Montag, 10. Juli 2017

Eingekreist


Bin eingekreist. Von allen Stunden.
Als schnappte gleich die Falle zu.
Bin in Terminen eingebunden,
und meine Seele ist verschwunden.
Sie sucht vergeblich ihre Ruh' ..

Da sehe ich des Nachbars Köter
sich suhlen in Gelassenheit.
Nicht mal das kindliche Gezeter
beeindruckt diesen Schwerenöter.
Nichts reißt ihn aus der Schläfrigkeit.

Beneidenswertes, reiches Wesen!
Ich wünschte mir, ich wäre Hund.
Ich würd' verschlingend Bücher lesen,
mich aus diversen Ketten lösen,
denn Ketten sind so ungesund.

Ich schau ihm zu, dem allzeit Treuen.
Sein Atem ist so flach, ganz flach.
Da kommt ein Kind, ihn anzuschreien
und Sandkörner ins Ohr zu streuen -
da wird das Tier erschrocken wach.

Des Mutters Schelte hat gesessen!
Der Hund versteht die Sprache nicht.
Das Kind entschuldigt sich indessen
für jenes, was es ausgefressen,
und macht ein schuldiges Gesicht.

Der Hund aber hat sich geschüttelt,
bis dass der Sand zu Boden fiel.
Dann hat er noch ganz unvermittelt
dreimal gebellt, am Korb gerüttelt,
und sich ergötzt am Stöckchenspiel.

Schlussendlich fand der Stressgeplagte
dann wieder zur Gelassenheit,
weshalb er jedes Spiel vertagte,
sogar der Streichelei entsagte
aufgrund enormer Müdigkeit.

Derweil mich selbst die Pflichten jagen!
Wer fragt mich schon nach meiner Kraft?
Wen kümmert schon mein Jammerklagen?
Ach, könnte mir der Hund doch sagen,
wie man sich Ruhezeiten schafft ...


(c) Bettina Lichtner

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