Sonntag, 29. Januar 2017

Fahr zur Hölle!


Der Rehbock und der Jägersmann,
die sind sich nimmer grün.
Der Jäger legt die Flinte an,
der Rehbock rennt, so schnell er kann,
dem Tode zu entflieh'n.

Gewaltsam seiner Zeit beraubt,
liegt bald der Bock im Rohr.
Der gestern noch sein scheues Haupt
mir zugewandt, hat nicht geglaubt,
er stünd' vorm Himmelstor.

Ach gestern, ja, da war sein Sinn
rein paarorientiert.
Das Sterben ward ihm kein Gewinn,
und seine Zukunft schwand dahin,
als er exekutiert ...

Die Zukunft, blühend ausgemalt,
ward jäh im Keim erstickt.
Der Jägersmann hat laut geprahlt
und sich in seinem Glück geaalt,
als er den Bock gespickt.

Nun zieht der Bock als Duft durchs Haus,
und draußen weint ein Reh,
das ihn geliebt. Doch alles aus ....
Ihr Böcklein, nun ein Gaumenschmaus,
weiß nichts von ihrem Weh.

Schon bald gebiert das Reh ein Kitz
von eben jenem Bock.
Der Jäger sieht 's vom hohen Sitz,
und putzt genüsslich sein Geschütz,
dem Tierfreund wohl zum Schock ...

Der nächste Schuss - wann wird er sein?
"Doch, Jäger, warte nur!
Auch dich holt der Gevatter ein,
und schickt dich ganz und gar allein
auf deine Höllentour!!!"


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 24. Januar 2017

Irgendwann ...


Unterm strengen Frost hält brav
der Frühling seinen Winterschlaf,
und träumt vom letzten Jahreskreis,
da alles bunt, nachdem es weiß.

Tief in seinem Schlummerland
ist eine Sehnsucht ihm entbrannt
nach Farben, Düften und Gebrumm,
und schlug ins Ruhelose um.

Ungeduld kroch ins Gemüt
dem Dieb gleich, der ums Häuschen zieht.
Die Winterruh', die so beschützt,
hat sich die Ungeduld stibitzt.

O, da war der Teufel los
und gab dem Frühling einen Stoß,
der ihn aus allen Träumen riss
und jene übern Haufen schmiss.

"Du verdammter Winter! Geh!!!",
Was bringst du schon als Ach und Weh.
Die Menschen frieren, und ihr Herz
zieht 's allenthalben frühlingwärts."

Meister Lenz war außer sich.
Er wünschte so, die Kälte wich,
und machte ihm die Wege frei.
Doch lange dauert 's noch bis Mai.

Noch regieren Schnee und Eis.
Und irgendwann, ganz still und leis',
sind alle Knospen aufgetan.
Dann fängt das schöne Frühjahr an ....


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 19. Januar 2017

süß & bitter


Haltet ein, ihr so Gehetzten!
Ist das Leben euch nicht lieb?
All ihr fern und nah Vernetzten -
warum schaut ihr denn so trüb?

Rennend, rasend, schnell und weiter -
das ist euer Tageslauf.
Mit der Hektik als Begleiter
nehmt ihr allerlei in Kauf:

Euer Herz muss kräftig schlagen,
um dem Tempo Herr zu sein.
Doch ihr hört nicht auf sein Klagen,
gerade so, als sei 's aus Stein.

Die Gedanken ---- durcheinander.
Eben hier und plötzlich dort.
Für ein nettes Miteinander
fehlt der Zunge oft das Wort.

Eure Beine haben Mühe
euch zu tragen in der Hast.
Eure Lunge schreit: "ICH GLÜHE !!"
Denn zu groß ist ihre Last.

Ihr jedoch denkt nicht ans Zügeln
eurer Kraft und eurer Zeit.
Aber hinter eitlen Spiegeln
wartet schon die Ewigkeit.

Sagt mir doch: Was ist gewonnen,
wenn die Uhr sich schneller dreht?
Was im Mutterleib begonnen
ist doch allzu schnell verweht ...

Liebt das Leben! Dieses eine,
dieses süße, bittre Ding,
dies' vergängliche und kleine,
das euch stets im Nacken hing ...


(c) Bettina Lichtner


Dienstag, 17. Januar 2017

Meilenweit


Der Kohl ist reif! Reißt ihn vom Strunk!
Der Bollerwagen steht am Start
mit viel Musik und klarem Trunk!
Es lebe unsre Grünkohlfahrt.

Ein Schnäpschen hier, ein Spielchen dort.
Wir wandern fröhlich meilenweit,
und singen lustig immerfort
vom großen Glück der Grünkohlzeit.

Der Hunger steigt. Der Magen knurrt.
Der Weg zum Gasthaus macht sich lang
und breit dazu. Und weh', wer murrt -
den nimmt der Missmut in Empfang!

Zu viel indes an Schritt und Tritt
schließt schnell die Tür der Kräfte zu.
Drum wandert auch die Pause mit,
und gönnt den Beinen eine Ruh'.

Dem Eierbecher vor der Brust
wird eingefüllt der kühle Korn!
Der mildert gleich den Wanderfrust,
und lenkt den Fuß gestärkt nach vorn.

Noch eh die Zunge lallend spricht,
steht man schon vor des Gasthofs Tür.
Wie duftet doch das Kohlgericht ....
Wie wohl schmeckt doch das kalte Bier.

Schon biegt der Tisch sich unterm Mahl.
Ein dreifach Hoch dem Winterkraut!
Ein "aah" und "mmh" klingt durch den Saal,
derweil der Leib den Kohl verdaut.

Und plötzlich Majestätenglanz!
"Hipp Hipp Hurra" dem Königspaar!
Es lädt sogleich zum frohen Tanz,
und denkt vielleicht ans nächste Jahr,

wenn sich der Kreis aufs Neue dreht,
und neuer Kohl im Topfe gart,
für den man wieder Meilen geht
bei altbewährter Grünkohlfahrt.


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 15. Januar 2017

Vergiss den Hirten nicht


Es läuft das Schaf dem Hirten fort,
sich ohne ihn zu finden.
Das hochheilige Bibelwort
will 's nimmer an sich binden.

So geht das Schaf nun querfeldein,
gewillt, sein Glück zu schmieden.
Es kann ja nicht so schwierig sein.
Wer braucht schon Gottes Frieden?

Der Mut ist froh. Gestärkt die Kraft.
Das Herz gefüllt mit Träumen.
Das Heimweh hat es bald geschafft,
sich aus dem Weg zu räumen.

Die Ferne ruft. Das Schäflein zieht
durch alle Herrenländer.
Dass es derweil sich selbst entflieht,
entgeht dem kleinen Blender.

Auf einmal - völlig ungeahnt,
inmitten aller Freude,
hat sich der Trübsinn angebahnt.
Schon blitzt des Messers Schneide.

Soeben tanzte noch die Lust
am puren prallen Leben
auf jener Schneide, doch die Brust
hat still Alarm gegeben.

Die Träume waren aufgebraucht,
der Mut ganz tief gesunken,
die Kraft auf einmal ausgehaucht.
Das hat dem Schaf gestunken ...

Jetzt hat sich noch die Wut gesellt,
und Neid auf Frohgesinnte.
Auch Argwohn hat sich eingestellt.
War das des Teufels Finte??

"Oh, lieber Gott, was tat ich nur?
Nun brauch ich einen Hirten!!
Mein Inneres kommt aus der Spur
und will den Gram bewirten."

Der Hilferuf kam droben an,
und Gott ließ Gnade walten.
Noch eh das Schäflein sich besann,
ward es vom Herrn gehalten.

Der Herr mit Namen Jesus Christ
war nun sein Weggefährte,
dem 's Schaf brav aus den Händen frisst,
weil 's ja zu Ihm gehörte.

Welch schöne Reise war es jetzt
mit Jesus an der Seite!
Das Ego vor die Tür gesetzt,
und Platz der Gottesweite!

(c) Bettina Lichtner