Samstag, 15. Juli 2017

Hautunverträglichkeit


Mein schwarzer Teint ist dir ein Dorn.
Du sprichst zu mir in wildem Zorn
und gibst dich überlegen.
Dein Wort prescht aggressiv nach vorn.
Und mächtig bläst die Wut das Horn,
mich aus der Welt zu fegen ...

Du fühlst dich stark, denn du bist weiß.
Das Gestrige dreht sich im Kreis
mit schändlichen Parolen.
Du drängst mich auf das Abstellgleis.
Ich zahle einen hohen Preis:
mir wird das Herz gestohlen.

Was ist in dieser Welt passiert?
Das Fremde wird diskriminiert
und nirgendwo geduldet.
Das Feuer wird mit Hass geschürt,
bis es zu Flächenbränden führt,
und sich haushoch verschuldet.

Die Freiheit, die mir so vertraut,
hat mich misstrauisch angeschaut
und treibt mich in die Enge.
Allein die Farbe meiner Haut
hat mir den Weg zu ihr verbaut,
in Breite wie in Länge.

Verstehe dieses, wer da kann ....
Ich kam auf dieser Erde an
als mündig freies Wesen.
Doch ewig zieht den weißen Mann
das Fremdartige in den Bann -
zuallermeist im Bösen.

Ich tauschte gerne meine Schuh'
mit dir und wäre frei wie du.
Und du? Im Schwarz gefangen!
Dann sähe ich dir gerne zu,
wenn Tag und Nacht und ohne Ruh'
die Feinde nach dir langen.

Vor kurzem sah ich ein Klavier.
Da reihten sich in stiller Zier
die schwarz- und weißen Tasten,
und spielten schönste Weisen mir
mit dem harmonischem Gespür,
die Seele zu entlasten.

Auf dem Piano - kein Problem.
Schwarz-Weiß sind sich nicht unbequem!
Das Lied schweißt sie zusammen.
Dir ist mein Hautbild nicht genehm,
drum wirfst du heut' wie ehedem
auch weiterhin mit Flammen.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut!"
Ach, weißer Mann, hab' doch den Mut,
mir deine Hand zu geben!
Es eint uns doch das rote Blut.
Ist es denn nicht das höchste Gut,
friedlich vereint zu leben?


(c) Bettina Lichtner


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