Sonntag, 31. Mai 2015

Ein Jux




"Drei Wünsche hast du frei, mein Kind!"
Ja, träum' ich? Eine Fee??
Ob das des Alters Schwächen sind,
dass ich Gespenster seh'?

"Drei Wünsche!!", spricht die Fee erneut.
Ich kneif' mir fest ins Bein,
bis es aus meinem Munde schreit:
"Der Kniff war jetzt gemein!"

"Was ist denn nun? Jetzt wünsch' dir was!"
Der Kopf der Fee erglüht.
Mein Zögern kommt ihr nicht zupass.
Ich bin um Ruh' bemüht.

"Was ist daran, verdammt, so schwer??
DREI WÜNSCHE HAST DU FREI!!!!!"
Wo kommt die Fee nur plötzlich her?
Mich ängstigt ihr Geschrei.

"Mir platzt die Naht! Jetzt rede. Los!"
Welch hexenhafte Fee!
Mir fällt nichts ein, was mach' ich bloß?
Woher mit der Idee??

"Du bist ein schwerer Fall, mein Kind!
Gleich ist die Chance vorbei."
Ich denke nach und sag' geschwind:
"Drei Wünsche also. Drei ...."

Ich glaube nicht an Zaubermacht,
drum mach ich einen Jux,
und sage kindlich unbedacht:
"Ich wäre gern ein Fuchs.

Dann wär' ich gern ein Elefant,
und dann, zu guter Letzt,
ein Igel, den die Feen-Hand
auf einen Rasen setzt."

Ein Zisch, ein Knall, ich bin ein Fuchs,
und eh ich 's recht verstand,
(es blieb nicht Zeit für einen Mucks)
war ich ein Elefant.

Oh nein, oh nein. Welch übler Spaß.
Ein grauenvoller Tag.
Schon fand ich mich im grünen Gras
als Igel und erschrak.

Die Fee verschwunden. Ach, und ich
hock' starr in grüner Au.
Wer mich entdeckt, der nehme mich
zu seiner Igelfrau ....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 29. Mai 2015

Die Behutsame




Denkt Euch, ich hab' eine Hummel gesehn.
Sah sie im Kelch eines Blümeleins stehn,
Blätter derselben betrachtend,
mich und die Umwelt nicht achtend ...

Wie sie so stand und von jedweder Seit'
sich an dem sattgelben Wunder erfreut',
nahm sich mich völlig gefangen,
dass mir die Herzschläge sprangen ...

Während die Menschen so ruhelos sind
(was sie verhärmt macht und bitter und blind),
scheint mir die Hummel versunken,
scheint von der Ruhe betrunken ...

Gerade als ob sie ein Kunstwerk beschaut,
hat sie sich musternd vors Gelbe gebaut.
Ihre behutsame Weise
schlägt eine bleibende Schneise

in meiner Seele und macht mich beglückt.
Diesen Moment hat der Himmel geschickt.
Dieser Moment küsst die Sinne,
dass ich dem Alltag entrinne ...

Eine geschlagene Dreiviertelstund'
tat mir die Hummel ihr Tagewerk kund.
Dann aber war sie verschwunden.
Hab' sie nie wiedergefunden ....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 28. Mai 2015

Mühlenflucht



Sind wir erstmal in der Mühle,
erstmal drin im Hamsterrad,
sind 's der Seufzer baldigst viele,
weil 's ja kaum mehr Leben hat ...

Keine Zeit, sich zu erholen,
keine Zeit, entspannt zu sein.
Jeden Tag die Schuh besohlen
und ins schnelle Rad hinein.

Stund' um Stund' greift ineinander.
Tick und Tack. Und steht nicht still.
Und man lebt sich auseinander
in dem alltäglichen Drill.

Geld muss her für tausend Träume.
Autos. Reisen. Haus und Kind.
Keine Zeit für Zwischenräume.
Nur wer schuftet, der gewinnt.

Hochgeschraubtes Anspruchsdenken.
Jeder möchte König sein.
Doch sich selber Ruhe schenken?
Bringt das denn auch Taler ein?

Bares. Bares. Scheffeln. Schaffen.
Tausend Träume kosten Geld.
Ach die Armen. Wie sie raffen,
eh der Tod sie einbestellt.

Immer Gold und Silber jagen,
ist der Sinn des Lebens nicht.
Lasst euch vom Poeten sagen:
Geld ist Glück, das schnell zerbricht.

Also raus aus Rad und Mühle.
Minimal zufrieden sein.
Gebt der Seele Hochgefühle,
ladet euch die Stille ein ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 27. Mai 2015

Fremde Augen




Durchs Fenster blickt ein Augenpaar
mir gerade ins Gesicht.
Sein Glänzen ist so wunderbar,
so rein, so lieb, so sanft, so klar -
als ob 's vom Himmel spricht ...

Vielleicht ja ist 's ein Engelein,
das durch die Scheiben sieht.
Es hüllt sein Blick mich seltsam ein.
Ich möcht' gern drin verloren sein,
weiß nicht, wie mir geschieht.

Das Augenpaar hält fest an mir,
es mustert mich komplett.
Es geht durch meines Herzens Tür,
und fühlt sich ganz willkommen hier
an der geheimem Stätt' ...

Jetzt rüttelt es am starren Sinn,
und reißt die Zweifel raus.
Da rafft es meine Ängste hin,
den Sorgen wird der Atem dünn -
schon nehmen Sie Reißaus.

Das Augenpaar wird mir suspekt.
Ich schein' hypnotisiert.
Es hat die Seele aufgedeckt,
bis selbige die Freiheit schmeckt,
und nichts als Frieden spürt.

Zu wem gehört das Augenpaar???
Die Neugier ist entfacht.
Wie brennend doch die Frage war!
ZU WEM GEHÖRT DAS AUGENPAAR,
das solche Wunder macht???

Ich geh zum Haus. Ich klopfe an.
Es öffnet mir ein Kind.
Ich frag 's, ob 's mir verraten kann,
wes Augen dort mit solchem Bann
so unbeschreiblich sind.

Das Kindchen denkt: "Was will die Frau?"
Und lacht mich höhnisch aus.
"Ein Augenpaar? Du bist wohl blau??
Ich sag' dir was, und hör' genau:
ICH BIN ALLEIN IM HAUS!!!!

Eventuell bist du verrückt,
und innen sonderbar."
Dann hat es mich nach Haus geschickt,
das kleine Kind. Von innen blickt
des Engleins Augenpaar ...



(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 26. Mai 2015

Vom Rabenvater, der ein Hase war



Auf offner Wiese: Hasenstreit.
Sie zetert wie von Sinnen.
Er kontert barsch: "ES TUT MIR LEID!!
Lass uns von vorn beginnen!"

Wollt' Ihr den Grund von diesem Zwist
denn allen Ernstes hören?
Der Hasenmann sitzt da und frisst
sich satt an Nachbars Möhren.

Jetzt schaut Ihr etwas fragend drein.
"Was ist daran so bitter?
So lass' den Mann doch fressend sein.
Was soll nur das Gewitter??"

Die Hasenfrau hat aber Grund,
sich heftig zu brüskieren,
und laut mit ihrem Hasenmund
den Aufstand zu riskieren.

Derweil ihr Mann sein Bäuchlein füllt,
sitzt sie mit sieben Kindern,
die hungrig sind, doch keiner stillt
den Ruf von sieben Mündern.

Sie hatte zwar den Mann geschickt,
ums Leibwohl sich zu kümmern,
doch fraß er gleich, was er gepflückt,
und ließ die Kinder wimmern.

Saß schmatzend da in Nachbars Feld
und ließ sich 's herrlich munden.
Die Frau hat ihm dann nachgestellt
und also so gefunden,

wie er die Möhren still genoss.
Da platzte ihr der Kragen.
Sie nannte Reiter und auch Ross,
und ward nicht still, zu klagen:

"Ein Rabenvater bist du wohl !!
Die Kinder lässt du schmachten,
und frisst hier Möhren oder Kohl,
ohn' deine Brut zu achten."

Der Hasenmann - erfüllt von Scham -
rupft Möhren nun um Möhren
heraus, die seine Frau ihm nahm,
zu bringen ihren Gören.

Sie trug ihm lang noch hinterher
sein egomanes Walten.
Erst als er sprach: "Es reut mich sehr!!",
konnt' sich das Glück entfalten.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 25. Mai 2015

fressen und gefressen




"Ich-hänge-in-der-Luft"-Geschrei
wohin das Ohr sich dreht,
dass mir die Lust vergeht
bei dieser Seelen-Jammerei.

Die Zeit zu schnell. Der Druck zu groß.
Das ICH verliert den Halt.
Die menschliche Gestalt
legt kaum die Hände in den Schoß.

Termine werden angehäuft.
Und der Kalender quillt,
bis dass er platzt und brüllt,
warum die Uhr so schnelle läuft!?

Vom Vierundzwanzig-Stunden-Tag
dreiviertel nur nach Plan.
Da wird gemacht, getan ....
(doch nie, was auf der Seele lag).

Denn auf der Seele lag der Traum
nach einer Zeit für sich.
Das abgewrackte ICH
erholte sich seit Jahren kaum.

Verwundern aber tut es nicht.
Der Alltag frisst und frisst,
und wer gefressen ist,
des Stimme hat auch kein Gewicht.

Sein "Hänge-in-der-Luft"-Geschrei
verhallt, verstummt, verklingt.
Wenn es zutage dringt,
dann ist das Leben längst vorbei.



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 24. Mai 2015

nobody knows



Ein froh gelaunter Wandersmann
setzt Fuß vor Fuß und flötet
ein Lied, das er sich just ersann,
bis dass ein Schreck, ja gar ein Bann,
das Haupt ihm ängstlich rötet.

Da sitzt doch glatt ein Krötentier
des Wegs und starrt ins Leere.
Der Wandrer misst zwei Meter vier
und ängstigt sich nach Kindmanier,
und macht sich keine Ehre ...

Die Kröte misst - so round about -
wohl zwanzig Zentimeter.
Ich frage mich, wer wem misstraut,
und wem hier wohl am meisten graut.
Dem Krötentier? Dem Flöter?

Wie David und wie Goliath
steht man sich gegenüber.
Der Wandrer spricht: "Oh HERR, schick Rat
und schreite hilfreich doch zur Tat,
dein Wille ist mir lieber!"

Die Kröte aber ihrerseits
fleht ebenfalls nach oben
bezüglich göttlichen Geleits
zur Abwendung des Seelenleids,
denn Herz- und Pulsschlag toben ...

Und Gott? Der hat genug gesehn.
Er setzt dem Spuk ein Ende.
Noch während sich Gedanken drehn
beim Tier, beim Mensch, nimmt schnell und schön
das Ganze eine Wende:

Vom Teiche lockt mit zartem Quak
ein Froschweib den Vermissten:
"Bedenke, heut' ist Hochzeitstag!!!"
Da hüpft er hin, weil er sie mag.
Ob sie einander küssten??

Der Wandersmann - der Angst befreit -
dankt Gott und wandert weiter.
Dass er sich vor 'nem Frosch gescheut,
weiß niemand sonst (und zwar bis heut).
Nur Gott. Der fand es heiter ...


(c) Bettina Lichtner