Montag, 3. Juli 2017

Vom Fremdeln


Wie ist der Mensch so undankbar!
Da lächelt man ihn freundlich an,
und erntet Schelte. Sonderbar ...
Was gestern gute Sitte war
führt heut' den Argwohn im Gespann.

"Was schaust du so?" Welch rauer Ton!
"Verzeihen Sie die Freundlichkeit ..."
Kaum ist 's gesagt, da wüten schon
der Missmut und der blanke Hohn
und wünschen mich gen Ewigkeit.

Was ist am Lächeln falsch, mein Gott?
Ich hab' es ja nur gut gemeint.
Ein netter Blick im grauen Trott
führt gleich zu bitterbösem Spott
und ist mit Teufels Blut vereint.

Kein Wunder, dass in dieser Welt
der Frieden schwer zu finden ist.
Wenn schon ein Lächeln nicht gefällt,
dann ist das Herz falsch eingestellt:
es steht bei Tag und Nacht auf Zwist.

Der rohe Mensch erträgt es nicht,
wirft ihm ein Mund ein Lächeln zu.
Er macht ein mürrisches Gesicht,
wird misstrauisch und hält Gericht,
und raubt sich selbst die Seelenruh'.

Er fremdelt mit der Freundlichkeit.
Bedauerlich. Sie stünde ihm ....
Ich schenkte meine Herzlichkeit,
er stand Gewehr bei Fuß bereit ....
Wir werden wohl kein gutes Team.


(c) Bettina Lichtner

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