab' es viel zu lang' ertragen!
Hab' dir geglaubt. Mein Gott, wie dumm ...
Dass Lügen in den Räumen lagen,
ertrug ich gleichfalls taub wie stumm.
Nun ist die Zeit des Truges um!
Ich hab' dir weiter nichts zu sagen.

Doch halt, noch dieses: Du sollst wissen,
dass - wenn die Tür sich nach dir schließt -
ich glücklich bin. Und .... dich vermissen???
Die Hoffnung sei dir nun vermiest.
Es ist die Freiheit, die mich grüßt.
DU hast uns beide weggeschmissen.

DU konntest deine Hand nicht lassen
vom andren Weibsbild. DU! NUR DU!
Die Wut ist groß. Doch hassen? Hassen?
Zu meinem Wohl lass ich 's nicht zu!
Hau endlich ab. Lass mich in Ruh'.
Dein Blick soll nicht den meinen fassen.

Dein Mund, auf dem sich fremde Lippen
ergötzten, weckt mir Übelkeit.
Wie schnell doch "froh und selig" kippen ...
Hast du denn nie dein Spiel bereut?
Vielleicht begreifst du mit der Zeit:
Du stößt was Großes von den Klippen!

Ich könnt' mich selber dafür prügeln,
dass ich ein solcher Blindfisch war!?!
Ich fahr' ans Meer, die Sinne zügeln.
Am Meer krümmt keiner mir das Haar.
Am Meer sieht meine Seele klar.
Ich lass' mich wieder neu beflügeln ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 25. Februar 2015

Neuer Blog





Ab sofort veröffentliche ich meine Fotografien auf





www.lichtner-fotografie.blogspot.de




Das grüne Sofa



Ein Sofa stand am Bordsteinrand
im Sperrmüll - fast wie neu.
Wer gab es bloß aus seiner Hand?
Es diente doch so treu.

Wer saß darauf? Was trieb er dort?
Das Sofa schaut wie eh.
Hinausbefördert ohne Wort.
Und wie ich 's da so seh,

verliebt' ich mich ins Polstergrün
des Dreisitzers im Müll.
Und setze mich (erst scheu, dann kühn)
darauf und schweige still.

Die Welt zieht eiligst dran vorbei.
Die Sonne scheint und lacht.
Das Sofa hat noch Plätze frei
für Ruhe und Bedacht.

So mancher schaut mich komisch an,
wie ich im Sperrmüll sitz'.
Das Sofa kann, was keiner kann:
fernab von Bytes und Bits

entführt es mich ins Seelenland,
und lässt mich einfach sein.
So sitze ich am Bordsteinrand
im Lärm der Welt allein ....



(c) Bettina Lichtner

Montag, 23. Februar 2015

little princess



"Willst du mein Prinzesschen sein?",
fragt gewagt der junge Mann.
Sie darauf: "Oh ja! Oh nein!
Auf was lass ich mich da ein???
Wenn es scheitert? Und was dann?"

Er erwidert: "Frage nicht.
Fragen sind der Liebe Tod.
Höre, was dein Herz dir spricht."
Sie: "Mein Herz, das hält Gericht,
ob vielleicht was Böses droht."

Er (genervt): "Wie sonderbar!
Wie so fremd du plötzlich bist."
Sie (verdutzt): "Gefahr! Gefahr!
Mich verblendet Haut und Haar.
Ich weiß nicht mehr, wer er ist."

Er darauf: "Wo ist die Frau,
der ich dies und das versprach?"
Sie darauf: "Du weißt genau,
(tu nicht dumm, wenn du so schlau)
dass die Zeit auch Herzen brach ...

Er beschwichtigt: "Halte ein.
Ich probiere es nochmal:
Willst du mein Prinzesschen sein?"
Sie tendiert nun eher zum Nein.
Und der Mann erleidet Qual.

Sie nun keck: "Was grämst du dich?
Ich will frei sein. Einfach frei.
Trägst du erst auf Händen mich,
wär' das erste, was mir wich,
meine Freiheit. Aus. Vorbei."

Weiter sie: "Ich bin nicht recht.
Falsche Wahl und falsche Zeit."
Er (erblasst): "Jetzt ist mir schlecht.
Dieses weibliche Geschlecht
raubt mir alle Lebensfreud'!"

Sie (entsetzt): "Du wagst es?? Du ...."
Hier verweigert sich der Stift.
Denn die Wortwahl trägt im Nu
links und rechts den Gossenschuh,
und ist reinstes Seelengift.

Das erkennt nun auch der Herr.
Dreht sich um und lässt sie stehn.
Braucht nun kein Prinzesschen mehr.
Sie zum Schluss: "Gut. Bitte sehr.
Dann auf Nimmerwiedersehn ..."



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 22. Februar 2015

alone



Wenn du erstmal einsam bist,
ach, dann fühle dich gesegnet.
Wenn kein andrer dir begegnet,
und die Zeit die deine ist,
und es keine Wörter regnet,
bist du wahrlich süß geküsst ...

Niemand da, der dich regiert.
Eigner Herr der eignen Stunde!
Mit der eignen Welt im Bunde!
Keiner, der den Taktstock führt.
Keiner fügt dir eine Wunde.
Fremdbestimmung ausradiert ...

Endlich völlig du und du.
Sonne, Mond und Stern sind deine.
Sie gehören dir alleine,
und dazu die innre Ruh'!
Andre Stimmen hörst du keine,
nein, du hörst dir selber zu.

Alles machen, was du willst.
Keinem je Erklärung schulden!
Nur sich selbst gilt 's zu erdulden.
Jeden Becher, den du füllst,
zahlst du selbst - mit eignen Gulden.
's ist DEIN Durst, den du dir stillst.

Oh, wie herrlich! Ganz allein.
Einsam auf der vollen Erde.
Weit entfernt von jeder Herde ----
wollt 's so gerne einmal sein.
Komm, du Einsamkeit, und werde
endlich, endlich auch mal mein ...



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 21. Februar 2015

Atembilder



Fremder Atem klebt an Scheiben.
Jemand malt ein Bild darauf
(scheinbar nur zum Zeitvertreiben).
Doch es ist der stete Lauf,
dass nicht Bild noch Atem bleiben.

In der U-Bahn herrscht das Schweigen.
Haut an Haut, stationenlang.
Augen, die sich nicht beäugen ...
Blicke, Schweigen, Atemklang -
welch ein seltsames Verzweigen.

Was sie all' wohl denken mögen?
Tragen sie den Tag nach Haus?
Ob sie ihn ad acta legen?
Zieh'n sie ihm die Kleider aus?
War er Fluch vielleicht statt Segen?

Und die Menschen kommen, gehen.
Und die U-Bahn fährt und hält.
Keinen werd' ich wiedersehen!
Eine anonyme Welt
ist die Bahn, in der wir stehen ...

Neben mir sitzt zehn Minuten
eine Frau und liest den Brecht.
Zehn Minuten. Dann ein Sputen,
und am Ausgang ein Gefecht
zwischen Bösen und den Guten ...

Ein- und Ausstiegsdrängeleien.
Türen zu. Die Fahrt geht fort.
Zugestiegene verleihen
hier und da ein kurzes Wort,
eh sie sich zum Schweigen reihen.

Neben mir sitzt wieder eine
alte Frau, recht warm verhüllt.
Und ihr Atem - auch der meine -
klebt am Fenster, wird ein Bild
und verschwindet von alleine ....



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 20. Februar 2015

Die Nacht der Nächte




Lass' die Körper sich verschmelzen,
sich im Meer der Liebe wälzen,
bis die Nacht zu Ende geht,
und der Tag im Zimmer steht.

Brodeln soll der Feuertiegel.
Mal hält er, mal sie die Zügel,
und es ahnt die Welt ja nicht,
welche Freud' zutage bricht.

Liebesschweißdurchtränkte Kleider
dienen noch dem Augenweider,
der vor ihrem Fenster stand
und wohl Spaß am Lustspiel fand.

Alle Sinne sind vergessen.
's ist ein Hungern und ein Fressen,
auch ein Dürsten, dieses Spiel.
Unvergleichlich das Gefühl ...

Ihre Hände sind verwoben,
ihre Herzen jauchzen, toben.
Und ihr Atem ist vereint.
Kein Verlangen mehr umzäunt ....

Die Begierde kennt kein Halten.
Wo die stillen Wasser walten
bebt das Meer der Lust und kracht,
bis der Mond sein Licht ausmacht.

Worte, die sonst fein verschwiegen,
hört man plötzlich Eifer kriegen.
Ihre Hüllen fallen laut,
und der Augenweider schaut ...

Küsse, aus der Glut entsprungen,
sind wer weiß wo hin gedrungen.
"Bleib, oh Nacht, im Herzen mein.",
ruft die Braut ins Dunkel rein.

Liebesglück in Hochzeits-Suiten
zählt zu den Tabu-Gebieten.
Nur das Pärchen und der Mond
haben diesem beigewohnt ....



(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 17. Februar 2015

Mach dich frei



Mehr wagen! Mehr trauen! Sei mutig, mein Freund.
Und schiebe die Zweifel beiseite.
Denn wenn erst die Angst mit den Zweifeln sich eint,
dann fliehen die Träume ins Weite.

Erfülle dem Herzen die köstliche Lust
der allsamt so heimlich gefassten
und sehnlichsten Wünsche, auch wenn deine Brust
die nagenden Zweifel belasten.

Der eigene Schatten ... Spring rüber! So spring!
Das Zögern gehört nicht ins Leben!
Die Ängste besiegen ..... welch herrliches Ding,
und ihnen Paroli zu geben!!!

Das "wenn" oder "wäre" ist hinderndes Wort.
Der Wagemut will das nicht hören.
Es treibt dich nur weiter von Traumstränden fort.
Du solltest den Innenraum kehren!

Hinaus mit dem Stein, der im Wege dir ist.
Hinaus auch mit sämtlichen Hürden.
Vertraue der Zeit, deren Gast du ja bist.
Und denk an die Träume! Die würden

verschwinden auf ewig und immer, mein Freund.
Mehr trauen, mehr wagen! Mehr machen.
Denn wenn erst der Tod mit der Stunde sich eint,
dann hörst du auch Traumschlösser krachen.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 16. Februar 2015

Narren halten zusammen



"Narrenfreiheit !!!!", fordern Jecken
Rechts und links ALAAF, HELAU
derer, die sich nicht verstecken
vor der Angst und vor dem Schrecken
und dem prophezeiten Gau.

Clowns und Prinzen, Tänzerinnen ....
Groß und Klein beim Maskentanz.
"Unsre Freiheit wird gewinnen!!!!",
rufen sie und dann beginnen
sie den Marsch der Toleranz.

Schließlich sind es Traditionen,
die es wohl zu pflegen gilt.
Stimmungs- und Bonbon-Kanonen
sorgen in den Absperrzonen
für ein heitres, muntres Bild.

Und die Menschen singen, schunkeln.
Oben wie am Straßenrand.
Ihre Augen glänzen, funkeln.
Nichts kann ihren Spaß verdunkeln.
Furcht ist ihnen unbekannt.

Jede Form von Drohgebärden
lässt die Narrenriege kalt.
Kein Verbrecher dieser Erden
kann den Festumzug gefährden!
Fasching heißt Zusammenhalt.

Nie und nie darf es gelingen,
dass das Altbewährte stirbt.
Und so tanzen sie und singen.
Nie und nie darf es gelingen,
dass die Angst die Freud' verdirbt.




(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 15. Februar 2015

Rolle rückwärts



Jeden Monat (meist am dritten)
trifft sich eine Damenrunde
zur gewohnten Kaffee-Stunde
und diversen Kuchenschnitten.

Dieses Mal bei Frau von Kolle
(einstmals Lehrerin für Mathe).
Sie lädt ein zu Café Latte,
und serviert Zitronenrolle.

Sieben Weiber hört man plappernd
so bei Tisch im Themenreigen
auf diverse Dächer steigen,
und mit Kaffeetassen klappernd.

Von halb zweie bis um achte
hat der Tratsch es toll getrieben.
's wär' noch reichlich Zeit geblieben,
doch die Müdigkeit erwachte.

Darum trieb 's die sieben Damen
heim in ihre warmen Betten.
Nachts kam 's dann an diesen Stätten
leider zu Verdauungsdramen.

Ihre Mägen rebellierten.
Selbst sogar bei Frau von Kolle.
Etwa die Zitronenrolle???
Welche Übelkeit sie spürten ....

Alle Damen hingen reiernd
überm Klo statt dass sie schliefen.
Circa acht- bis zehnmal liefen
sie ins Bad (der Gang mehr eiernd).

Rolle rückwärts. Die Gequälten ...
Frau von Kolle war es peinlich,
als die Damen ihr recht kleinlich
von den Brechreizen erzählten.

Höchstwahrscheinlich Salmonellen!
"Nächstes Mal", so Frau von Kolle
"werd' ich statt Zitronenrolle
lieber Heidesand bestellen ..."



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 14. Februar 2015

It's Valentine



Hörst du auch die Sterne flüstern?
Siehst du, dass der Mond uns lacht?
Spürst du auch die Stunde knistern?
Was die Liebe alles macht ...

Plötzlich kriegen Dinge Leben,
die so leblos unterm Stress.
Einzig nur durchs süße Beben
wird ja selbst der Staubkorn kess.

Alles dreht sich, alles wallet.
Alles Glück zum Greifen nah!
In mir klingt und singt und schallet
froh das Herz und jauchzt HURRA.

Gibt kein Wort, um zu beschreiben,
wie so wohlig mir die Lieb' ...
's ist ein köstliches Betäuben
aller Sinne. Und ein Trieb,

ja ein Trieb, hinauszuschreien,
dass ich gar so glücklich bin,
will sich mit der Zeit vertäuen.
Liebe, sag, wo führst du hin?

Ich erkenn' mich ja nicht wieder.
Mir gefällt der schöne Tanz.
Mir gefallen deine Lieder,
und die stille Dominanz,

die du ausübst auf die Seele.
Kribbelnd zieht 's durch Mark und Bein.
Und nun schreit sie doch, die Kehle:
MAKE LOVE, MAKE LOVE. IT 'S VALENTINE.



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 13. Februar 2015

Tinte & Schreiberling



Die Tinte schreibt, was man diktiert.
Der Leser glaubt es oder nicht.
Mal wird er hinters Licht geführt,
mal liest er was, was ihn berührt ...
Entscheidend ist die Sicht.

Der Leser sieht was ihm beliebt.
Der Nächste sieht es andersrum.
Dass es so viele Sichten gibt
und jeder sich im Deuten übt,
nimmt 's Tintenblau nicht krumm.

Die Tinte schreibt und wehrt sich nicht.
Verweigert sich nicht dem Befehl.
Sie schreibt die Lüge, das Gerücht,
den Liebesschmalz, das Schmäh-Gedicht,
den Schmutz und das Juwel.

Der Leser glaubt, was blau auf weiß
vor seinem Blick geschrieben steht.
Er glaubt den allergrößten Sch.... (Mist)
weil er vom Wort gefesselt ist,
das ihm den Sinn verdreht.

Die Tinte und der Schreiberling,
die machen sich ein Spiel daraus.
Erfinden dies und jenes Ding,
und wenn 's die Leserseele fing,
dann gehen sie vergnügt nach Haus ---



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 12. Februar 2015

Auf Tauchstation




Du siehst befremdlich aus, my dear ....
Nach all den Jahren neben mir
hat dein Gesicht sich so verzerrt.
Dort, wo ein Lächeln hingehört,
malt mir dein Mund nur einen Strich,
der keinen Deut vom Geraden wich.

Ein Strich, auf dem die Kälte tanzt.
Und ach dahinter? Da verschanzt
die Liebe sich, der Kuss und so.
Urplötzlich solch ein Frost-Niveau!
Selbst deine Blicke sind aus Eis.
Die Liebe ist ein Teufelskreis ...

Ich weiß ja nicht mehr, wer du bist.
Dass du an meiner Seele frisst
und Löcher in die Herzwand reisst,
und meinen Kopf mit Fragen speist,
das scheint dir ganz egal zu sein.
Auf einmal bist du hart wie Stein.

Was schlich sich nur in unser Glück?
Ist das der letzte Akt im Stück?
War 's insgesamt zu lang, zu zäh?
Du nennst die Jahre einfach "Schmäh"???
Wie kannst du nur? Ich bin enttäuscht,
weil solch ein Wort mein Herz zerfleischt.

Und nun die Kälte im Gesicht.
Kein Lächeln mehr. Ein Blick, der sticht.
Verschanzter Kuss. Und Schmäh-Gesang.
Vielleicht war er ja doch zu lang
der Weg ins Glück, der Weg zu zweit.
Nun ist er wohl Vergangenheit.

Ich komme klar damit. Nur wann?
Dann fang' ich halt vor vorne an
mit einem neuen Weg. SO WHAT ...
Ich gehe sicher nicht bankrott,
bloß weil mich einer nicht mehr braucht.
Die Liebe ist halt abgetaucht ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 11. Februar 2015

Der Schrei der Lust



Der Lustschrei ist der schönste Schrei,
den wir auf Erden kennen.
Er schneidet jede Luft entzwei
und lässt den Atem rennen.

Sein umfangreiches Repertoire
diverser Höhenstufen
dringt durch die Wände zum Trottoir.
Man schimpft ihn als verrufen ...

Der Schrei, mal kurz, mal lang gefasst,
mal laut gebrüllt, mal leise,
geht nach des Aktes letzter Hast
auf seine Abschiedsreise.

Noch hallt er durch den Raum der Lust
für einige Minuten,
er, der aus voller Kehl' und Brust
sich löste nach dem Sputen.

Vom Lento zum Prestissimo
(verzeiht die Fachbegriffe),
vom langen A zum süßen O -
sind 's lauter feine Schliffe.

Er ist ein steigernder Genuss,
der Schrei. Und nach dem Schreien?
Als Sahnehäubchen noch ein Kuss?
Vielleicht auch ein Bereuen,

wenn 's gar ein Seitenspringen war?
(Vorm Beichtstuhl eine Schlange ...)
Dem Schrei ist 's gleich. Er freut sich gar
ob seines Klangs. Noch lange ...


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 10. Februar 2015

In Reben aufgelöst



Tausend Taler aufs Vertrauen
hat der liebesblinde Tor
eingesetzt. Doch er verlor ...
Und Verluste zu verdauen,
ist nunmal das seine nicht.
Darum soff er. Armer Wicht.

Er ertränkte seine Sorgen
prompt in Reben. Meistens rot.
Die vergrößerten die Not,
denn schon gleich am nächsten Morgen
kamen sie geballt zurück.
Alle Sorgen. Stück um Stück.

Und dann lagen sie im Magen.
Und im Herzen und im Kopf.
Und die Seele lag am Tropf,
wollte gar ihr Wehleid klagen,
doch die Ohren waren taub
für das Los "Vertrauensraub".

Weil es allerorten wütet,
dieses Los, zu jeder Zeit.
Es versteckt sich hinterm Kleid,
wo 's erst schmeichelt und dann brütet,
wie es seinen Feldzug führt,
dessen Sieg ihm meist gebührt.

Das Vertrauen. So zerbrechlich.
Schleicht sich an und rennt dann fort.
Meistens ohne Abschiedswort.
Und der Schmerz ist unaussprechlich.
Und die eigne Dummheit, ach ....,
macht den stärksten Manne schwach,

wie den Wicht, der alles setzte,
weil er blind vor Liebe war.
Und er raufte sich das Haar,
soff die Reben, lallte, schwätzte
irgendwas von IDIOT
bis ihm wer den Mund verbot ...

Und dann sah man ihn noch schwanken
durch die kalte Winternacht.
Bis zum Morgen (circa acht)
hörte man ihn weiter zanken
mit sich selbst. Der arme, der.
Er vertraute wohl zu sehr.



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 8. Februar 2015

Reicher armer König



Der Gevatter klopft ans güldene Tor.
Und der König lugt verängstigt hervor.
"Lieber Tod, so lass mich leben.
Alles Gut will ich dir geben,
aber trag' mich nicht zum Himmel empor!!"
Der Gevatter aber lächelt: "Armer Tor ..."

Und der König flieht ins teure Gemach.
Und der Tod folgt in Gelassenheit nach.
Ist die Türe auch verschlossen,
die im Silberwerk gegossen,
er durchdringt sie und des Königs Mund sprach
(als die letzte Stunde ihm ins Auge stach):

"Lieber Tod, bedenke folgenden Deal:
ich vermache dir (und 's Erbe ist viel)
allen Reichtum, den ich habe
(eine wahrlich große Gabe)."
Doch der Tod hat nicht die Güter zum Ziel,
und erst recht hat er kein Mitleidsgefühl.

Und der König fleht ums Leben wie wild.
Gar zum Bettlerdasein ist er gewillt.
"Ach, was brauche ich die Krone,
wenn ich erst im Himmel wohne?
Ich geb' alles!!!!", hat er weinend gebrüllt.
Doch der Tod hat sich in Schweigen gehüllt.

Seht den König, der ans Leben sich krallt.
Hört sein Klagen, das durchs Königreich hallt.
Will die Zeit partout behalten,
doch des Todes Hände walten
unerbittlich und mit sanfter Gewalt.
Und im Schlosse wird es finster und kalt ....

Armer König, ganz umsonst war 's Geschrei.
Deine prunkvolle Zeit ist nun vorbei.
Hast gedacht, du könntest handeln
und des Todes Herz verwandeln,
aber Reichtum ist dem Tod einerlei.
Es kauft niemand sich vom Sterblichen frei.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 6. Februar 2015

Tyrannei



Du Krone der Schöpfung, wie führst du dich auf!?
Vergehst dich an allem in schändlichster Art.
Du spielst in der Welt einen kläglichen Part,
sogar noch im eigenen Tagesablauf ...

Verlierst die Geduld und verlierst dich im Zorn.
Verlierst deine Fassung, ja selbst das Gesicht.
Zu lieben, zu geben - du lernst es wohl nicht.
Wo immer du gehst, wächst am Wegrain der Dorn.

Egal, was ich nenne, 's trägt alles dein Blut.
Du zeigst mit dem Finger zum anderen hin?
Zeig erst auf dich selber! Schon wird die Luft dünn ...
Nicht einer auf Erden ist durch und durch gut.

Zwei Seiten in jedem! Nun tu doch nicht so,
als wäre der Teufel dir absolut fremd.
Auch du trägst die Hölle im tarnenden Hemd.
Gewiss auch den Himmel (nun bist du wohl froh).

Der platzende Kragen. Die schlagende Faust.
Erzähle mir nicht, du seist immerzu brav.
Die Wut liegt im lauernden, trügenden Schlaf,
und wenn du dich selber mal ehrlich beschaust,

dann reichst du doch ständig dem Teufel die Hand.
Mal fliegen die Fetzen, und mal das Geschirr.
Der Teufel in Fahrt! Und die Fahrt macht dich wirr.
Schon nistet der Zorn im sonst klugen Verstand.

Und andererseits, wenn die Sonne dir lacht,
dann wachsen dir Flügel. Der Engel tritt vor.
Die Liebe (die Liebe?) fliegt zaghaft empor,
und hat aus dem Wort eine Blume gemacht.

Gebührt uns die Krone? Ich zweifle dies an.
Der Liebe, der Liebe gebührt sie allein.
Doch werden wir niemals nur Liebende sein.
Und Schuld ist der Teufel. Verdammter Tyrann ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 4. Februar 2015

Der liebe Lange



Der liebe lange Tag. Ein unbekanntes Land.
Noch unberührter, unbefleckter, unentdeckter Sand.
Er rieselt durch die Finger, wie gestern so auch heut',
der makellose Sand mit diesem schlichten Namen ZEIT.

Es hält der Tag nicht ein. Er kommt und sieht und siegt.
's ist wieder nur so einer, dessen Stunde mir verfliegt.
Vielleicht schlägt heut' die letzte. Wer weiß schon, was passiert.
Wer weiß schon, was der liebe Lange heut' im Schilde führt ...

Im schlimmsten Fall der Fälle erwischt mich kalt der Tod.
Bei günstiger Prognose färbt der Tag sich rosarot.
Ich lass' mich also fallen. Und warte, was geschieht.
Der liebe lange Tag singt mir gewiss das rechte Lied.

Es nehmen die Sekunden mich sacht in ihren Kreis.
Am Morgen sind sie kühler und am Abend sind sie heiß.
Doch weh', es dreht sich anders! Heiß morgens, abends kühl -
dann treibt vielleicht der Hass sein ach so bitterböses Spiel.

Vielleicht bringt er auch Tränen, der liebe lange Tag.
Vielleicht auch lauter Frohsinn, den ich eh viel lieber mag.
Ich weiß nicht, was er vorhat. Er rückt damit nicht raus.
Er knipst mir seine Lichter an und knipst sie wieder aus.

Mir bleibt nur, mich zu fügen. Egal, wie es auch sei.
Es schwebt trotz süßer Freude auch ein Wehgesang dabei.
Denn eines ist mal sicher: der Tag, zwar lang und lieb,
ist immer wieder einer, der dem Abschied sich verschrieb ....



(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 3. Februar 2015

Neu ausgerichtet



Da klebt noch Abenteuerlust an deinen Händen,
doch du vergräbst sie in den Trott von Tag und Nacht.
Es hängt die Lebensneugier still an deinen Wänden,
und wartet, wartet, wartet, bis sie dir erwacht.

Ach, in der Jugend war es leichter, sie zu wecken.
Doch mit den Jahren schlief sie immer weiter ein.
Bald werden Erde, Blumen, Tränen sie bedecken.
Du wolltest gar so gern ein Abenteurer sein ...

Du wolltest vierundzwanzig Stunden alle Tage
mit buntem Leben füllen bis zum letzten Schritt.
Doch eine vierundzwanzig stundenlange Plage
der steten Pflichterfüllung warf dich aus dem Tritt.

Du fühlst dich fremdgesteuert. Eine Marionette.
Nicht mehr du selber hast die Fäden in der Hand,
sondern die anderen, mein Lieber, und ich wette,
du wünschst dich fort aufs unentdeckte Inselland ...

Wo kein Kalender dich zu dem und dem verpflichtet.
Wo man zufrieden ist, ganz ohne Gut und Geld.
Wo man den Blick auf alte Abenteuer richtet,
und jede Neugier eine neue Chance erhält ...



(c) Bettina Lichtner
Halleluja

Sonntag, 1. Februar 2015

Zerfetzte Küsse



Wenn erst die Küsse die Lippen benetzen,
ach wie so federleicht fühlt sich das Herz.
Wenn aber Lippen die Küsse zerfetzen,
ach wie so schwer ist der Schmerz.

Sind erst die Worte mit Honig bestrichen,
ach wie geschmeichelt ist jeglicher Sinn.
Ist dann das Süße dem Sauren gewichen,
ist der Geschmackssinn dahin.

Haben die Blicke das Feuer entzündet,
ach wie die Glut doch durchs Aderblut zieht.
Wehe jedoch, wenn das Heiße verschwindet
und allzu plötzlich verglüht ...

Gab der Verstand die Moral aus den Händen,
ach wie betörend die Unmoral war.
Will der Verstand die Entgleisung beenden,
liegen die Fehltritte bar.

Küsse und Lippen - auf einmal verfeindet.
Worte und Blicke - auf einmal so fremd.
Schon ist der Schmerz mit der Stunde befreundet.
Schon trägt der Abschied das Hemd.



(c) Bettina Lichtner