Dienstag, 27. Oktober 2015

Schlafende Hirten




Der böse Wolf! Die Schafe zittern.
Er kommt des nachts, wenn 's niemand sieht.
Sie blöken, wenn sie seiner wittern,
und ahnen, dass dann Böses blüht.

Sie können ihm auch nicht entkommen.
Ihr Feld ist allseits eingezäunt.
Heut' hat er sich ein Lamm genommen,
und dessen Mutter hat geweint.

Der Hirte sieht 's am nächsten Morgen.
Er schlief, als jener Mord geschah.
Nun wendet er sich voller Sorgen
ans Tagesblatt. Und siehe da,

schon steht der böse Wolf am Pranger.
Die Leserschar ist aufgeschreckt,
Den Müttern wird nun bang und banger,
die Jäger haben Blut geleckt.

Das arme Tier! Ihm knurrt der Magen,
und Lamm gehört zum Speiseplan.
Nun geht 's ihm sicher an den Kragen!
(Der Mensch und ach, sein Rachewahn ...).

Der Mensch isst selber Vieh in Massen
(nur vor dem Schlachten scheut er sich).
Nun kriegt EIN Wolf EIN Lamm zu fassen,
und alles schreit????? Wie sonderlich ...

Dann muss der Hirt halt Schafe hüten,
so wie es war vor langer Zeit!!!!
Jetzt über Isegrim zu wüten,
ist eine Unverfrorenheit.

Nein, nicht der Wolf, der Mensch ist böse!!
Der Mensch allein gehört verbannt.
Wenn ich das Wolfsgehetze lese,
dann steigt mein Zorn bis an den Rand.

Der Hirt schläft fest in weichen Daunen,
und seiner Herde droht Gefahr.
Das Weihnachtsfest bringt uns Erstaunen,
weil dort der Hirt noch Hirte war.


© Bettina Lichtner

Montag, 26. Oktober 2015

Es zeigen sich Risse



Da laufen sie wieder, die Sklaven, die Knechte
der Handys, der Smartphones und sehen gebannt
auf blinkende Displays. Und Tage und Nächte
liegt innig verwurzelt das Ding in der Hand.

Kein Schritt ohne jenes. So weit ist 's gekommen!
Die Sucht hat die Mehrzahl der Menschen gepackt.
Das Umfeld, den Nächsten ---- 's ist alles verschwommen.
Die Sklaven sind ganz in der Scheinwelt versackt.

Sie gehen zu zweit, aber jeder alleine.
Sie reden nicht mehr über dieses und das.
Sie lieben die Handys! Sie ihr's. Er das Seine,
derweil man einander zu lieben vergaß.

Und wofür vergessen sie Liebe und Küsse?
Für sinnloses, nutzloses Technikgeschwätz.
Die Seelen erkalten. Es zeigen sich Risse
im göttlich erdachten mitmenschlichen Netz.

Die Augen sind einzig aufs Handy geheftet.
Das Herz in der Brust schreit nach Aufmerksamkeit.
Das WIR wird allmählich und leise entkräftet ...
Was ist das für eine gefühllose Zeit!?!



© Bettina Lichtner

Sonntag, 25. Oktober 2015

Auch dir



Lass die betastenden Blicke! Es stört mich,
wenn sie vom Scheitel zur Fußferse wandern.
Glaubst du denn wirklich, es ziemt und gehört sich,
dieses begierige Schau'n nach der andern?

Wie ich mir wünschte, ich wär' eben diese,
die deinen Kopf so mit Sehnsüchten flutet.
Doch ich erleb' eine innere Krise!
Merkst du denn nicht, wie die Seele mir blutet?

Ja, ich bin alt und bisweilen gebrechlich.
Sie ist so jung, so erfrischend, und schüchtern.
Ja, sie ist zart, du verfällst ihr so schwächlich.
Neu gegen alt (ich betrachte es nüchtern).

Wisse, mein Liebster, was jetzt so verfänglich,
bleibt ja nicht immer in süßlicher Hülle.
Alles, was blüht, ist am Ende vergänglich.
(Sage nicht ich! Es ist göttlicher Wille!)

Laster und Lust bergen Leid und Verderben.
Halt' die Gedanken in ehrlichen Bahnen!
Gehst du zu ihr, wird das Unsrige sterben!
Dies sei ein leises, doch ernstes Ermahnen!

Bist du so wirr von dem Teint ohne Falten?
Sei auf der Hut! Man verbrennt sich am Feuer!
Frei. Du bist frei. Nimmer werd' ich dich halten!
Früher war ich 's, die dir lieb war und teuer.

Furchtbare Welt, wenn 's nur geht um das Eine.
Ist da nicht mehr, als durch Betten zu springen?
Ja, ich bin alt, und ich sag', was ich meine.
Aber auch dir wird man 's Sterbelied singen ...



© Bettina Lichtner


Freitag, 23. Oktober 2015

Sei ein liebes Kind



Du führst doch was im Schilde, Kind!?!
Dein Blick spricht tausend Bände ...
Wenn Wort und Werke böse sind,
dann nimmt 's kein gutes Ende!
Behalte deine Weste weiß,
denn wisse, kleiner Naseweis:
man kriegt so einen Sündenfleck
nur selten wieder weg.

Was irgendeinem Schaden kann,
das sollte man nicht machen.
Fang' nicht mit schiefen Bahnen an.
Dort kann es übel krachen!
Sie werden gar zum Labyrinth,
drum wisse, wisse, liebes Kind:
bleib immerzu dir selber treu
und aller Bosheit frei.

Vergiss, was du im Kopfe heckst.
Es bringt nur Scherereien.
Was du noch innerlich versteckst,
lass lieber nicht gedeihen.
Du weißt: der Eltern Strafgericht
ist hart, wenn es sein Urteil spricht.
Du hast es ja schon oft gespürt,
was schlimmstenfalls passiert ...

Das Streichespielen ist tabu
in unsren guten Stuben.
Es raubt dem Frieden seine Ruh'.
und gräbt nur tiefe Gruben,
in die du schließlich selber fällst,
wenn du den Unfug beibehältst.
Erspare dir den Schmähgesang
und schadenfrohen Klang.

Sei lieber deiner Eltern Freud'
und achte, was sie sagen.
Denn deine Ungezogenheit
ist schwer für sie zu tragen.
Ein braves Kind tut wohl und gut.
Sei also immer auf der Hut
vor deinem Herz, dass es nicht kränkt.
Mach, dass es Liebe schenkt ...



© Bettina Lichtner

Donnerstag, 22. Oktober 2015

ehrlich tut weh



Ich seh dich an und weiß: Du lügst.
Ja, ja, ich spüre du betrügst
mich mit der blond gefärbten Drallen.
Das scheint dir gar nicht zu gefallen,
dass ich die Heimlichkeit durchschau,
und deinen Worten nicht vertrau.

Du stotterst ja! Was stotterst du?
Bringt der Verdacht dich aus der Ruh'?
Wie ich auf solche Dinge käme??
Ob ich mich eigentlich nicht schäme,
dir ein Verhältnis anzudrehen?
Fragst mich noch süßlich "Soll ich gehn?"

Ich hab' Beweise für und für!
Erst dieser Zettel vor der Tür:
"Heut' Abend, Schatz? Um 9? Wie immer?"
Dann der Parfum-Geruch im Zimmer,
der meiner nicht noch deiner ist.
Herrje, wie wenig schlau du bist ...

Schleichst Nacht für Nacht in dein Büro
und twitterst ihr "Ich lieb dich so!!".
Ich werd' verrückt bei dem Gedanken,
dass ihr tabulos ..... ohne Schranken
und hemmungslos im Glück versinkt,
und gar in Grenzgebiete dringt.

Wann triffst du sie? Na los, spuck 's aus!!
Ich warte brav und dumm zuhaus'
und glaub' an deine "Überstunden",
und ach, du seist ja so gebunden
an Aktenordner, Arbeitspflicht.
Derweil dein Herz was andres spricht ...

Dein Herz liegt längst in ihrer Hand.
Sie raubt den kläglichen Verstand,
und hält dich fest in ihren Klauen!
Es ist nur schwerlich zu verdauen,
dass DU dich in die Schlange reihst
der Männer, deren Herz entgleist ....

Ich kämpfe nicht um unser WIR.
Hau au! Hau ab! Los ... geh zur IHR
und lass dich rundherum verwöhnen.
Soll SIE dir doch dein Leben krönen.
Ich hab', Pardon, die Schnauze voll.
Ich tue endlich, was ich soll

und schmeiß dich raus. Ganz hoch. Ganz weit.
Das "ich&du" ..... Vergangenheit!!!
Ich werde schon nicht untergehen.
Adieu. Auf Nimmerwiedersehen.
Ich bin nicht deines Weges Stein.
Das Leben kann so ehrlich sein ...



© Bettina Lichtner

Dienstag, 13. Oktober 2015

Die Gedanken sind ....



Die freien Gedanken - so köstlich besungen -
sind leider zu oft aus der Reihe gesprungen,
und standen sich selber im Weg.
Ich rief sie zur Ordnung (ist selten gelungen).
Sie haben sich dreist auf die Zunge geschwungen
und nannten sich laut SAKRILEG.

Sie schimpften, sie drohten, sie mordeten Seelen.
Wie Monster verließen sie Kerker und Höhlen,
zu bringen Verderben und Leid.
Ich bat sie zu flüstern, sie liebten das Grölen.
Sie übten sich ständig im bösen Verfehlen,
und wurden ein lästig' Geleit.

Sie waren für andre so schwer zu erraten,
sie rissen mich hin zu bedenklichen Taten,
die niemand zu deuten verstand.
Es waren so bittere, giftige Saaten.
Ich musste durch schlammigen Geistesgrund waten.
Wer wusste schon, was ich empfand?

Und ach, die Gedanken, sie wurden zur Schlange.
Sie würgten mein Leben und machten mich bange,
derweil mich die Menschheit verstieß.
Es dauerte ewig, es dauerte lange,
dann endlich nahm Gott meinen Geist in die Zange,
bis Hölle und Angst mich verließ.

Kein Mensch konnte schaffen, was Gott nun erreichte.
Er stillte die Stürme, er lauschte der Beichte,
und trieb alles Böse hinaus.
Er nahm mir das Schwere und gab mir das Leichte.
Er war 's, der die Seele mir heilte und eichte.
Nun fühl' ich mich endlich zuhaus'.



© Bettina Lichtner

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Viel Glück, Kleiner



Vaters' Hand trifft immer wieder, immer wieder trifft sie hart.
Und der Junge möchte fliehen, doch wohin?
Er ist gerade mal acht Jahre, seine Seele noch so zart.
Vaters Faust verfehlt nur knapp das kleine Kinn.

Auf dem Tisch steht eine Flasche mit 'nem letzten Schlückchen Rum.
Von der Mutter fehlt seit langem jede Spur.
Vater wütet wie ein Irrer, nennt den Jungen blöd und dumm.
Und der Grund? Eine missratene Zensur.

Grün und blau schlägt er den Knaben, was kein anderer sonst sieht.
Vor dem Haus spielt Nachbars' Tochter mit dem Hund.
"Selber Schuld!!!", entfährt 's dem Vater, "hätt'st dich besser mal bemüht!"
Und so geht es eine gute Viertelstund'.

Dann gelingt dem Jungen endlich doch die Flucht; er rennt hinaus.
Nachbars' Tochter bringt ihn eiligst ins Versteck.
Sie berichtet ihren Eltern von der Qual im Nachbarhaus,
und der Junge zeigt nun Fleck um Fleck um Fleck.

Die Behörden sind zur Stelle, nun geht alles seinen Gang.
Auch die Presse gibt noch fleißig Senf dazu.
Niemand wusste von dem Drama, das hier spielte - jahrelang.
Die Gerüchteküche gibt ja keine Ruh'.

Eine christliche Familie nahm den armen Jungen auf.
Endlich Wärme. Endlich Liebe. Endlich frei.
Und so nimmt sein junger Weg noch einen günstigen Verlauf.
Jetzt beginnt sein kleines Leben nochmal neu.



© Bettina Lichtner

Dienstag, 6. Oktober 2015

Schwerelos



Es tanzt in seines Mutters Leibe
ein Kindlein völlig unbeschwert.
Wie ist ihm diese sichre Bleibe
doch mehr als Gold und Silber wert.

Es scheint ja so, als würd' es ahnen,
dass außerhalb der Traulichkeit,
sich manche schwere Wege bahnen,
und manche Ungemütlichkeit.

Als wüsste es, dass nicht nur Freude
entlang des neuen Weges blüht.
Was tut das Leben ihm zuleide?
Stirbt es betagt? Stirbt es verfrüht?

Aus welchem Grunde wird es weinen?
Was wird ihm Frohsinn sein, was Schmerz?
Die Sonne wird nicht immer scheinen
in diesem neuen Menschenherz.

Die Eltern sind bemüht und schützen
ihr Kindchen vor der bösen Welt.
Es soll recht lang auf Watte sitzen,
dass es ja nicht herunter fällt.

Es soll nicht wissen, dass da draußen
auch Lug und Trug und Qualen sind.
Sie halten dieses wahre Außen
recht lange fern von ihrem Kind.

Und plötzlich ist das Kind erwachsen
und bricht aus diesem heilen Raum,
und stolpert über böse Achsen,
und glaubt sich in 'nem schlechten Traum.

Denn niemand hat ihm je berichtet,
wie 's wahre Leben wirklich ist.
Nun hat der Himmel sich verdichtet.
Was ist das, was am Herzen frisst?

Ein Lebensfrust, den 's nimmer kannte.
Es will zurück in Mutters' Schoß,
wo es das Glück sein eigen nannte,
wo 's friedlich war und schwerelos.



© Bettina Lichtner

Montag, 5. Oktober 2015

Die Unbeachtete




Die Vergangenheit klopft an, sich zu beschweren.
Weil man immerzu und ewig an ihr hängt.
Nicht vom Jammer noch vom Schwärmen will sie hören.
Ihr ist 's lästig, dass man ständig an sie denkt.

Denn die Gegenwart erleidet stille Schmerzen.
Kaum beachtet geht sie sang- und klanglos hin:
"Ach, die Menschen wenden gerne ihre Herzen
zum Vergangenen. Wie nutzlos ich doch bin!

Ich bemühe mich um ständiges Gefallen,

doch mein Hier und auch mein Jetzt sind einerlei.
Und stattdessen hör' ich immerzu von allen,
dass es früher doch so schön gewesen sei.

Früher, früher - dieses Wort ist mir zuwider.

Morgen, morgen - dieses Wort ist nur Fiktion.
Aber mich indessen trampeln alle nieder.
Sie verfangen sich in kreisender Vision."

Arme Gegenwart. Wie wahr sind deine Worte.
Niemand kostet deine Einzigartigkeit.
Dabei öffnest du so freundlich deine Pforte,
und empfängst uns stets im frischen, neuen Kleid.

Aber wir, wir gehen rasch an dir vorüber.
Wir erkennen nicht, was DU uns wirklich bist.
Und der Augenblick mit dir geht still hinüber,
dieser eine, der nur jetzt der unsre ist ...


© Bettina Lichtner

Sonntag, 4. Oktober 2015

MUT



Wozu soll ich Pläne schmieden?
Es verschwendet meine Zeit.
Lieber geb' ich mich zufrieden
mit dem Mix aus Glück und Leid.

Niemals kam 's, wie ich es dachte.
Gottes Hand regiert das Spiel,
was zum Teil Tränen brachte,
teils auch ein Hochgefühl.

Aber alles passt zusammen,
alles hat so sollen sein.
Ach, mir will das Herz entflammen
übers göttliche Gedeih'n.

Und so lasse ich mich gleiten -
ganz und gar in Seine Hand.
Gott wird alles wohl bereiten.
Meine Pläne bau'n auf Sand.

Seine aber halten Stürme,
halten Wind und Wetter aus.
Gott hat gute Rettungsschirme,
für das schwache Seelenhaus.

Will mich etwas niederdrücken,
schickt Er mir sein Bibelwort.
Gott ist gut im Geraderücken,
und die Trübsal schert sich fort.

Seine Pläne bringen ferner
nach dem Regen Sonnenschein.
Und er reißt mir oft die Hörner
ab, will ich zu störrisch sein!

Seine Pläne bringen Segen,
wie der Herbst des Lebens zeigt.
Also folg' ich Seinen Wegen,
tanze so, wie er mir geigt.

Widersetzen? Nie und nimmer.
Bin ich denn ein dummer Narr?
Seine Pläne legen immer
schlussendlich das Beste dar.

Auch wenn 's weh tut! Gott wird wissen,
was er plant und was er tut.
's ist ein Wollen, nicht ein Müssen
ihm zu Folgen. Darum: MUT.


(c) Bettina Lichtner


Samstag, 3. Oktober 2015

Sie kreisen weiter



Überm Panzer kreist ein Geier,
wartet wohl auf frisches Aas.
Jedwedes Kanonenfeuer
wirft ihm Beute in das Gras.
Wahrlich! Wenn die Büchsen knallen,
sinken Leiber ihm zu Krallen.

Sinken hin mit letztem Ächzen.
Und der Geier tut sein Werk.
Und die Geierkinder krächzen
gleichfalls überm Leichenberg.
"Dieser Berg wird hoch und höher!",
prophezeit der Zukunftsseher.

Wenn der Seher Recht behielte,
wird die Welt ein Friedhofsfeld,
wird gar eine unterkühlte
Erde, die zusammenfällt.
Kalte Herzen, kalte Tode.
Unsre Seelen sind marode ...

In den Kriegen stirbt die Liebe.
Nackte Angst im fahlen Blick.
Und die mordbrünstigen Triebe
sind das Gegenteil von Glück.
Wärme fehlt den Kriegsparteien.
Bitter werden sie 's bereuen!

Leben müssen zwischen Bomben.
Welch ein Leben ist denn das???
Tag und Nacht in Katakomben.
Hunger, Durst und sonst noch was ...
Und die Geier? Kreisen weiter.
Recht haben die Zukunftsdeuter ...



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 2. Oktober 2015

Zwischenzeilig



Sensationen, Sensationen
buhlen um die Gunst der Leser.
Eine böser noch als böser,
nicht gedacht zum Nervenschonen ....

Zwischen Zeilen muss es bluten.
Liegt die Wahrheit auf der Waage
tritt ihr hohler Kern zutage.
Lügen eignen sich zum Fluten ...

Zwischen Zeilen wüten Waffen.
Bilder, die die Sinne stumpfen,
wollen sich noch übertrumpfen.
Sensationsgier liebt das Gaffen.

Zwischen Zeilen schreien Schmerzen.
Und die Leserblicke saugen.
Ja, es suchen ihre Augen
geradezu das Leid der Herzen.

Zwischen Zeilen flehen Leben.
Bis ins Kleinste wird beschrieben,
wie sie sich zu retten üben,
oder sich dem Tod ergeben.

Zwischen Zeilen geht sie baden
unsre Welt samt Kreaturen.
Nirgends hoffnungsvolle Spuren!
Jedes Wort ist schreckbeladen.

Die verfluchten Zeitungsblätter!
Leichen schon zur Frühstücksstunde!
Selten eine frohe Kunde,
allenfalls in puncto Wetter ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Sieht du 's auch?



Siehst du 's auch? Das Blätterfärben?
Riechst du 's auch? Das Herbstgebräu?
Spürst du 's auch? Das Sommersterben?
Alle Jahre wieder neu ...

Wieder will ein Sommer scheiden.
Halten wollt' ich seine Hand.
Doch die Zeit wird es zerschneiden,
das so bunte Sommerband.

Kinder, wie die Tage rennen!
Immer näher rückt das Ziel.
Weinerlich muss ich bekennen:
in mir wallt ein Wehgefühl.

Wie gewonnen, so zerronnen ...
Trügerischer Lebenslauf.
Was so frohgemut begonnen,
hört ja doch zu atmen auf.

Freut' ich mich noch eben gerade
übers Lenz- und Sommerfest,
ist es schon vorbei. So schade,
dass es sich nicht ändern lässt.

Nicht einmal der Hauch der Stunde
wollte bleiben; wollt' er nicht ...
Mit der Ewigkeit im Bunde
ist sogar das Sommerlicht.



(c) Bettina Lichtner